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Textauszüge aus Briefen und E-Briefen

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 2005  3
2006 12
2007 9
2008 0  
2009 0  
2010 9
2011 42
2012 139
2013 105
2014 205
2015 65
2016 151
2017 187
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- 2018 -

 Ausgewählte Texte aus Briefen und E-Briefen
A (HB) und O
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HB und JB
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A (HB) und AD
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HB und MB
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HB und RB
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HB und TW
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HB und NN
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NACH OBEN

A (Arminius [HB]) und O (Obe)

03.01.2018, 03:00

Arminius,

Leaving to the Phillippines tomorrow am, as I promised I will try to send You photos if not, then some verbal description possibly.

My friend You may not realize what You mean to me.

 

 

NACH OBEN

HB und JB (Josef Brune)

09.01.2018, 20:36

Bei Robert Plant bzw. Led Zeppelin finde ich das Aufeinander-abgestimmt-sein - das „Arrangement“ - zwischen dem Sänger und dem Schlagzeuger sehr gut. Der Schlagzeuger von Led Zeppelin ist ja schon 1980 gestorben - an dem eigenen Erbrochenen erstickt -, weshalb sich die Gruppe sogleich aufgelöst und später nie wiedervereinigt hat. Die Bandmitglieder haben sich nicht gestritten, wie es sonst so üblich ist bei Musikern, die das 30. Lebensjahr überschritten haben, sondern sie haben sich einfach sinngemäß gesagt: „ohne unseren Schlagzeuger geht es nicht“. Das spricht für die gute Zusammenarbeit zwischen ihnen und insbesondere, so meine ich jedenfalls, zwischen Plant und Bonham. Plants Stimme ist fast wie eine Elektrogitarre einsetzbar, und er hat sie hauptsächlich in Übereinkunft mit Bonham eingesetzt, wie ich finde. Das ist ziemlich einzigartig und wahrscheinlich auch nur dann möglich, wenn man eine solche Stimme und einen damit regelrecht „abgestimmten“ Schlagzeuger hat. Diese gute „Abstimmung“ funktionierte auch mit den anderen Mitgliedern von Led Zeppelin, nur sehe ich das nicht als „Einzigartigkeit“, denn das haben andere Bands auch getan. Page ist sowieso ein guter Gitarrist, also ist es kein großes „Ding“, mit ihm musikalisch zu fuktionieren, und Jones kann mehrere Instrumente ziemlich gut spielen, ist also vielseitig einsetzbar.

Roger Waters von Pink Floyd ist für mich von seinem Charakter her der „Pink-Floyd-John-Lennon“, weil er über alles, was ihm auf der Seele brennt, schreibt und singt und derjenige war, der die Trennung von Pink Floyd provozierte. Das meine ich jetzt nicht wertend, sondern faktisch. Die Beatles und die Pink Floyd haben ja auch im selben Haus ihr Tonstudio gehabt, und Waters hat vielleicht auch etwas von Lennon abgeguckt und vor allem abgehört; aber das ist nicht das, was ich hauptsächlich meine, wenn ich sage, er sei der „Pink-Floyd-John-Lennon“. Ich meine damit einerseits den vergleichsweise „unbequemen Störenfried“, der seine Seele „befreien“ will und dabei auch vor politisch riskanten Themen nicht zurückschreckt, sowie andererseits den „rockigeren“ Gitarristen der Musikgruppe. Beides Charkterzüge, die auch oder sogar noch mehr auf John Lennon zutreffen. Die anderen Bandmitglieder sind ausgeglichenere Typen, haben mehr für den Zusammenhalt der jeweiligen Musikgruppe - ob Beatles oder Pink Floyd - getan, was harmonischer wirkt, aber auch die Gefahr in sich birgt, zu „berechenbar“, ja zu „monoton“ zu werden. Ein eher „eigenartiger“ („individueller“) daherkommender Musiker ist offenbar auch nötig in einer Musikgruppe. Er darf nur nicht zu „eigenartig“ sein. Das wäre dann schon eher „negativ“ zu bewerten. Zwischen „Eigenartigkeit“ und „Einzigartigkeit“ gibt es eben nur einen schmalen Grat.

 

 

NACH OBEN

A (Arminius [HB]) und AD (Arcturus Descending)

15.03.2018, 03:00

I hope that all is well with you and your family, Arminius.

I have noticed that you have not been in here for quite some time now although people do at times take breaks from ILP for different reasons. Hopefully that is all that is going on with you. I have just been a wee bit concerned about you.

So, take good care of yourself. Hope that you are o.k.

That's all.

Arc

***

15.03.2018, 22:02

Thank you very much for your private message, Arcturus Descending.

Everybody is doing well here, yes, thank you.

I have been taking a break from ILP since 27 December 2017.

Take good care of yourself.

Thank you very much.

***

16.03.2018, 02:24

Thank you for your response, Arminius.

I am glad that all is well with you and yours.

Enjoy your break from ILP. How often I have thought of taking one myself.

Stay well,

Arc

 

 

NACH OBEN

HB und MB (Michael Boden)

14.11.2018, 19:31

Guten Abend, Herr Brune,

Sie haben sicherlich Thomas Wangenheims Blog über Spengler verfolgt?

Ich habe Ihn erst vor 3-4 Tagen entdeckt!

Was halten Sie von ihm?

Hochintelligent und extrem gebildet ist er sicher.

Es gibt da ein Foto mit „Vatermörder“, wo er aussieht wie ein Wiedergänger des jungen Spengler. Lustig.

Seit ein paar Wochen wache ich langsam aus der 10 Jahre währenden geistigen Betäubung durch Arbeitsüberlastung auf.

Studiere jetzt ein bißchen Ozeanographie und autodidaktisch auch chinesische Geschichte.

Gruß aus Kiel

Michael Boden

***

16.11.2018, 00:29

Ich grüße Sie sehr herzlich, Herr Boden.

Besonders groß ist meine Freude darüber, daß Sie sich - nach fast 2 Jahren (!) - wieder gemeldet haben.

Thomas Wangenheim

Erst vor rund zweieinhalb Stunden, also am 15.11.2019 um etwa 22 Uhr, hatte ich das Glück, wieder einmal eine Nachricht von Ihnen zu lesen. Danke! Bis dahin hatte ich noch nie etwas von einem Menschen mit dem Namen Thomas Wangenheim gehört oder gesehen, wohl aber von einem Menschen mit dem Namen Andreas von Wangenheim, doch den meinen Sie ja nicht. Zwar kenne ich mittlerweile einen Film von Thomas Wangenheim, weiß aber nicht, welchen Blog Sie meinen, Herr Boden.

Es folgt ein Verweis zu dem gerade erwähnten Film von Thomas Wangenheim: https://www.youtube.com/watch?v=GISdLx_CARo .

Liebe Grüße.

Hubert Brune

***

16.11.2018, 17:38

Guten Abend, Herr Brune,

danke für den Film, damit hatte ich Wangenheim entdeckt.

Blog habe ich einfach so, geschrieben, meinte damit seine Videos und das Hörbuch.

Faszinierend.

Mathematiker, Physiker, Musiker, Historiker, das macht richtig neidisch.

Bei seiner Beschreibung der magischen Seele und der Pseudomorphose sind mir ein paar Punkte aufgefallen, die mich irritierten. z.B die Stellung von Byzanz.

Ich werde mir den ganzen Film lieber doch noch mal anschauen um da sicher zu gehen.

Gruß aus Kiel

Michael Boden

***

16.11.2018, 21:13

Guten Abend, Herr Boden.

Sie fragten mich, was ich von Thomas Wangenheim halte.

Als ich gestern, am 15.11.2018 um etwa 22 Uhr Ihren E-Brief vom 14.11.2018 um 19:31 Uhr (**) las, wußte ich noch gar nichts von einem Menschen mit dem Namen Thomas Wangenheim. Aber schon eine Stunde später, also am 15.11.2018 um etwa 23 Uhr wußte ich schon etwas mehr über ihn (**). Darum bedanke ich mich noch einmal für Ihre Information, Herr Boden.

Thomas Wangenheim
Thomas Wangenheim ist 1980 geboren (**), 100 Jahre nach Oswald Spengler, und man kann ihn sicherlich einen Spenglerianer nennen, sogar selbst dann, wenn er oder jemand anders damit nicht einverstanden wäre. Er geht davon aus, daß sich Architekturstile in ihrer Ausdrucksweise wie These und Antithese abwechseln, vor allem so, daß auf viel Ornamentik Glattheit, auf Glattheit wieder viel Ornamentik folgt. Diese Abwechslung sieht er auch in philosophischen/wissenschaftlichen und „gesellschaftlichen“/politischen Gebieten. Seine Vorgehensweise ist eine auf Goethes Morphologie zurückgehende Methode, die natürlich kein anderer als Spengler geschichtsphilosophisch begründet hat, die Kultur vorstellend als Leibnizsche Monade bzw. ein „System“ (durchaus im Sinne der erst nach Spenglers Tod entwickelten Systemtheorie, besonders im Sinne der ab den 1960er Jahren von Niklas Luhmann entwickelten Version [**]), das selbstbezogen ist und bleibt, so lange es existiert. Mit anderen Worten: Wangenheim ist Spenglerianer. Ja.

Bild

Wangenheim kritisiert zwar Spenglers Einschätzung der magischen Kultur im Zusammenhang mit der „Pseudomorphose“, versteht diesen Zusammenhang aber nicht richtig. (**). Denn Spengler hat nicht gemeint, daß die gesamte magische Kultur eine „Pseudomorphose“ - sprich: eine „Pseudokultur“ (wie Wangenheim dann auch falsch schlußfolgert [Vgl. Thomas Wangenheim im Film]) - sei, sondern daß sie mit ihren Formen, wie ich sage, nicht zur rechten Zeit „zur Welt kommen“ konnte, daß sie also ihre „Geburt“ aufschieben, aber eben nicht aufgeben mußte. Sie ist eben später zur Welt gekommen. Wangenheims Einschätzung, daß Spengler Gründe hatte, um das „Pseudomorphose“-Konzept im Zusammenhang mit der magischen Kultur einzuführen, ist zwar richtig; trotzdem ist sie noch kein Beweis dafür, daß dieses Konzept und vor allem der Zusammenhang, in dem es gebraucht wurde, falsch sind. Sie sind jedenfalls dann nicht falsch, wenn man Spenglers morphologische Kulturheorie richtig versteht. Wangenheim selbst hat ja auch Gründe dafür, daß er diesen Aspekt in Spenglers Geschichtsphilosophie nicht berücksichtigt.

Eine andere Sache ist die Problematik des Anfangs, die ich mit meiner Kulturtheorie ja dadurch löse, daß ich für den Anfang jeder Kultur eine Ur-/Vorkulturform annehme, die Ähnlichkeit mit dem Leben im Uterus oder im Ei oder (bei Pflanzen) unter der Erde hat und nicht direkt beobachtet werden kann - von menschlichen Fähigkeiten, dieses über technische Hilfsmittel dann doch zu tun, muß hier natürlich abgesehen werden, weil die ja selbst schon zur Kultur gehören. Ein Lebewesen im Uterus ist von außen nicht beobachtbar, und selbst in der letzten Phase der Schwangerschaft, wenn es sich bereits mit seinen Bewegungen am Körper der Mutter abzeichnet, ist es selbst in seiner ganzen Kontur nicht von außen beobachtbar.
Davon auszugehen, daß eine Kultur ziemlich plötzlich erscheint, ist vielen Menschen zwar eher suspekt, paßt aber im Falle Spenglers ganz genau zu dem, was er mit Hilfe der Mathematik - speziell: der Geometrie - (re)konstruiert hat: „die Zeit gebiert den Raum“ (**). Auch für Wangenheim sind die Mathematik und die Zeit diejenigen Phänomene, von denen man ausgehen muß. Wangenheims Buch mit dem Titel „Kultur und Ingenium“ hat nicht umsonst den Untertitel „Eine fraktale Geometrie der Weltgeschichte“. (="Thomas ="Thomas). Doch Wangenheim will - ob aus rein ästhetischen Gründen oder nicht - auf seinen Dreierschritt „Ägypten-Antike-Abendland“ kommen, bei dem die magische Kultur nur stört (**). Trotzdem überzeugt er mit vielen seiner Deutungen. Und, Herr Boden, Sie wissen ja bereits (**), daß auch meine Kulturtheorie von der Spenglers abweicht, teilweise sogar erheblich. Aber Wangenheim fragt sich, warum Spengler zwei Kulturen, nämlich die byzantinische und die germanische Kultur, übersehen habe. (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Spengler hätte ihm geantwortet, daß diese schlichtweg nie existiert hätten. Für Wangenheim ist die von ihm „Transfomationskultur“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) und von mir bekanntlich „Vor-/Urkultur“ genannte germanische Kultur die „Vor-/Urform“ (nach meiner Terminologie) der faustisch-abendländischen Kultur. Das beurteile ich genauso, und zwar schon seit langem, nämlich seit einer Zeit, in der Wangenheim noch gar nicht geboren war. Meine Kulturtheorie ist also viel älter als seine.

Ich muß Wangenheims Buch nicht gelesen haben, um zu wissen, worum es ihm geht. Wenn er beispielsweise auf seinen Dreierschritt „Ägypten-Antike-Abendland“ kommen will, dann muß er eine irgendwie zu gewährleistende Kontinuität in diesem historischen Schritt berücksichtigen, und dabei stört die magische Kultur, wie schon gesagt (**).
Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Drei Kulturen gemäß dem Kultur-Ingenium-Modell. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.
Er muß also so etwas wie eine „Übergangskultur“ oder wenigstens eine „Form des Übergangs“ annehmen, um die Kontinuität beim Dreierschritt „Ägypten-Antike-Abendland“ gewährleisten zu können. Dies zwingt ihn geradezu, aus Spenglers „Pseudomorphose“ eine „Pseudokultur“ zu machen, um sie als „überflüssig“ erscheinen lassen zu können. Er mißbraucht Spengler insofern, als daß er Spenglers Aussagen - wahrscheinlich absichtlich (!) - einer falschen Deutung unterzieht, sie also falsch darstellt oder zumindest verzerrt. Das ist nicht nur unseriös, sondern auch unwissenschaftlich. Ihnen, Herr Boden, kann es ja vielleicht ganz recht sein, wenn als gesichert gelten kann, daß die magische Kultur eine Pseudokultur oder Phantomkultur, also keine Kultur war und ist, denn Sie liebäugeln ja eh ein wenig mit Illigs „Phantomzeit“-Theorie, gemäß der es die Zeit von 611 bis 900 gar nicht gegeben haben soll. Da die Phantomzeit Ihnen ja, wie Sie damals sagten, „chronologische Bauchschmerzen macht“ (**) und im Falle ihrer Gültigkeit die „magische Kultur selbst ziemlich unbedeutsam machen“ (**) würde, würden Sie doch Ihre Bauchschmerzen und Herr Wangenheim eine Störung in seiner Kulturtheorie loswerden oder wenigstens abmildern können (). Für Thomas Wangenheim ist die germanische Kultur diejenige Kultur, die, von der antiken Kultur ausgehend, in die abendländische Kultur mündet, sie begründet. Das könnte er direkt von mir abgeschrieben haben. Aber nicht ich, sondern er muß deshalb die magische Kultur verleugnen. Gemäß meiner Kulturtheorie sind die antik-apollinische und die magische Kultur die „Eltern“ der abendländischen Kultur; denn das Abendland trägt Teile sowohl der antik-apollinischen als auch der magischen Kultur in sich. Also muß es einen Kontakt oder - mit Luhmann gesagt - eine gegenseitige „Interpenetration“ gegeben haben. Das, was da zwischen der antik-apollinischen und der magischen Kultur abgelaufen ist, nenne ich „Ehe“, die auch eine „Schwangerschaft“ bedeutet (je nachdem, von welchem Blickpunkt aus man es betrachtet), von der die abendländische Kultur als die „im Uterus existierende Kultur“ ebenfalls betroffen war. Über diese Zeit im kulturellen „Uterus“ wissen wir nicht sehr viel. Doch das ist überhaupt nicht tragisch. Wangenheim aber muß die für seine Kulturtheorie sich ergebende Lücke dadurch schließen, indem er die Existenz der magischen Kultur schlichtweg verleugnet. Diese Verleugnung ist jedoch argumentativ kaum aufrechtzuerhalten. Sie wäre nur unter zwei Bedingungen keine Verleugnung mehr: (1.) wenn jedes magische Kultur(ur)symbol (wozu bekanntlich auch die magische Architektur gehört) gar kein magisches Kultur(ur)symbol wäre, (2.) wenn Illigs Phantomzeit-Theorie richtig, die Zeit zwischen 611 und 900 zu streichen wäre. Aber: Glauben Sie sowohl an die die Nichtexistenz der magischen Kultur als auch an die Phantomzeit, Herr Boden?

Übrigens habe ich Wangenheims Blog mittlerweile gefunden. Werden Sie in dem Blog kommentieren, Herr Boden?

Gruß an Kiel.

***

17.11.2018, 16:49

Ja, danke für Ihre so treffenden Ausführungen, Herr Brune,

genau das mit der Pseudomorphose hatte mir auch Bauchschmerzen verursacht. Er weicht da eben von Spengler ab, oder hat ihn mißverstanden.

Und mit dieser sog. Germanischen Kultur (Franken, Goten, Burgunder, Langobarden, Dänen, Sachsen ..., weiß Gott was nicht alles noch) kann man eigentlich nichts anfangen (Urvölker nach Spengler).

Den Blog werde ich erst mal aufmerksam studieren, danke.

Einen schönen Abend wünschend

M. Boden

***

17.11.2018, 22:11

Guten späten Abend, Herr Brune,

ich habe jetzt mal im Blog von Wangenheim geschmökert.

Viele gute Sachen gefunden z.B. über den IQ von Weißen und Juden (sind das keine Weißen?) u.a..

Aber auch über Kassel. Niederschmetternd! Kassel kenne ich nur von 2-3 Straßenbahnfahrten. Kein Elyseum, keine Augenweide, aber halbwegs ok..

Ich glaube, mich zu erinnern, dass Sie in Kassel leben, stimmt das? Oder täusche ich mich?

Können Sie seine Meinung bestätigen?

Habe vor zwei Wochen meine alte Heimat, Leipzig, besucht. Ich war angenehm überrascht, selbst in diesem von Links-Nazis verseuchten Stadtteil Connewitz, war es erträglich und angenehm urban.

Gruß aus Kiel.

Michael Boden

***

17.11.2018, 22:18

Guten Abend, Herr Boden.

Ich hoffe, es geht Ihnen gut, so daß Sie noch einige Zeilen von mir ertragen können.

Sie sprachen von einem „Foto mit »Vatermörder«, wo er aussieht wie ein Wiedergänger des jungen Spengler“ (**). Können sie darüber mehr erzählen, Herr Boden?

Wie gesagt: Ich habe erst am 15.11.2018 um etwa 22 Uhr zum ersten Mal den Namen Thomas Wangenheim gelesen (**). Seitdem - also seit etwas mehr als 47 Stunden - habe ich ihn nur auf Fotos und in einigen Filmen gesehen und dabei einige Aussagen von ihm gehört. Mir ist aber gleich aufgefallen, daß er dem Autor Spengler etwas ungerecht gegenübertritt. Wenn man das Werk eines Autors kritsiert, sollte man schon ein wenig Vorwissen und auch berücksichtigt haben, worum es dem Autor in seinem Werk geht und was er erklärend zu seinem Werk im Werk sagt. Ein Beispiel:
„Zum Schlusse drängt es mich, noch einmal die Namen zu nennen, denen ich so gut wie alles verdanke: Goethe und Nietzsche. Von Goethe habe ich die Methode, von Nietzsche die Fragestellungen, und wenn ich mein Verhältnis zu diesem in eine Formel bringen soll, so darf ich sagen: ich habe aus seinem Augenblick einen Überblick gemacht. Goethe aber war in seiner ganzen Denkweise, ohne es zu wissen, ein Schüler von Leibniz gewesen.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1918, S. IX **).
Daß Spenglers Kulturen Monaden sind, geht über Goethe auf Leibniz, nämlich auf Leibniz‘ Monadologie zurück; daß es in Spenglers Kulturtheorie Urformen wie z.B. Ursymbole gibt (**), geht auf Goethes Morphologie der Pflanzen zurück; daß Spengler aus Nietzsches „Augenblick einen Überblick“ machen konnte, geht auf Nietzsches Philosophie zurück.

Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Der Wechsel von Kultur und Ingenium. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.
Zyklen im Zyklus der kulturellen „Jahreszeiten“
Zyklen im Zyklus. Modell der kulturellen „Jahreszeiten“. Vgl. Hubert Brune, Jahreszeiten, 2001.

Wenn Wangenheim seine und Spenglers Geschichts- und Kulturphilosophie vergleichen will, aber nicht bereit ist, Spenglers Geschichts- und Kulturphilosophie so zu respektieren, wie Spengler es als Autor verdient hat, dann vergleicht er Äpfel mit Birnen, dann läuft er jedenfalls Gefahr, Spenglers Philosophie zu verunstalten, zu mißbrauchen, um seine eigene Philosophie aufwerten zu können. Wenn er aber Spenglers Geschichts- und Kulturphilosophie nicht richtig verstanden hat, dann ist er von dem Vorwurf dieser Verunstaltung und dieses Mißbrauchs befreit - aber eben nur davon, denn der Vergleich von Äpfeln und Birnen ist dann immer noch gegeben, beruht dann aber auf einem Mißverständnis. Ich glaube, daß Wangenheim Spenglers Philosophie ein wenig mißversteht und auch ein wenig mißbraucht, um seine eigene Philosophie aufwerten zu können. Warum? Um die Frage zu beantworten, muß man ein wenig Vorarbeit leisten: Wangenheims Theorie geht von einem Wechsel von Kultur und Ingenium aus, der wie ein Wechsel von These und Antithese verläuft. Auch ich habe einen Wechsel von These und Antithese in meiner Theorie berücksichtigt, wie Sie wissen, Herr Boden. Darin enthalten ist natürlich auch die Synthese. Mit anderen Worten: Hegels Dreierschritt ist in meiner Theorie enthalten. Es ist nicht ganz einfach, Hegels Philosophie mit Spenglers Philosophie in Einklang zu bringen - aber ... es geht. Hegel kann man immer gebrauchen. Aber auch ihn sollte man nicht mißbrauchen. Doch das geschieht schon seit etwa 1800. Ich weiß nicht, ob es Wangenheim bewußt ist, daß zumindest ansatzweise Hegels Philosophie in seiner Philosophie steckt. Jedenfalls orientiert sich Wangenheim auch an den Architekturstilen, geht also von Formen aus. Das hat Spengler bekanntlich auch getan. Zu Spenglers Zeit war das nicht außergewöhnlich, denn es war auch die Zeit des Symbolismus. Die Ursymbolik, die Wangenheim zumindest teilweise kritisiert, ist aus ganz bestimmten Gründen in Spenglers Philosophie enthalten. Wenn Wangenheim das mit mehr Respekt berücksichtigt hätte, wäre er etwas vorsichtiger gewesen mit seiner Kritik (Vgl. Thomas Wangenheim im Film):
1.) Spenglers Kulturen sind Leibnizsche Monaden. Für Spengler war Goethe ein Gott und philosophischerseits ein Leibnizianer.
2.) Spenglers Kulturen sind Formen, Gestalten, die einer Formanlyse bzw. Morphologie zu unterziehen sind, was wieder auf Goethe, nämlich auf Goethes Morphologie zurückverweist.
3.) Spenglers Konzept der Ursymbolik zufolge steckt das Ursymbol in allen Äußerungen einer Kultur, also kann man es auch an den Architekturstilen erkennen.
4.) Spenglers Konzept der Pseudomorphose (**) ist also ebenfalls im Zusammenhang mit eben der Form und also auch dem Ursymol einer Kultur zu sehen.
Wangenheim hätte nur ins Museum oder nach Arabien, Kleinasien und Südeuropa fahren müssen, um zu sehen, daß bestimmte Gebäude in Altarabien bis zu einer bestimmten Zeit noch römischen, also antik-apollinischen Stils, zu einer bestimmten späteren Zeit aber schon arabischen, also magischen Stils, und bald darauf auch in Altgriechenland, etwas später sogar auch in Altitalien magischen Stils waren.
„Das Meisterwerk aber, die früheste aller Moscheen, ist der Neubau des Pantheon durch Hadrian, der hier sicherlich, weil es seinem Geschmack entsprach, Kultbauten nachahmen wollte, die er im Orient gesehen hatte (**).“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1918, S. IX **).
Im Zuge der nächsten Jahrhunderte wurde unter den genuin antik-apollinischen Gebieten zunächst Altgriechenland und dann, womöglich von dort ausgehend, auch Altitalien immer „magischer“. Und wer Bilder aus dem späteren Byzanz sieht, der erkennt darin gerade nicht antik-apollinische, sondern eindeutig magische Bilder. Daß Rom zuletzt doch nicht magisch wurde, hat dann allerdings wirklich mit den Germanen zu tun, was auch ich immer wieder betone. Es gab zwar magische Einflüsse auch noch zur Zeit Karls des Großen (architektonisches Stichwort: Karolingik [**]), aber das Abendland wurde bald danach kulturell selbstbewußt, während das Morgenland (Magienland) sich selbst immer mehr zerriß, also damals das tat, was heute das Abendland tut.

„Nachfolgekulturen“ und „Übergangskulturen“ kann es in Spenglers Kulturmorphologie nicht geben. Byzanz ist geradezu der beste Beweis dafür, daß es eben mit dem antik-apollinischen Griechenland nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hatte. Wangenheim bezieht sich nur auf die Philosophie, nicht aber auf andere Phänomene, um seine Kritik mit Argumenten zu untermauern, die nicht ausreichen, um Spengler das zu unterstellen, was er ihm unterstellt (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Die magische „Welthöhle“ konnte sich als Form sehr wohl ausbilden, allerdings erst spät, und der Grund für diese Verspätung ist die Pseudomorphose. Und wenn Wangenheim für die magische Kultur sogar Fellachenvölker behauptet (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), dann bestätigt er ja dadurch sogar - ungewollt natürlich - die Existenz der magischen Kultur. Wangenheims Unterstellung, daß Spengler den Begriff „Pseudomorphose“ nur benutzt habe, um seine „Ursymboltheorie zu retten“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), ist falsch. Falsch ist auch die Behauptung Wangenheims, daß Spengler die magische Kultur „Pseudomorphose nennt“ (Thomas Wangenheim im Film), denn richtig ist, daß Spengler diese Kultur als eine beschrieb, die während ihrer Entstehungszeit - d.h.: nur während ihrer Entstehungszeit (!) - unter pseudomorphen Bedingungen stand, und mit dieser Beschreibung auch die Möglichkeit für ein weiteres Beispiel dieser Art gab: die russische Kultur. Von der russichen Seele behauptete Spengler, daß ihr dasselbe Schicksal widerfahren könnte, wie es einen Zyklus (rd. 2150 Jahre) zuvor der magischen Seele widerfahren ist. Das wissen Sie ja auch, Herr Boden. Gemäß Spenglers Kulturtheorie wartet die russische Kultur noch auf ihre Chance. Er war sich nicht sicher, ob es ihr gelingen würde, trotz ihrer Pseudomorphose, die mit Peter dem Großen begonnen hat, zur Welt zu kommen oder nicht. Die magische Kultur jedenfalls schaffte es in der Zeit vom 2. bis zum 4. Jahrhundert nach Christi Geburt, im Osten vielleicht schon zwei Jahrhunderte früher.
„Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1918-1922, S. 801 **).

Das, was Wangenheim über die Germanen sagt, unterstütze ich allerdings. Ich kenne seine Deutung natürlich nicht genau, weil ich erst seit etwas mehr als 47 Stunden von ihm und seinen Sprachproduktionen etwas weiß, so daß ich ich nur meine eigene Deutung wiedergeben werde.

Arminius (Hermann)
Arminius (Hermann)
Arminius (Hermann)
Arminius (Hermann)
Die Germanen waren die Gründer der abendländsichen Kultur. Ohne die Germanen hätte es die faustische Kultur nie gegeben. Und damit meine ich eben auch schon die Germanen aus der Zeit des Arminius. Warum? Hätte Arminius die Römer nicht besiegt, wäre auch der von ihm befreite Teil Germaniens römisch geworden. Ohne den freien Teil Germaniens hätte es aber eine kulturelle Alternative zur apollinischen gar nicht mehr geben können - jedenfalls nicht in Europa und nicht zu der Zeit, in der es notwendig war -, weil mit Germanien ja fast ganz Europa römisch geworden wäre, was auch bedeutet, daß die Anzahl der römischen Germanen mit der Zeit aufgrund der römischen Dekadenz stark gesunken wäre. (Demographie beachten!) Unter der tatsächlichen Bedingung aber konnten zwar nicht die römischen Germanen (also die in den römischen Provinzen Germania superior und Germania inferior), wohl aber die nichtrömischen Germanen aus dem freien Teil Germaniens später Rom erobern und gerade aus dem Motiv heraus, Römer werden zu wollen, etwas „Anderes“, nämlich die faustische Kultur, mehr und mehr zur Geltung bringen, obwohl sie schon Arminius - allerdings mehr aus Zufall als aus Absicht - begründet hatte. Das ist bei der geschlechtlichen Zeugung genauso: zuerst entscheidet der Zufall; dieser Zufall wird dann selektiert in dem Sinne, daß der Körper gemäß dem genetischen Programm aufgebaut wird. Dabei spielen Kontrollgene eine Rolle. Das faustische Abendland als die soeben befruchtete „Kultureizelle“ mit dem „kulturgenetischen Programm“, aus einem römischen Widersacher (Arminius, der als befruchtende „Kulturspermie“ erfolgreich war) einen faustischen Abendländer zu machen, wurde direkt nach seiner Befruchtung von den Germanen als den „Kulturkontrollgenen“ gesteuert. Wenn wir von diesem metaphorisch durchsetzten Text wieder zurückübersetzen in den mehr prosaischen Text, können wir sagen: Der Gründervater der faustischen Kultur war kein anderer als Arminius; die Germanen gründeten die faustische Kultur.

Cheruskergehöft
Cheruskerhaus
Daß die Motive des Germanen Arminius mit den Motiven der späteren Germanen nicht im Einklang, sondern sogar im Widerspruch standen, ist gerade einer der wichtigsten weiteren Bausteine für die faustische Kultur. Eine Kultur braucht den Zufall und die Auslese, auch und gerade durch Widerspruch. So wird aus „Entstehensunwahrscheinlichkeit Erhaltenswahrscheinlichkeit“ (Niklas Luhmann). Durch Zufall bzw. Kontingenz sowie Abweichung und Abweichungsverstärkung kommt es zur Auslese, bei der auch der Widerspruch eine große Rolle spielt. Arminius mußte also etwas tun, was teilweise schon zu seiner Zeit, aber ganz sicher später immer mehr von den meisten Germanen eher verneint als bejaht wurde: Widerstand gegen die Anpassung an Rom. Wäre aber der von Arminius befreite Teil Germaniens auch - und zwar zur Zeit des Arminius - römisch geworden, hätte die Zahl der Germanen aufgrund der römischen Dekadenz, also des Wohlstands und der daraus folgenden Tendenz zur Kinderlosigkeit in den nächsten Jahrhunderten stark abgenommen und dann die Eroberung des bereits größtenteils christlich gewordenen Roms seitens der bereits ebenfalls größtenteils christlich gewordenen Germanen sich nicht ereignen können. (Es gab zu den Germanen keine Alternative!) Diese Germanen wollten ihre Freiheit nicht mehr gegen Rom, sondern mit Rom und in Rom verteidigen. Im Römischen Reich lebten ja zu der Zeit ohnehin kaum noch echte Römer. Aber es gab in Rom eben noch die (Artefakte der) Zivilisation, was anziehend auf die Germanen wirkte.

Dies sage ich eigentlich schon seit sehr langer Zeit, wie gesagt, wahrscheinlich sogar schon seit Ende der 1960er Jahre, also lange bevor Wangenheim geboren wurde (1980).

Gruß an Kiel.

***

17.11.2018, 23:40

Guten Abend, Herr Boden.

Thomas Wangenheim
Gewiß, die germanischen Völker der Zeit um Christi Geburt spielen in Spenglers Kulturtheorie keine Rolle. Aber auch ich bin nicht so richtig damit einverstanden, daß Spengler die Kulturen so urplötzlich entstehen sehen wollte. Es muß einen länger andauernden Anfang gegeben haben als nur den eines Tiefenerlebnisses, das das Ursymbol bestimmt. Deshalb habe ich ja eine etwas andere Kulturtheorie entwickelt, wie Sie ja wissen, Herr Boden. Insofern hat auch Wangenheim schon recht mit seiner Kritik an Spengler. Aber eben nur insofern. Das, was Wangenheim z.B. über die „Pseudomorphose“ sagt (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), ist nicht richtig. Die magische Kultur ist trotz ihrer Pseudomophose eine Kultur. Eigentlich sollte er das wissen. Er hat ein großes Spengler-Bild über seinem Schreibtisch hängen (**|**). Vielleicht verehrt Wangenheim Spengler wirklich. Doch dann muß man sich fragen, wieso Wangenheim sich so eine große Fehldeutung leistet. Er ist ja nicht doof. Also ist seine Fehldeutung wohl doch eher eine absichtliche Mißdeutung, die dem Mißbrauch dient (**).

Gruß an Kiel.

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18.11.2018, 19:50

Guten Abend, Herr Boden.

Anteile an meiner Kulturtheorie:
Anteile an meiner Kulturtheorie
Hubert Brune
O. A. G. Spengler
J. W. v. Goethe
F. W. Nietzsche
G. W. F. Hegel
A. J. Toynbee
N. Luhmann
Ian Anderson
Leben in der Vergangenheit“?
Herr Wangenheim möchte vielleicht der „Spengler des 21. Jahrhunderts“ sein. Aber ein „Spengler des 21. Jahrhunderts“ ist natürlich nicht der echte Spengler, also der, der seine weltweite Berühmtheit im 20. Jahrhundert erreichte. Spengler war zwar nicht nur ein Mensch des 20. Jahrhunderts, sondern zuerst einmal ein Mensch des 19. Jahrhunderts und wahrscheinlich sogar auch im 20. Jahrhundert immer noch ein Mensch des 19. Jahrhunderts; aber er ist eben erst im 20. Jahrhundert weltweit berühmt geworden. So wie Spengler ein Mensch des 19. Jahrhunderts blieb, obwohl er ein Mensch nicht nur des 19., sondern auch des 20. Jahrhunderts war, so könnte Wangenheim meinen, er sei ein Mensch des 20. Jahrhunderts, obwohl er ein Mensch nicht nur des 20., sondern auch des 21. Jahrhunderts ist. Doch wie er sich auch versteht und dreht: er kann niemals ein Spengler sein. Ich bin ebenfalls ein Mensch des 20. und 21. Jahrhunderts und vielleicht auch ein Mensch des 20. Jahrhunderts geblieben - qualitativ sowieso, und quantitativ, d.h. von der zur Zeit für Deutschland statistisch ermittelten Lebenserwartung von 80 Jahren ausgehend, habe ich ohnehin die meiste Zeit im 20. Jahrhundert gelebt. Dies sage ich nicht, weil ich als „Spengler des SPÄTEN 20. Jahrhunderts“ gelten möchte. Ich war im 20. Jahrhundert weniger ein Spenglerianer als ein sehr stark an Wissenschaft interessierter Rationalist und ein großer Musikverehrer, der Spengler ja aber auch war. Trotzdem: ein echter Anhänger Spenglers wurde ich erst 2000, also im ersten Jahr des neuen Jahrtausends. Ist das als ein Omen zu bewerten, Herr Boden? (). Nein. Ich hatte auch schon vor 2000 meine eigene Kulturtheorie, allerdings wurde sie 2000 stark „spenglerisiert“ (siehe Abbildung). Vor 2000 war meine Geschichts- und Kulturtheorie noch etwas mehr an Wissenschaft als an Philosophie orientiert.

Was aber bewegt Herrn Wangenheim?

Ist Herr Wangenheim jemand, der offen und ehrlich zeigen will, daß er zu seiner Kultur steht, oder jemand, der nur dazu steht, einer der „letzten Menschen“ zu sein? Ist beides vielleicht schon dasselbe Phänomen für einen heute noch relativ jungen Menschen, der - ich bemühe wieder die Statistik - noch bis in die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts hinein leben wird? Wie wird es hier aussehen, wenn er bereits 70 Jahre alt sein wird? Ist ihm das heute egal? Wohl kaum. Oder? Lebt er - so wie die meisten Abendländer heute - fast auschließlich für die Gegenwart? Man kann diese Frage kaum verneinen angesichts der riesigen Mehrheitsverhältnisse zugunsten des Konsums in der Gegenwart. Oder lebt er auch mit Bezug zur Vergangenheit und zur Zukunft? Ich hoffe es für ihn, und er gibt sich ja auch Mühe, diesen Bezug zumindest nach außen hin zu zeigen. Sieht es innen auch so bei ihm aus?

In seinem am 21.12.2017 veröffentlichten Film „Aufklärung, Konservatismus und Pseudointellektualität“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) zitiert Herr Wangenheim aus der Zeitschrift „Tumult“ und behauptet, diese Zeitschrift sei „konservativ“ und das Zitat stamme von einem „Konservativen“, obwohl das Zitat und schon der Name der Zeitschrift eindeutig genau das Gegenteil beweisen. Vielleicht weiß Herr Wangenheim noch gar nicht, daß es kaum noch Konservative im Abendland gibt. Der Konservativismus ist im heutigen Abendland nicht nur verpönt, sondern sogar verboten, jedenfalls indirekt, und alles, was mit Genealogie, Tradition, Vergangenheit und also Geschichte zu tun hat, ist im heutigen Abendland des Teufels, ein Tabu, also auch verboten, jedenfalls indirekt. In der abendländischen Öffentlichkeit gibt es keinen Konservativismus mehr, Herr Wangenheim. Falls jemand im Ernst öffentlich sagt, er sei „konservativ“, gilt er schon als von jeder Öffentlichkeit ausgeschlossen (warum ich das Pronomen „er“ selbstverständlich absichtlich verwendet habe, können Sie sich vielleicht denken). Nur noch als Witz ist eine solche Aussage im Abendland erlaubt. Leider.

„Gemessen an der gesamten menschlichen Entwicklung war die Steinzeit eine riesige Zeitspanne. Was die Werte angeht, so war der Mensch in dieser Zeit konservativ. Die restliche Zeit, zu der die heutige zählt, ist fast nichts dagegen, und selbst in dieser klitzekleinen Zeitspanne ist der Mensch auch (auch!) konservativ gewesen - das Wort »auch« auch deswegen, weil er in dieser klitzekleinen Zeitspanne auch (auch!) antikonservativ gewesen ist. Es muß die Not gewesen sein, die zu dem geführt hat, was wir die »Neolithische Revolution« zu nennen pflegen. »Not macht erfinderisch«, sagt ein deutsches Sprichwort. Hätte es diese Not nicht gegeben, wären wir heute wahrscheinlich immer noch zu 100% konservativ wie die Steinzeitmenschen vor der »Neolithischen Revolution«. Wer aus einer Gruppe von Steinzeitmenschen »aussteigen« wollte, also »abweichendes Verhalten« (allein dieser Ausdruck schon!) zeigte, wurde mit dem Tode bestraft oder ausgesetzt, was ebenfalls bedeutete: mit dem Tode bestraft. Das Konservative ist also schon aus biologischen Gründen notwendig und hat sich durch die lange Evolution des Menschen auch erhalten (konserviert). Der einzige Grund dafür, daß die Menschen seit der »Neolithischen Revolution« mit den Nebenwirkungen Stadt und Schrift (diese wiederum mit der Nebenwirkung Historie [schiftlich fixierte Geschichte]) das Konservative zu überwinden versuchen, ist die in Zivilisation mündende Kultur von Stadt und Schrift (schriftliche Geschichte). Ohne diese Art von Kultur, die auf www.Hubert-Brune.de »Historienkultur« genannt wird, weil sie durch das Historische als die Konsequenz aus Landwirtschaft und Schriftlichkeit (statt vorher Jäger-und-Sammler-Wirtschaft [aneignende Wirtschaft] und Mündlichkeit) erst möglich geworden ist, gäbe es nur jene Werte, die durch ständige Weitergabe erhalten, also konserviert werden. Wenn es somit seit etwa 6000 Jahren (wenn wir Versuch und Irrtum mitberücksichtigen: vielleicht sogar seit rd. 10000 Jahren) auch solche Menschen gibt, die das Konservative zu 100% ablehnen, so sind diese Menschen dekadent, nihilistisch, und das bedeutet auch: antigenealogisch, antihistorisch, gegen jede Tradtion, gegen alle Werte ihrer Kultur.

Wer sagt und auch daran glaubt, daß das Konservative unnötig sei, will entweder (a) Werte zerstören oder (b) hat schon aufgegeben.

Das Konservative kann nicht restlos verschwinden. Somit verschwindet es auch dann nicht, wenn es Nihilisten gibt. Die Nihilisten verschwinden dann, während fremdes Konservatives an die Stelle des Ex-Konservativen tritt. Die ehemaligen Werte sind dann zwar auch verschwunden oder gehen im Fremden auf, aber eben nicht das Konservative. Das konservative Element bleibt immer. Es ist ein Bestandteil des Lebens. Man kann eine Meinung dazu und darüber haben, wie man will: es verschwindet nicht.

Selbst unter den Linken gibt es Konservative. Peter Sloterdijk sagte 2016: »Linkskonservatismus, der meine Farbe ist seit langem« (**). Er hat »eine Vokabel wie ›linkskonservativ‹ benutzt, um die Gegend zu kennzeichnen, aus der ich argumentiere« (**). Und unter den »Grünen« gibt es zwei Varianten: (1) Pseudo-Grüne, die in Wirklichkeit Rote sind, (2) Halb-Grüne, die wenigstens konservieren wollen, aber bei den mittlerweile mächtigeren Pseudo-Grünen mitmachen. Es wäre allerdings nicht richtig, sie ebenfalls (wie Sloterdijk) »linkskonservativ« zu nennen, weil auch die politische Unterscheidung von »rechts« und »links« nicht dieselbe Unterscheidung ist wie die von »konservativ« und »antikonservativ«. Faktisch sind alle heute gewählten Parlamentarier aus der Partei mit dem falschen Namen »Die Grünen« die Pseudo-Grünen, die in Wirklichkeit Rote sind (siehe: 1). Die Halb-Grünen sind ihnen ausgeliefert (siehe: 2). Also gibt es keine echten Grünen als Partei, die sich für das Grüne einsetzt. Grüne Politik kann man nur als Konservativer betreiben. Wer die Umwelt erhalten, bewahren, schützen, schonen will, will sie konservieren.“ (Teuro, 26.09.2018, 18:55 [**|**]).

Thomas Wangenheim
Herr Wangenheim ist ja auch ein Romantiker. Folglich könnten seine Äußerungen in dem besagten Film (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) auch ironisch oder gar selbstironisch gemeint gewesen sein. Vielleicht wird er ja Romantik und Ironie in einem seiner nächsten Filme sogar zum Thema machen können. Oder hat er etwa keine Zeit mehr, Filme zu machen (Vgl. Thomas Wangenheim im Film)?

Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Der Wechsel von Kultur und Ingenium. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.
Die Vorliebe für den Romantik/Historismus-Stil ist bei Herrn Wangenheim natürlich kein Zufall, was man besonders an seinen Filmen „Klassizismus versus Historismus: Schultze-Naumburgs »Kulturarbeiten« im Kunstwart“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), „Klassizismus versus Historismus: Schultze-Naumburgs »Kulturarbeiten« und ein Rundgang in Weimar“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), und „Die Geburt der Jugendstil- und Metropolis-Architektur aus dem Geiste des Historismus“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) sehr gut erkennen kann. Bei diesem Thema scheint Herr Wangenheim „in seinem Element“ zu sein. In den ersten beiden der drei Filme verteidigt er den Romantik/Historismus-Stil gegen alle Kritik, und im letzten der drei Filme geht er sogar von Verteidigung auf Angriff über. Ich bekomme langsam Angst, Herr Boden, denn Herr Wangenheim gefällt mir immer besser.

„Gotik und Barock als ingene Stile werden zum wiederum ingenen Metropolisstil zusammengeführt (auch der Historismus als stark ornamentierter Stil ist bereits ingen). Das Ingenium Abendland kann also mit dem kultischen Stile der Romanik, der Renaissance und des Klassizismus, die aus einer kultischen Epoche (der Antike) kopiert wurden, entwicklungstechnisch nichts anfangen. Aber die ingenen Stile, welche als in die Höhe drängende Gotik und in die Breite wirkender Barock Antipoden voneinander darstellen, werden als These und Antithese innerhalb des abendländischen Ingeniums zur Synthese des Metropolisstils zusammengeführt.“ (Thomas Wangenheim, Die Geburt der Jugendstil- und Metropolis-Architektur aus dem Geiste des Historismus (Text zum Film), 2018 Thomas Wangenheim).

Damit beantwortet sich auch die Frage, „ob es Wangenheim bewußt ist, daß zumindest ansatzweise Hegels Philosophie in seiner Philosophie steckt“ (**). Offenbar ist es ihm bewußt!

Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Drei Kulturen gemäß dem Kultur-Ingenium-Modell. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.

Herr Wangenheim sagt, daß das „Ingenium Abendland ... also mit dem kultischen Stile der Romanik, der Renaissance und des Klassizismus, die aus einer kultischen Epoche (der Antike) kopiert wurden, entwicklungstechnisch nichts anfangen“ (** Thomas Wangenheim) kann. Er erwähnt nicht, daß das Abendland bereits im 8. und 9. Jahrhundert mit der Karolingik (**) die magische Kultur kopierte. Offenbar darf die magische Kultur in seiner Kulturtheorie nicht vorkommen (**|**|**|**|**|**). Sein Kultur-Ingenium-Modell geht von einem Ingenium-Kultur-Ingenium-Schritt aus, wie er in der Abbildung zu sehen ist: Ägypten(Ingenium)-Antike(Kultur)-Abendland(Ingenium). Er versteht in diesem Zusammenhang „Kultur“ mehr adjektivisch (kultisch) als substantivisch (Kultur), müßte also etwas umformulieren: Ägypten(ingeniös)-Antike(kultisch)-Abendland(ingeniös). Er benutzt als Adjektiv nicht „ingeniös“, wie es grammatisch richtig ist, sondern - ziemlich eigenwillig - „ingen“ (siehe oben in dem Zitat).  – 
These, Antithese, Synthese
Wenn die „in die Höhe drängende Gotik“ (** Thomas Wangenheim) eine ingeniöse These ist, „der in die Breite wirkende Barock“ (** Thomas Wangenheim) eine ingeniöse Antithese dazu ist und beide „zur Synthese des Metropolisstils“ (** Thomas Wangenheim), der übrigens der letzte Unterstil des Romantik/Historismus-Stils ist, zusammengeführt sind, dann ließe sich fragen, wie sehr das zutrifft. Auf die Gotik als ingeniöse These folgte schon die Renaissance als kultische Antithese, auf diese die ingeniöse Antithese Barock, so daß die ingeniöse These Gotik zwei Antithesen zur Folge hatte (erst kultisch [Renaissance] und später ingeniös [Barock]) und auf ihre kultische Antithese Renaissance die ingeniöse Antithese Barock folgte, die zugleich auch die ingeniöse Antithese zur ingeniösen These Gotik bildete. So gesehen war die Renaissance zuerst eine Antithese (gegenüber der Gotik - das sage ich ja auch) und später eine These (zu der der Barock dann die Antithese bilden sollte - das sage ich ja auch), und der Barock auf zweifache Weise Antithese, also sowohl gegenüber der Renaissance (das sage ich ja auch) als auch gegenüber der Gotik (das sage ich nur unter bestimmten Bedingungen oder gar nicht). In Herrn Wangenheims Kultur-Ingenium-Modell scheint also die Gegensatzbildung nicht auf den Gegensatz zwischen dem Kultischen und dem Ingeniösen beschränkt zu sein, sondern sich auch in den beiden jeweils selbst, also sowohl im Kultischen selbst als auch im Ingeniösen selbst zu vollziehen. Wenn in seinem Kultur-Ingenium-Modell überall Hegels Dialektik anwesend ist, dann werde ich Herrn Wangenheims Buch wohl doch noch kaufen müssen.

Gruß an Kiel.

***

18.11.2018, 21:36

Guten Abend Herr Brune,

danke für die drei Mails (E-Briefe), deren Inhalt ich erst noch mal „sacken lassen muss“.

Ich meine auch, Wangenheim bewundert Spengler, versteht ihn aber nicht 100%ig.

....

Michael Boden

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18.11.2018, 23:38

Ja, ich habe den Vatermörder gefunden.

Thomas Wangenheim (*1980), etwa zwischen 2010 und 2017.
Thomas Wangenheim
Oswald Spengler (1880-1936), um 1910 (Bild links), um 1917 (Bild rechts).
Oswald Spengler (1880-1936) Oswald Spengler (1880-1936)
Insofern Herrn Wangenheim ernst damit ist, ist das doch sehr gut. Auf jeden Fall ist es besser als das, was heutige junge Abendländer so anziehen - und vor allem: was sie auf der Haut tragen. Verstehen Sie? Ich meine natürlich die Tätowierungen. Das ist so ziemlich das Abscheulichste von allem, was man so „anziehen“ kann - für immer! Die Engänder haben das ja früher schon getan. Mich hat das immer nur angeekelt. Pfui! Aber es ist körperbetont, und alles Körperbetonte ist immer mehr zur Mode geworden. Es paßt zum Konsumieren, zum Falsch-Sein (Links-Sein), also eben zum Globalismus, der ja auch beides - Kapitalismus und Kommunismus - in sich trägt. Widerlich.

Mit anderen Worten: Herr Wangenheim ist mir sympathisch, jedenfalls in dieser Hinsicht und natürlich in der Hinsicht, daß er ein Spenglerianer ist. Aber er soll aufhören, Spenglers Werk zu mißbrauchen. Damit meine ich v.a., daß er aufhören soll, sein Buch auf Kosten Spenglers so zu vermarkten, daß er Spengler etwas unterstellen muß, was mit Spengler gar nichts zu tun hat. Er soll ihn so nehmen, wie er war, und nicht, wie er ihn gerne hätte: als jemand, der in sein Buch paßt. Die große Dreistigkeit und gleichzeitg große Naivität Wangenheims dabei ist, daß er glaubt, seinen potentiellen Lesern etwas Falsches von Spengler erzählen zu dürfen, weil er glaubt, daß die das sowieso nicht verstehen. Wangenheim muß doch, obwohl er Spengler nicht richtig verstanden hat, wenigstens bemerkt haben, daß das, was er über die Pseudomorphose gesagt hat, nicht richtig sein kann.

Ich werde Thomas Wangenheim noch ein wenig studieren.

Gruß an Kiel.

***

18.11.2018, 23:39

Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Drei Kulturen gemäß dem Kultur-Ingenium-Modell. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.
Zyklen im Zyklus der kulturellen „Jahreszeiten“
Drei Kulturen gemäß dem Modell der kulturellen „Uhrzeit“. Vgl. Hubert Brune, Jahreszeiten, 2001.

Thomas Wangenheim: „Geschichtsphilosophie ... ist die Philosophie von allem. .... Geschichtsphilosophie ist die Philosophie schlechthin, die Metawissenschaft schlechthin, gewissermaßen eine Metaphilosophie.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Auch hierin stimme ich mit Wangenheim überein, obwohl ich natürlich neben der Zeit auch den Raum berücksichtige, aber das tut Wangenheim ja auch. Thomas Wangenheim noch einmal: „Geschichte ist all das, was die Menschheit in den letzten paar tausend Jahren - je nachdem, wie weit Sie es fassen - erlebt hat. .... All das, was der Mensch in diesen Jahrtausenden getan hat, ist Geschichte. .... Das heißt: Die Philosophie der Geschichte ist die Philosophie von allem, was wir kennen, von allem, was wir wissen. Geschichtsphilosophie ist deshalb die Philosophie schlechthin, die Metawissenschaft schlechthin, gewissermaßen eine Metaphilosophie“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Das beurteile ich - wie gesagt, seit jener Zeit, als Wangenheim noch lange nicht geboren war - genauso, wie Sie wissen, Herr Boden.
Bild
Dauer jeder einzelnen Historienkultur der insgesamt acht Historienkulturen.
Daß Wangenheim auch die drei Kulturen Ägypten, Antike, Abendland im jeweils Ganzen in das Kultur-Ingenium-Schema preßt, wundert mich nicht, obwohl gemäß meiner Kulturtheorie nicht der ägyptische, sondern der sumerische Zyklus zu dem Zeitpunkt endet, an dem der antike beginnt (vgl. Abbildungen). Wangenheim hat sie aber nur deshalb in das Kultur-Ingenium-Schema gepreßt, weil dieses Schema als These-Antithese-Schema zu verstehen ist, wie schon gesagt (**|**). Auch dafür benutzt er gerne Spengler als „Kronzeugen“; denn Spengler sah in den beiden Kulturen Antike und Abendland zwei Gegensätze und in den beiden Kulturen Ägypten und Abendland zwei sich sehr ähnelnde Kulturen (besonders wegen ihrer Vorliebe für Dynastien, Geschichte, Zeit); und eben diese Sichtweise dient Wangenheim als Bestätigung für sein als These-Antithese-Schema zu verstehendes Kultur-Ingenium-Schema. Dieses ist aber selbst auch ein bißchen problematisch. So sind z.B. die Ottonik (gemäß Wangenheim mit viel Ornamentik) und die Romanik (gemäß Wangenheim mit viel Glattheit) auf genauso problematische Weise wie z.B. Klassizismus (gemäß Wangenheim mit viel Glattheit) und Romantik/Historismus (gemäß Wangenheim mit viel Ornamentik) als Gegensätze wie eben Kultur und Ingenium im Sinne von These und Antithese aufzufassen (**). Es folgt nicht notwenigerweise auf jeden Baustil ein dem entgegengesetzter Baustil (**). Außerdem gilt für die Phase, in der das Bauhaus sich Geltung verschaffte, daß nicht nur das Bauhaus, sondern auch andere Baustile vorherrschten, so daß man diese architektonische Phase vielleicht treffender als „Funktionalismus/Konstruktivismus/Dekonstruktivismus“ bezeichnen sollte. (**|**). Trotzdem spielen Gegensätze eine große Rolle in der Kulturgeschichte. Die Architektur allein reicht aber nicht aus, um die Gegensätze deutlicher sehen zu können.

Ein Beispiel aus dem „Frühling“ des Abendlandes: Adel (1. Stand) und Klerus (2. Stand) wirkten als die beiden Urstände zuerst immer noch gemeinsam gegen den Rest, doch recht bald merkte der 2. Stand, daß es mehr Vorteile hatte, sich mit dem gerade aufgekommenen 3. Stand zu verbünden und mit ihm eine zumindest hin und wieder erfolgreiche Opposition oder gar Regie gegen den 1. Stand und später sogar auf diese Weise die Macht des 1. Standes so sehr einzuschränken, daß eine Synthese zustande kommen konnte. Dies ist ein Fall, wie ihn Hegels Dialektik beschreibt, nämlich als Dreierschritt: (1.) These; (2.) Antithese; (3.) Synthese. Hiervon waren in dem Beispiel die Architekturstile auch betroffen, jedoch beim Schritt von der These (politisch: siehe oben; architektonisch: Karolingik/Ottonik) zur Antithese (politisch: siehe oben; architektonisch: Romanik) in einem geringeren Ausmaß als später während der Synthese (politisch: siehe oben; architektonisch: Gotik). Der 1. Stand als These wurde also von dem 2. Stand als Antithese bekämpft und anschließend vom 2. und 3. Stand in die Synthese gebracht. Anders gesagt:
1. Phase: 1. Stand mit gesicherter Macht; 2. Stand mit relativ gesicherter Macht; 3. Stand mit kaum gesicherter Macht, weil er noch in seinen Anfängen steckt;
2. Phase: 1. Stand mit weniger gesicherter Macht als vorher; 2. Stand mit relativ gesicherter Macht wie vorher und auf Bündnis mit dem 3. Stand aus; 3. Stand mit relativ schwach gesicherter Macht;
3. Phase: 1. Stand mit noch weniger gesicherter Macht als vorher; 2. Stand nur zusammen mit dem 3. Stand mit relativ gesicherter Macht wie vorher; 3. Stand mit mehr gesicherter Macht als vorher.
Am Ende dieser Entwicklung gab es also einen relativ geschwächten 1. Stand, einen relativ geschwächten 2. Stand und einen „nur“ aufgrund seiner Anfangsphase relativ gestärkten 3. Stand. Es waren primär die Machtverhältnisse, die der Trieb, das Motiv und der Grund für diese Entwicklung waren. Denn sowohl während der karolingischen und ottonischen als auch während der romanischen Phase konnten sich die beiden Urstände (1. und 2. Stand) noch einigen, weil der 3. Stand noch nicht stark genug war, um die beiden Urstände zum Kompromiß zu zwingen, obwohl deren Gegensatz zu dieser Zeit schon wahrnehmbar war (und für Historiker auch schon die nächste Phase), aber eben mehr politisch als architektonisch, und erst in der gotischen Phase waren die Machtverhältnisse so reif, daß sie sich sogar mehr architektonisch als politisch zeigen konnten, denn man brauchte für die bis dahin größte Architekturleistung der Geschichte auch den 3. Stand, das Bürgertum. Spätestens seit dem Beginn der Gotik also war im Abendland unwiderruflich klar, daß bei Machtfragen die Interessen des Bürgertums mitberücksichtigt wurden. (Und nur nebenbei gesagt: Wir erleben seit dem Beginn der Globalik (**|**) - also seit etwa 1990 - genau das Gegenteil!)

Die politischen Machtverhältnisse müssen schon sehr eindeutig sein, damit sich Machtverhältnisse und Architekturstile immer ganz genau abdecken. Wohl am stärksten zeigte die Phase des Absolutismus/Barock diese Eindeutigkeit: politisch als Gegenreformation eine klare Antithese zur Reformation, architektonisch als Barock eine Antithese zur Renaissance. Daß sie trotzdem in der Architektur nicht ganz so stark zum Ausdruck kam wie in der Politik, hatte das Motiv und den Grund in der Vorgehensweise der politischen Gegenreformation, denn sie hat nicht nur gegen die Reformation gekämpft, sondern auch von ihr gelernt.

Stände
Solange nur zwei Stände, die Urstände Adel und Priestertum, herrschen, gibt es auch nur zwei bedeutende Konfliktparteien, nämlich die des Daseins und die des Wachseins, wie Spengler sich ausdrückte; sobald aber durch die Bürgerliche Revolution der 3. Stand seine Macht bekommen hat, gibt es drei und sogleich vier bedeutende Konfliktparteien, weil der 3. Stand einen ihm angemesseneren Gegenspieler braucht, den 4. Stand: dieser Nicht-Stand wird im wahrsten Sinne des Wortes „in den Stand gehoben“ (befördert). Schon allein rechnerisch läßt sich zeigen, daß hier aus Ordnung Chaos entstehen muß und es lange dauern wird, bis aus Chaos wieder Ordnung entsteht: aus dem ungünstigstenfalls einen möglichen bedeutsamen Konflikt bzw. dem günstigstenfalls einen möglichen bedeutsamen Bündnis zwischen den zwei Urständen sind seit der Bürgerlichen Revolution (**) 15 mögliche Konflikte bzw. Bündnisse geworden! Die beiden Urstände - Adel und Priestertum - werden nicht gestürzt, wie geglaubt wird, sondern ersetzt durch die Geldritter (**), die den Aufstieg in den medialen Geldadel und in das geldmediale Priestertum schaffen und sich von nun an mit dem so genannten Proletariat sowie mit den Resten des alten Adels und den Resten des alten Priestertums herumschlagen müssen, alle möglichen Bündnisse und Koalitionen ausnutzend. Wegen dieser Konstellationen ist die Bürgerliche Revolution sogleich auch eine „Weltrevolution“ (**|**|**), das heißt: dazu verurteilt, internationale Bündnisse mit Gleichgesinnten aus den unterschiedlichsten Ländern zu schließen oder mit ihnen Konflikte und Kriege auszutragen.

Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Drei Epochen gemäß dem Kultur-Ingenium-Modell. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013.
Drei Graphiken in einer Graphik: Das Abendland, drei abendländische Epochen, neun abendländische Stile.
Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Noch problematischer wird es bei Wangenheims Einteilung in „Mittelalter“, „Frühe Neuzeit“ und „Moderne“ und ihre Einpassung in sein Kultur-Ingenium-Schema (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Spengler hat sich gegen derartige Einteilungen sehr, sehr heftig gewehrt (**|**|**|**|**|**)! Eine weitere Einteilung nimmt nun Wangenheim auch für die Antike vor: „Königszeit“, „Republik“ und „Kaiserzeit“ (** Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Weiß er eigentlich gar nicht, daß er mit diesen beiden Einteilungen Spengler „direkt vor den Bug schießt“? In Spenglers Hauptwerk heißt es außerdem ganz explizit: „Ich nenne dies dem heutigen Westeuropäer geläufige Schema (Altertum-Mittelalter-Neuzeit ist gemeint! [**]), in dem die hohen Kulturen ihre Bahnen um uns als den vermeintlichen Mittelpunkt alles Weltgeschehens ziehen, das ptolemäische System der Geschichte und ich betrachte es als die kopernikanische Entdeckung im Bereich der Historie, daß in diesem Buche ein System an seine Stelle tritt (**), in dem Antike und Abendland neben Indien, Babylon, China, Ägypten, der arabischen und mexikanischen Kultur - Einzelwelten des Werdens, die im Gesamtbilde der Geschichte ebenso schwer wiegen, die an Großzügigkeit der seelischen Konzeption, an Gewalt des Aufstiegs die Antike vielfach übertreffen - eine in keiner Weise bevorzugte Stellung einnehmen.“ (Ebd., S. 24 [**]). Weiß Wangenheim das gar nicht? Wenn man nun auch noch bedenkt, daß in Rom die „Königszeit“ (**) als das Böse schlechthin „bewertet“ wurde und daß heutzutage im Abendland das „Mittelalter“ regelrecht „verdunkelt“, also ebenfalls als etwas Böses „bewertet“ wird - wenn auch auf völlig unberechtigte Weise -, dann erstaunt es schon, daß Wangenheim gerade diese Begriffe für sein Kultur-Ingenium-Modell benutzt. Ist Thomas Wangenheim der „Felix Krull des 21. Jahrhunderts“? Er respektiert Spengler nicht richtig, obgleich er doch angeblich so gern als ein Spenglerianer auftritt und ein Spengler-Bild über seinem Schreibtisch hängen hat (**|**). Das alles ist schon sehr merkwürdig.

König und Volk im frühen Ingenium; Aristokratie und Bürger in der Kultur;
Kaiser und Volk im späten Ingenium.Vgl. Thomas Wangenheim im Film. Vgl. Thomas Wangenheim im Film
Ein wiederum positives Beispiel liefert Wangenheim in seinem Film „Polarisierung der Gesellschaft, Untergang des Bürgertums ...“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), in dem er zunächst das Drei-Klassen-Wahlrecht vorstellt (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) und danach die Einführung des gleichen Wahlrechts erwähnt, was ganz wesentlich zum Auseinanderbrechen der alten Gesellschaftsstruktur beitrug, denn: (1.) die 1. Klasse hatte wahltechnisch zwar die größte Einbuße, doch das störte sie gar nicht, weil sie über Lobbyismus eine viel größere Möglichkeit besaß, die Politik zu bestimmen; (2.) die 2. Klasse hatte tatsächlich die größte Einbuße, weil sie weder über Lobbyismus noch über eine sehr große Zahl an Mitgliedern verfügte und darum mehr und mehr an politischen Einflußmöglichkeiten verlor; (3.) die 3. Klasse hatte wahltechnisch den größten Gewinn, weil sie über eine sehr große Zahl an Mitgliedern verfügte.
Milliardäre
„Exponentieller Anstieg der Milliardäre. Zum Beispiel: 1998 waren es 230, und 2004 waren es 587, und 2007 waren es 946. Allein in diesen neun Jahren stieg die Zahl um 311,3%!“ (Hubert Brune, Kapitalismuskritik, 2001).
Veränderungen im Einkommen
„Prozentuale Veränderungen (gegenüber 1992) des durchschnittlichen Nettoeinkommens pro Kopf
in Deutschland.“
(Hubert Brune, Kapitalismuskritik, 2001).
Diese Entwicklung hat sich bis heute weiter verschärft und wird sich noch weiter verschärfen, bis am Ende die politischen Verhältnisse wieder so sein werden, wie sie am Anfang waren: Oberschicht und Unterschicht und nichts dazwischen. Deswegen bringt Wangenheim den Vergleich mit der Antike, speziell mit der römischen Machtgeschichte, in der es bis auf die Bezeichnungen genauso war: zu Beginn König und Volk, am Ende Kaiser und Volk. Das könnte Wangenheim direkt von mir abgeguckt und abgeschrieben haben. Es ist nämlich genau das, was ich ständig predige und vor allem an den heutigen verwestlichten Weltzuständen kritisiere - und es ist übrigens auch das, was schon Nietzsche predigte und an den damaligen Zuständen im 2. Deutschen Reich kritisierte; denn Nietzsche war gegen die Demokratisierung und Sozialisierung in diesem 2. Deutschen Reich; dies war der Grund für Nietzsches Kritik, eine „Sozialkritik“, aus der er dann alles Mögliche ableitete, auch nicht weniges, was mit dem Thema nichts zu tun hatte.
Steueraktive und Steuerpassive
1) 6,1% zahlen 70% der Steuern;
2) 24,4% zahlen 30% der Steuern;
3) 19,5% sind von Steuern befreit;
4) 50% sind zu 100% Sozialfälle.
1+ 2) 30,5% Steueraktive;
3 + 4) 69,5% Steuerneutrale, -passive.
Steueraktive und Steuerpassive
1) 70% der Steuern von 6,1% bezahlt;
2) 30% der Steuern von 24,4% bezahlt.
1+ 2) 100% der Steuern von 30,5% bezahlt.
Steueraktive = Leistungsträger = Kulturträger = Bürgertum.
** ** ** **
Jedenfalls erwähnt Wangenheim auch das Phänomen „Elefantenkurve“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film), womit eben gemeint ist, daß Arme und vor allem Reiche auf Kosten der Mitte - des Bürgertums - profitieren, so daß also das Bürgertum in relativ naher Zukunft verschwunden sein wird. Das ist genau das, was ich immer wieder sage, und zwar schon seit mehreren Jahrzehnten. „Und das ist genau das, was ich in »Kultur und Ingenium« meine mit »kultischer Mitte« in der Kultur und dann Aufspreizung im Ingenium“, behauptet nun auch Wangenheim (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). „Wer wirklich verloren hat, das ist diese mittlere bürgerliche Gesellschaft, und nicht umsonst sage ich also »kultische Mitte«: diese Mitte, diese bürgerliche Gesellschaft ... sind die Kräfte der Kultur, und wenn diese Mittelschicht wegbricht, dann bricht die Kultur weg. .... Und es bleiben nur noch übrig die kommunistische Masse und die kapitalistische Elite.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Daß also dies keine lineare, sondern eine zyklische Entwicklung ist, daß also die Verhältnisse wieder da ankommen, wo sie hergekommen sind, predige ich ja schon so sehr lange, und nun sagt dies endlich auch ein anderer, sogar noch recht junger Mann - 24 Jahre jünger als ich -, nämlich Thomas Wangenheim (Vgl. Thomas Wangenheim im Film).  –  „Es ist das ewig ungerechte Spiel (**): Ausbeutung quantitativ oder qualitativ Mittlerer durch quantitativ oder qualitativ Starke. Modern gesprochen sind die Angehörigen der Unterschicht quantitativ sehr stark und qualitativ sehr schwach, die der Mittelschicht quantitativ schwach bis stark (phasenweise zunehmend und abnehmend) und qualitativ schwach bis stark (phasenweise zunehmend und abnehmend), die der Oberschicht quantitativ sehr schwach und qualitativ sehr stark. Ziehen Sie daraus nun bitte die Konklusion!
—   Ober-, Mittel- und Unterschicht in den drei entsprechenden Phasen   —
Quantität Qualität
Oberschicht sehr schwach sehr stark
Mittelschicht schwach bis stark (Frühphase),
stark (Hochphase),
stark bis schwach (Spätphase)
schwach bis stark (Frühphase),
stark (Hochphase),
stark bis schwach (Spätphase)
Unterschicht sehr stark sehr schwach
Kapital Macht
Oberschicht sehr viel sehr viel
Mittelschicht wenig bis viel (Frühphase),
viel (Hochphase),
viel bis wenig (Spätphase)
wenig bis viel (Frühphase),
viel (Hochphase),
viel bis wenig (Spätphase)
Unterschicht sehr wenig sehr wenig
Je näher sich die Mittelschicht am Anfang oder am Ende der Entwicklung befindet, desto schwächer ist sie. In der Frühphase befindet sich die Mittelschicht noch im Aufbau, ist also noch nicht so effizient ausbeutbar, und existieren größtenteils immer noch die alten Herrschaftsformen. In der Spätphase befindet sie sich im Abbau, weil sie wegen ihres angesammelten Kapitals effizient ausbeutbar geworden ist und aufgrund der größtenteils neuen Herrschaftsformen zum Abbau gezwungen wird. Weil also aufgrund von ökonomischen und historischen Bedingungen ein explizit gegen die Mittelschicht gerichtetes Bündnis von Ober- und Unterschicht während der Frühphase sehr unwahrscheinlich und während der Spätphase sehr wahrscheinlich ist, ist die Mittelschicht am meisten während der Spätphase gefährdet. Und diese Spätphase ist die Phase der »Synthesis« (**|**), die ich eben beschrieben habe.“ (Hubert Brune, „Menschenrechte“ als Untergangsbeschleuniger, 2001 **).  –  Solche und ähnliche Sätze setze ich seit 2001 ins Internet, und die meisten von ihnen gehen zurück auf handschriftliche Texte aus der Zeit davor. Ich schreibe mir also seit vielen Jahrzehnten die Finger wund und bin nun froh, endlich einen Nachfolger gefunden zu haben. Das können sie sicher verstehen, Herr Boden, oder? Folgt daraus, daß ich jetzt meinen Kugelschreiber und meine Schreibtastatur in den Mülleimer werfen kann oder gar soll? Nein. Natürlich nicht. Es könnte ja sein, daß Thomas Wangenheim so sehr der Schicksalsliebe Nietzsches folgt, daß die aus seiner Kultur-und-Ingenium-Theorie gezogenen Konsequenzen eher in Richtung eines angeblich „überwundenen Nihilismus“ gehen, mit dem aller Wahrscheinlichkeit nach schon Nietzsche sich und andere getäuscht hat. Nach meinem Dafürhalten ist ein Mit-Würde-Untergehen immer noch besser als ein offen-verdecktes (absichtlich paradoxes) und darum auch spöttisches Mit-Ressentiment-Untergehen.

Gruß an Kiel.

***

20.11.2018, 17:44

Guten Abend Herr Brune,

ich glaube, ich werde nicht auf Wangenheims Blog kommentieren.

Googeln Sie mal unter dem o.g. Betreff (er meint das „Bingen“ der Aussage: „Je wärmer, desto dümmer“ [„Je wärmer, desto dümmer“|„Je wärmer, desto dümmer“]; HB).

Wangenheim stellt da sehr lesenswert Untersuchungen zur Korrelation zwischen Wärme (indirekt Breitengrad) und IQ vor. Gut gemacht und mich (fast) überzeugend. Nun kritisiert dies der Leser Jay („Je wärmer, desto dümmer“) relativ scharf. äußert so seine Zweifel. Die Reaktion Wangenheims ist unschön, arrogant.

Dabei mag er recht haben mit seiner Argumentation, aber so geht man nicht mit Kommentatoren um.

Das geht auch in einem anderen Ton. Was meinen Sie?

Der Durchschnitts-IQ von 70 in Schwarz-Afrika ist wohl tatsächlich ermittelt worden.

Von Hans Eysenck habe ich gelernt, dass Personen unter IQ 60 gar nicht mehr testfähig sind. Also debil.

Merkwürdig. Muss mich intensiver damit beschäftigen.

Gruß aus Kiel

M. Boden

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20.11.2018, 21:02

Guten Abend, Herr Boden.

Zu demselben Thema habe ich viel Besseres zu bieten.

Klimazonen
Versuchen Sie es mit den folgenden Verweisen: ** ** ** ** ** ** ** ** ** ** **

Helmuth Nyborg heißt der Autor, der sich mit dem Thema „Intelligenz und Temperaturen“ sehr eindringlich beschäftigt hat. Das Stichwort: „Ecotypes“ („Ökotypen“ - bei dem Wort könnte man auch an etwas anderes denken ), und Nyborg ist unbedingt zuzustimmen. Der Slogan „Je kälter, desto intelligenter“ stimmt aber nur bedingt, was man an den Eskimos erkennen kann. Es kommt nämlich nicht nur auf den Grad der Herausforderungen („challenges“ [Toynbee {der übrigens auch ein starker Spengler-Verehrer war}]) an. Es gibt die „kalten Ökotypen“ („cold ecotypes“) und die „sehr kalten Ökotypen“ („very cold ecotypes“). Daß die „kalten Ökotypen“ - also wir, die Faustiker (!) - diejenigen waren und (noch) sind, denen die Menschheit so gut wie alles verdankt (positiv: Wohlstand und andere Annehmlichkeiten durch Kultur, sprich: Bildung, Technik, Wissenschaft, nicht zuletzt Medizin u.v.a.; negativ: Umweltschäden u.a.), kann niemand bestreiten. Das wird aber auch noch bestritten werden. Warten Sie es nur ab. Schon jetzt heißt es ja verlogenerweise, daß „Jesus ein Schwarzer“ und auch „Europa nie von Weißem sondern immer schon von Schwarzen bewohnt gewesen“ wäre - die Lüge ist stärker als die Wahrheit. Darum kämpfe ich den Kampf der immer weniger werdenden Einsamen, Herr Boden.

Nyborg ist wirklich unbedingt zuzustimmen. Als ich das erste Mal von ihm Kenntnis nahm, war ich sofort begeistert, weil er mir aus der Seele sprach. Er war 1960 Olympiasieger! Also ist er in Sachen „Intelligenz und Temperaturen“ ebenfalls ein Olympionike.

Gruß an Kiel.

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20.11.2018, 22:28

Verzeihung, Herr Boden, daß ich vergessen habe, auf ihre Frage nach Wangenheims „Reaktion“ (**) einzugehen. Recht haben Sie, Herr Boden, denn Wangenheim reagiert in der Tat - in der Schrift-Tat jedenfalls - „unschön, arrogant“ (**). Deshalb fragte ich Sie am 18.11.1018 um 19:50 Uhr: „Ist Herr Wangenheim jemand, der offen und ehrlich zeigen will, daß er zu seiner Kultur steht, oder jemand, der nur dazu steht, einer der »letzten Menschen« zu sein?“ (**). Und ebenfalls deshalb sagte ich Ihnen am 18.11.1018 um 23:38 Uhr: „Ich werde Thomas Wangenheim noch ein wenig studieren“ (**). Er ist nämlich „mit Vorsicht zu genießen“. In seinen Filmen gibt er sich immer so nett und adrett. „Stille Wasser sind tief“, sagt man. Er ist nicht besonders still, zeigt sich aber als netter und adretter Mensch und weiß auch, wie das auf die Mehrheit der „Weltgesellschaft“ wirkt. Das ist nicht nur „unschön, arrogant“ (**), sondern auf kaltblütige Weise berechnend und auch doppelmoralisch in dem Sinne, daß er ja einerseits Aufmerksamkeit haben will und andererseits eine Aufmerksamkeit gegenüber anderen kaum zeigt, und wenn doch, dann auf eher unschöne und arrogante Weise. Hinter seinem schönen Anzug steckt nicht er, sondern der unschöne, arrogante Schein eines Hochstaplers (Felix Krull läßt grüßen [**]), den man auch erst wieder beiseite räumen muß, um endlich einmal den wahren Thomas Wangenheim sehen zu können.

Ich erinnere mich aber auch an einen Kommentar von Wangenheim, in dem er einen anderen Kommentatoren auf eine zwar ebenfalls als „unschön, arrogant“ (**) bewertbare und dennoch völlig berechtigte Art und Weise „zusammenstauchte“. Trotzdem bin ich der Meinung, daß die anderen, besseren Möglichkeiten für eine schriftsprachliche Auseinandersetzung auch Herrn Wangenheim besser täten. Aber Herr Wangenheim ist eben in mancherlei Beziehung noch nicht erwachsen.

Aber trotz seiner manchmal unerwachsenen Art des Umgangs mit anderen kann ich nicht umhin, zu sagen, daß mir Thomas Wangenheim - summa summarum - gut gefällt. Das liegt in erster Linie daran, daß ich in ihm meinen geistigen Nachfolger, meinen zwecks Nachfolge gefundenen geistigen „Adoptivsohn“ sehe, wobei „Adoptivsohn“ durchaus im Sinne des altrömischen Rechts verstanden werden soll. Er liefert wie ich einen außergewöhnlichen „Webauftritt“ und sagt häufig genau das, was ich zumindest teilweise (je nach Thema) schon zu einer Zeit sagte, als seine Geburt noch in weiter Zukunft lag. Thomas Wangenheim muß zwar noch an seinem Text, insbesondere den Umgang mit anderen betreffend, ein bißchen „feilen“. Ansonsten aber gefällt mir sein offenbar erst 2017 begonnener „Webauftritt“ gut. Danke, „mein Sohn“.

Wahrscheinlich wissen Sie ja, daß „adoptierte Söhne“ auch „unbequem“ sein können, Herr Boden.

Wie Sie gesehen haben, bin auch ich nicht mit allem einverstanden, was Thomas Wangenheim sprachlich von sich gibt. Für mich ist er aber einer, der sich zu wirklich Wichtigem wenigstens äußern kann - diejenigen der heutigen Jungmenschen, die das ebenfalls können, sind erschreckend wenige und ihre Zahl nimmt exponentiell ab! Als ich Thomas Wangenheim zum ersten Mal sprechen hörte in einem seiner Filme, hatte ich nicht den gewohnten Eindruck, daß da wieder einmal mehr Schein als Sein „herüberweht“, sondern war gerührt, stellte zwar sehr bald auch einige grammatische und orthographische Fehler in seinem Text fest, doch die Anzahl dieser Fehler war bei weitem nicht so hoch wie die erschreckend hohe und erschreckend schnell zunehmende Anzahl an Fehlern, deren „Präsentation“ schon seit „gefühlten Ewigkeiten“ zu beklagen ist. Insgesamt ist also der Eindruck, den Thomas Wangenheim von Anfang an auf mich gemacht hat, mehr ein positiver als ein negativer.

Seit dem 15. November 2018 (um etwa 22 Uhr), d.h. seit ich weiß, daß Sie, Herr Boden, mir am 14. November 2018 einen E-Brief mit dem Hinweis auf Thomas Wangenheim geschrieben hatten (**), sind erst fünf Tage vergangen, aber in diesen fünf Tagen ist die Textdatei, in der unsere Korrespondenz gespeichert ist, um 192 KB (38,4 KB pro Tag) größer geworden! Das spricht nicht nur für unsere Korrepondenz selbst, sondern auch für Thomas Wangenheim. Ich hatte ja vor dem 15. November 2018 nichts von einem Thomas Wangenheim gehört oder gesehen. Daher bedanke ich mich noch einmal bei Ihnen für den Hinweis, Herr Boden!

„Getwittertes“ von Thomas Wangenheim:
17.07.2018 : „Verlaßt die großen Städte! Dort wird euch kein Heil.“ Thomas Wangenheim
18.07.2018 : „Was wird Deine Generation hinterlassen?“ Thomas Wangenheim
18.07.2018 : „Auch daß Spezialisten ihres Faches oder Wirtschaftleute politisch letztlich primitiver Natur sind, war schon immer so. Doch die allgemein akzeptierten Anschauungen hatten weitaus mehr Vernunft. Auch dem Fachidioten ist damit das allgemeine Denken von höherer Stelle abgenommen worden.“ Thomas Wangenheim
21.07.2018 : „Geben ein Beispiel der grammatischen Vorteile des Deutschen und schließen daraus: Der »Wortschatz« führe zu Präzision. Ich fürchte, auch die höchste Präzision einer Sprache reicht nicht hin, ihren weniger gebildeten Nutzern auch etwas von derselben zu übereignen. .... Deutsch ist eine der präzisesten Sprachen weltweit, wenn nicht sogar die präziseste überhaupt.“ Thomas Wangenheim
23.07.2018 : „Als ausgesprochen verständnisvoller Deutscher weiß ich, wie wahr es ist, daß wir alle Nichtdeutschen ausgrenzen. Und wir werden sie immer ausgrenzen. Frage mich daher, wie lang es noch dauert, bis sich herumspricht, daß sich ihre unschöne Lage einfach durch Heimkehr beenden läßt.“ Thomas Wangenheim
23.07.2018 : „»Seht nicht weg, wenn Menschen Unrecht geschieht!« Ich liebe Freunde, sehe nie weg! Ich gebe dem Unrecht tatkräftig Unterstützung. Denn wie sagte schon der große Rechts-außen-Verteidiger Friedrich W. Nietzsche: »Was fällt, das soll man auch noch stoßen«!“ Thomas Wangenheim
25.07.2018 : „Einen Menschen, der das Wort Rassismus unironisch verwendet, kann ich nicht ernst nehmen.“ Thomas Wangenheim
27.07.2018 : „Rassismus, der, –. 1. Rechtfertigung der Erfolglosigkeit eines Minderbemittelten gegenüber einem Fähigen. 2. Benennung von Unterschieden zwischen Gruppen, die von einer Seite als unangenehm empfunden werden. 3. Alles übrige, wobei sich sonst irgend jemand beleidigt fühlen könnte.“ Thomas Wangenheim
10.08.2018 : „Die Masseneinwanderung muß so lang fortgehn, bis jeder einzelne bodenlos naive und feige »Alle-Menschen-sind-gleich«-Gläubige ausgeraubt, vergewaltigt, zum Krüppel oder tot-geschlagen ist. Das nennt man natürliche Auslese. Muß man nicht übermäßig schlecht finden.“ Thomas Wangenheim
11.08.2018 : „Seit Jahren schon suhlt sich ein Teil Konservativer in Begeisterung für die islamische Lebenskraft als Gegensatz zur europäischen Dekadenz. Diese Hochachtung vorm rein Parasitären, dessen Kinderschar ohne westliche Agrartechnik glattweg verhungern würde, mutet grotesk an.“ Thomas Wangenheim
12.08.2018 : „Das sogenannte Welthungerproblem ist unlösbar. Denn die naturnahen, unreflektierten Populationen Afrikas und Arabiens sorgen immer für mehr Nachkommen als Futter vorhanden ist. Die letzte Grenze ist die Zerstörung aller Natur und aller höheren Gesellschaften.“ Thomas Wangenheim
13.08.2018 : „Unsre Heimat, das sind nicht nur die Dichter und Denker, unsre Heimat sind auch all die Kaiser des Reichs. Unsre Heimat sind die Abermillionen, die über Jahrhunderte schufen, alles, was wir besitzen und ehren in der Sprache der Deutschen, ist Heimat. Und wir lieben ....“ Thomas Wangenheim
15.08.2018 : „Der amerikan. Film der 30er, bei aller Professionalität, aller technischer Raffinesse, all den großen Schauspielerinnen, er kommt doch nicht an die zunächst unsichtbare, dann immer vehementere und schließlich großartige Dramatik alter deutscher Filme heran: »Bomben auf Monte Carlo«.“ Thomas Wangenheim
17.08.2018 : „Kreischende Feministinnen erfüllen eine wichtige evolutorische Funktion! Nur zwei Arten Männer beißen da an: jene, die sie wie Dreck behandeln, und Pantoffelhelden. Das bestätigt nicht nur ihr Weltbild, sondern verhindert, daß Gene ordentlicher Männer an ihnen verschwendet werden.“ Thomas Wangenheim
23.08.2018 : „Ich will aus schadenfrohem Interesse nochmal bei meinen modernistischen Followern nachfragen: Man kann tatsächlich nach »neuer Rechtschreibung« »Masse« nicht von »Maße« unterscheiden? Und warum schreibt man nicht »Mass«, was dämlich genug aussieht, aber weniger vieldeutig wäre?“ Thomas Wangenheim
23.08.2018 : „Eine sehr gute Übersicht zur Herkunft von Kriminellen nach der polizeilichen Kriminalstatistik von 2017 (Kriminalität): Afrika ist praktisch immer dunkelrot und Osteuropa arg durchwachsen, außerdem kommt Rauschgift nunmehr auch aus dem bunten Frankreich herüber ....“ Thomas Wangenheim
24.08.2018 : „Wir können uns diese Etepetete-Distanzierung von sogenannten Grobheiten, die allesamt nichts weiter sind als Feigheit vor der Realität schon seit Jahrzehnten nicht mehr leisten.“ Thomas Wangenheim
25.08.2018 : „Die große Naivität des weißen Mannes: daß er seit Jahrzehnten glaubt, wenn er nur immer das Gute tue, brauche er sich bei der Abwehr des Schlechten die Hände nicht beschmutzen.  –  Je länger er sich aber der schmutzigen Hände verwehrt, desto blutiger wird er sie in Zukunft finden.“ Thomas Wangenheim
27.08.2018 : „Alles was Sie über gegenwärtige Geostrategie und Weltwirtschaft wissen müssen, manchmal in einem halben Nebensatz rausgehauen. Großartig! Steve Bannon im Interview (Steve Bannon) ....“ Thomas Wangenheim
01.09.2018 : „Heute wieder im Lesesaal zwei Schnatter-Bratzen zurechtgewiesen, wie sie sich in einer Bibliothek zu verhalten haben. Die anwesenden Studenten werden noch wochenlang darüber zu tratschen haben, so viel kann ich versichern.  —  Zucht und Ordnung muß jeden Tag neu erkämpft werden.“ Thomas Wangenheim
06.09.2018 : „Auch ein Großteil der Zersiedlung, die von der Landflucht bürgerlicher Kreise aus den Städten ins Grüne herrührt, ist eine Folge der Migration und führt zu mehr Verkehr, Versiegelung und Streß.“ Thomas Wangenheim
07.09.2018 : „Frauen, die das Narrativ der für Jahrhunderte unterdrückten Frau wie selbstverständlich vor sich hertragen, von mir dann historisch widerlegt werden, das als persönlichen Angriff verstehen und sich beschweren, daß sie als Dame nicht besser behandelt werden. Hat sie »Dame« gesagt?“ Thomas Wangenheim
10.09.2018 : „»Doktor, Sie als Philolog mögen mitfühlen und erzürnt sein, wenn wieder ein Einheimischer von einem Afrikaner oder Levantiner ermordet wurde. Ich als Offizier hingegen muß sehr deutlich fragen, warum unsere Jungs derartige Gerangel immerzu verlieren!«“ Thomas Wangenheim
12.09.2018 : „Darf »Verfassungsfeind« wirklich als Schimpfwort gelten?“ Thomas Wangenheim
15.09.2018 : „Wer nicht gegen Barbaren kämpft, die in die Kultur eindringen, der ist kein Kulturmensch. Und wer die Verteidiger der Kultur nicht unterstützt, der kann nicht einmal mehr zivilisert genannt werden.“ Thomas Wangenheim
18.09.2018 : „Laufe kraft meiner Wassersuppe mit dem Kessler in der Hand aus der Bibliothek: Alarm! Werde heranzitiert. Bemerke erst an der Theke meinen Fehler. Hätte Dieb werden sollen: Die Dame läßt alle nötige Formalität fallen und will das Buch trotz meines Einspruchs selbst zurückstellen.“ Thomas Wangenheim
Den Eindruck, daß Wangenheim viel von Nietzsche hält und ihn in gewisser Hinsicht nachahmt (**), habe ich ja gleich gehabt und Ihnen gegenüber ja auch schon angesprochen (**), Herr Boden. Sein mitunter beißender Spott bringt ihn aber auch nicht wirklich weiter (**). Dahinter steckt natürlich auch Hilflosigkeit. Trotzdem sollte man für ihn Verständnis haben, solang er nicht übertreibt. Daß er das Konservative nicht richtig einschätzen kann (**), habe ich auch schon erwähnt (**). Außerdem ist Malthusianismus kein überzeugendes Argument (**). Und daß nach der „neuen Rechtschreibreform“ das Substantiv „Mass“ nicht unproblematischer von dem Substantiv „Maß“ unterscheidbar ist als das Substantiv „Masse“ von dem Substantiv „Maße“, scheint er nicht zu wissen, dafür aber wieder seinen Spott loswerden zu wollen (**). Trotzdem hat der Romantiker Thomas Wangenheim seinen Sinn für Ironie und auch Selbstironie selbstverständlich nicht vergessen.

„Der undemokratische Geist des Grundgesetzes“ ist der Titel eines aus zwei Teilen - (I.) „Opium des Volks und verschleierte Obrigkeit“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) und (II.) „Gewaltenteilung und letzte Entscheidung“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) - bestehenden Films von Thomas Wangenheim, der das mit paradoxen Formulierungen und gegen das Deutsche Volk gerichteten Artikeln vollgestopfte „Grundgesetz“ für eine Ablenkung von der Realität - eben für das Opium des Volks - hält und ihm die Verfassungen der USA, des 2. Deutschen Reiches, und zwar sowohl die von 1871 als auch die von 1919, entgegenhält. Aber gerade die US-Verfassung ist keine Garantie für die Unabhängigkeit einer demokratischen Nation, und vor der Gefahr der Geldabhängigkeit hat schon ihr erster Präsident ausdrücklich gewarnt. Trotz dieser Warnung sind die Vereinigten Staaten spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts eine vom Geld abhängige Einrichtung. Also muß im Idealfall die Unabhängigkeit einer demokratischen Nation anders gewährleistet werden.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)
Ein guter Idealist weiß das. „Denn man könnte mit Hegel fragen, ob nicht zu jeder guten Demokratie ein Monarch gehört“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Das Volk soll sich die Gesetze selbst geben, denn „das ist Kantisch: »die Gesetze, die wir uns selbst gegeben«“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Das „Grundgesetz“ ist dagegen etwas, das „einen Obrigkeitsstaat repräsentiert - einen Obrigkeitsstaat“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Die Verfassung des Deutschen Reiches von 1871 „war eine der fortschrittlichsten Verfassungen des 19. Jahrhunderts ..., und man kann eben, wie ich schon sagte, mit Hegel fragen, ob nicht jede gute Demokratie, jede gut funktionierende Gesellschaft einen solchen Monarchen als letzten Entscheider tatsächlich braucht, und zwar im Sinne der Gewaltenteilung“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Die Gewaltenteilung und die letzte Entscheidung sind im zweiten Teil des Films das Hauptthema. Das muß auch so sein, weil sie mittlerweile kaum noch existieren, was ich ja auch schon seit „gefühlten Ewigkeiten“ kritisiere. Mit anderen Worten: Bei der bundesrepublikanischen Gewaltenteilung „sieht es noch düsterer aus“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film) als schon beim Geist des Grundgesetzes allein. Daß das früher in dieser Bundesrepublik noch nicht ganz so schlimm in der Praxis zu bemerken war, lag auch daran, daß zu der Zeit die Macht von denjenigen Deutschen ausging, die noch durch die beiden oder wenigstens eine der beiden dem Grundgesetz vorausgegangenen Verfassungen des Deutschen Reiches geprägt worden und darum noch demokratischer gesinnt waren als ihre Nachfolger, die schon unter dem Geist des von der Realität ablenkenden Grundgesetzes aufgewachsen waren und sind. Es müßte doch eigentlich als selbstverständich gelten, daß „Exekutive, Judikative und Legislative ... voneinander möglichst getrennt sein sollen - nicht wahr?“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). „Hegel hat nämlich ganz klar diese Unabhängigkeit gewisser Institutionen für sehr, sehr wichtig gehalten“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). In unserer Bundesrepublik gibt es keine Unabhängigkeit dieser Institutionen, keine Unabhängigkeit des Bundespräsidenten, keine Gewaltenteilung, also keine gegenseitige Kontrolle mehr, doch genau das ist für das Funktionieren von Demokratie notwendig, wie ich schon seit „gefühlten Ewigkeiten“ sage. Bundesrepublik bedeutet Scheindemokratie. Sie ist keine Demokratie, sondern eine von der Plutokratie abhängige Einrichtung, die im Rad der Plutokratie reibungslos zu funktionieren hat. „Und damit kommen wir zu Hegel. Denn Hegels Idee ist nun: Wir brauchen tatsächlich etwas völlig Unabhängiges, um die letzte Entscheidung zu treffen
Stammwappen der Hohenzollern
.... Und Hegel sagt nun: Das ist der Monarch. Warum ist das der Monarch? Schlicht deshalb, weil ihn keiner wählt. Gott entscheidet gewissermaßen - oder Hegel sagt auch: der Zufall -, der Zufall entscheidet darüber, wer der Monarch ist, nämlich durch Geburt. .... Dieser Mann ist von niemandem gewählt; er muß also niemandem dankbar sein; er ist von keinem abhängig in irgendeiner Weise, daß er abgesetzt werden könnte; und das zeugt natürlich schon von einer bereits inhärenten Unabhängigkeit. Zugleich ist selbstverständlich der Kaiser oder König, also der Monarch jemand, der finanziell unabhängig ist, der also eigene Ländereien hat; und er ist im Grunde auch bildungstechnisch unabhängig .... Und damit ist die entscheidende Voraussetzung gebracht: einen tendenziell vernünftigen Monarchen zu haben durch Bildung, auch durch Herkunft, der selbst von niemandem abhängig ist. .... Nun geht es nicht darum, ihm alle Macht zu übergeben - und auch bei Hegel nicht -, sondern ihm die letzte Entscheidung zu überlassen, das letzte Vernunftveto. Und das ist diese entscheidende Position des Bundespräsidenten, der aber leider alles andere als unabhängig ist, der genau das Gegenteil von unabhängig ist, nämlich vollkommen abhängig - geistig und auch der Wahl nach, geistig, weil er genau aus diesem Milieu kommt, und natürlich der Wahl nach, weil tatsächlich diejenigen, die kontrolliert werden sollen, ihn wählen.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Ich nenne das auch „Parteienstaat“, „Pateiensystem“ „Parallelgesellschaft Politik“ oder, frei nach Luhmann, „Funktionssystem Politk“. „Noch ein wichtiger Gedanke der Partikularität bei Hegel. Er sagt: Wir müssen die partikulären Interessen möglichst verhindern, als einzige entscheidende Gewalt aufzutreten.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Gemeint ist z.B. die Möglichkeit, daß per Mehrheitsbeschluß 51% 49% töten. „Und deswegen die Idee Hegels, die Partikularinteressen zu verhindern, also Majoritätsentscheidungen zwar zuzulassen, aber am Ende wenigstens einen letzten Entscheider - für ihn gibt es ja nicht den letzten Entscheider, sondern nur die letzte Entscheidung -, mit der letzten Entscheidung noch einmal Vernunft walten zu lassen. Platon hätte gesagt: ja, dann nehmt doch den Philosophen; bloß, der Philosoph muß auch erst gewählt werden. Das Entscheidende ist eben, daß der Monarch nicht gewählt werden muß, sondern er wird geboren, und das ist Zufall oder Gottes Werk .... Und der Sohn ist nun das entscheidende zweite Element, nicht nur der Sohn, sondern auch seine Ahnenreihe, denn es gibt natürlich ein zweites großes Problem der Demokratie und insbesondere ... seiner Institutionen: daß diese nämlich auf gewisse Zeit gewählt werden. Und nun kann man sagen: ja, das ist ja das Schlimme an der Monarchie, daß der Kerl ewig dranbleibt. Aber das ist eben auch der große Vorteil. Und deswegen ist es ein sinnvolles Element, ihn auch mit in die Entscheidungsfindung einzubringen. Denn er ist jemand, der mit Sicherheit die Dauerhaftigkeit des Staates vertritt. Er will, daß seine Befugnis der Letztentscheidung auch an seinen Sohn übergeht. Und er hat natürlich auch eine Ahnenreihe, die ihn zu etwas verpflichtet - zur Kontinuität. Und da können Sie sich fragen, ob revolutionäre Politik - nehmen Sie ganz konkrete Dinge aus der Jetztzeit, etwa Hilfspakete von riesigen Geldsummen innerhalb der EU oder Einwanderungsbestimmungen, die vollkommen radikal sind -, ob dagegen ein solcher letzter Entscheider nicht eingeschritten wäre, der gesagt hätte: Moment, das ist nicht für die Dauerhaftigkeit des Staates gedacht. So kann ich den Staat meinem Sohn nicht in der Weise übergeben, wie ich ihn selbst erhalten habe. Also, die Dauerhaftigkeit dieses Amtes ist ein weiteres wichtiges Element, diese familiäre Komponente. Und das ist für Hegel ja auch sehr wichtig; er hat ja ein großes Kapitel über die Familie in der Gesellschaft und in der Rechstphilosophie. Ein ganz wesentliches Element. Und er verkörpert es - als Amt. Eine kurzfristige Entscheidung, die also kurzfristige, kurzfristig lohnende Ziele ergibt, aber langfristig unsinig ist, würde er also nicht zulassen.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Parteipolitikern und anderen kurzfristig gewählten Personen kann es egal sein, was nach der Wahlperiode sein wird. Dem letzten Entscheider jedoch kann es nicht egal sein. „Und deswegen ist das so eine entscheidende und wichtige Idee Hegels: zwei wichtige Elemente - Unabhängigkeit und Langfristigkeit - stecken im Monarchenamt. Und deswegen ist es so sinvoll, einem solchen unabhängigen und langfristig denkenden, verhältnismäßig vernünftigen Menschen einen wesentlichen Teil der Entscheidungsfindung zu überlassen, zumindestens das letze Veto zu geben.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). „Die Reichsverfassung von 1871 ist etwas, was tatsächlich - man könnte sagen - nach dem Hegelschen Prinzip funktioniert. Und lassen Sie sich im übrigen ausdrücklich nicht erzählen, daß etwa die Hegelsche letzte Entscheidung beim Bundespräsidenten liegt. Das wird ja an den Universitäten noch heute gelehrt. Es ist völliger Unsinn. Das ist keine letzte Entscheidung. Das Entscheidende für Hegel an der letzten Entscheidung ist die Unabhängigkeit. Und der Bundespräsident ist nicht unabhängig. Es ist das reine Amt, das nur zum Schein dieser Unabhängigkeit vorhanden ist und im Grunde ein Betrug am Volk, dem dieses Grundgesetz aufgebürdet wird.“ (Vgl. Thomas Wangenheim im Film). Bleibt nur noch die Hinzufügung, daß derjenige Teil des Adels, der heute zwar noch de jure „im Amt“ ist (z.B. in England ), über keine Macht mehr verfügt, also nicht mehr de facto „im Amt“ ist, obwohl er reich ist.

In „Wangenheims Literaturliste zur Allgemeinbildung“ (Thomas Wangenheim) nennt Thomas Wangenheim die folgenden Autoren und Bücher:
Aischylos : Sieben gegen Theben.
Aristophanes : Die Ritter; Die Acharner; Die Wolken; Die Weibervollversammlung.
Aristoteles : Verfassung der Athener; Nikomachische Ethik.
Burckhardt, Jacob : Weltgeschichtliche Betrachtungen.
Carlyle, Thomas : Geschichte Friedrichs des Zweiten (zur Auswahl).
Chamberlain, Houston Stewart : Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts (2 Bände); Kriegsaufsätze; Neue Kriegsaufsätze.
Cicero, Marcus Tullius : De legibus (Vom Recht).
Descartes, René : Meditationen über die erste Philosophie.
Diels, Hermann / Kranz, Walther : Die Fragmente der Vorsokratiker.
Eckermann, Johann Peter : Gespräche mit Goethe.
Epikur : Briefe.
Euripides : Medea.
Fichte, Johann Gottlieb : Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre; Bestimmung des Gelehrten; Über Glückseligkeit.
Goethe, Johann Wolfgang von : Goethes Leben von Tag zu Tag (zur Auswahl).
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich : Enyzklopädie der Wissenschaften (darin: Wissenschaft der Logik; Lehre vom Sein); Grundlinien der Philosophie des Rechts; Wer denkt abstrakt?.
Herder, Johann Gottlieb : Abhandlung über den Ursprung der Sprache; Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft (1., 2. & 3. Teil).
Humboldt, F. Wilhelm C. C. F von : Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen (zur Auswahl); Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers.
Hume, David : A Treatise of Human Nature (zur Auswahl).
Illig, Herribert /Löhner, Franz : Der Bau der Cheops-Pyramide.
Kaerst, Julius : Geschichte des hellenistischen Zeitalters (Band I und Band II 1).
Kant, Immanuel : Kritik der reinen Vernunft (Einleitung, 1. & 2. Teil); Grundlegung zur Metaphysik der Sitten; Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes.
Kessler, Harry C. U. von : Tagebuch (1880-1937) (9 Bände, zur Auswahl).
Kirkegaard, Søren : Entweder – Oder (zur Auswahl).
Kleist, B. Heinrich W. von : Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden.
Kluge, Friedrich : Deutsche Sprachgeschichte.
Locke, John : Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand.
Lukian : Vom Tanz; Wie man Geschichte schreiben muß.
Mann, Thomas : Betrachtungen eines Unpolitischen; Von deutscher Republik; Deutschland und die Deutschen.
Marx, Karl : Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (siehe Hegel).
Meyer, Eduard : Geschichte des Altertums (Band 1, Band 2, Band 3).
Mommsen, Theodor : Römische Geschichte (zur Auswahl).
Nietzsche, Friedrich Wilhelm : Also sprach Zarathustra; Jenseits von Gut und Böse; Ecce Homo; Menschliches, Allzumenschliches.
Platon : Parmenides; Phaidros; Sophistes; Protagoras; Gorgias; Kritias; Theaitetos.
Plautus : Amphitryon; Captivi.
Ranke, Franz Leopold von : Französische Geschichte; Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation.
Rousseau, Jean-Jaques : Spaziergänge eines einsamen Träumers.
Schelle, Karl Gottlob : Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen.
Schiller, J. C. Friedrich von : Über die ästhetische Erziehung des Menschen; Über naive und sentimentalische Dichtung; Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte.
Schlegel, K. W. Friedrich von : Ästhetische und politische Schriften.
Schopenhauer, Arthur : Die Welt als Wille und Vorstellung (1. Buch); Parerga und Paralipomena; Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde.
Sophokles : Ödipus; Elektra.
Spengler, Oswald A. G. : Der Untergang des Abendlandes (2 Bände); Der Mensch und die Technik; Neubau des Deutschen Reiches; Pessimismus?; Preußentum und Sozialismus; Politische Pflichten der deutschen Jugend; Jahre der Entscheidung.
Tacitus : Germania.
Terenz : Adelphoe.
Treitschke, Heinrich G. von : Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert.
Vaihinger, Hans : Philosophie des Als Ob (zur Auswahl).
Weber, Max : Wissenschaft als Beruf; Objektivitätsaufsatz.
Ein Bild von Spengler über Wangenheims Schreibtisch
Thomas Wangenheims Bücherregal Die obersten Regale in meinem Hauptbücherschrank
Vergleichen Sie das mit den Namen derjenigen Autoren, denen ich eine Dankesseite gewidmet habe und von denen die meisten nicht zufällig auch im Ranking der Namensnennungen und Seitenverweise ganz oben stehen. Oswald Spengler führt Thomas Wangenheims Literaturliste mit 7 verschiedenen Werken in 8 Büchern an (**). Auch das also ist ähnlich wie in allen meinen Autoren-Ranglisten, die in der Gesamtwertung von Spengler angeführt werden (**). In meinem Literaturverzeichnis sind alle die von Thomas Wangenheim genannten Autoren mit ihrern Werken ebenfalls aufgelistet.
  A    B    C    D    E    F    G    H    I    J    K    L    M    N    O    P    Q    R    S    T    U    V    W    X    Y    Z 

Ich habe mir soeben den ersten Teil des Hörbuches, der wohl den ersten Teil der Einleitung zu Wangensteins „Kultur und Ingenium beinhaltet, angehört und das Gesprochene verschriftlicht:
„In diesem Buch offenbart sich zum ersten Mal der Entschluß der Zeit, ihre Richtung umzukehren. Es stellt dem ewigen Altern die Verjüngung entgegen, dem Verfallsgedanken das Erwachen. Es ist der Wille zur Beherrschung der Zeit, der sich in dieser neuen Schau seine Form verschafft. Die Zeit ist als Ausdruck des Werdens der Urstoff alles Geschichtlichen, alles Zukünftigen, des Lebens selbst. Das unmittelbare Erlebnis des Lebendigen lehrt uns ihren Wesenszug. Und doch sind wir darin einer großartigen Täuschung erlegen. Der absonderliche Charakter der Zeit - entgegen dem Körper im Raume - immerzu in ein und derselben Richtung dahinzuströmen, hat über Jahrtausende die Auffassung dieses merkwürdigen Fluidums bestimmt und uns damit seine eigenartige Natur des Unumkehrbaren aufgezwungen. Diese Philosophie hat zum letzten Ziele, die Zeit nun unter die Herrschaft des Denkens zu zwingen. So wie die mechanische Kraft den Körper im Raum aus der Bewegungslosigkeit befreit und ihm den Willen einer Richtung verleiht, so wird nun erstmals eine geistige Kraft erhoben, die Zeit umzukehren, die Richtung ihres Laufes in einem willentlichen Akt zu brechen. Ich diktiere mit dieser Schrift der Zeit, nach rückwärts zu gehen. Sie wird es widerstandslos hinnehmen, denn sie ist eine Schöpfung des Geistes erst. Es ist dieses freche Unterfangen bloß noch nie in Erwägung gezogen worden. In jenem Akte der Überwindung der Zeit wird es zugleich das Wesen des Jetzt sein, welches aus dem Strome des Daseins gerissen plötzlich nackt und in Scham, uns ewiglich getäuscht zu haben, daniederblickt. Wir sind es selbst, die sich darin entkleiden, uns ehrlich gegenüberstehen, aus dem Flug durch Zeit und Raum endlich ruhig und reuevoll in die Beichte vor uns selbst treten. Denn Geschichte begreifen, verstehen was die Abfolge der Ereignisse, der Willensbekundungen jedes Zeitalters bedeutet, das wird erst möglich, wenn wir aus dem Jetzt, dem sich verdunkelnden Gewordenen und dem geahnten Werden heraustreten und damit Zeit an sich schauen. Weil die Möglichkeit hierzu nie überhaupt nur in Betracht kam, ist auch noch keine von der Zeit losgelöste Anschauung des Historischen ausgesprochen worden. Man hat so niemals eine unpolitische, ohne Absichten und parteiische Gesinnungen durchtränkte Geschichtsphilosophie zu schreiben vermocht, sondern ohne Ausnahme die Anweisung, den Rat einer Zeit, ja eines gesellschaftlichen Willens geäußert. Die Vorstellung von einem Hohen und einem Niederen, von Gut und Böse mußte es bis in die letzten großen Entwürfe unseres Denkens tragen. In allen Äußerungen der Vergangenheit haben wir deshalb nichts als Vergangenes gesehen, manchmal im Schicksal der Kulturen etwas Zukünftiges für uns, sofern es die Zukunft der Alten war. Daß aber uns selbst die Zukunft Vergangenheit ist, daß es ein inhärentes Gebaren der Zeit ist, nicht fortzuschreiten, sondern immer und immer wieder umzukehren, das haben wir in unserem stetigen Eindruck vom Jetzt und der rein äußerlichen Täuschung des Alterns immer übersehen. Jenen Wechsel des Zeitlaufs in den Epochen, den Ständen, den Geschlechtern, den politischen Herrschaftsverhältnissen und ästhetischen Formensprachen, den philosophischen Ideen, den literarischen und religiösen Formen, den technischen und mathematischen, den wirtschaftlichen und militärischen Verhältnissen als Ausdrücke eines Prinzips zu verstehen - und damit uns selbst - ist diese Geometrie der Geschichte geschrieben. Wir werden auf ihr die sicheren Pinselstriche eines von jeder Geringschätzung befreiten Bildes der Vergangenheit, des Jetzt und der Zukunft zu zeichnen verstehen. Es eröffnet sich darin eine völlig neue Form der Toleranz des Blicks, welche vom Gang der Zeit losgelöst eine Geschichte des Menschengeschlechts ermöglicht, die bisher noch kaum geahnt werden konnte. Es ist ein Bild, das im Ganzen erst jetzt - die großen Kämpfe des Geistes und der Waffen unserer abendländischen Geschichte hinter uns - in reichlicher Beklemmung und doch zugleich gespannter Entschlossenheit zu Papier gebracht werden konnte, da wir jene Kämpfe bereits wieder herannahen sehen.“ (Thomas Wangenheim Thomas Wangenheim).
Im Anhang ist auch das Inhaltsverzeichnis für das Buch zu finden:
Inhaltsverzeichnis:
1.   Einleitung
2.   Graphiken zur fraktalen Geometrie der Weltgeschichte
3.   Form und Zahl
4.   Römische Morphologie
5.   Malerei der Bewegung
6.   Die abendländische Königszeit
7.   Die kultische Philosophie des Abendlandes
8.   Der Sieg der geozentrischen Weltanschauung
9.   Das Verhältnis von Portrait und Plastik
10.   Willensphilosophie und Bewegungsgedanke
11.   Das spätabendländische Ingenium
12.   Kredit und Arbeit
13.   Griechischer Kultus
14.   Musik, Geschlecht, Generation
15.   Der Zerfall der Fraktalität

Es folgen zwei öffentliche Reaktionen auf Thomas Wangenheim und sein 2013 veröffentlichtes Buch „Kultur und Ingenium“, daß ich, wie gesagt, noch nicht gelesen habe:
„Es dürfte wohl schwierig sein, in der historiographischen Literatur der letzten Jahrzehnte auf ein in jeder Beziehung so unzeitgemäßes Buch zu stoßen wie Wangenheims »Kultur und Ingenium«   –  unzeitgemäß, wohlgemerkt, im besten Nietzsche’schen Sinne.“ (Prof. Dr. David Engels, 2014). Schmidtsche Verlagsbuchhandlung
„Was wie ein Erweckungsruf daherkommt, braucht tatsächlich den Vergleich mit dem Untergang des Abendlandes nicht zu scheuen! .... Kühn bis zum Hochmut – aber voll verwegener Gedanken.“ (Dr. Frank Lisson, 2014). Schmidtsche Verlagsbuchhandlung
Wie aber will - und soll (!) - Thomas Wangenheim das Adjektiv „kühn“, das Substantiv „Hochmut“ und das Adjektiv „verwegen“ verstehen?

Gruß an Kiel.

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NACH OBEN

HB und RB

28.11.2018, 21:05

„Den folgenden Text erhielt ich per Post am 15.05.2012 von Dir:

»Die vielen anderen Werte habe ich mir, hin und her gerissen von familiären Ereignissen, natürlich bei der 'Familie vorort' angeeignet. Größtenteils aber bei Freunden verändert/verfeinert. Dies wiederum führt teils dazu, dass mein Fokus auf Freundschaften und weniger bei Familie liegt. Soll nicht heißen, das es familiär vernachlässigt wurde sondern meine Prioritäten anders lagen.« **

Dein »Fokus« liegt also »auf Freundschaften und weniger bei Familie«. Das erklärt selbstredend viel von dem, was Du Dir da in Deinem letzten E-Brief zurechtgeschrieben hast. Es ändert aber trotzdem nichts daran, daß es Unsinn ist. Denn es gibt keine echte Alternative zur Familie, und das habe ich Dir damals auch immer wieder geschrieben. Doch Du hast immer nur auf »Freundschaften« gepocht.

Den folgenden Text erhielt ich per E-Post am 07.07.2012 um 13.45 Uhr von Dir:

»Meine Freunde sind mir sehr wichtig, wichtiger als meine Familie es je zu sein scheint.« **

Deine Freunde sind Dir also »wichtiger als Deine Familie es je zu sein scheint«. Noch einmal: Ich habe Dir immer wieder geantwortet, daß die Familie wichtiger ist als jede (! - also auch jede noch so gut funktionierende! -) Freundschaft. Es folgt eines von vielen Beispielen (ich habe sie alle gespeichert ):

»Doris und alle anderen Menschen, die nie erlebt haben, was ich erlebt habe, können (und wollen) das garantiert nicht verstehen, denn sie wissen nicht, was es heißt, wenn ein Vater Vater sein will und es nicht darf. Und es deshalb nicht darf, weil eine unmündige ›Mutter‹ es ihm verbietet. Und es deshalb verbieten darf, weil ein unverantwortlicher ›Staat‹ es ihr erlaubt. Und es deshalb erlauben darf, weil die globalistischen Herrscher es so wollen. Divide et impera (teile und herrsche)!

Vielleicht magst Du ›die Freunde‹ auch deshalb lieber als die Familie. Die Familie wird geteilt, damit besser geherrscht werden kann. Die Kinder gehorchen irgendwann immer mehr den Mächtigen, was diesen sehr entgegenkommt. In den Slums vieler Städte ist das doch auch schon lange zu beobachten (in Amerika z.B. am längsten): lieber zur Gang gehören als zu einer Familie, die, wenn man den Gangmitgliedern glaubt, keinen Halt (mehr) gibt.

Ich will nur hoffen, daß Du das mit ›den Freunden‹ bald anders siehst, denn im Grunde (im Grunde!) ist die Familie das beste und eigentlich auch solideste der kleinsten Kollektive - sie ist eigentlich unersetzbar .... Freunde wenden sich nämlich auch hin und wieder ohne Grund von einem ab, Verwandte nicht .... Es ist und bleibt ein »Tanz auf dem Vulkan«, wenn man z.B. die Familie durch ›die Freunde‹ ersetzt!« **

Wenn Du also so sehr viel von Freundschaft und so sehr wenig von Familie hälst, so muß man sich doch sofort fragen, warum ausgerechnet Du dann eine Familie gegründet, zumindest mitbegründet hast. Wäre es dann nicht besser gewesen, ohne Kinder, also ohne Familie zu bleiben? So jedenfalls hast Du es ja in Deinem Brief und Deinen E-Briefen immer wieder deutlich gesagt.

Liebe Grüße und alles Gute für Dich und Deine »Familie«, die Dir offenbar so viel Streß bereitet.“ **

 

 

NACH OBEN

HB und MB (Michael Boden)

01.12.2018, 20:35

Guten Abend, Herr Brune,

ich habe Ihre beiden letzten Mails erhalten und einmal gelesen.

Ich bitte um etwas Geduld.

Herr Wangenheim scheint sich ja wohl als eine Reinkarnation von Spengler zu fühlen. Begabtheit und hohe Intelligenz und Wissenshunger und ein phänomenal gutes Deutsch, will ich Ihm nicht absprechen.

Haben Sie Gottfried Curios Rede im Bundestag gehört?? Mir wurde schlecht vor Angst, fast Panik.

Ich habe eine Möglichkeit, mich nach Thailand abzusetzen, was ich gar nicht will, denn ich hasse die Tropen. Aber in Grönland habe ich keine Freundin.

Wehren statt davonlaufen? Ja, schon, aber wir haben eine neue SA. Und ich bin 66, nicht 26.

Bis bald.

Michael Boden, zutiefst verstört.

***

02.12.2018, 00:51

Fotomontage („Osmas Spengenheim“ oder „Thowald Wangler“)
„Osmas Spengenheim“
oder
„Thowald Wangler“.

Daß Herr Wangenheim „ein phänomenal gutes Deutsch“ (**) benutzt, ist nicht ganz richtig, denn ich habe Ihnen ja schon erzählt, mehrere „grammatische und orthographische Fehler“ (**) in seinen Texten gefunden zu haben - als Sprachwissenschaftler entgeht einem das einfach nicht. Ich meine nicht Tippfehler, sondern grammatische und orthographische Fehler.

Auf Ihre Vermutung, Wangenheim scheine „sich ja wohl als eine Reinkarnation von Spengler zu fühlen“ (**), regaiere ich erst einmal nur mit einer Fotomontage: „Osmas Spengenheim“ oder „Thowald Wangler“. Ob Herr Wangenheim sich wirklich als eine solche Reinkarnation fühlt, weiß ich nicht, halte es aber für durchaus möglich (**|**). Herr Spengenheim oder Herr Wangler sollte einige Aufsätze schreiben, dazu einige Reden halten, die zusammen aber erst nach seinem Tode als Buch unter dem Titel „Reden und Aufsätze“ von seiner Nichte veröffentlicht werden sollen.

Interessant ist auch, was David Engels als Rezension zu Wangenheims „Kultur und Ingenium“ geschrieben hat:

„Nachdem Wangenheim auf mehr als 500 Seiten in meisterhafter Darstellung und überlegener Diktion eine ganz eigene Morphologie der Weltgeschichte vorgestellt hat ..., stellt er nun die gesamte Theorie grundlegend in Frage - oder vielleicht auch nicht, muß sich doch jeder Leser aufgrund der Komplexität der hier erhaltenen Aussagen letztlich sein persönliches Bild machen. So erklärt Wangenheim zum einen, daß im Laufe der Untersuchung der Verdacht immer größer geworden sein dürfte, die Zuweisung einzelner Gesellschaftsströmungen zu »Kultur« und »Ingenium« könne oft durchaus auch gänzlich umgekehrt werden, ohne doch die Überzeugungskraft der Darstellung grundsätzlich in Frage zu stellen, ganz ähnlich, wie ja auch gegen Ende von Thomas Manns »Zauberberg« Naphta und Settembrini austauschbar zu werden scheinen, ohne doch ihren grundlegenden Antagonismus aufzulösen ....

Die Erkenntnis von der Beliebigkeit der Zuweisung vieler historischer Einzelerscheinungen zu Kultur oder Ingenium bedeutet nun aber keineswegs eine vollkommene Relativierung und Aufgabe der Annahme der beiden Grundprinzipien, sondern vielmehr die Notwendigkeit für den Leser (oder auch autobiographisch für den Verfasser; das verwendete »wir« läßt hier einen Zweifel offen), sich nunmehr dem Einfluß der vorgestellten Thesen zu entziehen und sie zu überwinden. Und so heißt es gegen Ende der Darstellung (wobei sich der Spengler’sche Duktus gewissermaßen gewollt selbst widerlegt): »Ich erkläre hiermit den Untergang der vorliegenden Denkungsart. Sie ist in ihrer eigenen Selbstbestimmung zerfallen. Ihre Zersetzung durch sich selbst ist kultisch, begrifflich, dem Gesetz nach ein Niedergang. Ingen ist es ein Gewinn, ein Gewinn von Freiheit – eine Freiheit, wie sie mit jedem untergehenden Gedanken geschaffen wird. Jede Konstruktion schränkt das Denken notwendig ein. Der Zweifel befreit von ihrer Konsequenz. Um die Freiheit zurückzugewinnen, muß diese Theorie nun scheiden. Sie ging an sich selbst zugrunde. Sie war der Versuch, eine historische Logik zu schmieden – die tolldreiste Frechheit der Superbia.« (S. 521).

Bedeutet das nun aber, daß das Buch umsonst war? Daß der Verfasser seine These als ungültig erkannt habe und daher nunmehr grundsätzlich ablehnt? Daß alles nur Ironie und Parodie war, gewollte Irreführung des gutgläubigen Lesers? Daß 500 Seiten Geschichtsphilosophie nur zum Aufbau einer literarischen Spannung verfaßt wurden, welche einzig im Dienste einer Art Nietzsche’scher Götzendämmerung stehen sollte? Auch hier kann letztlich nur der einzelne Leser die Entscheidung treffen, sollte dabei aber nicht vergessen, daß der Verfasser (dessen historische Selbstverortung am Endpunkt der abendländischen Geschichte übrigens in seinen eigenen Grafiken auch morphologisch recht genau bezeichnet ist) selbst noch im scheinbaren Verwerfen des eigenen Denkens wesentlich innerhalb der eigenen Argumentation verbleibt und damit keineswegs vom Ingenium in die Freiheit ausbricht - sondern vielmehr wiederum in die Kultur ... und vielleicht gar in eine neue Genese, ganz im Sinne der ersten Worte des Werkes, wo, vom Leser noch unverstanden, der »Entschluß der Zeit, ihre Richtung umzukehren« (**), erwähnt wird ....“ David Engels, a.a.O.

„Verwegene Gedanken“ (**) des wunderlichen Herrn Wangenheim?

Herr Boden, Sie fragten, ob ich „Gottfried Curios Rede im Bundestag gehört“ (**) hätte. Nein. Was hat er denn gesagt?

Sie haben also eine Möglichkeit, sich „nach Thailand abzusetzen“ (**), hassen aber „die Tropen“ (**), was ich gut verstehen kann, obwohl ich meine Abneigung gegen die Tropen nicht so kraß beschreiben würde. Sie würden gern nach Grönland auswandern, haben dort aber „keine Freundin“ (**). Haben Sie denn in Thailand eine Freundin?

Meinen Sie mit der neuen „SA in Deutschland“ (**) die „Antifa“?

Ich bin sehr beunruhigt über Sie, weil Sie geschrieben haben, Sie seien „zutiefst verstört“ (**). Warum?

Vielleicht sollte ich im Winter nach Kiel kommen. Wie ist Kiel im Winter?

Gruß an Kiel.

***

02.12.2018, 16:33

Die grammatikalischen (grammatischen! HB) Fehler Wangenheims, sind mir tatsächlich nicht aufgefallen, muss ich mal genauer hinschauen.

Ja, mit SA meine ich die Antifa.

Mit dem Global Migration Pakt beschäftige ich mich erst seit ganz wenigen Wochen. So ist mir erst bei Curios furioser Rede wirklich klar geworden, was für ein Elend auf Deutschland (aber auch dessen Nachbarn) zukäme, wenn man dies nicht verhindert oder zu einem Moratorium zwingt (**). Gott, ist der lang, dieser Link. Hoffentlich funktioniert er.

Ja, nach Thailand habe ich eine persönliche, beglückende Beziehung. Aber die Hitze schafft mich, und seit einiger Zeit werde ich kulinarisch wieder etwas konservativer. Monatelang Thai-Essen, das mag ich nicht mehr.

Kiel im Winter ist scheußlich, gar nicht so kalt, aber dunkel.

***

02.12.2018, 17:54

Danke für den Verweis zu Curios Rede im Bundestag (**). Haben Sie die Verteilung der Geschlechter und Hautfarben hinter Curio bei der Bundestagspräsidentin gesehen? In einem weißen Land. Von sieben Menschen vier Frauen (57,14%), drei Männer (42,86%), und von diesen drei Männern ein Neger (33%). Daß es eine solche Verteilung überhaupt gibt, ist schon sexistisch und rassistisch genug. Aber daß es genau so und nicht anders verteilt ist, ist kein Zufall, sondern zeigt genau den Sexismus und Rassismus, der auf uns projiziert wird und in Wirklichkeit nur in Lobby und Obrigkeit existiert. Daß die beiden weißen Männer (28,57%) überhaupt noch geduldet werden im Bundestagspräsidium, im Bundestag, im Bundesgebiet .... Muß ich noch mehr sagen?

Nur nebenbei: Es sind keinegrammatikalischen“ (**), wie Sie sagen, sondern grammatische Fehler, keine orthographikalischen, sondern orthographische Fehler, keine semantikalischen, sonder semantische Fehler, keine mathematikalischen, sondern mathematische Fehler. Nicht wenige Mathematiker sagen gerne „grammatikalisch“. Warum? Weil sie auch mit mathematischen Grammatiken zu tun haben, die vom Adjektiv her gesehen eben „grammatisch“ sind. Um diese mathematischen Grammatiken von den linguistischen Grammatiken zu unterscheiden, benutzen sie gerne das Adjektiv „grammatikalisch“. Grammatisch falsch ist es aber trotzdem (). Man muß ja nur im Duden nachsehen. Das Adjektiv „grammatisch“ ist grammatisch richtig.

Um ein Beispiel zu geben: In Ihrer letzten Nachricht ist Ihnen mit dem Wort „konservativer“ (**) ein semantischer Fehler unterlaufen. Das Thai-Essen ist ja schon ein konservatives Essen, d.h. ein Essen mit Tradtion.

Daß wir in einem „Zeitalter der Beliebigkeit“ leben, zeigt eben auch die Unbestimmtheit der richtigen Schreibweise, dabei war es früher eindeutig, d.h. es gab keine verschiedenen Möglichkeiten der Schreibweise. Es will nur niemand Verantwortung haben, niemand Festlegungen machen müssen, niemand für überhaupt irgendetwas geradestehen müssen. Das ist Beliebigkeit bzw. Unbestimmtheit. Dieses „Zeitalter der Beliebigkeit“ wurde (und wird leider immer noch) fälschlicherweise „Postmoderne“, also „Nachmoderne“ genannt, doch, wie wir hundertprozentig wissen, ist die Moderne nicht vorbei. Die Unbestimmtheit, von der ich eben sprach, geht zurück auf Werner Heisenbergs Unschärferelation bzw. Unbestimmtheitsrelation und bezieht sich natürlich in erster Linie auf die Wissenschaften, namentlich die Naturwissenschaften, aber auch die „Sozial“- und Geisteswissenschaften sind davon betroffen, wollen es aber nicht wahrhaben. Sie wissen ja sicherlich, was die Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation besagt. Was ich aber nur sagen wollte, ist: es gibt immer noch die Regel, daß es „grammatisch“ und eben NICHT „grammatikalisch“ heißt. Die grammatische Regel und auch die orthographische Regel (die nicht dasselbe wie die grammatische Regel ist!) für das Adjektiv „grammatisch“ gilt also immer noch, nur wollen das viele nicht akzeptieren, weil es da die Unsicherheit gibt, die zur eben genannten Unbestimmtheit führt, die sich wiederum als Beliebigkeit äußert (kulturphilosophisch also: als Nihilismus, Dekadenz usw.). Ja, so ist das eben ....

Wer „Neger“ sagt, ist nicht böse! In Afrika sind immer noch Flüsse und Staaten nach den Negern benannt, z.B. Niger und Nigeria. Wo ist das Problem? Es gibt da keines. Diejenigen, die das Wort „Neger“ als „Problem“ verinnerlicht haben, haben also selbst ein Problem. Sie haben es und machen sich dadurch selbst zum Problem.

Die Buren werden ausgerottet! Ganz genau! Und niemand steht auf und ist - wie angeblich sonst - empört! Gibt Ihnen das nicht zu denken, Herr Boden? Es ist genau das, was ich schon seit Jahrzehnten sage. Die Weißen sollen ausgerottet werden, und sie werden längst ausgerottet. Hitlers Verbrechen sind Niedlichkleiten im Vergleich zu denen der heutigen Machthaber; Hitlers Verbrechen waren schon Niedlichkeiten im Vergleich zu denen der Kommunisten wie v.a. Lenin, Stalin, Mao und Pol Pot, die alle zusammen 300 Millionen Menschen getötet haben, jeder also durchschnittlich 75 Millionen. Die Zahl der Weißen beläuft sich derzeit auf rd. 1 Milliarde, vielleicht auch mehr. Mindestens 300 Millionen Moslems wollen nach Europa und meinen damit natürlich primär Deutschland oder Schweden. Mit den Negern zusammen sind diese „Ausreisewilligen“, auf die die Menschenhändler („Schleuser“ - wie nett umschrieben!) immer schon warten, derzeit auf eine Anzahl von 700 bis 900 Millionen zu bemessen. Die Menschenhändler gehören zu einer Mafia; diese Mafia ist längst ein Lobbyist bei der UNO, der EU, der Bundesregierung usw.. Sie und natürlich hauptsächlich der superreiche Jude George Soros (eigentlich: Schwartz), der schon damals seine Mitjuden an die Nazis verraten und ausgeliefert hat, stecken hinter diesem rassistischen „Migrationspakt“. Die sogenannte „Antifa“ ist übrigens auch eine von Soros massiv unterstützte militante „Gruppierung“. Das hat Trump schon richtig erkannt. Da der Jude Soros mit den Nazis zusammenarbeitete, ist es ja auch kein Wunder, daß er jetzt schon wieder eine SA (= „Antifa“) unterstützt.

So wie es den Buren ergangen ist und immer noch ergeht, so wird es bald auch den anderen Weißen ergehen, schon jetzt geht es ja bestimmten Europäern so. Es ist diese widerliche Mischung aus Kapitalismus und Kommunismus, die dazu führt, daß beide - Kapitalismus und Kommunismus - sich von ihrer jeweiligen absolut ausufernden, abscheulichsten und menschenfeindlichsten Seite zeigen, so daß jeder Kapitalist von früher und jeder Kommunist von früher vor Neid erblassen könnte, wenn er noch lebte. Also zeigt sich diese widerliche Mischung auch in der Hautfarbe und im Geschlecht, also als Rassismus und Sexismus extremster Art. Die spenglerschen Cäsar(ist)en nahen, Herr Boden! Die römischen waren nichts dagegen! Und wie gesagt: die schlimmsten kommen ja erst noch. Die Opfer sind derzeit die Weißen - statistischer Hauptnenner: die männlichen Weißen. Dafür können sie jede Begründung hernehmen. Wem gegenüber sind sie Rechenschaft schuldig? Sie sind die Reichsten, also die Mächtigsten. Keiner von ihnen ist Politiker! Denn ihre Politik ist privat! Meiner Meinung nach sind sie keine Menschen mehr, sondern Monster, cäsarische Monster.

Mir kommt es manchmal so vor, als würden wir schon in der Hölle leben. Jetzt sollen sogar die Gesetze gelockert werden, damit die Statistik „übereinstimmen“ kann mit der Ideologie und die kriminellen Einwanderer unbestraft bleiben können, sich pudelwohl fühlen, während die Einheimischen vergewaltigt, enteignet, also entrechtet, nicht wenige von ihnen getötet werden, jedenfalls aber der völligen Vernichtung ausgesetzt werden.

Wie schnell eine Jahrtausende alte Gesellschaft - und ich meine hier die gesamte westeuropäische - abgebaut werden kann, sieht man seit 1989/’90, seit dem Mauerfall also, besonders seit 2015, als die Eroberung durch fremde Massen in einem zuvor noch nie dagewesenen Ausmaß zugelassen wurde, obwohl die wiederum nur offen zeigte, was schon längst faul war an der ganzen Angelegenheit, die schon seit dem Ende des 2. Weltkrieges, wenn nicht schon seit dem Ende des 1.Weltkrieges hier ihr Unwesen treibt. Es ist ja auch schon merkwürdig, daß der 1. Weltkrieg überhaupt stattfinden konnte. Der ist nämlich auch von außen angestimmt und inszeniert worden. Das Attentat von Sarajevo an den österreichischen Thronfolger war nur einer der vielen Versuche, den 1. Weltkrieg zu provozieren. Hinter diesem Attentat steckte Serbien, steckte aber eben auch Rußland, das eine panslawistische Politik betrieb. Aber die wahren Drahtzieher waren andere, nämlich bereits solche Privatmänner im Abendland, wie Spengler sie für die apollinische Antike und eben auch schon für das faustische Abendland beschrieben hat. Und so sehen wir, daß die abendländischen Privatmänner nicht - wie z.B. im antiken Rom - das Geld protzend vor sich her tragen, sondern gar nicht in Erscheinung treten und trotzdem alles bestimmen. Denken Sie z.B. an die Warburgs, die aus Warburg sind; denken Sie vor allem an die Rothschilds, die aus Frankfurt sind, eigentlich Bauer heißen und in der Judengasse mit dem roten (damals: „rothen“) Schild wohnten. Sie haben die meiste Macht, aber nur wenige kennen sie. Das war im antiken Rom genau andersherum, wo die Reichsten und also die Mächtigsten ihr Geld prahlend und protzend vor sich her trugen, damit jeder es sehen konnte. Bei uns heute sind die Namen der Reichsten und also die Mächtigsten gar nicht erwähnt, auch nicht bei Forbes (Forbes). Man könnte schlußfolgern, daß die heutigen Mächtigtsen von den damaligen Mächtigsten gelernt haben, weil sie verhindern wollen, daß sie entmachtet werden“; sie haben aber auch andere Wege, um sich abzusichern, um weiterhin relativ unbekannt und unbehelligt zu bleiben. Es kommt hier der Gegensatz zwischen dem antiken Seelenbild und Ursymbol einerseits und dem abendländischen Seelenbild und Ursymbol andererseits zum Ausdruck.

Ich spreche dieses Thema schon seit Jahrzehnten an. 2001 begann ich mit der Veröffentlichung meiner Webseiten (**), einige davon waren schon lange vorher fertig, andere nicht, aber das Thema „antideutscher, also antieuropäischer, also antiweißer Rassismus“ und das Thema „antimännlicher Sexismus“ beschäftigten mich schon lange, lange vorher, und sie beschäftigen mich natürlich noch heute. In unserem Land hätten wir 200 Millionen Deutsche mehr, wenn nicht seit den 1960er Jahren eine permanente Hetze gegen Kinder, gegen Familien, vor allem gegen Väter betrieben worden wäre, und diese Hetze richtete und richtet sich auch und besonders gegen Frauen, echte Frauen (Weiber), also Mütter! Damals hieß es im Propagandablatt „Der Stern“: „Ich habe abgetrieben!“ Da ging es nie um Freiheit, sondern darum, uns zu vernichten. Wir sind denen da oben und denen da unten zu intelligent, zu erfolgreich, zu reich (d.h. zu sehr ein Objekt der räuberischen Begierde, der Ausbeutung [die Hetze wird erst dann aufhören, wenn es nichts mehr auszubeuten geben wird]), also zu gefährlich. Darum müssen wir weg! Die da oben sind auch weiß, doch das ist egal, weil sie niemand attackieren kann, und die da unten sind nicht weiß, und das ist denen da oben und denen da unten aber nicht egal.

Alle westlichen Politiker sind nichts anderes als Marionetten der Globalisten. Wie ich schon seit gefühlten Ewigkeiten sage: Der Globalismus will alles - und alles Westliche, alles Nationale, ja alles Weiße abschaffen.
Tim
Tim Kellner   Tim Kellner
Er ist die politökonomische Version des abendländischen Nihilismus in seiner letzten Phase. Darum, so folgert Tim Kellner richtig, „sehen wir die Rothschild-Marionette Macron und die Soros-Vasallin Merkel, die mit einer peinlichen Geste da glänzt“ (Tim Kellner Tim Kellner), wo ihr Volk, mit dem sie nichts zu tun haben will, nur noch Verrat wittert. Wir werden, und zwar schon seit 1918, besonders seit 1945 und ganz besonders seit 1989/’90, verraten und verkauft. Wir leben unter dem Diktat eines Waffenstillstandes (1918), unter dem Diktat alliierter Besatzungsmächte (1918 und 1945), dem Diktat der bedingungslosen Kapitulation (1945), und alle bundesrepublikanische Kanzler haben es bis heute nicht vermocht, auch nur eine dieser Formen von Diktat abzumildern, sondern im Gegenteil: sie haben, insbesondere nach dem Mauerfall (1989) diese Diktatur sogar noch verstärkt, dem Volk das Kuschen in einem Ausmaß diktiert, wie es noch nie zuvor geschehen war. Noch deutlicher wurde diese Tatsache durch den mit Recht „Teuro“ genannten „Euro“ (1999/2002), durch die EU-Osterweiterung (2004 und 2007), durch die Globale Finanzkrise (2008) und natürlich durch die zahlenmäßig mit der vor rd. 2150 Jahren (!) begonnenen und vor rd. 1500 Jahren endenden Germanischen Völkerwanderung (**) vergleichbaren Afroasiatischen Masseneinwanderung (2015), die nun nicht etwa von unseren Politikern (Marionetten) bekämpft wird, wie es schon rein rechtlich ihre Pflicht gegenüber Volk, Verfassung bzw. Grundgesetz ist, sondern - ganz im Gegenteil - nun erst richtig und sogar „legalerweise“ vonstatten gehen soll.

Zu Wangenheim: Ich habe jetzt endlich wenigstens die vier Hörbücher zu „Kultur und Ingenium“ gehört. Im 4. Hörbuch z.B. geht es auch ganz gezielt um die Fraktale innerhalb der Geschichtsphilosophie Wangenheims.

„Das Fraktal ist logisch-kausal erzeugt, doch in der Masse seiner selbst gibt es sich dem Zufall hin. Das Denkmoment des Fraktalen, welches uns in seiner vielleicht ausschließlichsten Form, der Geschichte, noch gegenübertreten wird, reift so zum Mittler zweier bisher unvereinbarer Gegensätze heran, deren Opposition nicht weniger als alles in der Welt bestimmt. .... Fraktalität, Selbstähnlichkeit, heißt sich selbst bespiegeln, heißt das Bild des Bildes schauen, heißt nach der Bedingung der Möglichkeit fragen, heißt reflektieren. Dies ein Vorgang, der beliebig oft auf sich anwendbar ist, ohne aus der gegebenen Menge - denn sie bespiegelt sich selbst - herauszuführen. Der Begriff des Fraktalen ersetzt so die Spaltung in Determinismus und Zufall, in Ordnung und Wille, in Gesetz und Urteil, in System und Emergenz, in Wahrheit und Unbestimmtheit. Das ist es, was das Fraktale zu einer Denkgröße erhebt, welche das Ganze zu beherrschen in der Lage ist. Wir wollen diese Herschaft nun antreten.“ Thomas Wangenheim

Ich lag also schon anfangs mit meinen Vermutungen richtig.

Trotzdem überlege ich, ob ich mir das Buch nicht von meiner Frau zum Geburtstag schenken lassen soll.

Zum „Elend (**): Später will es keiner mehr gewußt haben, weshalb ich noch einmal wiederhole: Auf meinen Internetseiten ist doch schon seit 2001 zu lesen, welches Elend auf Europa zukommt. Vor 2001 habe ich das auch schon gesagt, nur hatte ich da noch keine eigene Internetseite.

Zur Freundin aus „Thailand (**): Haben Sie mir nicht einmal erzählt, daß Sie verheiratet sind?

Zu „Kiel im Winter (**): Aber, Herr Boden, so sehr dunkel ist es ja auch in Kiel nicht wirklich den ganzen Winter über, sondern nur eben in der dunkelsten Zeit des Winters.

Ich mag die Jahreszeiten. Tropen sind nichts für mich, Subtropen auch nicht. Der mitteleuropäische (breitengradmäßig!) Winter könnte zwar etwas kürzer sein, aber ansonsten mag ich auch ihn sehr. Ich bin mit den Jahreszeiten aufgewachsen und möchte sie niemals missen. Vielleicht sind sie auch deshalb eine der Grundlagen für meine Kulturtheorie. Ich wollte ja unbedingt eine naturwissenschaftlich begründbare Kulturtheorie. Deshalb sollte diese mit den Erkenntnissen über das Universum und das Sonnensystem (Kosmologie, also Physik) sowie über die Erde selbst (Geologie, also Physik und Chemie) und über das Leben (Biologie) unbedingt vereinbar sein. Ich komme ja eigentlich von den Wissenschaften her. Deshalb habe ich versucht, die Kultur aus naturwissenschaftlichen Phänomenen heraus zu erklären. Der spiralförmige Verlauf der Körper im Universum hat ja in der Tat mehr mit Zyklizität als mit Linearität zu tun. Die Linearität spielt in der Physik auch nur wegen der Zeit(-Definition) eine Rolle - Stichwort: „Zeitpfeil“. Aber es gibt auch für die Zeit noch ein anderes Kriterium: ein seelisch-geistiges. Und dies führt auch zu einer großzügigeren Definition. Was die Geologie und ihre heute wohl wichtigsten Grundlagen angeht, so spielen sowohl für meine Entwicklungstheorie als auch für meine Kulturtheorie der Aktualismus, der Exzeptionalismus, die Kataklysmentheorie (Katastrophentheorie) und - nicht zuletzt - die Zyklentheorie eine wichtige Rolle. Und warum das Leben ebenfalls eine große Rolle für meine Kulturtheorie spielt, wissen Sie ja schon. Jedenfalls ist das Klima, das ja ein physikalisch-chemisches Phänomen ist und wegen der Tatsache, daß ich mich auf unseren Planeten beziehe, eben vor allem als geologisches Phänomen anzugehen, woraus u.a. folgt, daß auch die Jahreszeiten zum Thema gemacht werden müssen. Unser Globus hat eben eine geneigte Achse und bewegt sich darum wie ein Kreisel. Das hat mich immer schon fasziniert. Stellen Sie sich vor, unsere Erde hätte keine geneigte Achse.

Gruß an Kiel.

***

12.12.2018, 21:56

Guten Abend, Herr Boden.

Da Sie mir ja damals, als wir das Thema diskutierten (**|**|**) nicht so recht glauben wollten, wie sehr das Thema „Bevöllkerungsreduktion“ ein regelrecht brennendes Thema der Weltherrscher (Globalisten) ist:

„Die Menschen müssen auf Kinder verzichten, fordern Autoren des wachstumskritischen »Club of Rome«.
Dafür bekommen sie wenig Verständnis. Nicht mal die Grünen sind vollständig begeistert.“ (F.A.Z. F.A.Z., a.a.O.).

Diese Malthusianisten sind Kinderfeinde weißer Eltern und wollen die Reduktion der weißen, später wohl auch der anderen Bevölkerungen!

Die „Grünen“ als die besonders abgedrehten Antideutschen sind übrigens nur deswegen nicht „vollständig begeistert“ von der Forderung des „Autoren des wachstumskritischen »Club of Rome«“, weil sie wissen, daß, wenn die Weltbevölkerung abnehmen würde, sie nicht mehr gegen Deutsche kämpfen könnten.

Gruß an Kiel.

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NACH OBEN

HB und TW (Thomas Wangenheim)

12.12.2017, 23:20

Sehr geehrter Herr Wangenheim.

Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen zu danken für Ihre interessanten Internetseiten. Wenn Ihr Buch auch so interessant ist, werde ich es mir zu meinem Geburtstag in der nächsten Woche schenken lassen.

Freundliche Grüße.

Hubert Brune

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13.12.2018, 09:35

Sehr geehrter Herr Brune,

haben Sie vielen Dank, es freut mich, daß Ihnen meine kleine Sammlung gefällt.

Was KuI betrifft, so können Sie hier Einblick in die ersten Seiten nehmen und auch das Inhaltsverzeichnis einsehen, um einschätzen zu können, ob der Inhalt Ihrer Erwartung entspricht.

Mit freundlichen Grüßen aus Franzensbad

Thomas Wangenheim.

***

14.12.2017, 00:10

Sehr geehrter Herr Wangenheim.

Danke für das von Ihnen mir unterbreitete Angebot, die ersten Seiten Ihres Buches bereits lesen zu dürfen. Ich hoffe, daß ich schon bald zu einer Entscheidung kommen werde und daß sie nicht nur in meinem, sondern auch in Ihrem Interesse ausfallen wird.

Freundliche Güße.

Hubert Brune

 

 

NACH OBEN

HB und MB (Michael Boden)

14.12.2018, 20:35

Gute Nacht, Herr Boden.

Vielleicht kennen Sie Ernst Wolff, der 2014 das Buch „Weltmacht IWF“ und 2017 das Buch „Finanz-Tsunami“ veröffentlichen ließ. Es folgen einige Sätze, die er in einem Gespräch mit Ken Jebsen und in verschiedenen Vorträgen äußerte:

Finanzdistrikt in New York (Manhattan)
Finanzdistrikt in New York
 
 
Gebäude der Federal Reserve Bank in Washington
Federal Reserve Bank in Washington
 
 
Gebäude des IWF in Washington
IWF in Washington
„Heute besitzen 85 Menschen auf der Welt soviel wie die halbe Menschheit.“ Ernst Wolff
„Es gibt 2200 oder 2300 Familien oder Individuen, die Privatvermögen haben, die 1 Milliarde Dollar überschreiten.“ Ernst Wolff
„Was wir jetzt ... erleben, ist praktisch nichts anderes als die Endphase des Kapitalismus, so, wie wir ihn kennen.“ Ernst Wolff
„Die ganze Führungselite des IWF gehört vor Gericht gestellt und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.“ Ernst Wolff
„Die Finanzindustrie beherrscht unser ganzes Leben.“ Ernst Wolff
„Der wahre Herrscher ist die Finanzindustrie. Die Politiker sind nichts anderes als die ausführenden Organe der Finanzindustrie.“ Ernst Wolff
„Der Petrodollar hat dazu geführt, daß die wichtigste Reservewährung auf der Welt der Dollar geworden ist.
Im Jahre 2000 haben die Zentralbanken der Welt 70 Prozent ihrer Weltreservewährungen in Dollar gehabt;
im Jahre 2010 waren es noch 60 Prozent; im Moment nähern wir uns der 50-Prozent-Marke;
wenn diese 50-Prozent-Marke einmal unterschritten wird, dann kann man damit rechnen,
daß es eine Flucht aus dem Dollar geben wird, und dann kann man damit rechnen,
daß das Dollarsystem zusammenbrechen wird, der Wert des Dollars
wird dann langsam gegen Null gehen.“ Ernst Wolff
„Der IWF ist praktisch die letzte Konsequenz des amerikanischen Kapitalismus.“ Ernst Wolff
„Die Zentralbank der USA, also die Federal Reserve, ist eine private Einrichtung, die seit 1913 existiert.“ Ernst Wolff
„Die Banker, die damals zusammenkamen - das waren alles Wall-Street-Banker, und zwar die einflußreichsten der Wall Street -, verkörperten damals
ein Viertel des Reichtums der gesamten Welt. Also, hinter der Federal Reserve stehen heute auch noch die reichsten Familien der gesamten Welt. ....
Interessant ist, daß keine dieser Familien jemals in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt auftaucht (Vgl. Forbes). Das dürfte der Tatsache zu
verdanken sein, daß eine Armada von Anwälten seit ungefähr 103 Jahren damit beschäfigt ist, dies Vermögen dieser Familien zu verschleiern.“ Ernst Wolff
„Das Bruttoinlandsprodukt der Welt im Jahre 2015 betrug 75 Billionen US-Dollar;
der Finanzsektor betrug im selben Jahr über 750 Billionen US-Dollar.“ Ernst Wolff
„Die Finanzindustrie hat es im vergangenen Jahrhundert geschafft, ihr Zentrum in den USA zu errichten,
die Welt in zwei Weltkriege zu stürzen, zahllose weitere Kriege vom Zaun zu brechen,
die Welt auf Kosten der in Krisengebieten lebenden Menschen zu destabilisiern
und die eigene Herrschaft so bis heute zu erhalten und sogar zu festigen.“ Ernst Wolff
„Die Gründung der Federal Reserve Bank (FED) war nichts anderes als eine Verschwörung der größten amerikanischen Banker gegen die amerikanische Bevölkerung.
Die Folge dieses Treffens von 1910 (auf Jekyll Island; HB [**|**|**]) war, daß im Jahre 1913 (23.12.1913; HB) die FED, also die Zentralbank der USA gegründet wurde.
Und das Jahr 1913 war genau das Jahr bevor der 1. Weltkrieg anfing, und der 1. Weltkrieg sollte sich für die amerikanischen Banken zu einer wahren Goldgrube entwickeln.“ Ernst Wolff
„Der wirkliche Grund für den 1. Weltkrieg war nichts anderes als der Versuch, die Nachfolge des britischen Empires anzutreten (**|**) - weil das
britische Empire mit dem 1. Weltkrieg weitgehend zu Ende war -, und es ging jetzt darum, welche Nation sich als Supermacht nach Großbritannien
etablieren konnte, und da waren Deutschland und die USA in den Startlöchern, und es war eigentlich ein Konflikt zwischen diesen beiden Ländern.“ Ernst Wolff

Das ist genau das, was ich seit „gefühlten Ewigkeiten“ sage.

Die Macht des Geldes wird aber auch wieder besiegt werden.

Gruß an Kiel.

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17.12.2018, 00:01

Gute Nacht, Herr Boden.

Machen wir China wieder groß?

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit den Auslagerungen ihrer Industrie sich selbst geschadet und dabei vor allem China zu einer Größe verholfen, die ihnen nun schon seit einiger Zeit Angst zu machen scheint. „Die ungewählten und vor allem die gewählten US-Eliten bekommen immer mehr Angst vor dem Aufstieg Chinas, den sie selbst mitbefördert haben. Den Aufstieg haben sie nicht gewollt und nicht vorhergesehen: Auch daran kann man die profitgetriebene Selbsterblindung des us-geführten Kapitalismus erkennen. Diese Selbsterblindung führt zu militärischer Aggressivität. Nach Ansätzen schon unter Präsident George W. Bush antwortete 2011 die Obama-Regierung mit einem vorrangig militärischen Konzept. 60 Prozent der strategischen Streitkräfte werden in den Pazifikraum verlagert, ein weiterer Teil gegen Rußland. Dazu kommen digitale Hochrüstung, Zölle und Embargos, auch gegen Kooperationspartner Chinas. Die USA kreisen seitdem China militärisch ein, sie rüsten andere Staaten auf und richten dort US-Militärstützpunkte ein. Unmittelbar an der Westgrenze Chinas sind inzwischen in Kirgisistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan US-Militärs installiert. Südlich von China liegen Stützpunkte in Thailand, Singapur und Diego Garcia. An der Ostgrenze wurden Stützpunkte in Japan erweitert, etwas weiter entfernt auf den Midway-, Wake- und Marshall-Inseln, auf Guam, Hawaii, den Johnson- und Kwajalein-Atollen und auf Amerikanisch Samoa. In Port Darwin an der Nordspitze Australiens haben die USA einen zweite Flottenstützpunkt ausgebaut.“ ..... Den US-Akteuren ist klar: Asien mit China ist das weitaus dynamischste wirtschaftliche Wachstumsgebiet. Hier leben schon jetzt fast zwei Drittel der Weltbevölkerung. Und die sich anbahnende Verflechtung Chinas mit der Fläche und den Ressourcen Russlands ist eine große Gefahr für die einzige Supermacht – während die US-dominierten Regionen des alten Kapitalismus auf hohem Niveau wachstumsmäßig erschlafft sind und die aktive Zustimmung ihrer zermürbten Bevölkerungsmehrheiten geschwunden ist. .... Auch Rußland ist nun großenteils PACOM unterstellt, obwohl es eigentlich dem US-Regionalkommando für Europa EUCOM zugerechnet wird. Nur der Staat, der das eurasische Territorium und seine Ressourcen zwischen Lissabon und Wladiwostok beherrscht, könne auf Dauer die "einzige Supermacht" bleiben – so hat, wie weiter oben schon zitiert, der geostrategische Berater mehrerer US-Präsidenten, Brzezinski, die US-Doktrin nach dem Zusammenbruch des Sozialismus aktualisiert. »Das gefährlichste Szenario wäre möglicherweise eine große Koalition zwischen China, Rußland und dem Iran.« Diese »große Koalition« entwickelt sich aber, auch aus dem Zwang der von den USA geschaffenen Verhältnisse. Die EU ist dabei mehr denn je für alle US-Regierungen »Amerikas unverzichtbarer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent«. Und innerhalb dieser EU hat Deutschland die Führungsfunktion ....“ RT DEUTSCH

Die Hauptadresse der Hetze seitens der USA wurde umgestellt von Islam-Terrorismus und „Schurkenstaaten“ (G. W. Bush) auf konzentriertere Weise auf die Länder China, Rußland, Iran und - ganz und gar nicht zufällig - auf diejenigen Länder, die mit ihnen Geschäfte machen. Trump hat sich z.B. tierisch aufgeregt über die neue Gaspipeline zwischen Deutschland und Rußland. Die Vereinigten Staaten wollen selber zum größten Energielieferanten Europas werden. Die Methode des hydraulisches Aufbrechens, des „Frackings“, lohnt sich erst wirklich, wenn der Ölpreis eine Höhe erreicht hat, die über dem jetzigen liegt. Da könnte ein Krieg gegen den Iran hilfreich sein, denn ein solcher Krieg wird den Ölpreis nach oben treiben. Wird Trump den Krieg gegen den Iran wagen?

Thomas Wangenheim
Ich habe wieder einen interessanten Text von Thomas Wangenheim gefunden. Ich meine seinen Text zur Neuerscheinung des Hörbuches „Oswald Spengler – Der Mensch und die Technik“:

„Die Ankündigung dieses Hörbuchs liegt nun wahrlich fern genug, um sagen zu dürfen: Endlich! – Ich hatte doch mehr als erwartet mit Krankheit, dem Menschlichen, und der Technik zu kämpfen bis das Ergebnis stand. Nun durfte ich die Arbeit zufrieden abschließen.

Ich wählte dieses kurze Buch – es sind gerade 88 Seiten, welche zudem in einer Kinderbuchschriftgröße gedruckt wurden – ursprünglich tatsächlich deshalb, weil es kurz war und freilich, weil sein Autor Oswald Spengler heißt. Und doch habe ich mir, nachdem ich das Buch zehn Jahre lang nicht angerührt hatte, jenes Werk so von Grund auf neu erschlossen, daß es mir eine Freude ganz besonderer Art war – nicht nur es erneut viele Male zu lesen, sondern mich auch des nun beiliegenden Kommentars anzunehmen, also zur stimmlichen die geistige Interpretation vorzulegen.

Und damit sind wir beim Kern des Anliegens dieser Arbeit. Es handelt sich freilich bei jedem philosophischen Werk zunächst einmal um den Text. Daran ist kein Zweifel. Und doch – wären die Beispiele absurd gelesener Philosophie nicht zahlreich, ich würde davon nie erfahren haben – scheint es wohl wesentlich zu sein, dem Text eine Stimme zu geben. Ich mag nicht ausdenken, wie viel verkehrt oder vielmehr unbekümmert gelesen wird, was doch wesentlich ist und keine bloße Kunstprosa genannt werden darf. Das will bei Kant nichts bedeuten, seit Schopenhauer jedoch wird es zum immer bedeutenderen Element der philosophischen Sprache, und selbst Hegel hat davon vereinzelt einen Vorgeschmack gegeben.

All diese Philosophien wollen nicht gedruckt, sondern intoniert sein. Nun intoniert jeder für sich freilich – auch im stillen Lesen – den Text, sobald er die Worte mit den Augen überstreift. Aber doch ist es ein idealtypisches Lesen, ein Lesen, das etwa – nämlich als erstes Lesen eines Textes – selbst bei falscher innerlicher Betonung doch den Satz nicht neu beginnt, sondern, indem man fortliest, der innerlich falsch vorgenommene Betonungsbogen des bisherigen Satzes imaginierend für die letzten Momente korrigiert wird.

Und im Falle jenes doch gegenüber auch dem philosophischen Satzbau wunderlichen Stils gerade Spenglers sind dergleichen Exempel selbst für Kenner nicht selten. Der Rhythmus des Spenglerschen Stils ist eine Kunstform für sich. Es hat, wie ich meine, mehr als die bloße Korrektur, die Idealisierung des leisen Intonierens beim privaten Lesen im Nachhinein verdient. Es fordert das lyrische Aufsagen. Nicht nur der Untergang des Abendlandes ist ein 1200seitiges Gedicht. Der Mensch und die Technik ist ebenfalls eines, ein dezidiert kürzeres.

Was habe ich von sogenannten Spenglerianern Abwertendes darüber vernehmen müssen! Es ist kein schnell hingeworfenes Buch, rasch verfaßt, im Wissen um die letzten Lebensjahre, die Frühgeschichte des Menschen, die Urfragen, nicht mehr vollenden zu können. Dieses kurze Büchlein ist ein »echter Spengler«. Auch ist es nicht, wie ich nun mehrfach sagen hörte, ein Konzentrat des zweiten Teils des UdA. — Ja, das letzte Kapitel, freilich. Aber das dürfen wir getrost als die für Spengler typischen Abschlußgedanken des Verfalls in der Zivilisation ansehen. Von der Idee des Raubtiers Mensch – so kontrovers sie scheinen mag –, die großartige Beobachtung von der Sehweise von Pflanzenfressern und Raubtieren, die Darstellung von der Bedeutung der Hand (und des damit eng verbundenen Werkzeugs), bis hin zu jenem ungeheuer wesentlichen Element menschlichen Wirkens: des »Tuns zu mehreren«, haben wir es durchgängig mit ganz neuen Ideen zu tun, nicht nur neuen Ideen Spenglers, sondern neuen Ideen überhaupt.

Und schließlich führt die großartige Verbindung jenes »Tuns zu mehreren« mit dem Phänomen des fließenden Sprechens – und es ist das Merkmals der ganzen Schrift, daß hier alle Beobachtungen auf das Engste zusammenhängen – scheinbar ganz nebenbei und gewissermaßen aus Versehen zur Beantwortung der alten philosophischen Frage nach der Entstehung der Sprache. Wie lächerlich, schulkammermäßig und einfältig erscheinen Herders und Grimms Erörterungen zur Entstehung der Sprache gegen diese realistische, historische, einleuchtende und praktisch sinnvolle, also »zweckmäßige« Erklärung Spenglers. Allein das ist ein philosophischer Paukenschlag, dessen Wirkung nur deshalb ausblieb, weil man das Interesse an dieser Frage schon hundert Jahre zuvor verloren hatte, ohne sie annähernd gelöst zu haben.

Aber nicht nur in rein philosophischer Hinsicht ist dieses Werk von höchster Bedeutung, sondern eben auch aus anthropologischer Sicht. So bestätigt etwa Erwin Payr am 12.9.1931 aus Leipzig brieflich: »Ganz besonders gefesselt haben mich Ihre Ausführungen über die Rolle der menschlichen Hand. [....] Es wird Sie vielleicht befriedigen, daß ein gut durchgebildeter Naturforscher – ich bin glücklicherweise nicht nur Chirurg und Arzt – zu derselben Auffassung gekommen ist, wie Sie als Philosoph, Kulturhistoriker, Menschheitsforscher, um nur einen bescheidenen Bezeichnungsversuch des Hauptinhalts Ihrer Gedankenkreise zu machen.«

Natürlich schreibt Gott und alle Welt mehr oder weniger lehrmeisterlich an Spengler, daß man »Optimismus ist Feigheit« und was dergleichen großartige, aber eben apodiktische Schlagsätze mehr sind nicht so stehenlassen könne – und freilich immer wieder, daß das Raubtierelement nicht das einzige am Menschen sei, das ihn zu dem mache, was er Großes in der Welt geworden sei.

Ja, freilich fließt Spengler nicht der Satz aus der Feder: »Aber diese erste Einschätzung war zu scharf formuliert. Wir müssen differenzieren!« Wer solches erwartet oder, daß daher das Apodiktische in seinen Werken überhaupt ausfallen solle, bezeugt damit bloß sein Unverständnis vom Stile – Schreibstil und Denkstil – Spenglers. Denn unmittelbar nach der Gattungszuordnung »Raubtier«, wird die Frage nach dem Menschen von demselben Spengler nach jenem messianischen Gewaltgedanken denkerisch fortschreitend und ganz subtil umgestellt: »Seit wann gibt es diesen Typus des erfinderischen Raubtiers? Das ist gleichbedeutend mit der Frage: Seit wann gibt es den Menschen?« Und von der Tätigkeit des Erfindens her gedacht, ist der Mensch nun wahrlich ohne Zweifel ein Raubtier: die Natur rücksichtslos auszubeuten.

Und wer daran die Relativierung des »Denn der Mensch ist ein Raubtier« noch nicht begriffen hat, der sollte doch spätestens mit dem Gedanken des »Tuns zu mehreren« die Fortsetzung des Spiels endgültig vernommen haben? Denn hier ist freilich durch die Hintertür das Erratische der Raubtiernatur des Menschen – wie man nicht übersehen darf – bereits wieder im Sinne des vollkommen sozialen Wesens eingeholt. Und zwar zusammen mit dem Gedanken vom »Verlust der alten Raubtierfreiheit«. Man halte sich also zurück mit jenen flachen Urteilen von dem angeblich so dogmatischen Charakter des Werkes und Spenglers überhaupt. Spengler muß – zumal von allen durch Begriffe leicht zu Kurzschlußgedanken neigenden Menschen – wohlwollend gelesen werden. Vorausgesetzt freilich, man will ihn verstehen.

Und das ist vielleicht das Großartigste nicht nur, aber vor allem an diesem Büchlein, überhaupt aber am Geist Spenglers: Rasse bedeutet nicht Rasse, Untermensch bedeutet nicht Untermensch, Raubtier bedeutet nicht Raubtier. Spengler provoziert mit monolithischen Begriffen, stachelt an – und nur die Flachheit von politisch Indoktrinierten hält es für das, was es scheint. Was es tatsächlich ist, das entscheidet immer noch der Kontext, der philosophische Gedankengang. Und so hat er auch bei diesem Werk wieder »die Erfahrung gemacht, daß die meisten Leser nicht imstande sind, den Überblick über die ganze Gedankenmasse zu behalten«. Dabei hatte er sich doch entgegenkommend so kurz gefaßt! Aber was heißt schon Kürze, wenn die philosophischen Backpfeifen wie aus Maschinengewehren rasseln.

Die Kölnische Zeitung schreibt zum Erscheinen des Buches 1931/2:

»In einem schmalen Bande ein ungeheures Schicksal .... Ein echter Spengler. Erschütternd in den Hauptsachen, angreifbar in den Einzelheiten, ungeheuer anregend auch da – oder gerade da! – wo er am meisten zum Widerspruch reizt ....«

Daher muß er gelesen, vor allem aber verstanden werden, dieser echte Spengler. — Wenn ich zu diesem Verständnis mit meiner Lesung beitragen kann – auch die absurde Idee verfolgend, Spengler wieder in die Wohnzimmer zu bringen –, dann ist das gute Werk für heute getan.“ Thomas Wangenheim

„Der Präsident des Klassizismus“ (Thomas Wangenheim) heißt ein Aufsatz in Wangenheims Blog. Wenn ich diesen Aufsatz mit Wangenheims Worten zusammenfassen sollte, dann am liebsten so: „Was als Gleichberechtigung verkauft wird, ist nichts als die Benachteiligung der Allgemeinheit, insonders der Tüchtigen.“ (Thomas Wangenheim). Auch ansonsten stimme ich dem Aufsatz größtenteils zu, möchte dennoch etwas anmerken:

1.)
Dollar-Schreck
Die Überfälle der Vereinigten Staaten von Amerika auf bestimmte arabische Länder erfolgte, weil einige Präsidenten, die fast ein halbes Jahrhundert lang Freunde der USA gewesen waren, ihre Ölgeschäfte nicht mehr in Dollar tätigen wollten. Beispiele: Der Führer des Irak wollte mit Euro bezahlen lassen und wurde deshalb mit Krieg übersät und getötet; der Führer Lybiens wollte mit Euro bezahlen lassen und obendrein eine arabisch-afrikanische Währung einführen und wurde deshalb mit Krieg übersät und getötet. Wer den Dollar nicht akzeptiert, wird getötet. Das ist die Logik des Dollar-Imperiums. Mit China und Rußland ist das schwieriger zu realisieren. Deswegen wird wohl der Iran „d’ran glauben“ müssen. Der Ölpreis wird durch den Überfall auf den Iran in die Höhe schnellen und dadurch das „gefrackte“, also durch hydraulisches Aufbrechen gewonnene Öl billger machen als das Öl aus dem Iran und - wahrscheinlich - auch aus Rußland, weil Rußland bis dahin in den Krieg hineingezogen worden sein wird. Wangenheim sagt ja auch: „Amerika braucht ein Wirtschaftswunder“ (Thomas Wangenheim). Das wird durch Krieg ermöglicht, und Krieg ist kein Wunder.
2.)
Wernher von Braun und seine Mannschaft
Ein „Frankreich des 18. Jahrhunderts als Führer der westlichen Welt“ (Thomas Wangenheim) hat es nie gegeben. Es gab ein habsburgisch-spanisches Weltreich und direkt im Anschluß daran ein englisches Weltreich. Wer sollte das englische Weltreich beerben? Diese Frage war es, um die es seit etwa 1890, spätestens aber seit etwa 1910 ging; und als Nachfolger dieses Weltreiches kamen nur zwei Länder in Frage: Deutschland und die USA. Entweder Deutschland oder die USA: das ist es, worum es auch heute noch geht (trotz der Tatsache, daß der Sieger dieses Krieges um die Nachfolge seit 1945 USA heißt). Die US-Amerikaner haben immer noch Angst vor dem Konkurrenten Deutschland. Es gibt ja auch nach wie vor riesige Vorteile auf der deutschen Seite, vor allem die Intelligenz, der Fleiß, die Perfektion, die Zuverläsigkeit u.v.a.. Deutschlands Kriegsgegner und unter ihnen natürlich vor allem die US-Amerikaner haben ja schon öfter als einmal bewiesen, wie sehr sie sich verstehen auf Raub von Patenten und Intelligenz, womit auch deren Produkte und Eigentümer gemeint sind (vgl. die hochtechnologischen und den Vorsprung von einem Jahrhundert bedeutenden Objekte wie z.B. Raketen, Flugzeuge, unbemannte Flugobjekte sowie „Interkontinentalraketen, Weltraumflugzeuge und bemannte Orbitalstationen“ [**] u.v.m., auch die Atombombe [**], und vgl. z.B. die Entführung und Erpressung von Technikern und Wissenschaftlern), von anderen Werten wie Gold u.ä. erst gar nicht zu reden. (**). Und diese deutschen Vorteile werden seit gewisser Zeit z.B. durch Masseneinwanderung zerstört; denn bezüglich Deutschlands ist jede Masseneinwanderung immer nur eine der Dümmeren, bedeutet also für Deutschland immer nur einen Verlust von Intelligenz, der zusätzlich und jedenfalls mittel- bis langfristig den Verlust der typisch deutschen Werte nach sich zieht. Die Kampfmethode des Teilens und Herrschens ist hier somit wieder einmal angesprochen. Denn sind Volk und Land erst einmal geteilt, sind nicht nur die demographische, sondern auch die politische, militärische bald auch die wirtschaftliche und jede sonstige Einheit und Homogenität (Nation) so gut wie zerstört. Die ewige Angst vor Deutschland oder gar einem Bündnis zwischen Deutschland und Rußland, in dem das weiter unten noch zu thematisierende „Herzland“ doch stecken soll (**), wäre dann „wegtherapiert“, und zwar durch ein rassistisches Verbrechen, nämlich Völkermord.
3.)
„Freier Markt“ ?
Der „freie Markt“ (Thomas Wangenheim) hat noch nie existiert, und heute existiert er erst recht nicht, da die Finanzmafia alle Märkte kontrolliert und wie eine riesige Blase auf der Realwirtschaft sitzt und sie regelrecht erstickt. Ein „freier“ Markt ist wie reine Natur (d.h. ohne Kultur) oder auch wie reine Evolution (d.h. ohne Geschichte). Auf einem „freien“ Markt kämpft wirklich jeder gegen jeden - und selbst hier gibt es Gesetze, allerdings nur die der Natur. Wenn aber moderne Unternehmer vom „freien Markt“ sprechen, dann meinen sie etwas anderes, müssen also erst einmal ihre falsche Wortwahl, ihre falsche Sprachform korrigieren. Sie meinen nämlich den durch juristische Gesetze geregelten Markt, und der ist eben kein „freier“ Markt.
4.)
Kern des Abendlandes Die Grenze zwischen Abendland und Morgenland Kern des Abendlandes innerhalb der EU
Europa ist nicht nur von einem „enormen Nord-Süd-Gefälle“ (Thomas Wangenheim), sondern auch und sogar noch viel mehr von einem enormen West-Ost-Gefälle geschlagen, und es ist gerade dieses West-Ost-Gefälle, das ihm letztendlich die meisten Probleme bereiten wird, wie wir es ja mittlerweile schon aus der Geschichte kennen. Auf dieses West-Ost-Gefälle setzen die US-Amerikaner übrigens sehr, wenn es um den Kampf gegen Deutschland geht (Vgl. George Friedman), wie schon erwähnt (**). Wir reden hier von den ehemaligen deutschen Kolonien, die das Baltikum, Polen, Böhmen, Ungarn und das, was sich heute Slowakei, Slowenien, Kroatien und - zumindest teilweise - Rumänien nennt, umfaßten. Die beiden weiter östlich und weiter südlich gelegenen Gebiete waren und sind orthodox, also nicht Teil des Abendlandes, was die Sache nicht einfacher macht. Wir müssen also davon ausgehen, daß nur der alte Kern des Abendlandes letztlich zu einem echten Zusammenschluß fähig ist: das aus dem Ostfrankenreich (Deutschland) und dem Westfrankenreich (Frankreich) bestehende Frankenreich, bezogen auf heutige ganze Länder sind das also Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich und die Schweiz (die früher ebenfalls zum Frankenreich gehörenden Regionen Norditalien und Nordkatalonien sind heute leider keine ganzen Länder). Alle anderen Zusammenschlüsse sind nicht nur absolut utopisch, sondern auch extrem gefährlich, besonders unter dem Gesichtspunkt der extremen US-Aggression.
5.)
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation Deutschalnd - unangetastet geblieben Werdegang der EU
Es ist sehr fraglich, ob es wirklich besser sein würde, wenn Deutschland zurückgehen würde zu seiner Zersplitterung mit der Begründung, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hätte „jahrhundertelang gut daran getan, zersplittert zu sein“ (Thomas Wangenheim). Spätestens im 19. Jahrhundert war es schon aus wirtschaftlichen Gründen notwendig, die Zersplitterung zu überwinden, und so ist frühestens jetzt das Nachdenken darüber reif, ob sich eine erneute Zersplitterung lohnt, obwohl ich skeptisch gegenüber der eventuellen Bejahung bleibe. Wenn Thomas Wangenheim diese Zersplitterung für die Zukunft bejaht, so wohl auch deswegen, weil seine Theorie diese Bejahung fordert (**
Thomas Wangenheim). Weil ich sein Buch noch nicht gelesen habe, belasse ich es bei dieser Aussage.
6.)
Stammwappen der Habsburger
Wer denkt, Habsburg sei aus Sicht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nur eine der „umliegenden Großmächte“ (Thomas Wangenheim), also weder das deutsche Adelsgeschlecht des anfangs von Deutschen kolonisierten und als Mark (Ostmark) eingerichteten Gebietes noch ein deutsches Adelsgeschlecht überhaupt, irrt gewaltig und beweist nur die bereits verinnerlichte Lüge, Propaganda, genannt auch „Politkorrektheit“ („political correctness“, da dieser Ausdruck ja aus dem Land der unmöglichen Möglichkeiten stammt). Alle Deutschen (also auch alle Österreicher) sollen denken, österreichisch sei nicht deutsch. Fakt ist, daß bei uns die Nihilisten das Sagen haben, und diese Nihilisten werden vom ebenso nihilistischen Finanzsystem gesteuert. Nihilisten wollen alle Werte vernichten, besonders auch den Wert des Historischen, ja aller Geschichte überhaupt, aller Vergangenheit, aller Tradition. Das Haus Habsburg ist genauso deutsch wie das Haus Hohenzollern oder das der Agilolfinger (Agilulfinger), Konradiner, Welfen, Liudolfinger (Ludolfinger), Salier, Supplinburger, Staufer, Wittelsbacher, Nassauer, Wettiner, Luxemburger u.v.a.. Es war eine Selbstverständlichkeit (und nicht etwa eine „Annexion“, wie die bezahlten nihilistischen Rassisten suggerieren wollen), daß Österreich 1938 heim ins Reich geholt wurde, schließlich hatte es von seinem Anfang an und bis zum Deutschen Krieg, dem Bruderkrieg von 1866 ganz offiziell dazugehört, und nicht nur das: es hat außerdem erstmals Ende des 13. Jahrhunderts (**) und später, nämlich von 1438 bis 1806 (**) - mit nur einer Unterbrechung von 3 Jahren durch einen Wittelsbacher (1742-1745) -, also länger als jedes der anderen Adelsgeschlechter die Deutschen Kaiser gestellt.
7.)
„Herzland-Theorie“ von 1904
Die Aussage, daß George Friedmans „geopolitischen Spekulationen (George Friedman) wirklich absurd“ (Thomas Wangenheim) sind, ist natürlich richtig und sein Grinsen beim Vortragen seiner absurden Spekulationen bestätigt das noch einmal. Außerdem ist Mackinders „Herzland-Theorie“ von 1904 „etwas überzogen“ (Thomas Wangenheim), nur teilweise richtig (vgl. Halford Mackinder, The Geographical Pivot of History, 1904). Sie ist ein Zeugnis für die im 20. Jahrhundert und sogar noch heute (2018) vorherrschende Geopolitik. Mackinders Theorie berücksichtigt Geographie, Technik, Wirtschaft, Industrie, Rohstoff-, Bevölkerungsressourcen für eine vergleichende Bewertung von Landmacht und Seemacht. Dieser Theorie zufolge ist die Erdoberfläche eingeteilt in: (a) eine Weltinsel, die aus den verbundenen Kontinenten Europa, Asien und Afrika besteht und die größte, die bevölkerungsreichste (Asien und Europa) und die reichste (Europa) aller möglichen Verbindungen von Ländern bedeutet; (b) die ziemlich halbmondförmig angeordneten küstennahen Inseln (siehe: „Inner or marginal crescent“ in der Karte); (c) die ebenfalls ziemlich halbmondförmig angeordneten küstenfernen Inseln (siehe: „Lands of outer or insular crescent“ in der Karte), zu denen der amerikanische Doppelkontinent und Australien gehören. Mackinder räumte aber auf mit der damals hier und da immer noch dominanten Idee, die Seemacht sei stärker als die Landmacht, und behauptete dagegen, daß es einer expandierenden Landmacht häufig gelungen war, eine Seemacht zu bezwingen, indem sie deren Stützpunkte von der Landseite her erobertete. Englands effektive Kontrolle über die Weltmeere, die ihm weltweite Hegemonie verschafft hatte, sank nach und nach, und England verlor ausgerechnet durch die Dampfmaschine und ihre Folgen, z.B. das Straßen- und Eisenbahnverkehrsnetz, seine Welthandelsdominanz und somit auch seine Macht, die gegenüber den kontinentalen Staaten gemindert wurde. Würde nun Westsibirien und das europäische Rußland als das „Herzland“ des „Kontinents“ entsprechende Verkehrswege und in ihrem Gefolge einen hohen industriellen und wirtschaftlichen Durchdringungsgrad entwickeln (wie es dann später, ab den 1930er Jahren unter Stalin zwangsweise geschah), so würde dieses „Herzland“ eine entsprechend größere Macht ausüben können. Mackinder kam zu dem Ergebnis: „Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland. Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel. Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.“ (Halford Mackinder, Democratic Ideals and Reality, 1919, S. 106). Wer oder was herrscht heute über Osteuropa? Warum wohl wurde die Ukraine von den USA zum Krieg gegen Rußland angestachelt? Und vor allem: Glauben die Drahtzieher dahinter wirklich, dadurch zu den Herrschern der „Weltinsel“ und folglich auch der „Welt“ zu werden? Waren und sind sie die Weltherrscher nicht schon ohne Osteuropa bzw. ohne das aus dem europäischen Rußland und Westsibirien bestehende „Herzland“ ...? Ihr mit Verfolgungswahn gepaarter Größenwahn ist grenzenlos! Die der „Herzland“-Theorie entsprechende Umsetzung in die Praxis geschieht doch primär aus Angst, nämlich aus der wahnsinnigen Angst heraus, die Weltmacht zu verlieren. Das ist „wirklich absurd“ (Thomas Wangenheim)! Sie können nicht alles kontrollieren!
8.)
Hiroshima - alles vernichtet ! Hiroshima - alles vernichtet !
Was Wangenheim über die Kriegsziele der USA geschrieben hat, ist größtenteils richtig. Sogar zu 100% richtig ist seine Aussage, daß die USA „als erster in Berlin-Dahlem die Pläne für die Atombombe ergattern“ (Thomas Wangenheim) wollten (**|**), damit sie diese schnell nachbauen und anschließend unbedingt noch verwenden konnten, was dann endlich am 6. August 1945 erstmals geschehen konnte und auch tatsächlich geschah. Ergänzend hierzu sei daran erinnert, was in groben Zügen schon erwähnt worden ist (**), vor allem eben: daß es seit etwa 1890, spätestens aber seit etwa 1910 um die Frage ging, wer der Nachfolger des englischen Weltreiches werden sollte: Deutschland oder die USA. Keine andere Macht kam dafür in Frage, weil einfach die Voraussetzungen dafür fehlten. (**). Darum sei an Spenglers Warnung erinnert: „Auf jedem Pfade zum Cäsarismus findet sich ein Cato“ (**). Das völlig vernichtete Karthago (siehe Bild) und die völlig vernichteten Städte Hiroshima (siehe Bild) und Nagasaki ähneln sich wegen der Vernichtung, aber die Methoden ähneln sich nicht so sehr: viele römische Soldaten mußten am Boden anwesend sein, um Karthago binnen etwa einer Woche zu zerstören; aber nur ein Bomberpilot und sein Kopilot mußten am Himmel anwesend sein, um Hisroshima und Nagasaki binnen etwa einer Sekunde zu zerstören. Und die historische Analogie zur völligen Zerstörung Karthagos steht uns ja vielleicht erst noch bevor!
9.)
UNO-Gebäude
Zum folgenden Text: „Ich zweifle sehr daran, daß es mit der nationalen Anerkenntnis in den Staaten viel anders liegt als in Europa. Sie sind bloß Ärgeres gewohnt.“ (Thomas Wangenheim). Genau das ist es! „Das ist auch so ein Mythos. Die Anerkenntnis für Einwanderer in den Staaten war groß, als noch ausschließlich Europäer ankamen, ja.“ (Thomas Wangenheim). Die Einwanderungsbehörden der USA schlossen schon die Tore, als auch sie endlich merkten, daß mit Italienern und Polen nur Verluste gemacht wurden! Mit anderen Worten: Nord- und Westeuropäer (vor allem eben: Deutsche!) mit Kußhand, Süd- und Osteuropäer nur mit Widerwillen und später nur unter strikten Einwanderungsbedingungen, Nicht-Europäer gar nicht und viel später nur, weil bestimmte Verbündete und die mittlerweile existierende UNO sowie andere mittlerweile existierende Weltorganisationen sich und darum auch sie als Einwanderer durchsetzen konnten.

Insgesamt ist dieser Aufsatz mit den Kommentaren dazu, sofern auch sie von Wangenheim kommen, analytisch gut, jedoch manchmal ein bißchen zu sehr an die eigene Geschichtsphilosophie gebunden und das Geld als Machtmittel ein bißchen zu sehr vernachlässigend. Ich meine, daß wir nicht vergessen sollten und auch jede Geschichtsphilosophie unbedingt berücksichtigen sollte, wie sehr die Häufigkeit an Geschehnissen, die über das Geld erst zu historischen Tatsachen geworden sind, zugenommen hat.

Ich weiß, daß die Geschichte, ja auch schon die Evolution, jedenfalls all jene Entwicklung, in der auch der Geist schon eine Rolle spielt - gleichgültig, ob wir ihn auch „Bewußtheit“ („Bewußtsein“ würde ich es nicht unbedingt nennen, weil es nicht unbedingt ontologisch sein muß) oder „Nervensystem“ oder einfach nur „Gehirn“ nennen wollen -, von der Möglichkeit, sich für ein „Ja“ oder für ein „Nein“ zu entscheiden oder aber sich mit einem „Ja-und/oder-Nein“ zu enthalten, Gebrauch macht, ja machen muß, weil es sonst nicht weitergeht, ob wir das als ein „Vorwärts“ oder als ein „Rückwärts“ oder eben als beide in einem oder keines der beiden verstehen wollen oder nicht: das, was wir beobachten, wahrnehmen, erkennen oder geistig ordnen (wissen), ist jedenfalls ein Werden oder ein Gewordenes (Vollendetes), wobei Spengler zufolge „alles Gewordne ... vergänglich“ (**) und Goethe zufolge „alles Vergängliche ... nur ein Gleichnis“ (**) ist.

Wir können nur das beobachten, wahrnehmen, erkennen oder geistig ordnen (wissen), was wir eben beobachten, wahrnehmen, erkennen oder geistig ordnen (wissen) können. Daß dabei unterschiedliche Ergebnisse zum Vorschein kommen, kann auf mehrfache Weise zu begründen sein. Es können natürliche Ursachen, natürliche Triebe, kulturelle Motive oder kulturelle Gründe dafür „verantwortlich“ sein, daß wir zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Aber eines müssen wir tun oder lassen: uns entscheiden. Entscheidungen setzen Interesse oder Wille voraus. Ich kann zustimmen oder ablehnen oder mich enthalten. Es geht nur dann nicht weiter, wenn keiner mehr zustimmt und keiner mehr ablehnt, wobei beides auch bedeutet, daß sich keiner mehr enthalten kann, weil es nichts mehr gibt, dem man sich enthalten kann. Dann wäre so etwas wie Entropie - Informationslosigkeit - erreicht. Aber ist sie erreichbar?

Ohne binären Code funktioniert nichts. Zwar ist es möglich, sich zu enthalten; allerdings nur „insular“ und nur dann, wenn „festländisch“ mit dem binären Code weitergemacht wird, also entweder die eine oder die andere Seite des Zeichens (der Form) ausgewählt und präsentiert oder repräsentiert wird; denn wenn dies nicht geschieht, dann ist der binäre Code als solcher nicht deutbar, nicht verstehbar, also auch nicht existent (nur könnte das dann niemand mehr feststellen). - Warum sage ich dies? - Werden, also jede Art von Veränderung, ist ohne Binarität nicht denkbar, und diese Binarität können wir auch „Opposition“, „Dualismus“, „Dichotomie“ ..., ja „Biologie“ nennen, ist somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Verstehen von Werden, zumindest (also vielleicht auch darüber hinaus) dann, wenn es auf das Leben bezogen ist. Das jeweilige Zwischenergebnis ist dabei so etwas wie die Synthesis in Hegels Dialektik (**|**|**|**). Geometrisch gesprochen haben wir es also bei solchen Entwicklungen nicht nur mit Kreisen, Spiralen, Zylindern, die sich wie Spiralen räkeln und in denen sich wiederum Zylinder wie Spiralen räkeln, sondern auch mit Dreiecken zu tun. Und auch Fraktale spielen dabei eine Rolle.

Ich habe Wangenheims Buch noch nicht gelesen und kann auch noch nicht mit Sicherheit sagen, ob Wangenheim bereit ist, das, was ich in den letzten drei Absätzen geschrieben habe, zu unterschreiben.

F. n. m. G.

Gruß an Kiel.

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NACH OBEN

HB und NN (Nick Nedzynski)

23.12.2018, 21:59

Sehr geehr

Nick Nedzynski

***

24.12.2018, 00:58

Sehr geehrter Herr Nedzynski.

Ich habe mich sehr über Ihre netten Zeilen zu Weihnachten und zum neuen Jahr gefreut. Vielen herzlichen Dank.

Erlauben Sie mir darum, auch Ihnen gesegnete Weihnachten, ein besinnliches Julfest und ein glückliches und vor allem gesundes 2019 zu wünschen.

Eine Kapelle in der Nähe von Schloß Elmau

 

 

NACH OBEN

HB und MB (Michael Boden)

29.12.2018, 02:07

Seien Sie gegrüßt, Herr Boden.

Ich habe tatsächlich Wangenheims Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen, mittlerweile schon die ersten sechs Kapitel dieses insgesamt fünfzehn Kapitel umfassenden Buches (**) gelesen und bin froh und gleichzeitig auch nicht froh, meine Ahnungen und Vermutungen bezüglich des Inhalts vollauf bestätigt zu sehen.

Da Sie sich das Buch wohl eher nicht beschaffen werden, gebe ich Ihnen einige Eindrücke aus seinen ersten sechs Kapiteln:
„Denn was die letzten 200 Jahre zyklisch genannt haben, das war nie dem Kreis verwandt, sondern immer ausschließlich die Wiederholung, das Durchleben eines Entwicklungsbogens oder gar eines sich fortschrittlich Wandelnden. Hegels Idee der Selbstfindung und der Freiheit spricht so, Vollgraffs Altersbild ist es, so wie die Stufentheorie Breysigs. Spenglers Philosophie der ewigen Wiederkehr - eine Idee Nietzsches - unterliegt derselben Denkungsart. Alle beginnen sie immer und immer wieder neu.
Bedeutender wäre gewesen, einmal festzustellen, daß nicht allein die germanischen Völker sich bildeten. Män hätte gut daran getan, sich weniger in ewige Diskussionen darüber zu verstricken, ob sie nun schon Völker waren oder nicht, sondern einmal der Entwicklung der römischen Gesellschaft dagegenzusetzen, um zu bemerken, daß es geradezu lächerlich ist, den Völkerwanderungsgruppen den Status des Volkes abzusprechen, wenn zugleich die Römer ihn ganz und ohne jeden Zweifel noch erhalten. Wo ist denn das Volk Roms? Was war das römische Volk denn in jenen Jahrhunderten? Ein Konglomerat aus allen nur erdenklichen europäischen, nordafrikanischen und levantischen, unterjochten und angezogenen Völkern, welche die Spätantike überhaupt kannte. Deshalb steht hier vor uns - wenn überhaupt - kein einziges noch geschlossenes Volk! Die Römer ebenfalls nicht. .... Deshalb ist es - wie wir sehr bald sehen werden - kein Zufall, daß die Form des späten Römischen Reiches mit der der frühen germanischen Völker - nämlich als verbindendes Ingenium - zusammenfällt.
Was Freiheit bedeutet, ist Anschauung. Es entscheidet sich daran, ob wir und frei fühlen oder nicht.
Die Wissenschaft zu allererst ist es, die der Verflachung anheimgefallen ist und jedes Streben in ihre nicht mehr vorhandenen Höhen fruchtlos gemacht hat. Sie ist der eigentliche Auslöser des Niedergangs unseres Bildungsbürgertums - nicht aus der Schwäche heraus, sondern aus einem Willen der geistigen Ruhe, einer logischen, nicht mehr aufwühlenden, sondern ganz axiomatischen Behandlung aller ehemals gefühlten Inhalte des geistigen Bestandes. Sie hat den Denker durch den Lernenden ersetzt. .... Lichtenberg: »Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht«.
Der philosophische Blick, den wir hier zu werfen haben, bedarf eines Geistes, welcher so völlig von einem eigenen Willen, einem wollenden Erklären entfremdet ist, daß nicht der leiseste Laut eines Urteils erklingen darf. Die Willenslosigkeit ist dem Brotgelehrten unbekannt. Sie ist das Reich der unberührten Jugend und des abgestorbenen Alters, der Unkenntnis oder Sattheit vor dem Willen. Sattheit gar ist Unkenntnis Es ist das Schicksal aller Gedanken von solch unmittelbarer Klarheit, ausschließlich schüchtern zu Beginn eines werdenden Daseins zur Reife zu gelangen oder am Ende desselben erstarkt und in gelassenem Bewußtsein dieses Gelehrtentums überwunden zu haben. Ich stelle mich der Jugend und dem Greis an die Seite.
Bis auf den heutigen Tag ist unausgesprochen geblieben, daß der Einbruch der Renaissancefassade, die Erhebung von Glattheit und Fläche, von Klarheit und Gerade in die Baukunst des 15. Jahrhunderts keine Nachahmung antiken Formgefühls war, keine Entwicklung aus einigen beiläufigen Kausalursachen, sondern nichts anderes als ein gigantischer Gegenentwurf zum gotischen Formgefühl des Ornaments.
Die Gotik ist ein Umkehrpunkt, eine Symmetrieebene, eine Spiegelfläche. Wir werden gleich sehen, daß jeder Punkt in der Geschichte diese Eigenschaft trägt, also auch die Renaissance nicht nur selbst gespiegelt wird, sondern Symmetriepunkt anderer Epochen ist.
Alle Phänomene des Historischen kehren - gewissermaßen aus dem Mangel nur zweier Zustände - nach nur einem Gegendurchlauf unvermittelt zurück und stufen den scharfen Widersatz von Gotik und Renaissance herab zu einem Vorgang, wie er sowohl in der abendländischen wie auch in der ägyptischen und antiken Geschichte immer und immer wieder geschehen ist. So setzt sich die Abfolge von Kultur und Ingenium, von sachlich-schnörkelloser Ästhetik und märchenhafter Ornamentik endlos fort.
Der ganze Sinn neuer Stile steckt eben nie in einer irgendwie gearteten Erleuchtung, je neu entworfen aus dem Urmeer tausendjähriger Ideen, sondern ausschließlich im Willen zum Anderssein, in der Abwahl des Bestehenden, der Neuwahl seines Gegenteils, die notwendig das noch Ältere wiederbelebt.
Ich nehme die immer nur als träumerische Analogie herbeigezogene Idee der Erneuerung des Mittelalters in der Romantik nun ernst! Sie glaubt nicht nur, sie sei, sie ist die Wiederkehr des Mittelalters. Denn hier nun, mit der Romantik, tritt die zweite noch gewaltigere Spiegelung der Geschichte an uns heran.
Denn nun - in einem ersten Anflug des Verständnisses dafür, was die Selbstähnlichkeit der historischen Formen bedeutet - geht uns auf, in welcher Weise das Problem der Antike immer unerklärlich bleiben mußte. Was den Stilen (den kleinen Entitäten der Geschichte, der Kulturen; HB) und Epochen (den mittleren Entitäten der Geschichte, der Kulturen; HB) Struktur gegeben hat, das formt auch die Kulturen (die größten Entitäten der Geschichte, der Kulturen; HB). Die Abfolge jener größten Entitäten der Geschichte, der Kulturen, ist ganz ebenso eine Ablösung der Gesamtzustände - nun solcher von dem kolossalen Umfange dutzender Generationen, tausender Jahre -, so wie sie die der Gotik und der Renaissance schon in der niederen Größenordnung waren. In der umfassenden Überschauung von Jahrtausenden ist das Abendland nichts anderes als die organische und tiefreligiöse Antwort auf das der künstlichen Geradheit und dem greifaberen Götterdienst zugewandte Formgefühl der Antike.
Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Drei Kulturen im Kultur-Ingenium-Modell. Vgl. Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013, S. 47.
Gegen das »apollinische Ursymbol« des Statischen, des Jetzt, des punkthaften Raumgefühls der einzelstehenden Plastik - eine sehr feine Beobachtung Spenglers - stellt sich nämlich nicht irgendeine Abwandlung dessen - etwa eine Vermehrung von Punkten -, sondern ein Ursymbol, das nun, indem es zeitlich gedacht ist, nicht mehr dem Punkt, sondern dem Raum nahesteht. Die Zeit gebiert den Raum (frei nach Spengler [**]; HB), indem sie Bewegung ist. Daher Spenglers »Geburt der Außenwelt« und »Raumerfahrung« der faustischen, abendländischen Seele. Und zugleich hat er ganz recht - von Meyer bestätigt -, den »Weg« zum Ursymbol der ägyptischen Kultur erklärt, das nun nicht etwa ein weiteres unter acht an der Zahl ist, die aus unerfindlichen Gründen aus dem Urgschichtlichen sprießen, sondern die ebengleiche Raumwerdung durch Bewegung bedeutet, wie sie auch das Abendland hervorgebracht hat. Deshalb ist das ägyptische mit dem abendländischen Ursymbol, insofern sie beide räumlich ausgedehnter Natur sind, identisch (das ist nicht richtig, denn dann wären sie ein und dasselbe; HB). Damit aber gibt es lediglich zwei »Ursymbole« (das ist folglich ebenfalls nicht richtig, denn dann gäbe es gemäß Spengler auch nur zwei Kulturen; HB), nämlich eine Abwechslung von Starre und Bewegung, von Punkt und Raum, von Moment und Zeit, von Kultur und Ingenium. Ägypten und Abendland, so folgt daraus, verhalten sich zur Antike, wie Mittelalter und Moderne es zur Frühen Neuzeit in der darunterliegenden Größenordnung tun.
Dreieck mit immergleichen Strukturen
 
Beide Wechselgänge - der Stile und Epochen - zusammengenommen bilden also eine Überlagerung von untereinander ganz gleichartigen Schwingungen. Die Strukturen des Historischen sind »selbstähnlich«, wie der Mathematiker sagen würde. Ich nenne dieses Phänomen der überlagerten Wechsel zwischen Kultur und Ingenium in den Größenordnungen der Stimmungen und Gemüter, der Lebenszeiten und Generationen, der Stile, Epochen und Kulturen, fraktal. Nach den gebrochen-dimensionalen Mengen der fraktalen Geometrie, welche sich aus Elementen zusammensetzen, die der Gesamtmenge ähnlich sind. Diese Gesetzmäßigkeit erzeugt in selbstähnlichen Figuren die immergleichen Strukturen in allen Größenordnungen. Sie können unendlich fortgesetzt werden. Als Beispiel ist hier ein sogenanntes Sierpinski-Dreieck abgebildet, welches, aus unendlich vielen Dreiecken kontruiert, eben diese Grundfigur in allen Größen, also geometrisch ähnlich, wiederholt und damit notwendig symmetrisch wird. Das Abendland als tausendjähriges Ingenium wird so in den Stilen abwechselnd vom verstärkt Ingenen, aber auch vom abschwächend Kultischen überlagert, so wie die kultische Antike sowohl verstärkende kultische, aber auch abschwächende ingene Epochen erfahren hat. Die sich daraus ergebende Struktur des Geschichtlichen bildet die fraktale Funktion der Kulturgeschichte. Sie enthält erstmals - nach den bis heute klaren Grafiken - das Moment der Fraktalität, welches die Funktion des Kulturverlaufs deutlich verkompliziert. Die Überlagerung erzeugt in den vorkommenden Wechseln aus der Kultur ins Ingenium und umgekehrt bereits verschiedene Übergänge und Amplituden. Eine weitere Erhöhung der Komplexität des Verlaufs ergibt sich mit der Hinzunahme der Halbstile als weiterer Ebene ....
Zugleich ist aus dieser Periodizität ... ersichtlich, daß nun, nach dem Abschluß des spätabendländischen Ingeniums - eine Spiegelzeit des tiefingenen Mittelalters - ganz analog ein neuer Gang ins Hochkultische vor uns liegt. Seinen Eintritt in die Weltgeschichte markiert - in einem Prozeß von wenigstens einem halben Jahrhundert zuvor und hernach - das Jahr 2000. Es ist dies jener Wandel, der sich heute schon in Regionalisierung, Kleinkriegen, Atheismus und Staatenzerfall angekündigt hat, im Ersatz der Idee durch den stumpfen Gehorsam, den neuen sozialen Barrieren, dem Niedergang nach dem Auftstreben, das dem Doppelweltkrieg des letzten Jahrhunderts folgte.
Und das ist nun der eigentliche Sinn der Geschichtsphilosophie: die überzeitlichen Bewegungen tausendjähriger Geschichte in unserem eigenen Leben gänzlich identisch wiederzufinden, den Trost der Väter zu verspüren, den Trost des Weltganzen im Scheine auf das Jetzt, das uns in einen gemeinsamen Kampf mit den Altvorderen geleitet.
Den Widerstreit der Geschichte zu fühlen, den Kampf der Meinungen, der Stile und Epochen, der Kulturen, das ist der Wille, der uns in der Zeit geleitet.
Die Überwindung der Gegensätze nicht durch Synthese, wie Hegel und Fichte es wollten, nicht durch Relativierung, wie die Wissenschaft unserer Tage es tut, sondern indem sie bleiben, und zwar in ihrer ganzen enthusiastischen Überzeugung, nämlich entwickelt und verworfen durch die Zeit - das ist die eigentlich tiefe Bedeutung der vorliegenden Anschauung. Die Zeit wird durch diese Abwechslung der Dinge gerade erst erschaffen. Der Widerspruch gebiert die Zeit und jede Unterscheidung der Dinge (frei nach Spengler, der sagte »die Zeit gebiert den Raum« [**]).
Deshalb sind wir in unserem Übermaß an Eindrücken zugleich eindruckslos - wir schauen wie Kinder auf die Schauspiele der Zeit.
Um so öfter ist in der Geschichte gefordert worden, den kopernikanischen Standpunkt einzunehmen. Kant wollte eine kopernikanische Wende einleiten, Spengler wollte es, manchmal glaubte die Physik seit 1900, es abermals zu tun. Der kopernikanische Standpunkt aber (obgleich wir noch sehen werden, daß er eine Einbildung ist und von gleicher Dogmatik durchdrungen wie der ptolemäische), man begreife das wohl, ist jener, der im Grunde gar kein Standpunkt sein will, der Parteilosigkeit und deshalb Unangreifbarkeit, der Vorsaussetzungslosigkeit und Freiheit von jedem Affekt sein will. Ich aber verlange keinen Standpunkt der Kräftefreiheit, weil jede Kräftefreiheit auch am Ende immer wieder Bewegungslosigkeit, Starre und Verharren bedeutet. Ich fordere, die Wende zum Prinzip zu machen, den Wechsel der Standpunkte, der Perspektiven als Erfahrungsmenge in eine erst eigentlich Überschauung zu bündeln, die allein in der ernsthaften Übernhame aller bewußten, unbewußten, gewollten und ungewollten kopernikanischen Wenden und ebenso ihrer Rückfälle ins geozentrische Gegenteil zu einer wharen Phiosophie werden kann.
Zu diesem Zwecke ist allein ein Mittel fruchtbar, welches nur lauten kann: Ich bin ein Ägypter, ich bin ein Hellene, ich bin ein Römer, ich bin ein Barbar, ich bin ein Kreuzfahrer, doch gleich darauf Omajade, ein Naturalist und doch auch ein Symbolist, ein Renaissancemaler und zugleich ein Grünewaldscher Gotiker, ein Kantianer und doch ebenso Fichteaner, Jünger Bacons und doch Scholastiker, Anhänger der Stoa und des Peripatos, zugleich ein Verfechter Euklids und dennoch Gaußischer Geometrie, wie der Relativistik und doch auch des Lorentzschen Äthers, ich bin ein Verehrer des Kaisertums und spreche zugleich den Ständen Mut, ich zittere um den Erhalt der Tyrannis und feire mit demselben Enthusiasmus die Vertreibung der Könige, regiere mit dem Demos und unterjoche ihn, ich stärke den Staat und will doch die Revolution, ich ehre das Böse und heilige das Gute, ich blicke am Tage und lausche der Nacht, ich liebe das Leben und träume vom Tod. Ich bin dem Wechsel untertan. Der Wendehals mag menschlich ein Widerliches sein. Im Schauen ist er das Höchste.
Ich habe mich der Aufgabe dieser Philosophie hingegeben, als ich nicht einmal hätte hoffen dürfen, daß ihr überhaupt eine Sprache verfügbar würde. Nicht ein einziger Gedanke stand mir bereit, abzusehen, daß dereinst etwas Sagbares aus dem wabernden Trog meiner Empfimdungen entstehen könnte. Ich hatte die Aufgabe von einem Manne übereignet bekommen, dessen Werk bereits einige Erwähnung gefunden hat, Ein gigantisches Gedicht, lyrisch, episch, metaphysisch. Es beinhaltet viel tief Geschautes, aber es trägt die Züge der Religion zu schwer. Es vergewaltigt den Verstand, versöhnt ihn mit heiligen Schlägen auf jeden logischen Zweifel, beruhigt ihn im sprachlichen Glanz eines kompromißlosen Messianismus. Ich wollte, ja ich konnte ihm nicht folgen. Mir blieb, andächtig das Haupt vor diesem Manne zu senken und mich in die andere Richtung zu wenden. Mit ihm, Oswald Spengler, habe ich meinen ärgsten Widersacher und meinen höchsten Lehrer gefunden. Es liegt tief, daß beides einander so nahe kommt. Es ist jene Lehre und Abstoßung, wie sie alle Männer vom Rang in ihren Schülern ausgeübt haben. Ich stelle vielleicht auch deshalb kein Schema, keinen Begriff an den Beginn unseres nun heller werdenden Weges, sondern ein Bild. Es ist jenes Bild, welches ich immer schon über den Lauf der Zeit gespannt sah, welches ich, vielleicht träumerisch, vielleicht mathematisch, immer als den würdigsten Ausdruck des Vergangenen empfand.  –  Mancher mag hier an eine Aufwärmung Hegels oder Nietzsches denken. Aber wie ich sagte, es ist - was Nietzsche und Goethe angeht - nichts Erleuchtendes von der Wiederkehr zu sprechen, wenn unbeantwortet bleibt, was das Wiederkehrende vom vormals ja ganz Gleichartigen unterscheiden läßt, wo also die Gegen-Entität sei. Es fehlen ihnen die Widersprüche. Hegel besaß sie.
Mathematik, verstanden als ein Abstrahieren in Form und Zahl also, spricht nichts Funktionales, sondern zutiefst Greifbares, Anschauliches aus.
Die kultische, begrenzte, d.h. faßliche Zahl ist eine Quantität. Sie stellt Größen dar, sie ist zählbar. Bereits der Bruch, das Verhältnis, ist - insofern es nicht zufällig wieder einer ganzen Zahl entspricht - keine kultische Zahl mehr, sondern eine Berechnungsvorschift.
Kurt Gödel
»Ich bin unbeweisbar«. Gödel kann nun arithmetisch, und zwar mit einer Durchnummerierung aller mathematisch möglichen Sätze mit »Gödelnummern« zeigen, daß dieser Satz. obgleich er von sich selbst aussagt, unbeweisbar zu sein, wahr ist. Es folgt: »ich bin unbeweisbar, aber wahr«. Ein Widerspruch - wie man schnell bemerkt. Schließlich ist der Satz nach Gödel »unbeweisbar« - das sagt der Satz selbst aus: »Ich bin unbeweisbar« -, andererseits soll er zugleich wahr sein. - Die Lösung dessen liegt in einer Doppelzüngigkeit, die der Logik erstmals wieder eine gleichwertige Kraft entgegenstellt. Ein ganz neues, a-formales Denken nämlich, wird nun geboren. Im ersten regiert die Beweisbarkeit, im zweiten die Wahrheit. In jenem zweiten, nicht-mathematischen Bereich, der Welt des Ingeniums, existiert jedoch der Begriff des logischen Beweises gar nicht. Dort wird entschieden, gefühlt. Was aber dort entschieden wird, gilt in der Logik nicht als Beweis. Darin liegt es begründet, daß im Unvollständigkeitssatz »Beweisbarkeit« und »Wahrheit« getrennt betrachtet werden müssen. Der Logiker Gödel ist an dieser Stelle nur deshalb überhaupt einen Schritt vorangekommen, weil er es bereits aufgegeben hatte, Logiker zu sein. Denn dieser Satz überschneidet zwei Denkweisen, zwei Daseinsformen, zwei Welten. - Bleiben wir aber der Logik treu, so müssen wir Beweisbarkeit mit Wahrheit gleichsetzen und können folglich das »Ich bin unbeweisbar«, insofern »Ich« der Satz selbst ist, wieder in sich einsetzen und erhalten: »Ich bin unbeweisbar ist unbeweisbar« - Doppelverneinung: Der Satz ist also wahr. Nochmaliges Einsetzen ergibt eine weitere Verneinung, denn seine Wahrheit ist nun wieder unbeweisbar. Der Satz ist wieder falsch. Wir sehen, die Beweisbarkeit des Gödelsatzes ist - ganz wie der Kreter-Satz - weder gegeben, noch unmöglich. Sie changiert. Und genau deshalb changiert auch der Wahrheitswert. (Formal lautet die Einsetzung p1:bew(p1) => p2:bew(p2)(bew(p1) usw.. Der entscheidende Schritt in Gödels Beweis (»Über formal unentscheidbare Sätze ...«: Satz VII zu VIII) ist jedoch nicht mathematisch-logisch, sondern in Prosa ausgeführt.)
Gottfried Wilhelm Leibniz
Gödel aber umgeht diesen Widerspruch durch eine Dekonstruktion der Logik - und zwar mit einem Trick, wie ihn schon Leibniz angewendet hatte: die w-Widersprüchlichkeit. - Mit jener w-Inkonsistenz ist am Ende nichts weiter formuliert als ein zeitweise zugelassener Widerspruch. Sie erkauft einen Moment Auszeit im logischen Spiel automatischer Härte. Es ist der Moment, in welchem Gödel heraustritt aus dem arithmetischen Beweis. Damit schleust er, Kurt Gödel, die Zeit in die Logik seines Beweises ein. Dieses Changieren von Konsistenz und Inkonsistenz, also von Wahrem zu Falschem, ist nichts anderes als die Merkwürdigkeit der Null in der Infinitesimalrechnung Leibnizens, die einmal eine tatsächliche, einmal eine nicht verschwindende Null ist und das uns wohlbekannte e meint. Leibniz muß vorübergehend gleichermaßen widersprüchlich sein, um den Sprung über die Unendlichkeitsklippe wagen zu können. Er läßt - ganz wie später Gödel - einen beweisinternen temporären Widerspruch zu, eine e-Inkonsistenz, wie man sagen könnte. Das verschwindend kleine Epsilon darf einmal Null werden, einmal nicht. Warum? Das weiß er selbst nicht. Aber es funktioniert. An diesen ingenen Punkten, im barocken Ingenium und dem noch tieferen der Moderne seit 1800, wird auf Logik, nämlich Widerspruchsfreiheit, kein Pfifferling mehr gegeben. Leibniz vergißt sogleich, daß er nicht sauber bewiesen hat, denn »es funktioniert«. Gödel vergißt sogleich, daß seine w-Inkonsistenz eigentlich eine logische Ruine ist. (So vergißt die Malerei, einmal realistisch gewesen zu sein, so vergessen ganze Völker, einmal frei gewesen zu sein. Ein Lernen aus der Geschichte, aus dem Leben gibt es nicht. Denn Leben heißt etwas wollen. Wer etwas anderes will, lernt etwas anderes.) - Beide schalten hier für den entscheidenden Schritt ihres Beweises die Logik aus. Ist das Mathematik? - Es ist ein Entschluß, eine radikale und dreiste Absage an die Macht der Logik. Erst in der Übertreibung, in der Selbstverunsicherung, in der eigenenÜberwindung des Formalismus, die hier plötzlich möglich wird, erweist sich der Formalismus zu Ungeahntem fähig, indem er untergeht.
Mathematik ist zu wirklich relevanten, also nicht schon sowieso über die Axiomatik einbeschriebenen meta-mathematischen Aussagen schlichtweg nicht fähig.
Was die Kultur in ihrer Versessenhait auf die unbedingt existierende Wahrheit, die Herrschaft Logik übersieht, ist das Phänomen der Lüge. Im Ingenium ist es gewissermaßen unmöglich geworden, zu lügen. Die Lüge erhält - und zwar in ihrer Motivation - Wahrheit und Aufrichtigkeit. Motivation, ein Zeitbergiff, gibt nun das Kriterium an. Im Lügner wird das Falsche wahr.
Die Ägypter haben ihren Volksmythos auf den immerwährenden Kampf zwischen Seth und Horus gegründet. In unablässiger Abwechslung besiegt der eine den anderen, schlägt Horus den Seth und es wird Tag, sodann der unterlegene Seth den einstigen Sieger und es wird Nacht.
Nichts ist ... überhaupt eine bessere Form des Daseins, nichts zeigt Unterdrückung oder Fortschritt an. Jeder Zustand im Leben - möge er noch so merkwürdig scheinen - ist allein in seiner Existenz bereits der Beweis für die seiner Zeit angehörige, notwendige Form des Daseins. Die Geschichte begeht keine »Fehler«.
Der gotischen Malerei - zuletzt der internationalen Gotik - war immer an der Beziehung der Figuren untereinander gelegen. Man denke an die innige Verbindung der Maria mit dem Christuskinde oder die Schmerzensgesichter bei der Kreuzabnahme ....
Die kultische Romanik wird von der kultischen Renaissance für die als Ganzes kultische Antike gehalten. Es ist kein Mißverstaändnis, daß die Renaissance hier so peinlich irrte.
Tizian ist kein Vollender der Gotik, wie Spengler es im Übergehen der Renaissance gemeint hatte, sondern er ist Rückkehrer.
Aus der Überlagerung von ingenem Mittelalter und dem abfallenden Übergang aus der Romanik in die Gotik ergibt sich ein verhaltener Abstieg. Dagegen fällt der Aufstieg de kultischen Renaissance mit der beginnenden und ebenfalls kultischen Frühen Neuzeit zusammen.
Man könnte vielleicht als Polemiker gelten, behauptete man, um der Renaissance überhaupt eine anständige Dauer und einen Umfang auch in die großen Meisterwerke hinein zu geben, habe man ihr den halben Barock zugerechnet - mit dem völlig uneinsehbaren Ergebnis, daß ein malerischer Übergang in denselben gar nicht mehr auszumachen ist. Das erinnert an das 19. Jahrhundert, das in seiner scharmützelhaften Ereignislosigkeit nach Napoleon nichts aufzubieten hatte und bisweilen das Jahrhundert des Sitzfleisches genannt wurde, bis man dem sogenannten »langen« 19. Jahrhundert den Ersten Weltkrieg und die französische Revolution zugestand.
Was den französischen Ritterheeren nämlich noch gänzlich abgeht, aber in jedem einzelnen englischen Bogenschützen zur vollen Ausprägung gelangt ist, das ist das Verständnis von Dynamik - eine Dynamik, die nun die im Morast unbeweglichen französischen Barone mit Pfeilsalven spickt.
Drei römische Päpste des Amtes verwiesen, einen deutschen Geistlichen, der mitreisenden Hofkapelle entnommen, eingesetzt - so geht ein deutscher König in gut-ottonischer Tradition mit den römischen Krisnezuständen um. Am Weihnachstage läßt er sich von seinem neu erhobenen Papst, dem ehemaligen Bischof Suidger von Bamberg, mit seiner Frau zum Kaiserpaar krönen.
Hat man dies einmal verstanden, begreift man vollständig, wie lächerlich es ist, über den Widerspruch der Kreuzzüge und christlicher Gebote auch nur einen Moment anders nachzudenekn als über all die anderen unlösbaren Widersätze: die Sklaverei in der Aufklärung, die Demokratie in der antiken Sklavenhaltergesellschaft, die Befreiung des Bauern zur Entrechtung in der Industrialisierung, die Friedesnsendung aller brutal erobernden Großreiche ebenso wie unsere Gutmenschenideologie und die Ausbeutungspraxis unserer Weltwirtschaft - Widersprüche, deren ewige Geburt des Gegenteils alles Dasein bedeutet.
Geeignet - das ist ganz evolutorisch - heißt eben nicht mächtig an sich, sondern mächtig, wenn Macht gefordert ist, schwach, wenn Schwäche gefordert ist. (In diesem Sinne ist - nebenbei bemerkt - Evolution immer falsch verstanden worden. Man hat Angepaßtheit ohne Bedenken immer dem Fortschritt zugeordnet, dabei sagt Anpassung gerade nichts über die Richtung derselben aus. Dies auch der Grund, weshalb die Evolution - ganz wie die Geschichte - Rückbildungen von Organen kennt, die im vorausgegangenen Stadium noch mit höchstem Aufwand differenziert wurden und dann - mir nichts, dir nichts - verkümmerten.)
Die Geschichte kennt nichts Schlechtes und nichts Gutes ....
Das Reich war seit dem Anbeginn des Abendlandes der am dichtesten besiedelte und wohlhabendste Landstrich Europas. Es ist deshalb nie eine Entscheidung gewesen, ob man sich in den reinen Nationalstaat der Kaiserunterwerfung begebe oder nicht. Dies fruchtbare und reiche Land war zu begehrt und landschaftlich differenziert, als daß man es diktatorisch hätte führen können. Deshalb gab es für Deutschland immer nur zwei Möglichkeiten: Kleinstaaterei, wie sie die Frühe Neuzeit beherrscht, oder der mühsame Versuch der Einigung des Landes, die zugelich im Zuge der Konzentration der reichsten Besitztümer den Griff zur Weltherrschaft bedeuten mußte ....
Das sind die Abstürze ins Ingenium, die nun die Diktatoren heraufrufen, die Dunkelmalerei der Romantik als gefeierten Verfall, die Bewegungsliteratur der romantischen Schule hervorbringen, den erneuten Durchbruch der Nationalsprachen in den Wissenschaften ermöglichen, die Widerspruchsphilosophie Hegels, wie ebenso die am Ende alle Harmonie aufgebende Dissonanzmusik seit dem Tristan schaffen.
Der Weg ins 15. Jahrhundert, das der Renaissance .... Die atemberaubende Kehrtwende der abendländischen Geschichte hat seitdem kein zweites Bild gefunden. Denn es ist die Überlagerung zweier Bewegungen in die Kultur: der Stile wie der Epochen, der Gotik in die Renaissance und des Mittelalters in die Frühe Neuzeit. Diese Überlagereung zweier Triebkräfte derselben Richtung von Idee, Form, Lebensauffassung und Gemütslage bildet den bisher nie erklärlich gewordenen Sturm aus dem dunklen, nämlich ingenen Mittelalter in eine Zeit der Ablösung von aller geistigen Peitschung. Sie wird durch die Tat, die Peitschung der Arbeit ersetzt werden.“
(Thomas Wangenheim, Kultur und Ingenium, 2013, S. 20, 31, 32, 34, 38, 39, 40, 42, 43, 44, 46, 46-47, 51, 52, 53, 54, 55, 56-57, 57, 58, 71, 72, 88-90, 91, 92, 121, 125, 128, 140, 143, 144, 148, 151-152, 159, 169, 173, 174, 182, 185, 194).
Was meinen Sie dazu, Herr Boden?

Ich lag mit meiner Einschätzung Wangenheims von Anfang an richtig und war mir darüber auch von Anfang an sicher. Wie konnte das sein? Ich gebe ein Beispiel: In meinem ersten das Thema „Thomas Wangenheim und seine Geschichtsphilosophie“ betreffenden E-Brief sagte ich, „noch nie etwas von einem Menschen mit dem Namen Thomas Wangenheim gehört oder gesehen“ (**) zu haben, aber „mittlerweile einen Film von Wangenheim“ (**) zu kennen; in meinem zweiten das Thema „Thomas Wangenheim und seine Geschichtsphilosophie“ betreffenden E-Brief behauptete ich, daß man Wangenheim „sicherlich einen Spenglerianer nennen“ (**) kann, daß sein „System“ (durchaus im Sinne der erst nach Spenglers Tod entwickelten Systemtheorie, besonders im Sinne der ab den 1960er Jahren von Niklas Luhmann entwickelten Version [**]) ... selbstbezogen ist und bleibt, so lange es existiert“ (**), womit schon zweierlei gesagt ist: Wangenheim ist Spenglerianer, jedoch ist seine auf geometrische Fraktale basierende Geschichtsphilosophie besonders theoretisch bzw. abstrakt wie z.B. auch Luhmanns Systemtheorie, die auch viel Hegelsches in sich trägt, was auf Wangenheims Geschichtsphilosophie ebenfalls zutrifft, wie ich in meinem dritten das Thema „Thomas Wangenheim und seine Geschichtsphilosophie“ betreffenden E-Brief erstmals erwähnte: „daß zumindest ansatzweise Hegels Philosophie in seiner Philosophie steckt“ (**). Woher und überhaupt warum konnte ich das so schnell wissen und ohne sein Buch gelesen zu haben? (1.) Aus dem Untertitel seines Buches und (2.) aus meiner Menschenkenntnis. Mehr war dazu nicht nötig.

Gelassen, enthaltsam oder neutral gegenüber seinem Forschungsgegenstand kann, ja muß Wangenheim sein, wenn er seine Geschichtsphilosophie aus geometrischen Fraktalen herleitet (siehe oben: 1.), wie es Wangenheim tut, und ein geistig sehr theoretisch bzw. mathematisch ausgerichteter Mensch ist (siehe oben: 2.), was Wangenheim zu sein scheint, jedenfalls bin ich davon aufgrund meiner Menschenkenntnis ausgegangen, die ich in dem einzigen Film, den ich bis dahin von Wangenheim gesehen hatte, auf ihn anwendete, so weit es zu der Zeit möglich war. Wieso ich Wangenheim für einen sehr theoretisch bzw. mathematisch ausgerichteten Menschen halte? Das sagt mir wieder meine Menschenkenntnis (siehe oben: 2.), in diesem speziellen Beispiel meine Kenntnis darüber, wie Menschen als Mathematiker oder „Supertheoretiker“ („Superabstraktler“) typischerweise sind und denken, wenn sie gleichzeitig Interesse für Kultur und Geschichte haben - mit anderen Worten: es gibt auch Mathematiker, die sich nur für Mathematik interessieren, und die meine ich hier nicht. Das Mathematische oder „Supertheoretische“ („Superabstrakte“) zeigt sich bei denen, die ich hier meine, auch in ihren außermathematischen Interessensgebieten, weil es sowieso (und übrigens auch bei denen, die ich hier nicht meine) in ihrem Leben und erst recht in ihrer Philosophie stark verankert ist. Meine beiden Punkte (siehe oben: 1. und 2.) sind also durchaus auch so aufeinander bezogen, daß sie sich logisch-argumentativ gegenseitig bedingen. Ping-Pong!

Der Untertitel in Wangenheims Buch verrät, daß Wangenheim von der Mathematik ausgeht - ob mehr oder ob weniger, das ist jetzt noch nicht wichtig -, also muß er sich in seinem Buch argumentativ auch darauf beziehen. Tut er das nicht, ist sein Buch ein Witzebuch und er in Gefahr, sich damit lächerlich zu machen. Geht man bei einer Geschichtsphilosophie von geometrischen Fraktalen aus, dann ist der Argumentationsraum ziemlich eng. Mit anderen Worten: Wangenheim muß irgendwann zugeben, und das tut er auch - wie ich seit vorgestern weiß - am Ende der Einleitung des Buches, wo er zugibt, ein „Wendehals“ (**) zu sein.

„Luhmann, Anwalt des Teufels“ (vgl. Peter Sloterdijk, „Nicht gerettet - Versuche nach Heidegger“, 2001, S. 82-141)
Luhmann als „Anwalt des Teufels“ (**)?
Gelassen, enthaltsam oder neutral gegenüber seinem Forschungsgegenstand zu sein - das ist ein gar nicht hoch genug zu hängender und gar nicht oft genug zu erwähnender Wert eines echten Wissenschaftlers, den es heute kaum noch gibt. Ich vertrete diesen Wert voll und ganz, und gemäß Wangenheims eigenen Worten, vertritt Wangenheim diesen Wert ebenfalls voll und ganz, was ihn für mich äußerst sympathisch macht. Da spielt es erst einmal überhaupt keine Rolle, welche Theorie, welche Philosophie er vertritt, weil nach meinem Dafürhalten all das und überhaupt alles Geistige diesem Wert untergeordnet sein muß. Die negative Seite daran ist aber eben die des Wendehalses: „Ich bin dem Wechsel untertan. Der Wendehals mag menschlich ein Widerliches sein. Im Schauen ist er das Höchste.“ (**). Noch am 17.12.2018 - als ich Wangenheims Buch immer noch nicht kannte, aber schon ein paar Filme von ihm gesehen hatte - schrieb ich: „Ich habe Wangenheims Buch noch nicht gelesen und kann auch noch nicht mit Sicherheit sagen, ob Wangenheim bereit ist, das, was ich in den letzten drei Absätzen (**|**|**) geschrieben habe, zu unterschreiben“ (**). Es ging dabei unter Berücksichtigung unseres eingeschränkten Erkenntnisvermögens um die Binarität, den binären Code u.ä., um die Notwendigkeit der Entscheidung zwischen einem „Ja“ und einem „Nein“, weil ohne sie keine Information mehr möglich, also die Entropie erreicht sein würde. Ich meinte dies nicht nur, aber eben auch und vor allem unter Bezugnahme auf Hegel und Luhmann. Wangenheim nennt Hegels Philosophie „Widerspruchsphilosophie“ (**); ob Wangenheim auch den ebenfalls von Hegel beeinflußten Luhmann kennt, weiß ich nicht, deshalb sei hier erwähnt - in der Hoffnung, daß Wangenheim es einmal lesen wird -, daß Luhmann einer von wenigen war, die ebenso auf Gelassenheit, Enthaltsamkeit und Neutralität gegenüber dem Forschungsgegenstand sehr großen Wert legten, wie ich es tue, wie es Wangenheim höchstwahrscheinlich auch tut. Luhmann wurde aufgrund seiner methodischen Unschuldsunterstellung - eben wegen jener Gelassenheit, Enthaltsamkeit und Neutralität - sogar schon „Anwalt des Teufels“ (**) genannt.

Zwar muß auch ich mich in Anlehnung an Wangenheims „ärgsten Widersacher und ... höchsten Lehrer“ (**) gegen Behauptungen Wangenheims wehren und ihn belehren, wenn er beispielsweise behauptet, daß „das ägyptische mit dem abendländischen Ursymbol, insofern sie beide räumlich ausgedehnter Natur sind, identisch“ (**) sei, daß „es lediglich zwei »Ursymbole«“ (**) gebe. Ich weiß aber, daß er dies behaupten muß gemäß seiner eigenen fraktal-geometrischen Geschichtsphilosophie, die auf Widerspruch beruht, also auch - wie schon Hegels Philosophie - eine „Widerspruchsphilosophie“ (**), wie Wangenheim selber sagt, ist. Aber er sollte vielleicht versuchen, zu differenzieren oder zu integrieren (je nach Standpunkt), also z.B. davon ausgehen, daß seine fraktal-geometrische Widerspruchsphilosophie den Kern seiner Geschichsphilosophie bildet und andere Philosophien bzw. Theorien oder doch zumindest Hypothesen diesem Kern übergestülpt sind und selbst auch noch nicht einmal die Oberfläche bilden, weil die ja immer nur das zeigt, was wir direkt wahrnehmen. So sollte er vielleicht mit mehreren Philosophien arbeiten, ohne dabei die Kernphilosophie, also seine philosophisch auf Widerspruch (siehe: Widerspruchsphilosophie) und mathematisch auf Selbstähnlichkeit (siehe: Fraktale Geometrie) beruhende Kultur- und Geschichtsphilosophie aufgeben zu müssen.

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Auch an meiner Gesamttheorie (Philosophie) habe also ich den weitaus größten Anteil. Hegel hat den zweit-, Hartmann den drittt-,
Spengler den viert-, Goethe den fünft-, Kleine-Horst den sechst-, Nietzsche den siebt-, Koch den acht-, Kant den neunt-,
Schopenhauer den zehnt-, Heidegger den elft-, Luhmann den zwölft- und Toynbee den dreizehntgrößten Anteil.
Theorien der Erkenntnis (Wissenschaft) und der Entwicklung haben mich immer schon interessiert. Kulturtheorien waren mir aber anfangs
noch nicht selbständig genug, um auch dauerhaft unabhängig von meinen Erkenntnis- und Entwicklungstheorien bestehen zu können.
Es geht ja auch mit mehreren Philosophien in einer Philosophie, die man meinetwegen auch „Hauptphilosophie“ nennen mag. Ich habe ja auch mehrere Philosophien in meiner Philosophie, die ich gelegentlich „Gesamttheorie“ nenne (siehe Abbildung). Diese Gesamttheorie besteht aus vier Einzeltheorien, die wiederum andere Philosophien beinhalten können, und unter diesen vier Einzeltheorien ist eine Einzeltheorie, nämlich Hegels Dialektik (siehe „H.D.“ in der Abbildung), selbst sogar Teil einer anderen Philosophie, nämlich Hegels Philosophie. Insofern spielt also auch der Widerspruch bzw. Hegels Widerspruchsphilosophie eine wichtige Rolle in meiner Philosophie, was zusätzlich von Luhmanns Systemtheorie noch einmal bestätigt wird, denn auch die berücksichtigt sehr stark den Widerspruch bzw. Hegels Widerspruchsphilosophie. Trotzdem würde ich nicht sagen, daß „es lediglich zwei »Ursymbole«“ (**) und also nur zwei Kulturen gebe - diesen Schluß läßt meine Philosophie nicht zu, weil meine Kulturtheorie dies nicht zuläßt (vgl. dazu in der Abbildung den prozentualen Anteil und die Liste mit den Namen derjenigen, die Anteil an meiner Kulturtheorie haben). Meine Kulturtheorie läßt aber den Schluß zu, daß es denjenigen Widerspruch gibt, der den Eindruck vermittelt, als ginge es nur um zwei Ursymbole, nur um zwei Kulturen, obwohl es tatsächlich nicht so ist. Also ist „eine Abwechslung von Starre und Bewegung, von Punkt und Raum, von Moment und Zeit, von Kultur und Ingenium“ (**) auch gemäß meiner Kulturtheorie möglich, jedoch nicht im Sinne einer Ausschließlichkeit. Auch ich könnte sagen, Kultur und Ingenium widersprechen sich wie Starre und Bewegung, so daß es fast so aussieht, als seien Ägypten und das Abendland „identisch“ (**), obwohl sie es nicht sind, wie ja - genau genommen - auch ihre Ursymbole verraten (Ägypten: Weg; Abendland: Unendlicher Raum). Das ändert nichts daran, daß beide sich in einem starken Widerspruchsverhältnis zum antik-apollinischen Ursymbol (Einzelkörper) und damit logischerweise auch zur antik-apollinischen Kultur befinden. Man könnte dieses Widerspruchsverhältnis als ein Prinzip auffassen, ohne dabei zu sagen, daß es das einzig mögliche ist. Immerhin gibt es ja Varianten und nicht nur zwei Konstanten, die eben eher ein Prinzip symbolisieren. Im Hinblick auf die Starre haben die indische und die antik-apollinische Kultur sicherlich die meisten Gemeinsamkeiten, während die anderen sechs Kulturen eher zu diesen beiden im Widerspruch stehen, also die Bewegung bevorzugen, aber die Art, das Ausmaß, die Intensität sind dabei sehr unterschiedlich. Es läßt sich somit sagen, daß es auf der Seite der Starre zwei und auf der Seite der Bewegung sechs Kulturen bzw. Ursymbole gibt, daß aber diese beiden Seiten nicht zwei Ursymbole, sondern zwei Prinzipien oder Grundrichtungen für alle moglichen Ursymbole darstellen.

Deutsche  Philosophen-Elf der Neuzeit
F. n. m. G.
Ich kann eine ganze „Theoretische Fußballmannschaft“ (siehe Abbildung) aufstellen, die auch über einen „Ersatzspieler“ verfügt. Als aristokratischer „Trainer“ habe ich aus naheliegenden Gründen Hegel zum „Mannschaftskapitän“ ernannt. Hegel steuert nämlich seine Dialektik als eigenständige Einzeltheorie und darüber hinaus einen jeweilgen Anteil an den anderen drei Einzeltheorien meiner Gesamttheorie bei. Das reicht für das Amt des „Mannschaftskapitäns“ aus. Unter Bezugnahme auf Wangenheims Philosophie bedeutet das, daß nicht nur in seiner, sondern auch in meiner Philosophie (Gesamttheorie) das Widerspruchstheorem aus Hegels Philosophie eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Der Unterschied zwischen seiner und meiner Philosophie scheint von daher zu sein, daß in Wangenheims Philosophie keine ganze „Theoretische Fußballmannschaft“ und ihr „Ersatzspieler“, also insgesamt zwölf „Spieler“ zur Verfügung stehen wie in meiner Philosophie. Anders gesagt: Die fraktale Geometrie reicht als einzige Grundlage für eine Philosophie wahrscheinlich nicht aus, wenn es um diejenigen Bereiche geht, die nicht unmittelbar zur Grundlage gehören. Dazu bedarf es entweder weiterer Grundlagen oder einer anderen Grundlage. Wir können ja durchaus annehmen, daß die Selbstähnlichkeit die Grundlage für eine Geschichtsphilosophie bildet und die Geschichte nur aufgrund von Widerspruch möglich ist. Das beurteile ich ja mit meinem Spiraltheorem im Grunde sogar genauso, und zwar nicht nur deswegen, weil alle Bewegungen im Grunde eine Spiraltendenz aufweisen, sondern auch deswegen, weil diese Spiraltendenz offenbar einer auf Selbstähnlichkeit beruhenden „Vorschrift“ folgt. Die sich an der Oberfläche zeigenden Zeichen, die wir z.B. als „Tatsachen“ oder aber z.B. als „Wunder“ zu bezeichnen pflegen, gehen zwar selbst auch zurück auf solche Grundlagen, sind aber wegen der von Menschen oder Systemen ausgehenden relativen Freiheit gegenüber ihrer Umwelt, die wir auch „Natur“ oder „Kausalität“ nennen, so beeinträchtigt, daß man sie nicht wirklich eindeutig vorherbestimmen kann. Wer oder was ist für die Koinzidenz verantwortlich? Gott? Die Natur, d.h. die Kausalität? Die Menschen oder Systeme? Obwohl wir auch hier keine eindeutige Antwort geben können, können wir doch mit Sicherheit sagen, daß wir alle das, was ich eben „Koinzidenz“ genannt habe, schon aus unserer Alltagserfahrung kennen. Wieso kann immer alles auch ganz anders kommen?

Quadrialistisches Weltbild
Natur und Kultur
Ich gehe von zwei „Welten“ aus: Natur und Kultur. Diese Unterteilung ist nicht genauso, aber doch ähnlich wie die Unterteilung in System und Umwelt. Und sie ist nicht genauso, aber doch ähnlich wie die schon sehr alte Unterteilung in Körper und Seele. Aus dieser Zweiteilung wurde bald eine Vierteilung, aus der Vierteilung bald eine Achtteilung (siehe Abbildungen). Die Zweiteilung ist und bleibt aber das Entscheidende. Und die Richtungen der Entwicklung sind ebenfalls zwei, zwei entgegengesetzte: „Genese“ und „Metagenese“ genannt - die Benennung hätte selbstverständlich auch anders ausfallen können. Im Bezug auf unser Thema hier bedeutet das, daß in den beiden „Welten“ zwar die erste „Welt“, die Natur, die zweite „Welt“, die Kultur, durch das „Gesetz“ der Kausalität determiniert, aber die zweite „Welt“ demgegenüber auch relativ (relativ!) frei ist. Anders gesagt: Auch die Kultur kann beeinflussen, und zwar nicht nur sich selbst, sondern auch die Natur, obgleich nur teilweise und vorübergehend. Die Richtungen von „Genese“ und „Metagenese“ sind ja entgegengesetzte Richtungen. Wir haben es also hier auch mit einem Widerspruch zu tun. Dieser Widerspruch mag in tiefster Natur begründet sein oder nicht, mag im höchsten Geiste verankert sein oder nicht: er existiert. Deshalb schrieb ich: „Ohne binären Code funktioniert nichts“ (**). Wir sind gegenüber der Natur relativ (relativ!) frei, obwohl - und wahrscheinlich sogar weil - wir von ihr auch und vor allem determiniert werden. Wir können widersprechen. Kultur ist - so betrachtet - Widerspruch.

Der geschichtliche Rhythmus, der Wangenheims fraktaler Geometrie folgt ist der folgende (weiß bzw. hellgrau markiert):

Ägypten
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
I K K I K I I I K I I I I K K I K I I I K I I I
Antike
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
K K K K K I K I K K I I K K K K K I K I K K I I
Abendland
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
I K K I K I I I K I I I I K K I K I I I K I I I
K = Kultur (übergeordnet), E = Epoche, S = Stil; I = Ingenium, K = Kultur (Kultisches).

Vorkommen von:   „I“  „K“ Summe
Ägypten: 16 8 24
Antike: 8 16 24
Abendland: 16 8 24
Summe: 40 32 72
 
Für Ägypten und das Abendland gibt es jeweils die vier verschiedenen „Zustände“ IKK, IKI, IIK, III und für die Antike die vier verschiedenen „Zustände“ KKK, KKI, KIK, KII. Insgesamt haben wir es also mit zwölf verschiedenen „Zuständen“ zu tun. Die anderen zwölf „Zustände“ sind „Wiederholungszustände“. Die „Wiederholungszustände“ können rein theoretisch beliebig oft auftreten, doch Wangenheim gibt eine zeitliche Obergrenze von rd. 1000 Jahren vor, so daß ich oben statt der insgesamt vierundzwanzig nur insgesamt achtzehn „Zustände“ (also einschließlich der in dem Fall nur noch sechs „Wiederholungszustände“) hätte anzugeben brauchen, davon aber abgesehen habe, weil ich den Rhythmus aufzeigen wollte. Die Ägypter und Abendländer haben zusammem viermal und einzeln doppelt soviel Anteil am Ingenium wie die Antike. Umgekehrt hat die Antike doppelt soviel Anteil an dem Kultischen der Kultur wie Ägypten allein und das Abendland allein und einen gleich hohen Anteil wie Ägypten und das Abendland zusammen. Wangenheim geht davon aus, daß „ein neuer Gang ins Hochkultische vor uns liegt“ (**), und mit „uns“ meint er selbstverständlich uns Abendländer. „Seinen Eintritt in die Weltgeschichte markiert - in einem Prozeß von wenigstens einem halben Jahrhundert zuvor und hernach - das Jahr 2000“ (**). „IKK“ ist wieder angesagt. Wir Abendländer befinden uns schon in einer neuen Renaissance oder betreten sie gerade oder stehen kurz vor ihr.

Den von mir im Falle einer fraktalen Geometrie für die Weltgeschichte bevorzugten Rhythmus habe ich schon in den entprechenden Abbildungen (**|**|**) berücksichtigt.

Ägypten
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
I K K I I I I I K I I I I K K I K I I K K I I I I I K
Antike
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
K K K K I I K I K K I I K K K K K I K K K K I I K I K
Abendland
K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S K E S
I K K I I I I I K I I I I K K I K I I K K I I I I I K
K = Kultur (übergeordnet), E = Epoche, S = Stil; I = Ingenium, K = Kultur (Kultisches).

Vorkommen von:   „I“  „K“ Summe
Ägypten: 18 9 27
Antike: 9 18 27
Abendland: 18 9 27
Summe: 45 36 81
Thomas Wangenheim, „Kultur und Igenium. Eine frktale Geometrie der Weltgeschichte“, 2013
Bewegen Sie den Cursor über die Bildfläche, um die unterschiedliche Dauer der „Jahreszeiten“ zu sehen.
Wiederum gibt es für Ägypten und das Abendland jeweils die vier verschiedenen „Zustände“ IKK, III, IKI, IIK und für die Antike die vier verschiedenen „Zustände“ KKK, KII, KIK, KKI, so daß wir es also insgesamt wieder mit zwölf verschiedenen „Zuständen“ zu tun haben. Aber der Rhythmus ist hier ein anderer, weil sich ein „Zustand“ jedes zweite oder jedes vierte oder jedes sechste Mal wiederholt (im anderen Beispiel: stets jedes vierte Mal) und eine kulturelle „Jahreszeit“ (bei Wangenheim: „Epoche“) drei „Zustände“ (im anderen Beispiel: zwei) umfaßt. Dieser von mir bevorzugte Rhythmus ist in der rechten Abbildung noch einmal zu sehen, in der Wangenheims Bezeichnungen der Stile, Epochen und Kulturen berücksichigt sind. Einige dieser Bezeichnungen unterstütze ich aber nicht unbedingt, wie schon gesagt (**), Herr Boden.

Fraktale Geometrie der Weltgeschichte - das bedeutet von der Methode her gesehen, nach Selbstähnlichkeiten und Widersprüchen zu suchen, die dann nichts anderes mehr sind als ständige Spiegelungen und Wiederholungen. Die vier verschiedenen ägyptischen und abendländischen „Zustände“ „IKK“, „III“, „IKI“, „IKK“ und die vier verschiedenen antiken „Zustände“ „KKK“, „KII“, „KIK“, „KKI“ unterliegen also im Grunde weniger einer forschenden Analyse als viel mehr einer rein systematischen Zuordnnung. Der erste Buchstabe in jedem Kürzel steht für die jeweilige Kultur (Ägypten oder Antike oder Abendland), wobei die Selbstähnlichkeiten und Widersprüche dadurch gegeben sind, daß alle drei Kulturen auf Spiegelung und - mit Fichte und Hegel gesprochen - auf These (Ägypten als „Ingenium“ [„I“]), Antithese (Antike als „Kultur“ [„K“]) und Synthese (Abendland als „Ingenium“ [„I“]) - auf eine Formel gebracht: „IKI“ - beruhen. Schon jetzt könnte man es sich einfach machen und z.B. die abendländische Geschichte lediglich auf die ägyptische übertragen und sagen, das Abendland sei die Spiegelung Ägyptens und als Synthese die „Aufhebung“ (auf Hegelianisch gesagt), also auch „Emporhebung“ der These namens Ägypten, während die Antithese namens Antike ihren Widerspruch darstelle, um den herum Ägypten und das Abendland sich spiegelnd „gruppieren“. Hier also fängt Wangenheims „Berechnung der Geschichte“ schon an. Dafür muß er eigentlich nur einige Daten und Fakten aus der Geschichte einer der drei Kulturen kennen, sie spiegeln und ihren Widerspruch finden. Damit aber noch nicht genug; denn der zweite Buchstabe in den Kürzeln bezieht sich auf die Epoche. Jede der drei Kulturen besteht aus drei Epochen, die in jeder Kultur wieder einen Dreierschritt „Ingenium-Kultur-Ingenium“ („IKI“) bedeuten: (1.) die These namens Ägypten („Ingenium“ [„I“]) aus dem „Alten Reich“ („Ingenium“ [„I“]) als These, dem „Mittleren Reich“ („Kultur“ [„K“]) als Antithese und dem „Neuen Reich“ („Ingenium“ [„I“]) als Synthese; (2.) die Antithese namens Antike („Kultur“ [„K“]) aus der „Archaik/Königszeit“ („Ingenium“ [„I“]) als These, der „Klassik/Republik“ („Kultur“ [„K“]) als Antithese und dem dem/der „Hellenismus/Kaiserzeit“ („Ingenium“ [„I“]) als Synthese; (3.) die Synthese namens Abendland („Ingenium“ [„I“]) aus dem „Mittelalter“ („Ingenium“ [„I“]) als These, der„Frühen Neuzeit“ („Kultur“ [„K“]) als Antithese und der „Moderne“ („Ingenium“ [„I“]) als Synthese. Die Kombinationen für jede Kultur der ersten „IKI“-Ebene mit der zweiten „IKI“-Ebene sind: „IK“, „II“, „KK“, „KI“. Die „Stile“ folgen auf der dritten Ebene, deren Kombinationen ich oben mit dem Wort „Zustände“ (**|**) wiedergegeben habe. Für Ägypten und das Abendland gibt es „IKK“, „III“, „IKK“, „IKI“; für die Antike gibt es „KIK“, „KII“, „KKK“, „KKI“. Interessanterweise bedeutet das für Wangenheim, daß er eigentlich von nur einer Kultur nur einen „Stil“ oder „Zustand“ kennen muß, um alles andere daraus ableiten zu können. Wählt er z.B. den Barock, dann gilt erst einmal: „Das Abendland ist der Barock und der Rest“. Damit kann er sogar auch die ägyptische und die antike Geschichte ableiten. Ist das nicht herrlich?

Würde jemand z.B. sagen: „Stil X ist nicht I, sondern K“, dann kann er munter entgegnen: „Ja, sie haben recht, denn dem Stil X ist K epochal übergeordnet, also ist der Stil X nicht nur I, sondern auch K“. So ist er praktisch unangreifbar, muß sich aber, wie gesagt, zumindest den Vorwurf gefallen lassen, ein „Wendehals“ (**) zu sein.

Bis jetzt habe ich nur die ersten sechs Kapitel des insgesamt fünfzehn Kapitel umfassenden Buches (**) gelesen.

Gruß an Kiel.

***

30.12.2018, 14:15

Danke, Herr Brune, für die Textauszüge.

Ich werde mir das gut durchlesen und mal kommentieren.

Ein gutes Neues Jahr wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie.

Gruß aus Kiel

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