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Wilhelm Busch
(15.04.1832 - 09.01.1908)

Wilhelm Busch (1832-1908)

 

Zitate aus einigen seiner Werke

„Aber wehe, wehe, wehe,
Wenn ich auf das Ende sehe!!“

(Aus: Max und Moritz [Vorwort])
 „Aber, wenn er dies erfuhr,
Gings ihm wider die Natur.“

(Aus: Max und Moritz [3. Streich])
 „Also lautet der Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß. -
Nicht allein das Abc
Bringt den Menschen in die Höh';
Nicht allein in Schreiben, Lesen
Übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
Soll der Mensch sich Mühe machen,
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören.
Daß dies mit Verstand geschah,
War Herr Lehrer Lämpel da. -
- Max und Moritz, diese beiden,
Mochten ihn darum nicht leiden;
Denn wer böse Streiche macht,
Gibt nicht auf den Lehrer acht.-“

(Aus: Max und Moritz [4. Streich])
„Wer im Dorfe oder Stadt
Einen Onkel wohnen hat,
Der sei höflich und bescheiden,
Denn das mag der Onkel leiden.“

(Aus: Max und Moritz [ 5. Streich])
 „Rickeracke ! rickeracke!
Geht die Mühle mit Geknacke.“

(Aus: Max und Moritz [Letzter Streich])
 „Die Bosheit war sein Hauptpläsier,
»Drum« - spricht die Tante - »hängt er hier!«“
 
(Aus: Hans Huckebein)
„Eins aber war von ihm nicht schön:
Man sah ihn oft bei Hannchen stehn!
Doch jeder Jüngling hat wohl mal
’n Hang zum Küchenpersonal,
Und sündhaft ist der Mensch im ganzen!
Wie betet Lenchen da für Franzen.“

(Aus: Die fromme Helene)
  „Das Gute - dieser Satz steht fest -
Ist stets das Böse, das man läßt.“

(Aus: Die fromme Helene)
 „»Nein !« - ruft Helene - »Aber nun
Will ich’s auch ganz - und ganz - und ganz -
und ganz gewiß nicht wieder tun!«“

(Aus: Die fromme Helene)
„Halt dein Rößlein nur im Zügel,
Kommst ja doch nicht allzun weit.
Hinter jedem neuen Hügel
Dehnt sich die Unendlichkeit.“

(Aus: Kritik des Herzens)
 „Nenne niemand dumm und säumig,
Der das Nächste recht bedenkt.
Ach, die Welt ist so geräumig,
Und der Kopf ist so beschränkt.“

(Aus: Kritik des Herzens)
 „Doch die braven Junggesellen,
Jungfern ohne Ehestellen,
Welche ohne Leibeserben
So als Blattgewächse sterben,
Pflanzen sich durch Knollen fort.“

(Aus: Kritik des Herzens)
„In Ängsten findet manches statt,
Was sonst nicht stattgefunden hat.“

(Aus: Der Geburtstag)
 „Sokrates, der alte Greis,
Sagte oft in tiefen Sorgen:
»Ach, wie viel ist doch verborgen,
Was man immer noch nicht weiß.«“

(Aus: Abenteuer eines Junggesellen)
 „Aber endlich und zuletzt
Hat er’s richtig durchgesetzt.“

(Aus: Herr und Frau Knopp)
„Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.“

(Aus: Julchen)
 „Also, wie bereits besprochen,
Madame Knoppen ist in Wochen,
Und Frau Wehmut, welche kam,
Und das Kind entgegennahm,
Rief und hub es in die Höh:
»Nur ein Mädel, ach, herrje!«.“

(Aus: Julchen)
 „Unvermutet, wie zumeist,
Kommt die Tante angereist.
Herzlich hat man sie geküßt,
Weil sie sehr vermögend ist.“

(Aus: Julchen)
„Sein Prinzip ist überhaupt:
Was beliebt ist auch erlaubt;
Denn der Mensch als Kreatur
Hat von Rücksicht keine Spur.“

(Aus: Julchen)
 „Schmiegsam, biegsam, mild und mollig
Ist der Strumpf, denn er ist wollig.“

(Aus: Julchen)
 „Eins, zwei, drei, im Sauseschritt
läuft die Zeit, wir laufen mit.“

(Aus: Julchen)
So geht es mit Tabak und Rum:
Erst bist du froh, dann fällst du um.“

(Aus: Die Haarbeutel)
 Oft findet man nicht den Genuß,
Den man mit Recht erwarten muß.“

(Aus: Die Haarbeutel)
  „Eh man auf diese Welt gekommen
Und noch so still vorlieb genommen,
Da hat man noch bei nichts was bei;
Man schwebt herum, ist schuldenfrei,
Hat keine Uhr und keine Eile
Und äußert selten Langeweile.
Allein, man nimmt sich nicht in acht,
Und schlupp! ist man zur Welt gebracht.“

(Aus: Die Haarbeutel)
„Aber hier, wie überhaupt,
Kommt es anders, als man glaubt.“

(Aus: Plisch und Plum)
 
 „Der Gedanke macht ihn blaß,
Wenn er fragt: Was kostet das?“

(Aus: Plisch und Plum)
 
  „Bösewicht mit Bösewicht -
auf die Dauer geht es nicht.“

(Aus: Plisch und Plum)
„Tugend will ermuntert sein,
Bosheit kann man schon allein!“

(Aus: Plisch und Plum)
 
 „Ich bin daher, statt des Gewinsels,
Mehr für die stille Welt des Pinsels.“

(Aus: Maler Klecksel)
  „Ein rechter Maler, klug und fleißig,
Trägt stets ’n spitzen Bleistift bei sich.“

(Aus: Maler Klecksel)
„Leicht kommt man an das Bildermalen,
Doch schwer an Leute, die’s bezahlen.“

(Aus: Maler Klecksel)
 
 „Mit zween Herrn ist schlecht zu kramen;
Noch schlechter, fürcht ich, mit zwo Damen.“

(Aus: Maler Klecksel)
  „Oh, wie beglückt ist doch ein Mann,
Wenn er Gedichte machen kann!“

(Aus: Balduin Bählamm)
„Doch guter Menschen Hauptbestreben
Ist, andern auch was abzugeben.“

(Aus: Balduin Bählamm)
 
 „Das Zahnweh, subjektiv genommen,
Ist ohne Zweifel unwillkommen;
Doch hat’s die gute Eigenschaft,
Daß sich dabei die Lebenskraft,
Die man nach außen oft verschwendet,
Auf einen Punkt nach innen wendet.“

(Aus: Balduin Bählamm)
  „Wie wohl ist dem, der dann und wann
Sich etwas Schönes dichten kann!“

(Aus: Balduin Bählamm)
„Alles pulverisieren sie:
Gott, Geist und Goethe.“

(Aus: Eduards Traum)
 
 „Wer nicht auf gute Gründe hört,
Dem werde einfach zugekehrt
Die Seite, welche wir benützen,
Um darauf zu liegen und zu sitzen.“

(Aus: Eduards Traum)
  „Wer der Gerechtigkeit folgen will durch
dick und dünn, muß lange Stiefel haben.
Habt ihr welche?  Hab ich welche?
Ach, meine Lieben!
Lasset uns mit den Köpfen schütteln!“

(Aus: Eduards Traum)
„Wer nur das richtige Auge hat,
kann überall einen
»reizenden Blick« haben.“

(Aus: Eduards Traum)
 
 „Selbst über sich selber
kann man lachen mitunter,
und das ist ein Extrapläsier,
denn dann kommt man sich sogar
noch klüger und gedockener
vor als man selbst.“

(Aus: Von mir über mich)
  „Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.“

(Aus: Zu guter Letzt)
„Die Welt, obgleich sie wunderlich,
Ist mehr als gut genug für mich.“

(Aus: Zu guter Letzt)
 
 „Der Ruhm, wie alle Schwindelware,
Hält selten über tausend Jahre.
Zumeist vergeht schon etwas eh’r
Die Haltbarkeit und die Kolör.“
(Aus: Zu guter Letzt)
  „Der liebe Gott muß immer ziehen,
Dem Teufel fällt’s von selber zu.“

(Aus: Schein und Sein)
„Grad zu den frühen Morgenzügen
Kommt man am leichtesten zu spät.“

(Aus: Schein und Sein)
 
 „Wie wolltest du dich unterwinden,
Kurzweg die Menschen zu ergründen.
Du kennst sie nur von außenwärts.
Du siehst die Weste, nicht das Herz.“

(Aus: Schein und Sein)
  „Zu wenig und zu viel Vertraun
Sind Nachbarskinder.“

(Aus: Schein und Sein)
„»Kurzum« - so sprach er - »ich sage bloß,
Wenn man den alten Erdenkloß,
Der, täglich teilweis aufgewärmt,
Langweilig präzis um die Sonne schwärmt,
genau besieht und wohl betrachtet
Und, was darauf passiert, beachtet,
So findet man, und zwar mit Recht,
Daß nichts so ist, wie man wohl möcht.«“
(Aus: Der Nöckergreis, in: Gesamtwerk - Band III, S. 356).
 
 „Mein Lebenslauf ist bald erzählt.
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis daß ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun?  - Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingestolpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,
Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich mußt’ ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.
O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.“
(Aus: Mein Lebenslauf, in: Gesamtwerk - Band III, S. 366).
  „Ich weiß nicht mehr genau, wie es gekommen.
Kurzum! Nach längerem Verborgensein
Hab ich dereinst auf Erden Platz genommen,
Um auch einmal am Licht mich zu erfreun, ....“

(Aus: Dank und Gruß, in: Gesamtwerk - Band III, S. 368)
„Ach, jaja, so seufz’ ich immer,
denn die Zeit wird immer schlimmer.
oder kann in unser’n Tagen
einer wagen, nein zu sagen?“
 

 

Zitate: Hubert Brune, 2005-2006 (zuletzt aktualisiert: 2009).

 

Literarische Werke von Wilhelm Busch u.a.:
- Beiträge zu den „Fliegenden Blättern“ (1859-1871)
- Münchner Bilderbogen (1859-1871)
- Bilderpossen (1864)
- Max und Moritz (1865)
- Hans Huckebein - der Unglücksrabe (1867)
- Das Pusterohr (1867)
- Das Bad am Samstagabend (1868)
- Schnurrdiburr oder: Die Bienen (1869)
- Die fromme Helene (1870)
- Der Heilige Antonius von Padua (1870)
- Kritik des Herzens (1871)
- Bilder zur Jobsiade (1872)
- Pater Filucius - Allegorisches Zeitbild (1872)
- Der Geburtstag oder: Die Partikularisten (1873)
- Dideldum ! (1874)
- Abenteuer eines Junggesellen (1875)
- Herr und Frau Knopp (1876)
- Julchen (1877)
- Die Haarbeutel (1878)
- Fipps der Affe (1879)
- Plisch und Plum (1882)
- Maler Klecksel (1884)
- Balduin Bählamm - der verhinderte Dichter (1883)
- Was mich betrifft (1886)
- Eduards Traum (1891)
- Der Schmetterling (1895)
- Von mir über mich (1899)
- Zu guter Letzt (1904)
- Schein und Sein (1906)
- Hernach (1908)
- Gesamtwerk (3 Bände; postum)
Landkarte
 Der weiße Pfeil zeigt auf Wiedensahl
Am 15. April 1832 erblickte Wilhelm Busch das Licht der Welt in der zum Fürstentum Schaumburg-Lippe gehörigen Gemeinde Wiedensahl, unmittelbar an der Grenze zur 1814/15 (Wiener Kongreß) preußisch gewordenen Provinz Westfalen. (Vgl. Karte). Zwischen dieser Provinz und dem Königreich Hannover lag das damalige Fürstentum Schaumburg-Lippe. Hervorgegangen war es 1640 aus der Vereinigung der vom Haus Lippe (anfangs um Lippstadt, später [1613] Teilung in Lippe-Detmold, Lippe-Brake, Lippe-Alverdissen [seit 1643: Schaumburg-Lippe]) geerbten ehemaligen schaumburgischen Ämter Bückeburg, Stadthagen, Arensburg, Hagenburg und einem Teil des Amtes Sachsenhagen mit den lippischen Besitzungen Lipperode und Alverdissen. 1681 wurde für Schaumburg-Lippe die Bückeburger Hauptlinie und die Alverdissener Nebenlinie begründet. Hauptstadt: Bückeburg.Landkarte
Mühlenstraße & Schaumburger Wald


„»Ich bin geboren anno dazumal, als man die Fräuleins noch Mamsellchen nannte und die Gänse noch Adelheid hießen, auf einem Gehöft, gleich links von der Welt, dann rechts um die Ecke, nicht weit von der guten Stadt Geckelbeck, wo sie alles am besten wissen.« Es bedarf nur einiger konkreter Ergänzungen - und der Bericht des Peter aus dem „Schmetterling“ wird zu einem Stück Selbstbiographie. Anno dazumal - das ist der 15. April 1832. Das »einsame Gehöft, gleich links von der Welt,« ist Sinnbild für die Gemeinde Wiedensahl, im Niedersächsischen zwischen Weser und Steinhuder Meer gelegen; die gute Stadt Geckelbeck findet sich wohl stets nicht weit von den einsamen Gehöften. ... Etwas westlicher, in einer Bauernhütte dicht am Mittllauf der Weser, wurzelt der Stammbaum der Familie.“ (Friedrich Bohne).

„Wem wäre der Name Wilhelm Busch nicht seit früher Jugend vertraut! MAX UND MORITZ war eines unserer ersten und liebsten Bücher, und außer vielen anderen Versen aus dieser ergötzlichen Bildergeschichte, die sich uns mühelos einprägten, wird uns immer wieder einmal der Kehrreim einfallen:
»Diese war der erste Streich,
doch der zweite folgt sogleich.«
Freilich mag schon mancher bald, wenn er sich ausführlicher mit Busch beschäftigte, an seinen lustigen, frechen Zeichnungen und seinen treffsicheren Versen sich nicht bloß vergnügt haben, sondern darüber auch etwas nachdenklich geworden sein.“ (Hugo Werner).

„Wilhelm Busch ... säte weltüberwindendes Lachen über Groß und Klein: Dank ihm! Wie viele Tränen hat er getrocknet! Und er ist ein Weiser.“ (Gerhart Hauptmann).

„Wilhelm Busch, insbesondere der Schriftsteller Busch, ist einer der größten Meister stilistischer Treffsicherheit. Ich denke - außer vielleicht Lichtenberg - hat es keinen Ebenbürtigen in deutscher Sprache gegeben.“ (Albert Einstein).

„Buschs Kunst ist Volkskunst im wahrsten, schönsten Sinne, sie ist zu Hause auf der Gasse und in den Stuben, bei Arm und Reich, sie ist lebendig und wirkt und schafft an den Menschen, an der Kultur, am Leben selber, und das tut sie ganz unabhängig von ihrem Verfasser.“ (Artur Kutscher).

„Busch ist der eigentliche Erfinder der zeichnerischen Kurzschrift. Ich weiß keinen Vorgänger, dem es gelungen wäre oder der auch nur versucht hätte, in so knappen Strichen das Leben einzufangen, durch einen einfachen Federzug so unerhört gesteigerte Bewegung, so unvergeßliche Typen mitsamt der ihnen zukommenden Umgebung auf einem kleinen Blättchen Papier hervorzuzaubern. Das ist höchste Vollendung des handwerks, daß kein Tropfen Schweiß an dem fertigen Werk zu kleben scheint.“ (Thomas Theodor Heine).

„Natürlich hatte auch der Schäfer recht, als er bemerkte: »Er ist uns viel zu früh genommen worden!«  Die jungen Leute, die nach einem Gang zum Grabe Buschs den schlichten Mann auf der Gemeindeflur Mechtshausen angetroffen hatten, erschauerten tatsächlich. Er aber erläuterte: »So einen kriegen wir nie wieder; der war unser größter Steuerzahler.« ... Paßt, was der Schäfer sagte, nicht wunderbar zu den Bekenntnissen der großen Dichter, Denker und Zeichner?“  (Friedrich Bohne).

 

Buschs Stubenplatz in Wiedensahl, 1865/66

Wilhelm Busch: Mein Stubenplatz in Wiedensahl, 1865/66.

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- Literaturverzeichnis -