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Textauszüge aus Briefen und E-Briefen

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 2005  3
2006 12
2007 9
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2010 9
2011 42
2012 139
2013 105
2014 205
2015 65
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- 2011 -

 HB und ZP 
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 HB und MB 
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 Ausgewählte Texte aus Briefen und E-Briefen

 

NACH OBEN

HB und ZP (Z. P.)

07.05.2011

Sehr geehrter Herr Brune!

Ich habe Ihre Internet-Seite gefunden, und ich war sehr positiv überrascht! Aber mir fehlte eins: Http://www.Hubert-Brune.de/g1_nk_hk_konstanten.html - auf dieser Seite wird ganz genau darauf hingewiesen, wie Dekadenz funktioniert, aber der Nietzscheanische Aufsatz, daß unsere (nicht nur westeuropäische) Dekadenz durch die Religion erzwungen ist, fehlt auf dieser Seite. Kann es sein, daß er ganz auf der Seite fehlt? Denn wenn es wahr ist, daß der tote Gott den Dekadenten dient, dann muß man ihn ersetzen, nicht wahr? Ich sehe, Sie verwenden sehr gut den Begriff Wille zur Macht.

Vielleicht schreibe ich voreilig, weil ich nur diese eine Seite gelesen habe, aber wieso sollte man nicht sofort auf den Hauptpunkt kommen?

Nietzsches Frage war: „Was, wenn wir das Christentum nicht abschaffen können werden?“ Und daraus entsprang, meiner Meinung nach, die Frage: „Müssen wir nicht selber zu Göttern werden ...?“ **

Also, Dekadenz und Gott, wie soll es weiter-, ja, ewig gehen?

Mit freundlichen Grüßen,

ZP

***

08.05.2011

Sehr geehrter Herr Brune,

Ich möchte hier wieder den Nietzscheanischen Aspekt vertreten, denn ich bin auch teilweise ein Kollektivist. Deshalb erlauben Sie mir, über Ihre Einflüsse zu vermuten. Ich hatte schon mal den Untergang des Abendlandes (**|**) in meinen Händen, aber ich war noch nicht reif, es zu kritisieren und, ehrlich gesagt, es war mir zu anstrengend, und deshalb habe ich es gar nicht gelesen, nur so spärlich, weil ich auf zu viel Metaphysik gestoßen bin. Nietzsche ist klar: Kunst ja, Metaphysik nein. Denn die Metaphysik und die Religion gehören zur „Physiologischen Ermüdung“. Die „Gewißheit“, die Sie betonen, ist, meiner Meinung nach, nur ein Gewissen, denn wenn es nur eine „innere Erfahrung“ ist, dann ist es eine blinde, mitläuferische Erfahrung, wenn Sie mir verzeihen. Die Philologie ist viel mehr als nur ein Spiel mit Worten. Auch der Rassismus viel mehr als nur ein Spiel mit Farben. Die modernen Griechen und Italiäner sind für Nietzsche höhere Rassen. Die Statue des Platon aus Neapel verneint das Christentum. Die Farben des Menschen sprechen „nur“ über seinen Geist, bzw. darüber, wieviel Blut er im Kopfe hat:

Furcht und Intelligenz. – Wenn es wahr ist, was man jetzt des Bestimmtesten behauptet, daß die Ursache des schwarzen Hautpigments nicht im Lichte zu suchen sei: könnte es vielleicht die letzte Wirkung häufiger und durch Jahrtausende gehäufter Wutanfälle sein (und Blutunterströmungen der Haut)? Während bei anderen intelligenteren Stämmen das ebensohäufige Erschrecken und Bleichwerden endlich die weiße Hautfarbe ergeben hätte? – Denn der Grad der Furchtsamkeit ist ein Gradmesser der Intelligenz: und sich oft der blinden Wut überlassen das Zeichen davon, daß die Tierheit noch ganz nahe ist und sich wieder durchsetzen möchte. – Braun-grau wäre also wohl die Urfarbe des Menschen – etwas Affen- und Bärenhaftes, wie billig.“ (**).

Und der Mensch ist vor allem ein geistiges Wesen, denn er ist Anathron+opope=merken(opope)+denken. Obwohl die Engländer all dies verneinen, mit ihren Dummheiten und weißer Farbe. Denn ohne Engländer gäbe es kein Christentum und keine Demokratie weltweit. Die modernen Angelsachsen sind ein Beweis dafür, daß man aus dem Barbarismus direkt in die dekadente Kultur steigen kann. Sie sind das Christentum.

Ich gebe hier unter dem Namen TWIWTPANE ein Zitat von Nietzsche über die Religion und meine eigene Meinung über Gott (ich vermute, Sie beherrschen Englisch gut):

Http://www.Nietzscheforum.com/viewtopic.php?f=1&t=800&start=30#p5518

Bei Nietzsche geht es um die Moral, und die Moral ist unabhängig von der Religion entstanden. Das wissen aber die Massen meistens nicht! Deshalb unternehmen sie nur metaphysische Spekulationen über eine „religiöse Moral“. Aber die Moral ist grundsätzlich der Glaube an die Taten der Vorfahren (bzw. daß die Taten der Vorfahren auf die Nachkommen übertragen werden), während es bei den Chinesen umgekehrt ist: sie glauben, daß die Taten der Kinder die Eltern beeinflussen. Denn die Chinesen hatten nie eine eigene aristokratische Schicht. Aristokratie ist, nach Nietzsche, nur 10000 Jahre alt.

Nietzsche sagt ja auch, daß man ein Recht auf Philosophie nur durch Vorfahren hat (Ende des Wir Gelehrten aus Jenseits.)

Also würde eine religiöse Moral eine Korruption der Moral bedeuten, denn: „Der Priester kommt aus allen Schichten“. Und er hat auch zum Untergang der Weißen in Indien beigetragen ....

So weit so gut. Dann schauen wir mal, in welche Richtung es weitergehen kann.

Mit freundlichen Grüßen!

ZP

***

08.05.2011

Guten Tag, Herr P.!

Ich gehe jetzt einmal der Reihe nach auf die aussagekräftigsten Ihrer Sätze ein.

Zunächst einmal finde ich überhaupt nicht, daß Spenglers Untergang des Abendlandes „zu anstengend“ (**) ist, wie Sie sagen, und auch nicht, daß dort „zu viel Metaphysik“ (**) enthalten ist. Man muß sich schon an ihn herantrauen. Es setzt aber auch Geschichtswissen und -interesse voraus. Nach meinem Gefühl ist Spengler auch nicht weniger „klar“ (**), wie Sie sagen, als Nietzsche. Nietzsche sei klar, sagen Sie: „Kunst ja, Metaphysik nein.“ (**). Ja, richtig; aber findet man bei Nietzsche nicht auch Metaphysisches und Kritik an der Kunst?

Was die „Gewißheit“ (**), von der Sie sprechen, angeht, so muß ich sagen, daß ich nicht genau, weiß, was bzw. worauf bezogen Sie meinen, was Sie sagen. Vielleicht hilft es, wenn ich Ihnen mitteile, wie ich ungefähr aufgestellt bin, um es einmal so modern zu sagen. Ich bin wahrscheinlich ein an Wissenschaft (auch Philosophie) orientierter Skeptiker, der, bevor er seine Meinung lauthals kundtut, all das, was er sagen will, zunächst einmal - wie ein Wissenschaftler - genauestens überprüft. Dies war der Grund, warum ich die Philologie bzw. die Sprachwissenschaft angesprochen habe. Sonst nichts! Nietzsche sah das mit Sicherheit ähnlich - nur nebenbei gesagt.

Zu Nietzsches Einstellung zur Renaissance habe ich mich auf einigen meiner Internetseiten dezidiert geäußert - ähnlich kritisch wie Spengler. Ich finde nämlich, daß Nietzsche die angeblichen Möglichkeiten, die - laut Nietzsche - in der Renaissance lagen, falsch einschätzte. Spengler meinte dazu:

„Nietzsche war, seit er Aphorismen schrieb, unbewußt ein Schüler Darwins .... Und so stammt die »Herrenmoral« dieses letzten Romantikers auf einem merkwürdigen, aber für den Sinn der Zeit bezeichnenden Wege aus der Quelle aller geistigen Modernität, der Atmosphäre der englischen Maschinenindustrie. Der Macchiavellismus, den Nietzsche als Renaissance-Erscheinung pries und dessen Verwandtschaft mit Darwins Begriff der mimicry man nicht übersehen sollte, war tatsächlich der im »Kapital« von Marx - dem andern berühmten Jünger von Malthus - behandelte, und die Vorstufe dieses seit 1867 erscheinenden Grundbuches des politischen (nicht des ethischen) Sozialismus, die Schrift »Zur Kritik der politischen Ökonomie«, erschien gleichzeitig mit Darwins Hauptwerk. Das ist die Genealogie der Herrenmoral. Der »Wille zur Macht«, ins Reale, Politische, Nationalökonomische übersetzt, findet seinen stärksten Ausdruck in Shaws »Major Barbara« (1905). Sicherlich ist Nietzsche als Persönlichkeit der Gipfel dieser Reihe von Ethikern, aber hier reicht Shaw, der Parteipolitiker, als Denker an ihn heran. Der Wille zur Macht ist heute durch die beiden Pole des öffentlichen Lebens, die Arbeiterklasse und die großen Geld- und Gehirnmenschen, viel entschiedener vertreten als je durch einen Borgia. Der Milliardär Undershaft in dieser besten Komödie Shaws ist Übermensch. Nur hätte Nietzsche, der Romantiker, sein Ideal nicht wiedererkannt. Er sprach stets von einer Umwertung aller Werte, von einer Philosophie der Zukunft, also doch zunächst der westeuropäischen und nicht chinesischen oder afrikanischen Zukunft, aber wenn seine immer in dionysischer Ferne verschwimmenden Gedanken sich wirklich einmal zu greifbaren Gebilden verdichteten, so erschien ihm der Wille zur Macht unter dem Bilde von Dolch und Gift und nicht von Streiks und der Energie des Geldes.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 477-478; **).

Nietzsche liebte die Antike, die antiken Griechen und Römer, nicht die „modernen Griechen“ (**), wie Sie schreiben. Jedenfalls habe ich während meiner Lektüre der gesamten Werke von Nietzsche nicht eine einzige Aussage darüber gefunden. Vielleicht verwechseln Sie in diesem Punkt Nietzsche mit Hölderlin.

Und ebennfalls liebte Nietzsche nicht die „Italiäner“ (**), wie Sie schreiben, sondern die antiken Italiker, die Römer, weshalb er auch die Renaissance liebte - denn die bezog sich ja sogar in erster Linie auf die antiken Griechen und erst in zweiter Linie auch auf die antiken Römer, und das war ganz im Geschmack Nietzsches. Wenn er die Borgias lobte, darf man daraus nicht den Trugsschluß ziehen, daß er die Borgias mit den modernen Italienern identifizierte, denn Nietzsche wußte ganz genau, daß der Name „Borgia“ die italienisierte Form des spanischen Namens Borja ist, daß also die Borjas (zwei von ihnen wurden Päpste [Alonso als Kalixt III. und Rodrigo als Alexander VI.]) Spanier waren.

Verzeihung, aber Ihre Aussage, daß „die modernen Griechen und Italiäner ... für Nietzsche höhere Rassen“ (**) seien, ist also völliger Schwachsinn - wahrscheinlich deshalb, weil diese Aussage Ihrem eigenen Wunschdenken entspricht!

Die „Statue des Platon aus Neapel“ kenne ich leider nicht (ich war zwar schon zweimal in Neapel, allerdings nur während der Durchreise - das erste Mal nach Pompeji [sehr interessant!], das zweite Mal nach Agropli [in der Nähe des antiken Paestum]). Deshalb werde ich dazu nichts sagen. Vielleicht klären Sie mich darüber bei Gelegenheit auf. Am besten mit Bildern!

Ihr Nietzsche-Zitat (**) kenne ich selbstverständlich. Es ist aus dem Werk Morgenröte. **

Ich habe und hatte schon bei Ihren Gästebuch-Einträgen (**|**|**) den Eindruck, daß Sie gern über Gott und Religion sprechen wollen und dafür Nietzsche heranziehen. Das ist mir sympathisch. Aber: (1.) Man sollte nicht nur Nietzsche dafür heranziehen; (2.) man muß sich zunächst - und zwar ganz dezidiert - mit seinen Gesprächspartner über die Definition von Gott und Religion einigen (**|**).

Für mich ist Nietzsche nicht nur aus religionskritischen Gründen interessant. Mir geht es - in diesem Zusammenhang - in erster Linie um Kultur und deren Geschichte, wozu selbstverständlich die Religion gehört, aber eben nicht nur.

Was Sie in Ihren Sätzen zu Nietzsches Äußerungen zur Entstehung der Moral und zu deren Zusammenhang mit den Vorfahren sowie zu den Chinesen sagen, erhält meine Zustimmung!

Über den von Ihnen angesprochenen „Untergang der Weißen in Indien“ (**) habe ich leider nicht genug historische Fakten, um darauf wirklich genauer eingehen zu können. Ich hoffe aber, Sie erwähnen diesen Untergang nicht nur, weil Nietzsche es gesagt hat, also: als „eine blinde, mitläuferische Erfahrung“ (**), wie Sie schreiben.

Was halten Sie denn vom Nietzscheaner Sloterdijk?

Meiner Meinug nach müßten wir uns in der nächsten Runde - gewissermaßen als nachgeholten Einstieg - über die Definition von Religion einigen! Einigen! Und zwar erst einmal ohne Nietzsche! Einfach so! Thema: Wie einigen wir uns über die Definition von Religion? Wenn wir das nicht tun, wird die Gefahr für Mißverständnisse zu groß.

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

***

08.05.2011

Vielleicht das einzige, was mich bei Nietzsche an die Metaphysik erinnerte, war sein (oder Goethes) „Ur-Eines“, aber ich weiß nicht wie Goethe dies ausgelegt hat, und so kann ich hier nichts behaupten. Ich halte es für wahrscheinlich, daß er sich mit der Metaphysik nur privat, in seinen frühen Jahren beschäftigt hat.

Natürlich hat er die Dekadenz in der Kunst kritisiert.

Ich habe mir die Freiheit genommen, den Rassismus anzusprechen, weil ich Ihre Kommentare/Bemerkungen in Spenglers Schriften auf Ihrer Seite gefunden habe. Sie sollen sich nicht verpflichtet fühlen, auf meine Anfragen bezüglich dessen zu antworten.

Ich muß kategorisch ablehnen, daß Nietzsche irgendeine Verbindung mit den Engländern oder Sozialisten hat. Nietzsches Begriff „Wille zur Macht“ wurde direkt von Thukydides genommen. Ich habe, natürlich, als erstes klassisches Buch Thukydides gelesen und danach Machiavelli, denn das sind seine beiden Lieblingsautoren. Und ich war überrascht, mit welcher Deutlichkeit Thukydides spricht! Die romantischen Flüstereien sind dagegen Liste. Ein Borgia paßt perfekt in das Bild des Thukydides. Die Engländer sind judaisiert. Die Juden arbeiten direkt mit den Amerikanern. Wenn einer indirekt Macht will, und Geld ist nur ein Mittel zur Macht, aber keine Macht selbst (man kann das Glück nicht kaufen; das Glück ist das Gefühl, daß die Macht wächst [**|**]), dann lebt er nicht direkt.

Man darf nie den Menschen als Tier betrachten, der Mensch ist und bleibt das Wesen, daß nach Schönheit strebt, weil ihn keiner besiegen kann! Die Tiere sind schon besiegt, und dort darf es nur ums Überleben gehen. Wenn ein Engländer über Food spricht, dann hat er schon den Kampf aufgegeben, als Mensch.

Von Darwin weiß ich, daß er von Maltus inspiriert war, aber von Marx darf ich nichts sagen. Es gibt aber schon im neuen Testament eindeutig Sozialistisches: gegen die Familie: Mat. 8, 21-22; Mat. 10, 21; Mat. 10, 34-37; Mat. 12, 46-49; gegen das Eigentum: Mark. 10, 21-25; Apg. 2, 44-45; Apg. 4, 34-37; Apg. 5, 1-11.

Es gibt nur zwei, eventuell drei Statuen von Platon. Die eine hat ein breites Gesicht, und die andere ist meistens von der Seite gezeigt, wo er den Kopf ein wenig nach unten hält, wie in Gedanken versunken, und mit etwas um den Kopf, was die Haare hält. Diese ist aus Neapel.

Sie können mir Ihren Begriff von Gott näherbringen, wenn Sie wollen, aber überall hört man „der Gott ist in uns“, also ist dann der Geist schon verpöbelt.

Unsere Kultur ist völlig ausser Kontrolle geraten, und nur, weil das Christentum jedem das Wort gibt. Mann muß sich trauen, wieder das Wort zu sich zu nehmen!

Der Untergang Indiens ist wichtig für die Zukunft Europas und vielleicht der Welt. Die Inder sind aber vielleicht eine der schwächeren Arischen Rassen gewesen. Sie haben die Devas als gute Gottheiten genommen, und Devas sind Natur-Gottheiten ..., im Vergleich mit Asuras, das riecht mir schon nach Dekadenz. Der Schlüssel für Indien und die Brahmanisierung der Kultur war ein schlechtes Klima. Der Schlüssel für die Christianisierung Roms waren schlechte Rassen. Aber auch in Nordeuropa gibt es schlechtes Klima!

Den Namen Sloterdijk lese ich nicht zum ersten Mal. Aber nur den Namen habe ich mir gemerkt.

Leider kann man allen Mißverständnissen nicht entkommen. Meine einzige Vorstellung von Gott im Leben war: entweder ist er dieser Weihnachtsmann mit dem weißen Bart oder ... eine Lüge.

Aristoteles sagt, daß man mit dem Hang zur Wahrheit nur geboren werden kann, man kann es nicht lernen ....

Mit freundlichen Grüßen!

ZP

***

09.05.2011

Sehr gehrter Herr P.!

Zunächst möchte ich mich noch einmal bedanken, weil mir Ihr letzter E-Brief sehr gut gefallen hat. Sehr sympathisch!

Da es nun (noch) nicht zu der von mir angepeilten „nächsten Runde“ als einem „nachgeholten Einstieg“ gekommen ist, wir uns also (noch) nicht zu einer „Definition von Religion einigen“ konnten, muß ich es wohl anders versuchen. Darf ich Sie deswegen fragen, wie sie „religiös“ erzogen worden sind? Ihrem Namen entnehme ich, daß Ihre Vorfahren aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und Sie also entweder (a) römisch-katholisch (Slowenien oder Kroatien), (b) serbisch-orthodox (Serbien oder Bosnien/Herzegowina oder Mazedonien), (c) muslimisch (Bosnien/Herzegowina, Kosovo oder Mazedonien) oder atheistisch (im Rahmen der kommunistisch-marxistischen Ideologie) erzogen worden sind. Nebenbei gesagt: Ideologien, egal welche, halte ich für noch gefährlicher als Religionen, weil Ideologien auch Religionen sind, und zwar moderne!

Ich bin römisch-katholisch erzogen worden. Meine Eltern haben aber diesbezüglich keinen großen Druck erzeugt; ich kann also sagen: ich bin auf liberale Weise römisch-katholisch erzogen worden, habe mich schon in meiner frühen Jugend von der Kirche getrennt, bin aber nie zu ihr in echte Opposition getreten, weil das nicht nötig war.

Nicht völlig, aber doch ziemlich sicher bin ich mir, daß Nietzsches Elternhaus eine nicht zu unterschätzende, wenn auch nicht die alles entschedidende Rolle gespielt hat für Nietzsches spätere Positionierung zum Christentum. Sein Vater war lutherischer Pfarrer und verstarb, als sein einziger Sohn - eben: Friedrich Wilhelm Nietzsche - noch ein kleines Kind war. Ich möchte jetzt nicht auf Nietzsches ganze Seelengeschichte eingehen. Aber völlig unwichtig ist sie für das Verständnis Nietzsches nicht. Und interessant ist diese Geschichte ebenfalls.

Nietzsche hat Luther für sehr vieles verantwortlich gemacht, ja schuldig gesprochen. Meiner Meinung nach hat er hier völlig übertrieben - aus Gründen, die ich in meinem letzten E-Brief schon im Zusammenhang mit der Renaissance erwähnt habe.

Das Zitat aus Nietzsches Nachlaß der Achtziger Jahre, das sie angeführt haben, gefällt mir sehr gut. Vielleicht werde ich es in meine Nietzsche-Zitate-Sammlung aufnehmen.

Goethes „Urphänomene“ gehen auf sein Konzept von der „Urpflanze“ zurück. Ein interessantes Thema! (**|**|**).

Sie schreiben: „von Marx darf ich nichts sagen“ (**). Warum nicht? Das verstehe ich nicht!

Außerdem scheiben Sie: „Der Untergang Indiens ist wichtig für die Zukunft Europas und vielleicht der Welt. Die Inder sind aber vielleicht eine der schwächeren Arischen Rassen gewesen. Sie haben die Devas als gute Gottheiten genommen, und Devas sind Natur-Gottheiten ... im Vergleich mit Asuras - das riecht mir schon nach Dekadenz. Der Schlüssel für Indien und die Brahmanisierung der Kultur war ein schlechtes Klima. Der Schlüssel für die Christianisierung Roms waren schlechte Rassen. Aber auch in Nord-Europa gibt es schlechtes Klima!“ (**). Können Sie dazu näher Stellung nehmen?

Grundsätzlich sehe ich den Untergang der indischen Kultur ähnlich wie Spengler. Alle Kulturen bekommen, wenn sie sich „zivilisieren“ und dann „versteinern“, „vergreisen“, Probleme auf eben die Art, wie auch Sie sie in bezug auf das Beispiel Indien beschrieben haben. Hierbei hat der Buddhismus eine entscheidende Rolle gespielt - egal, was man heute von ihm hält.

So weit, so gut.

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

***

09.05.2011

Sehr geehrter Herr Brune.

Meine Erziehung könnte in meinem Denken keine große Rolle spielen, deshalb will ich sie auch nicht gründlicher auslegen. Ich bin in Deutschland geboren und gemischt erzogen worden. Ich hatte die freie Wahl. Es gab aber auch Deutsche (Katholische) in dieser Erziehung, die mich, wie ich heute finde, griechisch erzogen haben, aber diese dauerte nur 7 Jahre.

Nietzsche mußte schon ganz früh in das Griechentum eingeweiht gewesen sein. Mit 7 Jahren spielten er und seine Schwester eine Episode aus dem Odysseus: mit dem Zyklopen.

Ich bin einverstanden, was die Erweiterung Ihrer Zitat-Sammlung angeht. Ich würde aber auch eine Kritik Spenglers vorschlagen: Spengler meint, daß die Zivilisationen aussterben, weil sie älter (intelligenter) werden und er setzt Intelligenz mit dem Alter gleich, aber Aristoteles setzt Intelligenz oder, besser gesagt, Weisheit mit der Männlichkeit gleich, und Nietzsche tut dasselbe: „Wenn ein Weib gelehrte Neigungen hat, so ist gewöhnlich Etwas an ihrer Geschlechtlichkeit nicht in Ordnung. Schon Unfruchtbarkeit disponirt zu einer gewissen Männlichkeit des Geschmacks; der Mann ist nämlich, mit Verlaub, »das unfruchtbare Thier«.“ (**).

Das Gesamtbild würde dann so aussehen:

Es hat sich selbst unter Journalisten herumgesprochen, daß über 40% aller Frauen, die in Deutschland und Österreich ein Studium abgeschlossen haben, kinderlos sind und in der letzten Generation kinderlos geblieben sind. Promovierte Gesellschaftswissenschaftlerinnen bleiben zu 68% kinderlos, Hilfsarbeiterinnen in der Landwirtschaft zu 6%.

„Wer sehr abweichend denkt und empfindet, geht zu Grunde, er kann sich nicht fortpflanzen. Somit könnte es für den Grad der Individuation eine Grenze geben. In Zeiten, wo sie peinlich empfunden wird, wie in unserer (und wie in aller bisherigen moralischen Geschichte der Menschheit), vererbt sich der Trieb dazu schlecht. In Zeiten, wo sie lustvoll empfunden wird, übertreibt sie sich leicht und macht die äußerste Isolation (und verhindert dadurch die allgemeine Fruchtbarkeit der Menschheit). Je ähnlicher, desto mehr nimmt die Fruchtbarkeit zu, jeder trifft auf ein genügendes Weibchen: also Übervölkerung im Gefolge der Moral. Je unähnlicher, desto – “ (**).

„Wenn ein Weib gelehrte Neigungen hat, so ist gewöhnlich Etwas an ihrer Geschlechtlichkeit nicht in Ordnung. Schon Unfruchtbarkeit disponirt zu einer gewissen Männlichkeit des Geschmacks; der Mann ist nämlich, mit Verlaub, »das unfruchtbare Thier«.“ (**).

Das vollkommene Weib begeht Litteratur, wie es eine kleine Sünde begeht: zum Versuch, im Vorübergehn, sich umblickend, ob es Jemand bemerkt und daß es Jemand bemerkt ....“ (**).

Ich meinte, ich darf über Marx im Bezug auf Maltus nichts sagen. Aber ich vermute sie alle haben aus dem Christlichen Brunnen getrunken. Wie auch William Russell. Die Protestanten können es nicht anders ....

Der Buddhismus hat in Indien gesiegt, weil es einen großen philosophischen Kampf der Schulen gab. Jede Schule wollte beweisen, daß sie „die Wahrheit besitzt“. Genau das wollte Nietzsche meiden, weil er auch in der europäischen Zukunft so einen Kampf vermutete. Er wollte, daß man ihn nicht nur verbal führt, sondern mit Waffen, um der geistigen Ermüdung, die dadurch entsteht, zu entkommen. Deshalb schrieb er, daß seine Philosophie siegen wird. Denn der Buddhismus siegt bei den Ermüdeten immer wieder, gleich wie in Griechenland .... Nirwana ist nichts anderes als „Schlafen ohne Träume“ - man kann sogar die Träume nicht mehr ertragen - sie erinnern an die Realität (schauen Sie sich nur die schläfrigen Augen der Asiaten an - deren Ur-Religion war auch auf Schlaf aus).

Mit freundlichen Grüßen!

ZP

***

09.05.2011

Sehr geehrter Herr P.!

Vielleicht müssen wir auch gar nicht genau wissen, was die Religion nun genau bedeutet. Ich glaube dennoch, daß es für das weitere Verständnis hilfreich hätte sein können. - Sei's d'rum.

Nietzsche war sehr früh fit auf fast allen Gebieten - das geht aus seinen Jugendschriften hervor. Das war aber zu seiner Zeit im Land der Dichter und Denker weit verbreitet - bis in die Unterschicht -, und blieb es auch. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das durch „1968“ geändert. Was die meisten nicht wissen: Die sogenannten „68er“ haben im Bildungsbereich am meisten Übel angerichtet. Wie sehr schädlich das ist - vor allem auch, weil man die Jugend damit verdirbt -, das wußte auch Nietzsche nur zu gut, und zwar schon seit seiner Jugend. In dem Punkt hat er seine Meinung auch nie geändert. In seinem Falle ist das schon sehr bemerkenswert, weil er ansonsten bekanntlich mindetsen drei „Metamorphosen“ durchgemacht hat (**).

Nein, Spengler meint nicht nur, daß die Zivilisationen aussterben, weil sie älter werden, und er setzt nicht nur Intelligenz mit dem Alter gleich. Nein, seine Ausgangsposition ist durchaus nietzscheanisch! Wie schon gesagt: Spengler hatte seine Methode von Goethe und seine Fragestellungen von Nietzsche. Er hat aus Nietzsches „Augenblick einen Überblick gemacht“ (**).

Man sollte auch nicht Intelligenz und Weisheit verwechseln. Wenn man Spengler liest, wird einem spätestens danach klar: Intelligenz und Weisheit sind zwei verschiedene Formen des Wissens (des „Wachseins“, wie Spengler sich ausdrückt). Und auch hier zeigt sich Spengler meiner Meinung nach als der, der Nietzsche zumindest in einigen Punkten tatsächlich mehr vervollkommnet hat, als Nietzsche selbst - wenn man von Spenglers leichter Kritik an Nietzsche einmal absieht.

Eine Kritik an Nietzsche ist immer gut - das sagt auch Nietzsche, z.B. in seinen Werken Also sprach Zarathustra und Ecce homo. Er hat vor sich selbst gewarnt. Genial! Man sollte ihn als Beispiel nehmen und nicht als Beispiel nehmen. Das hört sich total paradox an, ist es aber dann nicht mehr, wenn man weiß, wie er das gemeint hat: das nämlich macht ihn in seinem Kern seit seinem Werk Zarathustra und auch die Figur Zarathustra selbst aus.

Auf die demographischen Entwicklungen müssen wir nicht großartig eingehen, weil sie Spenglers Ausgangspunkt bilden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann nämlich das erste rasante Absinken der Geburtenraten. Spengler hatte also auch Fakten vor sich. Ganz anders Nietzsche. Selbst noch in dem Jahr, in dem er starb (1900), waren die Geburtenraten insgesamt steigend. Allerdings sanken sie bereits stark in den höheren Schichten (im Adel sogar schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts), was sich aber auf die gesamte Geburtenrate noch nicht niederschlug, denn die Oberschicht ist bekanntlich von nur kleiner Anzahl. Aber die Oberschicht ist qualitativ wichtig. Dies wiederum wußte Nietzsche ganz genau. Wahrscheinlich war er auch gut informiert über die damalige demographische Lage in Europa - das entnehme ich seinen Texten jedoch nur indirekt -, aber er muß es gewesen sein, denn er kannte ja auch Malthus. Trotzdem: Insgesamt war zu Nietzsches Zeit die Geburtenrate insgesamt noch nicht dramatisch - sie war es quantitativ nicht, qualitativ schon (zumindest ein wenig, und weil Nietzsche ein „Freund der Aristokratie“ war, hat ihn sicherlich auch das bewegt - das weiß ich aber nicht 100%ig!).

Daß sie „Marx im Bezug auf Maltus“ (**) gemeint haben, weiß ich ja, wußte ich auch schon, als sie das zum ersten Mal erwähnten (**). Was ich wissen wollte, ist, warum sie zu Marx nichts sagen dürfen (DÜRFEN), die Betonung liegt auf dem Hifsverb „dürfen“! Also, noch einmal: Warum dürfen Sie zu „Marx im Bezug auf Malthus“ nichts sagen?

Was Sie über den Buddhismus geschrieben haben, ist in ähnlicher Form auch bei Spengler zu lesen. Das finde ich sehr interessant. Dazu beim nächsten Mal vielleicht mehr. Ich muß jetzt meinen Urlaub vorbereiten - Sie wissen schon: den unverdienten!

Was ich übrigens an Nietzsche auch besonders sympathisch finde, ist sein Humor trotz allem!

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

***

09.05.2011

Sehr geehrter Herr Brune.

Ich kann keinen genauen Vergleich von Marx und Malthus machen, und deshalb darf ich nicht.

Wie gut kennen Sie die altgriechischen Schriften? Bei Aristoteles steht, daß es vier Tätigkeiten des Verstandes sind (eine davon ist die Weisheit), und ich denke, alle vier tragen der Vermännlichung bei. So steht es in der Nikomachischen Ethik oder „Über die Seele“.

Ich erwarte von Ihnen, daß Sie mir nicht nur Beschreibungen liefern, sondern Themen auch zum Punkt bringen, z.B.: Was ist nach Spengler die Ursache des Aussterbens und was soll danach geschehen und, vor allem, sind wir nur Zuschauer oder können wir auch etwas unternehmen?

Nietzsche war - im Grunde genommen - ein spartanischer Philosoph, wie auch die Vorsokratiker - kurz und inhaltsreich!

Und Sie geben Ihre Stellungen zu meinen Antworten nicht. Man könnte sich schon dazu kurz äußern.

Darf ich wissen, wie alt Sie sind? Ich bin fast 40.

Dann viel Erfolg im unverdienten Urlaub!

Mit freundlichen Grüßen!

ZP

***

09.05.2011

Danke für die Urlaubswünsche, Herr P.!

Zu Marx und Malthus: Na, gut. Das ist doch wenigstens eine Antwort auf meine Frage! Danke!

Ich kenne die altgriechischen Schiften nicht so gut, wie Nietzsche sie gekannt hat, weil ich die antike Kultur auch nicht so sehr mag, wie Nietzsche sie gemocht hat. Von den vier Kardinaltugenden brauche ich Ihnen wohl nichts zu erzählen, oder? Gemäß Platon sind es: (1) Weisheit, (2) Tapferkeit (Willensenergie), (3) Besonnenheit (Maßhalten, Selbstbeherrschung), (4) Gerechtigkeit (als die die anderen drei umfassende Gesamt-Kardinaltugend).

Es ist so, daß ich an Sie auch einige Erwartungen hatte - ich erinnere nur z.B. an die Einigung über den Begriff „Religion“, worauf ich aber schon verzichtet habe -, die Sie bisher in keinster Weise erfüllt haben. - Sei's d'rum.

Zur Ursache des Aussterbens bei Spengler: Hierüber können Sie übrigens bei mir - auf meiner Webpräsenz (allein schon z.B. unter dem Oberstichwort „Kultur“ (**) den Stichwörtern bzw. Unterstichwörern entsprechend folgen; oder z.B. zu meiner Unterscheidung von Kultur und Zivilisation (**) sowie meiner Kulturtheorie im Vergleich zu Spenglers Kulturtheorie (**) - wahnsinnig viel lesen. Meine Innternetseiten sind voll damit. Das Thema „Kultur“ (selbstverständlich einschließlich „Kulturgeschichte“) ist eines meiner Hauptthemen. Laut Spengler sterben die Kulturen aus, weil ihre Zeit abgelaufen ist. Auch ich vergleiche sie gern mit Naturerscheinungen, Lebewesen oder Jahreszeiten, und Spengler hat das auch getan, wenn auch etwas anders als ich. Die Kulturen kommen in ihren „Winter“ und „versteinern“ bzw. „vergreisen“. Spengler „erklärt“ nicht, er „beschreibt“ mehr - der Grund dafür ist, daß es eine echte Erklärung dafür nicht gibt. Spengler sagt, daß die Kulturen in Abhängigkeit von einer bestimmten Landschaft (und gegebenenfalls auch in Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, doch gemäß Spenglers Kulturtheorie sind Kulturen Monaden) entstehen - eine genauere Antwort auf ein Warum gibt er hierbei nicht wirklich. Spengler ist ehrlich. Das ist auch besser so. Glauben Sie, daß unsere Physiker den Grund dafür kennen, warum es das Universum gibt? Nein, natürlich nicht! Merke: Natürlich! Sie können es nicht! Ähnlich beschreibt Spengler den Untergang: die von Ihnen angesprochene Intelligenz spielt dabei auch eine Rolle, aber nicht nur. Um das genauer zu verstehen, muß man auch Goethe kennen. Ich wiederhole mich: Spengler hat seine Methode von Goethe (**). Wer hier Metaphysik am Werken sieht - bitte schön! Hier eine Kostprobe:

„Und nun geht aus der Tatsache, daß das Dasein immer wurzelloser, das Wachsein immer angespannter wird, endlich jene Erscheinung hervor, die im stillen längst vorbereitet war und jetzt plötzlich in das helle Licht der Geschichte rückt, um dem ganzen Schauspiel ein Ende zu bereiten: die Unfruchtbarkeit des zivilisierten Menschen. Es handelt sich hier nicht um etwas, das sich mit alltäglicher Kausalität, etwa physiologisch, begreifen ließe, wie es die moderne Wissenschaft selbstverständlich versucht hat. Hier liegt eine durchaus metaphysische Wendung zum Tode vor. Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in diesem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los, der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. Nicht nur weil Kinder unmöglich geworden sind, sondern vor allem weil die bis zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr Vorhandensein mehr findet, bleiben sie aus.“ (Oswald Spengler, a.a.O., S. 678-679 **).

Ich würde Ihnen raten, wenn Sie Spengler verstehen und trotzdem nicht dessen Hauptwerk (**|**) lesen wollen, meine Spengler-Texte zu lesen. Von, zu, über Spengler (**|**).

Sie sind mir Antworten schuldig geblieben, ich Ihnen auch? Also: Ich habe mich bemüht, auf Ihre Fragen oder Antworten - der mehr unbewußt als bewußt vorgenommenen Auswahl entsprechend - zu reagieren. Das ist doch in Ordnung, oder? Aber Sie sind mir ebenfalls Antworten auf Fragen und Reaktionen auf Antworten schuldig geblieben. Na, und? Ein Nietzscheaner muß das wegstecken können!

Demnächst mehr. Ich eile!

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

***

10.05.2011

Herr Brune, wie sollen wir uns über den Begriff Religion einigen, wenn Sie noch nichts vorgeschlagen haben. Mein Standpunkt ist, daß er mit einer gewissen Erschöpfung oder Ermüdung zu tun hat, genau so wie der Begriff Gott, den ich auf dem Nietzscheforum präsentiert habe. Ich vermutete, daß ist Ihnen nicht recht und daß Sie deshalb Ihren Standpunkt verheimlichen. Denn da, wo die Religion die Moral beherrscht bzw. wo die Aristokratie die Oberhand über die Moral nicht besitzt, da ist die Ermüdung aufgetreten!

Machiavelli sagt, daß der Zyklus der Staatsformen aufhört, wenn das Volk erschöpft ist, bzw. wenn es nicht mehr aus Demokratie und Anarchie zur Monarchie wechseln kann. Wir sehen es am Beispiel Athens! Der Versuch von Demokratie zur Monarchie zu wechseln ist unter Perikles gescheitert. Wir sehen, wie das Volk später den Alkibiades mit Hilfe des Vorwurfs auf Ketzerei aus Athen vertreibt! Das war bisher unerhört, so ein Vorwurf. Und nur weil Alkibiades gefehlt hat, ist Athen militärisch auf Sizilien gescheitert! Zuvor waren die moralischsten Männer an der Macht. Wir sehen, wie Religion die Moral vernichtet (der Glaube an den metaphysischen Wert der Wahrheit vernichtet die Moral - in Indien so, und das führt zum Nihilismus!). Es ist lebenswichtig für diese Diskussion, daß wir uns über die Beziehung von Moral und Religion einigen, aber ohne einen Einblick in die vorreligiöse Geschichte der Moral ist das nicht möglich. Moral und Religion waren immer getrennt, und es ist möglich, daß die Zyklen der Staatsformen lange gar nicht existierten. Vielleicht kommt das mit einer Übersiedlung der Erde.

Was die altgriechische Kultur angeht: die christlichen Religionen haben so viel davon geerbt, daß ich Ihnen nur raten kann, daß Sie sie mit ihren bisherigen Kenntnissen konfrontieren, denn diese Kultur liefert unübersehbaren Stoff zum Thema Moral und Psychologie.

Kulturen entstehen nicht irgendwie, sondern weil zwei Rassen in Berührung gekommen sind und, um den Unterschied zu erhalten. (**). Die höchste Kultur ist die griechische (Indogermanen und darunter Mongolen als Sklaven und Mehrheit - wir sehen, daß diese Mongolen heute nicht mehr existieren, also sind sie ausgestorben). In Indien gab es ähnliche Rassen-Schichten und eine höhere Kultur, jedoch ist da umgekehrt die Herren-Rasse ausgestorben.

Die Vergreisung des Volkes muß also die Dekadenz des Volkes sein. Die Geistlosigkeit, das Kümmern um materielle Dinge. Der Glaube an Gott statt an Macht. Der König ist das Vorbild des jungen Volkes, insbesondere der König, der um seine Macht ringen muß (die alten Germanen), und der Gott-König (Diktator) ist das Zeichen für ermüdete Völker, wo keiner mehr Interesse am Machtkampf hat, denn jeder, der gegen den Gott(-König) ist, wird zum Irren, und das Volk will jetzt nur Ruhe unter Alleinherrschaften. Deshalb kommen Zivilisation und Dekadenz immer mit dem Cäsar und dem „Reich“. Wenn man „alle unter einem Dach“ hat, dann gibt es keine Feinde mehr. Darauf ist der Instinkt der Ermüdeten aus.

Mit freundlichen Grüßen

ZP

***

10.05.2011

Sehr geehrter Herr P.!

Ich schreibe hier vom Klapprechner meiner Frau aus, weil ich im Urlaub bin. Deshalb muß ich jetzt aus dem Gedächtnis heraus schreiben.

Also, um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich bin größtenteils auf Ihrer Linie, deshalb ist es Unsinn, mir zu unterstellen, ich wollte mich hier- oder dazu nicht äußern. Außerdem habe ich mittlerweile schon, glaube ich, dreimal gesagt, daß das Thema der Einigung über die Definition von Religion für mich nicht mehr wichtig ist - auch ganz einfach deshalb, weil Sie nicht sofort darauf eingegangen sind. Das ist überhaupt nicht schlimm, sondern sagt nur etwas darüber aus, wie Sie sich zum Thema stellen. Als Nietzscheaner muß man das doch genauso sehen, denn das ist nietzscheanisch.

Was ist das? .... Warum?
 
Eine Samenzelle dringt in eine Eizelle ein
Eine Samenzelle dringt in eine Eizelle ein
 
Zygote
Zygote (Produkt der Befruchtung)
 
Blase
Blase
 
Steine
Steine
 
Kubische Kristallstruktur eines Diamanten
Kristallstruktur des Diamanten
 

Sie glauben, Kulturen entstünden, „weil zwei Rassen in Berührung gekommen sind und, um den Unterschied zu erhalten“ (**|**)? Spengler meinte, Kulturen entstünden in einer bestimmten Landschaft (und gegebenenfalls auch in Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, doch gemäß Spenglers Kulturtheorie sind Kulturen Monaden) und auch ziemlich plötzlich: „Mit einer neuen »Weltanschauung«, das heißt einem plötzlichen Blick auf den Tod als dem Geheimnis der erschauten Welt, erwacht deshalb jede neue Kultur. Als um das Jahr 1000 der Gedanke an das Weltende sich im Abendland verbreitete, wurde die faustische Seele dieser Landschaft geboren.“ (**). Ich sehe das nicht ganz genauso, aber doch ziemlich ähnlich wie Spengler, für den „die Weltangst ... die rein menschliche Angst vor dem Tode“ (**) und „sicherlich das schöpferischste aller Urgefühle“ (**) war. Gemäß meiner Kulturtheorie gibt es zwei Entstehungsarten: (1.) Naturkatastophen oder natürliche Ausnahmesituationen verursachen bei den Menschen Angst, zumeist auch Erwiderungen dieser Herausforderungen, und je stärker und dauerhafter diese Erwiderungen sind, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung einer Kultur; (2.) zwei Kulturen setzen sich selbst so sehr unter Streß, daß die Erwiderung dieser Herausforderung manchmal sogar die Zeugung einer neuen Kultur ist.

Gemäß meiner Kulturtheorie entstehen diejenigen Kulturen, die ich „Historienkulturen“ nenne, durch die „Verschmelzung“ („Syngamie“) von „Kultursamenzelle“ und „Kultureizelle“ bei einem „kultursexuellen“ (kriegerischen) Kontakt von zwei Kulturen, also durch die „Befruchtung“ (**|**): sie führt zur „Schlüpfung“ (**), also dazu, daß die Kultur die „befruchtete Eizelle“ verläßt - die erste eigene „Tat“ einer Kultur. Mit meiner Kulturtheorie kann man die Entstehungsgeschichte einer Kultur viel weiter zurückverfolgen als mit Spenglers Kulturtheorie. Spengler beauftragte seine Nachfolger, seine Kulturtheorie abzurunden, zu vervollständigen, und meine Kulturtheorie bedeutet einerseits eine Abrundung oder Vervollständigung seiner Kulturtheorie und andererseits eine leichte Abkehr von ihr, weil für mich Kulturen keine Monaden, sondern relativ offene und sich gegenseitig berührende Einheiten sind, die einerseits so dauerhaft und fest sein können wie Steine (**) und andererseits so leicht platzen und verschwinden können wie Blasen (**).

Einen bedeutsamen Unterschied dürfen Sie nicht vergessen, mein lieber Herr P.: den Unterschied zwischen (a) einer Frage nach dem Warum einer Entstehung und (b) einer Frage nach dem Wie einer Entstehung. Nicht die Antwort auf das Wie der Entstehung einer Kultur, sondern die Antwort auf das Warum der Entstehung einer Kultur ist das große Problem, wie auch Spengler meinte.

Wenn ich zu den Kulturen Vergleiche aus der Physik und noch mehr aus der Chemie und am meisten aus der Biologie heranziehe, so deshalb, weil auch die Kulturen physikalische, chemische und biologische Grundlagen haben (vgl. auch meine Schichtentheorie [**|**]). Kulturen verhalten sich auch wie physikalische Körper, wie chemische Elemente oder Moleküle u.s.w., wie biologische Wesen (Lebewesen). Wenn ich also Kulturen vergleiche mit z.B. Steinen oder Blasen (**|**) oder mit Zellen, z.B. Samen- und Eizellen (**|**), so sind das nur Beispiele unter sehr vielen.

Wir können Kulturen erforschen und also wissen, wie sie entstanden sind, aber nicht, warum sie entstanden sind. Daß Kulturen kulturelle Phänomene sind, muß nicht unbedingt erwähnt werden, denn das ist nicht nur logisch, sondern sogar auch tautologisch. Daß aber Kulturen sich auch wie außerkulturelle Phänomene verhalten, leuchtet vielen Menschen nicht oder nicht sofort ein, dabei ist die Ursache dafür ganz einfach.

Wenn Sie - als Mensch - mit Ihrem Fahrzeug aus der Kurve „herausfliegen“, dann tun sie das aufgrund eines physikalischer „Gesetzes“ (des „Trägheitsgesetzes“) und nicht, weil Sie ein Mensch sind - noch dazu einer mir Rechten und einer Versicherung. Ihr Körper besteht aus Atomen, Elementen, Molekülen u.s.w., ob Ihnen das paßt oder nicht. Ihr Körper ist - biologisch gesprochen - eine Ansammlung von Zellen (den kleinsten Lebewesen, die Sie als Organismus bildeten, bilden und irgendwann nicht mehr bilden werden), ob Ihnen das paßt oder nicht. Sie können versuchen, die Natur mit Kultur auszutricksen, aber mit einer Endgültigkeit wird Ihnen das niemals gelingen, weshalb Sie - so beurteilt - im Ergebnis stets der Verlierer gegen die Natur, der Sklave der Natur bleiben. Warum soll das bei Kulturen, die zudem von Lebewesen gebildet werden, sehr viel anders sein? Es ist nicht sehr viel anders!

Sie schreiben, die „Vergreisung des Volkes“ (**) sei die „Dekadenz des Volkes“(**), und das ist gemäß meiner Theorie auch richtig. Also: Wozu Ihre Frage in Ihrem vorletzten Brief (**)?

Ich wollte vor zwei bis drei E-Briefen genau das vermeiden: daß wir in Mißverständnisse geraten wegen der Definitionen. Und geanu das ist jetzt - jedenfalls zum Teil - passiert. Es nützt aber jetzt nicht mehr viel, weil die letzten drei E-Briefe - als Teil dieser Geschichte - mittlerweile auch ihre Fakten geschaffen haben (auch das ist nietzscheanisch). Und das wollte ich vermeiden. Das kann ich aber nun nicht mehr, weil die Zeit dafür weg ist. So einfach ist das. Jedenfalls hat das nichts mit dem zu tun, was Sie darin vermuten. Ich bin halt so, wie ich es Ihnen beschrieben habe, und zwar ehrlich. Was Sie „Gewißheit“ nennen, ist für mich wissenschaftliche Überprüfung und sonst nichts. Mit vermutetem Nichts-wissen-Wollen hat das nichts zu tun. Das ist ja genau das, was ich ablehne.

Der Goetheaner und Nietzscheaner Spengler prophezeite, daß uns nur noch eine Phase vor der „Versteinerung“ bevorstehe: der Cäsarismus (**) - nämlich so ungefähr ab 2000, und die „Versteinerung“ werde erst im 22. oder 23. Jahrhundert beginnen. Und unsere Cäsarismus-Phase hat doch tatsächlich so ungefähr (ungefähr!) ab 2000 angefangen. Wir können, um Ihre Frage aus dem vorletzten Brief (**) zu beantworten, den Untergang gestalten, ihn harmloser und vielleicht auch ein wenig langsamer machen u.s.w., aber letztendlich verhindern können wir ihn nicht. Amor fati - das ist nietzscheanisch!

Verstehen Sie?

Es wundert mich sowieso, daß Sie, obwolhl Sie, wie Sie selber sagen, Spengler nicht kennen, behaupten, ein Nietzscheaner zu sein. Entschuldigung! Aber dieser Eindruck war unvermeidbar! Nietzscheaner-nach-1917 kennen Spengler! Sie nicht!

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

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11.05.2011

Sehr geehrter Herr Brune.

Ich besitze keine Kopien meiner Briefe, so daß ich nicht genau nachvollziehen kann, wo die Mißverständnisse aufgetreten sind. Wenn Sie mir Teile nicht kopieren, kann ich auch nicht reagieren. Sie tun alles ziemlich exakt und ich eher gelassener. Vielleicht sind Sie professionell als Philosoph oder Lehrer tätig, aber ich bin und war immer nur ein Außenseiter (auch gesellschaftlich).

Ich hoffe, Sie sind nicht irritiert über meine Vorgehensweise, denn es ist unnötig. Man muß keinen Nerv verlieren. Ich bin so was wie tot - wenn Sie mich verstehen -, mein Name existiert nirgendwo, und keiner hört zu. Ich habe nur so imaginäre Freunde im Internet, und Sie sind jetzt mein bester Freund! (Ohne Witz).

Aber auch Sie scheinen genervt zu sein. In der Regel verliere ich alle meine Freunde - der Reihe nach, einen nach dem anderen. Aber mich hat noch keiner verloren, weil ich zu viel Zeit habe und dadurch Geduld oder weil mich keiner blöd angelabert hat? Wer weiß! Vielleicht drucke ich zu viel Informationen von meiner Seite auf andere und versuche nicht Referenzen anzubieten? (Das ist Nietzsche).

In der Götzen-Dämmerung spricht er über: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ (**), bzw. wie ein Einzelner in einem starken (barbarischen) Volk verletzt wird und dann durch diese Verletzung stärker wird. So sollte es auch mit der Dekadenz sein - während viele degenerieren; es muß auch Einzelne geben, die sich nach vorne entwickeln. Unbekannt ist, wie sie überleben sollen. Für mich wäre Homer das typische Beispiel der Verstärkung/Vertiefung des Nervensystems durch Verletzung (Blindheit). Die Entwicklung und vielleicht auch Entstehung der Kultur hängt also, nach Nietzsche, wahrscheinlich von solchen verletzten Kulturmenschen ab.

Ich werde Ihnen hier und direkt mitteilen, daß ich in einer Psychotherapie in Deutschland bin, und man hat festgestellt, daß ich Menschen nicht richtig emotional bewerte. Das kommt wahrscheinlich daher, daß ich in Bosnien gemobbt worden bin und dadurch zum Aussenseiter geworden bin. Vielleicht könnte mit mir Spaß an Unterhaltung nur derjenige haben, der unbegrenzt Zeit besitzt und sich für einen Besserwisser hält.

Ein bißchen Herausforderung richte ich auch an Freunde ....

Von jetzt an können Sie darüber Stellung nehmen und entscheiden, unter welchen Bedingungen diese Konversation für Sie möglich/wünschbar ist. Es täte mir leid, wenn Sie diesen Austausch zu exakt nehmen. Ich habe Sie nicht verpflichtet oder Ihnen gesagt, daß Sie mir Antworten schulden. Ich meinte nur „man könnte es“, aber ich weiß nicht, wie Sie mit Ihrer Zeit stehen und dafür muß ich mich entschuldigen!

Mich hat ihre Seite „Historische Konstanten“ oder so bewegt, und ich wußte nicht, woher das ganze Material kommt. Jetzt würde ich sagen, viel kommt von Spengler. Ich werde die Seite noch mal besuchen und gründlich durchlesen.

Mit freundlichen Grüßen!

ZP

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12.05.2011

Meine Seite „Historische Konstanten“ kommt in erster Linie von mir! Ganz besonders die!

Meine Texte sind auch NICHT NUR an Spengler orientiert, sondern an mir ... und ... dann auch an Goethe, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Spengler, Heidegger, Nolte, Sloterdijk, um nur die wichtigsten Autoren zu nennen, mit denen ich mich ein wenig intensiver auseinandergesetzt habe.

Zu Ihnen: Versuchen Sie doch einfach nur, Sie selbst zu sein - nur freundlicher bzw. mit MEHR FORM. Etwas NETTER. Sie würden bald merken, daß nicht mehr ganz so viele Leute „genervt“ (**) sind, wie Sie sagen.

Ich habe jetzt leider nicht mehr viel Zeit. Auch im Urlaub ist das häufig so.

Also: Bis bald!

Hubert Brune

***

13.05.2011

Vielleicht geht es bei mir in dieser Konversation darum, daß ich Ihre Bewertungen sehen möchte, bzw. in welche Richtung Sie arbeiten. Es ist schon merkwürdig, daß Sie von mir eine Einigung über Gott gefordert haben, obwohl ich so was vielleicht nicht akzeptieren kann. Weder haben Sie mir die Augen über Ihre Definition von Gott geöffnet, noch haben Sie mir gesagt von welcher Wichtigkeit diese „Einigung“ für Sie sein sollte. Und wenn man schon einmal mit leeren Händen aus einem Gespräch - auch teilweise - herauskommt, dann liefert das einen bitteren Geschmack für die Zukunft.

Deshalb weiß ich nicht, ob sich weitere Themen für mich lohnen werden, wenn ich den Wert, den Sie darin sehen können/wollen, nicht sehe. Ich möchte also mit Ihren Augen irgendeine Bewertung sehen. Es geht nicht nur um den Nihilismus, nicht wahr?

„Zum Nihilismus: Kein anderer oder keiner so gut wie Nietzsche »hatte vorausgesehen, daß seine Nachfolger den Aufschwung der egalitär-nihilistischen Bewegung nicht aufhalten könnten, und forderte uns auf, als aktive Nihilisten die Fortsetzung dieses Prozesses bis zur Fäulnis zu wünschen. Nietzsche hatte vorausgesehen, daß sich die Europäer in das verwandeln würden, was sie heute geworden sind: in ›köstliche Sklaven‹.« (Guillaume Faye, Die neuen ideologischen Herausforderungen, 1988, in : Pierre Krebs [Hrsg.], Mut zur Identität, 1988, S. 217 **).“ (**).

Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Nietzsche uns(?) aufgefordert hat „als aktive Nihilisten die Fortsetzung dieses Prozesses bis zur Fäulnis zu wünschen“ (**). Denn auf einer anderen Stelle wünscht er sich gerade den „Sieger über Gott und das Nichts“ bzw. einen Erlöser Zarathustra. Den Nihilismus kann man ansonsten mit Hilfe der Lehre von der Ewigen Wiederkehr beseitigen, weil diese Lehre für passive Nihilisten unerträglich ist. Denn wir wissen schon aus dem Beispiel Indiens, wie ein aktiver zügelloser aktiver Nihilismus endet - im Buddhismus (wieder passiver Nihilismus)! Hätten die indischen Philosophen ein Ideal, das sie zusammenschweißt, dann würden sie nicht gegeneinander kämpfen.

Nebenbei, wenn Sie es nicht wußten: „Tanja Krienen“ ist ein Transvestit und Kommunist.

Auch Bismarck ist in Nietzsche's Augen nur ein Anführer des Bauernaufstandes, denke ich.

Bei Nietzsche sind die Werte schon da. Er verheimlicht sie nicht ....

***

Ich denke, ich habe Sie jetzt „herausgefunden“, und dieses Zitat sollte so weit über Ihre politische Stellungsnahme zeugen:

„(* Dieser Beitrag wurde noch am selben Tag gelöscht! Er enthält wohl zu viel Rechtes, also Richtiges!)“

Sollte es sein, daß Sie den Rechtspopulismus vertreten, dann werde ich Ihnen mitteilen müssen, daß Nazis in meinen Augen auch passive Nihilisten sind.

Was ist der Unterschied zwischen passiv und aktiv? - „Das Leben ist der Moral nicht wert“ - passive Nihilisten; „Die Moral ist des Lebens nicht wert“ - aktive Nihilisten. Hitler und seine fanatischen Anhänger waren in meinen Augen lebensmüde! Genauso wie die Kommunisten! Fanatismus ist immer ein Zeichen der Müdigkeit und Erschöpfung ....

Über Kultur wissen die Romantiker und Nationalisten nichts. Sie denken wahrscheinlich, daß alles in „Herzen“ liegt und daß die Vergangenheit und die Kultur dort „begraben“ liegen, aber wie Nietzsche sagte: man gelingt dort nur mit einer ungeheuren Menge von Alkohol, und für uns Kulturmenschen ist so was unzulässig. Ein Betrunkener ist aber auf keinen Fall ein Kulturmensch.

Schauen Sie sich den Dokumentarfilm „The Soviet Story“ an - er zeigt Parallelen zwischen dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus ist nichts weiter, als der Name es behauptet: zwischen Nationalismus und Sozialismus.

***

Vielleicht sind wir jetzt schon Feinde in Ihren Augen ....

***

16.05.2011

Sehr geehrter Herr P.!

Warum sollten wir plötzlich Feinde geworden sein? Weil Sie ein Zitat von mir gefunden haben? Es bezieht sich doch lediglich auf die Projektionen anderer Internet-User, d.h. es benutzt DEREN Sprache ...! Heutzutage können Sie sich nicht mehr aussuchen, ob sie als „Nazi“ bezeichnet werden oder nicht - das erledigen andere für Sie. Ja, auch und gerade für Sie, Herr P.! Wenn die Systemhörigen sagen, Sie seien ein „Nazi“, dann sind Sie einer, wenn auch (Ihrer Meinung nach) nicht wirklich. Sie können Sich dann tausendmal anders nennen - in Wirklichkeit werden dadurch die Verdächtigungen nur noch lauter. Rechte - ob sie sich beispielwesie „Faschisten“, „Nationalisten“, „Konservative“, „Nationalliberale“ oder „Nietzscheaner“ nennen, spielt gar keine Rolle - werden als „Nazis“(Nationalsozialisten) angesehen bzw. verdächtigt, denn diejenigen, die das tun, sind an der Macht, nicht die Rechten (die Rechten waren noch nie so ohnmächtig wie zur Zeit). Ich habe keine Lust, auf dieses Thema im „68er“ Stil einzugehen. Wie billig!

Wieso sollen wir Feinde geworden sein? Liegt es daran, daß ich Ihnen seit längerem nicht mehr geschrieben habe. Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich im Urlaub bin und TROTZDEM wenig Zeit habe. Außerdem bin ich hier auf den Klapprechner meiner Frau angewiesen, mit dem ich nur über einen Webstick ins Internet komme, und der funktioniert mehr schlecht als recht.

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

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NACH OBEN

HB und MB (Michael Boden)

20.10.2011, 08:33:42

Sehr geehrter Herr Brune,

über Spengler unterhalte ich mich sehr gern mit Ihnen. Leider nicht heute abend, bin beruflich im Streß.

Ich habe den Untergang I (**|**) mit 14 Jahren im Bücherschrank meiner Eltern (in der DDR) entdeckt und als mein erstes weltanschaulich prägendes Werk viel zu früh verschlungen. Und blieb dann am Ball. Den Untergang II kriegte ich dann mit 18 Jahren aus dem Bücherschrank eines Bekannten. In der Humboldt-Universität konnte ich dann heimlich den „Rest“ lesen (die meisten Schriften und Reden, sogar den Heraklit (Dissertation).

Ab Mitte 20 habe ich dann Spenglers Weltanschauung im Kopf ein wenig zurückgeschoben, aber nie völlig.

Und jetzt, im fortgeschrittenen Alter, wird mir klar, wie sehr er recht hatte, und daß mich der Verfall der abendländischen Zivilisation auch ganz persönlich betrifft und daß er unaufhaltbar ist.

Aber davon mal später, vielleicht in einigen Tagen.

Einen schönen Abend wünschend:

Michael Boden

***

22.10.2011, 18:54:16

Guten Tag, Herr Boden!

Danke für Ihre Antwort.

Um auf das Thema „Untergang des Abendlandes“ zu kommen, möchte ich vorausschicken, daß ich ganz besonders vor Oswald Spengler, aber auch - wegen der „Fragestellungen“ (**) - vor Friedrich W. Nietzsche und - wegen der „Methode“ (**) - vor Johann W. Goethe den Hut ziehe, nämlich in genau dieser Reihenfolge: Spengler, Nietzsche, Goethe; wobei es bestimmt kein Zufall ist, daß diese Reihenfolge die exakte Umkehrung zu derjenigen der Lebensdaten ist (Goethe, Nietzsche, Spengler).

Ich wüßte wirklich gern, wie Spengler und insbesondere Nietzsche (weil zu Nietzsches Zeit die Geburtenrate im Abendland [Ausnahme: Frankreich] sehr hoch war) den Untergang des Abendlandes so exakt vorhersehen konnten (Nietzsche hat sich zwar nicht so speziell ausgedrückt wie Spengler, aber immerhin den richtigen Riecher bzw. die für Spengler richtigen „Fragestellungen“ gehabt, wie Spengler sagte: „und wenn ich mein Verhältnis zu diesem in eine Formel bringen soll, so darf ich sagen: ich habe aus seinem Augenblick einen Überblick gemacht“ (**). Aber auch zu der Zeit, als Spengler den „Untergang des Abendlandes“ schrieb, waren die Geburtenraten im Abendland immerhin noch so hoch (Ausnahme: Frankreich), daß man sich keine ernsthaften Sorgen machen mußte - doch der Trend war ja bereits da.

Daß man heute den Untergang des Abendlandes als „real existierend“, wie es in der DDR hieß (wenn auch nicht darauf bezogen), diagnostizieren und also kaum widerlegen kann, ist klar, obwohl noch in den 1990er Jahren die meisten unserer Politiker und Lobbyisten ihn bestritten. Aber daß man den Untergang des Abendlandes schon um 1790 oder um 1830 oder um 1870 oder um 1910 prognostizierte - am genauesten wohl von Spengler -, ist aus meiner Sicht eine geniale Leistung. Und vor der habe ich sehr großen Respekt.

„Metternich, dessen politischer Blick - was man auch gegen seine Person sagen mag - tiefer in die Zukunft drang als der irgendeines Staatsmannes nach Bismarck, sah das mit unerbitterlicher Klarheit: »Mein geheimster Gedanke ist, daß das alte Europa am Anfang seines Endes ist. Ich werde, entschlossen mit ihm unterzugehen, meine Pflicht zu tun wissen. Das neue Europa ist anderseits noch im Werden; zwischen Ende und Anfang wird es ein Chaos geben.« Nur um dieses Chaos zu verhindern, entstand das System des Gleichgewichts der großen Mächte, beginnend mit der Heiligen Allianz zwischen Österreich, Preußen und Rußland. Verträge wurden geschlossen, Bündnisse gesucht, Kongresse abgehalten, um nach Möglichkeit jede Erschütterung des politischen »Europa« zu verhindern ....“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 19 **).

„Das Beste an uns ist vielleicht aus Empfindungen früherer Zeiten vererbt, zu denen wir jetzt auf unmittelbarem Wege kaum mehr kommen können; die Sonne ist schon hinuntergegangen, aber der Himmel unseres Lebens glüht und leuchtet noch von ihr her, ob wir sie schon nicht mehr sehen.“ (Friedrich W. Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches, 1878-1880, S. 171 **).

„Wahrlich, das schlaue Ich, das lieblose, das seinen Nutzen im Nutzen Vieler will: das ist nicht der Heerde Ursprung, sondern ihr Untergang.“ (Friedrich W. Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 1883-1885, S. 72 **).

„Formen eines »Willens zum Untergang«, zum mindesten ein Zeichen tiefster Erkrankung, Müdigkeit, Mißmutigkeit, Erschöpfung, Verarmung an Leben ....“ (Friedrich W. Nietzsche, Versuch einer Selbstkritik, 1886, S. 10 **).

„Das Mitleiden kreuzt im ganzen großen das Gesetz der Entwicklung, welches das Gesetz der Selektion ist. Es erhält, was zum Untergange reif ist, es wehrt sich zugunsten der Enterbten und Verurteilten des Lebens, es gibt durch die Fülle des Mißratenen aller Art, das es im Leben festhält, dem Leben selbst einen düsteren und fragwürdigen Aspekt.“ (Friedrich W. Nietzsche, Der Antichrist, 1889, in: Werke III, S. 614 bzw. 1168 **).

„Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. .... Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt werden, denn die Notwendigkeit selbst ist hier am Werke. Diese Zukunft redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt. Unsre ganze europäische Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: einem Strom ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen.“ (Friedrich W. Nietzsche, Der Wille zur Macht,S. 3 **).

„Und nun geht aus der Tatsache, daß das Dasein immer wurzelloser, das Wachsein immer angespannter wird, endlich jene Erscheinung hervor, die im stillen längst vorbereitet war und jetzt plötzlich in das helle Licht der Geschichte rückt, um dem ganzen Schauspiel ein Ende zu bereiten: die Unfruchtbarkeit des zivilisierten Menschen. Es handelt sich hier nicht um etwas, das sich mit alltäglicher Kausalität, etwa physiologisch, begreifen ließe, wie es die moderne Wissenschaft selbstverständlich versucht hat. Hier liegt eine durchaus metaphysische Wendung zum Tode vor. Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in diesem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los, der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. Nicht nur weil Kinder unmöglich geworden sind, sondern vor allem weil die bis zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr Vorhandensein mehr findet, bleiben sie aus.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917ff., S. 678-679 **).

Bedeutend für unser Thema ist ganz besonders das letzte Zitat, wenn auch nicht nur, denn Spenglers Werke sind übersät mit dem Thema „Untergang des Abendlandes“ - alle!

Sie, Herr Boden!, haben geschrieben, daß der Untergang des Abendlandes Sie „auch ganz persönlich betrifft und daß er unaufhaltbar ist“. Das, so finde ich, ist sehr mutig und interessant. Interessant auch deshalb, weil man ja meistens gern auch etwas Persönliches von anderen Menschen erfahren will und die Unaufhaltbarkeit gern auch von anderen Menschen interpretiert haben will.

Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Aber lassen Sie sich ruhig Zeit damit! Bei mir hat nichts Eile! Oder: Eile mit Weile!

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

***

22.10.2011, 21:50:57

Guten Abend,

ja Herr Brune, ich werde mir Zeit lassen mit der Anwort, aber ich werde antworten.

Sie sind nämlich der dritte oder gar der zweite Mensch in meinem Leben (Jahrgang 1952), mit dem ich mich über Spenglers Gedankenwelt austauschen kann. Ist das nicht traurig?

Raumfahrt ist mein großes Hobby. Aber es scheint zu erlöschen. (Das hat eben auch mit dem Untergang des Abendlandes zu tun).

Freundliche Grüße.

Michael Boden

***

 

Hallo, Herr Boden!

Ja, es ist wirklich verdammt traurig, daß ich (1956 geboren) erst „der dritte oder gar der zweite Mensch in“ (**) ihrem „Leben (Jahrgang 1952)“ (**) bin, mit dem Sie sich „über Spenglers Gedankenwelt austauschen“ (**) können!

Auch ich bin an Raumfahrt sehr interessiert, noch mehr an Astronomie bzw. Kosmologie (einschließlich Geologie u.s.w.), ja überhaupt an allen Naturwissenschaften wie auch an allen Kulturwissenschaften (Sozial- bzw. Geisteswissenschaften auch genannt). Ich glaube, das geht auch aus meiner Webpräsenz hervor.

Die Asteoriden-Animation habe ich gesehen: gut gemacht. Danke. Ich gehe mal davon aus, daß die Daten mit der Animation überinstimmen. Sie zeigt übrigens auf diese Weise auch (ob beabsichtigt oder nicht), wie hilflos wir hier auf unserem Planeten namens Erde sind.

Sie haben geschrieben: „Raumfahrt ist mein großes Hobby. Aber es scheint zu erlöschen (das hat eben auch mit dem Untergang des Abendlandes zu tun).“ (**). Erlöschen? Auch mit dem Untergang des Abendlandes zu tun? Wie meinen Sie das genau? Zwar kann ich mir hier auch selbst eine Antwort geben, aber vielleicht ist sie ja falsch.

Wie gesagt: Lassen Sie sich ruhig Zeit mit dem Antworten!

Freundliche Grüße!

H. Brune

***

 

Sehr geehrter Herr Brune,

ich habe Sie nicht vergessen. Ich schreibe schon an einem kurzen Statement zu Oswald Spengler.

Bin nur leider beruflich überlastet.

Ab und zu „schmökere“ ich auf Ihrer Seite. Eine Fundgube.


Bis bald

Michael Boden

***

 

Guten Abend Herr Brune,

etliche Tage sind verstrichen, weil ich einen Urlaub am Ober-Rhein bei meiner Tochter hatte, die dort Dolmetscher studiert.

Ich lebe seit 1974 in Kiel, seit ich als politischer Gefangener aus einem DDR-Gefängnis entlassen wurde. (Als Leipziger/Hallenser hätte es mich eher nach Frankfurt verschlagen sollen, aber meine Patentante lebte leider in Flensburg.)

Bei meinen Eltern hatte ich sehr frühzeitig den ersten Teil des UdA (**|**) gefunden (das schrieb ich wohl schon **). Das war ein Alter, in welchem man sich gerade weltanschaulich auf die große Suche begibt, sodas Spenglers Gedanken auf einen fruchtbaren Humus fielen, in welchem aber noch sehr wenig anderes Wurzeln geschlagen hatte. Es war also eine Art Evangelium und das ist sicher nicht so gesund.

Ich wurde davon stark in Bann geschlagen, aber das Gute war ja, daß dieser Autor so unglaublich viele Anregungen mitgab, die ich nutzen konnte, um zu Nietzsche, Goethe, Shaw, Ed. Meyer, Leibniz, Dostojewski, der Malerei und Plastik, Architekturgeschichte und - man glaubt es gar nicht - auch zur Musik vorzustoßen.

Denn (klassische) Musik spielte in meinem Elternhaus keine Rolle, und ich selbst fühlte mich eher unmusikalisch. Aber Spenglers wundervolle Ausführungen zu diesem Thema regten mich an, mir ab ca. 16 J. eine große Schallplattensammlung zuzulegen. Die unglaubliche Bereicherung meines Lebens durch die Musik (seit über 40 Jahren) verdanke ich eigentlich Spengler (sicher auch meinem hochmusikalischen Schulfreund).

Die 5 Jahre, die vergingen, bis ich endlich den 2. Teil in die Hand bekam, waren eine Qual.

Als ich im Westen angekommen war und nach dem Geschichtsstudium in Ost-Berlin mich nun in Kiel den Naturwissenschaften zuwandte (Geologie ist ja ein Querschnitt durch alle Naturwissenschaften), war Spenglers Philosophie noch absolut dominierend in meinem Kopf.

Nach wenigen Jahren verblaßte diese etwas, infolge der unglaublich vielen geistigen Anregungen, die hier auf mich einstürmten. (Für geistige Vertiefung war ein Leben im Osten zuträglicher, aber für geistige Horizonterweiterung natürlich das Leben im Westen).

Ich wurde infolge meiner vertieften Beschäftigung mit den Naturwissenschaften zunächst etwas beorgt, ob Kulturkreise als autonome Einheiten, mit einer inneren Biographie, überhaupt in der geschichtlichen Realität möglich seien. Sind sie überhaupt wissenschaftlich zu erklären?

Ich wurde skeptisch, behielt aber im Kopf meine prinzipiell positive Einstellung dazu. Heute sehe ich durchaus gewisse Erklärungsmöglichkeiten für solche kulturellen Groß- und Langzeitstrukturen, Stichwort: Super-Memkomplexe, Richard. Dawkins, vielleicht auch die morphogenetischen Felder des Rupert Sheldrake (um die es aber still geworden ist).

Denn seit ein paar Jahren rückt Spenglers Gedankenwelt wieder näher. Das hat mit dem intensiven Wahrnehmen von unglaublichen Verfallserscheinungen der gesamten abendländischen Welt zu tun. Es liegt fast Verwesungsgeruch in der Luft.

Vielleicht liegt es nur an meinem Alter, aber mir kommt es so vor, als ob nicht nur künstlerische, sondern in steigendem Maße auch technische, wissenschaftliche und militärische Probleme nicht mehr gelöst werden, weil man es einfach nicht mehr „drauf hat“. Jemand schrieb mal, daß eine Rückkehr zum Mond als unnütz deklariert würde, weil man sich nicht eingestehen wolle, daß man so ein Projekt inzwischen nicht mehr bewältigen kann. Wenn eine Kultur stirbt, deren Ursymbol der grenzenlose Raum ist, muß das wohl auch so sein.

Welche Elemente der „Kulturkreislehre“ scheinen (mir) nach wie vor plausibel und welche wirken jetzt eher zweifelhaft?

Sein Entwurf von 8 Hochkulturen zu je 1000 Jahren Lebensdauer mit einem Ursymbol (als geistige Mitte und „Lebensmotto“) hat schon was Faszinierendes. Aber prägnant und stimmig hat Spengler dies nur bei 3, 4 oder 5 Kulturkreisen herausgearbeitet. Von den anderen wußte man damals auch zu wenig, gebe ich zu. Also: Abendland, Antike, die magische „arabische“ Kultur, mit Einschränkungen die ägyptische und chinesische. Der Rest bleibt blaß.

Von der plastischen, geradzu spannenden Gegenüberstellung der beiden Antipodenkulturen, lebt der UdA (**|**) ja vor allem. Das ist wirklich genial, und dann dazu noch die dritte (mittlere) zum Vergleich und als kühnes Konstrukt. Die Beschreibung der magischen Welt ist phantastisch. Ich glaubte beim Lesen zu erkennen, daß Spengler vom damaligen Antisemitismus nicht nur kaum, sondern gar nicht infiziert war. Fast kam er mir als Philosemit vor (allerdings eher beschränkt auf das sephardische Judentum). Aber ich schweife ab.

Was mir seit 1997 (als ich aus Jux Heribert Illigs „Das erfundene Mittelalter“ kaufte) chronologische Bauchschmerzen macht, sind die Phantomzeiten und Kalenderfälschungen vor 900, die er postuliert. Und viele andere tun dies auch, manche sogar bis zum Jahre 1350!!.

Man kann das schnell als Unsinn abtun, aber Illig hat ja gut klingende Argumente, die haben sich mir ins Hirn gefressen, die gesäten Zweifel werde ich nicht mehr los. Aber das hat Auswirkungen auf die zeitlichen Abläufe der Spenglerschen Kulturkreise ....

Angeblich soll er mal Unbehagen über die Zeit von 600-900 n.Chr, geäußert haben, da stinme was nicht. Aber die Textsstelle habe ich nicht gefunden.

Herr Brune, ich mache jetzt mal Schluß, es wird zu lang.

Aber gern können wir uns demnächst weiter austauschen, denn z.B. sein politisches Denken ist ja auch diskussionswürdig.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Boden

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Guten Tag, Herr Boden!

Danke für Ihre Antwort.

Sie haben geschrieben:

Ich wurde davon stark in Bann geschlagen, aber das Gute war ja, daß dieser Autor so unglaublich viele Anregungen mitgab, die ich nutzen konnte, um zu Nietzsche, Goethe, Shaw, Ed. Meyer, Leibniz, Dostojewski, der Malerei und Plastik, Architekturgeschichte und - man glaubt es gar nicht - auch zur Musik vorzustoßen.**

Das ist enorm, nicht wahr? Spengler verstand es sehr gut, alle Gebiete in nur eines - das einer Kultur - einzugliedern. Enorm! Dabei kann man viel lernen. Das gilt besonders auch für diejenigen jungen Menschen, die sich Zahlen und Fakten dazu nicht gut merken können, aber mit Hilfe von Spenglers Methode, die ja, wie er selber sagte, auf Goethe zurückgeht, vieles besser zu verstehen lernen. Ich kenne solche Schüler.

Ich habe Spenglers UdA (**|**) erst gelesen, als ich schon 44 Jahre alt war, obwohl ich ihn und die Thematik des UdA schon zu meiner Jugendzeit kannte. Was mich mit 44 Jahren an ihm zunächst besonders in den Bann gezogen hat, ist die fast magisch anmutende Abhängigkeit der Kunst und also auch Architektur von der Kultur - vermittelt durch das Seelenbild und das Ursymbol der jeweiligen Kultur. Die anderen Phänomene, die er ja ohne Ausnahme ebenfalls untersuchte, kannte ich, auch in ihren eventuellen morphologischen Abhängigkeiten zur jeweiligen Kultur, schon zu gut, um noch so fasziniert zu sein, wie ich es im Falle der Kunst und also auch Architektur war. Aber ganz abgesehen davon, gab es noch viele Phänomene, die mich bei der UdA-Lektüre faszinierten: Spenglers Sprachgewalt, das verblüffend Überzeugende, die Bilder, die Spengler wegen seiner sprachlichen Brillianz im Gehirn des Lesers entstehen läßt, die Methode, die er von Goethe hatte, und die Fragestellungen, die er von Nietzsche hatte, zu dem er sein Verhältnis in folgende Formel brachte: „ich habe aus seinem Augenblick einen Überblick gemacht.“ (S. IX **). So ist es.

Weiter mit Ihrem Text:

Ich wurde infolge meiner vertieften Beschäftigung mit den Naturwissenschaften zunächst etwas in Sorge, ob Kulturkreise als autonome Einheiten, mit einer inneren Biographie, überhaupt in der geschichtlichen Realität möglich seien. Sind sie überhaupt wissenschaftlich zu erklären?**

„Ich wurde skeptisch, behielt aber im Kopf meine prinzipiell positive Einstellung dazu. Heute sehe ich durchaus gewisse Erklärungsmöglichkeiten für solche kulturellen Groß- und Langzeitstrukturen, Stichwort: Super-Memkomplexe, Richard Dawkins, vielleicht auch die morphogenetischen Felder des Rupert Sheldrake (um die es aber still geworden ist).**

M.E. braucht man gar nicht Dawkins und Sheldrake heranzuziehen, denn wir haben ja Goethe, Nietzsche und eben - last but not least - Spengler, um nur die zu nennen, um die es bei unserem Thema hauptsächlich geht. Ich weiß, daß Sie echte Naturwissenschaftler meinen, aber gibt es die überhaupt? Goethe verstand sich auch als Naturwissenschaftler, Spengler hat Naturwissenschaften (und dazu Mathematik - na, paßt doch!) studiert, wie Sie wahrscheinlich auch wissen. Dawkins und Sheldrake haben sich auf ein Gebiet gewagt, das nach heutiger Vorstellung nicht mehr zur Naturwissenschaft gehört - deshalb rümpfen andere, angepaßte Naturwissenschaftler über jene die Nase, weshalb man dann bald von jenen nicht mehr so viel hört und sieht. Jedenfalls, um beim Thema zu bleiben, braucht man für eine Theorie, wie Spengler sie geliefert hat, nicht unbedingt Beweise, denn man kann sie nicht hundertprozentig (geisteswissenschaftlich) verifizieren, aber auch nicht (naturwissenschaftlich) falsifizieren. Wie soll man ein Ursymbol (z.B. den Unendlichkeitsraum), ein Seelenbild (z.B. das Faustische) und deren permanente Einflußnahme auf die Kulturwesen wirklich verifizieren oder falsifizieren? Andererseits fällt aber jedem Menschen spätestens dann auf, wenn er Spengler gelesen hat, daß es so etwas doch gibt! Es existiert! Ähnlich wie mit Spenglers Kulturmorphologie verhält es sich ja auch mit z.B. Freuds Psychoanalyse, ja m.E. überhaupt mit der ganzen Psychologie - u.a. deswegen, weil sie, wie auch Spengler meinte, „nicht einmal ein Objekt im Sinne irgend einer wissenschaftlichen Technik“ (S. 382 **) hat.

Es liegt fast Verwesungsgeruch in der Luft.**

Jedenfalls gilt das wohl für nicht wenige Bereiche der abendländischen Kultur.

Vielleicht liegt es nur an meinem Alter, aber mir kommt es so vor, als ob nicht nur künstlerische, sondern in steigendem Maße auch technische, wissenschaftliche und militärische Probleme nicht mehr gelöst werden, weil man es einfach nicht mehr „drauf hat“. Jemand schrieb mal, daß eine Rückkehr zum Mond als unnütz deklariert würde, weil man sich nicht eingestehen wolle, daß man so ein Projekt inzwischen nicht mehr bewältigen kann. Wenn eine Kultur stirbt, deren Ursymbol der grenzenlose Raum ist, muss das wohl auch so sein.**

Das ist sehr interessant. Abgesehen von den Argumenten der Skeptiker, die ja davon ausgehen, daß bis heute noch kein Mensch den Mond betreten hat, sehe ich das ähnlich wie Sie. Ich kenne - übrigens - eine Internetseite, die sich damit sehr intensiv beschäftigt, auf der auch ich kommentiert habe: **

Sein Entwurf von 8 Hochkulturen zu je 1000 Jahren Lebensdauer mit einem Ursymbol (als geistige Mitte und „Lebensmotto“) hat schon was Faszinierendes.**

Anteile an meiner
Kulturtheorie:

Anteile an meiner Kulturtheorie
Hubert Brune
O. A. G. Spengler
J. W. v. Goethe
F. W. Nietzsche
G. W. F. Hegel
A. J. Toynbee

Ich habe übrigens meine eigene Kulturtheorie (**|**|**|**); sie basiert zwar auch auf Spenglers Kulturtheorie, ist aber von ihr doch zu unterscheiden. Ich zitiere mich 'mal selbst:

„Meine Theorie über Kulturen (einschließlich deren Zivilisationen) ist zwar nicht unerheblich von Goethe und Nietzsche, also am meisten von Spengler beeinflußt, hebt sich aber trotzdem in gar nicht wenigen Aspekten von diesen ab, weshalb ich sie als doch ziemlich unabhängig bezeichnen möchte. Mein Konzept von den zwei menschlichen Kulturerscheinungen - quasi als den zwei Kulturbahnen - ist m.W. sogar bisher von niemandem sonst vorgestellt worden, also einzigartig. In meiner Theorie sind Kulturen im allgemeinen und im besonderen (z.B. die verschiedenen Historienkulturen) als den Lebewesen sehr ähnlich aufzufassen. Außerdem sind alle Historienkulturen als Abweichungen (besonders in der künstlerischen Art bzw. Form) von der Menschenkultur zu verstehen, in die sie über ihre Modernen bzw. Zivilisationen allmählich wieder einmünden - allerdings auf jeweils andere, nämlich kulturspezifische Art und Weise. Insofern und auch aufgrund anderer Hypothesen, z.B. auch der über die „vorgeburtliche“ Existenz einer jeden Kultur, unterscheidet sich meine Kulturtheorie auch sehr von Spenglers Kulturtheorie.“ (Hubert Brune, Zur Definition von Kultur und Zivilisation, 2001 **). ** ** ** ** ** ** ** ** ** **

Von der plastischen, geradezu spannenden Gegenüberstellung der beiden Antipodenkulturen, lebt der UdA (**|**) ja vor allem. Das ist wirklich genial, und dann dazu noch die dritte (mittlere) zum Vergleich und als kühnes Konstrukt. Die Beschreibung der magischen Welt ist phantastisch.**

So ist es. Die Beschreibungen sind wirklich phantastisch!

Ich glaubte beim Lesen zu erkennen, daß Spengler vom damaligen Antisemitismus nicht nur kaum, sondern gar nicht infiziert war. Fast kam er mir als Philosemit vor (allerdings eher beschränkt auf das sephardische Judentum).**

Spengler war wie Nietzsche und wohl auch Goethe ein Anti-Antisemit - daß er sogar „Philosemit“ (**) war, wie Sie meinen, würde ich jedoch nicht unbedingt behaupten.

Später mehr!

Ich habe mich sehr gefreut über Ihre Antwort und hoffe auf eine neue!

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune

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28.11.2011, 21:30:00

Sehr geehrter Herr Brune,

ich habe mich sehr gefreut über Ihre so ausführliche Antwort. Heute abend komme ich nur zu ein paar kurzen Zeilen.

Danke für den Link zu ihrer eigenen Zivilisationstheorie (Kultur [!]; die Zivilisation ist in der Kultur enthalten; es ist eine Kulturtheorie [!**|**|**|**!]; nur Anglizismus-Süchtige verwechseln ständig Kultur mit Zivilisation [!**||!]; HB). Da habe ich gern ein bißchen herumgestöbert, noch nicht sehr gründlich. Die Chronologie der 8 Früh- Hoch-Spätformen kann ich bisher nicht richtig nachvollziehen. Einige Daten scheinen mir zu früh zu liegen. Aber später dazu mehr.

Wir hatten noch gar nicht über Spenglers genialsten (und auch verrücktesten) Entwurf gesprochen, den 9. Kulturkreis. Geschichtsschreibung für die Zukunft - da war ich perplex. Ich war ja gerade 18 Jahre alt geworden, als ich den 2. Band bekam (**). Und so schrieb ich tatsächlich eine Geschichte Rußlands des 3. Jahrtausends, nach dem allgemeinen Spenglerschen Schema. Die habe ich nicht mehr - ist alles verbrannt worden von meinen Eltern aus Furcht vor Hausdurchsuchungen. Spengler hielt sehr viel von der russischen Seele, er kannte sich ja aus, in den Deutschen Universitäten wimmelte es damals nur so von Russen (auch in den Sanatorien und Casinos).

Der verfluchte Bolschewismus als die stärkste aller Metamorphosen. Und damit vielleicht eine tödliche Dosis für die gerade entstehende russische Kulturseele? Vielleicht, aber ich bin da seit Jahren extrem skeptisch, da kommt nicht einfach eine neue Hochkultur, die unsere ablöst, sondern gar keine mehr.

Wir waren zu erfolgreich, haben den Planeten kulturell nivelliert und werden eine öde Brave New World hinterlassen. (Spengler würde allerdings sagen: na und, haben die Römer ja auch, auf nur viel kleinerer Fläche).

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29.11.2011, 10:33:40

Sehr geehrter Herr Boden!

Danke für Ihre Antwort.

Ich habe mich sehr gefreut über Ihre Antwort und ganz besonders über Ihre Ausführungen zum Thema „9. Kultur“. (**). Sie haben tatsächlich mit 18 Jahren mehr eine Geschichte über die eventuell kommende „russische Kultur“ geschrieben? (**). Auch das ist sehr interessant. Ich plädiere auch mehr für die Variante einer zukünftigen kulturellen Entwicklung, die Sie umschrieben haben, denn „da kommt nicht einfach eine neue Hochkultur, die unsere ablöst, sondern gar keine mehr. Wir waren zu erfolgreich, haben den Planeten kulturell nivelliert und werden eine öde Brave New World hinterlassen (Spengler würde allerdings sagen: na und, haben die Römer ja auch, auf nur viel kleinerer Fläche).“ (**). Richtig, denn wir Faustiker haben tatsächlich den Globus erobert, während die Apolliniker nur einen eher kleinen Bereich erobert und als ihr Weltreich angesehen haben.

Anteile an meiner
Kulturtheorie:

Anteile an meiner Kulturtheorie
Hubert Brune
O. A. G. Spengler
J. W. v. Goethe
F. W. Nietzsche
G. W. F. Hegel
A. J. Toynbee

Nun zu meiner Kulturtheorie (**|**|**|**):

Meine Kulturtheorie ist nicht unbedingt schon nach kurzem Überblick und kurzer Lektüre zu verstehen; sie ist aber für den geübten Einsteiger im Grunde kaum schwer zu verstehen; außerdem unterscheidet sie sich von Spenglers Kulturtheorie in einigen Aspekten kaum und in anderen Aspekten sehr. Ich zitiere mich selbst aus einer meiner WWW-Seiten:

„Meine Theorie über Kulturen (einschließlich deren Zivilisationen) ist zwar nicht unerheblich von Goethe und Nietzsche, also am meisten von Spengler beeinflußt, hebt sich aber trotzdem in gar nicht wenigen Aspekten von diesen ab, weshalb ich sie als doch ziemlich unabhängig bezeichnen möchte. Mein Konzept von den zwei menschlichen Kulturerscheinungen - quasi als den zwei Kulturbahnen - ist m.W. sogar bisher von niemandem sonst vorgestellt worden, also einzigartig. In meiner Theorie sind Kulturen im allgemeinen und im besonderen (z.B. die verschiedenen Historienkulturen) als den Lebewesen sehr ähnlich aufzufassen. Außerdem sind alle Historienkulturen als Abweichungen (besonders in der künstlerischen Art bzw. Form) von der Menschenkultur zu verstehen, in die sie über ihre Modernen bzw. Zivilisationen allmählich wieder einmünden - allerdings auf jeweils andere, nämlich kulturspezifische Art und Weise. Insofern und auch aufgrund anderer Hypothesen, z.B. auch der über die »vorgeburtliche« Existenz einer jeden Kultur, unterscheidet sich meine Kulturtheorie auch sehr von Spenglers Kulturtheorie.“ (Hubert Brune, Zur Definition von Kultur und Zivilisation, 2001 **). ** ** ** ** ** ** ** ** ** **

Ich habe auf den von Spengler angebenen Tafeln (**|**|**) meine jeweilige Sicht und Andersdatierung und -strukturierung erläutert. Ein anderer Text versucht zu erklären, warum meine Daten von Spenglers Daten abweichen (z.T. erheblich!):

»Erstes Datum« einer Kultur ist gemäß meiner Theorie nicht die Geburt, sondern die »Ur«-Geburt: die Zeit der Befruchtung oder - genauer gesagt - die Zeit der Schlüpfung. Spengler sah das anders, obwohl auch er im Hinblick auf Kulturen die Vorgeburtlichkeit berücksichtigte und von Schwangerschaft sprach. Er bezog sich aber mehr auf Kulturen zwischen Geburt und Tod. So weichen meine Daten für den Beginn einer Kultur von Spenglers Angaben stark ab. Spengler vermutete auch, daß beispielsweise Rußland im 18. Jahrhundert die Chance zur 9. Kultur verpaßt hätte: Fehlgeburt! Rußland hatte (noch) keinen Karl Martell (688-741) und auch (noch) keinen Karl d. Gr. (747-814). Die von Spengler angegebenen Daten bezüglich des »Beginns« abendländischer Kultur weichen von meinen um Jahrhunderte ab, denn meine Daten beziehen sich auf die Zeit um die »Ur«-Geburt herum und Spenglers Daten auf die Zeit um die Geburt herum. Wie bereits gesagt, hatte das Abendland seine »Ur«-Geburt bzw. »Schlüpfung« in der Zeit von 20 v.C. bis 150 n.C., zu jener Zeit also, als z.B. Kaiser Augustus herrschte, Hermann der Cherusker (Arminius) Rom besiegte, Jesus, Paulus und die Evangelisten lebten und wirkten. Die »Uterus«-Zeit, die ich auch die vor-/urkulturelle Zeit nenne, dauerte auch für das Abendland viele Jahrhunderte. Begriffe wie pränatal, perinatal, postnatal hat Spengler übrigens nie benutzt, aber er sprach von »Vorzeit«, und die ging für ihn mit einem wichtigen Datum zu Ende, das ich die Kulturgeburt nenne. Das Abendland hatte seine perinatale Zeit zwischen 732, als Karl Martell die Araber besiegte, und 774, als Karl d. Gr. das Langobarden-Reich eroberte. Karls Kaiserkrönung (800) war bereits die Abendland-»Taufe«.“ (Hubert Brune, Zur Definition von Kultur und Zivilisation, 2001 **). ** ** ** ** ** ** ** ** ** ** ).

Ich halte mich an klimatische, genauer gesagt jahreszeitliche Zyklen, in denen Lebewesen gewissermaßen gefangen sind (genau wie in ihrer Umwelt) - metaphorisch gesprochen: sie können ihnen nicht einfach entrinnen, aber genau das versucht der Mensch immer wieder (und zuletzt immer wieder scheiternd!). Kulturen folgen jahreszeitlichen oder auch tageszeitlichen Zyklen, weshalb in meiner Kulturtheorie die Phasen entsprechend eingeteilt sind: Uteruszeit oder Winter bzw. Nacht (3 Phasen: 0-2, 2-4, 4-6 Uhr), Kindheit oder Frühling bzw. Morgen (3 Phasen: 6-8, 8-10, 10-12 Uhr), Jugend oder Sommer bzw. Nachmittag (3 Phasen: 12-14, 14-16, 16-18 Uhr), Erwachsenenzeit oder Herbst bzw. Abend (3 Phasen: 18-20, 20-22, 22-24 Uhr). Ich erläutere das u.a. folgendermaßen:

Geschichte verläuft nicht nur linear, sondern auch zyklisch. Sie hat also auch Ähnlichkeit mit Kreisläufen oder Periodizitäten. Die Jahreszeiten und die Wiederkehr von Tag und Nacht sind kosmologisch bedingte Ereignisse. Und der „Faust“ des Abendlandes erfand kreisrunde Uhren, die nicht zufällig die halbierte Tageszeit anzeigen. Von 0 bis 12 Uhr leben wir im winterlichen und frühjährlichen Auf, von 12 bis 24 Uhr im sommerlichen und herbstlichen Ab. .... Kult-Uhr und Tierkreis sind meiner Meinung nach gut geeignet, Zyklus und Linearität der Geschichte so miteinander zu verbinden, daß Kulturgeschichte als das erscheint, was sie ist: eine spiralförmige Kreisbewegung um nur scheinbar lineare Punktbewegungen. Kult-Uhr und Tierkreis stehen aber auch für zwei gute Gründe, dem Ernst der Kulturgeschichte mit einer Prise Heiterkeit zu begegnen (vgl. Uhr-Konjunktuhr Konjunkturzyklen).“ (Hubert Brune, Urkultuhr, 2001 **).

Mir hat diese, meine Bildung einer Kulturtheorie Glücksgefühle und Spaß bereitet. Das gilt besonders für die Momente, in denen ich bemerkt habe, wie das alles - also auch und beonders das, was Spengler (noch) unberücksichtigt gelassen hatte - zusammenpaßt. Sie kennen das wahrscheinlich auch von ihrer Berufsarbeit her, doch ist das, glaube ich, doch noch etwas anderes, oder?

Wenn ich jetzt, da ich Ihnen schreibe, mich zurückerinnere an die Zeit, als ich meine Kulturtheorie am Computer schrieb - das war größtenteils im Jahr 2001 -, teilen sich mir diese Glücksgefühle, von denen ich eben sprach, wieder mit.

Freundliche Grüße!

Hubert Brune

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29.11.2011, 21:09:50

Danke Herr Brune, für die ausführliche mail mit den vielen Hinweisen und Links.

Mit all diesen pränatalen Phasen sollte ich mich mal beschäftigen. Sie sind auch ein sinnvolles Konzept, fangen aber bei Ihnen immer recht früh an.

Heute nur eine kurze Frage: Spengler vermutete für Rußland eine „Fehlgeburt“ im 18.Jh.? **

Das ist mir entgangen. Wo hat er das geschrieben? Tolles Ding, aber widerspricht eigentlich seinem sonstigen philosophischen Ansatz. Denn der Zufall, eine bestimmte Person taucht auf oder eben nicht, sollte doch nur diese Kultur an ihrer Oberfläche prägen und nicht ihre Biographie? Oder? Ein russischer Karl Martell hätte demnach die petrinische Pseudomorphose rückgängig machen sollen. Verstehe ich das richtig?

Dieses verflixte Thema der Chronologiesprünge (Phantomzeiten) lassen wir erst einmal beiseite, können es aber später mal diskutieren.

Bis demnächst.

Michael Boden

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02.12.2011, 19:11

Guten Tag, Herr Boden!

Danke für Ihre Antwort.

Zu Ihrer Frage:

„Spengler vermutete für Rußland eine „Fehlgeburt“ im 18. Jh.?“ **

Ich habe meinen Text dazu (**) momentan nicht exakt im Gedächtnis, aber ich glaube nicht, daß ich geschrieben habe, daß Spengler „eine »Fehlgeburt«“ in dem Sinne „vermutete“, wie ich selbst sie festgestellt zu haben glaube. Spengler hat sich anders ausgedrückt. Darum haben Sie wohl auch bemerkt: „Das ist mir entgangen. Wo hat er das geschrieben? Tolles Ding, aber widerspricht eigentlich seinem sonstigen philosophischen Ansatz.“ (**). Wahrscheinlich hatten Sie, als Sie sich wunderten, folgende Textstelle von mir gelesen: „Spengler vermutete auch, daß beispielsweise Rußland im 18. Jahrhundert die Chance zur 9. Kultur verpaßt hätte: Fehlgeburt! Rußland hatte (noch) keinen Karl Martell (688-741) und auch (noch) keinen Karl d. Gr. (747-814).“ (**|**). Sie haben ja auch selber schon die passende Antwort gegeben: „Ein russischer Karl Martell hätte demnach die petrinische Pseudomorphose rückgängig machen sollen. Verstehe ich das richtig? (**). Ja, das verstehen Sie richtig! Spengler meinte dazu u.a.: „Peter der Große ist das Verhängnis des Russentums. .... Es bestand die Möglichkeit, die russische Welt nach Art entweder der Karolinger oder der Seleukiden zu behandeln, altrussisch nämlich oder »westlich«, und die Romanovs haben sich für das letzte entschieden.“ (**). Das ist Ihnen u.a. entgangen!

Ich bin der Meinung, daß Rußland - als Kulturkreis (!) - wahrscheinlich so etwas wie eine „Fehlgeburt“ war bzw. ist, weil es die Möglichkeit zur „Geburt“ hatte, die dann aber - zuerst durch Zar Peter d. Gr. - unmöglich gemacht wurde. Für Spengler war Zar Peter d. Gr. „das Verhängnis des Russentums. .... Es bestand die Möglichkeit, die russische Welt nach Art entweder der Karolinger oder der Seleukiden zu behandeln, altrussisch nämlich oder »westlich«, und die Romanovs haben sich für das letzte entschieden.“ (**). Dies steht nicht zufällig im Kapitel „Pseudomorphose“ (**), wie Sie wahrscheinlich wissen (oder ist Ihnen das auch entgangen?). Auf meiner WWW-Seite „Fehlgeburt“ lautet mein Text dazu: „Dem Russentum erging es nämlich ähnlich wie rd. 2000 Jahre zuvor dem Arabertum. Denn ... auch die Seleukiden wollten ja lieber Hellenen als Aramäer um sich sehen. Für Spengler war klar: „Die Gründung von Petersburg (1703) zwang die primitive russische Seele erst in die fremden Formen des hohen Barock, dann der Aufklärung, dann des 19. Jahrhunderts.« (**).“ (Hubert Brune, Fehlgeburt, 2001 ** ).

Spengler faßte solche Entwicklungen bekanntlich unter dem Begriff „Pseudomorphose“ zusammen - ich tue das übrigens auch, wobei gemäß meiner Kulturtheorie die „Pseudomorphose“ auch (auch!) als „Schwangerschaft“ gedeutet werden kann, und die endet bekanntlich entweder mit einer „Fehlgeburt“ oder mit einer „Geburt“. Spengler hat all diese mammalischen Begriffe und Metaphern so nicht benutzt, aber er nahm z.B. an, daß Rußland seine „karolingische“ Zeit vertan hatte, was für mich bedeutet, es hatte seine „Geburt“ vertan, denn: die Karolinger des 8. Jahrhunderts stehen für die „Geburt“ des Abendlandes und die Seleukiden für die Verhinderung der „Geburt“ des Morgenlandes (der magischen Kultur „Arabien“), die dann unverhältnismmäßig spät (fast zu spät, jedenfalls unnormal!) doch noch erfolgte. Die Morgenländer sind „Spätgeborene“. Die Russen sind entweder (a) „Fehlgeborene“, (b) „Abgetriebene oder (c) „Spätgeborene“ - das wird uns die Zukunft zeigen (Sie und ich jedenfalls glauben ja beide nicht so sehr daran, daß noch ein 9. Kulturkreis entsteht)!

Die Verwestlichung Rußlands geschah also von Peter d. Gr. an und geschieht heute noch. Das ist - unter der Bedingung, daß eine Kultur auch wirklich entsteht - die „Pseudomorphose“ gemäß Spengler, die sich gemäß Brune auch (auch!) als „Schwangerschaft“ zeigt und (a) dann zu einer „Fehlgeburt“ führt, wenn der Kulturwerdungsprozeß im „Uterus“ abgebrochen bzw. die Kultur abgetrieben (!) wird, oder (b) dann zu einer „Geburt“ führt, wenn der Prozeß normal (im Sinne der Kulturgynäkologie) verlaufen ist und verläuft, oder (c) dann zu einer „Spätgeburt“ führt, wenn er zu lange dauert und trotzdem zur „Geburt“, nur eben zur späten „Geburt“ führt.

„Die bolschewistische Revolution ... schuf ein politisch-wirtschaftliches System, das im Westen nicht existieren konnte, im Namen einer Ideologie, die aus dem Westen stammte.“ (S. P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1993-1996, S. 222 **). Nach dem Ende der Sowjetunion haben sich die Verhältnisse geändert: seitdem nämlich hat man im Westen ein politisch-wirtschaftliches System, das aus dem Westen stammt, im Namen einer Ideologie, die aus dem Westen stammt, im Westen zwar nicht offiziell, aber dafür um so mehr inoffiziell existieren kann.

Immer noch und wieder und wieder ist es eine Mischung aus abendländischer und „eigener“ Kultur, die Rußland „gelingt“ - mehr nicht -, und das reicht für eine „Geburt“ nicht bzw. noch nicht. Es wird sich in Zukunft zeigen, ob Rußland eine „Fehlgeburt“ (siehe: a), eine „Abtreibung“ (siehe: b) oder eine „Spätgeburt“ (siehe: c) erlitt, erleidet, erleiden wird (und wenn nichts davon zutrifft, dann wurde, wird, wird werden: Rußland überschätzt!). Man sollte diesbezüglich im Gedächtnis behalten, wie Spengler die „Pseudomorphose“ definierte: „Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt.“ (**). Wenn man diese Definition berücksichtigt, dann ist meine Ableitung daraus, Rußland eher als eine „Fehlgeburt“ (siehe: a) oder „Abtreibung“ (siehe: b) denn als eine „Spätgeburt“ (siehe: c) zu deuten, mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig. Für eine normale „Geburt“ ist es für Rußland eh zu spät, denn es es existiert dafür schon zu lange im „Uterus“. Eine „Spätgeburt“ (siehe: c) ist mittlerweile aber unwahrscheinlich geworden, weil m.E. das zutrifft, was Sie in einem Ihrer Briefe auch schon geschrieben haben:

„Der verfluchte Bolschewismus als die stärkste aller Metamorphosen. Und damit vielleicht eine tödliche Dosis für die gerade entstehende russische Kulturseele? Vielleicht, aber ich bin da seit Jahren extrem skeptisch, da kommt nicht einfach eine neue Hochkultur, die unsere ablöst, sondern gar keine mehr. Wir waren zu erfolgreich, haben den Planeten kulturell nivelliert und werden eine öde Brave New World hinterlassen. (Spengler würde allerdings sagen: na und, haben die Römer ja auch, auf nur viel kleinerer Fläche).“ **

Wir erdrücken alles, wir lassen niemanden einen Raum zur kulturellen „Geburt“, viel stärker, als das die Römer getan haben, und zwar deshalb, weil wir wirklich den Globus erobert haben, ihn seitdem völlig ausplündern und expandieren müssen („»Ausdehung ist alles«“, wie Spengler - Cecil Rhodes zitierend - schrieb **). Da bleibt kein Platz für andere und anderes. Wir haben die nichtabendländischen Völker dazu verleitet, es uns gleichzutun, so daß sie zwar dasjenige an der abendländischen Moderne, was ihnen an ihr gefällt, übernommen haben, aber ihre Feindlichkeit gegenüber der abendländische Kultur trotzdem nicht abgelegt haben (anderslautende Nachrichten darüber sind Lügen). Die Zahl der nichtabendländischen Völker, insbesondere die in Afrika, West- und Zentralasien, nimmt exponentiell zu, während gleichzeitig die Zahl der abendländischen Völker und ihrer Ableger, insbesondere aber ihre Leistungsträger (die Mittelschicht!) exponentiell abnimmt. Es ist niemals die Quantität, sondern immer nur die Qualität, die darüber entscheidet, ob eine Entwicklung zu Höherem stattfindet oder nicht. Das heißt natürlich nicht, daß die Quantität (also in diesem Fall: die Menschenmasse!) die Herschaftsverhältnisse nicht umstürzen könnte - das kann sie nämlich sehr wohl (hierauf hat u.a. insbesondere Nietzsche hingewiesen) -, sondern das heißt, daß die Quantität und die Quantitativen die qualitative Entwicklung immer weiter nach unten ziehen, ja sogar immer mehr auch die Qualität bzw. die Qualitativen davon überzeugen können, die Qualität sei etwas Böses und müsse deshalb vernichtet werden, also: untergehen!

Das paßt ja auch zu dem, was Sie - obwohl in etwas harmloserer Variation vielleicht - geschrieben haben:

„Das hat mit dem intensiven Wahrnehmen von unglaublichen Verfallserscheinungen der gesamten abendländischen Welt zu tun. Es liegt fast Verwesungsgeruch in der Luft. Vielleicht liegt es nur an meinem Alter, aber mir kommt es so vor, als ob nicht nur künstlerische, sondern in steigendem Maße auch technische, wissenschaftliche und militärische Probleme nicht mehr gelöst werden, weil man es einfach nicht mehr »drauf hat«. Jemand schrieb mal, daß eine Rückkehr zum Mond als unnütz deklariert würde, weil man sich nicht eingestehen wolle, daß man so ein Projekt inzwischen nicht mehr bewältigen kann. Wenn eine Kultur stirbt, deren Ursymbol der grenzenlose Raum ist, muß das wohl auch so sein.“ **

Ja. Dem ist nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen. Haben Sie eigentlich eingermaßen gesicherte Quellen darüber, „daß eine Rückkehr zum Mond als unnütz deklariert würde, weil man sich nicht eingestehen wolle, daß man so ein Projekt inzwischen nicht mehr bewältigen kann“ (**) ?

Zum Schluß noch eine von mir schon früher gestellte Frage zu Ihrer Aussage: „Raumfahrt ist mein großes Hobby. Aber es scheint zu erlöschen. (das hat eben auch mit dem Untergang des Abendlandes zu tun).“ (**): Hat Ihr Hobby darunter gelitten, daß das Abendland untergeht, oder erlischt Ihr Hobby, weil die Raumfahrt aufgrund des Untergangs des Abendlandes ebenfalls untergeht? Ich habe Ihre Aussage eher bezüglich der letzteren Deutungsmöglichkeit verstanden, bin mir aber nicht ganz sicher.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Adventszeit!

Hubert Brune

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02.12.2011, 21:09:17

Guten Abend Herr Brune,

eben hatte ich eine längere Mail zu den Pseudomorphosen geschrieben und sie dann selbst zerschossen. Mist.

Jetzt also nur ganz kurz die Beantwortung einer Iherer Fragen:

Googeln Sie mal den Begriff Deutsche Raumfahrtgesellschaft. Wenn Sie dann auf der Seite gelandet sind, unter „Easy Space“ gucken. Von den dortigen Artikeln habe ich die meisten geschrieben.

Jetzt viel weniger Streß und Raumfahrtpessimismus, aber vor allem 2001-2006

Es grüßt

Michael Boden

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03.12.2011, 12:09:17

Sehr geehrter Herr Boden!

Zu Ihren Artikeln: Großartig! Sehr interessant! Ich habe bereits alle Artikel gelesen!

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03.12.2011, 17:25:51

Guten abend Herr Brune,

ihre Frage die Mondflüge betreffend: habe ich keine belastbaren Quellen, nur eine Meinungsäußerung ....

Eine interessante Antwortmail von unserem Professor Salzwedel sende ich noch. Er sieht das ähnlich aber differenzierter.

Guten Abend,

ich habe einen Artikel angehängt, auf den ich heute beim Surfen zufällig stieß und der mich etwas verstörte. Noch vor zehn Jahren hätte ich den Inhalt als falsch und überspannt bezeichnet.

Heute bin ich mir da nicht mehr ganz sicher (ob es mit dem Alter zusammenhängt oder doch mit der beobachteten Realität?)

Weiß nicht, schreibt mal Eure Meinung dazu.

Übrigens: meine Frau ist einige Tage in Valencia (angeblich um einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten), ich weiß es besser: Sie ist zur Abkühlung dort: nur 27° statt 31° wie in Kiel.

Es grüßt Euch alle

Michael Boden

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03.12.2011, 17:28:46

Hier noch die damalige Antwortmail von Salzwedel, er arbeitet in der Satellitenentwicklung. Mitglied in unserer Raumfahrtgesellschaft.

Betreff: Können wir nicht zum Mond fliegen?

Horst Salzwedel:

Ich glaube nicht, daß der Mensch sich in so kurzer Zeit fundamental änderen kann. Hier spielen sicherlich eine Reihe von Faktoren eine Rolle, wie:
der politische Entscheidungsprozeß;
der Bildungsprozeß;
der Entwicklungsprozeß, insbesonderee das Verstehen und die Methodiken zur Entwicklung komplexer multidisziplinärer Systeme;
der Entscheidungsprozeß in der Industrie.

Wir wären heute z.B. durchaus in der Lage, ein Apollosystem aus den 1960er Jahren in kürzester Zeit nachzubauen. Jedoch würde es heute erheblich länger dauern als in den 1960er Jahren, ein Apollosystem mit den heute üblichen eingebetteten Systemen und deren erheblich höheren Komplexität zum gleichen Sicherheitstandard zu entwickeln. Die Komplexität der entwicklungelektronischen Systeme wächst doppelt so schnell wie die Entwicklung der Komplexität/Fähigkeit der Elektronik. Den politischen Prozeß in Deutschland sehe ich als gelähmt an und wenig in der Lage, ein größeres Projekt zu beginnen. Die Kommunikation an den Hochschulen zwischen Fachdisziplinen ist unzureichend für die Entwicklung komplexer multidisziplinärer Systeme.

Wenn wir uns die Entwicklung zur ersten Satellitenlaunch in den USA ansehen, so wurde diese in Konkurrenz unabhängig vom politischen Prozeß vorangetrieben. Die Entscheidung und die Unterstützung für die Entscheidung für das Apolloprogramm wurden erheblich durch den Blick auf die Entwicklung in Rußland beeinflußt. Auch heute ist es in den USA meist so, daß neue Entwicklungen durch „Discretionary Funds“, die in vielen Lobors 30% ausmachen, durchgeführt werden und im politischen Prozeß nicht sichtbar sind.

In der Industrie sehe ich eine große Bereitschaft zwischen Entwicklungsingenieuren, neue Schritte zu unternehmen und neue Systeme zu entwickeln, aber: „Wir können das ja nicht entscheiden“. Im Topmanagement sehe ich in den führenden Industrien durchaus die Bereitschaft und den Willen, fundamental neue Schritte zu unternehmen. Doch scheitern die meisten Projekte am Mittelmanagement, wo häufig Leute sitzen, die zu ihrer eigenen Unfähigkeit aufgestiegen sind. Ich konnte eine Reihe von Fällen beobachten, wo Leute im Mittelmanagement ausgetauscht werden mußten, um wieder Fortschritte zu ermöglichen.

Eines der großen Probleme in unserem Schulsystem (Grundschule und Gymnasium) sehe ich darin, daß Fragen unterdrückt werden. Jedoch das Wichtigste für Forschung und Entwicklung ist die Frage und nicht das Lernen von Fertigkeiten, die sich für die Entwicklung von vor Jahrzehnten als nützlich herausgestellt hatten. Hier ist die Entwicklung vielleicht sogar rückläufig. Im letzten und diesem sind an der TU Ilmenau über 80% der Studenten in vielen Prüfungen durchgefallen. Wir sehen hier einen großen negativen Einfluß durch die Rollenspiele, die heute zwischen Schülern und Studenten sehr populär sind. Viele Schüler/Studenten sehen ihre Erfolge mehr in der virtuellen Welt und bemerken nicht, daß sie den Anschluß in der Realwelt verlieren. Wäre es vielleicht möglich das in der virtuellen Welt gewonnene Selbstvertrauen in Mut für Projekte in der Realwelt umzulenken?

Herzliche Grüße!

Horst

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Gerd Rauenbusch:

Vielleicht war Teil der Begeisterung, daß der Erfolg des Fortschritts für jeden persönich positiv spürbar war. Jeder konnte sich an sprunghafte Verbesserungen innerhalb weniger Jahrzehnte erinnern. Zum Beispiel die Schwierigkeit in den 1940-er und 1950-er Jahren, von A nach B zu kommen, und dann das eigene Auto mit nahezu unbegrenzter Freiheit!

An ein „Nicht Können“ kann ich nicht so recht glauben. Eher an eine Art Trägheit durch mangelnden äußeren Druck, eine Neigung die Nebenwirkungen und Probleme zu betonen als die Chancen anzugehen.

Vielleicht benötigen die meisten Menschen ... Druck/Streß, ein einfaches verständliches Ziel und die Aussicht auf schnellen Erfolg? Und Wettbewerb, eventuell ein Gefühl des Stolzes?

Unsere technisch/naturwissenschaftlichen Neuerungen liegen im Bereich der Elektronik, der Kommunikation, der Medizin. Eindrucksvoll, aber doch eher kontinuierliche Veränderungen für den einzelnen. Im Westen. In Asien sind die Änderungen in der Regel drastisch. Beinahe jedermann kennt noch einen niedrigeren Lebensstandard. Vielleicht auch daher die größere Dynamik.

Letztlich versuchte man, mit der Priorität „Apollo“ politische Probleme in den Hintergrund zu drängen. Andererseits ist die Setzung von Prioritäten eine Voraussetzung von Exzellenz. Heutzutage scheint die Prioritätensetzung schwierig bis unmöglich; alles scheint gleich wichtig. Vielleicht eine Folge unserer Ausbildung von Demokratie? ....

Meine These ist also, daß unser ... System ... Spitzenleistungen in einzelnen Feldern verhindert.

Erst mit Druck, einem „Gegner“, sind wir in der Lage, wieder fokussiert herausraghende Leistungen zu vollbringen. Das kann eine politische Situation sein (UdSSR, Irak-Krieg), oder eine natürliche (z.B. Energiemangel, abwendbarer Asteroideneinschlag, ...).

Insofern auch mit optimistischen Grüßen!

Gerd Rauenbusch

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06.12.2011, 13:52:00

Guten Tag, Herr Boden!

Vielen Dank erst einmal für Ihre schnelle Antwort mit dem interessanten Briefwechsel!

Folgende Aussagen halte ich für besonders bedeutsam:

„Hier spielen sicherlich eine Reihe von Faktoren eine Rolle, wie:
der politische Entscheidungsprozeß;
der Bildungsprozeß;
der Entwicklungsprozeß, insbesonderee das Verstehen und die Methodiken zur Entwicklung komplexer multidisziplinärer Systeme;
der Entscheidungsprozeß in der Industrie.“ (Horst Salzwedel).

„Die Kommunikation an den Hochschulen zwischen Fachdisziplinieren ist unzureichend für die Entwicklung komplexer multidisziplinärer Systeme.Wenn wir uns die Entwicklung zur ersten Satellitenlaunch in den USA ansehen, so wurde diese in Konkurrenz unabhängig vom politischen Prozeß vorangetrieben. Die Entscheidung und die Unterstützung für die Entscheidung für das Apolloprogramm wurden erheblich durch den Blick auf die Entwicklung in Rußland beeinflußt. Auch heute ist es in den USA meist so, daß neue Entwicklungen durch „Discretionary Funds“, die in vielen Lobors 30% ausmachen, durchgeführt werden und im politischen Prozeß nicht sichtbar sind.“ (Horst Salzwedel).

„Im Topmanagement sehe ich in den führenden Industrien durchaus die Bereitschaft und den Willen, fundamental neue Schritte zu unternehmen. Doch scheitern die meisten Projekte am Mittelmanagement, wo häufig Leute sitzen die zu ihrer eigenen Unfähigkeit aufgestiegen sind. Ich konnte eine Reihe von Fällen beobachten, wo Leute im Mittelmanagement ausgetauscht werden mußten, um wieder Fortschritte zu ermöglichen. Eines der großen Probleme in unserem Schulsystem (Grundschule und Gymnasium) sehe ich darin, daß Fragen unterdrückt werden.“ (Horst Salzwedel).

„Vielleicht eine Folge unserer Ausbildung von Demokratie?“ (Gerd Rauenbusch).

Wenn wir mit Spengler feststellen, daß unsere Kultur seit Beginn der Moderne untergeht und dies auch in Goethes „Faust“ genial beschrieben ist, so muß man sich doch fragen: Wer oder was ist denn primär verantwortlich für diesen ganzen nihilistischen Prozeß? Die Antwort - für mich - lautet: die Politik. Sie ist diejenige Instanz, die alles an sich reißt, Entscheidungen vorschreibt, anderen verbietet bzw. einschränkt und selbst zu keiner konstruktiven Entscheidung fähig ist - sogar dann, wenn sie wollte, aber das kommt ja noch hinzu: sie will ja gar nicht, jedenfalls nicht so richtig, und macht sich lieber abhängig von Finanzjongleuren, den „Cäsaren“, um es mit Spengler zu sagen.

Viele sagen „Demokratie“ und meinen etwas, was wenig oder sogar überhaupt nichts mit Demokratie zu tun hat: „Gleichheit“ oder „Gerechtigkeit“.

Der Egalitarismus (Kommunismus, Sozialiasmus u.s.w.) ist dabei - meiner Meinung nach - der größte Rückschritt zur Steinzeit, den man sich überhaupt denken kann. Ob heute grün, schwarz, gelb, rosa oder sonstwie lackierte Rote: es sind immer nur die gleichen Gleicheitswahnsinnigen, die eine Diktatur etablieren wollen, von der selbst Lenin und Stalin nicht einmal geträumt haben. Dazu kommt (leider!), daß seit dem Ende dieses Wahnsinnsprojekts in Mittel- und Osteuropa und Nordasien (Sowjetunion), also seit 1989/'90 die beiden bis dahin verfeindeten Weltanschauungen Kapitalismus und Komunismus - beide sind ja säkularisierte Religionen und Theologien der abendländischen Moderne, trotz der Tatsche, daß sich der eine mehr im nichtabendländischen Bereich (Sowjetunion) etablieren konnte (das Thema hatten wir ja schon; siehe: Rußland [**|**|**]) - wieder im Bündnis stehen wie schon von 1941 bis 1945, Nur daß es jetzt auch wirklich lange halten soll. Wir haben doch nämlich einen globalistischen („cäsarischen“ [Spengler]) Kapitalismus, der mit der Ausbeutung der Mittelschicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: einerseits macht er die Oberschicht enorm reicher und andererseits die Unterschicht zunächst ein wenig reicher, aber langfristig ärmer - und das alles auf Kosten der Mittelschicht, die er zerstört. Wenn die Globalisten („Cäsaren“ [Spengler]) die Mittelschicht zerstören, bricht die gesamte Leistungsträgerschaft zusammen. Und damit sind wir bei meiner Antwort auf die Frage: Warum lassen die Leistungen - wie eben z.B. in der Raumfahrt - nach? Wenn man nämlich die Mittelschicht zerstört, zerstört man alles, was eine Gemeinschaft zu leisten in der Lage ist; es leidet nämlich dann zuerst die Bildung (das erste Opfer - das hat auch schon die gelenkte Bewegung der „68er“ gezeigt), dann das Gesundheitswesen, das Sozialwesen u.s.w., irgendwann auch das Finanzwesen.

Überall da, wo wir heute sozialistische Umverteilungssysteme haben (unsere EU ist eine EUdSSR), stockt die Entwicklung: Bildung, Gesundheit, Soziales, Währung (siehe Euro, der im Grunde ein erweitertes Umverteilungssystem des Umverteilungssystems EU ist). Diese Umverteilung verläuft übrigens ja nicht, wie immer propagiert wird, primär nach unten, sondern nach oben, und zwar von der Mittelschicht aus, weil die (und nur die!) ausgebeutet wird! Denn ein Arbeiterproletariat gibt es ja schon lange nicht mehr! Das wurde tatsächlich ausgebeutet - im 19. Jahrhundert! Freie Marktwirtschaft? Wo und wann gab es das Freie daran denn wirklich zu einem wirklich hohen Prozentsatz? In Europa zuletzt im 19. Jahrhundert!

Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir auf Leistung setzen. Leistung kommt aber in untergehenden Kulturen nicht mehr aus der Oberschicht (wie in aufgehenden Kulturen), sondern nur noch aus der Mittelschicht. Alles andere ergibt sich daraus.

Auf einer Internet-Seite, die den Titel hat: „Die menschliche Leistungsfähigkeit erreichte vor 1975 ihren Höhepunkt und ist seitdem zurückgegangen“ (**), schrieb ich am 21.10.2010 einen Kommentar (**|**|**). Folgend Auszüge daraus:

„Die These, die menschliche Leistungsfähigkeit habe mit der Mondlandung (1969) ihren Höhepunkt erreicht und sei seitdem zurückgegangen, ist sehr interessant, aber meiner Meinung nach nicht ganz korrekt.

Die scheinbar abnehmende Leistungsfähigkeit ist nämlich meiner Meinung nach auf die in den abendländischen (westlichen) Staaten abnehmende Leistungsfähigkeit in der Politik zurückzuführen, weil sie, indem sie sich von der Wirtschaft, insbesondere der Finanzwirtschaft abhängig gemacht hat, die desolaten und dekadenten Strukturen der Gesellschaft herbeigeführt hat. Daß darunter auch Technik und Wissenschaft zu leiden haben, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Für diesen »Abwärtsspirale« ist die Moderne der abendländischen Kultur, ja die abendländische Kultur selbst verantwortlich. Bedeutet für viele Abendländer auch heute noch die Moderne eigentlich eher eine »Aufwärtsspirale«, so auch deswegen, weil für lange Zeit die negativen Nebenwirkungen nicht erkennbar waren. Doch schon seit Ende des 18. Jahrhunderts ist der Abwärtstrend sichtbar, der eigentlich nämlich sogar schon Ende des 15. Jahrhunderts begonnen hatte, aber noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts unsichtbar blieb.

Seit den Bürgerlichen Revolutionen (in den USA 1776, in Frankreich 1789 u.s.w.) schrumpfen der Anteil und vor allem die Macht der Adeligen, die bis dahin die meisten Leistungsträger hervorgebracht hatten; seit ungefähr 1870 schrumpfen zusätzlich der Anteil und teilweise auch die Macht der Großbürger, die bis dahin größtenteils den Adel abgelöst und sehr viele Leistungsträger hervorgebracht hatten; und seit ungefähr 1970 schrumpfen dazu auch noch der Anteil und teilweise, obwohl in nur geringem Ausmaß, auch die Macht der Kleinbürger, die mittels Aufstieg durch Bildung die Verluste der Großbürger und Adeligen ausgegelichen und ebenfalls sehr viele Leistungsträger hervorgebracht hatten.

Eine Schrumpfung ist besonders dann gefährlich, wenn neben der Quantität auch die Qualität sinkt. Durch Kompensationen (siehe oben) läßt sich der negative Effekt aufschieben, vermeiden, ja vielleicht sogar umkehren, allerdings immer nur für eine bestimmte Zeit. Es sind demographische, wirtschaftliche, politische, soziologische u.ä. Aspekte, die die gesamte Kultur einschließlich Technik und Wissenschaft dann vernichten können, wenn die entsprechenden Menschen an der Macht dazu nihilistisch genug sind.

Wenn Sie sich heute anschauen, wer oder was bei uns das Sagen hat - (1.) Finanz-Haie bzw. -Heuschrecken bzw. Organisationssysteme als der »Weltadel«; (2.) Politiker der UNO, EU, OIC, u.s.w. als »Staatsadel«, der die nationalen Staaten bis zu ihrer völligen Auflösung überwacht; (3.) »Dressuradel«, zu denen die nationalen Politiker gehören, solange noch Nationen existieren werden -, dann wird klar, warum »die als Liberalisten«, »Egalitaristen«, »Fraternitaristen« maskierten Nihilisten wollen, daß so leistungsfähige Menschen wie die faustischen Abendländer (vor allem die Deutschen!) verschwinden und/oder durch die Zuwanderer so stark beeinflußt werden, daß sie in Zukunft zu keiner Leistung und also auch zu keinem Widerstand mehr fähig sein werden.

Zukünftige Historiker werden, sofern es in der Zukunft überhaupt noch welche geben wird, über die Moderne ganz anders urteilen, als wir das heute noch tun. Ich meine nicht jene »Moderne-Kritik«, die schon so alt ist wie die Moderne selbst und zumeist auch eine »Technik-Kritik« war, ist und für die nahe Zukunft auch bleiben wird. Was ich meine, ist eine objektivere Sicht auf die Moderne, die dann mit der Erkenntnis gekoppelt sein wird, daß die Technik etwas zutiefst Menschliches ist, für das zu kämpfen sich immer lohnt. ....

Man kann auch evolutionstheoretisch argumentieren, wie es Leo (**) tut – v.a. mit den R- und K-Strategen. Doch diese sehr plausible Erklärung muß kulturgeschichtlich ergänzt werden.

Sowohl in der Evolution als auch in der Kulturgeschichte (als der »speziellen Evolution« sozusagen) überleben die R-Strategen in überwiegend »quantitativen« und die K-Strategen in überwiegend »qualitativen« Zeiten.“ (**|**|**).

Ich wüßte gern, wie Sie dieses Thema genau beurteilen, obwohl ich Ihre Beurteilung ja grob aus Ihren E-Nachrichten schon kenne.

P.S.: Ich wollte eigentlich auf Ihre Artikel zur Raumfahrt eingehen. Aber das werde ich noch nachholen, wenn es Ihnen recht ist.

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10.12.2011, 21:30:46

Guten Abend Herr Brune,

ich schmökere gerade wieder in Spenglers 2. UdA-Band (**|**), was ich seit 25 Jahren nicht mehr getan habe, und frische ein wenig auf. Auch etwas in den späteren Schriften.

Aber am 1. Januar 2012 werden Fördermittel für Häuslebauer wegfallen, und alle wollen jetzt noch einen Bauantrag stellen und brauchen dafür ein Bodengutachten. Ich habe so viel zu tun wie seit Jahren nicht mehr.

Melde mich also zwischen den Festen und denke bis dahin über Globalisten und Cäsaren nach.

Es grüßt

Michael Boden

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11.12.2011 20:11:00

Guten Abend, Herr Boden!

Es freut mich sehr, daß ich in Ihnen einen Menschen gefunden habe, mit dem man sich ausgiebig über Spengler und dessen sowie verwandte Themen austauschen kann.

Ich mag an Spenglers Hauptwerk (**|**) den ersten Teil übrigens etwas (aber nur etwas) mehr als den zweiten. Meiner Meinung nach hat Spengler die meiste seiner schöpferischen Energie in den ersten Teil seines Hauptwerkes gesteckt, während das meiner Meinung nach im zweiten hauptsächlich nur in zwei Kapiteln festzustellen ist:
im Kapitel „Städte und Völker“ (S. 656-783 **) und da besonders im Unterkapitel „Die Seele der Stadt“ (S. 656-687 **);
im Kapitel „Probleme der arabischen Kultur“ (S. 784-960 **) und da besonders im Unterkapitel „Historische Pseudomorphosen“ (S. 784-840 **).
Das letzte Kapitel („Die Formenwelt des Wirtschaftslebens“ [S. 1145-1195 **]) ähnelt dem 1919 erschienenen Buch „Preußentum und Sozialismus“ (**), wenn ich mich richtig erinnere - ich habe Spenglers Hauptwerk 2000 gelesen (vielleicht sollte ich ihn bald wieder lesen). Neben dem Hauptwerk sind meines Erachtens nach nicht viel weniger wertvoll:
„Preußentum und Sozialismus“ (1919 **);
„Jahre der Entscheidung“ (1933 **);
einige postum und einige nicht veröffentlichte Werke (**|**).

Aber ohne das Hauptwerk sind sie alle weniger wertvoll, d.h. - anders formuliert - ohne das Hauptwerk wären sie wahrscheinlich gar nicht geschrieben worden.

Ich hoffe, Sie haben genug und dennoch auch nicht zu viel zu tun.

Freue mich schon auf Ihre Antwort. Sie haben ja geschrieben: „Melde mich also mal zwischen den Festen und denke bis dahin über Globalisten und Cäsaren nach.“ **

Also bis dann und: Frohe Weihnachten!

Hubert Brune

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23.12.2011 21:53:00

Guten Abend Herr Brune,

ich bin jetzt ziemlich fertig mit den Nerven, aber die Arbeitstsunami zu Jahresende ist bewältigt. In den Tagen wird nur noch aufgeräumt und etwas herumgepusselt.

Dann komme ich wohl dazu wieder ein paar Zeilen zu schreiben.

Jetzt wünsche ich erst mal ein erholsames und freudiges Weihnachtsfest.

Ich als alter Heide feiere allerdings nicht die Geburt des Herrn, sondern die Sonnenwende. Bin ein Sonnenanbeter, allerdings nicht im Hochsommer, das ist wieder mal typisch!

Es grüßt

Michael Boden

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24.12.2011 20:11:00

Guten Tag, Herr Boden!

Vielen Dank für Ihre Antwort und Ihre Weihnachtsgrüße und Bild.

Auch Ihnen noch einmal ein frohes (heidnisches) Fest! Sie wissen ja: eigentlich ist Weihnachten gar kein christliches Fest, nicht das Fest der Geburt Christi, sondern ein germanisches Fest, das Fest der Wintersonnenwende - kalenderbedingt hat sich die ja mittlerweile um zwei bis zweieinhalb Tage verschoben.

Hubert Brune

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29.12.2011, 20:57:42

Guten Abend, Herr Brune,

vorgestern ist endlich eine Ruhephase eingekehrt, mit ein klein wenig (leichter) Bürotätigkeit.

Weihnachten habe ich so wenig gegessen wie noch nie und mir trotzdem den Magen verdorben - man wird alt, das muß man unter „komisch“ verbuchen .

Nicht komisch war hingegen , daß meine 88jährige Mutter ganz begeistert war von Heiligabend, mit all dem Licht und der Musik und Baum etc.. .... Sie wissen sicher, was ich damit meine!

Nun, wo fange ich an, bezugnehmend auf Ihre Mail vom 6. Dezember? **

Einfach mal am Anfang: Die Polititik sei verantwortlich für den nihilistischen Prozeß. **

Ja schon, ich sehe in der Politikerkaste, wie sie sich sich seit 30 Jahren (mindestens seit 20 Jahren) formiert hat, ein Erzübel, verantwortlich für fast alle Fehlentwicklungen in Westeuropa (die USA nehme ich da eher aus).

Diese Kaste wurde aber erst wirklich minderwertig als:
die Kriegsgeneration daraus ausschied;
endgültig die (auch ohne Politik) Lebensfähigen verschwanden (Industrielle, Kaufleute, Grundbesitzer, sondern lebensuntüchtige Parteisoldaten das Bild beherrschen.

Aber, was hätte Spengler dazu gesagt? Er hätte dies als oberflächliche Betrachtungsweise kritisiert. Diese Minderwertigkeit ist ja selbst schon ein Produkt des Erlöschens des Kulturwillens. Und, wie können denn fähige, sachkundige Politiker mit Augenmaß und Vernunft das Absterben einer Kultur verhindern?

Wie man ja oft sagt, haben wir die Politiker, die wir verdienen. Aber nicht einfach, weil wir sie gewählt haben - hätten eben andere wählen müssen. Nein, welche denn? Es kann ja gar keine besseren geben. Wenn eine Gesellschaft frohgemut den Weg der Nivellierung beschreitet, werden alle Gruppen mit Begabungspotential abgeschliffen. Es können nur noch stromlinienförmige Pappnasen aufsteigen. Wenn wir nicht gleichgeschaltete Medien hätten, gäbe es ein wenig Hoffnung.

„Finanzjongleure, d.h. ... »Cäsaren«, um es mit Spengler zu sagen.“ **

Das hat mich überrascht, hatte ich so noch nicht gesehen. Denn Spengler ging ja von richtigen Cäsaren aus, also Anführern, deren Gefolgschaft nicht Parteien, sondern Heere sind. Er hat sich da wohl getäuscht, er konnte das atomare Patt nicht voraussehen, welches den klassischen Krieg, auch den kleinen, unmöglich gemacht hat. Terrorismus konnte er auch nicht voraussehen. Den „Finanzjongleuren“ zollte er am Ende des UdA II (**|**) seinen Respekt, d.h. vor ihren Gehirnen und der Fähigkeit, die Welt in Geld zu denken und Geld aus dem Nichts zu erschaffen. Aber er verwies sie doch in die zweite Reihe. Siegen würden andere - imperiale Gestalten eben, mit ihren Heeren (sicher keinen nationalen, sondern planetaren Heeren). Aber so scheint es nicht zu kommen? Oder?

Was Sie zum „Egalitarismus“ (**) schreiben, dem stimme ich natürlich voll und ganz zu.

Unterschiede aller Art, Potentialdifferenzen, physikalische, chemische, biologische, soziologische Ungleichgewichte, machen unseren gesamten Kosmos aus. Alles, was es gibt, kann gar nicht verschieden genug sein. Die Einebnung ist eine Dummheit und ein Verbrechen. Sie bildet den Kern linken Denkens, wobei es ja putzig ist, daß Linke sich diesen Begriff als Etikett gefallen lassen, der ja im allgemeinen Sprachgebrauch nichts anderes bedeutet als: falsch herum, nicht vertrauenswürdig, nicht richtig tickend sein, auch verräterisch allem Eigenen gegenüber etc.. Warum sagen die nicht: „nein, wir sind in Wirklichkeit die Rechten, die Richtigen“? Sie genießen es eben, falsch herum zu sein.

Nun, hier mache ich erst mal einen Schnitt, es wird sonst zu lang.

Bis bald, und ein gutes Jahr 2012 wünschend (Weltuntergang am 21. Dezember 2012!)

Michael Boden

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30.12.2011, 20:16:39

Guten Abend, Herr Brune,

habe gerade Ihre lange Mail noch mal überfflogen und greife nur einen Punkt heraus: „Wenn Sie sich heute anschauen, wer bei uns das Sagen hat ....“ **

Ich weiß schon, wie Sie das meinen, nämlich wer da alles an die Stelle alter Führungseliten getreten ist. Aber das Sagen haben die genannten Gruppen ... eigentlich nicht. Das Sagen haben (um mit dem uns allen so fehlenden Johannes Gross zu sprechen) Lehrer und Theologen, bzw. eine Synthese aus beiden. Die geistige Stickluft ... kommt daher. Lehrer, moralisierende Pfaffen, Journalisten (davon 80 % links und grün, nach eigenem Bekunden) sind doch die Meinungsgeber und Sinnstifter. Was ist dagegen ein Josef Ackermann oder irgendein Großindustrieller? Nichts.

Aber ich will mich jetzt nicht aufregen, freue mich lieber auf Silvester.

Übrigens: In welchen politischen Blogs informieren Sie sich am liebsten? Können Sie mir da noch einen Tipp geben?

Ich „surfe“ am liebsten bei Zettel (steht ein wenig links von mir), Manfred Kleine-Hartlage (steht ein wenig rechts von mir), auch die Achse des Guten (Gähnachse ist ein klein wenig ungerecht), Cora Stephan, der grimmig-köstliche Karl Eduard, Calimero, bis vor zwei Jahren noch As der Schwerter, aber dann ist der Eisvogel leider abgetaucht (ich glaube aus Angst), und dann noch 2-3 andere. Spiegel Online lese ich nicht mehr. Welt Online zur Not. PI ist Bildzeitungsniveau.

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31.12.2011

Guten Morgen, Herr Boden!

Danke für Ihre Antwort(en)!

Um Ihnen ein wirtschaftlicheres Lesen zu ermöglichen, sind die Zitate und die Reaktionen darauf in unterschidlicher Farbe gekennzeichnet, wie folgt:

„Diese Kaste wurde aber erst wirklich minderwertig als: 1. Die Kriegsgeneration daraus ausschied“. **

Das ist u.a. ein sehr wichtiger Aspekt.

„2. Endgültig die (auch ohne Politik) Lebensfähigen verschwanden (Industrielle, Kaufleute, Grundbesitzer), sondern lebensuntüchtige Parteisoldaten beherrschen das Bild.“ **

„Aber, was hätte Spengler dazu gesagt? Er hätte dies als oberflächliche Betrachtungsweise kritisiert. Diese Minderwertigkeit ist ja selbst schon ein Produkt des Erlöschens des Kulturwillens. Und wie können denn fähige, sachkundige Politiker mit Augenmaß und Vernunft das Absterben einer Kultur verhindern?“ **

Das ist schwer nachzuvollziehen, nicht wahr? Aber Spengler hatte ja dafür die passende Antwort: Er unterschied z.B. zwischen „Dasein“ und „Wachsein“, und zum „Wachsein“ gehört der ganze Wahrheitsanspruch der Intellektuellen, Ideologen, kurz: der Nihilisten - das hat Spengler nicht genauso wörtlich gesagt wie ich jetzt hier, aber sinngemäß schon in etwa. Spengler war nicht grundsätzlich gegen das „Wachsein“ eingestellt, aber bezüglich der Kultur galt seine Präferenz doch dem „Dasein“, dem mit Leben und Tatsachen gefüllten Sein. Eine logische Schlußfolgerung aus Spenglers Feststellung, daß das „Wachsein“ im Laufe der Kultur immer stärker wird, bis es mit dem Beginn der Zivilisation das Dasein quasi überholt, immer mehr hinter sich läßt, es verdrängt u.s.w.. Um Ihre Frage direkt zu beantworten: „Fähige, sachkundige Politiker mit Augenmaß und Vernunft“ (**) können in der Zeit der Zivilisation, der Moderne, des Nihilismus gar nicht anders als das „Absterben einer Kultur“ (**) zu fördern und zu fordern, obwohl sie es durchaus ein wenig bremsen können, aber sie können es jedenfalls nicht „verhindern“ - also auch dann nicht, wenn sie es wollen. Das ergibt sich als logische Schlußfolgerung aus Spenglers Kulturtheorie, die ja methodisch auf Goethe zurückgeht und eine Kulturmorphologie ist.

Also: Es ist nicht möglich, den Untergang zu verhindern. Man kann ihn ein wenig verzögern, vor allem aber weniger bedrohlich oder sogar „angenehm“ (welch ein Sarkasmus, oder?) gestalten. Man kann ihn aber nicht verhindern. Ich sehe das genauso wie Spengler.

Wir im heutigen Abendland aber tun das Gegenteil: wir tun alles dafür, daß der Untergang immer gefährlicher wird - so, als würden wir dafür einen Siegerpreis bekommen. Das ist typisch faustisch! Auch in Sachen Nihilismus ist der Abendländer ein Faust! Dieses Thema hat Spengler meiner Meinung nach auch sehr gut und schlüssig beschrieben - eben: genial!

„Wenn eine Gesellschaft frohgemut den Weg der Nivellierung beschreitet, werden alle Gruppen mit Begabungspotential abgeschliffen. Es können nur noch stromlinienförmige Pappnasen aufsteigen.“ **

Genauso ist es. Das ist so traurig!

»Finanzjongleure, d.h. ... »Cäsaren«, um es mit Spengler zu sagen.« (**). Das hat mich überrascht, hatte ich so noch nicht gesehen. Denn Spengler ging ja von richtigen Cäsaren aus, also Anführern, deren Gefolgschaft nicht Parteien, sondern Heere sind. Er hat sich da wohl getäuscht, er konnte das atomare Patt nicht voraussehen, welches den klassischen Krieg, auch den kleinen, unmöglich gemacht hat. Terrorismus konnte er auch nicht voraussehen. Den „Finanzjongleuren“ zollte er am Ende des UdA II (**|**) seinen Respekt, d.h. vor ihren Gehirnen und der Fähigkeit, die Welt in Geld zu denken und Geld aus Nichts zu erschaffen. Aber er verwies sie doch in die zweite Reihe. Siegen würden andere, imperiale Gestalten eben, mit ihren Heeren (sicher keinen nationalen, sondern planetaren Heeren). Aber so scheint es nicht zu kommen? Oder?“ **

Gefolgschaft von Parteien oder Heere - der Unterschied ist unter bestimmten Aspekten gesehen gar nicht so groß (das Wort „Parteisoldat“ [**], das zuletzt Sie benutzt haben, deutet dies auch an). Es kann außerdem durchaus dahin kommen, daß die Globalisten (Cäsaristen - ob Politiker aus den etablierten Parteien oder Geldhaie aus den Banken) auf echte Heere angwiesen sein werden (die EU hat übrigens die Todesstrafe - sie ist juristisch fest verankert -, und das ist kein Unfall, also kein Zufall!) - man denke an Crassus, Pompejus, Cäsar u.v.a., die ohne ihr Geld nichts hätten anrichten können, wahrscheinlich nicht in die Geschichte eingegangen wären. Hier kommt wieder Spenglers genialer Gedanke zum Tragen: das Seelenbild und das Ursymbol der Abendländer. Faustische Menschen, also Abendländer übertreiben es gemäß ihres Strebens ins Unendliche auch mit dem Geld. Das hat es in anderen Kulturen in dem wahnsinnigen Ausmaß nie gegeben. Man denke nur an den wahnsinnigen Gedanken, daß Geld Geld schaffen soll, daß Geld aus dem Nichts entstehen soll, um zu erkennen, daß das scheitern muß; doch die USA bzw. die Geldhaie und andere Lobbyisten, die die dummen Politiker der USA auch damals schon beinflußten, setzten dieses sogenannte „Fiat-Money-System“ schon vor fast 100 Jahren ein, nämlich am 23.12.1913, als die „Fed“ gegründet wurde; dann wurde es mit einem neuen Vorhaben im Juli 1944 in Bretton-Woods versehen; und am 15.08.1971, als Nixon die Goldbindung aufhob („Nixon-Schock“), war der Wahnsinn komplett; doch 2009, als mit „Quantitativ Easing“ begonnen wurde (die Staatsschulden werden seitdem direkt, also nicht mehr über das Bankensystem aufgekauft), setzten sie dem sogar noch eine „goldene Krone“ auf.

Cecil Rhodes
Cecil Rhodes (1853-1902).

Richtig ist jedenfalls, daß Spengler die Geldwirtschaft nicht unterschätzt hat. Er hat auch Nietzsche kleingemacht für dessen fast fanatische Liebe zu den Borgias und den Machtspielen mittels Messer und Gift. Keine Borgias oder ihnen ähnelnde Gestalten, sondern Gestalten wie Shaws Undershaft seien die Übermenschen der Zukunft, und in Cecil Rhodes sah Spengler ja bekanntlich ein Beispiel für den ersten abendländischen Cäsaren. (**|**). Ich finde, daß er die heutige Entwicklung sehr gut vorhergesehen hat. Und wenn man genauer überlegt, muß man doch zu dem Schluß kommen, daß es wahrscheinlich richtig ist, wenn man sagt, die Politik und also der Staat hat es den Finanzhaien erst ermöglicht, solche skandalösen Geschäfte zu machen. Der Staat ist der Hauptverantwortliche! Erst danach kommen die Bankster. Aber direkt danach! Deshalb ist auch meiner Meinung richtig, daß Spengler die Finanzjongleure in die zweite Reihe verwies. Es ist doch so, daß ohne die entsprechenden Gesetze die moderne Finanzwirtschaft überhaupt nicht richtig funktionieren kann. Und wer macht Gesetze? Die Politiker - sie haben übrigens nicht zufällig fast alle als Juristen angefangen!

Ich finde es sehr schade, daß zu viele Menschen (besonders in den USA) einfach nicht kapieren, wie sehr sie - besonders auch als angebliche „Opposition“ - am Gängelband der Herrschenden zappeln. Das, was sie „bewegen“ wollen, ist genau das, was sie bewegen sollen. Die Politiker lachen darüber! Die gegenwärtige angebliche „Opposition auf der Straße“ bewirkt genau das Gegenteil dessen, was sie vorgibt, bewirken zu wollen. Sie bewirkt genau das, was sie gemäß der Erwartung der Herrschenden bewirken soll. Diejenigen, die die Marktwirtschaft kritisieren, kritisieren nicht den Hauptschuldigen, ja nicht einmal einen Schuldigen, denn (wie gesagt): der Hauptschuldige ist der Staat, besonders eben der egalitaristische (links-sozialistische u.s.w.); die Leute denken (und sollen denken [die Propaganda nicht vergessen!]), daß der Kapitalismus die Schuld habe und der Kommunismus (Egalitarismus u.s.w.) noch mehr als sowieso schon an die Macht gehöre; wegen der Propaganda und der eigenen Dummheit können sie einfach nicht kapieren, daß das genau der Weg ist, den unsere Herrschenden von ihnen erwarten, um schön weitermachen zu können. Nach unten hin „Gleichheit“ propagieren (obwohl, nein: weil es die sowieso nicht gibt), um nach oben hin schön weitermachen zu können mit dem Diebstahl, der Ausbeutung der Mitte. Wenn die da unten beschäftigt sind und sich an der Mitte rächen und die da oben die Mitte ebenfalls nur ausbeuten, dann gibt es ja keine echte Bedrohung mehr für die da oben. Die Mittelschicht muß unbedingt eine politische Vertretung bekommen, wie sie die Unterschicht seit dem Ende des 19. Jahrhunderts (in Deutschland sogar schon seit 1863 [ADAV, Vorläufer der SPD]) hat, denn die Mittelschicht hat heute keine Lobby mehr, die Unterschicht hingegen schon. Im 19. Jahrhundert war es umgekehrt. Im 20. Jahrundert erreignete sich dann der Wechsel zu den Verhältnissen von heute. Die Tendenz geht momentan dahin, daß es irgendwann keine Mittelschicht mehr geben wird, dafür aber eine gigantische Unterschicht und eine klitzekleine Oberschicht mit einem gigantischen Reichtum, der ihr alles ermöglicht, auch die biologische Abschaffung der dann 99% umfassenden Unterschicht.

Ich glaube ohnehin, daß es das ist, was sie wollen: die Reduzierung der Weltbevölkerung. Haben Sie daran auch schon einmal gedacht? Mir ist es egal, ob andere in dem Glauben daran eine Paranoia oder Verschwörungstheorie sehen - das kann man sowieso immer sagen -, und außerdem sind die Herrschenden selbst sowieso immer die größten Paranoiker und Verschwörungstheoretiker. Die Lügen wie z.B. die über das Klima, über die Kriege, über den Euro, über die EU, über die Geschichte, über die Kultur, über die Geschlechter, über die Intelligenz, über die Bildung, über den Islam, über das Fremde überhaupt, über ..., über ..., über... und die Krisen wie z.B. die der Finanz und die der Schuldwährungen Dollar, Euro u.v.a. (alle Teil des eben erwähnten „Fiat-Money-Systems“) sind für die Oberschicht genau das richtige Mittel, um ein solches Ziel (Reduzierung der Weltbevölkerung) zu erreichen. Nahrungsmittel werden dann nur noch per Bezugsschein zu bekommen sein - parallel dazu wird das Münz- und Papiergeld abgeschafft und dadurch die völlige Kontrolle über elektronische Karten erreicht werden -, während die Produktion von CO2 nur noch denjenigen erlaubt sein wird, die entweder eine elektronisch kontrollierte Erlaubnis haben oder möglichst wenig ausatmen. Da ja heute schon gilt, daß alles, was die Nationalsozialisten gemacht haben, falsch sei, ist es nur folgerichtig, daß „die Menschen“ (gemeint sind die, die nicht der Oberschicht angehören!) aufhören zu atmen, weil ja auch die Nationalsozialisten geatmet haben.

Es fällt jedenfalls auf, daß in allem, was unsere abendländische (und deswegen: globale) Oberschicht so macht, es immer nur dann einen Sinn ergibt, wenn man meine eben erwähnten Überlegungen miteinfließen läßt. Anderenfalls müßte man sich sofort fragen, wieso völlig Widersinniges - ob regional oder global - beschlossen und zumeist auch umgesetzt wird, obwohl nicht wenigen der Beschließenden das Widersinnige - als Wiedersinniges (!) - bekannt ist.

Was Spengler über den Nihilismus gesagt hat, ist ebenfalls in seiner Richigkeit unübertrefflich. Hierbei kommen auch das Seelenbild und das Ursymbol der abendländischen Kultur - wie eigentlich immer bei Spengler - ins Spiel, denn der faustische Nihilist strebt sogar bei seinen Möglichkeiten zur Selbstzerstörung in den Unendlichen Raum. Mag sogar sein, daß die gesamte Menschheit wegen der abendländischen Nihilisten aussterben wird. Nur abendländische Nihilisten sind dazu fähig. Zu den Globalisten gehören mittlerweile auch Menschen nicht-abendländischer Herkunft, doch das ist dafür nicht entscheidend, wie Sie wissen, denn laut Spengler sind diejenigen, die sich im nachhinein den abendländischen Verhältnissen angepaßt haben, abendländische Ableger.

Moderne

Moderne

Moderne

Eine Phase der Moderne Eine Phase der Moderne Eine Phase der Moderne
1789-1870 1871-1989 1990-..?..
Die heutigen Globalisten (Cäsar[ist]en) sind erst der Anfang dieser letzten modernen Phase der Abendlandkultur - das Ende kommt ja noch. Ich gehe ja von drei modernen (i.e.S.), den „herbstlichen“ Phasen aus:
1. Ehe oder Napoleonismus (10. Phase der Kultur [**|**]),
2.Krise oder Kampf ums Ei (11. Phase der Kultur [**|**]),
3.Befruchtung oder Cäsarismus (12. Phase der Kultur [**|**]).
Spengler hat eine solche Einteilung nicht vorgenommen. In mancherlei Hinsicht sehe ich die jeweiligen drei Phasen einer kulturellen „Jahreszeit“ auch gemäß Hegels Dialektik (Sie kennen sie wahrscheinlich, außerdem haben sie bis 1974, also 22 Jahre lang, in der DDR gelebt und wissen doch bestimmt, daß auch Marx Hegelianer war, allerdings - na, klar - ein Links-Hegelianer, und Hegels Dialektik voll übernommen hat). Ich greife die Parole der französischen Revolution - „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ (alle drei kann es nie wirklich geben) - auf und mache sie zu „Ismen“: „Liberalismus, Egalitarismus, Fraternitarismus“. In dieser Reihenfolge entsprechen sie fast genau den oben erwähnten Phasen - auch in zeitlicher Hinsicht, denn: (1.) der Liberalismus dominierte im 19. Jahrhundert, (2.) der Egalitarismus dominierte im 20. Jahrhundert, (3.) der Fraternitarismus dominiert im 21. Jahrhundert (und vielleicht darüber hinaus). Alle drei sind immer zugegen, wenn einer der drei dominiert; es dominiert immer nur einer der drei; Ausnahmezeiten sind die Zeiten des jeweiligen Überganges. So habe ich Hegel und Spengler zusammengebracht und kann argumentativ zweigleisig fahren - wenn ich will. Doch das will ich eigentlich gar nicht, und meistens brauche ich es auch nicht zu wollen.

Ob wir heute bereits in der letzten „herbstlichen“ Phase oder noch im Übergang zu ihr befindlich sind, wird erst in der Zukunft genau herausfindbar sein, aber eines ist schon jetzt klar: Die Dominanz des Egalitarismus ist vorbei. Was aber nicht heißt, daß er keine Rolle mehr spielt - ganz im Gegenteil: er wird jetzt als Hauptinstrument von denen eingesetzt, die ihn eigentlich selbst am meisten hassen müßten. Für die Oberschicht bleibt der Liberalismus (manche mögen ihn auch Kapitalismus nennen) dominant („aufgehoben“ würde Hegel sagen); für die Mittel- und Unterschicht ist nun der Fraternitarismus dominant - und weil die zuzsammen 99% ausmachen, ist der Fraternitarismus auch insgesamt dominant (der Liberalismus, sprich die Oberschicht profitiert ja von ihm); für die Unterschicht bleibt der Egalitarismus (manche mögen ihn auch Kommunismus nennen) scheindominant („aufgehoben“ würde Hegel sagen), obwohl auch sie zunächst profitiert (Stichwort: Umverteilung) - bis die Mittelschicht und damit auch der Fraternitarismus verschwunden sein wird. Wenn Mittelschicht und Fraternitarismus verschwunden sein werden, wird auch die Moderne verschwunden sein. Die Kultur jedoch wird dann noch bestehen können, allerdings nur in vollendeter, erstarrter Form.

Ich glaube, daß auch Hegel in bestimmter Hinsicht recht hatte: Die Thesis bringt selbst, weil sie verneint werden kann und also auch wird, die Antithesis hervor; die Antithesis bringt, weil sie ebenfalls verneint werden kann und auch wird, die Synthesis hervor.

Das von mir zuvor erwähnte „Aufheben“ bedeutet in der Dialektik Hegels, der Mehrdeutigkeit des Wortes entsprechend, „bewahren“, „vernichten“/„negieren“, „emporheben“. Das in der Thesis Gesetzte wird in der Antithesis aufgehoben, d.h. negiert, und dann durch Negation der Negation von neuem gesetzt, jetzt aber auf einem erhöhten, über den Ausgangspunkt der dialektischen Bewegung emporgehobenen Niveau. Daraus ergibt sich die Synthesis, die die Thesis in erhöhter Form in sich bewahrt, d.h. aufhebt.

Wahrscheinlich wissen Sie das alles sowieso. Na, ja: wenn ich Ihnen zuviel schreibe, dann teilen Sie es mir ruhig mit.

„Was Sie zum »Egalitarismus« (**) schreiben, dem stimme ich natürlich voll und ganz zu.“ *

Danke!

„Unterschiede aller Art, Potentialdifferenzen, chemische, biologische, physikalische, soziologische Ungleichgewichte, machen unseren gesamten Kosmos aus. Alles was es gibt, kann gar nicht verschieden genug sein. Die Einebnung ist eine Dummheit und ein Verbrechen. Sie bildet den Kern linken Denkens, wobei es ja putzig ist, daß Linke sich diesen Begriff als Etikett gefallen lassen, der ja im allgemeinen Sprachgebrauch nichts anderes bedeutet als: falschherum, nicht vertrauenswürdig, nicht richtig tickend sein, auch verräterisch allem Eigenen gegenüber etc.. Warum sagen die nicht: „nein wir sind in Wirklichkeit die Rechten, die Richtigen“? Sie genießen es eben, falsch herum zu sein.“ **

Sie genießen es, und sie wissen, daß ihnen sehr viel Macht erwächst, wenn sie mittels Lüge (!):
die Masse der Bevölkerung in Dummheit halten und im Laufe der Zeit immer dümmer machen;
den anderen, weniger massigen Teil der Bevölkerung psychiatrisieren oder - je nach Zeitgeist - töten;
den mittelschichtigen Teil der Bevölkerung ausbeuten und dadurch immer mehr Abhängige produzieren;
den federleichten Teil (die Oberschicht) der Bevölkerung erreichen, denn: selbstverständlich wollen sie die Macht!
Aber wie oben schon erwähnt: Die Egalitaristen haben heute nicht mehr die Möglichkeit wie noch im 20. Jahrhundert, ihre Vorstellungen entsprechend ihrer totalitären Ideologie umzusetzen. Auch der Liberalismus kann das so nicht mehr. Denn keiner der beiden dominiert heute allein. Was allein dominiert, ist der Fraternitarismus. Die Egalitaristen müssen also noch mehr lügen und heucheln als ihre Vorgänger (hört sich das für Sie unglaublich an?). Und das tun sie auch. Deshalb wird plötzlich z.B. immer mehr über die „Öko“-Argumentation gelogen und geheuchelt. Hinter dem Ausdruck „Grün-lackierte-Rote“ z.B. steckt diese Wahrheit. Ganze Lügen-„Industrien“ sind in den letzten Jahrzehnten - in der Übergangszeit vom Gleichheitswahnsinn (Egalitarismus) zum Brüderlichkeitswahnsinn (Fraternitarismus) - entstanden.

„Weltuntergang am 21. Dezember 2012!“ **

Ja, und an dem Tag habe ich - ausgerechnet (!?!) - Geburtstag. Ich bin um ca. 1 Uhr geboren, wenn ich also Glück habe, erlebe ich meinen 56. Geburtstag noch, denn der Untergang wird ja wohl frühestens morgens, vielleicht auch nachmittags oder am wahrscheinlichsten wohl abends passieren, wie es sich für Untergänge gehört. ....  –  Spaß beiseite.

Ein mit Glück und Gesundheit gesegnetes neues Jahr wünsche ich Ihnen!

Hubert Brune

P.S. Auf Ihr „Nachgeschobenes“ antworte ich später. Soll ja nicht alles so lang werden, oder?

***

31.12.2011, 13:09:00

Hallo, Herr Boden!

Hier nun doch noch die Antwort auf Ihr „Nachgeschobenes“:

Was ich am 6. Dezember 2011 mit dem Satz darüber, „wer oder was bei uns das Sagen hat“ (**), gesagt habe, war schon etwas anders gemeint, als Sie es offenbar, wenn ich Ihre Aussage richtig gedeutet habe, verstanden haben, denn Sie sagten u.a.: „Das Sagen haben (um mit dem uns allen so fehlenden Johannes Gross zu sprechen) Lehrer und Theologen, bzw. eine Synthese aus beiden“ (**). Ich meinte das gesamte finanzpolitische Globalsystem und ihre Funktionäre, zu denen alle unsere Politiker und zuletzt eben auch jeder Beamte (z.B. die Lehrer, von denen sie zu Recht mit Widerwillen gesprochen haben) u.s.w. gehört, denn: wer sie bezahlt (die effektiven Steuerzahler, also die Mittelschicht), ist aus deren Sicht: der Staat (in Wirklichkeit hat der gar kein Geld, sondern das Geld, das er „hat“, hat er der Mittelschicht geklaut). So denken die meisten Menschen: sie glauben, der Staat bezahle sie und sei der Vernunfts- und der Gutmensch. In Wahrheit ist er (jedenfalls heute) eher so, wie Hobbes ihn im 17. Jahrhundert schon beschrieben hat: als ein gieriges und dummes Monster. Wenn diese Leute, von denen Sie gesprochen haben, zu „80 % links und grün, nach eigenem Bekunden“ (**), sind, dann deshalb, weil sie es sein müssen und/oder weil sie käuflich sind. Der Staat entläßt sie sonst, gibt ihnen sogar Berufsverbot u.s.w.. Diese „Lehrer, diese moralisierenden Pfaffen, diese Journalisten“ (**) u.s.w., die Sie erwähnt haben, sind Hörige und Mitläufer. Sie tun es entweder nicht gerne, müssen aber, weil ihnen die Entlassung droht, oder - und das betrifft wohl die Mehrheit von ihnen - sie haben sich daran gewöhnt (sie sind ja eh keine selbständigen Menschen) und verlangen sogar nach noch mehr Instruktionen, erleben dieses Verlangen aber als ein „selbstinszeniertes Revolutionsgefecht“, steigern sich immer mehr in die Rolle des „Gutmenschen“, dürfen dabei mit staatlicher Unterstützung ihren vollen Haß auskotzen u.s.w., tun es also gerne, bekommen viel Geld und immer mehr Geld dafür, werden immer mehr, fühlen sich immer stärker und sind im Grunde nichts als Mitläufer, diese willigen Vollstrecker. Solche dummen Leute leben gar nicht richtig!

Was ich sagen will, ist etwas Ähnliches wie das, was ich heute schon einmal geschrieben habe (im letzten E-Brief **): der Betrug über das erwähnte Schuldgeld funktioniert nur, wenn die Gesetze, die Politiker (!) beschließen, es zuzulassen. Also haben die Politiker die Hauptschuld. Ähnlich in diesem Beispiel: Beamte, Pfaffen (auch die, besonders die evangelischen) und Journalisten und viele andere können herausgenommen werden aus ihrem beruflichen Leben oder anders bestraft werden. Sie werden gefügig gemacht. Ich war selbst ’mal Beamter - und habe freiwillg aufgehört, die enormen Privilegien als Beamter zu genießen. Ich war auch schon ’mal Unternehmer, und in gewisser Hinsicht bin ich es heute noch (jedenfalls: Selbständiger, allerdings mit keinem hohen Einkommen mehr). Das Leben ist mir wichtiger als die steuer- oder lohnabhängige Arbeit, die in der heutigen Wirklichkeit fast nur noch eine Abhängigkeit vom Staat bedeutet - also auch dann, wenn man nicht beim Staat direkt beschäftigt ist. Ich bin nicht aus meiner Biographie heraus auf diesen Staat schlecht zu sprechen. Grundsätzlich habe ich gar nichts gegen den Staat. Im Gegenteil. Ich sehe ihn fast wie Hegel. Als Hegel lebte, war es richtig, für den Staat zu sein (er hat ihn ja sogar zu etwas Göttlichem erhoben). Aber dieser, der heutige Staat? Nein, danke! Eine Staatsquote von über 50%, manche sagen sogar schon: 70%. Im 19. Jahrhundert lag sie im Durchschnitt bei rd. 10%, in Krisenzeiten nie mehr als rd. 14% (**|**|**). Kein Wunder, daß der heutige Staat sich so verhält, wie er es tut.

Was das Informieren im Internet angeht, so muß ich Ihnen sagen (es wird sie wahrscheinlich überraschen), daß ich nur selten das Internet zur Information nutze, aber im Vergleich zu anderen Möglichkeiten dann doch schon am meisten. Es ist etwas Grundsätzliches: Ich lehne die heutigen Medien fast ganz ab, versuche sie zu boykottieren, wo es geht. Wenn ich fernsehe, dann nur Dokumentationen. Und wenn ich im Internet surfe, dann um etwas zu recherchieren oder bei Blogs zu kommentieren. Ich kann Ihnen offenbar keinen Tipp geben. Oder doch? Schauen sie doch einfach in mein Verzeichnis der „externen Seiten“ (**). Ich habe auf diesen Seiten auf andere WWW-Seiten verwiesen und weiß zum Teil gar nicht mehr, wer oder was sich dahinter verbirgt. Da muß ich wohl mal aufräumen. Daran können Sie eben sehen, daß in Hinsicht auf das Internet die Nachfrageseite bei mir klein ist, die Angebotseite dagegen groß.

Ich bin natürlich schon interessiert an Informationen und Austausch im Internet, aber ... es ist eben auch viel Schrott dabei.

Noch einmal: Ein mit Glück und Gesundheit gesegnetes neues Jahr wünsche ich Ihnen!

Hubert Brune

***

31.12.2011, abends

Guten Abend, Herr Brune,

ich habe ihre beiden Mails gestern gründlich durchgelesen. Ja, sie sind sehr lang, aber nicht zu lang, wie Sie befürchteten. ....

Falsifizierbar muß jede Hypothese (Theorie) schon sein, sonst ist sie ja ein hermetisches Konstrukt wie die Psychoanalyse oder der Marxismus, Rudolf Steiners Anthroposophie und manch anderes. Da bin ich doch etwas von Popper beeinflußt. Wenn nämlich ein Historiker doch mal nachweisen könnte, daß es mindestens eine Phantomzeit (614-911) gegeben hat, aber vielleicht auch noch frühere, dann würde zumindest ein Stein aus Spenglers Gedankengebäude herausgebrochen sein, nämlich die postulierten rund 1000 Jahre.

„Die EU hat übrigens die Todesstrafe“ (**) - das interessiert mich. Wie kommt das? Ist das neu?

„Die Abendländer übertreiben es“ (**) - das ist wohl wahr. Meden agan war ja auch der Wahlspruch unserer Antipoden.

Zettel ist übrigens lesenswert, er hat interessante Kommentatoren, ein anspruchsvoller Blog. Zettel ist Naturwisssenschaftler (ca. 69 Jahre, liberalkonservativ .... Ich habe seit 2007 sehr viel bei Ihm gelernt).

Bis bald.

Michael Boden

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