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JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co.  http://www.Junge Freiheit.de/      8. Juni 2010

 


Der sogenannte Feminismus
(von Fabian Schmidt-Ahmad)

Eine der seltsamsten Erscheinungen der Gegenwart ist die Leugnung des Unterschieds der Geschlechter: Mann und Frau seien von Natur aus gleich, nur durch gesellschaftliche Konvention werde etwas „typisch“ Männliches oder Weibliches herausgebildet, so heißt es.

Auf diesen Irrwitz sei hier nicht weiter eingegangen. Wer die Fülle von empirischen Daten ignoriert, welche ihm das Leben darreicht, der hat sich schon längst entschieden, seinen Verstand zugunsten einer Ideologie aufzugeben.

Ich warte jedenfalls noch immer auf denjenigen, der mir angesichts des Treibens auf einer Pferdekoppel erläutert, daß das unterschiedliche Verhalten von Hengsten und Stuten nicht auf Vorgaben der Natur, sondern auf den Sexismus des Pferdezüchters zurückzuführen sei.

Rechtliche Entmündigung

Interessanter ist dagegen die Frage, woher denn eigentlich der offensichtlich sehr starke Wunsch nach einer solchen Ideologie kommt. Aufgetreten ist er in Folge der Frauenemanzipation, weshalb zunächst auf diese eingegangen sei.

Wogegen hatten diese anzukämpfen? Eine Ideologie der rechtlichen Entmündigung von Frauen begründete diese aus deren körperlicher Inferiorität. Sie seien daher nicht wie Erwachsene zu behandeln, hieß es früher.

Tatsächlich muß man zugestehen, daß Frauen scheinbar in ihrer körperlichen Entwicklung zurückstehen. Ein fünfzehnjähriges Mädchen kann sich mit einer fünfundzwanzigjährigen Frau messen, dagegen ist ein gleichaltriger Knabe einem entsprechend älteren Mann deutlich unterlegen. Was folgt daraus?

Ideologie der Frauenverachtung

Eigentlich gar nichts. Denn die körperliche Organisation von Frauen bleibt bei genauerem Hinsehen nicht zurück, sondern verläuft eben anders. Die Kraft, die zur Weiterbildung eines Körpers mit entsprechender Muskelmasse und so weiter führen könnte, fließt über in die Herausbildung der Reproduktionsfähigkeit.

Wer hieraus eine Minderwertigkeit ableiten wollte, der hat einfach nicht genau hingeschaut. Doch eine solche Betrachtung würde das Weibliche ernst nehmen. Was dagegen macht der sogenannte Feminismus?

Feministinnen bilden sich heute sehr viel darauf ein, gegen diese Ideologie der Frauenverachtung anzukämpfen. Aber in Wirklichkeit sind sie deren größte Apologeten. Denn was haben sie getan? Nichts anderes, als die Vorstellung von der natürlichen Inferiorität des Weibes zu adaptieren.


Gleichberechtigung der Geschlechter hieße, das Weibliche als gleichberechtigt neben das Männliche zu stellen. Kaum etwas aber bringt Feministinnen so sehr in Wut, wie die Feststellung, daß es etwas spezifisch Weibliches gibt. Denn ihnen ist nur das Männliche wertvoll.

„Überkommene Rollenvorstellung“

Wenn aber nur das Männliche akzeptiert wird, dennoch Frauen die gleichen Rechte zugestanden werden sollen, was bleibt dann nur als Möglichkeit? Man behauptet einfach, daß es keinen Geschlechtsunterschied, sondern nur das Männliche gäbe. „Der Feminismus müßte eigentlich Maskulismus heißen“, hat einmal der Schriftsteller Michael Klonovsky festgestellt.

Und tatsächlich schöpfen Feministinnen ihr angebliches Selbstbewußtsein aus der Vermännlichung der Frau. Diese soll alle Eigenschaften des Mannes annehmen; vor allem die, keine Kinder zu bekommen, beziehungsweise in Verhältnissen zu leben, in denen sie keine haben werden.

Nur das Männliche ist wertvoll, das Weibliche ist schwach und wertlos: In Wirklichkeit ist es der Feminismus, der die „überkommene Rollenvorstellung“ einer misogynen Kultur übernommen und verinnerlicht hat. Frauen gelten ihm nur insofern etwas, als sie sich das Männliche aneignen. Was den Feminismus freilich vor ein Problem stellt.

Haß auf das Weibliche

Denn Frauen sind eben Frauen und können sich daher nur bedingt das Männliche aneignen. Indem sie es versuchen und sich mit Männern auf dem Gebiet des Männlichen messen, können sie nur verlieren.

Das führt aber zu dem kuriosen Ergebnis, daß nun durch den Feminismus Frauen tatsächlich etwas scheinbar Minderwertiges geworden sind. Denn sie können niemals richtige Männer werden, stets bleiben sie etwas zurück. Was passiert aber mit einem Menschen, der merkt, daß er ewig nur Zweiter bleiben wird? Er beginnt den Sieger zu hassen!

So gesellt sich im Feminismus zum Haß auf das Weibliche noch der Haß auf die Männer. Männer dürfen das Männliche nicht entwickeln. Denn sonst würde sich aus Sicht des Feminismus die Minderwertigkeit der Frau unterstreichen.

In die Sklaverei absinken

Was wäre die angemessene Antwort auf diesen weiblichen Minderwertigkeitskomplex? Doch nur, indem man dem selbsternannten, angeblich so starken und selbstbewußten Feminismus, der aber Außenstehende häufig nur an Weiber kurz vor dem Weinkrampf erinnert, ein echtes Bewußtsein vom Weiblichen entgegenstellt – einem Weiblichen, das sich mit absoluter Notwendigkeit gleichberechtigt neben das Männliche gesellt.

Denn es ist ja kein Zufall, daß in ausnahmslos allen höherwertigen Kulturen der Wunsch nach Gleichberechtigung der Geschlechter aufgekommen ist. Die Zukunft, insofern sie das Zukünftige erstrebt, braucht dies ganz unbedingt.

Was sie aber nicht braucht, sind Sklaven, die eine Ideologie der Sklavenhalter dadurch überwunden glauben, daß sie selbst zu Sklavenhaltern aufsteigen. Diese mögen eine Weile oben verweilen, werden dann aber früher oder später doch wieder in die Sklaverei absinken.

Junge Freiheit vom 8. Juni 2010


 

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