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Prägnant und möglichst knapp formulierte Gedanken

von

Norbert Bolz (*1953)

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„»Political Correctness« stößt mich regelrecht ab, sie beleidigt meinen intellektuellen Stolz.“
Norbert Bolz, Abschied von der Aufklärung, in: Telepolis, 14.12.2004

„Es gibt keine tiefer angelegte Analyse zu unserem Thema als die von Oswald Spengler in seinem Hauptwerk über den Untergang des Abendlandes. Der Ton dieser Analyse, vor allem in dem zentralen und für uns einschlägigen Kapitel über die Seele der Stadt, ist aber so überspitzt polemisch und ressentimentgeladen, daß bisher kaum jemand Lust hatte, zu fragen, ob Spengler recht behalten hat. Dabei hat seine Hauptthese über die »Unfruchtbarkeit des zivilisierten Menschen« durchaus die Qualität, unsere aktuellen Erfahrungen mit der Kinderlosigkeit von Wohlstandsbürgern zu resümieren.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 9

„Spengler unterstellt dem modernen Menschen, nicht mehr leben zu wollen. Genauer: Er möchte wohl noch als Einzelner leben, und zwar möglichst lange, wie Nietzsche das vom »letzten Menschen« vorausgesagt hat, aber er möchte nicht mehr als Typus leben. Der Gedanke an das Aussterben seiner Familie schreckt ihn nicht mehr. Auf die Frage »Wozu Kinder?« findet er keinen Grund und hat deshalb auch keine.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 9-10

„Bekanntlich hat Spengler den Untergang des Abendlandes analog zum Untergang der Antike konstruiert. Und gerade im Blick auf die zivilisatorische Unfruchtbarkeit funktioniert dieser Vergleich ... besonders gut.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 10

„Beide leben sie in Frieden, sind gut organisiert und hochgebildet. Trotzdem schwindet die Bevölkerung rasch dahin. Und daran können auch die verzweifelten staatlichen Maßnahmen nichts ändern, die Kinder besserstellen, unbemittelte Eltern unterstützen, Adoptionen fördern und Einwanderung erleichtern.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 10

„All diese politischen Maßnahmen verpuffen, weil das Problem auf einer anderen - wie Spengler meint: metaphysischen - Ebene liegt.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 10

„Auch wenn wir den Niedergang der bürgerlichen Familie nicht gleich metaphysisch zum Untergang des Abendlandes steigern wollen, müssen wir doch feststellen, daß eine Fülle spezifisch moderner Entwicklungen das Spenglersche Szenario in den letzten fünfzig Jahren erheblich verschärft hat. Dazu gehören die sexuelle Freizügigkeit und die antiautoritäre Erziehung seit den 1960er Jahren, der unaufhaltsame Aufstieg des Feminismus und die Eroberung der Kulturbühnen, aber auch der Straßen der Metropolen durch die Homosexuellen. Dazu gehören aber auch die enorm erweiterten wohlfahrtsstaatlichen Maßnahmen - und die Erfindung der Pille.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 10-11

„Wir leben länger und lieben kürzer.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 45

„Jede Emanzipation hat bekanntlich ihren Preis. Den Preis für die Emanzipation der Frauen zahlen die Kinder.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 47

„Was auch die Verächter der familialen Lebensform neidvoll anerkennen müssen, ist die Tatsache, daß Familien verläßlich Gefühle produzieren.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 53

„Eltern sind die modernen Helden.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 54

„Wir können analog zur Emanzipation des Familiären von der Familie eine Emanzipation des Kindlichen von den Kindern beobachten.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 57

„Moderne Menschen verhalten sich zu ihren Haustieren, als ob sie ihre Babys wären, und es bricht ihnen das Herz, wenn den Kleinen etwas Schlimmes widerfährt. ... Solche Pseudo-Eltern verhalten sich nicht anders als kleine Kinder, die ihre Kuscheltiere mit sich schleppen.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 57

„Wie dem Puritanismus ist dem Feminismus die Arbeit heilig.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 64

„Wie Hegels Weltgeschichtsphilosophie dem arbeitenden Sklaven die Verwandlung der Welt in ein menschliches Zuhause zugeschrieben hat, so schreibt die sozialdemokratische Political Correctness der arbeitenden Frau die Verwandlung der modernen Gesellschaft in ein menschliches Zuhause zu.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Je erfolgreicher die Wirtschaft und je gebildeter die Frauen, desto unfruchtbarer ist eine Nation.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Die Emanzipation vollzieht sich als Entwertung der Mutterschaft und der Männlichkeit.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Karrierefrauen tendieren ... zur genetischen Impotenz.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Die Faustregel lautet: je produktiver, desto weniger reproduktiv.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Industriegesellschaften sind sehr produktiv, aber nur schwach reproduktiv.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Produktion ist profitabel, Reproduktion ist kostspielig.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Die unproduktiven Länder haben viele Kinder, die produktiven Länder haben zu wenige.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67

„Produktivität und Reproduktivität entwickeln sich offenbar umgekehrt proportional: je produktiver, desto unfruchtbarer; je unproduktiver, desto fruchtbarer.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 67-68

„Und in den westlichen Wohlstandsgebieten gewinnt man den Eindruck, daß die Welt der Arbeit, in der es um den Reichtum der Nationen und die Anerkennung der Erwerbstätigen geht, die Welt des Sex, in der es um die Reproduktion der Gattung und die Lust des Lebens geht, in die Irrelevanz abdrängt.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 68

„Je produktiver eine Nation ... ist, um so teurer wird die Zeit, die man den eigenen Kindern zuwendet.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 68

„Elterliche Sorge ist kostspielig. Und nur Elternliebe kann es letztendlich verhindern, daß die Kosten-Nutzen-Kalkulationen zu ihrem logischen Ende geführt werden. Liebe ist unökonomisch - man braucht viel Zeit.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 68

„Nicht die Reichen, sondern die Kinderlosen müssen stärker besteuert werden. Es ist ein fataler Webfehler unseres sozialen Netzes, daß Kinderlose die gleichen Versorgungsansprüche erwerben wie Eltern, obwohl sie nichts zur Erziehung der künftigen Beitragszahler beitragen.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 71

„»Political Correctness« nennt man den vor allem von Intellektuellen geführten Kampf gegen die biologische Realität, also gegen unser Schicksal.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 81

„Was Frauen attraktiv macht, nimmt mit der Zeit ab: Schönheit, Jugend, Sex-Appeal. Was Männer attraktiv macht, kann mit der Zeit wachsen: Macht, Einkommen, Prestige.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 82

„Man sollte sich ... nicht beirren lassen, wenn Frauen nicht zugeben, daß sie dominante Männer begehren. Denn man kann leicht beobachten, daß Frauen Männer verachten, die sich von anderen Männern dominieren lassen und es nicht schaffen, sich in ihrer Lebenswelt Respekt zu verschaffen. Sie mögen Männer, die karriereorientiert, fleißig und ehrgeizig sind. Denn evolutionstypisch tauschen Frauen Sex gegen Ressourcen, während Männer Ressourcen gegen Sex tauschen.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 84

„Mit Ritalin und Prozac erzeugt man »Political Correctness«, nämlich Feministen und Softies.“
Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 84

„Die Emanzipation stirbt rein biologisch aus, zumal ja gerade diejenigen, die sie tragen, also die Intellektuellen, besonders unfruchtbar sind und fast nichts zum Genpool beitragen. Am Ende werden uns diejenigen fehlen, die wir am dringendsten brauchen: die Intelligenten, die Kompetenten, die Hochausgebildeten“
Norbert Bolz, Mehr Steuern für Kinderlose!,  in: Focus, 06.03.2006

„Die Kinderlosen ... stärker ... besteuern. Es wäre absurd, nachdem man also lange Zeit die klassischen Familien diskriminiert hat, jetzt umgekehrt die Double-Income-No-Kids-Welt zu diskriminieren; nur zeigt eine simple Überlegung über die Finanzströme einer Gesellschaft, daß diese Leute mehr herausbekommen, als sie einzahlen in das Gesamtsystem.“
Norbert Bolz, Mehr Steuern für Kinderlose!,  in: Focus, 06.03.2006

„Ich finde es ohnehin erstaunlich, daß sich der Feminismus so naiv auf eine Art Produktionsfetischismus hat einschwören lassen, daß man also die Erwerbsarbeit wie eine heilige Kuh umtanzt. Die Soziologie hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Materialien beigeschafft, die deutlich machen, daß die Karriereleiter als Metapher für das eigene Leben zerbrochen ist. Der Feminismus ist im Grunde gar keine Emanzipationsbewegung mehr, sondern eine Art Nebenmotor des Turbokapitalismus.“
Norbert Bolz, Mehr Steuern für Kinderlose!,  in: Focus, 06.03.2006

„Man kann das Thema »Zukunft der Familie« öffentlich nicht diskutieren, weil man in den Medien naturgemäß nur auf berufstätige Frauen und kulturgemäß nur auf eingeschüchterte Männer trifft. Hausfrauen und Mütter greifen nicht zur Feder oder zum Mikrophon.“
Norbert Bolz, Verstaatlichung der Kinder, in: Die Welt, 06.04.2006

„Es gibt zwei Pole in unserer Gesellschaft, die uns, dieses wunderbare Erfolgssystem Bundesrepublik, tragen: Das ist einmal der soziale Auftrag, der sozialstaatliche Auftrag. Und das ist der Rechtsstaat, der die individuelle Freiheit - vor allem auch gegenüber dem Staat - schützt. Wenn beides in der Balance ist, ist alles wunderbar - und das ist unseren Gründervätern tatsächlich lange Zeit gelungen diese Balance zu ermöglichen, dahin müssen wir zurück. Das bedeutet aber auch, daß wir auf keinen Fall die Freiheit opfern dürfen zugunsten von Gleichheit, also von egalitaristischen Maßnahmen .... Das Problem, das wir haben, ist, daß es immer mehr Leute gibt, die anstelle der Chancengleichheit die Ergebnisgleichheit setzen wollen. Und das ist allerdings radikal ungerecht ....“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Anne Will,23.05.2006

„Ich glaube, je moderner die Welt geworden ist, umso größer wurde der Konformismus im Denken. Wir sind zwar wahnsinnig nonkonformistisch in unserem Alltagsverhalten, in Bekleidung u.s.w., aber das Denken wird immer konformistischer.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Die moderne Welt favorisiert Weiblichkeit. Es gibt eine Prämie auf weibliche Züge in der modernen Welt. .... Kurzum: Moderne Welt heißt sehr, sehr viel mehr Weiblichkeit als Männlichkeit. Es scheint so zu sein, als seien die Frauen die Gewinner und die Männer die Verlierer. .... Nur, fragen wir die Frauen mal selber: .... Ist es denn tatsächlich so, daß die Frauen glücklicher sind mit Männern, die gar keine Männer mehr sind? Wenn die Männer genauso sind, wie die emanzipierten Frauen es heute verlangen, ... begehren die Frauen tatsächlich diese Softis, diese Weicheier?“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Was ich mich frage, ist eben dies: ob diese ... Feminisierung der modernen Welt ... nicht uns zum Nachdenken dazu bringen sollte, ob wir nicht in vielen Zusammenhängen mehr Männlichkeit bräuchten.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Dimensionen wie Stolz und Ehre, die würde ich nach wie vor sehr gerne mit diesem Begriff der Männlichkeit assoziieren; und da sehe ich außerordentliche Defizite in unserer modernen Gesellschaft; und das gilt eben auch ... für den für mich viel wichtigeren Bereich ...: unserer Denkfreiheit.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Die moderne Welt hat mal mit der Forderung der Denkfreiheit angefangen, und ich glaube, wir haben uns von nichts so weit entfernt wie von der Denkfreiheit. Wir waren noch niemals in der Geschichte so sklavisch abhängig von öffentlich durchgedrückten Meinungen wie heute. Also selbst unsere Diskussion ... läuft ja schon wieder in vorgefertigten Bahnen; nämlich: ... der Mainstream in der Meinung zu unserem Thema nach Männlichkeit; es gibt keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern; männlich und weiblich sind überholte Kategorien - das können Sie in jeder Verlautbarung der Bundesregierung nachlesen. .... Und ich glaube hier liegt ein massives Problem.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Das, was für die Griechen das Leben überhaupt lebenswert gemacht hat, das, was damals thymós hieß, und das war eben Stolz und Ehre und der Kampf darum, das ist in der modernen Welt verschwunden.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Nachtstudio, 18.11.2007

„Da die abendländische Kultur nun ihre christliche Grundlage nicht aufgeben kann und ihr Ideal der griechischen Antike nicht aufgeben will, ist sie in sich selbst kritisch. Und genau diese infrastrukturelle Selbstkritik macht die westliche Kultur bis zum heutigen Tag einzigartig.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 13

„Die Selbstkritik des Westens hat allerdings längst pathologische Züge angenommen. Und dafür gibt es einen massiven Grund: Weiße europäische Männer haben das Abendland geprägt - das ist das Ärgernis. Als Reaktionsbildung darauf hat sich in Intellektuellenkreisen eine düstere Selbstbeschreibung durchgesetzt. Die Multikulturalisten konstruieren das Abendland als Schuldzusammenhang, von dem uns nur die Anderen erlösen können. Wer Europa so von innen betrachtet, bedient bestens die anti-westlichen Affekte derer, die Europa von außen betrachten.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 13

„Die höchsten Werte des Westens sind für die anderen zweitrangig, aber für uns können sie es nicht sein. Wenn die Selbstkritik des Westens nicht die Form einer Identifikation mit dem Angreifer annehmen soll, muß sie die lange Geschichte vom kulturellen Zuhause erzählen. Wie sollte man sich als guter Europäer seiner Identität vergewissern, wenn nicht in der kritischen Identifikation mit der Geschichte des christlichen Abendlandes? Mit dieser Gegenfrage könnte man auch als Agnostiker die Gretchenfrage beantworten.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 13

„Der Fundamentalismus konfrontiert den Liberalismus der westlichen Welt mit Konflikten, die nicht auf Interessenkonflikte reduzierbar sind. Wer fromm ist, hat kein Interesse am Marktplatz der Ideen. Er hat die Wahrheit - und deshalb kein Interesse an einer anderen Wahrheit. Was nämlich eine Religion, die sich ernst nimmt, von einer bloßen Meinung unterscheidet, ist der Anspruch auf privilegierten Zugang zur Wahrheit. Und deshalb gibt es keine liberale Antwort auf die heute so dringliche Frage: Wie soll man mit Leuten diskutieren, die von der Überlegenheit ihrer Kultur überzeugt sind?“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 23

„»Universalistische Religionen sind ihrem Wesen nach missionarisch, solange sie lebendig sind«, sagt Robert Spaemann. Nur tote Ideen existieren in der Form der friedlichen Koexistenz nebeneinander. Man kann es auch so sagen: Eine Religion, die sich ernst nimmt, ist dogmatisch. Und im Dogma haben wir den eigentlichen Gegensatz zum liberalen Dialog. Es kodifiziert die Wahrheit des rechten Glaubens und kann deshalb in unseren westlichen Spitzenwerten wie »Offenheit« und »othering« nur gottlose Verirrungen sehen. Die höchsten Ideale, die uns heilig sind, stehen immer im Kampf mit anderen Weltanschauungen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 23

„Höchstwerte sind nämlich keine Alternativen, sondern Todfeinde. Deshalb hat Max Weber, der dieses Problem am tiefsten durchdacht hat, von einer »Wertkollision« gesprochen. Es gibt hier keine Kompromisse und keinen Relativismus mehr. Eben diese Wertkollision meint auch Samuel Huntingtons berühmte Formel vom »clash of civilizations«; und davon sollte sich der deutsche Leser nicht durch die Frage ablenken lassen, ob »Kampf der Kulturen« eine angemessene Übersetzung sei.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 23-24

„Auch wenn die »Politische Korrektheit« es auszusprechen verbietet: Es geht heute bei der Wertkollision um den Zusammenstoß der abendländischen Werte mit dem Islam .... Doch nicht nur die Denkverbote der »Politischen Korrektheit« sondern auch die Faszination durch den Terror verhindern eine angemessene Diskussion dieser Fragen. Und so lange diese Diskussion nicht offen geführt wird (und zwar nicht mit dem Islam - wer sollte der Adressat sein? -, sondern in Europa!), wird sich »la guerra fria« des 13. Jahrhunderts zwischen Spaniern und Muslimen als Kalter Krieg Europas mit dem Islam fortsetzen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 24

„Der islamistische Terror verdeckt nämlich das eigentliche Problem: den Islam. Für den Islam spielt der Nationalstaat keine Rolle; alles dreht sich um die kleine Gruppe (den Klan) und den großen Glauben (die Umma). In Europa war Nationalstaatlichkeit ja das Medium der Säkularisierung; aber dieses Formular für Identitätsbildung überzeugt gerade in einer globalisierten Welt immer weniger. Der Prozeß der Globalisierung hat nämlich ein Problem freigelegt, das durch den Nationalstaatsgedanken verdeckt worden war: Wie soll der Staat ohne Religion integriert werden? Niemand weiß heute eine Antwort. Um so wichtiger ist es aber deshalb, den politisch-theologischen Kern des Problems zu bestimmen: Einheit oder Trennung von Politik und Religion - das ist die Frage. Und Religion macht hier den entscheidenden Unterschied.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 24

„Nach wie vor ordnen die Muslime die Welt mit der Unterscheidung der zwei Rechtskreise »Islam« und »Ungläubige«. Genau damit manifestiert der Islam, daß er eine Religion ist, die sich noch ernst nimmt. Er beansprucht nämlich, einen privilegierten Zugang zur Wahrheit zu haben. Zu Recht fordern die Muslime von den Europäern, in ihrem Glauben respektiert zu werden. Und den Islam zu respektieren heißt, ihn ernst zu nehmen. Doch den Islam in seinem politischen Anspruch ernst zu nehmen, heißt für einen guten Europäer, ihm zu widersprechen. Pauschale Toleranz nimmt die anderen nicht ernst. Wir können das Andere nur anerkennen, wenn wir unserer Toleranz eine Grenze setzen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 24

„Unstrittig ist wohl auch unter Muslimen und den Verfechtern eines »Dialogs der Religionen«, daß der Islam keine Religion nach der Aufklärung ist. Es gibt im Islam weder eine institutionalisierte Deutungskompetenz noch eine historisch-kritische Theologie. Deshalb ist es sinnlos, eine spirituelle Wahrheit des Islam gegen seine politische Machtform auszuspielen. Koranzitate dienen Seminaristen genau so gut wie Terroristen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 24-25

„Die rechtliche und politische Situation ist für uns (für uns!) eindeutig. Wenn das »Reich Gottes« gepredigt wird, dann kann der moderne Staat das tolerieren, solange es irgendwie metaphorisch, also spirituell und innerlich gemeint ist - nicht aber als Aufruf zur politischen Theokratie. Der säkulare Staat kann den Gläubigen also nicht politisch in seinem Glauben ernst nehmen. Wie in anderen Lebensbereichen auch, wird die Forderung nach Gleichheit vom Staat in Form von Gleichgültigkeit erfüllt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 25

„Von offiziellen Repräsentanten des Islam in Europa kann man immer wieder hören, daß man durchaus bereit sei, die rechtlichpolitischen Rahmenbedingungen des säkularen Staates zu respektieren; für eine Religionsgemeinschaft in der Diaspora müßte das ja auch selbstverständlich sein. Doch hier ist Skepsis angebracht, denn der Islam ist nicht eine Religion unter anderen, sondern die weltweit dynamischste und selbstbewußteste. An ihr kann man deshalb ein prinzipielles Problem aller Religionen besonders gut beobachten.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 25

„Die Geschichte der konfessionellen Bürgerkriege hat uns gelehrt, daß Religion nur tolerant ist, solange sie machtlos ist. Religion muß Privatsache bleiben, sonst kommt ein Wahrheitsanspruch in den öffentlichen Diskurs - und Blut fließt. Jede Religion beansprucht ja, einen privilegierten Zugang zur Wahrheit zu haben. Wer tief gläubig ist, hat im Ernst keinen Respekt vor dem Wahrheitsanspruch anderer Religionen. Religion ist also nicht geistig, sondern allenfalls politisch tolerant - nämlich unter Bedingungen der Diaspora und des säkularisierten Staates. Dieses Problem läßt sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner hin auflösen. Weltreligion ist das Esperanto der Theologen. Es geht nicht um den größten gemeinsamen Nenner einer Weltreligion, sondern um die friedliche Koexistenz des Exklusiven - die Religionen der Welt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 25

„Eine Religion, die es, wie heute der Islam, auch politisch ernst meint, ist nicht tolerant. Deshalb kann sie von der Religion der Toleranz, also dem Liberalismus, nicht toleriert werden. Man sollte sich hier nicht von der humanistischen Seminarerfahrung der Religionswissenschaftler und der »Politischen Korrektheit« der Politiker irreführen lassen, die uns heute unisono einreden wollen, der Islam sei eine Religion des Friedens. Eine Religion predigt Toleranz, solange und wo sie nicht an der Macht ist. Und umgekehrt ist Macht immer ein Maß dafür, wie weit man sich nicht anpassen muß. Ich bin immer dann tolerant, wenn meine tiefsten Überzeugungen nicht berührt werden, und ich bin immer dann kompromißbereit, wenn ein Sieg unwahrscheinlich ist. Wenn sich die Fundamentalisten also auf einen »Dialog« einlassen würden, gäbe es gar keinen Grund mehr für einen Dialog. Stanley Fish hat einmal gesagt, man könne Religion auch durch Freundlichkeit umbringen - und genau das ist es, was die Fundamentalisten instinktsicher im »Dialog der Kulturen« wittern.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 25-26

„Friedrich Theodor Vischer hatte schon im 19. Jahrhundert deutlich erkannt, daß Stoffhuber und Sinnhuber nebeneinander leben. Sobald sie sich aber in die Haare bekommen, entstehen Fanatismus und Zynismus. Denn im Fanatismus kehrt sich der Sinn gegen die Wirklichkeit - und provoziert prompt den Zynismus, der die Wirklichkeit gegen den Sinn mobilisiert. Beides scheint heute zu funktionieren, weil beides fasziniert.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 26

„Die Faszinationskraft des Fanatikers rührt zum einen daher, daß er immun ist gegen Kritik; er hat die Heilsgewißheit gegen die allgemeine Ungewißheit. Der Fanatiker erlöst von der Komplexität, denn er hat die Kraft, viele Dinge nicht zu sehen. Der Fanatismus ist also die Willensstärke der Schwachen und die Lebenssicherheit der U nsicheren; dahinter steht letztlich das Begehren nach einem Befehl. Zum andern fasziniert der Fanatiker durch seine Opferbereitschaft. Richard Dawkins würde sagen: Der Fanatiker ist von den »Memen« des Heilsversprechens besessen - deshalb ist sein eigenes Überleben zweitrangig. Wie alle Märtyrer stellen sich die Selbstmordattentäter in den Dienst des Überlebens einer Idee. So wird der Glaube zur Waffe. Dem entspricht dann eine durchaus triviale Psychodynamik des terroristischen Aktes: Selbstmord ist nämlich die narzißtische Flucht vor der Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 26

„Den extremen Gegenpol zum Fundamentalismus markiert die Zivilreligion als der Glaubensinhalt, den man zwar nicht glauben, aber dem man doch Geltung verschaffen muß. Im Begriff der Zivilreligion fragt der säkulare Staat selbst nach den integrierenden Werten der modernen Gesellschaft. Man kennt diese Frage, die sich gerne in die Form eines Aufrufs kleidet, aus den Sonntagspredigten und Weihnachtsansprachen der Politiker. Doch jeder Ruf nach Werten zielt, wenn er denn ernst gemeint ist, eigentlich auf die Unentrinnbarkeit eines Dogmas. Nur Dogmen schützen uns nämlich vor dem endlosen Kreisen in unbeantwortbaren Fragen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 26-27

„Wir haben es hier mit einer spezifisch religiösen Leistung zu tun. So bedeutet das johanneische »Die Wahrheit wird euch frei machen« in diesem Zusammenhang: Akzeptiert das Dogma, dann habt ihr keine Probleme mehr. Ähnlich funktionieren heute auch die »Grundwerte« als das Dogma der Zivilreligion. Sie verdecken die Paradoxie, die der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Ernst-Wolfgang Böckenförde so klar gesehen hat: »Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist.« Deshalb ist heute so viel von Verfassungspatriotismus die Rede; diese Rhetorik zielt auf eine Substitution der Bibel durch die Verfassung. Doch das Grundgesetz wird durch seine Sakralisierung als Zivilreligion überfordert.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 27

„Die uns so vertraute Rede von Menschenrechten, Demokratie, Freiheit und Individualismus ist alles andere als voraussetzungslos. Wir haben es hier mit jenen neutralen Prinzipien zu tun, die uns die Geschichte vergessen lassen und damit jenes Vergessen wiederholen, das es ihnen ermöglicht (hat), als neutrale Prinzipien zu erscheinen. So hat Carl Schmitt immer wieder darauf hingewiesen, daß die staatstheoretischen Begriffe des Abendlandes säkularisierte theologische - und das heißt eben konkret: christliche - Begriffe sind. Dafür hat der islamische Fundamentalismus eine hohe Sensibilität. Dan Diner spricht genau in diesem Zusammenhang von einem »westlichen Begriffimonopol in universalistischem Kleid«.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 27

„Es geht in der Zivilreligion also um das Glaubensminimum, das wir - im Blick auf die unverzichtbare Funktion der Religion in der modernen Gesellschaft - zur Geltung bringen müssen, und zwar nicht nur gegenüber den Andersgläubigen, sondern auch gegenüber den Ungläubigen. Ursprünglich, nämlich bei Rousseau, ist Zivilreligion ein bürgerliches Glaubensbekenntnis, das religiöse Dogmen durch den Sinn für die Gemeinschaft ersetzt. Rousseau sieht zwar, daß man die Bürger nicht zum Glauben an die Gemeinschaft zwingen kann; doch soll man jeden ungläubigen Bürger »verbannen, nicht deshalb, weil er gottlos ist, sondern weil er sich nicht in die Gesellschaft einfügen will.« Ohne das Sentiment der Geselligkeit kann man offenbar kein guter Bürger sein. Schon am 18.08.1756 schreibt er an Voltaire, man brauche einen Bürgerkatechismus, der die wesentlichen sozialen Maximen enthalte.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 27

„Einer der phantastischsten Texte der Philosophiegeschichte hat sich als der realistischste erwiesen: Also sprach Zarathustra. Schon die Vorrede inszeniert die »Posthistorie«, also die Zeit nach dem Ende der Geschichte und des Hegelschen Menschen. Nietzsche zeichnet dort den Letzten Menschen als Gegenteil des Übermenschen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 53

„So steht der Letzte Mensch zwar für das Ende des Menschen, doch dessen Verschwinden in der Spur des toten Gottes hat für Nietzsche nichts Eschatologisches. »Posthistorie« ist als Zeit des Endes der Geschichte kein endgeschichtlicher Begriff. Gerade der Letzte Mensch wird am längsten leben. Seine Arbeit der Nivellierung zielt auf den Insektentypus, den die großen Ameisenbauten der modernen Städte fordern. Diese totale Uniformierung, die Abschleifung zum Sand der Menschheit, hat Nietzsche dem Christentum und der Demokratie zur Last gelegt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 53

„Um 1900 verbreitete sich der Eindruck, daß die westliche Zivilisation in eine Endphase der Kristallisation eingetreten ist. Ein bloß noch biologisches Auf und Ab ersetzt die Geschichte, die Form erstarrt zur Formel und der Lebensstil versteinert zum Typus. So hat Oswald Spengler den Faust des II. Teils als Herold der traumlosen Erstarrung begrüßt und die Lehre von der Entropie als säkularisierte Götterdämmerung verstanden. Ist die kristalline Zivilisation erst einmal in ihrem Grundriß fertig, so gibt es keine Geschichte mehr, sondern nur noch das Kaleidoskop der »Posthistorie« - eine Welt fortwährender Veränderungen, in der nichts anders wird.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 53-54

„Der berühmte Buchtitel Francis Fukuyamas - Das Ende der Geschichte und der Letzte Mensch - faßt ja ganz einfach die Positionen Hegels und Nietzsches zusammen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 54

„»Posthistorie« ist das Weltalter der Langeweile.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 55

„Dekadenz heißt politisch: die soziale Frage.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 56

„In der Religion des Letzten Menschen gibt es nichts Schlimmeres als die Sünde wider den heiligen Teamgeist.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 57

„Und überall wo der Sozialismus real existiert, programmiert er die Gleichheit der Unfreien. Als Wohlfahrtsstaat besteuert er den Erfolg und subventioniert das Ressentiment.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 58

„Gerecht zu scheinen, ohne es zu sein, ist jene höchste Ungerechtigkeit, die man »soziale Gerechtigkeit« nennt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 58

„Wohlfahrtsstaatspolitik erzeugt Unmündigkeit, also jenen Geisteszustand, gegen den jede Aufklärung kämpft. Und so wie es des Mutes bedarf, um sich des eigenen Verstandes zu bedienen, so bedarf es des Stolzes, um das eigene Leben selbständig zu leben. Wie für das Mittelalter ist deshalb auch für den Wohlfahrtsstaat der persönliche Stolz die größte Sünde.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 59

„Vater Staat will nicht, daß seine Kinder erwachsen werden. Und auch diejenigen, die ihr Leben weitgehend unabhängig von staatlicher Betreuung gestalten, bleiben oft genug politische Kinder.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 59

„Die »Posthistorie« des Letzten Menschen kultiviert ... die Menschheit ohne Männlichkeit, die geschlechtsneutrale Gesellschaft. Wenn aber, wie die Griechen meinten, Wahrheit etwas ist, was der Vergessenheit entrissen werden muß, dann führt uns die Frage nach der Dekadenz zu jenen Formen, die nun als männlichkeitsfeindliche Ersatzreligionen erkennbar werden: Feminismus, Pazifismus, Environmentalismus, Konsumismus - und über allem thronend die »Politische Korrektheit« als Ersatzreligion der Akademiker.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 60

„Souverän ist, wer ungestraft das Böse tun kann.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 66

„Die »Gutmenschen« sind die antichristliche Macht unserer Zeit; sie pervertieren die Sorge um die Opfer, die Toleranz und den Frieden. Mit anderen Worten: Der Teufel spricht heute die Sprache der Opfer.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 68

„Tribunalisierung ist das satanische Ritual der »Gutmenschen«. Sie warnen, mahnen und klagen an, um - das hat Odo Marquard ebenso klar wie folgenlos gezeigt - das Gewissen zu sein, das sie nicht haben. Das gute Gewissen ist eine Erfindung des Teufels, sagte Albert Schweitzer einmal. Und die»Gutmenschen« haben daraus ein gut florierendes Geschäft gemacht. Der Teufel tritt heute also gerade auch als Ethiker auf, der die Wut des Anklagens und Verfolgens entfesselt und die Religion der absoluten Humanität predigt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 69

„Das satanische »Gutmenschentum« hat bekanntlich eine eigene Sprache entwickelt, und sprachlich leben wir heute immer noch im Jahre 1984. Die »Politische Korrektheit« ist Orwells Newspeak, in der die Lüge zur Moral erhoben wird.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 69

„Der Glaube ist der blinde Fleck der Erkenntnis.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 81

„Gott ist ein Symbol für den blinden Fleck der Wissenschaft.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 84

„Jede Epoche hat ihren Gottes-Term: Gnädiger Gott - gerechte Gesellschaft - heile Natur - wahres Selbst.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 100

„Eine der berühmtesten Figuren aus Nietzsches Drama des abendländischen Nihilismus ist der tolle Mensch. Was er uns klar machen will, ist, daß das Wort »Gott ist tot« etwas ganz anderes meint als »nicht an Gott glauben«. Nur wenige haben das verstanden, aber immerhin die wichtigsten der Nietzscheaner: Max Weber und Sigmund Freud. Nietzsche, Weber und Freud verkünden eine Botschaft, die niemand hören will. Diese These klingt zunächst unverständlich, wenn man etwa an den weltweiten Publikumserfolg Nietzsches, die beherrschende Stellung Webers in der Soziologie, v.a. in der us-amerikanischen, und an die Allgegenwart psychoanalytischer Slogans denkt. Doch alle drei waren davon überzeugt, daß man den Menschen erst die Ohren zerschlagen müßte, damit sie jene Botschaft erreicht.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 103

„Traditionell lebten die Menschen mit wenigen Optionen in starken Bindungen. Modern leben sie mit vielen Optionen in schwachen Bindungen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 113

„Gerade die Ungläubigen haben Religion als Glauben an eine transzendente Realität nötig. Gerade ihnen kann man konfektionierte Transzendenz verkaufen.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 114

„Wer ... wissen will, was eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält, muß ihre Kulte und Rituale beobachten. Der autonome Ritus funktioniert als soziales Band.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 120

„Der Mensch wird zu früh geboren, und daraus folgt fast alles. Man könnte von einer Geburt der Institution aus der Prämaturation sprechen. Der Mensch ist die normale Frühgeburt, instinktverlassen und hilflos wie kein anderes Wesen und deshalb dauerschutzbedürftig. Und wenn Thomas Hobbes den Staat aus dem wechselseitigen Versprechen von Schutz und Gehorsam entstehen ließ, so hat er damit nur die fundamentalen Existenzialien des Menschseins ins Politische übertragen: Ich bin bereit zu gehorchen, wenn, nein: weil du mich schützt.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 127

„Nun kann man sich nicht vornehmen zu glauben. Aber es gibt einen Glauben (und eine Erziehung zu diesem Glauben), der auch den trägt, der nicht hoffen kann, ein Christ zu sein. Das ist der Glaube an den einzigartigen Wert der von Griechentum und Christentum geprägten europäischen Kultur. Nun haben moderne Menschen typisch Angst davor, zu bekennen, was sie glauben. Und das gilt gerade auch für den Glauben an die Einmaligkeit der europäischen Kultur.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 138

„Der Europäischen Union ist die christliche Tradition Europas peinlich.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 139

„Die christlich geprägte europäische Kultur ist eine einmalige evolutionäre Errungenschaft, die man natürlich mit anderen Kulturen vergleichen kann und soll, die aber gerade darin sich immer wieder als unvergleichlich erweist. Das zu leugnen, bleibt den Ignoranten des »Gutmenschentums« vorbehalten.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 139

„Nicht die Religion ist die größte Illusion, sondern der Glaube, man könne die zu großen Fragen mit den Bordmitteln der Vernunft beantworten.“
Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 140

„Die Wissenschaft unterwirft sich immer freudiger der Tyrannei der Werte. So hat einer meiner Kollegen die Bundesregierung aufgefordert, alle Wissenschaftler zu bestrafen, die den von Menschen verursachten Klimawandel leugnen.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Ich habe keine Angst davor, unmodern zu sein.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Irgendetwas muß Gott sein. Das ist evident beim Kult ums moderne Ich. Das ist auch evident bei der grünen Religion, wo Gottvater durch Mutter Erde ersetzt wird. Die Sozialreligion wiederum, in welcher der Staat quasi die göttliche Rolle einnimmt, ist sicher die wichtigste und immer noch folgenreichste. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, daß wir immer tiefer in den Staatsgötzendienst steuern – und jede Menge Theologen sind bereit, aus Gründen der Anpassung an dieser Sozialoffenbarung mitzuwirken. Das Traurige ist eben, daß solche Ersatzreligionen gerade von denen praktiziert und vorangetrieben werden, von denen man eigentlich erwarten sollte, daß sie denken können. Sowohl die Grünen als auch die Ich-Religiösen und auch die Staatsgötzendiener sind eigentlich Intellektuelle. Offensichtlich brauchen Menschen eine Möglichkeit, sich irgendwelchen Imperativen zu unterwerfen. Angesichts dessen ist eigentlich das christliche Angebot das freiheitlichste und souveränste und auch intellektuell befriedigendste, weil diese Unterwerfung es ermöglicht, allem anderen gegenüber souverän zu sein, während diejenigen, die den Gott nicht haben, sich sofort in einer gnadenlosen Knechtschaft wiederfinden.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Die Frage ist nur: Welche Verknechtung ist die jammervollste? Ist es diese neuheidnische Natur-Idolatrie der Grünen, die ich in ganz besonderer Weise lächerlich finde? Oder ist es die Anbetung des Staates, die wenigstens eine gewisse Tradition hat? Oder ist es das Ich-Götzentum?“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„»Soziale Gerechtigkeit« ist die Maske des Neids, »Teamfähigkeit« ist die Maske des Hasses auf die Ehrgeizigen und Erfolgreichen, »Dialog der Kulturen« ist die Maske der geistigen Kapitulation vor fremden Kulturen. Überhaupt: Das, was man »Political Correctness« nennt, ist die aktuelle Rhetorik des Antichristen.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Die islamischen Fundamentalisten konfrontieren uns mit einer Religion, die sich ernst nimmt. Ich sage nirgendwo, wir müssen zurück zu einer christlichen Religion, die sich vergleichbar ernst nimmt. Das Christentum steckt nicht mehr in den Köpfen und in den Seelen der meisten Menschen, aber so, wie eine Maschine mit den Worten Max Webers nicht nur Mechanik, sondern geronnener Geist ist, steckt das Christentum in unserer Kultur, und die ist wahrscheinlich besser als jede andere. Ich sage: Es ist geistiger Selbstmord, eine solche Tradition aufzugeben.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Ich bin Wehrdienstverweigerer, aber ich war kein überzeugter Pazifist, sondern einfach ein Feigling, weshalb es jetzt frivol wäre, wenn ich behauptete, ich würde kämpfen. Doch mit den Waffen, die ich heute noch zu führen weiß, kämpfe ich. Ich stelle beispielsweise die These auf, daß nicht der islamistische Terror das Problem ist, sondern der Islam selbst.“
Norbert Bolz, Geistiger Selbstmord, in: Focus, 21.04.2008

„Es gibt Dinge, die besser sind als andere. Es gibt Kulturen, die fortschrittlicher und humaner sind als andere. Und es gibt Menschen, die anderen überlegen sind - die Aristoi, die Elite, die Seltenen, die Besten, die Stars, die Reichen, die Mächtigen, die Berühmten. Dieses Besser- und Überlegensein artikuliert sich traditionell als Vornehmheit, Größe, Stil und Wille zur Distinktion.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 11

„Man kann sich Kultur aber nur als ein System der Unterschiede und Humanität nur als Differenziertheit denken. Das zeigt gerade unsere eigene Erfolgsgeschichte: Europa war und ist das Leben der Differenz. Und jeder, der Lebenserfahrung hat, weiß, daß es kein Glück gibt ohne die Erfahrung des Unterschieds.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 11

„Weil die Menschen unterschiedlich sind, folgt gerade aus ihrer Gleichbehandlung die materielle Ungleichheit ihrer Lebenslagen. Erfolg ist in hohem Maße eine Sache des Zufalls. Jeder hat Eltern und deshalb gibt es eine unvermeidliche Chancenungleichheit. Wer eine glückliche Kindheit hatte und von liebevollen Eltern gut erzogen wurde, hat Möglichkeiten der Lebensfreude und des Kulturgenusses, die durch keine Umverteilungspolitik kompensiert werden können.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 12

„Weder Natur noch Kultur sprechen für Gerechtigkeit. Die Natur nicht, denn nicht alle Frauen sind gleich schön; nicht alle Männer sind gleich kompetent. Aber auch die Kultur nicht, denn sie hat sich immer nur unter Bedingungen ungerechter Besitzverteilung entfaltet. All das klingt deprimierend, und die moderne Gesellschaft neigt dazu, weiteres Nachfragen zu verbieten. Gene, Intelligenz und Rasse sind die Tabus unserer Zeit - wie Sex im Viktorianischen England. Mit anderen Worten, archaisches Erbe, genetische Determination, angeborenes Verhalten und Geschlechtsrolle sind die Skandale der egalitären Gesellschaft. Geist, Schönheit, Stärke, Geschicklichkeit, Talent, Fleiß - all das ist ungleich verteilt und läßt sich nicht umverteilen.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 12

„Nicht Armut sondern soziale Knappheit und erlernte Hilflosigkeit sind die zentralen Probleme der westlichen Welt. Deshalb erwarten die Bürger ihre Lösung auch nicht von der Wirtschaft, sondern vom Staat. In der Demokratie sind alle Bürger unabhängig und schwach. Zunehmend mischt sich der Staat auch in die geringfügigsten Angelegenheiten der Bürger ein. Er sorgt für die Gesundheit, die Arbeit, die Erziehung und Bildung seiner Bürger. Aber er sorgt auch für unsere geistige Gesundheit und flößt uns die korrekten Gefühle und Ideen ein. In den modernen Massendemokratien sind die Regierenden keine Tyrannen mehr, sondern Vormünder. Und die Regierten bewegen sich im Hamsterrad der kleinen Lüste und Vergnügungen gleich, einförmig und rastlos.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 16

„Betreuer erzeugen den Fürsorgebedarf durch die Erfindung von Defiziten. Der Wohlfahrtsstaat fördert also nicht die Bedürftigen, sondern die Sozialarbeiter.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 17

„Alle Sozialleistungen, an die wir uns gewöhnt haben, nehmen die Form von Rechtsansprüchen an. Dadurch verwandeln sich alle Unfälle in Sozialfälle. Eine Politik, die davon lebt, kann dauerhaft natürlich nur betrieben werden, wenn die Gesellschaft ständig Ungleichheit produziert bzw. die Empfindlichkeit für Unterschiede steigert. Diese wachsende Abweichungsempfindlichkeit hat ihren Preis. An die Stelle von Freiheit und Verantwortung treten Gleichheit und Fürsorge.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 18

„Vor allem in Fragen des Geschlechterverhältnisses, der Gesundheit und der Bildung erwartet die moderne Gesellschaft ganz selbstverständlich gleiche Behandlung für alle, die durch immer neue »Rechte« gewährleistet werden soll. Da diese Erwartung aber so unrealistisch wie selbstverständlich ist, erzeugt sie bei den Begünstigten eine permanente Unzufriedenheit. Um diese Unzufriedenheit von sich abzulenken, verspricht die Regierung dann regelmäßig »mehr Gleichheit«. So können die Bürger Begünstigungen von Anrechten kaum mehr unterscheiden.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 18

„Wir müßten begreifen, daß das Wort »sozial« selbst keinen juristischen Sinn hat, sondern ein rein politischer Zielbegriff ist, der vor allem auf die Güterverteilung bezogen ist. Der Kern des Rechtsstaats ist die Verfassung, die gewährleistet, der Kern des Sozialstaats ist die Verwaltung, die gewährt. Diese Spannung kann man nicht abbauen, sondern nur institutionalisieren. Und aus all dem folgt für unser Thema: Man sollte die Entzweiung von Rechtsstaat und Sozialstaat positivieren, statt sie durch den Tabubegriff der »sozialen Gerechtigkeit« zu verdecken. An der Gerechtigkeit muß man arbeiten wie an einem Mythos. Und hier ist der Bürger der Held.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 19

„Es gibt keine gerechte Gesellschaft.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 19

„Der Haß auf den Feind wird ersetzt durch den Neid auf den Erfolgreichen.“
Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 113

„Es gibt sehr viele Parallelgesellschaften in Deutschland, beispielsweise die Politiker, die meines Erachtens auch in einer Parallelgesellschaft leben. .... Die Situation ist so, daß die Mehrheit der Bevölkerung dankbar dafür ist, daß ein Krawallmacher - nennen wir ihn meinetwegen einen Krawallmacher - endlich einmal Tabus durchstößt und Formulierungen wagt, die bei uns wirklich verboten sind. Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit. .... Zur Meinungsfreiheit gehört fundamental der Respekt vor Andersdenkenden. Und ich sehe nirgendwo auch nur den Ansatzpunkt eines Respekts vor dem, was andere, die nicht »politisch korrekt« denken, sagen und veröffentlichen. Und das fehlt unserer Diskussion dringend. Die Leute draußen merken das. Und ich kann es Ihnen voraussagen: Es werden immer mehr! Ich bin fest davon überzeugt, daß das eine Art Geschichtszeichen ist, dieses Buch von Sarrazin. Und zwar nicht weil es eine hohe Qualität hat, sondern weil es eine Auslöserfunktion hat. Die Leute lassen sich nicht länger für dumm verkaufen, und sie lassen sich nicht länger zum Schweigen bringen. Das hat Sarrazin auf jeden Fall erreicht. Ob das nun geschickt war, ob das Krawall war, ob es vielleicht auch rassistisch war, spielt gar keine Rolle. Das entscheidende ist, daß die Leute nicht mehr bereit sind, sich von der politischen Klasse und von besonders arroganten Neuen Jakobinern, auch in den Feuilletons, den Mund verbieten zu lassen. Und das ist ein riesengroßer Gewinn für unsere Gesellschaft.“
Norbert Bolz, in der TV-Sendung: Anne Will, 05.09.2010

„Buchstäblich geht es um eine Enthauptung der Familie, sofern nämlich der Vater traditionell als Oberhaupt der Familie verstanden wurde.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Männer werden von der »politische Korrektheit« auf weich und sensibel, Frauen auf kalt und berechnend programmiert.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Der Geschlechtsunterschied ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Jede Politik, die hier auf Gleichheit statt auf Differenz setzt, ist monströs und lächerlich: Frauen im Kampfeinsatz an der Front; Männer, die Kinder gebären.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Früher lebten Männer und Frauen zusammen – aber nach unterschiedlichen Regeln. Heute gelten für Männer und Frauen dieselben Regeln – aber sie leben nebeneinander her wie Parallelen, die sich eben nicht kreuzen. Männer und Frauen leben das gleiche Leben. Doch das gleiche Leben von Mann und Frau versöhnt nicht, sondern verbittert.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Der fanatische Feminismus akzeptiert die Unterscheidung von Mann und Frau eigentlich nur noch, um statistisch erfaßbare Benachteiligungen zu markieren.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Im Bereich des Geschlechterverhältnisses trägt die »politische Korrektheit« den monströsen Namen »Gender Mainstreaming«. Das ist die regierungsoffizielle Politik der fortschrittlichen westlichen Länder, die das biologische Geschlecht von der sozialen Geschlechtsrolle abkoppeln möchte. Gender hat demnach nichts mit Sex zu tun und kann im Grunde frei gewählt oder neu zugewiesen werden. In den Universitäten wird diese politische Philosophie durch »Gender Studies« verbreitet. Für sie scheint charakteristisch, daß das Engagement in der Frauenbewegung zum entscheidenden Qualifikationskriterium für die Frauenforschung erhoben wird.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Früher gab es Menschen, deren individuelle Leistung aufgrund einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit nicht anerkannt wurde. Heute werden Menschen aufgrund einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit gefördert, und zwar unabhängig von ihrer individuellen Leistung. Also hat sich nur das Vorzeichen der Diskriminierung gewandelt.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Früher hat man Frauen diskriminiert, so gut ihre Leistungen auch waren. Heute werden Frauen gefördert, so schlecht ihre Leistungen auch sein mögen.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Man muß Männer benachteiligen, wenn man Frauen „nach vorne“ bringen will.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Seit der vorsorgende Sozialstaat nicht mehr zwischen Wohltaten und Anrechten unterscheidet, können wir eine neue Spaltung der Gesellschaft durch die Ansprüche von Gruppen beobachten, die es gelernt haben, sich als Opfer dieser Gesellschaft zu präsentieren. Früher war die Leistung Grundlage der Wertschätzung, heute ist es die Benachteiligung.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Im Kampf um Status ist der ausschlaggebende Faktor der, daß man Wundmale der Diskriminierung vorzeigen kann.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Die eigentlichen Opfer der Frauenquote sind die Frauen.“
Norbert Bolz, Es lebe der Geschlechtsunterschied, in: Die Presse, 05.03.2011

„Niklas Luhmann hat schon vor Jahrzehnten, also lange bevor Globalisierung ein Allerweltswort wurde, unterstellt, daß es nur noch einen möglichen Gesellschaftsbegriff gebe, nämlich den der Weltgesellschaft. Es gibt keine territorialen Grenzen mehr für Geld, Information, Bildung, Energie, Umweltzerstörung, Terror. Und wir erfahren täglich aus den Nachrichten, daß nationale Politik nicht umgehen kann mit ökologischen Problemen, dem Problem der Durchsetzung von Menschenrechten, den Forderungen nach «humanitären» Interventionen, modernen Völkerwanderungen und weltweiten Finanzspekulationen. - Gerade von dieser einheitlichen Weltgesellschaft ist aber eine einheitliche Weltbeschreibung nicht mehr möglich, weil es keinen Standpunkt außerhalb von ihr und keine privilegierte Beobachterposition in ihr mehr gibt. Es gibt kein Außerhalb der Gesellschaft, keine Repräsentation ihrer Einheit und keine privilegierte Position in ihr. Es gibt keine Unschuld in der Gesellschaft und keine Kritik an ihr.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„Daß alles, was ist, ersetzt werden kann, heißt, daß es immer Alternativen gibt, die mit dem, was ist, funktional gleichwertig sind. Der moderne Mensch darf Sicherheit also nicht in den Fakten, sondern muß sie in den Funktionen suchen. Die Rationalität des Systems ersetzt die Vernunft der Aufklärung. Lebensführungssicherheit gibt es nur noch durch Systemvertrauen. Modern heißt «Sicherheit» also nicht «Verläßlichkeit des Seins», sondern «Verfügbarkeit anderer Möglichkeiten». Die Moderne ist das Zeitalter, das sich auf nichts und niemanden festlegt.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„Weil die Welt komplex ist, fehlen uns immer Informationen. Weil Informationen fehlen, sind wir immer unsicher. Weil wir unsicher sind, gibt es für uns keine wahre Antwort, sondern nur den Konflikt der Meinungen. Zwietracht, Widerstreit, Dissens. Deshalb müssen wir ohne Grundlagen leben und Abschied vom Prinzipiellen nehmen.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„Was Luhmann zum Kultautor gemacht hat, ist seine Theorietechnik der Verfremdung des Vertrauten. Seine Maxime lautete: Suche Theorien, die das Normale als unwahrscheinlich darstellen und das Selbstverständliche unverständlich erscheinen lassen. Jeder Leser, der sich durch den Abstraktionszauber der Systemtheorie nicht mehr erschrecken läßt, wird aber auch bemerken, daß Luhmann ein Wissenschaftshumorist war. Er liebte nicht nur ironische Formulierungen, sondern er benutzte Ironie auch als Reflexionsform. Sie versetzt das Denken in eine Oszillation zwischen verschiedenen Beobachtungsperspektiven. Die moderne Gesellschaft ist kontingent, und deshalb braucht ihre Theorie Ironie.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„«Der Mensch» erwies sich für die Soziologie schon früh als zu unscharfer Begriff – er wurde deshalb von Max Weber durch «Handlung» ersetzt. Aber auch der Begriff «Handlung» erwies sich dann als zu unscharf und wurde von Luhmann durch «Kommunikation» ersetzt. Die Humanität seiner Systemtheorie bewährt sich nun aber gerade in diesem methodischen Antihumanismus. Denn nur eine radikal antihumanistische Theorie kann konkrete Individuen ernst nehmen. Die Austreibung des Menschen aus der Soziologie schafft Platz für die vielen konkreten Individuen.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„Mit souveränen Politikern, mutigen Unternehmern, charismatischen Propheten, großen Autoren und genialen Künstlern konnte Luhmann deshalb nichts anfangen – er mußte sie wegerklären. Größe war für ihn nichts anderes als eine soziale Konstruktion, mit der man Variationen erklärt. Der Einzelne, der die Welt verändert, ist ein Zufall, den die Gesellschaft auswählt. An die Stelle der Genies und großen Männer tritt der große Evolutionsmechanismus von Variation und Selektion, von Auflösung und Rekombination. Klassiker waren für Luhmann die «Fünf-Sterne-Helden der Tradition», deren Exegese den Soziologen «Schutz gegen Gedanken- und Arbeitslosigkeit» biete.“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

„Luhmann hatte sichtlich Freude an der Selbstmystifikation. Er stellte sich nicht als Urheber seiner Werke dar, sondern als eine Art Zufallsgenerator, der ein Gewebe von Kombinationsmöglichkeiten im Universum der Wissenschaft produziert – als ob sich die Theorie der sozialen Systeme selbst schreiben würde. Im Zentrum dieser Selbstmystifikation steht der berühmte Zettelkasten, den er zum Zentrum seiner Produktivität erklärt hat. Sein Cogito lautet: Der Zettelkasten denkt. - Niklas Luhmann wäre demnach kein genialer Autor, sondern ein Computer, der selektiert und kombiniert. Wissenschaftliche Verdienste seien in Wahrheit Zufälle. In Entdeckern und Erfindern walte nicht der Forschergeist, sondern eine «Zufallssortiermaschine». Das klingt bestechend kalt und trocken – aber Luhmann selbst war das beste Gegenbeispiel. Er hat versucht, seine Einzigartigkeit hinter der prosaischen Gestalt des Verwaltungsjuristen zu verstecken. - Aber was ist er uns heute anderes als ein Klassiker, ja ein Genie der Theorie?“
Norbert Bolz, Niklas Luhmann: Das Genie der Gesellschaftstheorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2017, 05:30

 

 

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