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Prägnant und möglichst knapp formulierte Gedanken

von

Hans-Werner Sinn (*1948)

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„Die gedankliche Gleichsetzung von staatlichem und privatem Wettbewerb ist nicht gerechtfertigt, weil Staaten Aktivitäten verrichten, die sich als ungeeignet für Wettbewerbsprozesse erwiesen haben.“
Hans-Werner Sinn, Das Selektionsprinzip und der Systemwettbewerb, 1997

„Das Selktionsprinzip ist eine Hypothese, die die tatsächlich ökonomischen Verhältnisse in Staaten, die durch einen geschichtlichen Evolutionsprozeß entstanden sind, zu beschreiben versucht. Es besagt, daß die Geschichte jene ökonomischen Funktionen für den Staat ausgewählz hat, für die sich private Wettbewerbslösungen als ungeeigente erwiesen haben.“
Hans-Werner Sinn, Das Selektionsprinzip und der Systemwettbewerb, 1997

„Die demographische Krise ... ist das Ergebnis eines allgemeinen Wandels in den Einstellungen der Menschen zur Ehe, zu Kindem, zur Rolle der Frau und zu anderen Aspekten des Lebens, die ebenfalls Rückwirkungen auf die Kinderzahl haben. Der Wandel dieser Einstellungen ist freilich nicht gottgegeben und auch nicht nur auf die Zufälligkeiten kulturgeschichtlicher Entwicklungen zurückzuführen, sondem hat großenteils handfeste ökonomische Ursachen.“
Hans-Werner Sinn, Das demographische Defizit, a.a.O., 2005, S. 64-67

„Einwanderer profitieren von der Umverteilung zugunsten ärmerer Beitragszahler in der Krankenversicherung und von staatlichen Leristungen wie der Sozialhilfe, dem Arbeitslosengeld und der Arbeitslosenhilfe, die sie überdurchschnittlich in Anspruch zu nehmen pflegen. Außerdem steht ihnen, und das ist ein ganz erheblicher Effekt, die breite Palette unentgeltlich angebotener, aber kostenträchtiger staatlicher Leistungen zur Verfügung, die von der Benutzung von Straßen, Brücken, Parks und anderen Elementen der öffentlichen Infrastruktur bis hin zum Schutz des Rechtsstaates durch seine Richter und Polizisten u.v.m. reichen. Dafür zahlen sie zwar Steuern, doch reichen diese nicht aus, die verursachten fiskalischen Kosten zu tragen. Zuwanderer haben ein unterdurchschnittliches Einkommen und gehören deshalb zu denjenigen Bevölkerungsgruppen, die im Sozialstaat deutscher Prägung mehr Ressourcen vom Staat erhalten, als sie an ihn in Form von Steuern und Beiträgen abgeben müssen. Nach Berechnungen, die das Ifo-Institut im Jahre 2001 auf der Basis des sozioökonomischen Panels für die bisher nach Deutschland Zugewanderten angestellt hat, lag die fiskalische Nettolast, die Zuwanderer für den Staat verursachen, pro Kopf und Jahr im Durchschnitt der ersten zehn Jahre bei 2300 Euro. Dabei sind auch die Vorteile für die Rentenversicherung barwertmäßig bereits berücksichtigt worden. So gesehen verändert sich das Bild, das ein alleiniger Blick auf die Rentenversicherung liefert, erheblich.“
Hans-Werner Sinn, Das demographische Defizit, a.a.O., 2005, S. 80-82

„Die Zuwanderung ist ... kein Beitrag zur Lösung, sondern ein Beitrag zur Vergrößerung der Probleme .... Daß die Zuwanderung keine Lösung des Rentenproblems bietet, wird auch klar, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Menschen zuwandern müßten. .... Das sind astronomisch hohe Zahlen, die so natürlich niemals realisiert werden und auch keinesfalls als Empfehlungen interpretierbar sind. Gerade die Größe der Zahlen zeigt in aller Deutlichkeit, wie gering der Beitrag zur Lösung der demographischen Problems Deutschlands ist, den man von der Zuwanderung erwarten kann. Das Thema wird in der öffentlichen Diskussion total überschätzt, und es wird mißbraucht, um heute schon aus ganz anderen Gründen billige Arbeitskräfte ins Land zu holen. Dabei braucht der Arbeitsmark selbst ... keine Einwanderungen ..., leidet Deutschland unter einer Massenarbeitslosigkeit, also einem Mangel an Stellen, und nicht einem Mangel an Menschen.“
Hans-Werner Sinn, Das demographische Defizit, a.a.O., 2005, S. 80-82

„Die Reformen verlangen mehr Mut von den Politikern und den Vertretern der Rentenversicherungssysteme, als heute erkennbar ist. .... Die Politiker und Verbandsverterter, die sich sperren, das Thema weiter tabuisieren oder es mit kleinmütigen juristischen Argumenten beseite schieben, machen sich schuldig an der Zukunft des Deutschen Volkes.“
Hans-Werner Sinn, Das demographische Defizit, a.a.O., 2005, S. 88

„Wir helfen anderen Ländern, deutsches Sparkapital abzuziehen.“
Hans-Werner Sinn, Ein unkalkuliertes Abenteuer, in: SZ, 14.05.2010

„Schon seit Jahren fließt deutsches Geld im Übermaß nach Amerika, Irland, Spanien, Portugal und Griechenland und half dort, einen total überzogenen Immobilienboom zu finanzieren, während Deutschlands Wachstum erlahmte, weil hier nur noch sehr wenig investiert wurde. Die Wirtschaften dieser Länder wurden so in einen Rauschzustand versetzt. Aber die Korrektur durch die Kapitalmärkte wird nun von der Politik verhindert. Deutschland hilft mit seiner Bonität den europäischen Schuldenländern, weiter verbilligt an das deutsche Sparkapital zu kommen und gegenüber den deutschen Firmen und Häuslebauern, die es auch gerne hätten, die Oberhand zu behalten.“
Hans-Werner Sinn, Ein unkalkuliertes Abenteuer, in: SZ, 14.05.2010

„Der Pakt bedeutet nichts anderes, als daß Deutschland für die Schulden anderer Länder geradesteht. .... Ich verstehe, wenn sich nun viele Deutsche hereingelegt fühlen.“
Hans-Werner Sinn, Ein unkalkuliertes Abenteuer, in: SZ, 14.05.2010

„Die Ohnmacht Deutschlands ist die Folge eines Konstruktionsfehlers der Eurozone. Unser Stimmrecht entspricht nicht dem Gewicht Deutschlands. Wir zahlen zwar bei weitem das meiste, aber haben in der EZB auch nicht mehr zu sagen als Griechenland. Die Kritik muß sich hier gegen die Politik von Altbundeskanzler Helmut Kohl richten. Er war damals allzu blauäugig. Er hat an das Gute im Menschen geglaubt, anstatt vernünftige Regeln auszuhandeln, die langfristig die deutschen Interessen wahren.“
Hans-Werner Sinn, Ein unkalkuliertes Abenteuer, in: SZ, 14.05.2010

„Was Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesbank verschweigen: Der Rettungsschirm rettet den Euro nicht - aber er lastet Deutschland ungeheure Risiken auf. Die Höhe der Haftung übersteigt die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit.“
Hans-Werner Sinn, Rettungsschirm für den Euro - tickende Zeitbombe, in: SZ, 02.04.2011

„Die Probleme der GIPS-Länder (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) rühren daher, daß diese Länder schon bei der Ankündigung des Euro Mitte der 1990er Jahre in den Genuß extrem niedriger Zinsen kamen, sich deshalb hemmungslos verschuldeten und Kapital aus anderen Gebieten des Euroraums, vornehmlich aus Deutschland, absogen. Der Kapitalfluß erzeugte in den GIPS-Ländern einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung mit hohen Lohn- und Preissteigerungen, der die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie unterminierte und die Importe ankurbelte. Deutschland kam wegen hoher Kapitalabflüsse stattdessen in eine Flaute mit niedrigen Lohn- und Preissteigerungen sowie extrem niedrigen Investitions- und Wachstumsraten. Aus der Flaute entstanden Außenhandelsüberschüsse, weil die Importe zurückgehalten wurden und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte stieg. Nichts könnte falscher sein als die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, daß Deutschland »wie kaum ein anderes Land« (so in ihrer jüngsten Regierungserklärung) vom Euro profitiert habe.“
Hans-Werner Sinn, Rettungsschirm für den Euro - tickende Zeitbombe, in: SZ, 02.04.2011

„Mit der Finanzkrise fand die Phase der exzessiven Kapitalströme von Deutschland in die GIPS-Länder ein jähes Ende. Die Kapitalanleger wurden risikobewußter und weigerten sich zunehmend, die riesigen Leistungsbilanzdefizite der GIPS-Länder von über 100 Milliarden Euro pro Jahr zu finanzieren, weil sie den Staatsbankrott fürchteten. Die GIPS-Länder mußten immer höhere Zinsaufschläge zahlen, wenn sie doch noch an privates Geld kommen wollten. Die Länder hätten nun eigentlich aufhören müssen, über ihre Verhältnisse zu leben, aber den dazu nötigen harten Sparkurs wollte kein Politiker verantworten. Stattdessen versuchte die Politik, die zur Finanzierung des Lebensstandards ihrer Bürger ausfallenden privaten Kreditflüsse durch öffentliche Kredite zu ersetzen. Dies geschah auf fünffache Weise.
1. Zuerst kamen die Kredite von der Europäischen Zentralbank, die im Zuge ihrer »Vollzuteilungspolitik« bereitwillig Geld druckte und verlieh.
2. Die Zentralbank finanzierte ferner die Staatsbudgets der GIPS-Länder, indem sie Staatspapiere kaufte, was Bundesbankpräsident Axel Weber veranlaßte, von seinem Posten zurückzutreten. Ein solches Verhalten war der Bundesbank früher wegen der Inflationserfahrungen aus der Weimarer Republik verboten.
3. Damit nicht genug, erlaubte die EZB den nationalen Notenbanken, außerhalb der normalen Geldschöpfung neues Geld zu schöpfen und gegen mindere Sicherheiten an die jeweiligen Geschäftsbanken zu verleihen (ELA, Emergency Liquidity Assistance).
4. Vor allem aber gaben einzelne Zentralbanken, an erster Stelle die Bundesbank, den Zentralbanken der GIPS-Länder über die EZB in gigantischem Umfang Kredite, um den versiegenden privaten Kreditfluß zu ersetzen. Dies geschah unter der technischen Bezeichnung »Target-2-Salden« von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ohne Mitwirkung parlamentarischer Gremien und ohne Spuren in der Bilanz der EZB zu hinterlassen. Diese verhängnisvollen Geschäfte funktionieren wie eine Art Überziehungskredit: Die jeweiligen Zinserträge und -kosten werden über das EZB-System sozialisiert - weshalb die Bundesbank nicht von einer Kreditvergabe sprechen möchte. Tatsächlich aber floß in riesigem Umfang öffentlicher Kredit von Deutschland in die GIPS-Staaten, um dort den Abfluß von Geldern zu neutralisieren. Wenn diese Staaten nicht zurückzahlen können, ist der deutsche Steuerzahler dran; dazu unten mehr.
5. Und nun gibt es die neuen EU-Beschlüsse zur Ausweitung des Rettungsfonds in Luxemburg, die der wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium der Finanzen zu Recht als »besorgniserregend« bezeichnet. Der Fonds wird die europäischen Ungleichgewichte, die durch die überbordende Entwicklung der Preise und Einkommen zustandekamen, verlängern und die Auslandsschulden der GIPS-Länder immer weiter anwachsen lassen. Mit jedem Jahr, währenddessen die Kredite der Staatengemeinschaft die versiegenden privaten Kredite ersetzen, entfernt sich das Eurosystem weiter von der Lösung seiner Probleme.
Und Deutschland sitzt nun in der Falle. Denn je mehr Schulden die betroffenen Länder bei anderen Euroländern aufbauen, desto größer ist ihr Drohpotential, wenn es darum geht, eine Transferunion in Europa zu erzwingen. Im Endeffekt wird Deutschland die Schulden der GIPS-Länder an sich selbst zurückzahlen müssen.“
Hans-Werner Sinn, Rettungsschirm für den Euro - tickende Zeitbombe, in: SZ, 02.04.2011

„Der Wohlstand der Generation unserer Kinder wird auf diese Weise aufs Spiel gesetzt. Es stimmt eben nicht, wenn Kanzlerin Merkel behauptet, Deutschland werde nicht für die Schulden anderer Länder haften. Richtig lag vielmehr die regierungsnahe französische Zeitung Le Figaro, als sie nach dem Vertrag von Maastricht unter Anspielung auf den Vertrag von Versailles jubelte, Deutschland werde nun zahlen (so frohlockten die Franzosen übrigens schon, als Kohl ihnen versprach, die D-Mark zugunsten der nichtdeutschen Europäer aufzugeben; HB).“
Hans-Werner Sinn, Rettungsschirm für den Euro - tickende Zeitbombe, in: SZ, 02.04.2011

Summa summarum liegen die Hilfszusagen für bedrängte Euroländer damit bei 1542 Milliarden Euro, und Deutschland haftet mit 391 Milliarden Euro.“
Hans-Werner Sinn, Rettungsschirm für den Euro - tickende Zeitbombe, in: SZ, 02.04.2011

„Im Zentralbankrat hat jedes Land eine Stimme, Deutschland ist dort total unterrepräsentiert. Wir sind in puncto Zentralbank wirklich in einer Krise. Der deutsche Bundesbankchef Weber, der ja einen Sitz im Zentralbankrat hatte, ist zurückgetreten wegen der Politik der EZB. .... Jürgen Stark, der Chefvolkswirt der Zentralbank, der von der Bundesbank gekommen ist, ist soeben ebenfalls zurückgetreten. Jetzt ist Herr Asmussen an diese Stelle gesetzt worden. Die Bundesregierung läßt das alles einfach so geschehen und kommentiert das nicht weiter. Ich empfinde das als unerträglich. Man stelle sich einmal vor, der französische Vertreter im europäischen Zentralbankrat würde permanent überstimmt und in eine Minderheitenposition gedrängt. Was meinen Sie, was Sarkozy dann machen würde? Er würde vor Zorn im Quadrat springen und das auch laut kundtun. Er würde eine Änderung der Verträge fordern und Minderheitenrechte für sein Land. Wir jedoch machen das nicht, und ich weiß nicht (aber ich weiß es! HB), warum wir das nicht tun. Wir müssen das aber tun, wir können das nicht zulassen, denn im Zuge der Krise würden sonst gewaltige Summen von Deutschland in die Krisenländer verlagert werden. Ich sehe nicht, wo das Ende sein soll. Zum Schluß wird dort permanent Geld gedruckt, dieses Geld wird zu uns fließen, und die Banken werden es wieder an die Bundesbank verleihen. Die Bundesbank wiederum wird es wieder an diese Länder verleihen, und zwar zu einem Minizins, der, wenn man die Inflation abzieht, in realiter ein Nullzuins ist. Und zum Schluß stehen wir da mit riesigen Summen - und diese Sumnmen sind ja jetzt schon riesig. Und wenn wir so weitermachen, dann kommen wir bald bei ganz vielen Hunderten von Milliarden zusätzlich an. Denn das kann ja in kurzer Zeit auf das Doppelte anwachsen. Und dann haben wir diese Forderungen und können sie niemals einlösen. Das heißt, wir werden dann schlicht gefangen sein in diesem System, und man wird sagen: »Gut, ihr habt diese Forderungen. Versucht doch mal, sie zu holen! Wir können euch jedenfalls nichts geben. Stattdessen müßt ihr uns helfen, weil wir sonst zusammenbrechen. Das heißt, ihr müßt in Europa ein Transfersystem errichten!« Ich sage also, daß das der direkte Weg in die Transferunion ist.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Frau Merkel hat Herrn Sarkozy sozusagen an der Backe: der drängelt und drückt sie in eine bestimmte Richtung. Denn es geht ja auch darum, die französischen Banken zu retten, deren Exposure bei den Südländern viel, viel größer ist als das unsere. .... Die französischen Banken haben sich konzentriert auf die spanischen, portugiesischen und sehr stark auf die griechischen Anlagen. Und wenn nun diese Länder in Schwierigkeiten kommen, dann kommen die französischen Banken auch in Schwierigkeiten. Es geht also darum, sie zu retten. Die Franzosen könnten sie auch alleine retten, aber billiger wird die Sache, wenn Deutschland mitrettet. Das ist genau das Thema. Das heißt, Herr Sarkozy drängelt Frau Merkel, sie müsse das machen. Die City of London drängelt auch, denn dort gibt es viele Leute, die ihr Vermögen in diesen Ländern investiert haben und die das Probelm sehen, daß sie nicht wissen, an wen sie die Staatspapiere, die sie nun in Händen halten, verkaufen können. Und dann wird eben gesagt, Deutschland müsse das übernehmen, weil Deutschland als potent genug angesehen wird. Wenn man also die Wertpapiere dieser südlichen Länder über diese neuen Gemeinschaftseinrichtungen sozusagen sukzessive an Deutschland übertragen kann, dann ist man aus dem Schneider und kann sich retten.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Wir (nicht »wir«, sondern unsere Politiker! HB) sind in gewisser Weise wirklich ziemlich blöd. Das ist einfach ein Vermögenspoker. Seien wir doch mal ganz ehrlich: Wenn ich mir die us-amerikanischen Zeitungen wie z.B. das »Wall Street Journal« oder den »Economist« oder die »Financial Times« anschaue, wenn ich mir also die angelsächsischen Zeitungen anschaue, dann lese ich dort immer wieder: Es droht der Weltuntergang, wenn wir Deutsche das Portemonnaie nicht aufmachen. Nun, warum sagen sie das alle? Weil dort natürlich viele Anlagen gefährdet sind und unglaublich viel zusammenbrechen wird, wenn man niemanden findet, dem man die Staatspapiere der südlichen Länder verkaufen kann. Und insbesondere geht es hier um die vielen italienischen Staatspapiere. Also bedrängt man Deutschland und Frau Merkel, diesen Rettungsschirmen doch endlich zuzustimmen, denn dann hat man Käufer für diese Papiere und kann das eigene Vermögen sichern. Das ist wirklich ein riesiger Vermögenspoker, der da in Europa derzeit stattfindet: zwischen Deutschland einerseits und der Wall Street und der City of London und den Pariser Banken andererseits.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Es gibt viele Gründe dafür, warum die Geburtenrate so niedrig ist. .... Es gibt zwei Definitionen der Geburtenrate. Das ist einmal die Zahl der Kinder pro Frau: das ist die Fertilitätsrate. Und dann gibt es die Zahl der Kinder in Relation zur gesamten Bevölkerung. .... Und da fragt man sich natürlich, warum wir hier diese Extremposition einnehmen.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Als Erklärung kommt hier die Rentenversicherung selbst in Frage. Wir Deutsche haben sie ja erfunden: Bismarck hat sie eingeführt. Die Rentenversicherung hat das Verhalten der Menschen in Deutschland nachhaltig beeinflußt in Richtung weniger Kinder (aber nicht nur die Rentenversicherung, denn: es gab z.B. in Frankreich zu der Zeit, als in Deutschland die Rentenversicherung und alle anderen Sozialversicherungen erfunden wurden, weniger Kinder als in Deutschland! HB). Denn vor Bismarck war klar: Ohne Kinder funktioniert das Leben nicht. Früher mußten junge Menschen, insbesondere Frauen, sehen, daß sie unter die Haube kamen und daß in dieser Ehe dann Kinder zustande kamen; anders war man nicht versorgt im Alter. Denn wenn man alt war, mußte man sich ja von seinen Kindern ernähren lassen (rhetorische Frage: und heute? HB). Dieser Sachverhalt war allen bewußt, und auch heute ist es in der Dritten Welt noch so, wie das in Deutschland vor Bismarck der Fall gewesen ist. Durch die Rentenversicherung ist in Deutschland diese Vorstellung aber total verschwunden. Welches junge Paar denkt denn an die Altersversorgung, wenn es Kinder hat? Kein Mensch denkt mehr daran! Das zeigt, wie stark der Anreiz der Rentenversicherung war: Er hat dieses natürliche Motiv für das Kinderkriegen, das früher vorhanden gewesen ist, zerstört. Heute hat man Kinder nur deswegen, weil man sie gerne hat, weil es toll ist, Kinder zu haben u.s.w.. Aber man hat sie nicht mehr aus ökonomischen Gründen, aus Versorgungsgründen. Denn es ist ja klar: Wenn eine Gesellschaft keine Kinder hat, dann muß sie im Alter von ihren Ersparnissen leben. Wenn sie aber auch wenig Ersparnisse hat, dann wird es schwierig. Die Ersparnisse sind aber auch nichts mehr wert, wenn es keine Menschen mehr gibt, die mit den entsprechenden Kapitalgütern, die dahinterstehen, irgendwie werkeln können, um ein Sozialprodukt zu schaffen. Alles hängt also daran, daß wir Kinder haben. Ohne Kinder kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Aber das ist durch die Rentenversicherung systematisch ausgeblendet worden aus dem Blickfeld des Einzelnen: Bei der Entscheidung des Einzelnen spielt das heute keine Rolle mehr (d.h.: diese Einzelnen sind lebensmüde! HB).“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Die Krise hat uns gezeigt, daß man nicht einfach so sparen kann, um Anlagen im Rest der Welt zu bilden - in der Hoffnung, daß sich diese Anlagen später auszahlen. Das gilt insbesondere dann, wenn man das Geld verleiht an Staaten. Denn Staaten sind souveräne Schuldner. Ein souveräner Schuldner hat niemanden über sich, d.h. es gibt keine Gerichtsinstanz über z.B. Griechenland, bei der der Gläubiger erreichen könnte, daß der Schuldner (z.B. Griechenland; HB) auch tatsächlich zahlt. Stattdessen ist es so, daß der souveräne Schuldner immer sagen kann: »Ich habe keine Lust mehr, ich will nicht.« Und dann erklärt er diese Schuld als nicht existent. Das ist ein Problem. Die Deutschen haben seit Einführung des Euro und noch vor der Krise, als der Euro noch zu funktionieren schien (schien! HB), zwei Drittel ihrer Ersparnisse ins Ausland getragen! Das haben sie selbtsverständlich nicht selbst gemacht, sondern sie haben ihr Geld den Banken und Versicherungen gegeben, und die haben das dann an ihrer Stelle getan. Sehr, sehr viel Geld ist dabei in Staatspapiere anderer Länder geflossen. Das ist, wie wir heute wissen (nicht »wir«, denn ich z.B. weiß das schon seit meiner Schulzeit! HB), keine sichere Anlage, denn diese Länder werden nicht in der Lage sein, das zurückzuzahlen. Manche Länder wären sehr wohl in der Lage, sie wollen aber nicht, weil man dafür im Land sehr starke Steuererhöhungen vornehmen müßte. Aber bevor man das tut und den Lebensstandard reduziert, sagt man lieber: »Ich erkläre die Staatsschuld als nicht existent.«“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Man wird ... die politischen Mechanismen in Europa benutzen, um Transfers von Deutschland in diese Länder zu organisieren, damit diese in der Lage sind, ihre Staatsschulden zu bezahlen. Wir bezahlen dann also als Steuerzahler die Zinsen, die wir von dort bekommen (und wir bekommen sie, weil wir sie zuvor selbst bezahlt haben! HB), und auch die Rückzahlung des Kapitals. Netto wird also nicht viel (nicht »nicht viel«, sondern NICHTS - und darüber hinaus werden wir noch mehr zahlen müssen, weil »die politischen Mechanismen in Europa« noch zunehmen werden! HB) zurückfließen. Das ist die bittere Wahrheit.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

„Wir können nicht durch die »öffentliche Hand« den versiegenden Kapitalfluß in die Länder der südlichen Peripherie ersetzen. Wenn wir das tun, geht Europa kaputt, weil dieser Prozeß dann so lange laufen wird, bis die deutschen Taschen leer sind. Und wenn sie dann leer sind, werden die Länder, die sich an das leichte Geld gewöhnt haben, austreten, um ihr Heil außerhalb des Euro zu suchen.“
Hans-Werner Sinn, in: Alpha-Forum, 26.09.2011

 

 

 

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