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JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co.  http://www.Junge Freiheit.de/       29. September 2006

 


Streit, der nicht vergehen will
(von Werner Olles)

Das im 18. Jahrgang vierteljährlich erscheinende Antifaschistische Info Blatt (AIB) befaßt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit der »Geschichte und Aktualität des Historikerstreits: Vergangenheit, die nicht vergehen will». Nachdem der Politikwissenschaftler Volker Kronenberg kürzlich in der Welt Ernst Nolte als einen der »klügsten Geschichtsdenker des 20. Jahrhunderts« bezeichnete, der seine Frage »nach dem Entstehungs- und Beziehungsverhältnis von nationalsozialistischem und bolschewistischem Terror- und Vernichtungsregime« womöglich »20 Jahre zu früh« gestellt habe, erhöben sich nun immer mehr Stimmen, die »Gerechtigkeit für Ernsr Nolte« (Kronenberg) forderten.

Dabei konzediert das AIB ziemlich überraschend, daß es bei dem »Historikerstreit« offensichtlich weniger darum ging, Noltes Auffassungen empirisch zu widerlegen, sondern wohl eher, wie der Historiker Hans-Ulrich Wehler in einer schwachen Stunde zu-gab, um die »kulturelle Hegemonie« in der Deutung der jüngeren deutschen Geschichte. Und weil die Linke in dieser geschichtspolitischen Kontroverse einmal mehr nicht den allerbesten Eindruck machte - vor allem Jürgen Habermas fiel mit seiner These von »apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung« ziemlich aus der Rolle -, erfährt der Kulturkampf um die Deutungsmacht laut AIB 20 Jahre danach seine Fortsetzung. Nach der angeblichen Historisierung des NS-Regimes geht es also jetzt offenbar um die Historisierung des »Historikerstreits».

Recht gut recherchiert ist ein Beitrag über »Die extreme Rechte in der Türkei». Der Autor schildert die Entwicklung der Partei der nationalistischen Bewegung (MHP) und deren als »Graue Wölfe« bekannter Jugendorganisation, die in den siebziger Jahren als paramilitärische Kräfte gegen linksrevolutionäre Gruppierungen, liberale Intellektuelle und Journalisten eingesetzt wurden. Zur Gewaltpraxis der Grauen Wölfe gehörten auch Anschläge gegen politische Gegner und Pogrome gegen Aleviten und Kurden. Zu einer gewissen Mäßigung führte die Regierungsbeteiligung zusammen mit der Mutterlandspartei und der Demokratischen Linkspartei unter Bülent Ecevit. Inzwischen habe sich die MHP zu einer »nationalistischen bzw. rechtskonservativen Partei mit antidemokratischen, antiwestlichen und reaktionär-konservativen Tendenzen« entwickelt. Die »radikalere extrem rechte Linie« vertritt dagegen heute die Partei der Großen Einheit. Für eine Entwarnung sei es jedoch zu früh, wie der jüngste Mordanschlag gegen einen katholischen Priester gezeigt habe. Zudem würden gezielt Gerüchte in Umlauf gebracht, daß die Orthodoxe Kirche Jugendliche aus armen Familien missioniere, in Griechenland ausbilde und sie in der Region wieder als Missionare einsetze. Ähnliche Gerüchte verbreiten, daß junge Kurden in westtürkischen Städten gezielt zu kriminellen Zwecken eingesetzt würden.

Das sind in der Tat beunruhigende Tendenzen, die hoffentlich dazu beitragen werden, einen möglichen EU-Beitritt der Türkei zu verhindern.

Junge Freiheit vom 29. September 2006


 

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