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- Kulturenvergleich -
Antike und Abendland
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Frühling / Morgen
6 Uhr
12 Uhr
Frühkultur
Dom in Köln; Baubeginn,: 1248Burg Waldeck (13. Jh.) und Burg Calenberg (14.Jh.)Gotische KathedraleRathaus in Osnabrück, 1487-1512
10-12 Uhr
Kultursymbol oder Kulturspracherwerb

Die für ein Kind oder eine Frühkultur intellektuell weitreichendste Leistung erfolgt in dieser Phase des Erwerbs elterlicher Kultursprache, ohne den die noch folgenden Phasen des Schulalters nicht zu bewältigen wären. Das Kind lernt die sogenannte Muttersprache, indem es sein bereits vorhandenes Sprachverständnis, aber noch bescheiden ausfallendes Sprachrepertoire durch Fragen, Selbstkorrektur und Hyperkorrektur ständig erweitert. Das Kind erwirbt die Sprachbeherrschung nicht primär deshalb, weil ihm die umweltlichen Personen die Sprache vorsprechen. In diesem Fall hätte das Kind eine merkwürdige Mischung aus verschiedenen Idiolekten gelernt. Auch wenn die Erwachsenen und älteren Kinder im Umgang mit dem kleinen Kind eine spezifische Sprachsituation herstellen und eine empathisch kindgemäße Sprache benutzen, so verwenden sie dabei keine völlig korrekte Sprachgrammatik, obwohl das Kind sich gerade für diese interessiert und sie mittels Fragen spielerisch einstudieren möchte. Es will gerade die auf konventionelle Regeln aufgebaute Sprache lernen und benutzen, komplexe Grammatikstrukturen durchdenken und syntaktisch-morphologische Einheiten verwenden, und zwar auch solche, die es niemals von einem anderen Menschen gehört haben kann (z.B. „er kamte, rufte, gangte“ u.s.w.). Es sind gerade die Ausnahmen der Regeln, die diese Tatsache deutlich machen. Das Kind kennt die Regeln, aber noch nicht die Konventionen, die deren Ausnahmen regeln. Dafür braucht es die auf Konventionen getrimmte ältere oder elterliche Umwelt. Es hat offenbar eine Grammatikstruktur im Kopf, die angeboren zu sein scheint. (Vgl. Nativismus). In den Sprachsituationen bewegt sich die ältere Umgebung auf das Kleinkind und das Kleinkind auf die ältere Umgebung zu. Oft sind also die Rollen aus pädagogisch-didaktischen Gründen vertauscht, aber letztlich ist es das Kind selbst, das aus dem Geflecht nativer autonomer Reifungsprozesse, umweltlicher Konditionierung, bestimmter Kognitionsbedingungen und sozialer Konstitution zur konventionellen Kultursprache kommen muß. Die Leistung, die es dabei erbringt, kommt in etwa einem Linguistikstudium gleich. Keine Frage, daß ein solches Kind bereits den Kindergarten besuchen kann, in Fachsprache gesprochen: institutions-sozialisiert ist. Es ist, je nach Charakter und bereits durchlebter Sozialisation, kompromißfähig, sehr aufnahmebereit und bestrebt, die Welt besonders durch die Sprache zu begreifen, denn die Sprache dominiert in diesem Alter das Handeln. Die neuronalen Vernetzungen werden jetzt auch in den höheren Gehirnteilen abgeschlossen, weil das Wachstum dieser Nervenstränge in dieser Region bereits abgeschlossen ist: ein 3jähriges Kind ist, so gesehen, vollendet, fertig und gehirnerwachsen. Ihm fehlen die Vernetzungen durch Erfahrungen, aber diese soziale Komponente ist ja gerade für Menschen eine das gesamte Leben ausfüllende Aufgabe. Eine unbedingte Voraussetzung dafür ist der kindliche Spracherwerb, und zwar von Beginn der genetischen Phase an bis zur ersten kulturreifen Phase, mit der die Hälfte einer Kulturkreisbewegung bereits erreicht ist. Die Beherrschung der Kultursprache stellt einen enormen Entwicklungsschub dar. Mit ihr steht das Kind auch bald im Bereich des kulturschriftlichen Spracherwerbs, der auf Konventionen beruhenden graphischen Darstellung. Und auch hier vollzieht sich der Erwerbsprozeß, wie im mündlichen Bereich, über das Geflecht angeborener sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten, umweltlicher Konditionierung und sozialer Konstitution. (Vgl. 12-14).

 

I) Eine Kultur entwickelt nicht einfach eine auf Konventionen beruhende Sprache;
was sie entwickelt, sind die natürlichen Voraussetzungen für die Sprache.
II) Ein Kind entwickelt nicht einfach eine auf Konventionen beruhende Sprache;
was es entwickelt, sind die biologischen Voraussetzungen für die Sprache.
III) Beide Fälle sind Prozesse der Sprachentwicklung und des Spracherwerbs.
Natürliche Sprachregeln entwickelt schon die Vor-/Urkultur im Uterus.
Sie sind längst da, bevor die konventionelle Sprache erworben wird.
IV) Die Rolle der Eltern oder Bezugspersonen ist primär bedeutsam für den
Spracherwerb. Das Kind (die Jungkultur) erwirbt eine Elternsprache.

 

In der Kulturentwicklung selbst äußert sich diese genormte Ausdrucksfähigkeit ebenfalls auf mehrfache Weise und mündet in eine idiolektartig entwickelte und soziolektartig erworbene Kultursprache. Aus einer Ursprache wird eine definierbare Kultursprache, aus einem Ursymbol ein deutlicher gewordenes Symbol. Aus einem Geflecht kulturgenetischer und -sozialer Bedingtheiten ergibt sich ein Kulturausdruck und ein komplettiertes Seelenbild. In der Antike entstanden die Stadtstaaten (Polis), Homers Ilias und Odyssee, die Aufzeichnungen (der Sieger) der Olympischen Spiele, der Apollonkult und der gesunde nackte Körper als dominantes Thema der Kunst. Im geometrischen Stil kamen erstmals ganz eindeutig das antike Ursymbol des Einzelkörpers und das antike Seelenbild des Apollinischen konkret zum Ausdruck. Die Stadtstaaten (Polis) und der nackte, wohl abgegrenzte Einzelkörper sollten sich schließlich mindestens für weitere 1000 Jahre genauso durch die gesamte antike Kultur ziehen wie die Olympischen Spiele,die zur Grundlage einer gemeinsamen Zeitrechnung wurden, und die homerischen Epen, die zur Pflichtlektüre eines jeden antiken Schülers wurden. Solange die antike Kultur Bestand hatte, hatten auch ihr Seelenbild und ihr Ursymbol Bestand. Das änderte sich erst mit dem allmählichen Untergang der Antike vom 2. Jahrhundert, spätestens aber vom 3. Jahrhundert an bis zu ihrem endgültigen Tod im 4. und 5. Jahrhundert. (Vgl. 0-2 und 2-4). Zwar deuteten schon früher entwickelte Formen die antike Ursymbolik an, aber sie entstanden, z. B. im Falle des Megarons, durch Vermischung eigener mit fremder Vorkulturformen (Indogermanen und Altmediterrane) und, z. B. im Falle der Zeus-Religion, durch Übernahme fremder Spätkulturformen, denn Kreta gehörte bis zur Zeit der Eroberung durch die Mykener noch zum hochzivilisierten ägyptischen Kulturkreis. (Vgl. 4-6 und 6-8). Erst am Ende der vorletzten Phase entstand aus der mykenischen die feudale Variante der antiken Zeus-Götterwelt, gewissermaßen als ein beutetierartiges Neugeborenes, das Steh- und Laufvermögen erreicht hatte; und erst in der letzten Phase wurde die antike Zeus-Götterwelt zu einer großmächtigen Institution. Einen Weltmonat später sollte sich das mit der Trennung von morgenländischer und abendländischer Kirche durch das 1. Große Schisma von 1054 und der folgenden Weltherrschaft des Papsttums wiederholen. (Vgl. 6-8 und 8-10). Doch jetzt, in dieser Phase, kam in beiden Kulturen für die Herrschwilligen ein Herunterschrauben der Machtansprüche in Frage. Die Verweltlichung in der Antike bedeutete, daß die stärker gewordenen Stadtstaaten und die Vormachtstellung Spartas die jetzt homerische Adelsreligion im geistlich-politischen Kult des Olymp aufbewahrten. Im Abendland geschah dies auf ähnliche Weise mit der päpstlichen Kirche durch die ersten Territorialstaaten und Nationen, die mächtiger werdenden Städte, die Städtebündnisse, das Bürgertum, die Hanse und die Universitäten, die teilweise bereits nicht mehr rein geistlich, sondern weltlich formiert waren. Das Reformpapsttum konnte hier nichts mehr rückgängig machen. Es hatte mit sich selbst genug Probleme und konnte erst nach 49 Jahren auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) seine innerabendländische Spaltung überwinden: das 2. Schisma (von 1378). Gegen Ende dieser Phase sollten bereits die familiären Frühkapitalisten, z.B. Medici, Fugger und Welser, die Bühne betreten und starken wirtschaftspolitischen Einfluß ausüben. Die kaiserliche Reichsgewalt hatte nach den Staufern ebenfalls nachgelassen und mußte sich mehr und mehr einer ständestaatlichen Verfassung oder anderen oligarchischen Formen beugen. Allein schon das Wort Interregnum verrät, daß diese Zeit von 1254 bis 1273 bereits der Anfang der Zugeständnisse an die Fürsten und Kurfürsten war und auch die deutsche Italienpolitik langsam aufgegeben werden mußte. Brauchte die Politik etwa diejenigen Stütz- und Strebepfeiler, die die Baukunst jetzt verwendete? Der Bau der gotischen Dome war der Durchbruch zum abendländischen Ursymbol, zum unendlichen Raum. Ausdrücklicher hätte er nicht ausfallen können. Der romanische Rundbogen wurde auf die Spitze getrieben, also zum Spitzbogen. Nachdem sich die Gotik überall durchgesetzt hatte, kamen noch vier weitere ursymbolische Repräsenteme dazu: die Seefahrerschule (1416), der Buchdruck mit beweglichen, gegossenen Lettern (1430/1445), die doppelte Buchführung (1490) und die Entdeckung Amerikas (1492). Am Ende dieser Phase, hauptsächlich durch Gutenbergs Buchdruck ausgelöst, bekam die deutsche Sprache einen Aufschwung: Mittelhochdeutsch wurde Neuhochdeutsch, das sich bis heute nicht grundlegend geändert hat. Damit war der abendländische Kulturspracherwerb, wenn man ihn mit dem erreichten Syntaxerwerb eines 3jährigen Kindes vergleicht, in den Grundzügen beendet, weil die vorher nur in der Tiefe gelegene Grammatikstruktur der Kultursprache erkannt und zum gesicherten alltäglichen Gebrauch werden konnte. Es fehlten lediglich einige spitzfindige morphologische Formen der Kultursprache, die noch in Auseinandersetzung mit der Umwelt herauszufiltern waren. Das Grundstudium war jedoch beendet und die restlichen mündlichen Kultursprachformen konnten bereits unter gleichzeitigem schriftlichen Kulturspracherwerb erlernt werden, wie die Folgen aus Gutenbers Bibeldruck von 1452 beweisen sollten: im Jahre 1500 wurden bereits 1000 Gutenberg'sche Druckereien gezählt, und die Zahl der Leser stieg dabei rasant an. Auch ein 3jähriges Kind benutzt bereits die konventionelle Graphologie der Zielkultur. Es kann das Zeichnen und Schreiben zwar aktiv noch nicht so richtig nachvollziehen, weiß aber, worum es geht. Es malt, zeichnet und schreibt hauptsächlich auf seine eigene Art; aber bald wird es auch die Konventionsart beherrschen. Dann kann man auch bei ihm von einer nächsten Phase sprechen. (Vgl. 12-14).

Gutenberg
Johannes Gutenberg, geboren 1397 in Mainz, gestorben 1468 in Mainz.
Gutenbergs Verwendung von beweglichen Lettern revolutionierte die herkömmlichen Methoden der Buchproduktion und löste in Europa eine Medienrevolution aus. Gutenbergs Buchdruck breitete sich schnell in Europa und später in der ganzen Welt aus. Sein Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel, wird allgemein für ihre hohe ästhetische und technische Qualität gerühmt. Zu Gutenbergs zahlreichen Beiträgen zur Buchdruckerkunst gehören neben der Verwendung von beweglichen Lettern auch die Erfindung einer besonders praktikablen Legierung aus Zinn, Blei und Antimon, einer ölhaltigen Tinte und eines Handgießinstruments. Zudem erfand er die Druckerpresse. Das besondere Verdienst Gutenbergs liegt darin, alle Komponenten zu einem effizienten Produktionsprozeß zusammengeführt zu haben, der erstmals die industrielle Massenproduktion von Büchern ermöglichte. (Übrigens: 600 Jahre nach Gutenbergs Geburt (1397), 1997, wurde sein Buchdruck vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des 2. Jahrtausend gewählt; 1999 kürte das us-amerikanische A&E Network den Mainzer zum „Mann des Jahrtausends“.). Die globale Ausbreitung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern war ein Prozeß, der mit der Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg in Deutschland 1445 begann und bis zur Einführung des Buchdrucks in allen Hauptregionen der Welt im 19. Jahrhundert andauerte. Weltrekord! (Gutenbergs Buchdruck). Genealogisch stellt Gutenbergs Druckerpresse den Urtyp des modernen Drucks mit beweglichen Lettern dar; praktisch alle heutigen Druckerzeugnisse können auf eine einzige Quelle zurückgeführt werden: Gutenbergs Druckerpresse.

Zum Anfang der Zwillinge Die antike Polis entstand aus den Stadtsiedlungen und dem sich daran anschließenden Gemeindeland. Sie war gekennzeichnet durch innen- und außenpolitische Selbständigkeit, wirtschaftliche Selbstgenügsamkeit (Autarkie) und lokale Kulte. Den Namen erhielt die Polis nicht nach dem Ort, sondern nach dem davon abgeleiteten Namen der Bewohner. Die Polis stand unter dem Schutz der Gottheit und unter den von ihr gestifteten Gesetzen. Der König hatte keine unumschränkte Macht, denn alle Regierungsgewalt ging immer von Zeus aus. Er war der Hirte der ihm anvertrauten Herde. In den anderen Landschaften wurde das Königtum allmählich durch den Adel entmachtet. Der Adel konnte die Herrschaft übernehmen, weil sie auf seinen Landbesitz und die große Gefolgschaft von Hintersassen und Hörigen gestützt war. Diese aristokratische Kastenherrschaft der Großgrundbesitzer wurde durch oligarchische Herrschaftsformen in den meisten Gebieten genauso geschwächt wie einen Weltmonat später in den meisten Gebieten des Abendlandes monarchische Herrschaftsformen durch den Ständestaat und andere oligarchische Formen.

Der Beginn der großabenteuerlichen Seefahrt und Kolonisation
als Reise in die Neuzeit.
(Großer Maßstab?)

Analog zur beginnenden griechischen Kolonisation in Süditalien um 750 v. Chr. ist das portugiesische Unternehmen zu sehen, das mit der Gründung der weltweit ersten Seefahrerschule durch Heinrich den Seefahrer 1416 begann und mit der Entdeckung des gesamten Globus enden sollte. (Vgl. 12-14, 14-16, 16-18). Für beide Kulturen gilt ebenfalls, daß in dieser Phase ein gemeinsames Kulturgefühl entstand, das noch treffender mit der Verbindung aus dem jeweiligen Seelenbild und dem dazugehörigen Ursymbol zu beschreiben ist. Die Griechen entwickelten aufgrund der Kolonisation ein Hellenengefühl und begannen zu hellenisieren, die Europäer, zunächst nur Portugiesen und Spanier, entwickelten aufgrund der Kolonisation ein Europäergefühl und begannen zu europäisieren. Beide taten dies zuerst in dem Land, das später die einzig übrig bleibende Weltmacht werden sollte: die Griechen im Süden Italiens und die Spanier und Portugiesen im Süden und in der Mitte Amerikas. Die jeweils spätere Weltmacht sollte weiter nördlich zu finden sein.

Zum Anfang der Zwillinge Während des Interregnums wurde Konradin, der letzte mögliche staufische Thronnachfolger, in Neapel enthauptet (1268). Friedlosigkeit und Rechtsbrüche nach Art des Faustrechts während des Interregnums zwangen zur Erneuerung der Reichsgewalt durch freie Königswahl, die sich bei der Doppelwahl von 1257 endgültig durchsetzte. Ihre Folgen waren die Ausbildung eines Kurfürstenstandes. Das Wahlrecht schränkte sich auf 3 geistliche und 4 weltliche Kurfürsten ein, die vom Kandidaten Sonderrechte (Kapitulationen) und politisches Mitspracherecht (Willebriefe) forderten, ein schwaches Königtum wünschten und deshalb die Krondynastie wechselten. Das weltherrschaftliche Papsttum und das einheitliche Deutsche Reich mußten die zuvor erlebten Höhepunkte ihrer Macht mit ihren Universalansprüchen zurückschrauben, weil die universale Idee von Kirche und Reich mit den nationalen Interessen nicht mehr vereinbar war. (Vgl. 8-10). Byzanz forderte aus dem Abendland Hilfe für seine gefährdeten Grenzen, aber Venedig blieb aus wirtschaftlichen, das Normannenreich aus machtpolitischen Gründen immer Gegner des byzantinischen Reiches, ohne dessen Hilfe, Transport und Sicherung des Nachschubs u.s.w., militärische Operationen unmöglich wurden. Die Übersiedlung der Päpste nach Avignon, mit Papst Klemens V. 1309 beginnend und mit Papst Gregor XI. 1377 endgültig zur Rückkehr und zur Residenz im Vatikan führend, brachte dem Papsttum üppiges Hofleben, Nepotismus, hohe Ablaßerträge und Einmischung in deutsche Thronstreitigkeiten, ansonsten aber sank sein Ansehen und damit auch seine Autorität. Die Verweltlichung und der Verfall der Kirche waren die Folge. Der Rock Christi zerriß mit der Doppelwahl von Urban VI. (Rom) und Klemens VII. (Avignon). Durch das 2. Große Schisma von 1378-1417 wurde das Abendland in zwei Lager aufgeteilt. (Vgl. Päpste). Häresie, Irrlehren, Hexenwahn, gepaart mit Aberglauben, nahmen genauso zu wie die Forderungen nach Reformation. Die Pariser Professoren D'Ailly und Gerson forderten zur Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern ein allgemeines Konzil, weil die Vertretung des Gotteswillens nicht Sache des Papstes, sondern die der Gesamtheit aller Gläubigen sei. Diese konziliare Theorie gewann Anhang. Auf dem Schismakonzil zu Pisa (1409) wählten die Kardinäle beider Richtungen einen dritten Papst. Auf dem Konzil zu Konstanz, wo 33 Kardinäle, 900 Bischöfe und 2000 Doktoren unter kaiserlichem Vorsitz, dem Wittelsbacher Sigismund, anwesend waren, stimmte das Konzil nach vier Nationen ab: deutsch, französisch, englisch und italienisch. Es erklärte sich zuständig für die Einheit der Kirche, die Absetzung der noch amtierenden Päpste, die Neuwahl Martins V., die Reinheit der Lehre und Reform der Kirche, die aber vertagt werden mußte.

 

Zum Anfang der Zwillinge

ZURÜCK Die Karten zeigen die Entwicklung vom 12. / 13. bis zum 15. / 16. Jahrhundert. WEITER

 

Zum Anfang der Zwillinge Der Deutsche Orden hatte nach den militärischen Erfolgen seit 1283 deutsche Siedler ins Land des Ritterordens geholt und war durch den Deutschmeister Winrich von Kniprode von 1351 bis 1382 zu seiner höchsten Entfaltung, unter dem Deutschmeister Konrad von Jungingen von 1393 bis 1407 zu seiner größten Ausdehnung gelangt, bevor es in der Schlacht von Tannenberg zur ersten militärischen Niederlage kam (15.07.1410). 1466 mußte durch den 2. Thorner Frieden der Ordensstaat auf das ostpreußische Baltikum reduziert werden, aus dem 1525 der zum Deutschmeister gewählte Albrecht von Brandenburg-Ansbach das erbliche Herzogtum Preußen machte. (Vgl. 12-14). Die bereits im 8. Jahrhundert begonnene und im 12. und 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichende deutsche Ostbewegung ging im 14. Jahrhundert einem Stillstand entgegen, weil keine Menschen mehr zur Verfügung standen und die ländliche Bevölkerung bereits in die Städte abwanderte. (Vgl. 6-8 und 8-10).
Deutsche Hanse
‹— Deutsche Hanse —›
Die Hanse erreichte nach dem großartigen Aufbau ihres Wirtschaftsraumes und der damit verbundenen Macht im 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Erst durch das Erstarken der nordischen Nationalstaaten, der Schließung des Peterhofs in Nowgorod und der Verlagerung des Handels in den Atlantikraum wurde sie allmählich geschwächt. Insbesondere das Erstarken des Atlantikhandels durch die kommenden Kolonialmächte bedeutete eine Konkurrenz, die zur allmählichen Schwächung der Hanse führte. Aber erst 1598 wurde der Stalhof in London geschlossen. (Vgl. 12-14). Den Habsburgern, seit Mitte des 10. Jahrhunderts am Oberrhein als schwäbisches Dynastengeschlecht nachweisbar, gelang die Territorialbildung im Südwesten des Deutschen Reiches durch engen Anschluß an die Staufer (12./13. Jh.). Demzufolge begann ihr Aufstieg nach dem Interregnum durch das Wahlkönigtum: Rudolf I. wurde 1273 zum römisch-deutschen König gewählt. (Vgl. Tafel). Habsburg verband seine Stammlande im Südwesten mit neuem Besitz im Südosten über Belehnungen der Herzogtümer Österreich und Steiermark (1282) sowie über den Erwerb von Kärnten und Krain (1335), Tirol (1363), Freiburg im Breisgau (1368) und Triest (1383). Die Hausmacht der Habsburger, seit dem 15. Jh. Haus Österreich genannt, verlor zwar im 14. und 15. Jh. die althabsburgischen schweizerischen Besitzungen, gewann aber die Macht im Reich für Jahrhunderte. Von 1438 bis 1806 stellten die Habsburger mit nur einer Unterbrechung, von 1742 bis 1745, die römisch-deutschen Kaiser. (Vgl. Tafel). Als Träger der heiligen Krone, durch kluge Heiratspolitik, das burgundische Erbe, den Anfall des spanischen Königreiches und den Erwerb der Wenzels- und der Stephanskrone vollzog sich der Aufstieg der Habsburger zur europäischen Großmacht. Bald sollte das Habsburger-Weltreich als Universalmacht folgen. (Vgl. 12-14).

Zum Anfang der Zwillinge In der folgenden Tabelle sind die abendländischen Daten schwarz, die antiken rot gefärbt:

                                                                    - 950) Phönizische Seefahrt durch das Rote Meer nach Indien
                                                                                Anfänge Roms (Besiedlung des Hügels Palatin)
um 1200) Nibelungenlied entsteht
1202) Ordensgründung: Schwertbrüderorden (Deutscher Ritterorden) für die Mission in Livland
          Gründer: Albert von Appeldern (Bremer Domherr), Bischof von Livland (Sitz: Riga)
1202-1204) 4. Kreuzzug                                     - 925) Griechische Tempelbauten für Hera und Poseidon
1209-1214) Kaiser Otto IV. von Braunschweig (Welfe) im Deutschen Reich. (Vgl. Tafel)
1210) Ordensgründung: Franziskaner (Bettelorden); Franz von Assisi (Franziskaner-Ordensregeln, 1221)
1212) Kinderkreuzzug                                                       - 925) Phönizier bereisen die Ostküste Afrikas
1215) (11.11.-30.11.) Konzil (12) von Rom (Lateran IV) : Lehre der Transsubstantiation; Beschlüsse über die
          bischöfliche Inqusisition; Verbot neuer Ordensgründungen; Vorschrift besonderer Kleidung für
          Juden; Glaubensbekenntnis gegen die Sekten der Albigenser und Katharer
1216) Ordensgründung: Dominikaner (Bettelorden) wird Orden der Inquisition (Gründer: Dominikus)
1220) Lübeck wird freie Reichsstadt; Travemünde erhält einen Leuchtturm
          Sachsenspiegel (Eike von Repgau [Reppichau])
          In Deutschland entstehen immer mehr Reichsstädte, die unmittelbar dem Kaiser unterstellt sind
          Der Deutsche Orden wird von Friedrich II. dazu veranlaßt, Preußen zu erobern (zu missionieren)
          Die Aufgabe übernimmt Hermann von Salza (1170-1239)
1225) Aus dem deutschen Orden wird ein Deutschordensstaat (Hermann von Salza)
1227) Der Dominikaner Konrad von Marburg führt die Inquisition in Deutschland ein
1227) Ordensgründung: Clarissen (Bettelorden)
1228-1229) 5. Kreuzzug                        um - 900) Gründung Spartas (Limnai, Mesoa, Kynosura, Pytane)
                                                                           Griechische Kunst: Früh-Geometrischer Stil (Geometrik)
1235) Freiburger und Straßburger Münster werden umgebaut (Frühgotik)
1236) Minnesang wendet sich ins Bürgerliche durch den Dichter Neidhart von Reuenthal
1237) Deutschordensstaat: Vereinigung des Deutschen Ordens mit dem Deutschen Schwertbrüderorden
1241) Hanse: Hamburg und Lübeck schließen ein Bündnis, 1242 schließt sich Kiel an
1243) Thomas von Aquino tritt in den Bettelorden der Dominikaner ein
1245) Regensburg wird Reichsstadt; in London wird die Westminster Abtei errichtet (Gotik)
1245) (28.06.-17.07.) Konzil (13) von Lyon (I) :
          Wirtschafts- und Verwaltungsreform kirchlichen Besitzes; Absetzung Kaiser Friedrichs II.
1248) Kölner Dom: Baubeginn
1248-1254) 6. Kreuzzug
um 1250) Spätmittelhochdeutsch setzt sich durch.
                (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassisches MHD, Früh-NHD, Klassisches NHD, Spät-NHD)
                Der Baustil der Gotik setzt sich in Deutschland durch
                Erstarken des Bürgertums, der Geldwirtschaft, der 2 größten deutschen Städte: Köln, Lübeck
                Der Feudalstaat geht allmählich in den Beamtenstaat über (Beginn des Spätmittelalters)
                Erste Stadtschulen (Vgl. 6-8 und 14-16). Judenverfolgungen (Bildung von Ghettos)
                Köln wird freie Reichsstadt
1252/1274) Höhepunkt der Scholastik und Trennung der Theologie von Wissenschaft und Philosophie
                  Albert der Große (doctor universalis), Th. von Aquino (doctor angelicus),
                  Roger Bacon (doctor mirabilis)
                  Frauenmystik von Helfta, Zisterzienserkloster (Mechthild von Magdeburg u.a.)
1254) Ende der Stauferkaiserzeit im Deutschen Reich. (Vgl. Tafel)
1254-1273) Interregnum
                   (Zeit zwischen letztem Staufer Konrad IV. und erstem Wahlkaiser Rudolf I. von Habsburg)
1254) Zum Schutz gegen die Ritter entsteht der Rheinische Städtebund
          In Paris wird eine Theologenschule, die spätere Sorbonne, gegründet
1256) Ordensgründung: Augustiner-Eremiten (Bettelorden)
1259) Handelsbund zwischen Lübeck, Hamburg, Wismar und Rostock (Hanse)
1260) Musik:
          In Mainz entsteht die erste Schule der Meistersinger (bürgerliche Dichter-Handwerker als Sänger)
          Ritterlicher Minnesang wird durch bürgerlichen Meistergesang abgelöst
1262) Straßburg wird Reichsstadt
1267/1268) Goslar wird Mitglied des Sächsischen Städtebundes und Mitglied der Hanse
1268) Ende der deutschen Kaiserherrschaft in Italien
1270) 7. Kreuzzug
1271) Der Venezianer Marco Polo verfaßt Schriften zu seinen Reisen nach Ostasien
1273) Thomas von Aquino verfaßt sein Werk Summa theologica
1273-1437) Wahlkönigtum im Deutschen Reich
                    (Habsburger, Nassauer, Luxemburger, Wittelsbacher). (Vgl. Tafel)
1273/1291) Nürnberg wird freie Reichsstadt
1274) (07.05.-17.07.) Konzil (14) von Lyon (2) : Kirchenreform; Konklaveordnung
um 1280) Brille
1282) Bisanz (Besançon) wird freie Reichsstadt
1291) Mamelucken (ehemalige Militärsklaven türkischer, kaukasischer und slawischer Herkunft)
          erobern die Kreuzfahrerstaaten. Bedeutung: Ende der Bewegung der Kreuzzüge
1294) Speyer wird freie Reichsstadt
1294/1303) Mit der Gefangennahme des Papstes Bonifaz VIII. 1303 geht die ca. 200 Jahre währende
                  päpstliche Weltherrschaft bzw. Universalherrschaft langsam zu Ende. (Vgl. Päpste)
um 1300) Der Feudalismus wird langsam durch die ständische Gesellschaftsordnung abgelöst
                Brillen-Herstellung
                Till Eulenspiegel (Ulenspegel)

                Blüte der Deutschen Mystik:
                Meister Eckhart, Dietrich von Freiberg, Heinrich Seuse, Johannes Tauler,
                Die Theologia Deutsch (aus den Deutschherrenhaus Sachsenhausen) entsteht später (um 1400)
                Musik: Übergang von der Moduslehre zur Mensuralnotation:
                             Ars cantus mesnsurabilis, Franko von Köln
1300) Gotisches Rathaus in Lübeck                      - 850) Sparta: Erziehung der Jugend durch den Staat
1304) Der Stephansdom in Wien erhält einen gotischen Chor
1307) 3 Urkantone in der Schweiz (Rütlischwur gegen die Habsburger)
1308) Der Deutsche Orden gewinnt Pommerellen
1309) Die Marienburg, die erbaut wird, wird Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens
1311-1312) (16.10.1311-06.05.1312) Konzil (15) von Vienne:
                  Aufhebung des Templerordens; Franziskanischer Armutsstreit;
                  Freiheit der Kirche gegenüber weltlicher Gewalt
1316) Umbau der Lübecker Marienkirche im hochgotischen Stil
          Augsburg wird freie Reichsstadt
um 1320) Dante Alighieri vollendet sein Hauptwerk, die Göttliche Kömödie(Divina Commedia)
1323) Kaiser Ludwig der Bayer (vgl. Tafel: Wittelsbacher) erteilt seinem Sohn Ludwig d.Ä. die
          Herrschaft in Brandenburg, nachdem die Askanier (Ascherslebener) ausgestorben sind
1324) Wilhelm von Ockham wird wegen Irrlehre (Häresie) angeklagt
1328) Die französische Königslinie der Capetinger stirbt aus. Das Haus Valois wird Nachfolger (bis 1498)
1331) Schwäbischer Städtebund
1331) Türken erobern Nizäa von Byzanz                                                um - 820) Tyros gründet Karthago
1335) Habsburg erhält das Herzogtum Kärnten
1338) Im Kurverein zu Rhense verwahren sich die deutschen Kurfürsten gegen die Ansprüche des Papstes,
          die deutsche Königswahl zu bestätigen
1339) Der 100jährige Krieg zwischen England und Frankreich beginnt (Ende: 1453)
1344) Peter Parler beginnt mit dem Bau des St.-Veits-Doms in Prag
1346) Mit zukunftsweisender Taktik besiegen die Engländer das französische Ritterheer bei Crécy

1347-1351) Das Abendland hat Pocken und Pest:
                    Der Schwarze Tod herrscht in ganz Europa. Ein Drittel der Bevölkerung fällt ihr zum Opfer
1348) Prag wird erste deutsche Universität (1)
um 1350) Neuhochdeutsch (Früh-NHD) setzt sich durch (spätestens aber ab 1500; vgl. unten)
                (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassisches MHD, Spät-MHD, Klassisches NHD, Spät-NHD)

                Machthöhepunkt der Hanse und Hochblüte des Niederdeutschen (Klassik durch MND)
                Für die Hanse werden immer mehr Koggen gebaut (Hauptschiffstyp der Deutschen Hanse)
                Das englische Parlament wird in Ober- und Unterhaus eingeteilt
                In Italien setzt sich der Humanismus durch (Petrarca, Boccaccio)
                Papier setzt sich an Stelle des Pergaments durch
                Musik (Ars nova): Philippe de Vitry, Francesco Landino, Guilleaume Machault
                                                                                    um - 800) Städtegründungen der Etrusker in Italien
                                                                                                      Homer: Ilias (Kampf um Troja) und
                                                                                                                   Odyssee
(Odysseus' Irrfahren)

                                                                          Adelsreligion der Olympischen Götter (Vgl. 4-6, 6-8, 8-10)
1351) Winrich von Kniprode wird Hochmeister (Deutschmeister) des Deutschen Ordens,
          der unter ihm seinen Höhepunkt erlebt. (Vgl. oben)
1354) Die elsässischen Reichsstädte vereinigen sich zum Zehn-Städte-Bund
1356) Die Goldene Bulle des Kaisers Karls IV. (vgl. Tafel: Luxemburger) regelt die Königswahl:
          7 Kurfürsten sind wahlberechtigt. Diese Reichsgrundgesetz gilt bis 1806. (Vgl. 18-20)
          Die Kurfürsten erhalten das Bergwerks-, Salz- und Münzregal (= Verfügung über Reichsgüter)
1357) Chemnitz erhält Bleichprivileg und wird Textilzentrum
          Peter Parler erbaut die Karlsbrücke in Prag
1358) Die Bezeichnung Bund der Städte von der deutschen Hanse wird eingeführt.
          Lübeck übernimmt die Führung; wird Hauptort der Hansetage
1361) Osmanische Türken erobern Adrianopel und erheben die Stadt zu ihrer Residenz
1363) Habsburg erwirbt Tirol
1365) Universität Wien (2)
1366) Schlegeler Bund (Kleinadel Schwabens); gegründet gegen den Großadel und die Städte
1361/1362) Krieg zwischen der Hanse und Dänemark wegen der Zerstörung von Wisby
                                                                            um -780) In Griechenland entstehen Stadtstaaten (Polis)
                                                                                           Jede Polis steht unter dem Schutz der Gottheit
1372) Frankfurt (am Main) kauft sich vom kaiserlichen Schultheiß (Befehlenden) frei:
          Frankfurt wird freie Reichsstadt
                                                                                        - 776) Erste Aufzeichnungen (der Sieger) der
                                                                                                  Olympischen Spiele in Griechenland

1373) Kaiser Karl IV. (vgl. Tafel: Luxemburger) erwirbt von den Wittelsbachern die
          Mark Brandenburg, (die diese Mark 1323 erhalten hatten)
1377) Papst Gregor XI. kehrt aus Avignon nach Rom zurück.
          Ende der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche. (Vgl. Päpste)
          Bau des Ulmer Münsters
1378) Der Vatikan wird päpstliche Residenz: (Abendländisches) Schisma, da es in
          Avignon noch Päpste gibt. Das (2.) Große Schisma dauert bis 1417. (Vgl. 1. Großes Schisma)
1379) Universität Erfurt (3)
1381) Gegen Fürsten und Ritter schließen der Schwäbische und der Rheinische Städtebund ein Bündnis
          Im Kampf um die Seemacht im Mittelmeer und im Levantehandel siegt Venedig über Genua
1382) Triest kommt an das Herzogtum Österreich
1385) Universität Heidelberg (4)
1388) Universität Köln (5)
1389) Kaiser Wenzel (vgl. Tafel: Luxemburger) verbietet in einem Landfrieden die Städtebünde
          Türken besiegen Serben auf dem Amselfeld (Kosovo)
1391) Türken erobern Bulgarien und errichten dort eine türkische Provinz
          Judenverfogungen in Spanien
1398) Der Elbe-Travel-Kanal wird fertiggestellt
um 1400) Brügge wird zur führenden Handelsstadt im westlichen Abendland
                Aufstieg der Familie Medici in Florenz
                Deutsche Mystik: Theologia Deutsch (vgl. oben), Geert Groote, später: Wessel Gansfort u.a.
                                                                                                                  um -750) Apollonkult in Delphi
                                                                                 Beginn der Eisenzeit in Mitteleuropa (Hallstatt-Zeit)
                                Der gesunde nackte Körper wird zum beherrschenden Thema der griechischen Kunst
                                                              Lykurgos erläßt eine sagenhaft strenge Gesetzgebung in Sparta

1401) Die Führer der Vitalienbrüder, Klaus Störtebeker und Godeke Michels, die als
          Freibeuter und Seeräuber die Handelsschiffahrt in der Nord- ind Ostsee schädigten, werden
          in Hamburg hingerichtet
1402) Universität Würzburg (6)
1409) Universität Leipzig (7)
          Papst Alexander V. wird auf dem Schismakonzil zu Pisa zum Papst gewählt, und die
          Gegenpäpste in Rom und Avignon werden abgesetzt (vgl. Päpste)
1410) Schlacht bei Tannenberg (1. Niederlage des Deutschen Ordens)
1411) Der Deutsche Orden verliert im Frieden von Thorn Westlitauen
1414) Heinrich von Plauen wird als Hochmeister des Deutschen Ordens abgesetzt
1414-1418) (05.11.1414-22.04.1418) Konzil (16) von Konstanz:
                  Verurteilung der Lehre Wyclifs; Todesurteil über J. Hus;
                  Beilegung des Abendländischen Schismas: Resignation Gregors XII. (vgl. oben);
                  Absetzumg Johannes' XXIII. und Bendedikts XIII.; Wahl Martins V. (vgl. Päpste);
                  Konziliarismus
                                                                        um -740) Gründung griechischer Kolonien in Süditalien
                                       Beginn des 1. Messenischen Krieges (Sparta erobert die Bergfestung Ithome)
1415) Der Burggraf von Nürnberg Friedrich VI. von Hohenzollern wird von
          Kaiser Sigismund (vgl. Tafel: Wittelsbacher) zum Markgrafen von Brandenburg ernannt
          und erhält 1417 als Friedrich I. die Kurwürde für Brandenburg
          (Stammvater der brandenburgischen Hohenzollern)
1416) Heinrich der Seefahrer gründet eine Seefahrerschule und errichtet eine Sternwarte
          Heinrich der Seefahrer legt durch seine Entdeckungsfahrten den Grundstein für
          Portugals Welthandel und Kolonialmacht.
          Damit beginnt die Eroberung der Welt (vgl. 14-16, 18-20, 22-24)
1417) Zigeuner wandern aus ihrer Heimat Nordwestindien nach Mitteleuropa
1419-1437) Hussitenkriege. Maritin V. ruft zum Kreuzzug gegen die Hussiten auf. (Vgl. Päpste)
                                                                               um -720) Ende des 1. Mesenischen Krieges:
1419) Universität Rostock (8)                                                Sparta ist Vormacht in Griechenland
1419) Portugiesische Seefahrer erreichen die Madeiragruppe
um 1420) Frührenaissance in der Malerei:
                Hubert und Jan van Eyck, Rogier van der Weyden, Konrad Witz
1422) Konstantinopel wird erstmalig von den Türken belagert
1423) Markgraf Friedrich von Meißen, aus dem Hause Wettin, erhält das Kurfürstentum Sachsen
          Humanistische Schule in Mantua
1426-1428) Malerei: Einführung der Zentralperspektive durch Masaccio („Dreifaltigkeitsfesko“)
1429) Jeanne d'Arc wird von der Inquisition als Ketzerin verurteilt
um 1430) Johannes Gutenberg erprobt die Buchdruckkunst (mit beweglichen Lettern)
1431-1448) Konzil (17) von Basel: Entscheidungskampf zwischen Papsttum und Konziliarismus
                  Basel I (23.07.1431-07.05.1437) : Sieg des Papsttums; Union mit den Griechen, Armeniern, Jakobiten
                  Basel II (08.01.1438-25.04.1448) - in Ferrara (1438), in Florenz (1439)
                                                                                    um -720) Weitere griechische Städtegründungen
                                                                                                       (Polis) auf Sizilien und in Unteritalien
                                                                                                       Tarent entsteht als Gründung
                                                                                                        unwürdiger Bürger aus Sparta

1431) Portugiesische Seefahrer erreichen die Azoren
          30. Mai: Jeanne d'Arc wird in Rouen verbrannt
1434) Portugiesische Seefahrer gelangen an der Westküste Afrikas bis zum Kap Bojador
1435) Dänemark muß im Frieden von Vordingborg die Vorrechte der Hanse anerkennen
1438) Herzog Albrecht V. von Österreich , aus dem Hause Habsburgs,
          der Schwiegersohn des Kaiser Sigismund (vgl. Tafel: Wittelsbacher), wird als
          Albrecht II. deutscher König und (nicht gekrönter) Kaiser (bis 1439). (Vgl. Tafel: Habsburger).
          Das Haus Habsburg stellt damit die deutschen Herrscher (bis 1806)
          Entstehung der (französischen) gallikanischen Kirche
1441) Portugiesische Seefahrer gelangen an der Westküste Afrikas bis zum Kap Blanco
          Portugiesen beginnen mit dem Handel von Negersklaven
1445) Johannes Gutenberg erfindet den Buchdruck (Druck mit beweglichen, gegossenen Lettern)
          Höhepunkte der Rheinischen, Kölnischen und Oberrheinischen Malerschule
          Portugiesische Seefahrer erreichen Kap Verde
1448) Türken besiegen ein ungarisches Heer auf dem Amselfeld (Kosovo)
um 1450) Anfänge mathematischer Naturerkenntnis. Nikolaus von Kues: Unendlichkeit der Welt
                und das Prinzip des Zusammenfallens der Gegensätze gibt es eigentlich nur in Gott
                (Cincidentia oppositorium). N. von Kues ist das personifizierte geistige Bindeglied zwischen
                Scholastik und Humanismus, zwischen Mittelalter und Neuzeit:
                (Spät-)Scholastik wechselt zum Humanismus
                Musik: Beginn der Niederländerzeit: Johann Ockeghem, Guillaume Dufay; Gille Binchois
                                                            um -700) Beginn der orientalisierenden Zeit (Renaissance)
                                                                           Griechische Kolonien an den Ufern des Schwarzen Meeres
                                                                     Griechen führen die Triere (Dreiruderer) als Kriegsschiff ein
                                                                                           Verfassung Spartas (Große Rhetra)
                                                                    Hesiod, griechischer Dichter aus Böotien, verfaßt seine Werke
                                                                        Theogonie (Entstehung der Götter und der Welt) und
                                                                        Werke und Tage. Er spricht von 5 Zeitaltern und 9 Musen
1452) Johannes Gutenberg druckt in Mainz die 42zeilige Bibel
          Musik:
          Aufkommen der Instrumentalmusik: Konrad Paumann (ein Improvisator und Orgelmusiker)
1453) Fall Konstantinopels: Türken erobern Konstantinopel
          Ende des Byzantinischen Reiches (Oströmischen Reiches)
          Griechische Gelehrte fliehen aus dem besiegten Konstantinopel nach Italien und bringen
          das griechisch-antike Kulturerbe von Byzanz mit: Auslösung der Renaissance.
          Ende des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich:
          England verliert alle Festlandbesitzungen bis auf Calais. Frankreich ist Nationalstaat
1454) Thorn sagt sich vom Deutschen Orden los und wird selbständige Stadt
          Johannes Gutenberg druckt Ablaßbriefe
1455) Universität Freiburg (9)
1459) Cosimo de Medici gründet in Florenz eine Platonische Akademie
1460) Hamburg wird freie Reichsstadt
          1. deutsche Sternwarte in Nürnberg durch Johannes Müller (Regiomontanus), der auch die
          „Moderne Trigonometrie“ schuf. Die Ortsbestimmung auf See und damit die nun folgenden
          Entdeckungfahrten wurden durch seine berechneten und publizierten Ephemeriden möglich
1464) Der 1. Druck einer Bibel in deutscher Sprache erscheint in Straßburg
1466) 2. Thorner Frieden: Deutscher Orden tritt das Ermland, das Kulmer Land und Pommerellen ab:
          Entstehung des Danziger Korridors
                                                                 - 682) In Athen wird das Königtum durch das Archontat ersetzt
                                                                            Die Archonten (Beamte) für jeweils ein Jahr sind
                                                                            Dionysos-Kult-Führer, Stadtvorsteher oder Heerführer 

1469) Heirat: Ferdinand II. von Aragonien und Isabella von Kastilien
          Beginn des Einheitsstaates Spanien
1470/1471) Portugiesen entdecken die Goldküste (Westafrika) / Portugiesen überqueren den Äquator
1472) Universität Ingolstadt (10)
1473) Universität Trier (11)
           Universität Löwen (12)
           Mit dem Bau der Sixtinischen Kapelle in Rom wird begonnen
           Das Bankhaus der Fugger in Augsburg tritt mit den Habsburgern in Geschäftsverbindung
           Die Familie der Fugger erhält ein Wappen
           Die Hildesheimer Didrik Pining und Hans Pothorst (und vielleicht auch João Vaz Corte-Real)
            entdecken (davon ist jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit auszugehen) Amerika

1474) England anerkennt die Vorherrschaft der Hanse
          Der Arzt und Astronom Paolo Toscanelli aus Florenz zeichnet eine Karte, die den
          westlichen Weg nach Indien beweisen soll, der wesentlich kürzer als der bekannte sein müsse
          Kolumbus gelangt in den Besitz dieser Karte und sucht daraufhin Kontakt zu Toscanelli
          Mögliche Entdeckung Brasiliens durch die Portugiesen, die aber nicht bekannt wird
1476) Universität Tübingen (13)
          Universität Mainz (14)
          Bauernerhebung in Franken. Der Würzburger Bischof läßt sie niederschlagen
                                                                                  um -670) Terpander, Erfinder der 7seitigen Lyra,
                                                                                                hat eine Musikschule in Sparta gegründet

1477) Durch die Heiratspolitik fallen Burgund und Holland an Habsburg
1479) Vereinigung von Kastilien und Aragon: Vorbereitender Zusammenschluß Spaniens. (Vgl. oben)
1480) Zur Bekämpfung der Ketzer wird in Spanien die Inquisition eingeführt
1481) Die Reconquista wird von Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragonien im
          Kampf um Granada, das letzte verbliebene maurische Königreich, wieder aufgenommen.
1482) Portugiesische Seefahrer gelangen zur Kongo-Mündung
1483) Der Dominikaner Thomas de Torquemada wird Großinquisitor in Spanien
          Kolumbus' Vorschlag, den Seeweg nach Indien zu suchen, lehnt König Johann II. von Portugal ab
          Kolumbus wendet sich daraufhin an den spanischen Hof
          In dem niederdeutschen Volksbuch werden die Geschichten von Till Eulenspiegel aufgezeichnet
1484) Papst Innozenz VIII.: Hexenbulle (die päpstliche Inquisition soll den Hexenhammer verfassen)
1485) Universität Bisanz (Besançon) (15)
1486) Der Hexenhammer, ein Gerichtsbuch der Hexenprozesse, wird in Straßburg gedruckt

1487) Der portugiesische Seefahrer Bartolomeo Diaz umsegelt die
          Südspitze Afrikas (Kap der guten Hoffnung)
          Spanier erobern Malaga von den Arabern (Mauren)
1488) Im Schwäbischen Bund schließen sich die Städte mit dem Adel zusammen - zum Schutz des
          Landfriedens. An ihrer Spitze steht Graf Eberhard V. von Württemberg
          Erste Apotheke in Berlin
                                                                                         - 660) Aufstand der Messenier gegen Sparta:
                                                                                           Beginn des 2. Messenischen Krieges (bis 640)

1490) Der Gartenpalast Belvedere wird fertiggestellt
          Erfindung der doppelten Buchführung
                                                                                                         um -660) Griechen gründen Byzanz
1491) Der erste Erdglobus wird in Nürnberg vom Seefahrer und Geographen Martin Behaim hergestellt
1492) Erste gedruckte Weltchronik von Hartmann Schedel (erschienen bei Anton Koberger, Nürnberg).
          Granada wird von den Spaniern erobert. Der letzte maurische König flieht nach Afrika. Damit wird

          Spanien zur Großmacht. Die Inqusition zwingt Mauren und Juden, die nicht bereit sind,
          zum Christentum überzutreten, Spanien zu verlassen.
          Der Genuese Christoph Kolumbus entdeckt auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien am
          12. Oktober 1492 Amerika
                                                                         um -660) Im Kampf zwischen Korinth und Korfu wird die
                                                                                       erste historisch belegte Seeschlacht ausgetragen
1493) Bauernaufstand im Elsaß (Bundschuh)
          Hartmann Schedel veröffentlicht seine illustrierte Weltchrouik
1494) Amerika erhält seinen Namen nach dem Florentiner Amerigo Vespucci
          Der Elsässer Sebastian Brant verfaßt das gesellschaftskritische Buch Das Narrenschiff
          Die Häuser Habsburg und Bourbon beginnen den Kampf um Italien. 1. Objekt: Neapel
          Schließung des (Hanse-) Peterhofs in Nowgorod
1495) Reichstag zu Worms: Reichsreform
          (Ewiger Landfriede, Reichssteuer, Reichskammergericht, Annahme des römischen Rechts)
                                                                       um - 657) Beginn der Tyrannis in Korinth (bis 580)
                                                                             Größte Blüte Korinths als 1. Seemacht Griechenlands
1496) Der Sohn Kaiser Maximilians I. (vgl. Tafel: Habsburger),
          Philipp der Schöne von Burgund, heiratet Johanna die Wahnsinnige von Spanien,
          Erbin Spaniens. Der spätere Kaiser Karl V. (vgl. Tafel: Habsburger), beider Sohn, erbt damit
          sowohl Spanien als auch Burgund, die Niederlande und die habsburgischen Erblande
1497) Als Gegengewicht zum Reichskammergericht bildet Kaiser Maximilian I. den Reichshofrat
1498) Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama findet mit 3 Schiffen und 150 Matrosen den
          Seeweg nach Indien (rund um das Kap der Guten Hoffnung)
          Kolumbus erreicht auf seiner 3. Reise das Festland Südamerikas am Orinoko
          In Nürnberg entsteht das erste deutsche Leihhaus
          Die Welser in Augsburg (Handelsgesellschaft) betreiben europäischen Großhandel
          Die Fugger in Augsburg, deren Vermögen sich in 20 Jahren verzehnfacht hat, kontrollieren den
          europäischen Kupfermarkt
          In Lübeck wird das Tierepos Reinke de Vos (Hinrek von Alkmar) gedruckt
1499) Friede von Basel: Ende des Schwabenkrieges. Die Schweiz will sich vom Deutschen Reich lösen.
um 1500) Neuhochdeutsch (Früh-NHD) hat sich durchgesetzt
                 (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassisches MHD, Spät-MHD, Klassisches NHD, Spät-NHD)

                 Beginn der Hochrenaissance                                    um -650) Hochblüte der Orient-Renaissance
                                                                                   Asurbanipal gründet in Ninive eine große Bibliothek
                                                                           Dionysos wird (als letzter Gott) im Olymp aufgenommen
                 Wirken und Werke von Leonardo da Vinci, Michelangelo (Buonarotti), Donato Bramante,
                 Raffael, Hans Holbein d.Ä., Tilman Riemenschneider, Sebastian Brant, Hartmann Schedel,
                 Albrecht Dürer, Peter Vischer (d.Ä.), Veit Stoß, Matthias Grünewald, Lucas Cranach (d.Ä),
                 Adam Kraft u.a.
                 Musik: Erstes Musiklexikon von Johann Tinctoris
                 Erste Schienenwagen in deutschen Bergwerken
                 Das Buch Deutsche Geschichte, von dem Humanisten Jakob Wimpheling, wird veröffentlicht
                 1. ständige Postverbindung wird eingerichtet: Wien - Brüssel
                 Bauernaufstand in Baden (Bundschuh)
                 In Deutschland werden Sibergulden ausgegeben
                 Kolumbus, am spanischen Hof in Ungnade gefallen, wird in Ketten nach Spanien gebracht
                 Kolumbus kann sich aber bald rehabilitieren und weitere Reisen nach Amerika unternehmen
                 Das Gemälde Mona Lisa wird von Leonardo da Vinci vollendet
                 Das Jahr 1500 wird von der Kirche als Großes Jubeljahr gefeiert
                 Seit der von J. Gutenberg erfundenen Buchdruckerkunst (1430/1445) sind
                 1000 Druckereien entstanden (Stand des Jahres 1500)
                 Neben den Burgen gewinnen Stadtbefestigungen an Bedeutung
                 Musik: Heinrich Finck, Jakob Obrecht, Paul Hofhaimer, Jean Mouton, Heinrich Isaak,
                              Josquin Desprès, Adrian Willaert, Ludwig Senfl
                 Peter Henlein erfindet die Taschenuhr
                                                    um -650) Als Handelsstützpunkt gründen Griechen Naukratis im Nildelta
                                                                            Etrusker gründen Ostia (an der Mündung des Tibers)
                                                                 Archilochos, griechischer Dichter aus Paros, schreibt Tierfabeln

                                                   seit -650) Verdrängung des Geburtsadels durch Großhandelsfamilien
                                                                    im Verlauf sozialer und politischer Unruhen, v.a. in Ionien
                                                                    Wachsender Einfluß des Volkes, oft geführt von Tyrannen
                                                                    Kunst: Ende des Geometrischen Stils (Geometrik)

                                                                                                       = Übergang zum Dorischen Stil (Dorik)
1506) Luther tritt in den Augustinerorden ein
           Kolumbus stirbt (in Genua) in dem Glauben, Indien erreicht zu haben
1507) Portugiesen legen Stützpunkte an der Ostküste Afrikas an
1508) Jakob Fugger wird geadelt
           Luther wird Professor der Theologie in Wittenberg
1509) Beginn des Handels mit Negersklaven zwischen Afrika und Amerika
           Jakob Fugger finanziert den Krieg Kaiser Maximilian I. gegen Venedig
           Portugal beherrscht den Indischen Ozean
1510) Portugal erobert Goa, das zum Mittelpunkt seiner Besitzungen in Südostasien ausgebaut wird
                                                                           - 640) Niederwerfung der Messenier durch die Spartaner
1512) Das von dem Astronomen Nikolaus Kopernikus entwickelte (heliozentrische) Weltsystem
           löst das des Ptolemäus ab. (Vgl. 0-2). De revolutionibus orbium coelestium.
           Portugiesen erobern die Molukken
           In England werden Zweideckerschiffe gebaut, die bis zu 70 Kanonen haben
1512-1517) (03.05.1512-16.03.1517) Konzil (18) von Rom (Lateran V) :
                  Lehre von der Individualität und Unsterblichkeit der Seele

1513) Florida wird durch Juan Ponce de Léon für Spanien in Besitz genommen
           Die gotische Schrift wird zur Fraktur weiterentwickelt
1514) Portugiesen dringen nach Ostasien vor
           Der Erzbischof von Mainz verpfändet den Fuggern seinen Ablaß-Gewinn
           Niccoló Machiavelli: Il principe. Verbindung des Humanismus mit politischen Spekulationen.
1515) Auf Kuba wird die Stadt Habana (Havanna) gegründet
           Till Eulenspiegel wird erstmals in Straßburg gedruckt
1516) Thomas More: Utopia. Verbindung des Humanismus mit britischer Staatsphilosophie.
1517) Luther schlägt am 31. Oktober 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg
           In Europa wird erstmalig Kaffee eingeführt
           Kaiser Maximilian I. krönt Ulrich von Hutten zum Dichterkönig
1518) Adam Ries (Riese) schreibt seine einflußreichen Rechen-Lehrbücher:
           Rechenung auff der linihen und federn und (einige Jahre später) Rechenung nach der lenge
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Zum Anfang der Zwillinge Nach heutiger Auffassung umfaßt die Gotik den Zeitraum zwischen 1200/1250 und 1450/1500, obwohl sie in manchen Ländern früher begann und früher endete. Ursprünglich war die Gotik der Ausdruck für die gesamte Kunst, die zeitlich zwischen Antike und Neuzeit anzusiedeln war: die Kunst der Goten. Demnach wäre aber auch die eindeutig pseudomorphe Spätantike selbst als magisch oder christlich-germanisch zu bezeichnen. (Vgl. Synkretismus). Nach Spengler umfaßt die Gotik den Zeitraum zwischen etwa 900 und 1500, die Ottonik und Romanik also miteinschließend. (Gotik (definiert nach Spengler)). Wenn man eine Art Zuspitzung als Charakteristikum der Gotik zugrunde legen will, so muß man sie auch als eine Kunstform der durch die vergangenen Phasen heraufbeschworenen Zuspitzungbetrachten. Die Baukunst der Gotik ist die wohl mathematischste aller Künste: ihre Raum-, Konstruktions- und Einzelformen bilden ihr Rückrat. Gerade hierdurch ist die Gotik am ehesten von den vorherigen Künsten, insbesondere der Romanik, zu unterscheiden. Wegen der großartigen intellektuellen Leistungen ist sie auch am ehesten mit den bereits erwähnten Leistungen eines Kindes beim Spracherwerb zu vergleichen. (Spracherwerb). Die Anfänge nahm die Gotik in der Normandie, d.h. in einem germanisch stark durchsetzten Gebiet Frankreichs. Für den Bau der Kirche Ste-Trinité in Caen wurden bereits um 1077 gotische Elemente verwendet. Dann entwickelte Burgund, eine ebenfalls stark germanisch durchsetzte Landschaft, diese Ansätze weiter.
Spätromanisch-frühgotisches Kelchblockkapitell

Gotisches Knospenkapitell

Gotisches Blattkapitell
Die Hauptländer der Gotik sind Frankreich und Deutschland. Durchzusetzen begann sie sich im Ursprungsland Frankreich bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts, in Deutschland in den 1230er Jahren. Im Unterschied zum romanischen Baustil und seinen Summen von Einzelräumen entwickelte der gotische Baustil den Innenraum zu einem Einheitsraum. Das Querschiff ist kürzer als das der romanischen Kirchen. Dadurch entsteht der Eindruck einer engeren Verschmelzung mit dem Langhaus. Der ganze Kirchenraum ist scheinbar von einem einzigen Zuge beherrscht. Die gotischen Bauherrn setzten an die Stelle des Rundbogens den Spitzbogen: ein Ausdruck der steileren Haltung des Baues und wichtig für die Konstruktion, weil sein Seitenschub wesentlich geringer ist als der des Rundbogens. (Vgl. Romanik).
Gotik

Bei gotischen Bauten kommt alles darauf an, die Mauer zu entlasten, denn sie ist dünn und leicht und muß breiten und hohen Fenstern möglichst viel Fläche überlassen. Das kann sie aber nur, wenn sie dem Schub des Gewölbes nicht standzuhalten braucht. Um diesen abzufangen, bedurfte es eines komplizierten inneren und äußeren Gerüstes: die Gewölbe sind mit Rippen (Kreuzrippen) unterlegt, die von steinernen Wandvorlagen (Diensten) getragen werden. Dieses innere Strebewerk zieht sozusagen alle architektonischen Energien aus der Wand, um sie auf sich zu vereinigen. Das äußere Strebewerk besteht aus Strebepfeilern, die den ganzen Bau umstellen. Von ihnen aus schwingen Strebebogen sich zu den Wänden hinüber und stemmen sich an die statisch besonders zu sichernden Stellen an. Streben und Wände aus Glas erwecken den Eindruck, als wolle der gotische Bau ohne Horizontale auskommen und dem Boden entkommen, unter Betonung aller vertikalen Gliederungen, die schließlich in dem Riesenturm oder den Riesentürmen der Westfassade ihre letzte Steigerung finden. Bei gotischen Bauten weiß man nie genau, ob sie noch Kontakt zum Boden haben. Wer ihr Streben verfolgt, verfolgt den Weg in den unendlichen Raum, zum Ursymbol der abendländischen Kultur.

Musikalisch war die Gotik die Phase des Übergangs vom Minnesang zum Meistergesang, von der Ars antiqua zur Ars nova und mit dieser über Polyphonie und Kontrapunkt bis zum deutschen mehrstimmigen Lied, schließlich bis zum Aufkommen der Instrumentalmusik durch den Improvisator und Orgelmusiker Konrad Paumann (1409-1473). Franko von Köln (*1250) war wohl der erste Musiker, der den Übergang von der Moduslehre zur Mensuralnotation anbahnte und damit eine wichtige Voraussetzung zur Emanzipation der abendländischen Musik im Rahmen des Kulturspracherwerbs schuf, der später durch Konrad Puhmann phasenvollendet werden konnte. Ars cantus mensurabilis heißt die Schrift, die Franko von Köln, wahrscheinlich noch vor 1300, verfaßte. In ihr legte er fest, daß auf eine Brevis höchstens 3 Semibreven kommen dürfen, während vorher die Zahl schwankend war. Ars nova ist der Titel einer Schrift von Philippe de Vitry (1290-1361), die wohl 1320 in Paris verfaßt wurde. Sie betrifft die neue Art der Mensuralnotation und die wichtigsten Neuerungen: Gleichberechtigung der zweizeitigen Mensur neben der bis dahin herrschenden dreizeitigen sowie die stärkere Unterteilung der Notenwerte zur Darstellung rhythmischer Feinheiten. Die Hauptformen der Ars nova sind die isorhythmische Motette und die 2-4stimmigen Balladen, Rondeaus und Virelais. Deshalb gilt Guilleaume de Machault (1300-1377) neben Philippe de Vitry zum Hauptmeister der französischen Ars nova, auch wenn hier noch in manchen Klängen die Ars antiqua mitschwingt. Insgesamt waren dieseVertreter jedoch schon auf dem Wege zur Polyphonie. Die Lehre vom Kontrapunkt entwickelte sich aus der ursprünglich improvisierten Erfindung einer überwiegend in Gegenbewegung verlaufenden Stimme, die seit dem beginnenden 14. Jahrhundert in Anweisungen zum Discantus in feste Regeln gefaßt wurde. Seine beherrschende Stellung gewann der Kontrapunkt in der niederländischen Musik des 15. und 16. Jahrhunderts bis zu seiner Vollendung (im 16. Jh.) bei Palestrina und Orlando di Lasso, die für mehre Jahrhunderte in Kontrapunkt- und Kompositionslehren maßgebend wurden. Seit dem Frühbarock galt er jedoch als konservative Praxis gegenüber der moderneren, an der Sprache orientierten Ausdruckskunst der Monodie. Als strenge Schreibart blieb er bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbindlich.

Zum Anfang der Zwillinge Was für die Antike die Geometrisierung, der Aufbau eines ornamentalen Kosmos aus einfachen geometrischen Ornamenten (Linien, Mäander, Halbkreise) war, das war für das Abendland die gotische Phase. In der Antike entstanden in dieser Phase die ersten griechischen Tempelbauten für die Göttin Hera in Olympia und für den Meeresgott Poseidon. Der geometrische Tempel entwickelte sich aus dem frühgriechischen Herrenhaus, dem Megaron. (Vgl. 4-6). Die ältesten Tempel, zu denen u. a. der um 800 v. Chr. erbaute Tempel der Hera (Heraion) gehört, hatten noch keine von Säulen getragene Ringhalle, die aber im 7. Jahrhundert v. Chr. auftrat. (Vgl. 12-14). Als Erfinder der Großplastik kann der Kreter Daidalos, die Großplastik als Sinnbild des Menschen und die gleichzeitige monumentale Architektur, z.B. der Steintempel mit Säulenumgeng (Peristatis), als Symbol der griechischen Polis gelten. (Vgl. Ursymbol). 776 v. Chr. begann die Aufzeichnung der Olympischen Spiele und um 750 v. Chr. der Apollonkult in Delphi. Im ausgehenden 8. Jahrhundert v. Chr. versuchte Hesiod sich und der bäuerlichen Welt über die Entstehung der Götter und der Welt in seiner Theogonie wahrscheinlich deshalb mehr Klarheit zu verschaffen, weil ihm und der Welt des kleinen Bauern die Jahrzehnte vorher von Homer beschriebenen Olympier zu adelig und zu heiter vorgekommen waren. Ähnlich mag es den zur Masse gehörenden Menschen im Abendland ergangen sein, wenn sie vor einem gotischen Dom standen und einen Moment lang die Heiterkeit des Strebens und Abhebens in die unendlichen Räume genießen konnten, bevor die mühsame alltägliche Arbeit und der Kampf um die Existenz sich wieder meldete.

Theologie Analoge Theologien Philosophie
(10-12): 850-650 und 1200-1500
(0-2, 2-4, 4-6, 6-8, 8-10, 10-12)
18) ................... ... .................... seit ca. - 10. Jh. / - 9. Jh.
19) Zeus-Götterwelt als Monopol-Religion seit ca. - 10. Jh. / - 9. Jh.
20) .................... ... ..................... seit ca. - 9. Jh. / - 8. Jh.
21) Zeus-Götterwelt als Adelsreligion, Homer; seit ca. - 8. Jh.
22) ....... ... ..... (u.a. Olymische Spiele; 776) seit ca. - 8. Jh.
23) ....... ... ..... (u.a. Apollon-Kult in Delphi) seit ca. - 8. Jh.
24) Orientalisierende Renaissance seit - 8. / 7. Jh.
25) Reformation (Orphiker) Renaissance seit - 7 Jh.; Neuzeit
26) Dionysos als „letzter Gott“ im Olymp; seit - 7. Jh.; Neuzeit
27) Zeus-Götterwelt; Theogonie von Hesiod; seit - 7. Jh.; Neuzeit
28) Gegenreformation Zeus-Welt seit - 7. / - 6. Jh.; Neuzeit
- PURITANISMUS seit - 7. / - 6. Jh.; Neuzeit -
18) 3. Scholastik Hoch-Scholastik (Aristotelismus) seit 13. Jh.
19) 2. Mystik Hoch-Mystik seit 13. Jh.
20) 4. Scholastik Spät-Scholastik seit 14. Jh.
21) 3. Mystik Spät-Mystik seit 14. Jh.
22) Nominalismus Früh-Naturwissenschaft seit 14. Jh.
23) Ockhamismus Früh-Empirismus seit 14. Jh.
24) Humanistische Renaissance seit 14. Jh. / 15. Jh.
25) Reformation (Luther) Renaissance seit 15. / 16. Jh.; Neuzeit
26) Neuscholastik (5) Reformation seit 15. / 16. Jh.; Neuzeit
27) Neumystik (4) Paracelsus, Franck u.a. seit 16. Jh.; Neuzeit
28) Neuscholastik (6) Gegenreformation seit 16. Jh.; Neuzeit
- PURITANISMUS seit 16. Jh.; Neuzeit -


Wie bereits erwähnt, gelangte die Scholastik mit Albert dem Deutschen (dem Großen, 1193-1280), der dem Studium des griechischen Philosophen und für die mittelalterliche Wissenschaft so wichtigen Aristoteles zum Durchbruch verhalf, und Thomas von Aquino (1225-1274) zu ihrem glanzvollen Höhepunkt, auf den sogleich der Ausgang folgte, weil die Kritik an der Kirche und ihre Gegenkritik immer lauter und deutlicher wurde. (Vgl. 8-10). Ihr dichterisches Symbol fand die Spätscholastik im religiösen Epos des Florentiners Dante Alighieri (1265-1321). Der Schöpfer der italienischen Schriftsprache gestaltete in seiner Divina Commedia (Göttliche Komödie, 1311 bis 1320) den Gang von der Hölle zum Paradies als Vision eines universalen Weltgerichtes. Innerhalb der Scholastik bekämpften sich Thomisten (Via antiqua: Dominikaner) und Scotisten (Via moderna: Franziskaner). Die Auffassung von der irdischen Besitzlosigkeit Christi erklärte Johannes XXII. 1323 als ketzerisch. Der Ordensgeneral Michael von Cesena Wilhelm von Ockham u.a. flohen aus päpstlicher Haft zu Kaiser Ludwig dem Bayern. Einige seiner kaiserlichen Ratgeber vertraten eine rein weltliche Staatslehre: Volkssouveränität, Trennung von Staat und Kirche, Überordnung eines Konzils über den Papst. Roger Bacon (1214-1294) rief zu kritischer Prüfung scholastischer Lehrautoritäten (Aristoteles) und zu freierer Naturbetrachtung durch Experiment und Erfahrung auf. Bedeutendster Vertreter der Modernisten war Wilhelm von Ockham (um 1285-1349). Als Schüler von Duns Scotus (1266-1308) waren ihm alle Begriffe nur Namen ohne Realität: der Nominalismus trennte scharf zwischen unbegründbaren Glaubenswahrheiten (göttliche Willensakte) und Wissen (Erkenntnis). Zur Pariser Schule der Ockhamisten zählten Johannes Buridan (um 1300-1358) und der Naturphilosoph Nikolaus von Oresme (um 1320-1382), der die Achsendrehung der Erde annahm und Berechnungen der Erdbewegung anstellte. Via moderna und Nominalismus gaben zwar Anstöße zu philosophischer und theologischer Neubesinnung, verzettelten sich aber in spitzfindigen Streitigkeiten.

Zum Anfang der Zwillinge In Reaktion auf die rationale Scholastik und die kirchliche Verweltlichung suchte die Mystik Gott durch innere Schau, durch Vision und Kontemplation zu erleben und in ihm aufzugehen: Unio mystica. (Vgl. 8-10). Anregungen erhielten die Mystiker durch den Neuplatonismus, der zwar wenig verbreitet, aber dennoch zugänglich war über die arabischen Philosophen, die vor der Reconquista aus Spanien geflohen waren, und über die Griechen, die bereits vor den Türken aus dem Byzantinischen Reich fliehen mußten. Andere Quellen für die Mystiker waren die Schriften des Augustinus (354-430) und des Dionysus Areopagita (5. Jh.). Die Mystik vertiefte sich vor allem in Deutschland, getragen von Dominikanern, Frauenkonventen und -klöstern. Meister Eckhart (1250-1327) lehrte in (deutschen) Schriften und Predigten die Entwerdung des Menschen, dessen Seelenfunke sich in Abgeschiedenheit einbildet in Gott. Sein Werk beeinflußte Ruysbroek (1293-1381), Johannes Tauler (1300-1361) und Heinrich Seuse (1295-1366), den Lyriker der deutschen Mystik. Unter mystischem Einfluß entstanden Bewegungen zur Verinnerlichung des Lebens: die Gottesfreunde (Mönche, Bürgerliche, Adelige am Oberrhein) beabsichtigten, sich unter Leitung von Tauler und dem Kaufmann Rulman Merswin in Gelassenheit und Stille von der Welt zu entbilden. Deutsch Theologia war eine mystische Erbauungsschrift, die Ende des 14. Jahrhunderts in Sachsenhausen bei Frankfurt (Main) entstand und später auf Luther (1483-1546) einen großen Eindruck machte, von ihm unter dem Titel „Ein deutsch Theologia“ 1518 erstmalig veröffentlicht wurde. (Vgl. 12-14). Am Niederrhein und im Gebiet um Deventer verbanden sich die Brüder vom Gemeinsamen Leben, Kleriker und Laien, auf Anregung von Geert Groote (1340-1384) zum Studium der Heiligen Schrift, zu Volksmission und Schularbeit. Das Hauptwerk des Kreises, De imitatione Christi, fand weite Verbreitung und war wohl verfaßt von Thomas von Kempen (1380-1471).

Alle geistigen Bewegungen seiner Zeit faßte Nikolaus von Kues (1401-1464) zusammen. Er stand auf der Grenze zwischen Scholastik und Humanismus und war von der Mystik (bes. Meister Eckhart) und dem Nominalismus (Wilhelm von Ockham) beeinflußt. Sein Hauptwerk De docta ignorantia (Von der gelehrten Unwissenheit, 1440) überwand die Scholastik. Er suchte den Umkreis des menschlichen Wissens philosophisch als Wissen vom Nichtwissen zu bestimmen und seine Möglichkeiten durch das Prinzip des Zusammenfallens der Gegensätze (Coincidentia oppositorum) zu erweitern, das es im eigentlichen Sinn nur in Gott geben könne. Aus der Sicht des Nikolaus von Kues hat das unendliche Universum weder einen Mittelpunkt (Erde), noch kann es rational erfaßt werden, da in ihm alle Gegensätze vereint sind: der Mensch, überhaupt jedes Ding, ist Mikrokosmos, Abbild des Universums, in dem alles in einer stetigen Stufenfolge vom Höchsten bis zum Niedrigsten geordnet ist. Mit Vorliebe bediente sich Nikolaus von Kues mathematischer Denk- und Ausdrucksweisen, besonders um die Probleme des unendlich Großen und Kleinen zu bewältigen. Nikolaus von Kues empfand schon die räumlich-zeitliche Unendlichkeit. Seine Vorschläge zur Kalenderreform gründeten sich auf seine neuen astronomischen Forschungen, die von seinem Schüler Nikolaus Kopernikus (1473-1543) weitergeführt wurden. (Vgl. 12-14).

Der Humanismus leuchtete geistig dem Zeitalter der Renaissance voran. Dieser Anthropozentrismus, vom menschlichen Bewußtsein ausgehend und die Wertsetzung des Menschen zum Objekt habend, überwand das Mittelalter, weil er der Scholastik und der geistigen Vorherrschaft der Kirche entgegentrat. Durch die wiederentdeckten Werke der Antike sollte das Ideal der rein menschlichen Bildungs und Haltung erreicht werden. Somit war der Humanismus, neben der Mystik, der Wegweiser in die Neuzeit. Vermittler des Humanismus waren aus Byzanz nach Italien gekommene oder geflüchtete Griechen. Sie lieferten die zuvor im Abendland kaum erhältliche griechische Literatur und Bildung, insbesondere die begehrte Ideenwelt des Platon (427-347). Frühe Humanisten waren Giovanni Boccaccio (1313-1375) und Francesco Petrarca (1304-1374). Es folgten Eneo Silvio Piccolomini (Papst Pius II., 1405-1464), Rudolf Agricola (1443-1485), Johannes Reuchlin (1455-1522), Konrad Celtis (1459-1508), Konrad Peutinger (1465-1547), Willibald Pirckheimer (1467-1532), Konrad Muth (Mutianus Rufus, 1470-1526), der Reichsritter Ulrich von Hutten (1488-1523), Thomas Morus (1478-1535), Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Humanistisches Gedankengut vertraten in ihrer Frühzeit auch die Reformatoren Martin Luther (1483-1546), Ulrich Zwingli (1484-1531), Philipp Schwarzert (Melanchthon, 1497-1560) und Johannes Calvin (1509-1564), zumindest aber waren sie auch Repräsentanten der Renaissance. Dennoch machte die Reformation dem Humanismus ein Ende oder nahm ihn religiös in sich auf.

Zum Anfang der Zwillinge Diese Phase des Kulturspracherwerbs war für die Antike nicht zufällig die Phase der Polis und der Beginn des Einzugs der Götter in den Olymp sowie der Beginn der griechischen Kolonisation durch die Ionier, dem Aufkommen des Hellenengefühls, dem Aufschwung des Handwerks und der Ausweitung des Seehandels. Den Start in die nächste Phase unternahmen nicht zufällig die ersten Polis als Kolonialmächte, die orientalisiernde Renaissance und die Reformation der Orphiker, die für den Einzug des letzten Gottes in den Olymp sorgten: Dionysos. Wie ähnlich erscheinen da die Entwicklungen im Abendland, denn diese Phase des Kulturspracherwerbs war für das Abendland nicht zufällig die Phase der Gotik; sie endete auch nicht zufällig mit Portugals Entdeckungen durch seine Seefahrten, der neuen Technik des Buchdrucks, den Frühkapitalisten, dem ersten Erdglobus, dem Ende der Scholastik durch den Humanismus, der Entdeckung Amerikas, dem endgültigen Erfolg der Reconquista und der Bildung des Einheitsstaates Spanien durch die Vereinigung von Kastilien und Aragonien. Die ersten beiden Globalkolonialmächte Portugal und Spanien, das heliozentrische Weltbild, die antik-hellenisierende Renaissance und die Reformation unternahmen nicht zufällig den Start in die nächste Phase. Diese Wende mußte kommen. Sie war eine erste Verlagerung der Macht nach Westen und der Beginn der Neuzeit. Aber weil sie neu erschien, waren auch die Beweggründe derjenigen größer, die zurück wollten.

1453 hatte diese Bewegung mit dem Fall von Konstantinopel, dem Tod des Byzantinischen Reiches, begonnen: durch ihn kam die griechische Antike in Mode, aber der alte Seeweg nach Indien nicht mehr in Frage. Christoph Kolumbus (1451-1506) glaubte bis zu seinem Tode, daß er über den Weg nach Westen Indien erreicht und nicht einen neuen Kontinent entdeckt hätte. In Wirklichkeit hatte er am 12. Oktober 1492 Amerika entdeckt und Indien nicht erreicht. (Mehr). Der Portugiese Vasco da Gama (1468-1524) umfuhr 1498 das Kap der Guten Hoffnung und fand den gesuchten alternativen, den neuzeitlichen Weg nach Indien. Die Ozeanfahrten der abendländischen Seefahrer waren für jeden einzelnen Teilnehmer verbunden mit dem Risiko, nie mehr in den heimatlichen Hafen zurückzukehren, aber sie lernten, die Ostwinde über dem Atlantik so zu nutzen, daß die Rückkehr gelang und deshalb auch die Hoffnung wachsen konnte, den Seeweg nach Westen zu meistern und am Ende den gesamten Globus umsegeln zu können. Dem Portugiesen Fernão de Magalhães gelang die erste Weltumseglung von 1519 bis 1521. Kaiser Karl V. hatte ihm 5 Schiffe für eine Westfahrt zu den Gewürzinseln bewilligt. Die Rückreise unternahm Juan Sebastián Elcano von den Philippinen aus, nachdem Magalhães dort verstorben war. Mit dieser ersten Weltumsegelung war die Kugelform der Erde erwiesen.

 Vorkultur    Spätkultur Kreislauf Frühkultur    Hochkultur

Kreislauf
  GOTIK (1250-1500)
Umfaßt die Gotik nicht nur musikalisch 600 Jahre
(900-1500; nach Spengler),
sondern sogar 1400 Jahre
(100/200-1500/1600)?
Mit der in der Gotik offenbar gewordenen Kompetenz zur eigenspezifischen Kultursymbolik ging nicht zufällig zuletzt der Humanismus einher. Er war und ist das Pendant zum befruchtenden globalen Hominismus, der sich sozusagen auf der gegenüberliegenden Seite befindet und uns heute bevorsteht. (Vgl. 22-24). Am Ende dieser beiden Phasen waren nicht nur sie selbst, sondern zugleich eine ganze und eine doppelte Kulturjahreszeit zu Ende. Der gotische Humanismus beendete nicht nur das scholastische Quartal, den Frühling des Mittelalters, sondern auch die geographisch auf Europa zentrierte Hemisphäre der Abendlandkultur: Winter und Frühling (Spätantike und Mittelalter). Er bereitete den Sommer der Neuzeit vor. Und am Anfang des 23. Jahrhunderts wird der global befruchtende Hominismus nicht nur den Herbst der Moderne endgültig beendet haben, sondern auch den Sommer und Herbst umfassenden hemispärischen Globalzeitraum und sogar die gesamte Kultursphäre: alle 4 Kulturjahreszeiten. Er wird den Kreis schließen und den Winter der anderen Zeit vorbereiten. Bis zur Mitte des 21. oder vielleicht auch des 22., spätestens aber bis zum Beginn des 23. Jahrhunderts wird sich also die abendländische Kultur auf die anderen Umstände vorbereitet haben müssen, um mit der schwangeren Kulturpartnerin und dem kommenden Nachwuchs gemeinsam überleben zu können, auch weil dann der letzte, vollendende Zivilisationshöhepunkt erreicht sein wird. (Vgl. 22-24). Bis zur Weltalleroberung, die seit dem Ende des 20. Jahrhunderts andauert, war die 2. Hälfte der Wegstrecke eine ozeanische Welteroberung, die mit der jetzt zu Ende gehenden Gotik begann, aberdie 1. Hälfte der Wegstrecke eine ausgesprochen ursymbolisch-seelenbildliche und deswegen notwendige Grundvoraussetzung. Hier in der Mitte, an der Nahtstelle zwischen der 1. und der 2. Hälfte der kulturellen Wegstrecke, wirkte die Hochgotik, und ihre Bauwerke sind nicht nur als quantitative, sondern auch und vielleicht noch mehr als qualitative Größe zu bewerten.

Man hätte keinen besseren Namen für die Gotik finden können, denn er allein kündet schon von der Bedeutsamkeit dieser Phase für die gesamte 1. Hälfte des zeitlichen Kulturkreises. Er steht für die Goten und alle anderen Germanen der Spätantike genauso wie für die Menschen, die diese angeblichen Barbaren meinten, als sie sich den Namen für die doch so typisch abendländischen Kunstwerke ausdachten. Sie ahnten nicht einmal annähernd, welche Ehre dadurch den Goten und allen anderen Abendländern nach ihnen zuteil werden sollte. Auch deshalb war die Renaissance in ihrer Wirkung und Wirklichkeit eine Spätgotik, obwohl und besonders weil sie das Gegenteil beabsichtigte. So gesehen folgte auf die Gotik der Barock. (Vgl. 14-16). Die Gotik war die Zuspitzung der Gotenkunst, und somit reicht sie im allgemeinen Sinn von der Spätantike über das Mittelalter bis zum Beginn des Barock. Im engeren Sinne umfaßt sie natürlich die hier umrissene Phase. (Vgl. oben).

 

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Zum Anfang der Zwillinge Anmerkungen:


Johann Wolfgang Goethe (28.08.1749 - 22.03.1832) Faust (Teil I), 1806, S. 27, Faust (II), 1831, S.113ff.

Oswald Spengler (1880-1936), Der Untergang des Abendlandes, 1917 (Band I), 1922 (Band II).

Oswald Spengler (1880-1936), Der Untergang des Abendlandes, 1917 (Band I), Tafeln, S. 70ff..

Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes (2. Band), 1922, S. 784ff.

Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. Oswald Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390). Vgl. dazu auch das Germanentum.

Das Seelenbild der magischen Kultur ist ein dualistisches: Geist und Seele, ihr Ursymbol die Welthöhle. (Vgl. Spengler, 1922, S. 847f.).

Albert von Bollstädt (1193-1280), auch: Albert der Deutsche, Albert der Große (Albertus Magnus), trug den Ehrentitel „Doctor universalis“, wegen seiner Vielseitigkeit. Er war Philosoph, Naturwissenschaftler und Theologe und gehörte dem Dominikanerorden an. Als einziger Gelehrter hat er den sonst nur Staatsmännern vorbehaltenen Beinamen „Magnus“ (der Große) erhalten. Albert ist Schutzpatron der Naturwissenschaftler. (Vgl. auch: Aristoteles und Aristotelimus).

Leonardo da Vinci (15.04.1452 - 02.05.1519), Maler, Bildhauer, Baumeister, Zeichner und Naturforscher. Er wurde beim Bildhauer und Maler Verrocchio (1436-1488) ausgebildet, kehrte nach langjähriger Tätigkeit (1482-99) am Mailänder Hof des Herzogs Ludwig von Mailand nach Florenz zurück, ging dann (1596) jedoch auf Einladung des französischen Statthalters wieder nach Mailand. 1513 begab er sich in Erwartung päpstlicher Aufträge nach Rom und folgte 1516 einer Einladung des ihn verehrenden Königs Franz I. nach Frankreich. Von der überraschenden Vielseitigkeit Leonardos legen v.a. seine Zeichnungen (in Silberstift, Feder, Kreide, Kohle, Rötel oder Tusche) Zeugnis ab. Sie beziehen sich nicht nur auf vollendete oder geplante Werke in Malerei, Plastik und Architektur, sondern weisen Leonardo als Wegbereiter einer anschaulichen Naturforschung auf dem Gebiet der Anatomie, Botanik, Zoologie, Geologie, Hydrologie, Aerologie, Optik und Mechanik aus. Als Naturforscher und Techniker war Leonardo ein typischer Empiriker.

Carl Friedrich Gauß (1777-1855) veröffentlichte seine nicht-euklidischen Geometrien nicht, weil er das Geschrei der denkfaulen, schwerfälligen und unkultivierten Menschen fürchtete. Er nannte sie Böoter, weil die Einwohner dieser antiken Landschaft (Hauptstadt: Theben) von den Einwohnern anderer Griechenstädte als denkfaul und schwerfällig beschrieben worden waren. Gauß meinte zu Recht, daß man die Menschen nicht wirklich würde überzeugen können. Die erste der nichteuklidischen Geometrien entdeckte Gauß nach Vollendung seines Hauptwerkes Disquisitiones arithmeticae (1801), durch deren in sich widerspruchslose Existenz bewiesen wurde, daß es mehrere streng mathematische Arten einer dreidimensionalen Ausgedehntheit gibt, die sämtlich a priori gewiß sind, ohne daß es möglich wäre, eine von ihnen als die eigentliche Form der Anschauung herauszuheben. (Vgl. 18-20).

Römisch-katholische Interpretationen attestieren dem Abendland zumeist, daß in ihm die Dominanz des Christlichen überwiege. Diese Meinung teilen vor allem kirchliche und vornehmlich christlich orientierte Vertreter. Theodor Heuss (31.01.1884 - 12.12.1963) soll einmal gesagt haben, daß Europa von 3 Hügeln ausgegangen sei: von der Akropolis, von Golgatha und vom Kapitol. Diese Sichtweise würde eher, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt, auf eine Dominanz der Antike verweisen. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß aus einem antik-apollinischen Einzelkörper und einer magisch-seelengeistigen Welthöhle ein abendländisch-faustischer Unendlichkeitsraum entstehen kann, dann muß unbedingt ein dritter Faktor hinzukommen, den ich die Kulturpersönlichkeit nenne: das Germanentum. Ohne das Germanentum versteht man die Willensdynamik eines Faust nicht, und ohne das germanische Element ist die Raumtiefe, aber auch die in jeder Hinsicht sowohl ins Mikrokosmische als auch ins Makrokosmische gehende Unendlichkeit nicht als distinktives Merkmal der abendländischen Kultur zu identifizieren. Diese Merkmale treffen auf keinen antiken Menschen zu, aber insbesondere auf die Abendländer, die germanischen Ursprungs sind. Scharfe Gegensätze, wie die zwischen Antike und Abendland, sind zwar unbedingt ein Indiz für Verwandtschaft, weil beide Kulturen so auffallend gegensätzlich sind: aktiv und reaktiv. Offenbar hat die Antike auf das Abendland aber nicht persönlichkeitsstiftend gewirkt und konnte auch erzieherisch nicht tätig werden, weil sie so früh verstarb. Die Biogenetik und Sozialisation geraten nicht selten so weit auseinander, wenn ein Elternteil früh verstirbt, d.h. nicht wirklich erlebt wird. Dem Abendland scheint es auch so ergangen zu sein. Die Auseinandersetzungen mit der magischen Mutter hat beim Kind jedoch zu einer enormen, fast schon verdächtigen Erinnerung bis hin zur Vergötterung des antiken Vaters Beitrag geleistet. Aber liegt deshalb immer auch schon ein Vaterkomplex vor?  Es bleibt zunächst festzuhalten, daß auch kulturell zwischen Genetik und Sozialisation, zwischen Anlage und Umwelt, zwischen angeboren und anerzogen ganz klar unterschieden werden muß. Dazwischen bewegt sich die Persönlichkeit. Man kann sie nicht isolieren, folglich auch nicht isoliert betrachten, aber man kann sie beschreiben, und ich beschreibe die Kulturpersönlichkeit des Abendlandes als germanisch, weil dieser Raum zwischen Anlage und Umwelt für die Kulturpersönlichkeit zwanghaft unendlich werden muß, wenn sie die verlorene Vaterkultur zurückholen will. Der unendliche Raum und Wille sind auch deshalb Ursymbol und Urwort des Abendlandes. Wenn der Mensch eine Grundlage von etwa 60 Billionen Zellen hat und einer Umwelt von praktisch unendlicher Vielfalt ausgesetzt ist, so gilt für eine Kultur, daß sie Völker, Staaten oder Nationen zur Grundlage hat und einer Umwelt von unendlichen Möglichkeiten, aber auch gähnender Leere gegenübersteht. Mit dem Germanentum fiel eine faustische Entscheidung zugunsten der unendlichen Möglichkeiten. Die Eltern des Abendlandes waren also antik-magisch, ihre gentragenden Chromosomen römisch-christlich, aber die Kontrollgene germanisch. (Vgl. 22-24).

Der Synkretismus kristallisierte sich als eine der vielen Arten der Pseudomorphose (Spengler) heraus, als die Kirchen des Ostens in Kulte des Westens verwandelt wurden und in umgekehrter Richtung die Kultkirche entstand.. Die Formenbildung ging also erst von West nach Ost und dann von Ost nach West. Das 2. Jahrhundert war die Zeit der Umkehrung: die Kulte des Westens wurden zu einer neuen Kirche des Ostens. Es entstand ein neues Griechentum als magische Nation.

V.a. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Johann Gottfried Herder (1744-1803) und Wilhelm von Humboldt (1767-1835) vertraten die Idee des Nativismus (der Angeborenheit bzw. der angeborenen Ideen). An Leibniz' Rationalismus, Herders Sprachzentrierung, Humboldts Neu-Idealismus (Neuhumanismus) orientierte sich offenbar Noam Chomsky (*07.12.1928), um zu der Logistik eines angeborenen Spracherwerbsmechanismus zu kommen (Language Acqusition Device). Vgl. Noam Chomsky, Syntactic Structures, 1957 und Besprechung von Skinner, 1959 sowie Aspekte der Syntaxtheorie, 1965. (Vgl. 22-24 und Sprachphilosophie oder den Text zum Thema „Biologie und Sprache“).

Fürst (zu althochdeutsch furisto, der Vorderste) ist seit dem Mittelalter die Bezeichnung für die höchste Schicht des hohen Adels, die durch ihre besondere Königsnähe an der Herrschaft über das Reich, besonders in seiner territiorialen Gliederung, teilhatte (Reichsadel), v.a. Herzöge und Herzogsgleiche sowie Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte der Reichsabteien. Ihnen stand das Recht der Königswahl zu und die Pflicht, bei Entscheidungen in Reichssachen mitzuwirken. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation konnten zunächst alle freien, dann alle Reichsfürsten den König wählen. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts kristallisierten sich bei der Wahl des Königs immer mehr entscheidende Fürsten heraus. Spätestens aber im 13. Jahrhundert ergab sich aus den Fürsten heraus der engere Kreis der Königswähler, die Kurfürsten, deren Sonderstellung in der Goldenen Bulle von 1356 festgelegt wurde. Weltliche und geistliche Reichsfürsten hatten Sitz und Stimme im Reichstag. Seit dem staufisch-welfischen Thronstreit (1198) mußten die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie der Pfalzgraf bei Rhein (die Rheinpfalz) an einer gültigen Wahl beteiligt sein. Der Sachsenspiegel (1224-1231) zählt 2 weitere Kurfürsten als Vorwähler oder Erstwähler auf: den Herzog von Sachsen und den Markgrafen von Brandenburg. Mit der Doppelwahl von 1527 traten zum ersten mal die 7 Kurfürsten (einschließlich des vom Sachsenspiegel abgelehnten Königs von Böhmen) als alleinige Wähler auf. Bei der Wahl Rudolfs von Habsburg (1273) war das Kurfürstenkollegium (Kurkollegium) ein geschlossener Wahlkörper. Seine Entstehung - vom Sachsenspiegel aus dem Besitz der Erzämter erklärt - war also letztlich ein Ergebnis des Interregnums: eine Verhinderung der erblichen Thronfolge, ein Erwerb von Reichsgut und wichtigen Reichsrechten durch die Kurfürsten. Das Wahlrecht schränkte sich auf 3 geistliche und 4 weltliche Kurfürsten ein, die vom Kandidaten Sonderrechte (Kapitulationen) und politisches Mitspracherecht (Willebriefe) forderten, ein schwaches Königtum wünschten und deshalb die Krondynastie wechselten. Die Kurfürsten wurden häufig zu Gegenspielern des Königtums. Zur Gültigkeit der Wahl mußten mindestens 4 Kurfürsten anwesend sein. Die Mehrheitswahl wurde zuerst im Kurverein von Rhense (1338) für rechtsmäßig erklärt und 1356 in der Goldenen Bulle als Reichsgrundgesetz festgelegt, die auch die Beratung von Reichsangelegenheiten durch die Kurfürsten auf Kurfürstentagen verbriefte. Im 15. Jahrhundert wurde das Kurfürstenkollegium zur 1., vom Reichsfürstenrat getrennten Kurie des Reichstages. Die böhmische Kurwürde ruhte 1519 bis 1708 mit Ausnahme der Beteiligung an der Königswahl; die Kur des geächteten Pfalzgrafen bei Rhein wurde 1623 Bayern übertragen, der Pfalz aber 1648 eine 8. Kurwürde zugestanden. Braunschweig-Lüneburg (Hannover) hatte seit 1692 eine 9. (1708 vom Reichstag bestätigt), nach der Vereinigung Bayerns mit der Kurpfalz 1777 die 8. Kurwürde inne (seit 1778). 1803 wurden die Kurstimmen von Trier und Köln aufgehoben, die Mainzer Kur auf Regensburg-Aschaffenburg übertragen. Neugeschaffen wurden die Kurfürstentümer Salzburg (1805 auf Würzburg übertragen), Württemberg, Baden und Hessen-Kassel. Am Ende des 1. Deutschen Reiches gab es 10 Kurfürsten. (Vgl dazu die entsprechenden Phasen 6-8, 8-10, 10-12, 12-14, 14-16, 16-18, 18-20)

Kurverein von Rhense war der Zusammenschluß der Kurfürsten (ohne Böhmen) am 16.07.1338 in Rhense (Rhens, Rhein-Lahn-Kreis) zur Verteidigung des Reichsrechts und ihrer Kurrechte besonders gegen päpstliche Ansprüche. Die Kurfürsten setzten in einem Rechtsspruch fest, daß der von ihnen oder ihrer Mehrheit zum Römisch-Deutschen König gewählte nicht der päpstlichen Anerkennung bedürfe.

Humanismus ist ein reflektierter Anthropozentrismus, der vom Menschen ausgeht und die Wertsetzung des Menschen zum Objekt hat - unter Ausschluß dessen, was ihn selbst sich entfremdet, entweder indem es ihn übermenschlichen Mächten und Wahrheiten unterwirft oder indem es ihn untermenschlichen Zwecken nutzbar macht. Auf die vorhistorischen Hominiden folgte der historische Hominide namens Homo sapiens sapiens, auf den vormodernen Humanismus folgt der moderne Hominismus. Damit schließt sich vorerst der Kreis. Schon im 13. Jahrhundert sollen Alchimisten erste Experimente unternommen haben, um einen künstlichen Menschen im Reagenzglas zu erzeugen. Goethe ließ im 2. Teil des Faust den Famulus Wagner einen Homunkulus nach Anleitung des Paracelsus erzeugen. Heute scheinen sich die Möglichkeiten zur Erschaffung des Menschen nach eigenen Wünschen konkretisiert zu haben. Vgl hierzu: 22-24

Nepotismus bedeutet die Vergabe der Ämter an Verwandte (hier: an päpstliche Verwandte).

Konzil (lat. concilium, Zusammenkunft, Versammlung; verwandt mit der griech. Synode) ist die Versammlung von Bischöfen und anderen kirchlichen Amtsträgern zur Erörterung und Entscheidung theologischer und kirchlicher Fragen. Das Ökumenische oder Allgemeine Konzil, das im 1. Jt. vom Kaiser und seit Beginn des 2. Jt. vom Papst berufen wurde, repräsentiert die allgemeine Kirche und besitzt nach katholischem Verständnis in seinen Glaubensentscheidungen Unfehlbarkeit. (Vgl. Konziliarismus).

Konziliarismus ist die Bezeichnung für die Auffassung, daß das Konzil und nicht der Papst allein die höchste Instanz in der Kirche sei. Im Abendländischen Schisma erlangte der Konziliarismus praktische Bedeutung, die auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) bestätigt wurde, obschon die Päpste den Konziliarismus immer wieder verurteilten. Auch der Philosoph Nikolaus von Kues (1410-1464), der Cusaner, vertrat die Ansicht, daß das Konzil über dem Papst stehe. Die Gedanken des Konziliarismus wurden bis zum 1. Vatikanischen Konzil (1869/1870) permanent vertreten.

Die Reichsreform im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde zunächst auf den Reichstagen von 1434 bis 1438 unternommen und in der Publizistik viel dikutiert. Es waren Bemühungen um eine Umgestaltung der Reichsverfassung, die den Reichsständen ein Mitregierungsrecht in Reichsangelegenheiten sichern sollte (Reichsregiment). Ein erstes Reichsreformgesetz scheiterte an den organisatorischen Voraussetzungen. Kaiser Friedrich III. (Habsburger, 1440-1493) verhinderte in den folgenden Jahrzehnten weitere Reformversuche. Kaiser Maximilian I. (Habsburger, 1493-1519) sah sich dann gezwungen, auf den Reichstagen von Worms (1495) und Augsburg (1500) wesentliche Zugeständnisse zu machen. Ein Ewiger Landfriede sollte die Grundlage für die Reichsreform schaffen; als allgemeine Reichssteuer sollte der Gemeine Pfennig erhoben werden (1. Reichsregiment). Neben den fehlenden organisatorischen Voraussetzungen waren der Widerstand des Reichsoberhauptes und das Mißtrauen der auf die Wahrung ihrer Rechte pochenden Reichsfürsten der Grund für das am Ende scheiternde Projekt dieser Reichsreform. auch wenn Karl V. (Habsburger, 1519-1556) sie fortsetzte (2. Reichsregiment).

Die Reichsstände im 1. Deutschen Reich (Hl. Röm. Reich) waren die Reichsfürsten (vgl. Fürsten), Reichsgrafen, Reichsprälaten und Reichsstädte, die das aus der Reichsunmittelbarkeit erwachsene Recht zur Führung einer fürstlichen Einzelstimme (Virilstimme) oder zur Beteiligung an einer Gesamtstimme (Kuriatstimme) im Reichstag besaßen (Reichsstandschaft). Die Reichsstände repräsentierten damit neben dem Kaiser das Reich. Auf dem Konzil zu Basel (1431-1449) vertrat Kardinal Nikolaus von Kues in seiner Schrift De Concordantia Catholica (Von der Einheit der Kirche) die naturrechtlich begründete Ansicht vom politischen Zusammenwirken der Reichsstände mit dem Kaiser in Gesetzgebung und Regierung. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts gab es auf den Reichstagen Reformforderungen, z.B. durch die Gravamina (Beschwerden) der deutschen Nation oder auch in deren Reformatio Sigismundi, einer weitverbreiteten anonymen Flugschrift. Die Reformen begannen auf dem Reichstag zu Worms (1495): Verkündung des Ewigen Landfriedens. Zur Beseitigung des Fehderechts wurde das ständig tagende Reichskammergericht in Frankfurt (seit 1527 in Speyer) als oberste Rechtsinstanz geschaffen und der Gemeine Pfennig (erste Reichssteuer, ohne Bestand) erhoben. Die Eidgenossen lehnten die Beschlüsse ab und forderten im Schwabenkrieg (1499) ihre Unabhängigkeit. Auf dem Reichstag zu Augsburg (1500) wurde ein ständiges Reichsregiment eingerichtet, das 1502 wieder aufgelöst und 1521 erneuert wurde. Seit dem Reichstag zu Köln (1512) stand dem Reichstag die oberste Reichsgewalt zu, der die Vorschläge der kaiserlichen Regierung in 3 Kollegien (Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädte) beriet. Seine Beschlüsse wurden als Reichsabschiede (ab 1633 Reichsschlüsse) verkündet. Es wurden 10 Reichskreise unter dem Direktorium von je 2 Fürsten zur Wahrung des Landfriedens gebildet, eine Reichssteuer und das Reichsheer (unter Kreisobersten) erhoben. Ein Verzeichnis über Einkünfte der Territorien als Grundlage ihrer Truppen- und Steuerleistungen sah die Reichsmatrikelordnung vor, die auf dem Reichstag zu Worms (1521) verabschiedet wurde. Weil aber die Reichstage nur unregelmäßig zusammenkamen, entwickelten sich die Ansätze zu einer Reichsverfassung und zur Überwindung der territorialen Zersplitterung auf der Grundlage der alten Stammes-Herzogtümer nicht weiter.

Diese 10 Reichskreise hießen: 1) Burgundischer Kreis (Niederlande, Belgien, Luxemburg, Burgund), 2) Niederrheinisch-Westfälischer Kreis (Nordwestdeutschland), 3) Niedersächsischer Kreis (Mittelnorddeutschland), 4) Obersächsischer Kreis (Pommern, Brandenburg, Kursachsen), 5) Kurrheinischer Kreis (Erzbistümer Köln, Mainz, Kurpfalz), 6) Oberrheinischer Kreis (Lothringen, Elsaß, Pfalz, Hessen), 7) Fränkischer Kreis (Franken), 8) Schwäbischer Kreis (Baden, Württemberg), 9) Bayrischer Kreis (Bayern, Oberpfalz), 10) Österreichischer Kreis (Österreich) sowie Reichsdörfer, Herrschaften der Reichsritter und Territorien ohne Reichskreisbildung wie Preußen, Lausitz, Böhmen, Mähren, Schlesien. (Vgl. Karte).

Polyphonie ist die Vielstimmigkeit, eine musikalische Setzweise, in der die Stimmen ein melodisches Eigenleben führen (linear), das den Zusammenklang (vertikal) übergeordnet ist. Der Gegensatz dazu ist die Homophonie (der einheitliche Klang): der Kompositionsstil, der einer Hauptstimme alle anderen Stimmen unterordnet. Die Hauptzeit der Homophonie beginnt im 17. Jahrhundert, mit Monodie und Generalbaß. Es ist irreführend, die Musik des 19. Jahrhunderts homophon zu nennen, weil ihr Schwerpunkt im Harmonischen liegt; vielmehr zeigen die Werke der großen Meister von Franz Joseph Haydn und Ludwig v. Beethoven bis zu Richard Strauss das Streben nach einem Ausgleich zwischen Homophonie und Polyphonie, wie er vorbildlich von Johann Sebastian Bach erreicht worden war. Seit dem 14. Jahrhundert haben alle großen Komponisten neben der kontrapunktischen Selbständigkeit der Stimmen dem Zusammenklang Beachtung geschenkt, und der vollkommene Ausgleich von linearen und vertikalen Rücksichten (Bach) muß als Ideal bezeichnet werden. Bei heutigen linearen Versuchen wird oft vergessen, daß das Ohr des Hörers seit dem 17. Jahrhundert ebensosehr (wenn nicht mehr!) auf das harmonische wie auf das polyphone Hören eingestellt ist. (Vgl. 22-24). Schlicht volkstümliches Singen, das sich in Terzen und Sextenfolgen abspielt, ist nicht kontrapunktisch, sondern harmonisch ergänzend. Für den Kontrapunkt sind strenge Regeln aufgesetzt (reiner Satz), die die Stimmführung betreffen und Gattungen aufstellen.

Der Kontrapunkt (lat. punctus contra punctum = Note gegen Note) ist die Kunst, ein mehrstimmiges Tonstück aus melodisch selbständigen Stimmen aufzubauen. Dabei wird praktisch von einem c. f. ausgegangen, indem man die anderen Stimmen nach und nach hinzufügt, obwohl auch gleichzeiges Entwerfen möglich, künstlerisch wertvoller, aber auch wesentlich schwieriger ist. Man spricht bei kontrapunktischen (polyphonen) Werken auch von linearem (horizontal zu hörendem) Stil im Gegensatz zum harmonischen (vertikal zu hörendem), jedoch muß eine rigorose Linearität zur Atonalität bzw. zu einer Art Heterophonie führen. Im übrigen ist es keine Kunst, mehrere Stimmen so zu kontrapunktieren, daß es schlecht klingt. Seit dem 14. Jahrhundert haben alle großen Komponisten neben der kontrapunktischen Selbständigkeit der Stimmen dem Zusammenklang Beachtung geschenkt, und der vollkommene Ausgleich von linearen und vertikalen Rücksichten (Bach) muß als Ideal bezeichnet werden. Die Kontrapunktlehre entwickelte sich aus der ursprünglich improvisierten Erfindung einer überwiegend in Gegenbewegung verlaufenden Stimme, die seit dem beginnenden 14. Jahrhundert in Anweisungen zum Discantus in feste Regeln gefaßt wurde. Seine beherrschende Stellung gewann der Kontrapunkt in der (süd-) niederländischen Musik des 15. und 16. Jahrhunderts bis zu seiner Vollendung (im 16. Jh.) bei Palestrina und Orlando di Lasso, die für mehre Jahrhunderte in Kontrapunkt- und Kompositionslehren maßgebend wurden. Seit dem Frühbarock galt er jedoch als konservative Praxis gegenüber der moderneren, an der Sprache orientierten Ausdruckskunst der Monodie. Als strenge Schreibart blieb er bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbindlich. Bei heutigen linearen Versuchen wird nur oft vergessen, daß das Ohr des Hörers seit dem 17. Jahrhundert ebensosehr (wenn nicht mehr!) auf das harmonische wie auf das polyphone Hören eingestellt ist. (Vgl. 22-24). Schlicht volkstümliches Singen, das sich in Terzen und Sextenfolgen abspielt, ist nicht kontrapunktisch, sondern harmonisch ergänzend. Für den Kontrapunkt sind strenge Regeln aufgesetzt (reiner Satz), die die Stimmführung betreffen und Gattungen aufstellen. Die Anzahl der Stimmen im kontrapunktischen Satz ist theoretisch nicht begrenzt, praktisch sind jedoch nur wenige Ohren fähig, einen mehr als 4stimmigen Satz wirklich linear aufzunehmen. Unter doppelten Kontrapunkt versteht man einen Satz, in dem sich die Stimmen vertauschen lassen, ohne daß dadurch schlechte Stimmführung (Parallelen) entsteht. Er ist eines der wichtigsten Mittel der thematischen Arbeit und ist in neuerer Zeit besonders genial von Johannes Brahms und Anton Bruckner angewandt worden (innerhalb eines an sich harmonisch-vertikalen Satzes). Die Hauptformen des kontrapunktischen Stils sind Fuge und Kanon, die Haupttechnik die der Nachahmung.

Fuge (lat. fuga = Flucht). Die Fuge ist die wichtigste Form der kontrapunktisch-polyphonen Setzweise. (Vgl. Kontrapunkt und Polyphonie) Erste echte Fuge mit Zwischenspielen und formgerechter Antwort sind bei A. Gabrieli (1580) vorhanden, höchste Ausbildung bei Johann Sebastian Bach im Wohltemperierten Klavier und in der Kunst der Fuge. Das Interesse an der Fuge ist nie erlahmt und ist jüngst neu belebt worden. Das Wesen der Fuge liegt in ihrer Einthemigkeit, das ihr die strenge ästhetische Einheit verleiht. Das Charakteristische des Fugenthemas ist seine Fortspringungstendenz, d. h. es trägt in sich den Keim zur Weiterbildung seiner melodischen Linie. Das Fugenthema ist dynamisch - im Gegensatz zum statischen Thema der Sonate. Die Eigenart der Fuge liegt darin, daß sich in ihr das Dynamische (Thema) mit dem statischen (Gesamtaufbau) verbindet. Das Thema (auch Dux oder Führer genannt) wird in der 2. Stimme im Quintabstand beantwortet (d. h. wiederholt). Die Antwort heißt auch Comes oder Gefährte. Mit ihr zusammen erklingt die kontrapunktische Fortspinnung des Themas.

Kanon (griech. =Vorschrift) ist eine kontrapunktische Form auf der Grundlage strenger Nachahmung. Jede Folgestimme nimmt das Thema notengetreu auf, in wechselnden Abständen (Kanon im Einklang, in der Sekunde u.s.w.). Historisch geht diese Form bis ins 13. Jahrhundert (Sommerkanon) zurück, erlebt ihre erste Blüte in der Caccia (Jagd) der Ars nova und ihren Höhepunkt in der Zeit der Niederländer (z. B. bei Ockeghem). Hier wurde der Gipfel kunstvoller, aber auch überkünstelter Kanonkompositionen erreicht. Es gab nicht nur Kanons in Vergrößerung und Verkleinerung, Umkehrung und Rücklauf (Krebskanon), sondern auch sogenannte Rätselkanons, bei denen zuweilen nur eine Stimme notiert wurde und eine kryptische Überschrift den Scharfsinn anspornte, die Art der Ausführung zu finden. So muß z. B. ein Kanon mit der Überschrift in more hebraeorum von hinten nach vorn gelesen und gesungen werden. Das hat natürlich kaum noch etwas mit mit wirklicher Kunst zu tun, wie überhaupt der Kanon besonders bei denen beliebt ist, die in der Musik weniger ein seelisches Erlebnis als eine mathematische Tonkonstruktion rationaler Art sehen.

 

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