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Wochenschau Tagesschau
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Spengler Spengler-Zitate Spengler
„NEUBAU DES DEUTSCHEN REICHES“, 1924
(auch in: „Politische Schriften“, 1919-1926)
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„Der Sumpf“ (S. 187-213)
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„Staatsdienst und Persönlichkeit“ (S. 214-227)
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„Die Erziehung: Zucht oder Bildung?“ (S. 227-239)
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„Das Recht als Ergebnis von Pflichten“ (S. 239-249)
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„Die deutsche Währung“ (S. 250-263)
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„Gegen den Steuerbolschewismus“ (S. 263-279)
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„Arbeit und Eigentum“ (S. 279-286)
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„Zur Weltlage“ (S. 286-296)
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NACH OBEN „Der Sumpf“ (S. 187-213):

„Ein Nachwuchs ist soviel wert wie die höchste erreichbare Macht: das ist das Geheimnis Napoleons von dem Marschallstab im Tornister jedes Soldaten. Da die Laufbahn des Abgeordneten - und des politischen Zeitungsleiters - eine Sackgasse geworden war, so sammelten sich in ihr die kleinen Streber, Nörgler, Kannegießer und Rechthaber, alles was ohne eigne Begabung in der Nähe von deutschem Bier wächst. Persönlichkeiten gingen nicht hinein; sie verschwanden in die Industrie und ins Ausland. Die Politik verkümmerte aus Mangel an Begabungen, denn als Gegenwirkung erreichte diese Parteitätigkeit, daß die Regierung alles Diplomatische mit Betonung als interne Verwaltungsaufgabe und deshalb mehr schematisch als taktisch behandelte. Sie arbeitete allein, und man betrachtete diese Arbeit zuletzt fast als die Privatsache ihrer Vertreter. Und infolge davon gab es, da Schule, Parteien und Presse gleichmäßig versagten, in dieser Zeit der herannahenden Entladung überhaupt keine politische Aufklärung mehr.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 191Spengler).

„Was man heute Nationalismus nennt, ist nichts als das Bewußtsein der führenden Schichten aller Völker für die ungeheuren Gefahren der Weltlage, seit der Krieg alle Verhältnisse aufgelockert hat. .... Die verantwortlichen Kreise aller Völker sind auf dem Posten - nur die Narren, Feiglinge und Verbrecher, die bei uns an deren Stelle stehen, glauben oder geben vor zu glauben, daß der Verzicht auf Weltpolitik vor ihren Folgen schütze.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 191Spengler).

(Dikatur des Parteiklüngels ...) .... Aus der Angst um den Beuteanteil entstand auf dem großherzoglichen Samtsesseln und in den Kneipen von Weimar die deutsche Republik, keine Staatsform, sondern eine Firma. In ihren Satzungen ist nicht vom Volk die Rede, sondern von Parteien; nicht von Macht, von Ehre und Größe, sondern von Parteien. Wir haben kein Vaterland mehr, sondern Parteien; keine Rechte, sondern Parteien; kein Ziel, keine Zukunft mehr, sondern Interessen von Parteien.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 193-194Spengler).

„Die nichtproduktive Wirtschaft, von der eigentlichen Hochfinanz bis zu den Konzernen mit Halb- und Scheinindustrie, bei denen das Handelsgeschäft, unter Umständen die bloße Valutaspekulation, durch Beteiligung an der Produktion nur verdeckt wurde, begriff dagegen sehr bald die Vorteile der neuen Lage. Seit die Politik ein Geschäft geworden war, bekamen die Geschäfte politische Bedeutung ... Diese Kreise traten in engste Verbindung mit dem Teil des regierenden Parteiklüngels, der ihren Überlegungen zu folgen vermochte, und sie haben es ausgezeichnet verstanden, durch ihre Trabanten in den Parteien und der demokratischen Presse diese Interessengemeinschaft durch die der öffentlichen Meinung eingepflanzte Legende zu decken, daß im Gegenteil Industrie und Landwirtschaft einen beständigen Druck auf die Regierung ausübten. Die Folgen traten in der gesamten Wirtschafts- und Steuerpolitik immer ernster hervor; der Ertrag des unbeweglichen Teils des deutschen Volksvermögens wurde langsam geopfert, um den Fortbestand der Erträge aus den beweglichen und nicht an die Landesgrenzen gebundenen Vermögen zu sichern.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 195-196Spengler).

„Das deutsche Abgeordnetenmaterial war schon vor dem Kriege weniger als mittelmäßig, da es keine wirkliche Aufgabe vorfand, aber es war bei aller Urteilslosigkeit ehrlich. Jetzt waren die Aufgaben da, aber sie bestanden, wie es zum innersten Wesen des Zusammenbruchs gehört, in privaten Vorteilen, angefangen von dem Besitz einer Bahnfreikarte, die in den Zeiten der Markentwertung die schönsten geschäftlichen Beziehungen erschloß, bis hinauf zum Ministersessel, und diese Aussichten zogen ganz andere Geister an. »Die Politik ist die Fortsetzung der Privatgeschäfte mit anderen Mitteln« sollte als Wahlspruch über dieser Demokratie allerneuesten Gepräges stehen. Wenn selbst diesen Geschäften die Größe fehlte - Ausnahmen wie billig abgerechnet -, so hat der gute Wille doch nie gefehlt.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 196Spengler).

„Jede Staatskunst und jeder gesunde Volksinstinkt nimmt Begabungen, wo er sie findet, die Franzosen in Napoleon einen Italiener, die englischen Konservativen in Disraeli einen Juden, der russische Adel und Klerus in Katharina II. eine Deutsche. Und in keinem politisch erzogenen Volk der Welt geht man davon aus, obwohl die Engländer und Amerikaner in Rassefragen sicher leidenschaftlicher fühlen als die meisten Deutschen. Dies und die kindlichen wirtschaftlichen Ansichten und Utopien sind so verzweifelt deutsch im übelsten Sinne, so michelhaft und provinzial, und schneiden die völkische Bewegung und damit die in ihr ruhende gewaltige Stoßkraft so vollkommen von allem ab, was durch Begabung, Erfahrung, Macht und Beziehungen politisch und wirtschaftlich ernst zu nehmen ist, daß diese Bewegung bestimmt zu sein scheint, den Boden aufzuwühlen, aber nur um einer gefährlichen Gegenströmung Platz zu machen. (Spengler). Man wird sagen, daß sie wenigstens als Pflugschar einer größeren Zukunft zählt, aber die jeunesse dorée hat nicht einmal das geleistet. Sie hat das Jakobinertum noch einmal lebensfähig gemacht und sonst nichts. Die Revolution ist erst durch Napoleon endgültig überwunden worden. Die Weltwirtschaft hat ihre Formen und Mittel, als Ergebnis ihrer Entwicklung, und Deutschland ist gezwungen, in ihrem Rahmen zu arbeiten oder überhaupt nicht zu arbeiten. In Rußland hat der Versuch, sich über diese Tatsache hinwegzusetzen, dreißig Millionen Menschen das Leben gekostet mit dem Erfolg, daß man nun wieder den Weg rückwärts sucht, um wenigstens das Dasein von Wilden führen zu können.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 203-204Spengler).

„In Deutschland, das auf Import, Export und Kredit angewiesen ist, würde der geringste Versuch, die bestehenden Formen der Kreditverzinsung zu erschüttern oder die bestehenden Finanzmächte nicht als Mächte zu behandeln, zu einer Katastrophe führen .... Es kommt in der Wirtschaft, worüber sich selbst Kenner manchmal täuschen, viel weniger auf die »Richtigkeit« von Ansichten und die Vorzüge neuer Methoden an als auf das, was die fürhrenden Wirtschaftsgrößen der Welt als ihre Methode anwenden wollen. Die bessere Einsicht von Theoretikern spielt gar keine Rolle, und ebenso kommt es in der hohen Politik nicht auf Langschädel an, sondern auf das, was darin ist.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 204Spengler).

„Nicht von Rechten oder Verfassungen, nicht von Idealen und Programmen, nicht einmal von sittlichen Grundsätzen oder Rassetrieben hängt das Schicksal eines Volkes ab, sondern zunächst und vor allem von den Fähigkeiten der regierenden Minderheit. Wir müssen solche Fähigkeiten züchten oder zugrunde gehen, und wir brauchen politische Formen, die züchtend wirken, so wie der generalstab des alten Heeres Feldherrn und der römische senat Staatsmänner gezüchtet hat. Alles andere ist vorhanden oder Nebensache. Die Kunst des Regierens ist nicht das erste, sondern das einzige Problem der großen Politik. Alles andere folgt aus ihr. Diese Kunst hat die Weltgeschichte gemacht.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 205Spengler).

„Wenn in der großen Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert die »Fürstenfreiheit« durch Völkerfreiheit ersetzt werden sollte, so konnte ein Sinn nur darin liegen, wenn die Auslese der Regierenden besser, deren Methoden erfolgreicher, ihre Leistungen größer wurden. Die Probe hatte das vorige Jahrhundert zu liefern und es hat das Urteil über die demokratische Methode gefällt. Die Wende zum 20. Jahrhundert ist bezeichnet durch die notgedrungene, für den Fortbestand der großen Nationen nicht mehr aufschiebbare Überwindung der europäisch-amerikanischen Demokratie oder vielmehr dessen, was sie als Verwirklichung ihrer Idee hervorgebracht hat: Herrschaft der Hochfinanz, Nepotenwirtschaft der Parteien statt Souveränität des Volkes, dessen Entmündigung durch Wahlorganisation, Bezahlung der Wahlen und Gewählten und Kauf der Presse, eine Entwicklung, die nur dort nicht zum Unsinn führte, wo eine alte Aristokratie unter Benutzung der neuen Formen im Amte blieb wie in England. Das englische Unterhaus war das einzige Parlament der Welt, wo es etwas zu lernen gab, aber gerade das läßt sich nicht nachahmen. Uns Deutschen haben hundert Jahre gefehlt, uns in diesen Formen bewegen zu lernen, als sie zeitgemäß waren. Jetzt ist es zu spät.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 206Spengler).

„Dabei darf man keinen Augenblick vergessen, daß das beste aller Formen im Ungeschriebenen steckt, und das Geschriebene danach einrichten. Wer alles festlegen will, wie es der Tendenz revolutionärer Versammlungen entspricht, erreicht nur, daß die Praxis sehr bald neben der Verfassung herläuft.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 209Spengler).

„Eine außerordentliche Stärkung der Regierungsgewalt mit hoher Verantwortlichkeit, die nicht wie bis jetzt in Gestalt täglicher Parlamentsverhandlungen auf der Gesetzgebung und Ausführung lastet. Es ist heute richtiger, wenn in bestimmten Abständen ein umfassender Rechenschaftsbericht gegeben und angenommen oder abgelehnt wird. Nicht Absichten sondern Ergebnisse sollten der Kritik unterliegen. Das gehört zum Begriff des in einer Vollmacht enthaltenen Vertrauens.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 210Spengler).

„Es ist unlogisch und widerspricht dem Begriff der Volksvertretung, daß zwar die Regierung dieser, aber nicht diese dem Volke für die Folgen ihres Verhaltens verantwortlich sein soll. Aber da alle heutigen Verfassungen von den Parlamenten selbst gemacht worden sind, so haben diese jede Haftung von sich abgeschoben.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 211Spengler).

„Aber es sollte zur guten Sitte werden, Sachverständige mit dieser Sendung zu beauftragen, also von dem einzelnen Abegeordneten eine Art Befähigungsnachweis zu verlangen, und nicht die Schreier, Trommler und Pfeifer der Organisationen. Und außerdem würde ich vorschlagen, daß fünf Vertreter der Deutschen im Ausland dabei sind, denn dem Reichstag fehlte bisher der Horizont und die richtige Einschätzung der auswärtigen Wirtschafts- und Machtverhältnisse, die für uns eine Lebensfrage sind. Um den deutschen Parteihader zu überwinden und die Bildung urteilsfähiger Gruppen z uerreichen, müßte es die Wahlordnung unmöglich machen, daß mehr als vier Parteien und solche von weniger als einem Zehntel der Bevölkerung Abgeordnete erhalten.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 212Spengler).

„Um die in allen heutigen Parlamenten herrschende Korruption zu überwinden, sollte ehrloses geschäftliches Verhalten oder die Verurteilung wegen gemeiner Vergehen sofort und für immer von der Wählbarkeit ausschließen. Ein Volk kann auf die Ehrenhaftigkeit seiner Vertreter Anspruch erheben.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 212Spengler).

NACH OBEN „Staatsdienst und Persönlichkeit“ (S. 214-227):

„Ein Volk ist das, was man aus ihm macht. Für sich allein ist jedes Volk unfähig die Bedingungen zu erfüllen, welche die Weltlage seit Jahrhunderten stellt, wenn es sich durchsetzen oder auch nur behaupten will. Sein Schicksal hängt aber nicht von Ansichten ab, sondern von Menschen, also nicht von Theorien oder Beschlüssen darüber, wie dies oder jenes sein soll, sondern von Persönlichkeiten, die das tun und tun können, was getan werden muß. Ein leitender Typus ist notwendig, der die schöpferischen Eigenschaften des Volkes im Hinblick auf seine geschichtliche Lage zusammenfaßt und herausbildet.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 214Spengler).

„Die englischen Erfolge seit Cromwell beruhen im tiefsten Grunde nicht auf dem Hervortreten ganz großer Staatsmänner - sie sind doch ziemlich selten - sondern darauf, daß seit Zerstörung des old merry England durch den Puritanismus eine dauerhafte Schicht von sehr gleichförmiger Lebensauffassung und weniger glänzenden als praktisch wirksamen Eigenschaften entstanden ist, welche mit den führenden Männern kaum bewußt die Triebe und Ziele teilt. Ohne jene Schicht hätten diese nichts erreicht und mit ihr konnte England auch ohne geniale Führer jahrzehntelang fortbestehen. Der Puritanismus, welcher dem Einzelnen die sittliche Rechtfertigung vor sich selbst zuschiebt und ihm damit das großartige Sicherheitsgefühl gibt, daß das, was er will, das Richtige sein muß, weil Gott ihm sonst diesen Willen nicht eingegeben hätte; die kaufmännische Wirtschaftsgesinnung, welche dem Einzelnen völlig freie Bahn läßt, ihn dafür aber auch nicht stützt, wenn er versagt; endlich und nicht zum wenigsten der Sport, der im Gegensatz zu den unpersönlichen Turnidealen Jahns den Sieg von der persönlichen Energie des Einzelnen abhängig macht, haben einen Menschentypus gezüchtet, dessen Zähigkeit bis jetzt wenigstens jeder Gefahr gewachsen war. In Frankreich ist der das ganze Volk zusammenfassende Typus nicht von Ludwig XIV. oder gar der Revolution, sondern von Napoleon geschaffen worden; der Franzose des 19. Jahrhunderts ist gegenüber dem des ancien régime ein neuer Mensch .... Züchten in diesem Sinne kann nur ein gewaltiges Erlebnis oder eine große Persönlichkeit.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 214-215Spengler).

„Das Ziel der Züchtung ist hier eine Schicht von Befehlshabern ersten Ranges. Die Führereigenschaften müssen durch den Gang der Geschäfte und die große persönliche Freiheit entdeckt, entwickelt, bis zur Vollendung herausgebildet werden. Das Standesgefühl ist hier Distanzgefühl, ein hohes Bewußtsein geistiger und geschäftlicher Überlegenheit. Zum Staat, wie wir ihn brauchen, gehört eine Beamtenaristokratie, die heute nicht mehr auf Herkunft, Vorbildung und Titeln, sondern tatsächlich allein auf großen Eigenschaften beruhen darf. Das Bewußtsein davon, der Stolz auf Meisterleistungen, die Regel sind, das Gefühl des Rechts auf Herrschaft durch die Fähigkeit dazu, verpflichtet nun aber zu einer Haltung, welche den inneren Rang im äußeren Leben repräsentiert. Diese Schicht sollte in Deutschland gesellschaftlich - und durch ihr Ethos - führend sein, hochgeachtet, vorbildlich in jedem Sinne. Dazu gehört eine Unabhängigkeit und Weite der Lebensführung, welche durch entsprechende Einkünfte gesichert sein muß.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 216Spengler).

„Ich halte es nicht nur für richtig, an das Ende einer langen und außergewöhnlich erfolgreichen Laufbahn eine Dotation - ein Schloß mit einem Titel - zu setzen, sondern den Führern auch während dieser Laufbahn eine Lebenshaltung zu ermöglichen, welche derjenigen der großen wirtschaftlichen Führer ebenbürtig ist. Das ist, bei der beständigen Fühlung zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft, auch auf den Erfolg der Geschäfte von Einfluß.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 227Spengler).

NACH OBEN „Die Erziehung: Zucht oder Bildung“ (S. 227-239):

„Es kann nicht meine Absicht sein, an dieser Stelle den Entwurf eines künftigen Erziehungswesens vorzulegen. Ich hoffe, das später einmal gründlich tun zu können und dann vielleicht nicht ohne praktischen Anlaß. Ich habe diesen Fragen selbst einige Jahre sehr nahe gestanden und glaube die tiefen Vorzüge und die ebenso großen Schwächen vor allem des Alters in dem damals Bestehenden zu kennen. Da Krieg und Revolution auch hier alles verwüstet und vergiftet haben, die Tradition, den Geist, die Menschen, die Methoden, so erzähle ich in einigen Worten, wie ich mir den Aufbau, den Neubau für spätere Zeiten denke; wie Deutschland sich künftig einmal einrichten muß, wenn es seine jungen Leute anders, sehender, klüger in die Welt senden will, als wir gesandt worden sind. Was an der alten Schule, vor allem dem humanistischen Gymnasium, bedeutend war, läßt sich in zwei Worten nennen: Wilhelm von Humboldt und Klassizismus. Es steckten große Eigenschaften darin, eine schlichte Frömmigkeit, hohe sittliche Forderungen des einzelnen an sich selbst; eine lange und gewissenhafte formale Schulung, die mit dem Latein anfing und endete. Die Gewöhnung an Pflichten, Fleiß, Wahrheit, Gründlichkeit wurde früh und für immer eingepflanzt. Eine stoische Weltauffassung herrschte, wie man sie bei Cicero las, eine Geringschätzung des Behagens, eine Verachtung kleiner persönlicher Vorteile. Aber diese öffentliche Schule hat doch der Hofmeistererziehung des 18. Jahrhunderts ein Ende gemacht, die, wie groß auch ihre Mängel waren, inmitten der Welt und mit heiterer Kenntnis derWelt, ihrer Lagen und Bedingungen stattfand. Ein grauer Ernst lag seitdem in den Klassen und Gängen, vor dem es nur ein Ausbrechen, bitteren Haß, innere Auflehnung oder dumpfes Sichfügen gab. Die Klosterschule, nicht die Pagenerziehung der Ritterzeit war das Vorbild. Der sittliche Imperativ war durchaus geistlicher, nicht kriegerischer Herkunft.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 227-228Spengler).

„Und dieser Klassizismus war doch nur ein feiner, blutarmer, bürgerlicher Nachklang der Renaissance, der sich mehr und mehr in pedantischem Ästhetisieren und frostigem Formalismus verlor. Die Welt des Schulmeisters, dieses begeisterten Feldwebels der Grammatik, war die Welt überhaupt. Was draußen vor sich ging, zog den Schüler nur von Horaz und Livius ab. .... Nur zeitlose antike Fragen waren würdig lateinisch behandelt zu werden. Auch bei Cäsar war sein Gebrauch des Akkusativs cum infinitivo wichtiger als die Eroberung Galliens selbst. Kein Zeitereignis leuchtete herein, kein Zeitgedanke, kein großer Zeitgenosse. Nicht Abraham Lincoln, sondern Jugurtha, nicht der Panamakanal, sondern die Via Appia wurden genannt. Alle Bücher waren von Schulmeistern geschrieben, des Lernens wegen. Aus dem Gymnasium stammt die politische Weltfremdheit des 19. Jahrhunderts, die über Plutarch den amerikanischen Bürgerkrieg vergaß und römische Waffen besser kannte als die japanischen Weltmachtziele. Erzogen wurden wir für alles mögliche, für Theologie, Philologie und Philosophie, nur nicht für die Gefahren der Weltlage, die rings um uns her auf der Lauer lagen, denn von ihnen wußte der Lehrer selbst nichts. Und darüber ging der Schule zuletzt der Begriff von dem verloren, was Erziehung sein sollte und was man überall gwußt hat, wo es eine echte Erziehung großen Stils gab: in altrömischen Senatorenfamilien, in höfischen Kreisen der Ritterzeit, im 18. Jahrhundert, in England zu Eton und in Oxford und heute noch in manchen Kreisen Deutschlands, die durch Rang und Beruf der großen Wirklichkeit nahestehen: das Lernen an den Tatsachen und nach dem lebendigen Vorbild, Bildung und Zucht, Kenntnisse und Takt, wissenschaftliche und gesellschaftliche Erfahrung. Die Art sich zu halten, sich öffentlich zu bewegen, zu urteilen, sich auszudrücken - das ist nicht Nebansache.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 228-229Spengler).

„Geschichtsunterricht, oder die politische Erziehung des Volkes durch die Schule: wer hätte früher begriffen, daß beides dasselbe ist?“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 235Spengler).

„Zum Schluß hätte ich den Wunsch nach einem deutschen Eton, nach einigen Schulen edelster Zucht von hervorragend begabten Menschen. Warum sollten nicht aus Schulpforta, dem Tübinger Stift, dem Johanneum in Hamburg, den Franckeschen Stiftungen in Halle, dem Kloster Ettal solche Schulen geschaffen werden können, mit großen Anlagen für jede denkbare Art von Studium: ein Aufenthalt in Stille und Freiheit, mit viel Sport und mit Besuchen berühmter Männer, die sich gern einige Tage dort aufhalten, um die heranwachsende Jugend auf mögliche Aufgaben hin zu prüfen, und die aus hoher Erfahrung heraus mit ihr über das sprechen, was die Welt eines Tages von ihnen fordern wird?“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 238-239Spengler).

NACH OBEN „Das Recht als Ergebnis von Pflichten“ (S. 239-249):

„Der römische Prätor studierte kein griechisches oder ägyptisches Recht. Er verstand sich als Beamter, Heerführer und Finanzmann auf alle Verhältnisse der ihn umgebenden römischen Welt. Darin liegt für uns das Vorbildliche nicht des römischen Rechtes selbst, sondern seiner Entstehung.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 239Spengler).

„Jedes gewachsene Recht ist das Ergebnis von Pflichten. So war es immer und überall, und darauf beruht die tiefe sittliche Kraft echter Rechtsbegriffe, in deren geheimer Metaphysik der Lebenstakt einer Rasse schlägt.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 241Spengler).

„Jedes Recht entspricht einer Pflicht. Eine Pflicht - gegen den Einzelnen, die Familie, den Verband, die Nation - ist ein Recht, insofern man es nicht empfängt, sondern gibt. Das Tun des Rechten gibt Anspruch auf die Pflichterfüllung des andern. Das Tun des Unrechts hebt diesen Anspruch auf. Das Wesen der Strafe beruht also darauf, daß jeder Pflichtverletzung ein Verkürzung der Rechte folgt, und zwar an Ehre, Freiheit und Eigentum. Deshalb sollten bürgerliches und Strafrecht gleichartig gebaut sein.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 244Spengler).

NACH OBEN „Die deutsche Währung“ (S. 250-263):

„Man muß sich hier das Verhältnis von Währung und »Geld« klarnmachen. »Geld« ist ein reines Wertquantum, das man sich vorstellt, indem man bei einem Geschäft von der stofflichen Art der Ware und des zahlungsmittels absieht. es wird also durch eine einfache Ziffer ausgedrückt, und Mark ist wie Meter nur der Maßstab, nach welchem die Ziffer ermittelt wird. Wenn heute ein Geschäftsmann eine gebrauchte Maschine gegen Rohstoffe tauscht, zieht er im Geiste von den Gegenständen den abstrakten Wert ab, den er in Mark mißt und vergleicht. Diese Gewohnheit, »in Geld zu denken«, fordert es durchaus nicht, daß im Warenverkehr ein Zahlungsmittel existiert, das den gemessenen Wert als Sachwert enthält. Die Metallgewichte, die wir Münzen nennen, sind in wachsendem Grade durch Urkunden (Banknoten) und diese durch Überschreibungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr ersetzt worden, also völlig entbehrlich. Das Vertrauen, das diesen schriftlichen Verkehr der Werte möglich macht, beruht allein darauf, daß das Wertmaß eine feste Größe ist, und das wird immer wieder dadurch in Frage gestellt, daß die Herstellung von Zahlungsmitteln nicht des Bedarfs wegen erfolgt, sondern eine Einnahmequelle bildet. Im alten Ägypten gab es trotz des hochentwickelten Kreditverkehrs überhaupt kein Zahlungsmittel, sondern nur feststehende Maßangaben bei schriftlicher Verrechnung, so daß der Begriff einer Währungskrise undenkbar ist. Für uns aber ist der Zusammenhang zwischen Währung und Politik folgenreicher als der zwischen Währung und Wirtschaft. Zwischen Käufer und Verkäufer tritt das Zahlungsmittel als Übergangs- und Normalware besonderer Art, deren Herstellung überall ein Vorrecht der Regierungen ist und deren Menge sich also nach dem Geldbedarf des Staates richtet. Wird dieser übermäßig, so redet man von Inflation. Ihre ursprüngliche Form ist die Münzverschlechterung, die von geldbedürftigen Staaten manchmal so weit getrieben wurde, daß Silbermünzen kaum noch Spuren von Silber enthielten. Das war also die Verschlechterung und Fälschung einer Ware, die der Hersteller den Käufer als vollwertig anzunehmen zwang. Hierin tritt nun mit dem letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts eine große Wendung ein, und zwar im Zusammenhang mit der rasch um sich greifenden Ablösung beweglicher Vermögen von den produktiven Werten, nämlich vermittelst der Aktie. So wie sich die Eigenschaft des Besitzes von der Fabrik in Gestalt einer papiernen Urkunde trennt, so trennt sich mit der Banknote die Eigenschaft eines bestimmten Wertes von der dafür hinterlegten Münze, und beide, Aktie wie Banknote, können nun von Hand zu Hand wandern, ohne daß der flüchtige Besitzer das Vorhandensein einer Deckung nachzuprüfen vermag. Damit wird das Zahlungsmittel aus einer Ware zum Wechsel, der auf einen irgendwo tatsächlich oder angeblich vorhandenen Schatz ausgestellt ist. Aber im Fall des Papiergeldes ist die Ausstellung des Wechsels durch den Staat eine stets offene Einnahmequelle, die Einlösung auf unbestimmte Zeit vertagt und der Aussteller sein eigener Richter in bezug auf Treu und Glauben. Da diese Wechsel in unbegrenzter Masse hergestellt werden können - in ganz anderem Umfang als minderwertige Münzen - und da das Wertmaß zugleich an ihnen haftet und durch sie dargestellt wird, so gerät die Währung in die Schwankungen des Wechselkurses, wofür die Assignaten das erste berüchtigte Beispiel gaben. Die Währungspolitik kreditunfähiger Staaten bestand also im Grunde darin, den Wechselkurs gewaltsam zu halten, ohne die Ursache seines Verfalls zu beseitigen, die zunächst in der übermäßigen Herstellung der Scheine bestand, aber nicht in ihr allein. Da der erste Umstand von der heute herrschenden materialistischen Auffassung des Problems überschätzt wird, so muß die seit Adam Smith als Allheilmittel empfohlene »Goldwährung« auf ihre eigentliche Bedeutung hin untersucht werden. Eine Goldwährung in dem Sinne, wie er heute allge- mein vorausgesetzt wird, gibt es überhaupt nicht. Der Umlauf von Banknoten soll durch eine Goldreserve gedeckt sein - aber das Wort Deckung hat einen doppelten Sinn. Heute versteht man darunter die sachliche Sicherheit. Aber entweder ist ein Land in der Lage, sein Papiergeld überhaupt durch irgend etwas zu decken, dann kann an die Stelle von Gold auch ein Bestand von Warenwechseln, eine Hypothek oder endlich die bloße Bürgschaftserklärung der Regierung treten. Genügt das aber nicht, so wird auch eine Goldreserve an sich nicht imstande sein, den Notenkurs zu sichern. Wäre es auf die Sachdeckung allein angekommen, so waren die Assignaten der französischen und die Papiermark der deutschen Revolution die beiden bestgedeckten Papiere der Welt. Aber vor dem Kriege gelang es der russischen Regierung nicht, den Papierrubel auf dem Goldkurs zu halten, trotz einer der größten Goldreserven der Welt, und umgekehrt wird niemand bezweifeln, daß die Pfundnote nicht um einen Penny gesunken wäre, wenn die englische Regierung durch ein Gesetz die viel kleinere Goldreserve aufgegeben und durch eine Bürgschaft ersetzt hätte. Hier entscheidet die moralische Deckung über das Vertrauen, welches der Sachdeckung entgegengebracht wird, und macht diese damit eigentlich überflüssig. Kein Land ist so arm, daß es seinen Papiergeldumlauf nicht durch die Bereitstellung seines Volksvermögens sichern könnte, aber es fragt sich, ob die Regierung dazu entschlossen ist, um jeden Preis, um der Ehre willen, oder ob sie dazu neigt, die Sachdeckung anzugreifen - woran sie niemand hindern kann, da sie keinen Richter über sich hat -, entweder um die Folgen einer elenden Finanzwirtschaft zu verdecken oder um politische Ziele zu verfolgen oder aus Mangel an Mut zu unpopulären Maßregern. Die moralische Deckung für die Assignaten trugen die Jakobiner und das Direktorium, die für die Papiermark die Sozialisten und der mit ihnen verbundene Parteiklüngel. Der Kurs beider Papiere enthält das öffentliche Urteil darüber, was diese Deckung wert war. In Deutschland haben diese Kreise mit Einführung der Rentenmark als Privatwährung darauf verzichtet, den eignen moralischen Kredit weiterhin einer Probe auszusetzen. In Frankreich wagten sie es, bis zu ihrem Sturz durch Napoleon.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 254-257Spengler).

NACH OBEN „Gegen den Steuerbolschewismus“ (S. 263-279):

„Grade die Lehre von Marx hat, weil sie vom geheimen Neid ausgeht und deshalb nur die Oberfläche der Dinge sieht, das anerkannte Bild der Wirtschaft für ein volle Jahrhundert falsch gezeichnet.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 269Spengler).

„Entscheidend ist vielmehr die rasch zunehmende Ablösung des Besitzes als einer Eigenschaft von den besessenen Dingen, und zwar durch Zwischenschaltung einer Werturkunde, der Anleihe, des Anteils, der Aktie. Das Einzelvermögen wird beweglich, unsichtbar und ungreifbar. Es besteht nicht mehr in sichtbaren Dingen, sondern ist in ihnen nur angelegt und kann in jedem Augenblick den Ort und die Art der Anlage wechseln. Aus dem Besitzer des Werkes ist gleichzeitig der Inhaber von Aktien geworden. Die Inhaber haben jeden sachlichen Zusammenhang mit den Werken eingebüßt. Sie verstehen weder etwas von dessen Leistungen und Aufgaben noch kümmern sie sich darum. Sie achten nur auf den Überschuß. Sie können rasch wechseln, viele oder wenige sein und sich an beliebigen Orten befinden; die Anteile können sich in einigen Händen sammeln, sich zerstreuen oder ins Ausland gehen. Niemand weiß, wem ein Werk wirklich gehört. Kein Besitzer kennt die Dinge, die er besitzt. Er kennt nur den Geldwert diese Besitzes nach dem Börsenkurs. Man weiß nicht einmal, wie viel von den Dingen, die innerhalb der Grenzen eines Landes liegen, den Bewohnern des Landes gehören. Denn seit es einen elektrischen Nachrichtendienst gibt, der es gestattet, auch von der Aktie noch die Besitzeigenschaft durch mündliche Verfügung abzustreifen und in fremde Erdteile zu verlegen, kann der Inlandsanteil an den im Inland liegenden Werken in einer Börsenstunde um ungeheure Beträge steigen oder fallen, je nachdem das Ausland Aktienpakete abstößt oder aufkauft, vielleicht nur einen Tag. Heute ist in allen wirtschaftlich hochstehenden Ländern bereits mehr als die Hälfte des Besitzes beweglich geworden und dessen wechselnde Inhaber sind über die ganze Erde verstreut und haben jedes Interesse an der geleisteten Arbeit außer dem finanziellen verloren. (Drama). Auch der Unternehmer ist mehr und mehr zum Angestellten und Objekt dieser kreise geworden.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 269-270Spengler).

„Das ist die große Wendung von 1800, die eine tiefe Grenze zwischen zwei Zeitaltern der Wirtschaft zieht und alle Ideologien der Zeit Rousseaus rasch veralten ließ: nicht nur den Liberalismus, sondern auch den Sozialismus von Marx, der im Grunde mit den Augen eines Liberalen von 1789, der keinen Erfolg gehabt hat, auf den Zustand von 1848 sieht und nur das sieht, was ihn ärgert, und warum es ihn ärgert. Der Unternehmer ist gerade und deshalb das Ziel des ganzen Unwillens, weil seine Leistung ihn, der oft genug als Arbeiter angefangen hat, über die andern hinaushebt; deshalb wir über diese Leistung geschwiegen, von deren Höhe das Dasein der Stadtbevölkerung abhängt, und nur der sichtbare Ausdruck des Erfolges an die Wand gemalt.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 271Spengler).

NACH OBEN „Arbeit und Eigentum“ (S. 279-286):

„In der gegenwärtigen Wirtschaftswelt ist die Industrie das wichtigste Element. Seitdem sie durch die Verwendung von Naturkräften zur leistung von Arbeit die Arbeitskraft des Menschen ins Unbegrenzte gesteigert hatte, vermochte sie eine stärkere Bevölkerung in den betreffenden Gebieten zu erhalten, als es der Landwirtschaft und dem Handwerk bis dahin möglich war. Da aber die Industrie bei wachsender Ausdehnung zur Bedienung ihrer Menschen immer mehr menschliche Arbeitskräfte brauchte, so entwickelte sich ein Kreislauf, in welchem zuletzt jedes Menschenleben kostbar wurde und die Entwicklung der modernen Hygiene nach sich zog, weil die Wirtschaft auf kein einziges verzichten konnte, und gleichzeitig die Maschine kostbar wurde, weil sie für den Unterhalt dieser Menschenmasse nicht mehr zu entbehren war. Das hat zu der ungeheuren Bevölkerungszunahme der letzten 60 Jahre geführt. Sie ist ein Produkt der Maschine und macht die Menschen von dieser abhängig. Daher die Angst in den großen Industrieländern um die Sicherung von Rohstoffzufuhr und Absatzgebieten für ihre Betriebe. Es handelt sich um Leben und Tod ganzer Bevölkerungen. Daher auch das Gefühl des Industriearbeiters, die ausschlaggebende Macht zu sein. In der Tat hängt seine ganze Existenz von der Lebensfähigkeit seiner Industrie ab, und von ihm wieder die Existenz aller Menschen, die über die Bevölkerungsziffer von 1800 hinaus in Westeuropa und Nordamerika vorhanden sind. Die Industrie ist heute wichtiger als die Landwirtschaft. Versagt diese, so besteht wenigstens die Möglichkeit, daß der Rest sich mit dem Ertrag seiner Arbeit durch Zufuhr erhält. Versagt jene, so ist der Bevölkerungsüberschuß verloren. Es war ein Unglück, daß die Industriearbeiterschaft, und zwar sicherlich nicht durch ihre Schuld, einer politischen Bewegung erlag, deren überzeugende Schlagworte ihre Weltanschauung heute noch völlig bestimmen. Sie lernte sich selbst nicht als Glied, sondern als Ziel und Krönung der Wirtschaftsgeschichte sehen und damit alle treibenden Kräfte falsch einschätzen. Wenn es richtig ist, daß gegenwärtig die Industrie den Ausschlag gibt - und darin hat Marx ohne Zweifel recht -, so doch der Maschine selbst und nicht des Arbeiters wegen. Außer ihm ist noch der Techniker da, der die Industrie als geistige Größe geschaffen hat, indem er Kenntnisse von der Natur in Macht über die Natur verwandelte und die Wissenschaft zwang, ihre Ansichten von vornherein als Arbeitshypothesen zu konstruieren, so daß jedes neue Gesetz sogleich ein Hebel im Bilde der Außenwelt war. Dann kam der Unternehmer, um aus dem technischen Verfahren ein wirtschaftliches Lebewesen zu schaffen. Der Arbeiter fand ihn vor, wurde von ihm angesetzt und lebte von ihm. Es ist richtig: er kann »alle Räder still stehen lassen«, aber er kann sie nicht allein in Gang halten. Er ist auch nicht der einzige, der arbeitet, wie es der Marxismus in alle Arbeiterköpfe hineingehämmert hat. Im Gegenteil, Techniker und Unternehmer arbeiten mehr als er, intensiver, verantwortlicher, weiterhin wirkend. Es gibt Führerarbeit und ausführende Arbeit. Beides zusammen erst ist Industrie. Sie können nicht getrennt werden, denn jede hört ohne die zweite auf. Ihnen gegenüber steht als etwas ganz anderes die Gewinnarbeit der Spekulation, die nichts erzeugt, sondern die Erzeugung voraussetzt, um von ihr zu zehren. Die Industrie hat in ihrer Frühzeit an einer starken Entpersönlichung der Arbeiter gelitten. Im 18. Jahrhundert lichtete sich ganz plötzlich der wissenschaftliche Horizont und die Technik lag in großen Umrissen da. Was damals gearbeitet wurde, war iin Vergleich zu heute außerordentlich roh, einfach, g!eichförmig und mechanisch. Heute stehen die großen Linien fest und die Arbeit richtet sich auf die Verfeinerung und Vertiefung der Einzelgebiete. Statt der Dampfmaschine überhaupt handelt es sich um äußerst komplizierte Spezialmaschinen, statt der bloßen Verbrennung um die Aufschließung und Auswertung der Kohle. Jede moderne Industrie wird von durchgeistigten Methoden beherrscht, die sich in eine große Menge von Einzelaufgaben auflösen, deren jede ein hohes Maß von Intelligenz, Schulung und persönlicher Fähigkeit voraussetzt. Der demokratische Zug, welcher im 18. Jahrhundert die Zünfte und Gewerbe auflöste und undifferenzierte Massen in die Fabriken trieb, verwandelt sich heute langsam in einen aristokratischen, der aus der Masse von Arbeitenden eine Schicht von Kennern und überlegenen Köpfen heraushebt, welche die an die höchsten Gebiete der wissenschaftlichen Technik streifenden Fachaufgaben bewältigen. Dieser aristokratische Zug geht gleichmäßig durch Politik und Wirtschaft, mit Notwendigkeit, da beide nur Seiten des gleichen Lebens sind, und führt dort zur Auflösung parlamentarischer Zustände, hier zur Ausbildung einer Schicht von gehobenen Arbeitern, die allerdings allem widerspricht, was die marxistische Theorie als Ergebnis der Entwicklung vorausgesagt hatte und was sie für die Partei gebrauchen kann. Nirgends ist der Kampf gegen diese allgemeine Entwicklung so erbittert wie hier, denn der Sozialismus als politische Tatsache, als Parteiprogramm, steht auf dem Spiele. Es gehörte zu den unermüdlich verfolgten Zielen Bebels und ist das größte Verbrechen, das an der deutschen Arbeiterschaft begangen worden ist, daß man ihr den Ehrgeiz persönlicher Leistungen nahm und den Aufstieg innerhalb der Wirtschaft als Verrat an der Arbeitersache brandmarkte. Es wurde davon geschwiegen, daß die Hälfte der großen Industrieschöpfer Arbeiter gewesen waren. Es wurde nur eine Art des Aufstiegs geduldet und als Ziel des Ehrgeizes an den Horizont gezeichnet: die Laufbahn als Sekretär und Abgeordneter innerhalb der Partei. Der Begabte mußte der Arbeit den Rücken kehren, wenn er die Achtung der Arbeiterschaft erwerben wollte. Sie sollte eine abgeschlossene Kaste sein, in der alle Werturteile umgekehrt waren als draußen. An dem Aufblühen der Industrie, an neuen Erfindungen, Methoden, Organisationsmöglichkeiten, an der Erschli,eßung neuer Rohstoff- oder Absatzgebiete hatte man, mit Betonung, kein . Interesse, um sich in demselben Atemzuge mit der Industrie für gleichbedeutend zu erklären. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben heutiger Volkserziehung, Erziehung des Volkes zur Zukunft, diese Zentnerlast zynischer Begriffe von den Tatsachen und den Menschen zu nehmen. Die Arbeiterschaft muß frei werden von dem seelischen Druck im Interesse einer Partei, die nur in gedrückten Menschen ein brauchbares Material erblickt. Die Technik gibt dem heutigen Arbeiter wachsende Möglichkeiten zur Entfaltung der freien Persönlichkeit, zur Eroberung eines ganz gewaltigen Einflusses auf die Anlage und Entwicklung fabrikmäßiger Verfahren, zur Heranbildung eines Nachwuchses von Führern aus ihrer eigenen Mitte. Der Ehrgeiz nach solchen Zielen müßte in die Arbeiterschaft gepflanzt werden, das Bewußtsein einer realen Macht, die ausschließlich in Intelligenz und Qualitätsleistungen liegt. Führerleistungen, und nur sie, machen einen Menschen unersetzlich und unentbehrlich. Und deshalb muß im öffentlichen Bewußtsein die infame Methode geächtet werden, für welche die Partei und das Parteiprogramm zugunsten der Ziele einer bezahlten Führerschaft das Interesse der Arbeiter selbst opfern: das Lohnsystem, welches die höhere Leistung straft, den Fleiß verdächtigt, die Qualität zum Verrat, das Lernen zur Lächerlichkeit stempelt, indem es an der mechanischen Gleichförmigkeit von 1800 festhält und vor den Tatsachen der Differenzierung von 1900 die Augen schließt, und zwar wider besseres Wissen.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 279-283Spengler).

„Mag die Arbeit auch eine Ware sein, wie sie der Materialismus von 1850 auffaßte, sie ist noch etwas anderes, nämlich eine persönliche Leistung. Der Unternehmer arbeitet als Führer auch, aber er leistet Arbeit von höherer Qualität, ohne die er sich nicht halten würde, und der begabte, fleißige und ehrgeizige Arbeiter sollte mit dem Gefühl auf ihn blicken, daß eigenes Können den Weg zu gleicher Führerarbeit eröffnet und tausendmal eröffnet hat. Dieser Ausblick sollte den jungen Arbeiter beherrschen - es liegt eine Weltanschauung darin - und ebenso der Gedanke, daß die Führung der Arbeiterschaft den Arbeitern gehört, den starken, klugen, überlegenen, und zwar innerhalb der arbeitenden Wirtschaft selbst, und nicht dem Schwarm bezahlter Parteibeamten unter Führung ehemaliger Journalisten und Advokaten, welche von der Arbeit der Arbeiter leben und durch Pflege gereizter Stimmungen die Unentbehrlichkeit ihrer Posten sichern müssen. Aber auf der andern Seite sollte über der Lebensaufgabe des Unternehmers der Satz stehen: Eigentum verpflichtet. Eigentum, das Wort mit dem ganzen sittlichen Ernst germanischen Lebens aufgefaßt, enthält in sich auch eine Art von Sozialismus, einen preußischen, nicht englischen Imperativ: Verfahre mit deinem Eigentum so, als ob es dir vom Volke anvertraut sei. Betrachte es als einen Inbegriff von Machtbeziehungen, die Arbeit und Glück schaffen können, nach allen Richtungen hin, wenn sie richtig verwendet werden. Wenn man das Schlagwort des vorigen Jahrhunderts gebrauchen will, so gibt es zwei Arten von Kapitalisten: den Unternehmer und den Spekulanten. Dieser hat ein Kapital, jener hat ein Werk. Der erste erzeugt, der zweite beutet das Erzeugte aus. Dem einen dient das Geld als Betriebsmittel, dem andern als Gegenstand eines Spiels. Als Marx lebte, war die Börse bereits eine Macht, aber sie lag seinem eigenen Instinkt so nahe, daß er nur die andern als Gegner empfand. Expropriation der Expropriateure - das bedeutet, wie die russische Enteignung bewiesen hat, Unterwerfung des Industrieführers, des »Vorarbeiters« vom ersten Range, unter die Spekulation und, was nicht nur Rußland ebenfalls beweist: der Typus des berufsmäßigen Arbeiterführers, der mit Taktik spekuliert, ist der der Hochfinanz stets nahe verwandt. Eigentum verpflichtet - und die Verletzung dieser Pflicht sollte allerdings eine entsprechende Verkürzung der Rechte herbeiführen. Die Gesetze, welche den Mißbrauch des Eigentums verhindern, können nicht streng genug sein. Darin sollte vor allem auch eine Aufgabe der Aktiengesetzgebung liegen, welche die Ausbeutung unbeweglicher Werke und Güter durch die Spekulation nach Möglichkeit in Grenzen hält, indem sie die Wertverschreibungen jeder Art in Formen bringt, die eine beständige Kontrolle gestatten. Im Unternehmertum selbst liegt aber eine andere Gefahr, die beinahe niemand beachtet und die nicht bedenklich genug angesehen werden kann: In der Frühzeit der Werke, die jedes für sich standen, wurden die großen Talente früh sichtbar, früh, freigemacht und früh an die verantwortlichen Posten gestellt. So sind Siemens, Krupp, Borsig und hundert andere aufgestiegen. Seitdem hat die zunehmende Vertrustung ganzer Wirtschaftsgebiete dahin geführt, die Verwaltung bürokratisch zu gestalten, so daß die Begabungen in ihr vorzeitig förmlich werden und jedenfalls schwer zu entdecken und zu erziehen sind. Die größte Gefahr der Konzernbildung ist die Vernichtung eines ebenbürtigen Nachwuchses, und dazu kommt die tief im deutschen Wesen liegende, auch für das Werk Bismarcks verhängnisvoll gewordene Grundneigung, für sich allein stehen zu wollen, alles selbst zu tun, keinen vertrauten Mitarbeiter, Stellvertreter oder Nachfolger heranzubilden, so daß die Nachteile jeder Zwangswirtschaft und Sozialisierung, die Verkümmerung der Führerschicht, sich hier aus ganz andern Ursachen ebenfalls bemerkbar machen. Die Freiheit der Wirtschaft hat die ungeheuren Erfolge herbeigeführt, denen wir Deutschlands Aufschwung und Reichtum vor dem Kriege verdanken. Die persönliche Auswirkung persönlicher Fähigkeiten ist es, mit welcher Industrie, Schiffahrt, Handel und jeder andere Wirtschaftszweig steigen oder sinken. Und diese Freiheit wird von den Konzernen ebenso gefährdet wie durch den staatlichen Zwang. Sie nehmen beide den schöpferischen Persönlichkeiten den freien Willen, um ihn durch ein Schema zu ersetzen. Sie hemmen beide den Aufstieg der Tüchtigen, weil das Arbeiten mit der Mittelmäßigkeit bequemer ist. Zum Schlusse noch eins, das in der Regel unterschätzt wird : Jedes große Unternehmen der Wirtschaft ist politischer Natur. Es mag ausführen, was es will: Von einer gewissen Größe an hat alles auch eine politische Seite, und wenn jemand in solcher Stellung das politische Tun und Nachdenken unterläßt, so ist das ebenfalls eine Haltung von politischen Folgen. Die Gefahr wirtschaftlicher Fachbegabungen liegt aber viel weniger in einer Unterschätzung der Politik, als in deren Verwechslung mit rein wirtschaftlichen Aufgaben. Wirtschaftspolitik kann eine wesentliche Seite der großen Politik sein und ist es immer gewesen, aber es ist kein Ersatz für sie. Wer daran glaubt, endet mit einem notwendigen Mißerfolg. Das wirtschaftliche Leben der heutigen Menschen vollzieht sich in großen Körpern, welche durch die politischen Grenzen gebildet werden. Es ist also richtig zu sagen, daß das Dasein der Staaten eine wirtschaftliche Seite hat, um so richtiger, als die politische Seite immer entscheidend bleibt und ein Irrtum darüber sich stets und bitter gerächt hat. So scheint es mir endlich, daß dies die großen Ziele der deutschen Wirtschaft sein sollten: Züchtung einer führenden Arbeiterschicht mit Eignung für die höchsten Aufgaben der Werke selbst; Pflege des Ehrgeizes in dieser Richtung; Erziehung eines Nachwuchses durch freie Gestaltung der Struktur der Werke; Auffassung des Eigentums an produktiven Gütern als einer Verpflichtung gegen die Nation, und Auffassung dieser Pflicht als einer solchen auch für die hohe Politik.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 283-286Spengler).

NACH OBEN „Zur Weltlage“ (S. 286-296):

„Die Tugend besiegter Völker ist die Geduld, nicht die Resignation.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 286Spengler).

„Rußland hat mit der symbolischen Verlegung seiner Hauptstadt von Petersburg nach Moskau den Schritt zurückgenommen, den Peter der Große getan hatte: sich als europäische Macht zu konstituieren .... Heute gilt das Umgekehrte. Der Bolschewismus in ursprünglicher Form war zwar selbst westeuropäischer Herkunft und Struktur und konnte sich deshalb darüber nicht ganz klar sein.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 293-294Spengler).

„In der Bauernschaft der russischen und asiatischen Erde, von der Weichsel bis an die Grenzen Indiens und Chinas, über die alle großen Kulturen bis jetzt wie Schatten fortgeglitten sind, regt sich die religiöse Inbrunst, halb christlich-orthodox, halb bolschewistisch verkleidet, ihres eigentlichen Wesens noch kaum bewußt, und aus ihr kann eines Tages die große Erscheinung hervorgehen, die in ein einem ungeheuren Ansturm das Bild Asiens und damit die diplomatischen Ziele und Hoffnungen der Welt von Grund aus verändert. Vielleicht wird eines Tages die heilige Revolution ebenso blutig losbrechen wie einst die rote. Das Beispiel des Barons von Ungern-Sternberg (1806-1868) zeigt, mit wie geringen Mitteln Asien in einer Form mobil zu machen ist, gegen die es keinen Widerstand gibt. Und ist es angesichts der tiefen Erregung im Islam anders?  Liegt die Erscheinung eines echten Khalifen, der nicht um seine Anerkennung zu streiten braucht, weil plötzlich niemand seine Berufung anzweifelt, außerhalb aller Möglichkeit?“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 294Spengler).

„Kein Parlament, keine Partei, kein Heer hat heute an und für sich die Entscheidungen in der Hand. Sie liegen überall und ausschließlich im Dasein oder Nichtsein einzelner Männer, ihren persönlichen Entschlüssen, Ideen und Zielen. Eine Grenze, wie sie noch zur Zeit Bismarcks auch der Stärkste an den bestehenden Verhältnissen fand, gibt es nicht mehr.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 295-296Spengler).

 

NACH OBEN Anmerkungen:

 

Heute hat diese Entwicklung bereits wahnwitzige Dimensionen angenommen: „Wir haben eine Hinwendung zu einer Form der Wirtschaftsbeherrschung, der Beherrschung der Politik durch die Wirtschaft, die meiner Ansicht nach erschreckend ist“, sagte Peter Scholl-Latour im März 2004 gegenüber dem TV-Sender Phoenix und erläuterte: „Die Wirtschaftsmanager - ich meine natürlich nicht alle - sind Leute, die ihre Riesensummen kassieren, ihr Unternehmen durch Riesenfusionen kaputtmachen, ihre Riesensummen kassieren und dann ihre Angestellten in die Arbeitslosigkeit entlassen. Das ist wirklich ein Skandal! - .... - Der Shareholder ist wichtiger als der Bürger.“ Das hatte Spengler uns schon 1917 prophezeit !

Polybios (um 200 - um 120 Polybios) unterschied 3 Gattungen der Geschichtsschreibung. Die von ihm gepflegte Gattung nannte er pragmatikh istoria, die Tatsachen-Geschichte für ernste Leser, die lesen, um zu lernen. Wichtig waren ihm 3 Teile bzw. Forderungen, die der pragmatische Historiker zu erfüllen hat: Studium der Quellen, der Schauplätze der Geschichte und politisch-militärische Erfahrung. Timaios und andere Schreibtischhistoriker wurden von Polybios abgekanzelt. Neben den in den Zielsetzungen der führenden Männer liegenden aitai (Ursache, Grund) des historischen Geschehens gibt es noch eine andere gewaltige verursachende Macht, das Unberechenbare, das Irrationale, von Polybios gelegentlich mit Ausdrücken um automaton umschrieben, meist aber Tyche (Schicksal, Zufall) genannt. Außer den politisch-militärischen Betrachtungen streute der leidgeprüfte, philosophisch veranlagte Historiker auch häufig allgemein-moralische Reflexionen in sein Werk ein, darunter manche sehr feine Bemerkung. Polybios wurde nicht nur bedeutend als der Historiker, der eine Fülle geschichtlichen Stoffes übermittelte, sondern auch und vielleicht noch mehr als Geschichtsphilosoph. Er vertrat die Vorstellung von einem Kreislauf der Verfassungen und betrachtete die römische Mischverfassung als die beste. Polybios hatte stärkste Wirkung auf die gesamte spätere Geschichtsschreibung - griechische und römische. Besonders stark beeinflußte er Poseidonios (um 135 - 51 ), der zum einflußreichsten Denker der mittleren Stoa wurde (Stoa), und Strabon (um 63 v. Chr. - um 19 n. Chr. Strabon) sowie Titus Livius (59 v. Chr. - 19 n. Chr. Livius). Polybios' Hauptwerk Historien (40 Bücher zur [römischen] „Weltgeschichte“ von 264 bis 144) wurde von Poseidonios und von Strabon fortgesetzt. Auch Oswald Spengler (1880-1936 Oswald Spengler) war von Polybios beeindruckt.

Ferdinand von Schill (1776-1809), preußischer Offizier, der sich in den Koalitionskriegen vor allem bei der Verteidigung von Kolberg (1807) auszeichnete. 1809 versuchte er vergeblich mit seinem Husarenregiment eine allgemeine Erhebung gegen Napoleon I. auszulösen und fiel in Stralsund im Straßenkampf; 11 Offiziere seines Korps wurden in Wesel standrechtlich erschossen, mehr als 500 Soldaten auf französische Galeeren geschickt.

„Und, nebenbei gesagt, wie klein, flach, beschränkt und unwürdig steht neben dem englischen Satz: »Right or wrong, my country!« der deutsche: »Juden hinaus!«, eine bloße Negation unter völliger Verkennung der Tatsache, daß die gefährlichsten antideutschen Züge, der Hang zu internationaler und pazifistischer Schwärmerei, der Haß gegen Autorität und Machterfolge tief gerade im   d e u t s c h e n   Wesen begründet sind. Angehörige der eigenen Rasse sind immer gefährlicher als die einer fremden, die schon als Minderheit die Anpassung vorziehen muß, wenn man sie ernsthaft vor die Wahl stellt. Der englische Instinkt tut das - und mit großem Erfolge: jeder Fremde wird als Engländer anerkannt, wenn er und so lange er sich für die Größe Englands mit seinen Talenten, Mitteln und Beziehungen einsetzt.“ (Oswald Spengler, Neubau des Deutschen Reiches, 1924, in: Politische Schriften, S. 203Spengler).

„Ich verstehe unter »Farbigen« auch die Bewohner Rußlands und eines Teils von Süd- und Südosteuropa.“ (Oswald Spengler, Der Mensch und die Technik - Beitrag zu einer Philosophie des Lebens, 1931, S. 85Spengler).

„Abgesehen davon, daß in einem südlichen Lande mit halbtropischem Lebensstil und entsprechender »Rasse«, und außerdem mit schwacher Industrie, also unentwickeltem Proletariat, die nordische Schärfe des Gegensatzes nicht vorhanden ist. In England etwa hätte diese Art von Faschismus nicht entstehen und sich nicht behaupten können.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 134Spengler).

Vgl. Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 77ff. und ders., Politische Schriften (Preußentum und Sozialismus), 1919, S. 75ff..Spengler

Vgl. Oswald Spengler, Politische Schriften (Politische Pflichten der deutschen Jugend), 1924, S. 139ff. und ders., Politische Schriften (Neubau des Deutschen Reiches), 1924, S. 269.Spengler

Vgl. Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 566.Spengler

„Das altgermanische Wort eigan bedeutet herrschen: nicht nur etwas »haben«, sondern unumschränkt darüber verfügen.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 138Spengler).

„Von dem ererbten Bauernhof, der Werkstatt, der Firma mit alten Namen bis zur Erbmonarchie. Die Republik ist seit 1789 eine Form der Opposition gegen den Erbgedanken, nicht anderes.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 140Spengler).

„Das Urteil Jugurthas über Rom.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 147Spengler).

„Die Libyer und »Seevölker« durch die Ägypter des Neuen Reiches, die Germanen durch Rom, die Türken durch die Araber, die Neger durch Frankreich.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 147Spengler).

Vgl. Eduard Meyer (1855-1930 Eduard Meyer), Blüte und Niedergang des Helleninsmus in Asien (1925), Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 148.Spengler

Vgl. Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 680ff..Spengler

„Ich wiederhole: Rasse, die man hat, nicht eine Rasse, zu der man gehört. Das eine ist Ethos, das andere - Zoologie.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 161 Spengler).

NACH OBEN Quos Jupiter vult perdere dementat: „Wen Jupiter verderben will, dem raubt er den Verstand“.

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