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Musikinterpreten (Beispiele)

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NACH OBEN

Selbst auf die Gefahr hin, daß ich mit dem Inhalt dieser meiner Webseiten den prozentualen Anteil der Themenschwerpunkte meines Webangebots senke (**), möchte ich mich hier äußern zum Thema Musik, speziell zum Thema Musikinterpreten (als die für mich bedeutendsten Beispiele) des Beat und Rock. Zunächst wähle ich vier Beispiele:

 –  Beatles Gründung: 1960
 –  Pink Floyd Gründung: 1965
 –  Jethro Tull Gründung: 1967
 –  Udo Lindenberg und das Panikorchester Gründung: 1971
Dann gehe ich das Thema etwas allgemeiner an:
Allgemeinere Bemerkungen
Zur Geschichte der Rockmusik
Tafel zur Rockmusikgeschichte

Inhalt im Überblick Beatles (gegründet: 1960)

Mitglieder (1960-1970):
Paul McCartney, John Lennon, George Harrison, Pete Best
(bis 1962), Ringo Starr (ab 1962).

Nachdem ich an Musik zunächst nur deutsche Kinderlieder, Volkslieder und Schlager, später auch englische Volkslieder und Schlager kennengelernt hatte, war der erste musikalische Kontakt zu Beat und Rock gekommen (in diesem Fall zunächst in englischer, später auch in deutscher Sprache), vor allem zu den Beatles und den Rolling Stones, die zu der Zeit weltweit die zwei bekanntesten Musikgruppen des Beat und Rock waren. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das erste Mal eine solche Musik zu Gehör bekam. Es war aber schon in der Anfangszeit der Beatles kaum möglich, nichts von ihnen zu hören, also muß es wohl noch sehr nahe an der Zeit ihres Beginns gewesen sein.

Abbey Road Studio 2
Abbey Road Studio 2.
Beatles
Beatles, Abbey Road, 1969.

Als mein ältester Bruder anfing, Platten der Beatles zu kaufen und bald darauf die auch im Radio zu hörende Musik der Rolling Stones mit seinem Tonbandgerät aufzunehmen, schrieben wir schon das Jahr 1968 (Platten) bzw. 1969 (Tonbandaufnahmen). Bei den Beatles zeigten sich zu dieser Zeit immerhin schon die ersten Auflösungserscheinungen. Die Affäre zwischen John Lennon und Yoko Ono begann im Mai 1968: das war der Anfang vom Ende der Beatles, das fast zwei Jahre später - am 10. April 1970 - bekanntgegeben wurde.

Die letzte Presseerklärung der Beatles:

„April 10, 1970: Spring is here and Leeds play Chelsea tomorrow and Ringo and John and George and Paul are alive and well and full of hope. The world is still spinning and so are we and so are you. When the spinning stops – that’ll be the time to worry. Not before. Until then, the Beatles are alive and well and the beat goes on, the beat goes on ....“ („10. April 1970: Der Frühling ist da, und Leeds spielt morgen gegen Chelsea, und Ringo und John und George und Paul sind am Leben und wohlauf und voller Hoffnung. Die Welt dreht sich weiter, so wie wir und so wie ihr. Erst wenn sie aufhört sich zu drehen – das wird der Zeitpunkt sein, sich zu sorgen. Vorher nicht. Bis dahin sind die Beatles am Leben und wohlauf, und der Beat geht weiter, der Beat geht weiter ....“)

Grob beurteilt wurde - jedenfalls nach meinem Dafürhalten - in der Zeit von 1967 bis 1973 die beste Rockmusik aller Zeiten produziert (**). Von daher versteht es sich, daß mir auch in Hinsicht auf die Beatles, obwohl sie eine doch eher „weiche“ Form der Rockmusik präsentierten und repräsentierten, diejenigen ihrer Lieder immer noch am besten gefallen, die sie ab 1967 produzierten.

 

Inhalt im Überblick Pink Floyd (gegründet: 1965)

Mitglieder u.a. (berücksichtigt ist hier nur die Zeit von 1965 bis 1973):
Syd Barret
(bis 1968), Roger Waters, Richard Wright, Nick Mason, David Gilmour (ab 1968).

Pink Floyd, „Ummagumma“, 1969.
Die Mitglieder der Rockmusikgruppe Pink Floyd produzierten in denselben Tonstudios wie die Beatles, nämlich in den Londoner „Abbey Road Studios“. Bei den ersten Produktionen von Pink Floyd meint man auch herauszuhören, daß hier die Beatles ein wenig kopiert worden sind (oder war es sogar umgekehrt? []), aber bewiesen ist das natürlich nicht. Zu dieser Zeit trugen die Produktionen von Pink Floyd noch hauptsächlich Syd Barrets Handschrift. 1968 übernahm Roger Waters’ Handschrift die Regie. Roger Waters ist von seinem Charakter her vielleicht der „Pink-Floyd-John-Lennon“, weil er über alles, was ihm auf der Seele brennt, schreibt und singt und derjenige war, der die Trennung von Pink Floyd provozierte. Ich meine mit diesem Charakter einerseits den vergleichsweise „unbequemen Störenfried“, der seine Seele „befreien“ will und dabei auch vor politisch riskanten Themen nicht zurückschreckt, sowie andererseits den „rockigeren“ Gitarristen der Musikgruppe Pink Floyd. Diese Charkterzüge treffen auch oder sogar noch mehr auf den Beatle John Lennon zu. Die jeweils anderen Bandmitglieder sind ausgeglichenere Typen, haben mehr für den Zusammenhalt der jeweiligen Musikgruppe - ob Beatles oder Pink Floyd - getan, was harmonischer wirkt, aber auch die Gefahr in sich birgt, zu „berechenbar“, ja zu „monoton“ zu werden. Ein eher „eigenartiger“ („individueller“) daherkommender Musiker ist offenbar auch nötig in einer Musikgruppe. Er darf nur nicht zu „eigenartig“ sein. Das wäre dann schon eher „negativ“ zu bewerten. Zwischen „Eigenartigkeit“ und „Einzigartigkeit“ gibt es eben nur einen schmalen Grat.

Meine ersten beiden gekauften Langspielplatten waren übrigens zum einen das Kompilationsalbum „1967-1970“ von den Beatles (veröffentlicht am 2. April 1973) und zum anderen das Album „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd (aufgenommen in der Zeit von Juni 1972 bis Januar 1973 und veröffentlicht am 24. März 1973). Vor dieser Zeit meiner ersten beiden gekauften Langspielplatten hatte ich zum Musikhören nur kleine Platten („Singles“ sagte man damals nicht), danach Kassetten und besonders Tonbänder benutzt.

Pompeji und der Vesuv, um 1900.

Besonders beeindruckend finde ich auch, daß Pink Floyd zwischen dem 4. und dem 7. Oktober 1971 die Lieder „Echoes“ (**|**), „A Saucerful of Secrets“ (**), das übrigens schon 1968 als Studioversion veröffentlicht worden war, und „One of These Days“ (**) in Pompeji aufnahmen und in dem 1972 veröffentlichten Film „Live at Pompeii“ zur Geltung brachten (**). Die Überbleibsel der antiken Stadt Pompeji sind für einen echten Historiker eine Fundgrube größten Ausmaßes, weil vieles über den Zeitraum von fast 2000 Jahren sich so erhalten konnte, wie es Historiker nur selten zu sehen bekommen. In dem Film „Live at Pompeii“ sind die Mitglieder von Pink Floyd auch in der Nähe des Vulkans Vesuv, dessen Ausbruch im Jahre 79 die Zerstörung der Stadt Pompeji verursachte, zu sehen (**|**|**|**). Pink Floyd ist durch diesen Film das gelungen, was ich mit meinem Webangebot vor allem durch Texte, aber auch durch Tabellen, Graphiken, Karten und Bilder auszudrücken versuche (vgl. in Kurzform z.B. meine Botschaft [**] und meine vier Kernaussagen [**]). Der Vulkan symbolisiert die Macht der Natur, der die Kultur mit ihrer relativen Freiheit zwar trotzen kann, aber dennoch untergeordnet bleibt. Der Film zeigt dies - ob gewollt oder ungewollt. Selbstverständlich war ich schon in Pompeji, meiner „historischen Perle“, doch das ist mittlerweile schon lange her. Vielleicht werde ich noch einmal nach Pompeji fahren.

 

Inhalt im Überblick Jethro Tull (gegründet: 1967)

Mitglieder u.a. (berücksichtigt ist hier nur die Zeit von 1967 bis 1973):
Ian Scott Anderson, Mick Abrahams
(bis 1968), Clive Bunker (bis 1971), Glenn Cornick (bis 1970), Martin Barre (ab 1968), Tony Iommi (1968), John Evan (ab 1970), Barriemore Barlow (ab 1971), Jeffrey Hammond-Hammond (ab 1971).

Jethro Tull zog mich spätestens ab dann besonders in Bann, als ich zum ersten Mal das Konzeptalbum „A Passion Play“ (1973) hörte: rd. 45 Minuten ununterbrochene Musik vom Allerfeinsten. Wie schon gesagt: es wurde - jedenfalls nach meinem Dafürhalten - in der Zeit von 1967 bis 1973 die beste Rockmusik aller Zeiten produziert (**). Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“ (aufgenommen in der Zeit von Juni 1972 bis Januar 1973 und veröffentlicht am 24. März 1973) und Jethro Tulls „A Passion Play“ (aufgenommen im März 1973 und veröffentlicht im Juli 1973) waren die zwei letzten großartigen progressiven Rockmusikalben dieser glorreichen Rockmusikära. Die älteren Alben von Jethro Tull - also diejenigen, die älter sind als eben jenes Album „A Passion Play“ - sind ebenfalls großartig (insbesondere das 1972 veröffentliche Konzeptalbum „Thick as a Brick“: rd. 45 Minuten ununterbrochene Musik vom Allerfeinsten), was natürlich kein Wunder ist, denn Jethro Tull existiert seit 1967, dem ersten Jahr der glorreichen Rockmusikära.

„Leben in der Vergangenheit“ (**) - lohnt sich das wenigstens vorübergehend? Ja. Auch künstlerisch? Klar. Musikalisch? Sowieso. Ian Anderson sang deshalb 1969:

„Happy and I‘m smiling // Walk a mile to drink your water. // You know I‘d love to love you // And above you there‘s no other. // We‘ll go walking out // While others shout of war’s disaster. // Oh, we won‘t give in // Let‘s go living in the past. // Once I used to join in // Every boy and girl was my friend. // Now there‘s revolution, but they don’t know // What they-re fighting. // Let us close our eyes // Outside their lives go on much faster. // Oh, we won‘t give in // We‘ll keep living in the past. // Oh, we won‘t give in // Let‘s go living in the past. // Oh no, no we won‘t give in // Let-s go living in the past.“

Ian Anderson
„Sex ist für mich nur ein schmutziges
Wort.“ - Ian Anderson, 1969 (**).
Es gibt einen, nach meinem Dafürhalten sehr aufschlußreichen Dokumentarfilm über Jethro Tull von 1969 (**), in dem auch Ian Andersons Meinung über Sexualität bzw. Sex zu hören ist. Gerade für die heutige junge Generation ist wahrscheinlich überhaupt nicht mehr nachvollziehbar, warum jemand, der erst 22 Jahre alt ist und aussieht, als sei er ständig „auf Droge“, als sei er ständig „flippig“, als sei er ein „Freak“, als hätte er „jeden Tag Sex mit einer anderen Frau“, warum so jemand sagen kann:

„Sex ist für mich nur ein schmutziges Wort“ (**), „ich bin mehr für Liebe als für Sex“ (**), „Sex ..., für mich ist das etwas, was ich nur mit einem bestimmten Menschen erleben kann, ... den ich auch heiraten würde“ (**). „Das ist wahrscheinlich ein ungewöhnlicher Standpunkt in unserer Zeit“ (**).

Denn es war ja zu der Zeit (1969 - wie gesagt) zumindest für die „Revoluzzer“ schon längst ungewöhnlich geworden, eine solche Meinung über Sexualität bzw. Sex zu haben und sich Sex für die Zeit nach der Heirat aufzusparen u.s.w.. Gerade die damalige junge Generation im Abendland, jedenfalls die in dessen Großstädten, zeigte ja immer wieder, auch und besonders in aller Öffentlichkeit, daß für sie Sexualität bzw. Sex das wichtigste Erlebnis war und daß sie mit einer solchen, von diesem damals schon relativ bekannten, in Insiderkreisen sogar sehr beliebten 22jährigen Musiker Ian Anderson ausgesprochenen „antiquierten“ Meinung über Sexualität bzw. Sex nichts zu tun haben wollte. Es gab aber damals eben noch mehr bescheidene Abendländer, als es heute gibt. Heute sind die meisten Abendländer unbescheidener, dafür zwar „sexualisierter“, aber dennoch nicht glücklicher als der Durchschnitt der Abendländer von 1969. Wer immer alles hier und jetzt haben will, kann nicht mehr glücklich werden, weil es immer etwas geben wird, was hier und jetzt nicht zu haben ist. Eine materialistische und zugleich individualistische Einstellung zerstört auf Dauer alle inmateriellen Werte und zugleich alles Kollektive, ob Paar (Ehe!), Familie, Sippe, Stamm, Nation oder Kultur (**|**). Ian Anderson war gut erzogen worden und nun, obwohl noch unverheiratet (also noch ohne Sex, aber nicht ohne Liebe!), „sehr glücklich - das ist die Hauptsache“ (**), so seine Mutter Irene Anderson in diesem Dokumentarfilm von 1969.

Ian Anderson heirate 1970, doch diese Ehe wurde 1974 geschieden; 1976 heiratete er ein zweites Mal, und aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: ein Junge und ein Mädchen. Der Junge wurde nach Ians Vater benannt - James - und wurde später das, was lange vor ihm schon sein Vater geworden war: Musiker. Das Mädchen bekam den Namen Gael und wurde später in der Filmbranche tätig. ** ** ** ** ** ** **

An Ian Andersons Darstellungen gefällt mir auch besonders, daß sie fast immer eine große Portion Selbstironie enthalten.

 

Inhalt im Überblick Udo Lindenberg und das Panikorchester (gegründet: 1971)

Mitglieder u.a. (berücksichtigt ist hier nur die Zeit von 1971 bis 1973):
Udo Lindenberg,
Helmut Franke, Karl Georg („Steffi“) Stephan, Karl Allaut (ab 1973), Peter Backhausen (ab 1973), Gottfried Böttger (ab 1973), Thomas Kretschmer (ab 1973).

Udo Lindenberg war nicht der erste auf Deutsch singende Rockmusiker. Schon in den 1960er Jahren hatten andere Rockmusiksänger auf Deutsch gesungen. Doch Udo war für mich ja auch nicht nur aus nationalsprachlichen Gründen ein besonderer Musiker, denn er und sein Panikorchester vermittelten auch ohne Gesang sympathische Rhythmen. Auf seiner ersten Langspielplatte „Lindenberg“ (1971) hatte Lindenberg noch in englischer Sprache gesungen; doch schon seine zweite Langspielplatte „Daumen im Wind“ (1972) konnte zeigen, daß die deutsche Sprache eben erfolgsversprechender ist, wenn man, zumindest vorerst, auf dem deutschen Markt Erfolg haben will. Die Tatsache, daß einige der schon in den 1960er Jahren auf Deutsch singenden Rockmusiker später ins Englisch wechselten (oft auf Druck der Plattenfirmen hin!), bescherte ihnen lediglich den allmählichen Untergang. Für die anderen und eben auch für Udo Lindenberg war diese Tatsache ein Grund mehr, ihren Weg weiterzugehen.

„Daumen im Wind“:

Udo Lindenberg,
„Daumen im WInd“, 1972.
„Nun steh’ ich wieder an der Autobahn // und halt’ den Daumen in den Wind. // Es wurde Zeit, ‘mal wieder loszufahren, // ich hoff’ es hält bald einer an. // Nun steh’ ich hier und sing’ ganz and‘re Lieder. // Ich weiß noch nicht, wohin es geht. // Ja, die Straße hat mich wieder; // für Betty und mich ist es zu spät. // Betty ist ein gutes Mädchen. // Ich weiß noch, wie es damals war. // Sie sagte: »Schmeiß den Schlafsack weg und bleib’ bei mir. // Ich biete dir ein festes Bett dafür!« // Ich hab‘s versucht mit ihr; // und es war ja auch ganz schön - // Frühstück im Bett und viele nette Sachen. // Doch irgendwie auf die Dauer // fand ich‘s denn doch nicht mehr so schön. // Mit mir ist das leider nicht zu machen. // Und jedesmal, wenn ich am Ortsausgang stand, // tat mein Tramperherz so weh. // Und ich wußte, daß ich sie verlassen mußte; // und heut’ ist es soweit, und ich geh’. // Da steh’ ich also an der Autobahn. // Wann nimmt mich endlich einer mit? // Wann kommt denn hier ‘mal ein Typ vorbei, // der auf die Bremse tritt? // Vielleicht kommt einer der zum Nordpol fährt // oder auch nur zur naechsten Stadt. // Ich steige einfach ein. Mal sehen, wohin man kommt. // Auf jeden Fall die Gegend hier, die hab’ ich satt. // Ich möcht’ so gern’ ‘mal nach Haiti // oder zum Titicacasee. // Ich würde so gerne einmal Freundschaft schließen // mit einem Eskimo im Schnee. // Ich möcht’ auch gerne ‘mal nach Afrika // und mit den Urwaldnegern trommeln. // Ich möchte ‘mal ‘nen Medizinmann fragen: // wieviel böse Geister kann er wohl verjagen? // Ich steh’ noch immer an der Autobahn // und träume von der weiten Welt. // Vielleicht sollt’ ich den Daumen etwas höher heben, // denn ich will meine Träume nicht nur träumen, // ich will sie auch erleben.“

Udo wollte immer in „die große weite Welt“, wie er irgendwann irgendwo gesagt hat. Deshalb ist er wohl auch in Hamburg, Deutschlands „Tor zur Welt“, gelandet. Er wollte auch zur See fahren bzw. über die See in ferne Länder reisen, um Menschen mit seinem Können zu beglücken.

Auch wenn Udos Lied „Alles klar auf der Andrea Doria“ (Juli 1973) im letzten Jahr der glorreichen Rockmusikära produziert und veröffentlicht wurde: es gehört noch zu ihr (**). Mit diesem Lied schafften Udo und sein Panikorchester den Durchbruch. Ich habe Udo Lindenberg und sein Panikorchester für mein Thema hier als Beispiel gewählt, weil er mit seinem Panikorchester einerseits schon nahe am Ende der glorreichen Rockmusikära auftaucht und wohl auch deshalb andererseits zu denen gehört, deren Bestes schon in die Zeit nach dieser glorreichen Rockmusikära gehört (ich nenne für das Beispiel Udo lindenberg nur die LP „Ball Pompös“, die 1974 produziert und veröffentlicht wurde). Bei den anderen drei Beispielen war dies nicht der Fall, denn sie - die Beatles, Pink Floyd und Jethro Tull - hatten ihr Bestes schon vor dem Ende der glorreichen Rockmusikära gegeben.

 

Inhalt im ÜberblickHier seien (mit Gründungsjahr) die vier schon genannten und weitere, wenn auch nur wenige Musikgruppen genannt, die die glorreiche Rockmusikära (1967-1973) bestimmten bzw. mitbestimmten:
Gründung Anzahl
1950 Johnnie Johnson Trio 1
1951 Everly Brothers 1
1952 Chuck Berry 1
1953
1954 Elvis Presley 1
1955
1956
1957 Crickets 1
1958 Tremeloes 1
1959 Lords 1
1960 Beatles, Rattles, Temptations 3
1961 Beach Boys, Bob Dylan, Golden Earring, Rare Earth 4
1962 Animals, Hollies, Rolling Stones, Status Quo 4
1963 Spencer Davis Group, Them, Yardbirds 3
1964 Amboy Dukes, Byrds, Detroit Wheels, Frank Zappa & the Mothers of Invention, Kinks, Lynyrd Skynyrd, Moody Blues, Stern-Combo Meißen, Velvet Underground, Who 10
1965 Canned Heat, City Preachers, Doors, Grateful Dead, Guess Who, Jefferson Airplane, Pink Floyd, Puhdys, Rainbows, Scorpions, Small Faces 11
1966 Birthcontrol, Cream, Floh de Cologne, Gnags, Jimi Hendrix Experience, Joe Cocker & the Greese Band, Iron Butterfly, Santana, Soft Machine, Subjects 10
1967 Agitation Free, Ame Son, Amon Düül, Barclay James Harvest, Blood Sweat & Tears, Chicago, Climax Blues Band, Crazy World of Arthur Brown, Creedence Clearwater Revival, David Bowie, East of Eden, Edgar Broughton Band, Ekseption, Fairport Convention, Faithful Breath, Family, Fleetwood Mac, Genesis, It’s a Beautiful Day, J. Geils Band, Jeff Beck Group, Jethro Tull, Mike Oldfield, Nice, Pentangle, Procol Harum, Shocking Blue, Spooky Tooth, Steve Miller Band, Stooges, Sweet Smoke, Tangerine Dream, Ten Years After, Traffic, Van der Graaf Generator, Vanilla Fudge 36
1968 Aphrodite’s Child, Bröselmaschine, Can, Caravan, Colosseum, Crosby Stills Nash (& Young), Deep Purple, Free, Gong, Grand Funk Railroad, Guru Guru, King Crimson, Led Zeppelin, Man, Missus Beastly, Nazareth, Redbone, Rush, Steamhammer, Steppenwolf, Three Dog Night, Wigwam, Yes 23
1969 Allman Brothers Band, Association P.C., Atomic Rooster, Black Sabbath, Blind Faith, Curved Air, Eloy, Embryo, Epitaph, Faces, Focus, Frumpy, Ginger Baker’s Air Force, Hawkwind, Humble Pie, Ihre Kinder, Jeronimo, Juicy Lucy, Kin Ping Meh, Kluster, Krokodil, Lindisfarne, Little Feat, Magma, Nektar, Nucleus, Rare Bird, Renaissance, Siren, Spektakel, Steeleye Span, Supertramp, Tasavallan Presidentti, Thin Lizzy, Titanic, Triumvirat, UFO, Uriah Heep, War, Wishbone Ash, ZZ Top 41
1970 Aerosmith, Alcatraz, America, Ardo Dombec, Ash Ra Tempel, Carmen, Doobie Brothers, Elder Kindred, Emerson Lake & Palmer, Et Cetera, Faust, Gentle Giant, George Thorogood & the Destroyers, Grobschnitt, Hölderlin, Horslips, Jane, Kraan, Kraftwerk, Lucifer’s Friend, Mother’s Finest, Ougenweide, Popol Vuh, Queen, Quiet Sun, Ton Steine Scherben, Weather Report, Wolfgang Dauner Group 28
1971 Bayon, Blitzkrieg, Camel, Dr. Feelgood, Eagles, Karthago, Mahavishnu Orchestra, Manfred Mann’s Earthband, Neu, Novalis, Passport, Pell Mell, Rory Gallagher, Roxy Music, Twenty Sixty Six and Then, Udo Lindenberg und das Panikorchester, Wings 18
1972 Anyone’s Daughter, Atlantis, City, Dzyan, Geordie, Gilgamesh, Greenslad, Gryphon, Lokomotive Kreuzberg, Ramses II, Randy Pie, Ruphus, Sparks, Steely Dan, Ten CC, Tritonus, Van Halen, Wallenstein, Wizzard 18
1973 Bad Company, Deodato, Harmonia, Klaatu, Lift, Robin Trower 6
221

Inhalt im Überblick

Was ich mit dieser Webseite zum Ausdruck bringen will, ist nicht einfach nur die Tatsache, daß die während der glorreichen Rockmusikära (1967-1973) produzierte und veröffentlichte Rockmusik zu meiner Lieblingsmusik gehört (besonders die sehr progressive Rockmusik von Pink Floyd und Jethro Tull), sondern auch und vielleicht sogar vor allem, daß diese glorreiche Rockmusikära tatsächlich längst vorbei ist. Vorbei ist also nicht die Rockmusik selbst, sondern „nur“ ihre glorreiche Ära. Die glorrreiche Ära der Rockmusik konnte das Jahr 1974 nicht mehr erreichen. 1974 begann schon die erste Discowelle, 1977 die zweite Discowelle, die sogar durchschlagend war, kurz danach - in Reaktion - hatte auch die Punkwelle ihren durchschlagenden Erfolg ... u.s.w. .... So wie es zu dieser glorreichen Rockmusikära ein „Vorspiel“ bis einschließlich 1966 gegeben hatte, so gibt es auch ein seit 1974 andauerndes „Nachspiel“. Dieses „Nachspiel“ war zunächst noch „sommerlich“ (1974-1979), dann „herbstlich“ (1980-1989) und ist seit 1990 „winterlich“.

‹—  Rockmusik  —›
1. Stadium („Winter“) 2. Stadium („Frühling“) 3. Stadium („Sommer“) 4. Stadium („Herbst“) 5. Stadium („Winter“)
1950 1959
1960 1967 1969
1970 1973 1979
1980 1989
1990
Glorreiche Rockmusikära

Die Rockmusikgeschichte ist also noch nicht zu Ende, dennoch befindet sich die Rockmusik seit 1990 im Stadium ihres zweiten „Winters“, und der kann sehr, sehr lange dauern, aber niemals mehr genauso sein und werden, wie ihr erster „Winter“ war. Mit anderen Worten: der erste „Winter“ als ein Vorstadium zu einer glorreichen Ära der Rockmusik wird sich nicht wiederholen. Wenn Sie jemand sind, der diese glorreiche Rockmusikära erlebt hat und außerdem an die ewige Wiederkunft im Sinne Nietzsches glaubt, dann warten Sie einfach ihre nächste eigene Wiederkunft ab, denn nur dadurch wird auch die Wiederkunft der glorreichen Rockmusikära möglich, ansonsten nicht (soviel ist sicher!).

1. Stadium („Winter“) 2. Stadium („Frühling“) 3. Stadium („Sommer“) 4. Stadium („Herbst“) 5. Stadium („Winter“)
1950 1959
1960 1967 1969
1970 1973 1979
1980 1989
1990
Glorreiche Rockmusikära
Beatles
Pink Floyd
Jethro Tull
Udo Lindenberg und das Panikorchester
Glorreiche Rockmusikära

Wenn Sie jetzt aber meinen sollten, daß dies eine rein subjektive Angelegenheit sei, dann muß ich Sie enttäuschen. Das Phänomen Rockmusik gab es nicht zu Lebzeiten von z.B. Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Robert Schumann, Richard Wagner, Johann Strauß, Johannes Brahms oder Richard Strauss. Carl Orff jedoch hat dieses Phänomen noch erlebt, denn er starb erst 1982 - im Alter von 87 Jahren. Wir wissen, daß es das Phänomen Rockmusik nicht immer gegeben hat und auch nicht immer geben wird. Es ist geworden und darum auch vergänglich. „Alles Gewordene ist vergänglich“ (Spengler). „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“ (Goethe). Es ist schon einigermaßen objektv, wenn man sagt, daß diejenigen Phänomene, die geworden sind, auch vergänglich sind. Die Rockmusik ist ein solches - gewordenes und darum auch vergängliches - Phänomen. Und ich sage ja nicht über die Rockmusik insgesamt, sondern nur über deren glorreiche Ära, daß sie nicht mehr existiert. Die Rockmusik insgesamt wird jedenfalls älter werden als z.B. der Euro (= Teuro) und die EU. Trotzdem wird auch die Rockmusik irgendwann zu Ende sein. Ob wenigstens meine Aussage, daß die Rockmusik, insbesondere die progressive Rockmusik - neben der Jazzrockmusik und auch der Klassikmusik - meine Lieblingsmusik ist, eine subjektive Aussage ist oder nicht, spielt geschichtswissenschaftlich keine Rolle, darf es auch nicht, wenn man zu historischen Urteilen kommen will. Historische Urteile müssen objektiv sein. Als Geschichtswissenschaftler muß man neutral sein können gegenüber seinen Forschungsobjekten.

Inhalt im Überblick

 

NACH OBEN © Hubert Brune, 14.09.2018

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