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Niklas Luhmann (1927-1998)
- Literatur -

Luhmann-Zitate. Da ich Niklas Luhmann für einen der Giganten unter den Theoretikern und den „Hegel des 20. Jahrhunderts“ halte,
       möchte ich ihm einige separate Seiten widmen und aus folgenden seiner Werke zitieren:

 

- Soziale Systeme (1984) -
- Die Gesellschaft der Gesellschaft (1997) -
- Aufsätze und Reden (postum) -

 

 

 

Soziale Systeme.

Erster Teilband.
Vorwort.
Kapitel 1: Zur Einführung: Paradigmawechsel in der Systemtheorie.
Kapitel 2: Kommuikationsmedien.
Kapitel 3: Evolution.
Zweiter Teilband.
Kapitel 4: Differenzierung
Kapitel 5: Selbstbeschreibungen
Register.

 

Soziale Systeme Vorwort.

„Systeme haben eine Fähigkeit zur Evolution nur, wenn sie Unentscheidbares entscheiden können. Das gilt auch für systematische Theorieentwürfe, ja selbst für Logiken, wie man seit Gödel nachweisen kann. Aber das läuft keineswegs auf Willkür einiger (oder gar aller) Einzelentscheidungen hinaus. Dies wird durch Negentropie oder Komplexität verhindert. Es gibt nämlich noch eine dritte Schwellenmarkierung. Eine soziologische Theorie, die die Fachverhältnisse konsolidieren will, muß nicht nur komplexer, sie muß sehr viel komplexer werden im Vergleich zu dem, was die Klassiker des Fachs und ihre Exegeten ... sich zugemutet hatten. Das erfordert andere theorietechnische Vorkehrungen, was Haltbarkeit und Anschlußfähigkeit nach innen und nach außen betrifft, und erfordert nicht zuletzt den Einbau einer Reflexion auf Komplexität (also auch eines Begriffs der Komplexität) in die Theorie selbst. Das Schwellenproblem liegt mithin auch in einem sehr viel höheren, sich selbst reflektierenden Grade begrifflicher Komplexität. Das schränkt die Möglichkeiten der Variation sehr ein und schließt jede Art von arbiträren Entscheidungen aus. Jeder Schritt muß eingepaßt werden. Und selbst der Willkür des Anfangs wird, wie im System Hegels, im Fortschreiten der Theorieaufbaus die Willkür genommen. So entsteht eine selbsttragende Konstruktion. Sie brauchte nicht »Systemtheorie« zu heißen. Aber wenn man die anderen Konstruktionsmerkmale konstant halten und den Systembegriff eliminieren wollte, müßte man etwas erfinden, was seine Funktion wahrnehmen, seinen Theorieplatz einnehmen könnte; und dieses würde dem Systembegriff sehr ähneln.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 10-11.)

„Die Darstellung der Theorie praktiziert mithin, was sie empfiehlt, an sich selbst: Reduktion von Komplexität. Aber reduzierte Komplexität ist für sie nicht ausgeschlossene Komplexität, sondern aufgehobene Komplexität.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 12.)

„Abstraktion ist ... eine erkenntnistheoretische Notwendigkeit.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 13.)

 

Soziale Systeme Zur Einführung. Paradimawechsel in der Systemtheorie.

„Von System im allgemeinen kann man sprechen, wenn man Merkmale vor Augen hat, deren Entfallen den Charakter eines Gegenstandes als System in Frage stellen würde. Zuweilen wird auch die Einheit der Gesamtheit solcher Merkmale als System bezeichnet.
1)  ------------------------------------------------- Systeme ------------------------------------------------------------
/ / \           \
2)  Maschinen Organismen ---------- soziale Systeme ---------- psychische Systeme
/ | \
3)   Interaktionen   Organisationen   Gesellschaften 
Aus der allgemeinen Systemtheorie wird dann unversehens eine Theorie des allgemeinen Systems. (Unvershenes - oder auch sehr bewußt.) .... Die Unterscheidung der drei Ebenen der Systembildung läßt auf Anhieb typische »Fehler« oder zumindest Unklarheiten in der bisherigen Diskussion sichtbar werden. Vergleiche zwischen verschiedenen Arten von Systemen müssen sich an eine Ebene halten. Dasselbe gilt für negative Abgrenzungen. Schon durch diese Regel werden zahlreiche unergiebige Theoriestrategien eliminiert. Es ist zum Beispiel wenig sinnvoll zu sagen, Gesellschaften seien keine Organismen, oder im Sinne der Schultradition zwischen organischen Körpern (bestehend aus zusammenhängenden Teilen) und gesellschaftlichen Körpern (bestehend aus zusammenhängenden Teilen) zu unterscheiden. Ebenso »schief« liegt der Versuch, auf der Grundlage von Interaktionstheorien allgemeine Theorien des Sozialen zu konstruieren. Das gleiche gilt für neuerdings aufkommende, durch die Erfindung der Computer simulierte Tendenz, den Maschinenbegriff auf der Ebene der allgemeinen Systemtheorie zu verwenden (was eine ebenso ungerechtfertigte Ablehnung provoziert). Die Unterscheidung von Ebenen soll fruchtbare Vergleichshinsichten festlegen. Aussagen über Gleichheiten können dann auf die nächsthöhere Ebene überführt werden. Zum Beispiel sind soziale und psychische Systeme gleich insofern, als sie Systeme sind. Es mag aber auch Gleichheiten geben, die nur für Teilbereiche einer Vergleichsebene gelten. Zum Beispiel lassen sich psychische und soziale Systeme, nicht aber Maschinen und Organismen, durch Sinngebrauch charakterisieren. Dann muß man in Richtung auf Problemstellungen einer allgemeinen Theorie fragen, was in Maschinen und Organismen als funktionales Äquivalent für Sinn benutzt wird.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 15-18.)

„Ein erster Entwicklungsschub hatte den Begriff der Selbstorganisation benutzt und um 1960 mit drei großen Symposien einen gewissen Höhepunkt erreicht. “ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 24.)

„Stimulierend haben zunächst die Thermodynamik und die Biologie als Theorie des Organismus, später auch Neurophysiologie, Zellentheorie und Computertheorie gewirkt; ferner natürlich interdisziplinäre Zusammenschlüsse wie Informationstheorie und Kybernetik. Die Soziologie bleib nicht nur als mitwirkende Forschung ausgeschlossen; sie hat sich in diesem interdisziplinären Kontext auch als lernunfähig erwiesen. Sie kann mangels eigener grundlagentheoretischer Vorarbeiten nicht einmal beobachten, was geschieht.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 27-28.)

„Die Theorie der sich selbst herstellenden, autopoietischen Systeme kann in den Handlungsbereich nur überführt werden, wenn man davon ausgeht, daß die Elemente, aus denen das System besteht, keine Dauer haben können, also unaufhörlcih durch das System dieser Elemente selbst reproduziert werden müssen. Das geht über ein bloßes Ersatzbeschaffen für absterbende Teile weit hinaus und ist auch mit Hinweis auf Umweltbeziehungen nicht zureichend erklärt. Es geht nicht um Anpassung, es geht nicht um Stoffwechsel, es geht um einen eigenartigen Zwang zur Autonomie, der sich daraus ergibt, daß das System in jeder, also in noch so günstiger Umwelt schlicht aufhören würde zu existieren, wenn es die momenthaften Elemete, aus denen es besteht, nicht mit Anschlußfähigkeit, also mit Sinn, ausstatten und so reproduzieren würde. Dafür kann es verschiedene Strukturen geben; aber nur solche, die sich gegen diesen radikalen Trend zur sofortigen (nicht nur: zur allmählichen, entropischen) Auflösung durchsetzen können.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 28-29.)

„Die allgemeine Theorie sozialer Systeme erhebt ... den Anspruch, den gesamten Gegenstandsbereich der Soziologie zu erfassen und in diesem Sinne universelle soziologische Theorie zu sein. Ein solcher Universalitätsanspruch ist ein Selektionsprinzip. Es bedeutet, daß man Gedankengut, Anregungen und Kritik nur akzeptiert, wenn und soweit sie sich ihrerseits dieses Prinzip zu eigen machen. Hieraus ergibt sich eine eigentümliche Querlage zu den klassischen soziologischen Kontroversen: Statik versus Dynamik, Struktur versus Prozeß, System versus Konflikt, Monolog versus Dialog oder, projiziert auf den Gegenstand selbst, Gesellschaft versus Gemeinschaft, Arbeit versus Interaktion. Solche Kontrastierungen zwingen jede Seite zum Verzicht auf Universalitätsanspüche und zur Selbstbewertung ihrer eigenen Option: bestenfalls zu Behelfskonstruktionen mit Einbau des Gegenteils in die eigene Option. Solche Theorieansätze sind nicht nur undialektisch gedacht, sie verzichten auch vorschnell auf eine Ausnutzung der Reichweite systemtheoretischer Ansätze. Seit Hegel und seit Parsons kann man dies wissen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 33-34.)

„Als Ausgangspunkt jeder systemtheoretischen Analyse hat, darüber besteht heute wohl fachlicher Konsens, die Differenz von System und Umwelt zu dienen. (Die Differenz von System und Umwelt läßt sich abstrakter begründen, wenn man auf die allgemeine, primäre Disjunktion einer Theorie der Form zurückgeht, die nur mit Hilfe eines Differenzbegriffs definiert: Form und anderes.) Systeme sind nicht nur gelegentlich und nicht nur adaptiv, sie sind strukturell an ihrer Umwelt orientiert und könnten ohne ihre Umwelt nicht bestehen. Sie konstituieren und sie erhalten sich durch Erzeugung und Erhaltung einer Differenz zur Umwelt, und sie benutzen ihre Grenzen zur Regulierung dieser Differenz. Ohne Differenz zur Umwelt gäbe es nicht einmal Selbstreferenz, denn Differenz ist Funktionsprämisse selbstreferentieller Operationen. In diesem Sinne ist Grenzerhaltung Systemerhaltung.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 35.)

„Ob und wie weit sich Verhältnisse ausbilden lassen, in denen ein System ein anderes dominiert, ist nicht zuletzt abhängig davon, wie weit beide Systeme und wie weit das System ihrer Beziehungen von der jeweiligen Umwelt abhängen. In diesem Sinne waren denn auch die »absolute« Herrschaft, von der ältere Reichsmodelle ausgingen, nie starke, nie determinierende Herrschaft, sondern mehr ein Modus der Systembeschreibung, der eine gewisse Verfügungsgewalt des Systems über sich selbst zum Ausdruck brachte.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 37.)

„Systemdifferenzierung ist nichts weiter als Wiederholung der Systembildung in Systemen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 37.)

„Die Differenz System/Umwelt muß von einer zweiten, ebenfalls konstitutiven Differenz unterschieden werden: der Differenz von Element und Relation. In jenem wie in diesem Fall muß man die Einheit der Differenz als konstitutiv denken. So wenig wie es Systeme ohne Umwelten gibt oder Umwelten ohne Systeme, so wenig gibt es Elemente ohne relationale Verknüpfung oder Relationen ohne Elemente. In beiden Fällen ist die Differenz eine Einheit (wir sagen ja auch: »die« Differenz), aber sie wirkt nur als Differenz. Nur als Differenz macht sie es möglich, Informationsverarbeitungsprozesse auszuschließen.  –  Trotz dieser formalen Ähnlichkeit ist es wichtig (und unter anderem eine Voraussetzung für den Begriff der Komplexität), daß man die beiden sorgfältig unterscheidet. Es gibt deshalb zwei verschiedene Möglichkeiten, die Dekomposition eines Systems zu betrachten. Die eine zielt auf die Bildung von Teilsystemen (oder genauer: internen System/Umwelt-Beziehungen) im System. Die andere dekomponiert in Elemente und Relationen. Im einen Falle geht es um die Zimmer des Hauses, im anderen Falle um die Steine, Balken, Nägel usw.. Die erste Art der Dekomposition wird in einer Theorie der Systemdifferenzierung fortgeführt. Die andere mündet in eine Theorie der Systemkomplexität. Erst diese Unterscheidung macht es sinnvoll und nichttautologisch zu sagen, daß mit Zunahme der Differenzierung oder mit einer Änderung von Formen der Differenzierung die Sytemkomplexität zunehme.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 41.)

„Wir nehmen an, ohne das theoretisch sicher begründen zu können, daß Systeme mindestens Mengen von Relationen zwischen Elementen sein müssen, daß sie aber typisch durch weitere Konditionierungen und damit durch höhere Komplxität auszeichnen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 45.)

„Erfolgreiche Konditionierungen, mit denen erreicht wird, daß das, was durch sie möglich wird, auch entsteht, wirken dann als Einschränkungen. Man kann auf sie, obwohl sie kontingent eingeführt sind, nicht verzichten, ohne daß das, was durch sie möglich wurde, entfällt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 45.)

„Komplexität ... heißt Selektionszwang, Selektionszwang heißt Kontingenz, und Kontingenz heißt Risiko. Jeder komplexe Sachverhalt beruht auf einer Selektion der Relationen zwischen seinen Elementen, die er benutzt, um sich zu kostituieren. ....  –  Durch Selektionszwang und durch Konditionierung von Selektionen läßt sich erklären, daß aus einer Unterschicht von sehr ähnlichen Einheiten (z.B. wenigen Arten von Atomen, sehr ähnlichen menschlichen Organismen) sehr verschiedenartige Systeme gebildet werden können. Die Komplexität der Welt, ihrer Arten und Gattungen, ihrer Systembildungen entsteht also erst durch Reduktion von Komplexiät und durch selektive Konditionierung dieser Reduktion. Nur so erklärt sich weiter, daß die Dauer dessen, was dann als Element fungiert, mit der Selbstregulation des Systems abgestimmt werden kann.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 47.)

„Nur Komplexität kann Komplexität reduzieren.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 49.)

„Man hat die unfaßbare Komplexität des Systems (bzw. seiner Umwelt), die entstünde, wenn man alles mit allem verknüpfen würde, von der bestimmt strukturierten Komplexität zu unterscheiden, die ihrerseits dann aber nur kontingent seligiert werden kann; und man hat die Umweltkomplexität (in beiden Formen) von der Systemkomplexität (in beiden Formen) zu unterscheiden, wobei die Systemkomplexität geringer ist und dies durch die Ausnutzung ihrer Kontingenz, also durch ihr Selektionsmuster wettmachen muß. In beiden Fällen ist die Differenz von zwei Komplexitäten das eigentlich Selektion erzwingende (und insofern: Form gebende) Prinzip; und wenn man nicht von Zuständen, sondern von Operationen spricht, ist beides Reduktion von Komplexität, nämlich Reduktion einer Komplexität durch eine andere.  –  Unter dem Gesichtspunkt dieser (aus Komplexität folgenden) Reduktionsnotwendigkeit hat man einen zweiten Komplexitätsbegriff gebildet. Komplexität in diesem zweiten Sinne ist dann ein Maß für Unbestimmtheit oder für Mangel an Information. Komplexität ist, so gesehen, die Information, die dem System fehlt, um seine Umwelt (Umweltkomplexität) bzw. sich selbst (Systemkomplexität) vollständig erfassen und beschreiben zu können.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 50-51.)

„Die Systemtheorie ... hat ... keine Verwendung für den Subjektbegriff. Sie ersetzt ihn durch den Begriff des selbstreferentiellen Systems.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 51.)

„Elemente müssen, wenn Grenzen scharf definiert sind, entweder dem System oder dessen Umwelt zugerechnet werden. Relationen können dagegen auch zwischen System und Umwelt bestehen. Eine Grenze trennt also Elemente, nicht notwendigerweise auch Relationen; sie trennt Ereignisse, aber kausale Wirkungen läßt sie passieren..“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 52.)

„Mit Hilfe von Grenzen können Systeme sich zugleich schließen und öffnen ....“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 52.)

„Beim abstrakten Grenzbegriff, beim Begriff einer bloßen Differenz zwischen system und Umwelt, kann man nicht entscheiden, ob die Grenze zum System oder zur Umwelt gehört. Die Differenz selbst ist, logisch gesehen, etwas Drittes. Nimmt man dagegen das Problem des Komplexitätsgefälles als Interpretationshilfe hinzu, kann man Grenzen auf die Funktion von Stabilisierung dieses Gefälles beziehen, für die nur das System Strategien entwickeln kann. Es handelt sich dann vom System aus gesehen um »selbstgenerierte Grenzen«, um Membranen, Häute, Mauern und Tore, Grenzposten, Kontaktstellen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 53-54.)

„Neben der Konstitution von systemeigenen Elementen ist demanch die Bestimmung von Grenzen das wichtigste Erfordernis der Ausdifferenzierung von Systemen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 54.)

„Selektion als Grundbegriff jeder Ordnungstheorie, und man vermeidet dabei den Rückgriff auf ein System, das die Entstehung von Ordnung auf Grund überlegener eigener Ordnungsmacht erklärt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 57.)

„Alle Selektion setzt Einschränkugen voraus. Eine Leitdifferenz arrangiert diese Einschränkungen, etwa unter dem Gesichtspunkt brauchbar/unbrauchbar, ohne die Auswahl selbst festzulegen. Differenz determiniert nicht was, wohl aber daß seligiert werden muß. Zunächst scheint es vor allem die System/Umwelt-Differenz zu sein, die erzwingt, daß das System sich durch eigene Komplexität selbst zur Selektion zwingt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 57.)

„Die Elemente ermöglichen eine über andere Elemente laufende Rückbeziehung auf sich selbst ....“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 60.)

„Einerseits gibt es außerhalb des Kommunikationssystems Gesellschaft überhaupt keine Kommunikation. Das System ist das einzige, das diesen Operationstypus verwendet, und ist insofern real-notwendig geschlossen. Andererseits gilt dies für alle anderen sozialen Systeme nicht. Sie müssen daher ihre spezifische Operationsweise definieren oder über Reflexion ihre identität bestimmen, um regeln zu können, welche Sinneinheiten intern die Selbstreproduktion des Systems ermöglcihen, also immer wieder zu reproduzeiren sind. .... Sonderstellung des Gesellschaftssystems ....“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 60-61.)

„Eine der wichtigsten Konsequenzen liegt auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie: Wenn auch die Elemente, aus denen das System besteht, durch das System selbst als Einheiten konstituiert werden (wie komplex immer der »Unterbau« als Energie, Material, Information sein mag), entfällt jede Art von basaler Gemeinsamkeit der Systeme. Was immer als Einheit fungiert, läßt sich nicht von außen beobachten, sondern nur erschließen.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 61.)

„Eine wichtige strukturelle Konsequenz, die sich aus dem selbstreferentiellen Systemaufbau ergibt, muß besonders erwähnt werden. Es ist der Verzicht auf Möglichkeiten der unilateralen Kontrolle. Es mag Einflußdifferenzen, Hierarchien, Asymmetrisierungen geben,aber kein Teil des Systems kann andere kontrollieren, ohne selbst der Kontrolle zu unterliegen; und unter soclhen Umständen ist es möglich, ja in sinnhaft orientierten Systemen hochwahrscheinlich, daß jede Kontrolle unter Antizipation der Gegenkontrolle ausgeübt wird.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 63.)

„Selbstbeobachtung ist ... die Einführung der System/Umwelt-Differenz in das System, das sich mit ihrer Hilfe konstituiert; und sie ist zugleich operatives Moment der Autopoiesis, weil bei der Reproduktion der Elemente gesichert sein muß, daß sie als Elemente des Systems und nicht als irgendetwas anderes reproduziert werden.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 63.)

„Das Konzept des selbstreferentiell-geschlossenen Systems steht nicht im Widerspruch zur Umweltoffenheit der Systeme; Geschlossenheit der selbstreferentiellen Operationsweise ist vielmehr eine Form der Erweiterung möglichen Umweltkontaktes; sie steigert sich dadurch, daß sie bestimmungsfähigere Elemente konstituiert, die Komplexität der für das System möglichen Umwelt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 63.)

„Wenn man ... die Begriffe Beobachtung und Selbstbeobachtung auf der Ebene der allgemeinen Systemtheorie ansetzt und ... mit dem Begriff der Autopoiesis verbindet, wird Selbstbeobachtung zur nowtendigen Komponente autopoietischer Reproduktion. Gerade auf dieser Grundlage ergibt sich dann die Möglichkleit, organische und neurophysiologische sysyteme (Zellen, Nervensysteme, Immunsysteme usw.) von Sinn konstituierenden psychischen und sozialen Systemen zu unterscheiden. Für all diese Systembildungsebenen gilt das Grundgesetz der Selbstreferenz, aber für die erstgenannte Gruppe in einem radikaleren, ausschließlciheren Sinne als für Sinnsysteme. Auch Sinnsysteme sind vollständig geschlossen insofern, als nur Sinn auf Sinn bezogen werden kann.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 64.)

„Man sieht hieran deutlich den evolutionären Gewinn der Errungenschaft »Sinn« auf der Basis einer nicht mehr zu stoppenden Selbstreferentialität des Systemaufbaus: Er liegt in einer neuartigen Kombination von Geschlossenheit und Umweltoffenheit des Systemaufbaus; oder mit anderen Worten: in der Kombination von System/Umwelt-Differenz und selbstreferentiellem Systemaufbau.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 64.)

„Es gibt Maschinen, chemische Systeme, lebende Systeme, bewußte Systeme, sinnhaft-kommunikative (soziale) Systeme; aber es gibt keine all dies zusammenfassenden Systemeinheiten. Der Mensch mag für sich selbst oder für Beobachter als Einheit erscheinen, aber er ist kein System. Erst recht kann aus einer Mehrheit von Menschen kein System gebildet werden. Bei solchen Annahmen würde übersehen, daß der Mensch das, was in ihm an physischen, chemischen, lebenden Prozessen abläuft, nicht einmal selbst beobachten kann.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 67-68.)

„“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 14.)

„“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 14.)

„“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 14.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Durch Schrift wird Kommunikation aufbewahrbar, unabhängig von dem lebenden Gedächtnis von Interaktionsteilnehmern, ja sogar unabhängig von Interaktion überhaupt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 127.)

 

 

„Bürokratie ist bekanntlich ein System mit sehr geringer Störempfindlichkeit.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984, S. 525.)

 

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