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Kritik / Skepsis an der Bevölkerungstheorie von
Heinsohn & Co. *

- Literaturwerke  -
 
Beiträge von:

Thomas Betz

Reiner Klingholz

Hubert Brune

 

 

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Thomas Betz
- Heinsohn / Knieper / Steiger: „Menschenproduktion“ (
**|**) -

„Alle drei Autoren sind Professoren (G. Heinsohn, geb. 1943: Soziologie, R. Knieper, geb. 1941: Jura, O. Steiger, geb. 1938: Ökonomie) an der Universität Bremen und lehren dort seit 1973.

Kern ihrer Untersuchungen und Überlegungen ist die Überzeugung, daß der Wunsch nach Kindern in erster Linie ökonomisch bedingt ist und abhängig von der Vermögens- bzw. Eigentumssituation der potentiellen Eltern: Nur wer etwas hat, kann auch etwas weitergeben und also ein Motiv entwickeln, Erben in die Welt zu setzen. Diese sind – eben weil sie Erben sind bzw. Aussicht auf Erbschaft haben – wiederum ökonomisch motiviert, die Alterssicherung und -versorgung der Eltern zu gewährleisten, wodurch wiederum das Motiv der Eltern, Nachkommen zu generieren, abgesichert und bestärkt wird. Die Verfasser wenden sich entschieden gegen die (konventionelle) Vorstellung eines »natürlichen Kinderwunsches«. Typischerweise zu Nachkommenschaft motivierte Individuen sind insofern die eigenständigen und selbstverantwortlichen Produzenten, die über persönliches (oder auch genossenschaftliches wie im Kibbuz) Eigentum verfügen und dabei darauf achten, nicht mehr Kinder in die Welt zu setzten als zur vollen Reproduktion notwendig sind .... In der historischen Betrachtung sind dies also die klassischen Bauern, insbesondere auch die Leibeigenen des Mittelalters, denen natürlich auch an einer Mithilfe im Familienbetrieb gelegen ist. Typischerweise nicht motiviert sind hingegen die Sklaven und eigentumslosen »Proletarier« der Antike sowie die Lohnarbeiter der Neuzeit.

Mit dem Jahre 1302 kommt es zu gewaltigen klimatischen Verschlechterungen (»kleine Eiszeit«) und in der Folge 1348 zum Ausbruch der Pest. Zwischen 1300 und 1400 sinkt die europäische Gesamtbevölkerung von 73 auf 45 Mio. Menschen (**|**), aber zwischen 1450 und 1700 steigt sie wieder von 50 auf 115 Mio (**|**). Der Anstieg kann nicht mit einer expansiven, dynamischen, familienorientierten Bauerngesellschaft erklärt werden, da die überwiegende Mehrheit der Landbevölkerung aus Leibeigenen besteht, die bestenfalls zur vollen Reproduktion motiviert sind, und – zunehmend – Lohnarbeitern, denen ein solches Interesse fremd ist. Die Autoren vertreten nun die These, daß die dennoch zu konstatierende gewaltige Bevölkerungsentwicklung ein direktes Ergebnis der nunmehr einsetzenden Bestrafung und Verfolgung von Verhütung, Abtreibung und heimlicher Kindestötung ist, die sich in einem dramatischen Anstieg der Geburten weit über die volle Reproduktion niederschlagen. Maßnahmen zur Überwindung des Menschenmangels und zur Abwendung eines Schicksals wie das des römischen Reiches erfolgen seitens des Staates wie der Kirche. Dazu gehört insbesondere die gewaltsame Verdrängung und Verbannung des Jahrtausende alten Wissens um Verhütung und Geburtenkontrolle, die ihren augenscheinlichsten Ausdruck in bestialischer Folter und millionenfachem Mord an Frauen findet: in der Hexenverbrennung. Speziell dieser Thematik haben Heinsohn und Steiger 6 Jahre später ihr Buch Die Vernichtung der weisen Frauen (1985 [**]) gewidmet, in dem sie allerdings die Zahl der Tötungen auf 200000 korrigieren. Daß es sich dabei keineswegs um einen irrationalen Einbruch des Mittelalters, sondern um konsequent rationales Vorgehen handelt, wird am Beispiel des französischen Staatsdenkers, Begründers der Quantitätstheorie und Schöpfers des modernen Souveränitätsbegriffes, Jean Bodin, deutlich gemacht, der 1580 die entschiedenste und brutalste Schrift zur Hexenverfolgung veröffentlicht: Vom ausgelassenen wütigen Teufelsheer. Er ist mit diesem Werk gleichzeitig der Wegbereiter des neuzeitlichen Staates, dessen Besonderheit darin liegt, über seine »Polizey« für die Erhaltung und Vermehrung der Bürger, Menschenproduktion (**|**) also, zu sorgen.

Es ist nun die dabei verordnete Unwissenheit in sexuellen Dingen, vor allem die Verhütungsunfähigkeit aller Bürger, die zusammen mit der Zulassung der bislang daran gehinderten (weil eigentumslosen [aha!HB {**|**|**|**|**}]) sozialen Schichten zur Eheschließung – der einzigen Form legaler Sexualbetätigung – zur endgültigen Bevölkerungsexplosion im 18. und besonders im 19. Jahrhundert führt. Ersteres sorgt für eine relative Zunahme der Geburten pro Ehe, letzteres für eine absolute Zunahme der (kinderreichen) Ehen. Ohne diese Entwicklung, den daraus resultierenden Expansionismus und die Auswanderungswellen ist die übermächtige Stellung Europas in der Welt nicht zu erklären. Aber der dadurch immer größer werdende Anteil der Proletarier an der Gesamtbevölkerung und deren immer defizitärere Sozialisation werden von den Oberschichten schließlich als Existenzbedrohung – persönlich wie des Systems – empfunden und der Widerstand gegen Geburtenkontrolle immer weiter aufgegeben. Die letzte Bestätigung für die ökonomische Bedingtheit des Kinderwunsches ist schließlich die aktuelle Situation moderner Industriegesellschaften, in denen die Altersversorgung entindividualisiert, das Zusammenleben der Generationen entkoppelt und die Bevölkerungszahlen rückläufig sind. Eine ausführliche Diskussion und Kritik (unter der Prämisse der These der Autoren) der Bevölkerungstheorien ökonomischer Klassiker und moderner Ideen sowie eine (mathematisch) formalisierte Betrachtung runden die revolutionären Gedanken ab.

Die These der drei Autoren über die aus ökonomischen Motiven erzwungene Menschenproduktion (**|**) wurde von Heinsohn und Steiger 1985 in Die Vernichtung der weisen Frauen (**) weiterentwickelt. Hier zeigten sie, daß der Kern der These sich als die Lösung dreier miteinander verwobener historischer Rätsel im Europa des späten 15. Jahrhunderts entziffern läßt: (1.) die Transformation der Bevölkerungskatastrophe des 14. Jahrhunderts in die Bevölkerungsexplosion, (2.) die große Hexenverfolgung und (3.) das plötzliche Verschwinden der Geburtenkontrolle.

Im Anschluß an diese Veröffentlichung kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit Feminismus, professioneller Hexenforschung, Rechtsgeschichte und Sexualwissenschaft. Sie sind in der 3. erweiterten Ausgabe dieses Buches (**) ausführlich dokumentiert.“

Thomas Betz, Heinsohn / Knieper / Steiger: „Menschenproduktion“, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 1979.

 

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Reiner Klingholz
- Machen junge Männer Krieg? -

„Der us-amerikanische Geheimdienst CIA publizierte im Jahr 1995 das Papier Demographische Hintergründe für ethnische Konflikte. Darin ging es um die Frage, ob rasches Bevölkerungswachstum zu politischer Instabilität führen kann. Denn dieses erwirkt zwangsläufig einen Youth Bulge, eine Beule in der demographischen Kurve, einen Überhang an jungen Menschen, die keinen Platz in der Gesellschaft finden. Die Studie kam zu dem Ergebnis, daß Mord und Totschlag drohen, sobald die Altersgruppe der 15-bis-24-Jährigen einen Anteil von 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung übersteigt. Acht Jahre später hat der Bremer Völkermordforscher Gunnar Heinsohn aus dieser Theorie ein Buch (**|**) gemacht: Wo Väter im Mittel mehr als zwei Söhne hinterlassen, komme es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Konflikten, heißt es in Söhne und Weltmacht. Wiederhole sich dieser Überhang über mehrere Generationen, erwachse ein regelrechter Sprengsatz.

Die meisten islamisch geprägten Länder erleben diesen Prozeß seit mehr als fünf Generationen. Sie haben die Zahl ihrer Menschen binnen eines Jahrhunderts von 150 auf 1200 Millionen Menschen verachtfacht, und, so Heinsohn, »die größte Sohneswelle der Menschheitsgeschichte« produziert. Al-Qaida und Hamas wären damit keine politischen oder ideologischen Phänomene, sondern zwangsläufige Folge einer demographischen Entwicklung.

Wer dieser Tage in Lagos, Islamabad oder im Westjordanland unterwegs ist, könnte an dieser Idee Gefallen finden: Die Zentren bersten vor jungen Männern voller Testosteron, die Ansprüche und Erwartungen haben, aber kaum Aussicht auf soziale Anerkennung. Keiner braucht sie wirklich, und genau das bekommen sie zu spüren. Für Heinsohn stellen diese leicht radikalisierbaren Halbwüchsigen ein Millionenheer gewaltbereiter Krieger dar.

Angesichts der hohen Geburtenraten in den meisten schwarzafrikanischen und vielen islamischen Ländern wird sich das Heer in den nächsten 15 Jahren weiter vergrößern. Es sei kein Zufall, so Heinsohn, daß diese Spanne unter US-Strategen als die gefährlichste im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gelte. Zu diesen Ländern gehöre beispielsweise Pakistan, wo Millionen in Koranschulen auf den Heiligen Krieg gedrillt würden. Noch höhere Wachstumsraten verzeichnen Afghanistan, Saudi-Arabien oder der Jemen. In manchen afrikanischen Staaten ist fast die Hälfte der Bevölkerung jünger als 15 Jahre – ein unerschöpflicher Nachschub an Söhnen, für die in Heroismus und Märtyrertum die einzige Chance liege.

Dem Stammtisch näher als der Wissenschaft

Heinsohn bemüht Beispiele, bei denen man die jungen Fanatiker mit Bombengürtel förmlich vor sich sieht. Doch bei genauem Hinschauen kommen Zweifel: Warum passen viele Staaten mit Jugendüberschuß, wie Brasilien (Brasilien gehört nicht mehr zu den Ländern mit Jugendüberschuß [vgl. Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht, 2003, S. 25 {**} und S. 60 {**}]; HB) oder Sambia, nicht in das simple Schema der kriegsbereiten Söhne? Weshalb kam es in Ruanda zum millionenfachen Genozid, während Botswana oder Ghana trotz vergleichbarer demographischer Struktur seit 50 Jahren konfliktfrei geblieben sind? Wieso waren und sind die USA – ohne Überhang an Jugend – in zahlreiche Kriege verwickelt? Und warum konnte Hitler – ebenfalls ohne Jugendüberhang – den verheerendsten Krieg aller Zeiten anzetteln?

Je länger man in Söhne und Weltmacht (**|**) liest, um so mehr wird klar, daß der Sozialforscher mit seiner oft martialischen Sprache dem Stammtisch näher steht als der Wissenschaft. Vor allem aber fehlt dem Buch (wie auch den Vorstudien der us-amerikanischen Geheimdienste) die statistische Grundlage für die Theorie des kriegsträchtigen Überhangs an jungen Männern.

Genau dies hat der Demograph Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung jetzt nachgeholt und die demographischen Daten aus 159 Nationen mit den 238 Kriegen und bewaffneten Konflikten seit 1945 abgeglichen. Und dabei ergibt sich ein Bild, das weit komplexer ist als Heinsohns linearer Zusammenhang zwischen Konflikten und Sohnesüberschuß.

Aus der Studie geht zunächst einmal hervor, daß die Auseinandersetzungen seit dem Zweiten Weltkrieg proportional mit der wachsenden Weltbevölkerung zugenommen haben. Daß die relative Zahl der Kriege pro Millionen Erdenbürger jedoch keinesfalls angestiegen ist.

Im Detail zeigt sich, daß die Zahl der Länder mit einem Überhang an jungen Menschen zwischen 1970 und 1983 sprunghaft von 4 auf 46 angestiegen ist – eine Folge der »Bevölkerungsexplosion« der Entwicklungsländer in den 1950er Jahren. In diesen Ländern kam es tatsächlich zu mehr Konflikten. Als später die Geburtenraten sanken, gingen mit Verzögerung auch die Überhänge an jungen Leuten zurück – und Anfang der 1990er Jahre die Kriegsgefahr ebenfalls. Auf den ersten Blick ein Beleg für Heinsohns Hypothese. Aber ganz so einfach ist die Lage nicht: Denn die beschriebene Epoche ist geprägt durch Stellvertreterkriege, die mit dem Ende des Kommunismus ausgeklungen sind. Ein vorübergehender Anstieg der Konflikte Anfang der 1990er Jahre erklärt sich auch durch das Auseinanderfallen von Vielvölkerstaaten in viele konfliktträchtige Einzelgebilde. Beide Phänomene haben nichts mit einem Überhang an Jungen zu tun.

Diktaturen und marode Bildung schüren Konflikte

Heinsohns Theorie kommt weiter ins Wanken, wenn das Kriegsrisiko auf Basis der vermeintlich kritischen Gruppe der 15-bis-24-Jährigen berechnet wird. Gesellschaften mit weniger als 15 Prozent Anteil an dieser Kohorte erweisen sich als relativ friedlich. Das ist auch kein Wunder, denn dies sind mehrheitlich wohlhabende Nationen ohne Bevölkerungswachstum. Warum sollten Dänemark oder die Schweiz heutzutage in den Krieg ziehen?

Das höchste Konfliktrisiko besitzen nach der Analyse des Berlin-Instituts Länder, bei denen die Gruppe der 15-bis-24-Jährigen 19 bis 21 Prozent ausmacht. Ist jedoch der Überhang an jungen Menschen noch größer, sinkt erstaunlicherweise die Wahrscheinlichkeit für Konflikte massiv. Dies läßt sich rein mathematisch erklären: Ein großer Überhang entsteht häufig, wenn in Ländern mit zuvor hohen Geburtenraten die Kinderzahlen zurückgehen. In dieser Phase wachsen aus der jüngsten Kohorte weniger Kinder nach, also steigt der relative Anteil 15-bis-24-Jähriger. Gleichzeitig entlastet der Geburtenrückgang die Familien und den Staat, und es wird mehr investiert. Diese »demographische Dividende« hat den asiatischen »Tigerstaaten« in den 1980er Jahren überhaupt erst den Wirtschaftsaufschwung ermöglicht.

Deshalb hält Heinsohns Theorie auch einer Regionalanalyse nicht stand: So verzeichnet Asien in den 1960er Jahren einen deutlichen Anstieg an Konflikten – lange bevor es die angeblich bedrohlichen Youth Bulges gab. Als diese dann um 1975 entstanden, sank die Kriegsgefahr massiv.

Die Ergebnisse zeigen, daß Konflikte im wesentlichen von anderen Faktoren abhängen. Das Unruhepotenzial von Ländern wie Saudi-Arabien, Afghanistan oder dem Irak geht zu einem guten Teil auf das Konto von modernisierungsresistenten Diktaturen und maroden Bildungssystemen. Andere Nationen, etwa Bangladesch, Malaysia oder die Türkei, in denen der Bildungsgrad steigt und Frauen mehr Rechte erlangen, erleben eine ökonomische Belebung, und sie verlieren entsprechend an Brisanz.

Diese Entwicklung ist in Staaten mit rasch wachsender Bevölkerung kaum möglich. Dort verschlechtern sich die Lebensbedingungen mit jedem neuen Konkurrenten um Brennholz und Ackerland, um Kapital und Arbeit. Der niedrige Lebensstandard provoziert hohe Geburtenraten, was die Lösung der Probleme weiter erschwert. Viele afrikanische Länder stecken in dieser Abwärtsspirale. Sie drohen an ihren Problemen zu scheitern und treiben in die Unregierbarkeit. Sie können im Chaos versinken und die gesamte Welt destabilisieren. Daß die vielen jungen Männer dabei ein Problem darstellen, liegt auf der Hand. Aber eben nur eines von vielen Problemen.“

Reiner Klingholz, Machen junge Männer Krieg?,  in: Die Zeit, 26.04.2004.

 

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Hubert Brune
- Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte -

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Hubert Brune :  „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte“ „Nicht zufällig ist der gewählte Titel für diesen Text ein an Nietzsche angelehnter (vgl. Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874 [**]). Es geht mir nämlich darum, das Für und das Wider, wie sie Nietzsche für die Historie im allgemeinen beschrieben hat, auch für die Historie im speziellen, nämlich der demographischen Historie, zu beschreiben. Dabei sollen die sprachlichen Produktionen von Gunnar Heinsohn, Rolf Knieper und Otto Steiger, die sich mit einer von der Ökonomie bestimmten Bevölkerungsentwicklung beschäftigt haben, näher untersucht werden. Meiner Meinung nach ist eine nur ökonomisch fundierte Bevölkerungstheorie genauso wenig wissenschaftlich haltbar wie eine nur soziologisch oder nur psychologisch fundierte.

Um es vorweg auf eine kurze Formel zu bringen: Gemäß Heinsohn, Knieper und Steiger ist nur der Eigentümer - ob als Bauer oder als Unternmehmer - fähig, eine dauerhaft stabile Bevölkerungsentwicklung zu gewährleisten, weil Fortpflanzung und Aufzucht ihrer Meinung nach »stets von wirtschaftlichem Kalkül getragen sind« (**). Gemäß dieser Theorie tendieren Sklaven und freie Lohnarbeiter zur »prinzipiellen Familienlosigkeit« (**) - sie sind also prinzipiell kinderlos. Wenn sie dennoch Kinder haben, ist das für Heinsohn, Knieper und Steiger schon ein »Beweis«, daß sie unter bevölkerungspolitischem Zwang stehen.

Geburtenrate in Deutschland von 1880 bis 2000
CFR und TFR
Quellen: Herwig Birg,
Die demographische Zeitenwende,
2001, S. 50 (**); ders., Die ausgefallene Generation, 2005, S. 38 (**).

Hubert Brune :  „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte“ »Radikalismus und Bevölkerungswachstum - Demographie als Schicksal -, so hieß das Thema im Philosophischen Quartett vom 29.10.2006 (**). Da wurde zum Thema Demographie vieles besprochen, was wichtig und auch richtig ist, aber eben auch manches, was unwichtig und auch falsch ist. Falsch ist z.B. die Behauptung von Heinsohn und Sloterdijk, die »68er« seien geboren in der Zeit der bundesrepublikanischen »Babyboomer« (1959-1968). Wenn das wirklich so gewesen wäre, dann wären die »68er« in dem besagten Jahr 1968 nur 0 bis 9 Jahre, also noch nicht einmal 10 Jahre alt gewesen! Wurde z.B. Rudi Dutschke nicht 1940, sondern 1960 geboren, war er also 1968 nicht 28, sondern 8 Jahre alt? Oder:  Wurde z.B. Andreas Baader nicht 1944, sondern 1964 geboren, war er also 1968 nicht 24, sondern 4 Jahre alt? Mag ja sein, daß die »68er Revolte« hin und wieder mehr einer »Revolte der Unter-10-Jährigen« glich als einer echten Studenten-Revolte, aber Rudi Dutschke und seine Mitläufer, Andreas Baader und seine Bande waren 1968 nicht wirklich unter 10 Jahre alt. Wenn die »68er« 20 Jahre jünger gewesen wären als sie wirklich waren, wäre dann »68« nicht 1968, sondern 1988 geschehen? Um die Zeit herum ereignete sich aber ausgerechnet eine besonders friedliche »Revolution« bzw. Revolte, die 1989 ihren Gipfelpunkt mit dem Fall der Mauer (09.11.1989) erreichen sollte. Gemäß Heinsohns Jungmännerüberschuß-Theorie gibt es Kriege, Bürgerkriege, »Revolutionen«, Revolten, Gewalt, Mord, ja Völkermord nur mit überflüssigen Jungmännern (mindestens 20% der Männer sind 15-bis-29-Jährige - einen solch hohen Anteil hat es übrigens in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr gegeben! [Vgl. auch die Abbildungen {**|**|**|**}].). Dazu kommt noch, daß ausgerechnet die »68er« eine sehr geburtenschwache Generation sind (so verzeichnete z.B. das Jahr 1945 eine Geburtenrate von 1,43 [vgl. Meinhard Miegel, Das Ende des Individualismus, 1993, S. 89 {**}]). Heinsohns Jungmännerüberschuß-Theorie ist zwar plausibel und deswegen auch brauchbar, aber sie entbehrt andere Aspekte, die ebenfalls plausibel sind und sie eher widerlegen als belegen, weswegen Heinsohn sie einfach ignoriert. Er täte besser daran, sie zu berücksichtigen, denn er müßte seine Theorie dabei nicht aufgeben, sondern nur abschwächen. Sonst läuft er Gefahr, selbst von vielen ignoriert zu werden. Und das wäre doch schade, oder?

Anzahl der Einwohner* und der Lebendgeborenen in Deutschland** seit 1840 mit Vorausberechnungen bis 2100
Einwohner und Lebendgeborene
* Von 1840 bis 1989: Bevölkerung am 31.12. eines Jahres, von 2000 bis 2100 mittlere Bevölkerung eines Jahres.
** Von 1840 bis 1945 Reichsgebiet; von 1945 bis 1990 Gebiet der 1990 vereinten Bundesrepubik Deutschland.
Quelle: Herwig Birg, Universität Bielefeld, 2005, ders., Die ausgefallene Generation, 2005, S. 39 (**).
Daten: Daten von 1840 bis 1999 Statistisches Bundesamt, Daten von 2000 bis 2100 Herwig Birg / Ernst-Jürgen Flöthmann, Demographische Projektionsberechnungen für die Rentenreform, 2000; Materialien des IBS, Band 47A; Universität Bielefeld, 2001 (Variante 5)

Geburtenziffer und Sterbeziffer in Deutschland* von 1816 bis 2000
Einwohner und Lebendgeborene
* 1816 bis 1840 Preußen, 1841 bis 1945 Reichsgebiet, 1945 bis 2000 Bundesgebiet.

Harald Welzer (**) kritisierte Gunnar Heinsohn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen u.a. mit folgendem Satz: »Sie können Ihre These eigentlich nur durchhalten, wenn Sie immer für jeden historischen Fall noch eine Sonderbedingung mit dazu erfinden.«  (Harald Welzer, in: ZDF-Nachtstudio, 2009). Dem kann man nur zustimmen.

Heinsohn muß sich Zahlen, Fakten und Statistiken zurechtmogeln, um seine Theorie untermauern zu können. Neben dem eben erwähnten Beispiel der »68er« (**) sei hier ein weiteres angeführt: In einem am 1. Juni 2007 aufgezeichneten Vortrag - Titel: »Jung, aggressiv und engagiert« - spielt Heinsohn die deutschen Geburtenzahlen in der Zeit von 1900 bis 1914 so hoch, daß sie in seine Argumentation passen; er behauptet, die Geburtenzahlen seien im damaligen Deutschen Reich so hoch gewesen »wie heute in Uganda« (ebd.). In Wirklichkeit lag die deutsche Geburtenrate in dieser Zeit zwischen 4,2 im Jahr 1900 und 3,9 im Jahr 1914 (vgl. Meinhard Miegel, Das Ende des Individualismus, 1993, S. 89 [**]) - sie sank bereits seit etwa 1870 -, und 2007 lag die ugandische Geburtenrate bei 6,7! (Vgl. Fischer Weltalmanach, 2010, S. 557). Heinsohn will auf die These hinaus, daß ohne die zwischen 1900 und 1914 geborenen überzähligen jungen Männer der Nationalsozialismus nicht möglich gewesen wäre. Diese These ist genauso falsch wie die These über die »68er«. Die generelle These, daß der Jungmännerüberschuß verantwortlich sei für Gewalt wie Krieg, Bürgerkrieg, Terror(ismus) u.s.w. ist so - nämlich: generell (!) - wissenschaftlich nicht haltbar. Die Geburtenraten waren im Deutschen Reich z.B. in der Zeit von 1815 bis 1864 sehr hoch, und diese 49 Jahre waren für Deutschland eine der längsten Friedenszeiten seiner Geschichte; die Geburtenraten waren im Deutschen Reich z.B. in der Zeit von 1864 bis 1914 auch noch sehr hoch, und diese 50 Jahre waren - abgesehen von Bismarcks Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870-1871 - ebenfalls eine der längsten Friedenszeiten seiner Geschichte. Deutschland erlebte von 1815 bis 1864 (also 49 Jahre lang!) und von 1871 bis 1914 (also 43 Jahre lang!) seine bisher friedlichste Zeit - ausgerechnet in der Zeit, in der es die meisten Geburten und die meisten möglichen Krieger (Jungmänner) zu verzeichnen hatte!

DemographieDemographie
Bevölkerungspyramiden-Beispiele aus Deutschland: 1875, 1910, 1925, 1939, 1950, 2000, 2050 (Vorausberechnung).
Demographie

Wenn Heinsohns Thesen zuträfen, hätten der 1. und der 2. Weltkrieg im 19. Jahrhundert stattfinden müssen!

Gemäß Heinsohns Theorie hat es den 1. und den 2. Weltkrieg gar nicht gegeben! Für den 1. Weltkrieg verfügten alle an ihm beteilgten Staaten zwar noch über einen Jungmännerüberschuß - Ausnahme: Frankreich -, weil dieser aber in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg besonders hoch war, hätte der 1. Weltkrieg gemäß Heinsohns Theorie ja schon vor dem 1. Weltkrieg stattfinden müssen. Da er aber zu dieser Zeit nicht stattgefunden hat und gemäß Heinsohns Theorie ja nur zu dieser Zeit und nicht später stattfinden konnte, kann es ihn gar nicht gegeben haben. Für den 2. Weltkrieg verfügten alle an ihm beteilgten Staaten nicht mehr über einen Jungmännerüberschuß - Ausnahmen: Nichtabendländische Staaten sowie Ost- und Südeuropa -, so daß gemäß Heinsohns Theorie der 2. Weltkrieg sich gar nicht ereignen konnte. Außerdem hätte auch der 2. Weltkrieg gemäß Heinsohns Theorie ja schon vor dem 1. Weltkrieg stattfinden müssen. Da er aber zu dieser Zeit nicht stattgefunden hat und gemäß Heinsohns Theorie ja nur zu dieser Zeit und nicht später stattfinden konnte, kann es ihn gar nicht gegeben haben. Wir haben allein bei diesem Beispiel 1. und 2. Weltkrieg schon drei Thesen, die jeweils ein Paradoxon ergeben, wenn man Heinsohns Theorie auf sie anwendet.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Heinsohns Thesen sind größtenteils falsch und extrem fragil. Und deshalb ist auch seine Theorie insgesamt größtenteils falsch und extrem fragil. Seine Zahlen und Fakten passen nicht zu denen, die uns die Wissenschaft und die Geschichte überliefern. Heinsohn wäre überzeugender, wenn er sagte: »Leute, achtet auch auf die demographischen Entwicklungen, weil die wichtig sind, aber achtet auf sie auch nicht zu sehr, weil sie nicht am wichtigsten sind.« Statt also eine allgemeine Theorie wie ein Dogma zu predigen, sollte er die Erkenntnisse über demographische Entwicklungen richtig ermitteln, die richtig ermittelten Erkenntnisse akzeptieren und sie in eine Theorie einbinden, die ohne Dogma auskommt. Alles in die eigene dogmatische Theorie zu pressen, ist verführerisch, aber deswegen trotzdem nicht richtig. Von Heinsohns Behauptungen über den Jungmännerüberschuß sind diejenigen, die viele Fehler beinhalten, abzuziehen und die Differenz in eine ihr übergeordnete neue Theorie einzugliedern. Die Fehler sind manchmal so extrem - wie auch die obigen Beispiele (**|**) gezeigt haben -, daß man sich schwer damit tut, Heinsohn überhaupt noch etwas zu glauben. Ich werde versuchen, wenigstens einige von Heinsohns Thesen in meine Theorie einzugliedern.

Ein Jungmännerüberschuß muß zwar nicht notwendigerweise zu Krieg und Völkermord führen, wie Heinsohn glaubt, aber er führt immerhin dazu, daß eine Gemeinschaft - z.B. Familie, Sippe, Stamm, Volk, Nation, Kultur - sich stärker fühlt, selbstbewußter und wohl auch aggressiver wird, und zwar erst recht dann, wenn gleichzeitig die Jungmänner einer anderen Gemeinschaft weniger werden. Die Frage, ob er darüber hinaus auch zu Krieg und Völkermord führt, ist zwar mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit, aber eben niemals mit absoluter Sicherheit zu bejahen. Heinsohn muß immer wieder Zahlen, Daten, Fakten so sehr seiner Jungmännerüberschuß-Theorie auf unwissenschaftliche Weise anpassen, daß es ihm eigentlich peinlich sein müßte. Diese Peinlichkeit könnte er sich ersparen, wenn er bereit wäre, seine Theorie zu relativieren. Also: Kleinere Brötchen backen, Herr Heinsohn!

Auf so ein sich stark fühlendes, selbstbewußtes und aggressives Lebewesen, das wahrscheinlich auch noch ein Mörder und Totschläger ist, reagieren die meisten der anderen Lebewesen mit Respekt, »Schwanzeinziehen«, Unterwürfigkeit, manchmal sogar mit Selbstmord. Auch unter Gemeinschaften gibt es das, und zwar erst recht dann, wenn die eine Gemeinschaft wächst und verjüngt, weil ihr immer mehr Junge nachwachsen, während die andere Gemeinschaft schrumpft und vergreist, weil sie immer mehr Junge verliert. Die abendländische Kultur agiert gegenüber den anderen Kulturen, insbesondere gegenüber der morgenländischen Kultur, gar nicht mehr, sondern reagiert auf sie dafür um so mehr. Als sei sie jenes Lebewesen, das lieber den Schwanz einzieht oder sogar sich lieber selbst tötet als mit aufrechtem Gang und ebenso selbstbewußt, aggressiv und kriegerisch zu reagieren, wie sein Gegner als Herausforderer agiert. Ob eine Gemeinschaft mit Jungmännermangel auf eine fremde Gemeinschaft mit Jungmännerüberschuß mit Selbsthaß oder sogar Selbstmord reagiert, hängt sehr davon ab, ob und - wenn ja - wie sehr sie Minderwertigkeitsempfindungen hat. Und daß der Selbsthaß in der abendländischen Kultur mittlerweile beängstigend geworden ist, ist allgemein bekannt. Dieser Selbsthaß und diese Angst sind aber von ihren Herrschenden gewollt.

Wie ein Tier scheint die durch Jungmännermangel geplagte abendländische Gemeinschaft im »Körper« der fremden Gemeinschaft den Jungmännerüberschuß zu riechen. Darum hat das Abendland Angst. Doch auch Angst muß nicht notwendigerweise zu Selbsthaß und Selbstmord, sondern kann - und sollte gegebenenfalls auch - zu einer der herausfordernden Aktion angemessenen Reaktion führen. Deutschland als die ehemals weltstärkste, dann weltzweitstärkste, heute noch weltdrittstärkste Wirtschaftsmacht und als einer der ältesten Akteure des Abendlandes betreibt aber gerade darum heute eine Politik des Selbsthasses, von der seine Herrschenden obendrein noch glauben, daß sie wegweisend sei. Wegweisend in den Selbstmord!

Heinsohn ist zwar unbedingt zuzustimmen, daß die Demographie wichtig ist und viel zu sehr beim Verstehen des menschlichen Verhaltens und Handelns, vor allem in Politik, Kriegen, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft u.s.w., vernächlässigt wird, jedoch ist auch die Demographie nicht allein (monokausal) die Ursache, sondern nur einer der Gründe dafür. Heinsohn und Steiger ist auch unbedingt zuzustimmen, daß alle bisherigen Wirtschaftstheorien versagt haben, jedoch ist auch deren Wirtschaftstheorie nicht allein der Schlüssel zum Verständnis des Wirtschaftens (**).

Ebenfalls zuzustimmen ist Heinsohn darin, daß nicht Hunger, Bildungsnotstand u.ä. Vorwände die Gründe dafür sind, daß Menschen gewalttätig werden (Metapher: »Hungernde Krieger« [?!?]), sondern daß die Gründe dafür in dem menschlichen Sosein - angefangen bei der Neurologie des Körpers über die Seele bis hin zum Geist des Menschen - verankert sind und folglich die demographischen Gründe erst dazukommen, also auch nicht die primären, aber immerhin doch auch sehr bedeutende Gründe sind. Menschen versuchen - besonders auch über die für sie so spezifische Sprache -, mehr als über andere Wege über den Weg der Lüge, Täuschung, Tarnung, Scheinheiligkeit u.v.m. zu ihren Zielen zu kommen. Beispiele solcher Ziele gibt es geung: vor allem die Macht, auch die Liebe, das Geld, die Prestigeobjekte, der Status, der Gewinn von Freunden, Abhängigen, Untertanen u.s.w.. Gründe, die vorgegeben werden, sind oft nicht die wirklichen Gründe. Gründe, die vorgegeben werden, sind oft Vorwände. Und die benutzen auch z.B. die Islamisten, wie Heinsohn nicht müde wird zu beklagen. Zu Recht!

Demographische Abrüstung heißt die Forderung - darin muß Heinsohn nur teilweise zugestimmt werden, nämlich insofern, daß da, wo es zu hohe Geburtenraten gibt, ab-, und da, wo es zu geringe Geburtenraten gibt, aufgerüstet wird. Die größten Probleme bei Bevölkerungsentwicklungen gibt es dann, wenn unterschiedliche Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftsformen eine große Differenz hinsichtlich ihrer Geburtenraten und noch jungen Menschen aufweisen - und das ist heute der Fall zwischen dem Abendland (niedrige Geburtenrate, wenige Jungmenschen) und dem Morgenland (hohe Geburtenrate, viele Jungmenschen) und noch mehr gegenüber Schwarzafrika (sehr hohe Geburtenrate, sehr viele Jungmenschen). Deshalb muß die Forderung genau gesagt lauten: Demographische Abrüstung für diejenigen, deren Geburtenrate 2,1 und mehr beträgt; demographische Aufrüstung für diejenigen, deren Geburtenarte 2 und weniger beträgt. Das ist zwar schwierig, aber machbar angesichts der Tatsache, daß die Politiker ganz andere (Fast-Un-)Möglichkeiten durchsetzen. Und so lange, wie das Demographieproblem nicht einigermaßen im Griff ist, so lange brauchen wir uns auch nicht für den Globus einzusetzen, weil ohne Frieden kein »Umweltschutz« bzw. »Planetenschutz« möglich ist.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Heinsohn, Knieper und Steiger gehen in ihrer Bevölkerungstheorie - so wie übrigens auch schon Heinsohn und Steiger in ihrer Wirtschaftstheorie (**|**) - von Vorausetzungen aus, die teilweise wissenschaftlich nicht haltbar sind. Die von ihnen angegebenen historischen Quellen beweisen nichts, was die These stark untermauern könnte, daß die »Überzähligkeit an Söhnen« immer nur »Ausmordung« oder »Frauenunterdrückung« bedeute, bzw. daß das Wirtschaften immer nur »Eigentumswirtschaften« sei. Diese Behauptungen sind immer nur zum Teil richtig, jedenfalls nie ganz richtig und manchmal sogar völlig falsch. Ihre Bevölkerungs(politik)theorie ist genauso wie ihre Eigentums(wirtschafts)theorie eine gut ausgedachte, kaum falsifizierbare (weil ja zu wenig naturwissenschaftliche), aber auch kaum verifizierbare (weil ja zu viel kulturwissenschaftliche) Theorie. Sie taugt als Ergänzung zu den bisher etablierten Theorien, die ebenfalls (teilweise sogar erheblich mehr) Mängel aufweisen.

Als ich die von Heinsohn, Knieper und Steiger in ihrem 1979 erschienenen Buch Menschenproduktion (**|**) vorgelegten Zahlen für die Bevölkerung Europas mit denen aus dem 1984 erschienenen Wirtschafts-Ploetz (**) verglich, stellte ich - nicht zu meiner Überraschung - fest, daß ausgerechnet nur diejenigen Zahlen, mit denen Heinsohn, Knieper und Steiger ihre ökonomisierte Fortpflanzungs- und Bevölkerungstheorie untermauern, vom Wirtschaft-Ploetz abweichen:
»Europäische Bevölkerung in Millionen von 400 v.Chr. bis 1950«
(Gunnar Heinsohn / Rolf Knieper / Otto Steiger, Menschenproduktion, 1979, S. 40 [**]).
–400110070010001050110011501200125013001350140014501500155016001650170017501800185019001950
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Zum Vergleich die Zahlen aus dem Wirtschafts-Ploetz (1984, S. 47, 50, 53, 162 [**]):
   2742464850616973  53
-55
76
-80
 100
-105
94-100 /
69,9-73,4
80,6
-86,2
97,2
-102,9
124,6
-127
266401576
Die für die Zeit nach 1300 von Heinsohn & Co. angegebenen Zahlen weichen von denen des Wirtschatfts-Ploetz ab und sind die, die Heinsohn & Co. für die Untermauerung ihrer ökonomisierten Fortpflanzungs- und Bevölkerungstheorie brauchen. Zufall?

Weil Heinsohn, Knieper und Steiger sich offenbar nicht erkären können, warum ausgerechnet die Abendländer so erfolgreich waren und sind, sind sie der Idee verfallen, daß dieser Erfolg nur durch Bösartigkeit in Verbindung mit Eigentumslosigkeit erklärbar sei. Es gibt andere, vielleicht bessere Ideen, die eine diesbezügliche Erklärung beinhalten. Es gibt Kulturtheorien, die mit sowohl naturwissenschaftlichen als auch kulturwissenschaflichen Thesen und Argumenten bestückt sind und m.E. auch das Wirtschaften und die Demographie verständlich machen. Warum haben sich Heinsohn, Knieper und Steiger ausgerechnet auf diejenige theoretische Variante eingelassen, die der abendländischen Kulturgeschichte nur noch Böses unterstellt? Die »Erklärungen«, die Heinsohn und Co. diesbzüglich abgeben, zeugen doch sehr davon, daß unsere Kultur seit Beginn ihrer ersten Zivilisationsphase immer mehr zur Selbstkritik, ja zum Selbsthaß aufzufordern scheint. Seitdem äußern sich ihre Angehörigen immer mehr auf genau diese Weise. Es liegt nicht an mangelndem Wissen, schon gar nicht an mangelnder Aufklärung oder an mangelnder Einsicht in diese Thematik, daß solches Verhalten vor Beginn der ersten Zivilisationsphase der abendländischen Kultur nur sehr wenige (unter den wenigen Adeligen) und danach immer mehr (unter den vielen Bürgerlichen) in seinen Bann gezogen hat. Es war Notwendigkeit und Zufall, daß die Abendländer den ganzen Globus erobert haben. Es war z.B. der »Fall von Konstantinopel« (1453), der in der Folge den Weg nach Indien versperrte und die abendländischen Seefahrer veranlaßte, nach Westen zu segeln; es war die »faustische Seele« (**|**), die die abendländischen Entdecker unermüdlich ins »Unendliche« (**|**) trieb und sie jeden Winkel der Erde entdecken ließ; es war die Möglichkeit, bei dieser Gelegenheit auch »überzählige« und »eigentumslose« Söhne in diese entlegenen Winkel zu schicken u.s.w. - aber es war nicht primär die »Hexenbulle« (**|**) von 1484, der »Hexenhammer« (**|**) von 1487, die Tötung der »Weisen Frauen« (**), der »Zwang zur Mutterschaft« (**) u.ä., wie Heinsohn, Knieper und Steiger glauben. Mit bevölkerungspolitischen und eigentumswirtschaftlichen Thesen kann man einiges, nicht selten sogar vieles, aber niemals alles erklären.

Wenn jemand ein »überzähliger Sohn« ohne Eigentum und Erbschaft ist, ist er für Heinsohn, Knieper und Steiger automatisch ein Mörder, jedenfalls ein potentieller, weil er ja, gemäß deren Theorie seine »Position« verbessern will, und das nur kann, wenn er einen »Positionierten« tötet, um in dessen »Position« zu kommen. (Klingt das alles nicht sehr nach dem »Alten Testament«?). Die Unterstellung, daß auch Söhne, die nicht »überzählig« sind und sich trotzdem »überzählig fühlen«, ebenfalls potentielle Mörder sind, ist dann der nächste Gedanke (und für Feministinnen sind ja schon sogar alle Männer Mörder [!?]), der sich aufdrängt. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, wie groß die Empörung, der hysterische Aufschrei wäre, wenn man nur deutlich genug machte, daß heute die meisten dieser Männer aus der »Dritten Welt« stammen - abgesehen von denjenigen, die sich in der »Ersten Welt« und in der »Zweiten Welt« als »überzählig fühlen«, für die aber die große Empörung, der hysterische Aufschrei ähnlich ausfiele.

Heinsohn übertreibt, und dazu muß er auch Zahlen, Daten und Fakten so darstellen
und deuten, daß sie in seine »Theorie« passen. Das ist sehr unwissenschaftlich.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Man kommt in der Frage nach den Gründen, Motiven, Trieben und Ursachen (**) für zu viele oder zu wenige Kinder am weitesten, wenn man sie phänomenologisch oder ganzheitswissenschaftlich angeht - jedenfalls nicht einzelwissenschaftlich und auch nicht gruppenwissenschaftlich (z.B. naturwissenschaftlich oder kulturwissenschaftlich [sozial-/geisteswissenschaftlich]).

Naturwissenschaften—›—›Kulturwissenschaften
(auch genannt: Empirie-, Erfahrungswissenschaften)‹—‹—(auch genannt: Sozial-, Geisteswissenschaften)
...  Ü b e r g ä n g e  ...

Generatives Verhalten ist zwar auch ökonomisch begründbar, aber eben nicht nur; will man es biologisch, anthropologisch, ökonomisch, soziologisch, psychologisch u.s.w. betrachten, so muß man dies von zwei Seiten her angehen; natürlich (genetisch/evolutionär) und kultürlich (metagenetisch/revolutionär). Ob ich etwas biologisch-anthropologisch-ökologisch-ökonomisch-soziologisch-psychologisch oder psychologisch-soziologisch-ökonomisch-ökologisch-anthropologisch-biologisch betrachte, ist nicht dasselbe. Ich muß beide Wege betrachten, um es analysieren und hinterher wieder zusammensetzen zu können. Das Phänomen ist vor der Wegwende dasselbe, während der Wegwende nur noch das gleiche, nach der Wegwende wieder dasselbe. Und dieser Unterschied ist es, der mir vermittelt, wie das Phänomen zu seinen Eigenschaften kommt, wie es charakterisiert werden kann. Die zwei Wege müssen unbedingt beschritten werden, weil erst sie die ganzheitliche Betrachtung des Phänomens ermöglichen.

(1) N==>(2) N-K==>(3) K==>(4) K-N==>
(1a) Physik
==>
(1b) Chemie
==>
(2a) Biologie
==>
(2b) Ökonomie
==>
(3a) Semiotik
==>
(3b) Linguistik
==>
(4a) Philosophie
==>
(4b) Mathematik
==>
<==<==<==<==<==<==<==<==
(1) N<==(2) N-K<==(3) K<== (4) K-N<==

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Heinsohn & Co. »erklären« Entwicklung rein kataklysmisch (1. Fehler), Bevölkerungsentwicklung rein ökonomisch (2. Fehler), Ökonomie rein eigentumsrechtlich (3. Fehler). Zwar könnte ihnen zugute gehalten werden, daß sie die von mir angesprochene Wegwende (**) zumindest gesehen haben könnten - wahrscheinlich jedoch nicht. Dazu kommt aber leider noch, daß diese falschen Annahmen weitere Fehler nach sich ziehen: Heinsohn & Co. »erklären« Kinder rein vom »Ertrag« selbständiger Produzenten her (4. Fehler) und »Zwangsmaßnahmen« sowie »Unterdrückung der Frau« rein von der »überfüssigen« Kinderanzahl her (5. Fehler) - d.h. diejenigen, die nicht erben (können), seien überzählig, überschüssig, überflüssig, und durch überzählige Jungmänner kämen die Kriege und ähnliche Probleme in die Welt, weil die von ihnen angestrebten Positionen schlicht nicht da seien -, wobei Heinsohn & Co. ihre Thesen mit historischen Quellen nicht belegen können (6. Fehler), ihre Angaben in vielen Fällen nicht mit den Daten, Zahlen und Fakten der Realität übereinstimmen (7. Fehler), ihre Methode nicht wissenschaftlich ist (8. Fehler). Meiner Meinung nach kann man das, was Heinsohn & Co. mit ihren Thesen behaupten, nicht, jedenfalls nicht generell behaupten. **

In seiner Bevölkerungstheorie wie auch in seiner Wirtschaftstheorie bestreitet Heinsohn mit seinen jeweiligen Ko-Autoren alle naturwissenschaftlichen Erklärungen - statt sie wenigstens in seine Theorie zu integrieren. Für ihn gibt es »keine natürliche Vermehrung des Menschen« (**), keinen natürlichen Hang des Menschen zur Wirtschaft, zum Gütertausch u.s.w. (**), denn all das gibt es für ihn nur als historische Produkte, die kataklysmisch (katastrophisch, revolutionär), durch Entwicklungsbrüche entstanden seien (**|**|**|**). Fortpflanzung ist für Heinsohn & Co. vom wirtschaftlichen Kalkül abhängig (**), das Wirtschaften komme jedoch erst per Entwicklungsbruch durch das revolutionär erkämpfte Eigentumsrecht in die Welt (**). Wenn man das in einen logischen Zusammenhang bringt, muß man schlußfolgern, es existiere für Heinsohn & Co. die menschliche Fortpflanzung erst seit höchstens 6000 Jahren. Unglaublich!

Natürlich haben Staat und Kirche ihre Gelegenheit gesehen, durch mehr Menschen mehr Reichtum, mehr Macht zu bekommen - und dies gilt tatsächlich für die Zeit vom Beginn der Neuzeit (Moderne i.w.S. **) bis zum Übergang in die Bürgermoderne (Moderne i.e.S. **), in der sich dieser Prozeß umkehrt. Das Verhalten unter genau dem umgekehrten Vorzeichen ist jedoch genauso zu verurteilen, weil es genauso verantwortungslos ist.

Niemand weiß genau, ob und für wen ein Leben mit Kindern schlechter oder besser ist als ein Leben ohne Kinder (ich z.B. ziehe eindeutig das erstere dem letzteren vor). Also kann es auch niemand pauschal beurteilen. Auch ein Ökonom kann dies nicht. Auch ein Heinsohn nicht, der sechs verschiedene Wissenschaftsdisziplinen - Soziologie, Psychologie, Geschichte, Publizistik, Wirtschaftslehre, Theologie - an der Freien Universität Berlin studiert hat. Daß die Behauptung, es gebe »keine natürliche Vermehrung des Menschen« (**), falsch ist, läßt sich auch schon an dem Phänomen erkennen, daß immer mehr Menschen Haustiere als Ersatz für Kinder haben. Die Friedhöfe für diese Haustiere sind sehr liebevoll gepflegt. Heinsohn, Knieper und Steiger ignorieren in ihrer Theorie die Liebe, und ein 1979 erschienener Aufsatz von Heinsohn heißt auch nicht zufällig: Liebe ist in gewissem Sinne überflüssig (**).

Es gibt überzeugendere Argumente für die These des natürlichen Triebs zum Nachwuchs, als Heinsohn, Knieper und Steiger mit ihrer Gegenthese jemals zusammentragen können. Sie behaupten, daß es »keine natürliche Vermehrung des Menschen« (**) gebe, daß »Fortpflanzung und Aufzucht stets von wirtschaftlichem Kalkül getragen« (**) seien, daß der Lohnarbeiter mit der »prinzipiellen Familienlosigkeit« (**) identisch sei, daß die »Bevölkerungsexplosion« ihren Grund nicht im technischen, medizinsichen, hygienischen und ökonomischen Fortschritt, sondern lediglich »in der Zulassung bisher daran gehinderter sozialer Schichten zur Eheschließung« (**) habe. Die Zulassung zur Eheschließung der zuvor daran gehinderten unteren Schichten war zwar auch ein Grund, aber nicht der Hauptgrund und schon gar nicht, wie Heinsohn, Knieper und Steiger behaupten, der einzige Grund. Gemäß ihrer Theorie wurden seit Ende des 15. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts - also 300 Jahre lang - »Millionen von Frauen« (**), die sich und andere angeblich vor Geburten schützen wollten, von der christlichen Kirche »ermordet«, weil sie und der merkantilistisch orientierte Staat - gemäß der Formel: Mehr Menschen = Mehr Reichtum (= Mehr Macht) - mehr Nachwuchs haben wollten und nicht auf die Idee kamen, daß diese Frauen schon deshalb nicht getötet werden sollten, weil sie doch auch potentielle Mütter, also als Mütter eben dieses benötigten Nachwuchses noch zu gebrauchen waren. Und als nach dem 300 Jahre andauernden angeblichen »Morden« die abendländische Bevölkerung exponentiell anstieg, lag das gemäß ihrer Theorie lediglich an »der Zulassung bisher daran gehinderter sozialer Schichten zur Eheschließung« (**), obwohl doch gerade gemäß ihrer Theorie auch diese Schichten wegen ihrer Bedeutung für die »Menschenproduktion« gar nicht von der Eheschließung ausgeschlossen sein konnten.

»Ursache der ›Bevölkerungsexplosion‹ ist« laut Wirtschafts-Ploetz (1984, S. 148) »der Rückgang sowohl der Krisensterblichkeit als auch der ›normalen‹ Sterberate«, laut Heinsohn, Knieper und Steiger jedoch die »Zulassung bisher daran gehinderter sozialer Schichten zur Eheschließung« (**), obwohl die doch gerade gemäß ihrer eigenen Theorie gar nicht von der Eheschließung ausgeschlossen sein durften, denn die christlichen »Menschenproduzenten« brauchten sie doch für die sittlich (ehelich) vonstatten gehende Nachwuchsproduktion. Proton Pseudos wird dieser Grundirrtum, von dem Heinsohn & Co. hierbei wieder einmal ausgehen, auch genannt: Falsche Voraussetzung zu Anfang einer Beweisführung, aus der andere Irrtümer folgen. **

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Seit Ende des 18. Jahrhunderts wuchs im Abendland die Kinderzahl, ganz besonders die der unteren Schichten, so stark und so schnell wie nie zuvor - und zwar sowohl durch die Aufhebung der bisherigen Heiratshindernisse als auch durch den Rückgang der Kindersterblichkeit und der allgemeinen Sterblichkeit -, wie gesagt: verursacht durch den »Fortschritt« (!). Zugleich setzte wegen der Verstädterung, des Wohlstands und der Sicherheit vor existentieller Bedrohung ein von den oberen Schichten seinen Ausgang nehmender, rund 100 Jahre später auch die mittleren Schichten und wiederum rund 100 Jahre später sogar auch die unteren Schichten erfassender allgemeiner Geburtenrückgang ein, der bis heute anhält. Seitdem also gibt es im Abendland eine negative Korrelation zwischen dem sozial-ökonomischen Erfolg und der Zahl der Kinder. Und zu diesem »Fortschritt« gehört auch, daß die Grenzen der Schichten (Klassen) immer durchlässiger wurden. Intelligenten Menschen aus den unteren Schichten gelang nun der soziale Aufstieg, der ihnen jahrhundertelang weitgehend verwehrt war. Doch sobald sie in denjenigen Schichten angelangt waren, in denen bereits die negative Korrelation zwischen dem sozial-ökonomischen Erfolg und der Zahl der Kinder wirkte, glichen sie ihr Fortpflanzungsverhalten den dortigen Verhältnissen an. (**). Ähnliche Prozesse hat es in den anderen Kulturkreisen - zu den jeweils entsprechenden Zeiten - zwar auch gegeben, aber nirgendwo und niemals zuvor verliefen sie so stark und so schnell, wie sie es im abendländischen Kulturkreis seit Ende des 18. Jahrhunderts sind.

Gedankenexperiment: Man nehme eine Volk »X« mit einem technischen bzw. ökonomischen Fortschritt »Y« und und lasse es jetzt einen »Fortschrittssprung« machen. Man wird sehen, daß sich fast genau die Ereignisse zeigen werden, die sich auch in Europa während der »Demographischen Revolution« (»Bevölkerungsexplosion«) gezeigt haben. Ein solcher »Sprung« bedeutet, daß die von ihnen betroffenen Menschen sich auf ihn nicht so schnell vorbereiten, also ihre Verhaltensweisen nicht so schnell verändern können, wie er es erfordert.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Für Heinsohn, Knieper und Steiger ist es dagegen von vornherein eine abgemachte Sache: wenn die Geburtenraten zu hoch sind bzw. die »Kinderausstülpungen« (»Children Bulges«) und »Jugendausstülpungen« (»Youth Bulges«) existieren, ist Menschenproduktion, Fortpflanzungszwang, Aufzuchtszwang, Frauenunterdrückung und Mord im Spiel. Und das ist nun mal eine böswillige Unterstellung.

Das Christentum mit seiner seit Beginn der Neuzeit durchgesetzten Familienmoral und der merkantilistische Staat, so Heinsohn & Co., hätten Schuld an dem ganzen Elend, das durch deren »Menschenproduktion« hervorgerufen worden sei. Es fällt ohnehin auf, daß die Autoren dann, wenn eine negative Wertung vorliegt, die Wörter »Christ(en)«, »Christentum« »christlich« u.ä. verwenden, während sie dann, wenn eine positive Wertung vorliegt, die Wörter »Jude(n)«, »Judentum« »jüdisch« u.ä. verwenden, ohne zu bemerken, daß sie auf diese Weise keine historischen Tatsachen, sondern lediglich ihren Philojudaismus kundtun. Für sie scheinen die »Guten« stets die »Juden« und die »Bösen« stets die »Christen« zu sein. Das klingt einerseits nach Nietzsche, andererseits nach Hitler. Heinsohn ist bekannt für seinen Philojudaismus. Er verbrachte 2 Jahre - von 1976 bis 1978 - in Isreal, betrieb dort auch Studien über das dortige Kibbutz-Modell. Seine »Lieblingsstaaten« sind Israel und USA.

Die von Heinsohn, Knieper und Steiger behauptete These, die Hexenverfolgungen hätten Kirche und Staat dazu gedient, die Hebammen (die »Weisen Frauen«) zu beseitigen, um sie so an der Weitergabe und Anwendung von Techniken zur Geburtenkontrolle zu hindern, wird selbstverständlich von nicht wenigen Feministen unterstützt, obwohl sie von der Geschichtswissenschaft heftig zurückgewiesen worden ist, da ihr der Quellenbefund widerspreche und die Arbeit von Heinsohn & Co. methodische Mängel aufweise (**). Heinsohn, Knieper und Steiger sind also vielleicht Feministen oder zumindest Männerfeinde. Heinsohn z.B. hat - wie übrigens auch Sloterdijk - seinen Vater nicht erleben können (**). Das Ohne-Vater-Aufwachsen steht doch gerade für freudianisch-psychoanalytisch orientierte Menschen im Zusammnhang mit Männerfeindlichkeit.

Die »Frauenemanzipation« bedürfe »wie der Geburtenrückgang selbst« erst noch der Ergründung, so Heinsohn & Co. (**). »Da der Lohnarbeiter keine Söhne benötigt, die ein Erbe mit dem Ziel übernehmen sollen, ihn bei Arbeitsunfähigkeit und Alter zu versorgen, benötigt er an einer Frau auch nicht deren Fähigkeit, Erben zu gebären und aufzuziehen.« (**). Diese These ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Sie gilt nämlich nur für solche Fälle, in denen der »Lohnarbeiter« sozialversichert (vgl. Rente u.s.w.) und in dem Sinne sicher ist, daß er seine sich aus den Sozialversicherungen ergebenden Zahlungen auch tätsächlich bekommt. (Die heutigen Verhältnisse deuten doch bereits wegen der unverantwortlichen Schuldenpolitik der »Staaten« des Abendlandes und Anhänger - also: der sogenannten »Ersten Welt« - in eine sehr prekäre Zukunft (vgl. »Prekariat« u.ä.). »Frauenemanzipation« und Geburtenrückgang gehören zusammen - das räumen auch Heinsohn, Knieper und Steiger ein, allerdings nur in der Hinsicht, daß »beide ... Folgen der Annäherung des Lohnarbeiters, dessen Geschlechtsunabhängigkeit hier deutlich wird, an sein ökonomisches Interesse« (**) sei. Auch hier liegen Heinsohn, Knieper und Steiger nicht ganz richtig, weil diese These dann und nur dann richtig sein könnte, wenn der »Lohnarbeiter« und »sein ökonomisches Interesse« das Maß aller Dinge wäre. So ist es aber nicht. Außerdem ist nicht wissenschaftlich gesichert, was genau das »ökonomische Interesse« des »Lohnarbeiters« ist; es kann z.B. durch ein ungesichertes Rentensystem ganz anders aussehen als durch ein gesichertes. Heinsohn, Knieper und Steiger liegen also auch in dieser Hinsicht nur zum Teil richtig.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Bevölkerungsgeschichte hat auch (auch!) viel mit Ökonomie zu tun, doch die Betonung liegt auf dem Wort  A U C H !  Man kann die Bevölkerungsentwicklung nicht allein ökonomisch begründen. Wenn man es dennoch tut - wie Heinsohn & Co. -, dann ist sicher, daß die Begründung falsch, jedenfalls teilweise falsch ist. Bevölkerungsentwicklungen gehen zurück auf einen biologisch definierbaren Trieb (**), dessen Ursachen in der Evolution liegen; erst in zweiter Linie ist das Ökonomische - verbunden auch mit dem Soziologischen (auch Politologischen u.ä.) und dem Psychologischen - von Bedeutung; und erst viel später ist das, was Heinsohn, Knieper und Steiger vorschwebt, zu berücksichtigen, denn sie beschreiben lediglich den Weg nach der Wende (**) und können, wenn sie auf diesem Weg nach der Wende wieder bei der Ökonomie angekommen sind, auch nur deshalb eigentumswirtschaftlich argumentieren, alle Natürlichkeit vernachlässigen. Ihre Theorie ist also nicht völlig falsch, sondern nur teilweise, und sie hat auch für mich etwas Sympathisches, aber eben auch nur teilweise.

Angebot und Nachfrage
K (Kultur) = Gemeinschaftsform
dominiert Wirtschaftsform;
Z (Zivilisation) = Wirtschaftsform
dominiert Gemeinschaftsform.
Angebot und Nachfrage
Die einzige von vier Varianten,
die Heinsohn, Knieper, Steiger
zu interessieren scheint:
Z nimmt zu, die Geburtenrate
nimmt ab, der Verschleiß bzw.
die Inanspruchnahme
der Bevölkerung nimmt zu.
Zur Erläuterung meiner Graphiken: »K« bedeutet Kultur, in der die Gemeinschafsform die Wirtschaft dominiert, »Z« bedeutet Zivilisation (einer Kultur), in der die Wirtschaft die Gemeinschafsform dominiert (auch deshalb heißt die Gemeinschaft hier nur noch »Gesellschaft«). Wenn »K« steigt, dann steigen die Geburtenrate und der Bevölkerungsverschleiß ebenfalls; wenn »K« sinkt, dann sinken die Geburtenrate und der Bevölkerungsverschleiß ebenfalls; wenn »Z« steigt, dann sinkt die Geburtenrate und der Bevölkerungsverschleiß steigt; wenn »Z« sinkt, dann steigt die Geburtenrate und der Bevölkerungsverschleiß sinkt. Um das nachzuvollziehen, fahren Sie mit der Maus über die Graphik und klicken anschließend langsam auf die Graphik, danach auch zweimal.
Der »Lohnarbeiter« wolle, so Heinsohn & Co., stets familienlos sein (**), und es hänge lediglich von den sozialen (einschließlich politischen) Rahmenbedingungen ab, wie sehr oder wie wenig er dies sei, d.h. in welchem Ausmaß die »Frauenemanzipation« gestiegen und die Geburtenrate gesunken sei. Hängen die Familienlosigkeit des »Lohnarbeiters« und die »Frauenemanzipation« einerseits mit der Geburten- bzw. Fruchtbarkeitsrate andererseits wirklich stets zusammen wie z.B. Preis oder Kurs einerseits und Gut, Ware oder Geld u.ä. andererseits in einem Angebot-Nachfrage-System (auch Markt genannt)? Wenn ja, dann ja wohl nur so, wie es in meiner Abbildung rechts zu sehen ist. Das müßte doch aber auch heißen, daß in dem Fall, wenn die bereits fortgeschrittene »Frauenemanzipation« (wieder) unterdrückt, also zurückgeschraubt wird, die Familienlosigkeit des »Lohnarbeiters« ebenfalls zurückgeschraubt wird. Das wird in vielen Fällen so sein, aber es muß nicht notwendigerweise so sein. Anders gesagt: »Frauenemanzipation« ist nicht notwendigerweise mit der Familienlosigkeit des »Lohnarbeiters« verbunden, schon gar nicht von ihr abhängig. Und dies gilt auch umgekehrt. Heinsohn, Knieper und Steiger überbewerten und bevorzugen hier Funktionen und Relationen, die nur unter bestimmten Bedingungen eine Bedeutung für die Bevölkerungsentwicklung haben. Im Sinne meiner Abbildungen gesprochen: Heinsohn, Knieper und Steiger interessieren sich nur für eine der prinzipiell vier Varianten des Bewegungsprozesses zwischen der Geburtenrate und dem Verschleiß bzw. der Inanspruchnahme der Bevölkerung: Die Dominanz der Wirtschaftsform über die Gemeinschaftsform nimmt zu, die Geburtenrate sinkt, der Bevölkerungsverschleiß steigt (siehe meine Abbildung rechts). Daß es hier auch andere Möglichkeiten (Varianten) gibt, interessiert sie nicht - muß es zwar auch nicht, denn sie sehen die Welt in einem Zustand, in dem sich eigentlich nur die abendländische Kultur befindet, und der ist momentan sowieso nicht zu ändern -, aber sie dürfen es nicht wegen der Wissenschaftlichkeit (!), weil die Wissenschaft Objektivität und Neutralität des Forschers zum Untersuchungsobjekt unbedingt verlangt (!). Heinsohn, Knieper und Steiger bedienen sich also einer Methode, die den strengen Bedingungen der Wissenschaft nicht genügt und auch nicht genügen kann. Ich muß wohl nicht noch betonen, was das bedeutet.

Für Heinsohn & Co. ist nur der Eigentümer das relevante Wirtschaftssubjekt; der selbständige Produzent hat den größten (**), der freie Lohnarbeiter den kleinsten (nämlich prinzipiell gar keinen! [**|**|**]) »Ertrag an Kindern«; das Kinderhaben ist vom ökonomischen Kalkül abhänig (**); und: »Kinder können sehr wohl ökonomische Güter sein, fungieren dann aber nicht als Konsum, sondern als Investition« (**). Das alles ist aber nur teilweise richtig. Bei der ganzen Nachwuchsfrage sind doch nicht nur ökonomische, sondern auch soziologische, geographische, psychologische, biographische u.ä. Verhältnisse entscheidend - z.B. trägt die Urbanisierung erheblich zur Kinderlosigkeit bei -, ja es ist doch eine Angelegenheit der gesamten Gemeinschaft - wie auch immer wir sie nennen: (Ehe-)Paar, Familie, Großfamilie, Sippe, Gruppe, Stamm, »Gesellschaft«, Nation, Kultur(kreis) oder gar »Menschheit«. **

Heinsohn, Knieper und Steiger halten sich an die vom Parteienstaat vorgeschriebenen Verhaltensregeln - an erster Stelle steht das (Glaubens-)Bekenntnis zum Selbsthaß und der damit verbundenen Kriminalisierung der eigenen nationalen, abendländischen, christlichen, weißen Geschichte, an zweiter Stelle der Lobgesang auf die »Zivilisation« nur noch genannte Kultur, die selbst ja gehaßt werden soll, und der damit verbundenen Dominanz der Wirtschaft über die Gemeinschaft -, und wer sich an diese befohlenen Maßregeln (Politkorrektheiten [**]) hält, der darf auch mit aller Ruhe unwissenschaftlich, verschwörungstheoretisch argumentieren, also auch fälschen und lügen. Vielleicht reicht's ja für einen Nobelpeis oder »Oscar«.

Die Theorien von Heinsohn & Co. gehen auf eine ihnen übergeordnete Theorie zurück, die besagt, daß Entwicklungen zu einem nicht unerheblichen Ausmaß von Kataklysmen stark beeinflußt werden (**|**|**|**). Doch wir wissen überhaupt nicht, ob z.B. (a) die Eigentumswirtschaft und (b) die »neuzeitliche« Bevölkerungspolitik (»Menschenproduktion«) auf diese Weise entstanden sind - es fehlen dafür historische Quellen! Die Form des Zusammenlebens jedenfalls dürfen auch moderne Theoretiker - egal, ob sie mehr dem Liberalismus, mehr dem Links-Sozialismus oder mehr dem Rechts-Sozialismus zugeneigt sind - nicht vorschreiben!

Heinsohn, Knieper und Steiger behaupten, daß die ihrer Bevölkerungstheorie und ihrer Wirtschaftstheorie übergeordnete Katastrophismustheorie im Gegensatz zur Aktualismustheorie stehe (auch so ein rheotrischer Trick, um auf sich aufmerksam zu machen), doch auch das ist falsch, denn diese beiden Theorien, die sich zwar anfangs noch wie »Thesis« und »Antithesis« verhielten, ergänzen sich mittlerweile, sind »synthetisiert«, d.h. in ihrer gemeinsamen »Synthesis« »aufgehoben« (Hegel). Wer dieses wissenschaftliche Faktum nicht akzeptieren will, will auf etwas anderes hinaus, was wissenschaftlich nicht (mehr) haltbar ist. Heinsohn, Knieper und Steiger mißbrauchen die Wissenschaft zu ihrem Zweck so, wie heutige Politiker die Demokratie (bzw. das, was von ihr noch übrig ist) und Religionsfundamentalisten die Religion (bzw. das, was von ihr noch übrig ist). Sie behaupten, ihre falschen Thesen seien mit dem von ihnen Mißbrauchten identisch oder immerhin vereinbar. In Wirklichkeit haben sie damit überhaupt nichts zu tun. Gar nichts!

Die »weisen Frauen« z.B. spielten - nachweislich - damals nicht die Rolle, die Heinsohn & Co. ihnen andichten wollen. »Weise Frauen« waren Zauberinnen und Magierinnen, die in Weissagungen u.ä., in Vorhersagen, z.B. über Ernteausfälle u.s.w., geübt waren und mit Schwangerschaftverhütung und Abtreibung nur sehr wenig zu tun hatten. Sie waren das, was man auch heute noch als »Hexen« bezeichnet (falls man das heute noch darf [**]). Die Kirche und der Staat hatten lediglich dann ein Interesse an ihrer Verfolgung oder Vernichtung, wenn die oben genannten Fähigkeiten zu Problemen führten, wenn also z.B. eine Weissagung bzw. eine Vorhersage nicht zutraf. Die Geburtenkontrolle war gar kein Problem, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, wie es die Feministen Heinsohn, Knieper und Steiger gern hätten. Die Geburtenraten waren damals nicht zu niedrig und nicht zu hoch, sondern so hoch, daß die Bevölkerung so wachsen konnte, wie es der damaligen Situation entsprach. (Noch einmal sei hier betont, daß die Kolonisation eine Gelegenheit war, die vorher nicht bewußt geplant gewesen war, sondern sich durch die Ereignisse, bei denen auch das Glück eine große Rolle spielte, sich ergab und erst danach auch bewußt weiterverfolgt wurde!). Aus heutiger Sicht gesprochen hätten die damaligen Bevölkerungspolitiker, unter denen zugegebenermaßen auch solche waren, die eine »Menschenproduktion« beabsichtigten, eher ein Interesse an weniger Geburten haben müssen. Das wissen Heinsohn, Knieper und Steiger selbstredend auch, weshalb sie auch gleich eine Ausrede parat haben: Die damaligen Politiker und Politikberater hätten nicht gewußt, worauf es ankommt und fälschlicherweise auf die Formel gesetzt: Mehr Menschen = Mehr Reichtum (= Mehr Macht). Solche Politiker und Politikberater gab es, aber sie waren nicht in dem Ausmaß entscheidend, wie es Heinsohn, Knieper und Steiger unterstellen.

Daß der freie »Lohnarbeiter« immer nur familienlos, die Frau immer nur »emanzipiert«, also wie ein Mann bzw. ein freier »Lohnarbeiter« sein will, ist nicht bewiesen und m.E ein ähnliches falsches Vorurteil wie das über die von Heinsohn & Co. kritisierten »Menschenproduzenten«. Die Geschichte und auch die Gegenwart zeigen doch, daß es Menschen gibt, die nicht »Lohnarbeiter«, nicht familienlos, nicht individualistisch, nicht egozentrisch, nicht »emanzipiert«, nicht männlich, nicht weiblich, nicht geschlechtsneutral sein wollen und ihr Verhalten auch nicht immer ökonomisch kalkulieren. Warum beharren Heinsohn, Knieper und Steiger trotzdem so sehr auf der These, daß Menschen lieber allein als zusammen sein wollen? **

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Gibt es Menschen, die einen Vorteil dadurch haben, daß der größte Teil der Menschen keiner Kinder hat? Ja, die gibt es! Es ist eine Minderheit, die den Individualismus bzw. Liberalismus frönt, weil sie sich dadurch Schutz vor der ihr feindlich gesonnenen Mehrheit verspricht (**|**). Dadurch kann diese Minderheit, wenn sie an der Macht oder zumindest in großem Ausmaß an ihr beteiligt ist, für eine bestimmte Zeit Erfolg haben; sie kann sogar in die günstige Gelegenheit kommen, einen neuen Adel zu begründen und herrschaftlich einzurichten, wie es der heutige Globalismus bereits im Keim ankündigt. Voraussetzung dafür ist Macht, Geld im dafür ausreichendem Ausmaß ([Finanz-]Kapital-Akkumulation), ungefährlich gewordene oder auch schon zu Minderheiten gewordene und in sich zerstrittene Mehrheiten (siehe Bevölkerungsschwund) und entsprechende Gesetze, um sie dauerhaft gefügig machen zu können. Der Rest wird sich dann fast wie von selbst regeln. **

Heinsohn, Knieper und Steiger suggerieren, daß der Mensch ohne Nachwuchs glücklicher, zufriedener sei als der Mensch mit Nachwuchs. (**|**). Doch das ist nachweislich falsch. Es ist eher umgekehrt so, daß Menschen mit Kindern glücklicher sind als Menschen ohne Kinder. Und das ist auch natürlich. Wenn dennoch in einer bestimmten Gesellschaft die Tendenz in Richtung Kinderlosigkeit geht - wie im Abendland seit der bürgerlichen Moderne (Moderne i.e.S. **), also seit »1789« -, so liegt das nicht daran, daß diese Gesellschaften stets wissen, was sie tun - sie wissen es oftmals nämlich nicht. Wer oder was solche Entscheidungen tatsächlich lenkt, ist den meisten Menschen dieser Gesellschaften leider nicht bekannt - jedenfalls entscheiden die Einzelnen nicht wirklich selbst, sondern der Trend ist plötzlich da und pflanzt sich fort, d.h. die meisten Einzelnen machen etwas nach, ohne zu wissen, was für sie wirklich gut, was sie wirklich glücklich und zufrieden macht.

Wenn also schon die meisten Einzelnen selbst gar nicht wissen, was für sie wirklich gut, was sie wirklich glücklich und zufrieden macht, so können Heinsohn, Knieper und Steiger zwar trotzdem noch so häufig das Gegenteil behaupten und sich weiterhin einreden, ihre diesbezüglichen Behauptungen stützten sich auf »Umfragen« - diese »Umfragen« beweisen nichts außer, daß sie »Umfragen« sind.

Wie es zur »Bevölkerungsexplosion« und zur »Bevölkerungsimplosion« gekommen ist, beschreiben Heinsohn, Knieper und Steiger nicht, wohl aber ihre Wünsche zu diesem Thema. Diese Entwicklungen sind zwar tatsächlich verstärkt worden, aber sie sind nicht einer »polizey«-staatlichen Zwangsgewalt in dem Ausmaß unterlegen gewesen, wie Heinsohn, Knieper und Steiger es in ihrem Buch Menschenproduktion behaupten. Es gefiele ihnen garantiert nicht, wenn man den abendländischen Machthabern von heute unterstellte, sie verlangten mit strukturierter Zwangsgewalt von ihren Untertanen, »familienlose Lohnarbeiter« zu sein, also keine Kinder mehr zu haben. Diese Behauptung ließe sich nämlich genauso aufstellen wie die umgekehrte von Heinsohn & Co..

Der Trend, weniger oder gar keine Kinder haben zu wollen, existiert, und zwar schon seit langem, und er wird auch verstärkt seit er existiert. Für den umgekehrten Trend gilt das ebenfalls. Beide Trends werden aber nicht »gemacht«, d.h. sie werden zunächst nicht bewußt geplant und anschließend in die Tat umgesetzt, sondern mehr oder weniger durch Zufall »gesetzt« und anschließend verstärkt (und hierbei erst wird auch geplant u.s.w.).

In »68er« Manier verurteilt Heinsohn pauschal die merkantilistisch-absolutistische Bevölkerungspolitik von Staat und Kirche - in einigen Aspekten liegen sie da auch sogar richtig -, indem sie diese »Menschenproduktion« nennen, doch das ist zu pauschal gesehen, zu übertrieben dargestellt und zu einseitig be- und verurteilt. Im Umkehrschluß müßten sie übrigens die Politik der bürgerlichen Staaten der Moderne i.e.S. (**) ebenfalls verurteilen und sie - meinetwegen - »Menschenvernichtung« oder einfach nur »Abtreibung« nennen.

Heinsohn, Knieper und Steiger wissen, daß die Bevölkerungspolitik ziemlich tabuisiert ist - und auch das nutzen sie für ihre Zwecke aus. Obendrein nutzen Heinsohn und Steiger das mangelnde Wissen der etablierten Wirtschaftstheoretiker für ihre Zwecke aus.

Theorien
»Schematische Darstellung der wichtigsten Bevölkerungstheorien«
(Meinhard Miegel, Das Ende des Individualismus, 1993, S. 151 [**]).
Kulturkreis und Wirtschaf
Kultur(kreis) und Wirtschaftsform
(Hubert Brune)
Die Theorie von Heinsohn & Co. kann erst entstehen, wenn sich ein Kulturkreis bereits in seinem »Herbst« befindet - für die abendländische Kultur ist das die Zeit von 1770/1815 bis 2130/2230. Denn Autoren bestimmter Theorien richten sich sowohl nach ihrer Gemeinschafts- bzw. Wirtschaftsform als auch nach den Entwicklungen ihrer Kultur. Nicht selten leider sogar erst Jahrhunderte nach diesen Entwicklungen.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Jede Theorie - und sei sie noch so absurd - spiegelt in gewisser Weise die Zeit und den Raum, aus denen sie stammt, wider. Sie widerspiegelt also den »Zeitgeist«  (Hegel) - mehr oder weniger. Meinhard Miegel sagt z.B. über die wichtigsten Bevölkerungstheorien, daß sie »sich in Abhängigkeit von den Phasen der Bevölkerungsentwicklung wandeln« (**) und »sich im Ablauf der Phasen der Bevölkerungsentwicklung auch die wissenschaftliche Orientierung der sie erklärenden Theorien verändert« (**). Aus der Abbildung (r.o.) wird das besonders deutlich, wenn man die senkrechte und die waagerechte Gliederung daraufhin überprüft. Wo genau hier Heinsohn, Knieper und Steiger einzuordnen sind, ist wegen der größtenteils inakzeptablen Unwissenschaftlichkeit in ihrer Methodik, Daten- und Quellenignoranz nicht so einfach zu sagen. Da sie aber zeitlich und räumlich eindeutig zuzuordnen sind, komme ich zu der Schlußfolgerung, daß sie zwar eher zu den »sozio-ökonomischen« Theoretikern gehören, die längst von den sozial-psychologischen Theoretikern verdrängt worden sind, aber trotzdem noch dem Zeitgeist gemäß sind, weil der auch mehrere Jahrhunderte umfassen kann (siehe Abbildung r.u.). Zu den Vertretern der »sozial-psychologischen« Theorien zählt laut Miegel übrigens auch Herwig Birg, einer der seriösesten Bevölkerungswissenschaftler, wie ich meine. Doch die »sozial-psychologischen« Theorien sind - selbstverständlich - auch nicht der Weisheit letzter Schluß und gelten mittlerweile ebenfalls schon als teilweise überholt. Aber das ist nicht so wichtig, weil sich die Theorien und die wissenschaftliche Orientierung, wie Miegel m.E. richtig festgestellt hat, sowieso in Abhängigkeit der Entwicklung selbst wandeln und verändern, und nach meiner Theorie sind sie sowohl nach ihrer Gemeinschafts- bzw. Wirtschaftsform als auch nach den Entwicklungen ihres Kulturkreises hin ausgerichet - nicht selten leider sogar mit einer Verspätung von Jahrhunderten. Wichtig aber sind die Wissenschaftlichkeit, die Methodik und die Geschichtsquellen. So gesehen sind also Heinsohn, Knieper und Steiger überhaupt nicht wichtig.

Heinsohn und seine jeweiligen Ko-Autoren übertreiben und vorverurteilen auch deshalb, weil es der Zeit, in der sie selber leben - dem »Zeitgeist«, um Hegel zu zitieren - entspricht, daß man sich nur noch dadurch Gehör verschaffen kann, daß man die einseitige Linie, die aus politischen Gründen vorgegeben ist, vertritt und überspannt: Liberalismus von links (Liberalismus bedeutet eigentlich Mitte) mit Sozialismus von links gepaart - das ist die offizielle, von oben verordnete Linie seit »1968«. (Mehr nicht! Wer von ihr abweicht, wird mit Berufsverbot bestraft und aus der Öffentlichkeit ausgegrenzt.). Wir können nicht einfach aufgrund eines »Ideals« die Hälfte der Menschen - ich meine die Männer - als »Mörder«, »Totschläger« oder sonstige »Verbrecher« pauschal vorverurteilen oder gar vernichten und gleichzeitig glauben, daß die andere Hälfte eine bessere Zukunft bedeute. Das ist Links-Sozialismus. Feminismus ist auch Links-Sozialismus. Und wohin uns der Links-Sozialismus führt, hat die Geschichte deutlich genug gezeigt: 100 bis 200 Millionen tote Menschen als Opfer! Keine andere Ideologie hat mehr Opfer gefordert bzw. gebracht als der Links-Sozialismus.

Genau das, was bei uns seit »1968« immer mehr, immer vehementer, immer zwanghafter, immer hysterischer, immer neurotischer und mit immer mehr Paranoia gefordert und gefördert wird, fordert und fördert Heinsohn zwar nicht direkt, wohl aber indirekt: Selbstkritik bis hin zum - weil Selbstkritik noch zu wenig ist - Selbsthaß! Mit dem Selbsthaß wird natürlich immer an die jeweils Anderen unter den ansonsten »Gleichen« appelliert. »›Aufarbeitung‹ unserer Geschichte« nennen sie - diese Nihilisten der Spätphase - das auch, in Wirklichkeit ist es eine Vernichtung unserer Geschichte.

Hinter der Theorie von Heinsohn & Co. steht die Rechtfertigung der vom Westen ausgehenden und darum immer noch auch dominierten Eigentumswirtschaft, die mittlerweile so stark global vernetzt ist, daß sie »Globalisierung« - richtig muß es heißen: Globalismus (!) - genannt wird. Eine Eigentumswirtschaft praktizierende Gesellschaft steht so unter Streß, daß sie keine Kinder mehr haben will bzw. kann und deshalb auch jeder Forderung (egal von wem) nach mehr Kindern feindlich gegenüberstehen muß. Indem man den Umkehrprozeß in die Vergangenheit projiziert, wird man schnell zum »Medienhelden«: Die Herrschenden aus Politik und Medien lieben die (Um-)Erziehung ihrer Untertanen zum Selbsthaß - besonders gegenüber deren Vergangenheit - als Christen, Weiße, Europäer, Abendländer, Deutsche, Männer, Jungmänner. Dies geschieht auch und besonders im Dienste der Eigentumswirtschaft bzw. des Liberalismus unter Rücksichtnahme auf den Links-Sozialismus. Liberalismus und Links-Sozialismus - als Paarung: des Links-Sozialismus/Liberalismus - deshalb, weil eine Opposition nun mal nie total zu verhindern und darum eine gespaltene Opposition (Links- und Rechts-Sozialismus) harmloser ist, wenn man die eine Seite (in unserem heutigen Beispiel: Links) zum zwar ungeliebten Partner, dafür aber die andere Seite (in unserem heutigen Beispiel: Rechts) mit Hilfe des ungliebten Partners ungefährlich machen kann. Dabei sollte der Liberalist eigentlich nie vergessen, daß nicht so sehr der Rechts-Sozialist, sondern sehr viel mehr der Links-Sozialist sein eigentlicher Feind ist, denn der Rechts-Sozialismus stimmt immerhin in einem für den Liberalismus wichtigen Punkt mit diesem überein: dem freien Markt, d.h. dem Eigentum (**|**); trotzdem bleiben beide Sozialismen Feinde des Liberalismus - um so besser also für den Liberalismus, wenn er beide dadurch bekämpft, indem er sie gegeneinander aufhetzt. Diese an sich widersprüchlichste links-sozialistisch-liberalistische Konstellation gibt bei uns seit den 1960er Jahren den Ton an. Und wer was werden oder sogar einen Nobelpreis haben möchte, muß im Sinne dieser Konstellation politisch korrekt (**) sein und in jedem anderen Fall damit rechnen, total vernichtet zu werden.

Hubert Brune :  »Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte« Zusammenfassung

Man sollte Heinsohn, Knieper und Steiger nicht sonderlich ernst nehmen; ihre Theorien sind fragil, manche ihrer Thesen absurd. Als »Querdenker« jedoch sind sie mitunter befruchtend, ihre Theorien haben etwas Denkanstößiges, manche ihrer Thesen etwas Erbauliches. Vielleicht werden sie ja eines Tages seriöser. Dann müssen sie jedoch nicht wenige ihrer Thesen als falsch anerkennen und ihre Theorie entsprechend abändern. Sowohl in ihrer Bevölkerungstheorie als auch in ihrer Wirtschaftstheorie (**|**) gehen sie von Vorausetzungen aus, die teilweise wissenschaftlich überhaupt nicht haltbar sind. Sie müssen wissenschaftlicher werden, was die Methodik und die historischen Quellen angeht.

Hubert Brune :  „Heinsohn und Steiger können die Eigentumswirtschaft, aber nicht die gesamte Wirtschaft erklären“ Die 9 größten Fehler der Theorien von Heinsohn & Co.:
(1.)ihre These, die Katastrophentheorie sei die einzig relevante Theorie für Entwicklung, ist falsch;
(2.)ihre These, Fortpflanzung und Aufzucht seien vom wirtschaftlichen Kalkül abhängig, ist falsch;
(3..)ihre These, Wirtschaft sei nur als Eigentumswirtschaft möglich, ist falsch;
(4.)ihre These, nur selbständige Produzenten hätten einen Ertrag an Kindern, ist falsch;
(5.) ihre These, es hätte im Abendland einen von Kirche und Staat verordneten Zwang zur Menschenproduktion gegeben, ist falsch;
(6.) ihre These, überschüssige Jungmänner seien ein Beweis für Zwangsmaßnahmen und Unterdrückung der Frauen, ist falsch;
(7.) ihre historischen Quellen können ihre Thesen nicht belegen;
(8.) ihre Angaben stimmen in vielen Fällen nicht mit den Daten, Zahlen und Fakten der Realität überein;
(9.) ihre Methode ist nicht wissenschaftlich.
Neben diesen 9 größten gibt es - wie bereits angesprochen - noch kleinere Fehler, und trotzdem gibt es auch Richtiges in den Theorien von Heinsohn & Co., so daß sie in relativierter und korrigierter Form durchaus akzeptabel sein könnten, aber ansonsten strikt abzulehnen sind.

Zu 1.) Der erste der größten Fehler von Heinsohn & Co. beruht auf einem Proton Pseudos (altgriechisch: „falsches Frühere“), ein Grundirrtum als die falsche Voraussetzung zu Anfang einer Beweisführung, aus der andere Irrtümer folgen:
»Naturwissenschaftliche Theorien sind die einzig relevanten Entwicklungstheorien.«
»Die Katastrophentheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie.«
»Die Katastrophentheorie ist eine (der) einzig relevante(n) Entwicklungstheorie(n).«
Der Grundirrtum von Heinsohn & Co ist deren falsche 1. Prämisse (siehe Obersatz **): »Naturwissenschaftliche Theorien sind die einzig relevanten Entwicklungstheorien.« Aus diesem Irrtum folgen dann andere Irrtümer. Es ist nicht bewiesen und wahrscheinlich auch nicht beweisbar, daß naturwissenschaftliche (und übrigens auch nichtnaturwissenschaftliche) Theorien die einzig relevanten Entwicklungstheorien seien. Diese Aussage von Heinsohn & Co. ist nicht als Prämisse setzbar; sie ist falsch! Dadurch ist aber auch die Schlußfolgerung (siehe Konklusion **) falsch - übrigens auch dann, wenn man sie „harmloser“ ausdrückt, d.h. die Klammern in der Konklusion auflöst. Außerdem gab und gibt es auch in den Naturwissenschaften stets mindestens eine Gegentheorie zu der jeweils gerade bevorzugten. Die Geologie z.B. bevorzugte und bevorzugt nicht eine, sondern mehrere geologische Theorien (**), also bevorzugte und bevorzugt sie auch nicht die Katastrophentheorie (Kataklysmentheorie, Kataklysmus, Katastrophismus **) als die einzige geologische Theorie. Heute z.B. gilt der Aktualismus (**) als die stärkste und dennoch nicht einzig relevante unter den geologischen Theorien; aber immerhin ist sie momentan relevanter als die Katastrophentheorie und die niemals zu unterschätzende Zyklentheorie (**) oder der Ekzeptionalismus (**) u.a.. Auch ich schätze die Katasrophentheorie in ihrer Bedeutung höher ein, als die gegenwärige Geologie es tut, setzte sie aber keinesfalls als absolut an, wie Heinsohn und seine Freunde es tun, sondern lasse sie unterhalb der Zyklentheorie rangieren.

Zu 2.) Die These von Heinsohn & Co., Fortpflanzung und Aufzucht seien stets vom wirtschaftlichen Kalkül abhängig, ist falsch, denn Fortpflanzung und Aufzucht gibt es ja sogar bei solchen Tieren, von denen Heinsohn, Knieper und Steiger garantiert nicht behaupten würden, sie seien fähig, wirtschaftlich zu kalkulieren.

Zu 3.) Wirtschaft sei nur als Eigentumswirtschaft möglich - diese These von Heinsohn & Co. ist deshalb falsch, weil sie sich lediglich auf jene menschlichen Gesellschaften bezieht, die ein bestimmtes Niveau an Entwicklung erreicht haben und sich deshalb auch Eigentumsgesellschaften nennen können. Das Wort „Wirtschaft“ bezieht sich nicht nur auf Eigentumsgesellschaften. Wirtschaft ist nicht nur eine Eigentumswirtschaft. Wenn behauptet wird, Wirtschaft sei nur als Eigentumswirtschaft möglich, dann ist das in etwa so, als wenn z.B. behauptet wird, ein Haus sei nur als Blockhaus möglich. Hier wird von Heinsohn & Co. ein ganzer Teilbereich der Sprachwissenschaft - nämlich die Semantik - einfach ignoriert. Wenn jemand sagte, ab morgen sei z.B. Physik nur noch als Teilchenphsyik oder z.B. Obst nur noch als Apfel möglich, so wird er den Beweis für diese These nicht bringen können, logische und linguistische Regeln - z.B. bestimmte semantische Relationen wie Hyperonymie (Superordination) und Hyponomie (Subordination) - verletzten und damit sich selbst außerhalb der wissenschaftlichen Seriosität stellen.

Zu 4.) Die These von Heinsohn & Co., daß nur selbständige Produzenten einen Ertrag an Kindern hätten - deren Umkehrung ja bedeutet, daß Nichtselbständige und Unproduktive wie z.B. Sklaven, Lohnarbeiter und Sozialhilfeempfänger keinen Ertrag an Kindern hätten, also Kinderlose seien, zumindest aber prinzipiell die Tendenz zur Kinderlosigkeit hätten -, ist zumindest im Falle der Sozialhilfeempfänger falsch, denn gerade die heutigen Unterstützungen, die als Sozialhilfe an an Unproduktive gezahlt werden, zeigen sehr deutlich, daß Sozilahilfempfänger sehr wohl einen Ertrag an Kindern haben, denn der Staat, also die Leistungsträgerschaft zahlt ihnen mehr Geld, wenn sie Kinder und um so mehr Kinder sie haben.

Zu 5.) Es habe einen „neuzeitlichen“ Zwang zur Menschenproduktion gegeben (**), behaupten Heinsohn & Co., doch diese These ist falsch - genau das Gegenteil ist richtig, so daß man sie umkehren oder zumindest so umformulieren muß, daß man statt von einem neuzeitlichen Zwang zur Menschenproduktion von einem modernen Zwang zur Menschenreduktion (vgl. Zwang zur Kinderlosigkeit [**|**|**|**]) sprechen sollte. Dieser macht sich zwar nicht sofort bemerkbar - das liegt an dem „demographischen Trägheitsgesetz“ -, aber er ist bei Beginn der Moderne bereits da und zeigt sich erst in der Mitte und am Ende der Moderne sehr deutlich.

Zu 6.) Die These von Heinsohn & Co., überschüssige Jungmänner seien ein Beweis für Zwangsmaßnahmen und Unterdrückung der Frauen, ist falsch - genau das Gegenteil ist richtig: zu wenige Nachkommen sind ein Beweis für Zwangsmaßnahmen und Unterdrückung von Kindern, Männern und Frauen, also Ehen und Familien, insbesondere von Vaterherrschaft (Patriarchat), weil Männer Väter sein können, aber nicht dürfen, und die meisten von ihnen auch wollen, aber nicht dürfen, weil die Vaterherrschaft bekämpft, unterdrückt wird, was impliziert, daß Familien und Ehen und also auch Frauen bekämpft, unterdrückt werden, weil Frauen Mütter sein können, aber nicht dürfen, und die meisten von ihnen auch wollen, aber nicht dürfen, und darum die Vaterherrschaft gar nicht bekämpfen wollen, aber sollen. Das mit weitem Abstand größte Opfer dieser Bekämpfung sind jedoch die Kinder.  –  Das ist typisch modern bzw. zivilistionistisch, d.h. nihilistisch. Die Moderne bzw. Zivilisation bedeutet mehr und mehr Zwang zur Kinderlosigkeit (**|**|**|**).

Zu 7.) Historische Quellen können die Thesen von Heinsohn & Co. nicht belegen. Das ist zwar noch kein Beweis, aber immerhin ein Indiz dafür, daß die Theorie von Heinsohn & Co. auch von der Geschichtswissenschaft her als wissenschaftlich nicht haltbar oder sogar unwissenschaftlich zu beurteilen ist.

Zu 8.) Mit den Daten, Zahlen und Fakten der Realität stimmen die Angaben von Heinsohn & Co. in vielen Fällen nicht überein. Das ist zwar noch kein Beweis, aber immerhin ein Indiz dafür, daß die Thesen von Heinsohn & Co. auch dem Anspruch auf Übereinstimmung der Angaben mit der Realität und also auf Wissenschaftlichkeit nicht genügen und von daher als wissenschaftlich nicht haltbar oder sogar unwissenschaftlich zu beurteilen ist.

Zu 9.) Die Methode von Heinsohn & Co. ist nicht wissenschaftlich. Das ist zwar noch kein Beweis, aber immerhin ein Indiz dafür, daß die Thesen von Heinsohn & Co. dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nicht genügen und von daher wissenschaftlich nicht haltbar oder sogar als unwissenschaftlich zu beurteilen ist.

Ich habe also Beweise und Indizien dafür, daß die wichtigsten Thesen von Heinsohn & Co. falsch und deren Theorie als wissenschaftlich nicht haltbar oder sogar unwissenschaftlich zu beurteilen ist.

Heinsohn & Co. gehen von nicht wenigen fehlerhaften oder sogar völlig falschen Voraussetzungen aus (vgl. Proton Pseudos), die zu weiteren Fehlern führen. Einige ihrer Prämissen taugen nicht zur Unterstützung ihrer Konklusionen (vgl. Petitio Principii), weil sie oftmals bloß andere Formulierungen der Konklusionen sind. Für Heinsohn & Co. ist beispielsweise der Zwang zur Menschenproduktion sowohl Prämisse als auch Konklusion bzw. sowohl Ursache als auch Wirkung: den Zwang zur Menschenproduktion gibt es, weil es den Zwang zur Menschenproduktion gibt. Zwar führen sie auch andere Prämissen bzw. Ursachen oder Begründungen dafür an, doch die werden nicht bewiesen bzw. sind schlichtweg falsch (vgl. Proton Pseudos), so daß letztlich fast ihre ganze Argumentation kaum mehr haltbar ist.

Ähnlich wie Heinsohns Theorie über Demographie und Politik ist auch Heinsohns Theorie über Wirtschaft und Politik (**|**) zu beurteilen. Das gilt v.a. für die histor(iograph)ische Quellenlage, denn Heinsohns Quellen belegen leider zu wenig, bleiben größtenteils lediglich Hinweise und Indizien, die zwar überzeugen, aber nichts beweisen. Das ist schade, weil Heinsohns Wirtschaftstheorie sonst durchaus das Zeug hat, die etablierten Wirtschaftstheorien aus Klassik (einschließlich Neoklassik), Keynesianismus (einschließlich Monetärkeynesianismus [Berliner Schule]) nach oben hin zu ergänzen. Der evolutionäre bzw. historische Grund für das Wirtschaften ist mit rein wissenschaftlichen Mitteln bis heute nicht hinreichend ermittelt worden. Ob wir z.B. Kulturen (Kulturkreise) wie Spengler ganz spezifisch mit »Seelenbildern« (u.a. »apollinisch«, »magisch«, »faustisch«) und »Ursymbolen« (u.a. »Einzelkörper«, »Welthöhle«, »unendlicher Raum«) oder wie Toynbee ganz unspezifisch mit »Herausforderungen« und »Antworten« (»challenges« und »responses«) erklären, oder ob wir Entwicklungen der Gemein- bzw. Gesellschaften wie Heinsohn und Steiger mit u.a. auch das Wirtschaften erst ermöglichenden »Kataklysmen« (»natürliche Katastrophen« oder »soziale Revolutionen«) erklären: auch für das Wirtschaften reicht eine Erklärung offenbar nicht aus.

Es bleibt also vorerst dabei: die Demographie liefert keine monokausalen Erklärungen und das Wirtschaften ist immer noch nicht richtig verstanden (**).

Bevor wieder viele Interpreten meinen, mich als Gegner von Heinsohn & Co. verstehen zu können, muß ich sie enttäuschen: Wäre ich ein solcher, hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, eine derartige Kritik bzw. Skepsis hier abzuliefern. Ich hege für Heinsohn und Co. sogar große Sympathie. Doch: Was falsch ist, ist falsch. Meine Kritik bzw. Skepsis ist gerade auch dann, wenn ich auf viele und große Fehler hinweise, komplementär zu verstehen, also im Sinne einer Ergänzung bzw. Hilfestellung.“

Hubert Brune, Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte, 2007.

Hubert Brune :  „Heinsohn und Steiger können die Eigentumswirtschaft, aber nicht die gesamte Wirtschaft erklären“

Hubert Brune, 2007 (zuletzt aktualisiert: 2012).

 

Zu den Zitaten aus den
Literaturwerken
von Gunnar Heinsohn

Hubert Brune :  „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte“

- Anmerkungen -

„Gunnar Heinsohn, Rolf Knieper und Otto Steiger. Heinsohn und Co. benutze ich als Kürzel für Heinsohn, Knieper und Steiger bzw. für Heinsohn und Steiger - je nach Geisteseigentum und Autorenschaft.“ (Hubert Brune, ebd.).

„Gunnar Heinsohn ist wie Peter Sloterdijk ohne Vater aufgewachsen. Beide sind bekanntlich auch geistesverwandt, sehen in überschüssigen Jungmännern lediglich Mörder und Totschläger und in den Frauen von Männern unterdrückte Wesen. Das könnte doch auch viel mit ihrer eigenen Sozialisation, mit ihrem Ohne-Vater-Aufwachsen zu tun haben (**). Ihre Theorien und Ansichten sind mir teilwesie sympathisch, aber sie sind ja auch nur teilweise richtig.“ (Hubert Brune, ebd.).

„Zu den vielen Mängeln, der Ahistorie und der unwissenschaflichen Methodik vgl. u.a. auch: Walter Rummel, »Weise Frauen« als Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen?, 02.12.2003, in: Historicum.net.; ders., »Weise Frauen« und »weise Männer« im Kampf gegen die Hexerei, 17.01.2006, in: Historicum.net.“ (Hubert Brune, ebd.).

 

Hubert Brune :  „Vom Nutzen und Nachteil der Ökonomie für die Bevölkerungsgeschichte“

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