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Prägnant und möglichst knapp formulierte Gedanken

von

Peter Scholl-Latour (1924-2014)

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„Europa steht im Begriff, alle Voraussetzungen zu erfüllen, um eine leichte Beute der Barbaren zu werden.“
Peter Scholl-Latour, Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?,  2002, S. 48

„Während die Staaten der EU sich mit dem Bevölkerungsschwund ihrer Ureinwohner abfinden, dauert in ihrer unmittelbaren Umgebung die Geburtenexplosion an. Die große Migration ist im vollen Gange.“
Peter Scholl-Latour, Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?,  2002, S. 48

„Das Abendland ist immer noch immens reich, aber es ist schwach. Ihm fehlt die moralische Substanz zur dezidierten Selbstbehauptung.
Peter Scholl-Latour, Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?,  2002, S. 48

„Kurzum, alle Prämissen eines fatalen »Untergangs« sind gegeben. So unrecht hatte Oswald Spengler wohl nicht.“
Peter Scholl-Latour, Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?,  2002, S. 48

„Wir haben eine Hinwendung zu einer Form der Wirtschaftsbeherrschung, der Beherrschung der Politik durch die Wirtschaft, die meiner Ansicht nach erschreckend ist. .... Die Wirtschaftsmanager - ich meine natürlich nicht alle - sind Leute, die ihre Riesensummen kassieren, ihr Unternehmen durch Riesenfusionen kaputtmachen, ihre Riesensummen kassieren und dann ihre Angestellten in die Arbeitslosigkeit entlassen. Das ist wirklich ein Skandal! .... Der Shareholder ist wichtiger als der Bürger.“
Peter Scholl-Latour, in der TV-Sendung: Phoenix, März 2004

„Leopold von Ranke hatte geschrieben, daß »der Historiker - oder sagen wir, der Chronist - alt werden muß, da man große Veränderungen nur verstehen kann, wenn man persönlich welche erlebt hat.« Heute würde ich die Notwendigkeit hinzufügen, eine intime Kenntnis fremder Kulturen erworben zu haben.“
Peter Scholl-Latour, Koloß auf tönernen Füßen, 2005, S. 34

„Deutschland muß atomar aufrüsten ! “
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Die überstürzte Ausweitung der Europäischen Union auf 27 Mitglieder mit extrem divergierenden Interessen hat den Kontinent und somit auch Deutschland jeder resoluten Handlungsfähigkeit beraubt.“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Seit George W. Bush und seine neokonservative Umgebung trotz gelegentlicher Beschwichtigung an die europäische Adresse am Unilateralismus der US-Politik festhalten und die wirklich relevanten Staaten sich frei nach Nietzsche als »älteste aller Ungeheuer« zu erkennen geben, wirken die Beteuerungen von Nibelungentreue, wie sie aus dem Berliner Reichstag über den Atlantik klingen, naiv und unzeitgemäß.“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Hier offenbart sich ein grundlegendes Dilemma der aktuellen deutschen Außenpolitik. Wie soll eine diplomatische Leitlinie für 27 Mitgliedstaaten der EU getroffen werden, wenn die osteuropäischen Beitrittsländer weit mehr auf Washington als auf Brüssel ausgerichtet sind. .... Kein Wunder, daß das Interesse Osteuropas an der Europäischen Union sich im wesentlichen auf die Überwindung bestehender finanzieller Engpässe und die Verheißung ökonomischer Prosperität beschränkt. Machtpolitik, wie es die Stunde erheischen würde, unter gemeinsamer Einflußnahme auf die globalen Entwicklungen läßt sich mit einem so bunt karierten Haufen nicht bewirken.“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Vielleicht werden sich die führenden deutschen Medien endlich der systematischen Zweckentfremdung der Atlantischen Allianz und der eigenen Unterwürfigkeit bewußt, wenn die Forderung des Pentagon nach Ausweitung der Allianz auf den Pazifischen Raum, auf den Nato-Beitritt Australiens, Neuseelands, sogar Japans und Südkoreas sich bewahrheiten sollte. Eine solche Orientierung in Richtung auf den Stillen Ozean könnte von Peking nicht anders denn als ein bedrohliches Einkreisungsmanöver gewertet werden. Die deutschen Abgeordneten, die als Polit-Touristen China bereisen und die Repräsentanten dieser uralten Kultur immer wieder mit erhobenem Finger zur Übernahme westlicher Demokratiebegriffe ermahnen, täten besser daran, die (us-)amerikanischen Verbündeten von einer umzingelnden Stützpunktstrategie gegen das Reich der Mitte abzubringen, die den Europäern nur Nachteile bescheren kann.“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Wie wird die deutsche Bevölkerung reagieren, wenn ihr Staat in den Sog jenes »Clash of Civilizations« gerät, dem Europa – die eigene Identität verleugnend und die eigene Wehrkraft vernachlässigend – gar nicht entrinnen kann. Was geschieht, wenn in Berlin oder Hamburg die Bomben von Terroristen explodieren oder falls die Europäische Union aus ihrem südlichen oder östlichen Umfeld massiver Erpressung und Einschüchterung ausgesetzt wäre?“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Bis dahin sollte die Bundeswehr sich von den überalterten NATO-Schablonen gelöst haben und über die Mittel verfügen, notfalls auch im nationalen Alleingang ... diesen Gefahren mit vernichtenden Gegenmaßnahmen, notfalls auch mit gezielten »preemptive Strikes« zu begegnen. .... Diejenigen europäischen Partner, die sich wie Tony Blair als »Pudel Amerikas« behandeln lassen und die kontinentale Einigung lediglich als eine Art Freihandelszone zu akzeptieren bereit sind, würden dann ihrem eigenen Hang zum Rückfall in Zwist und Mißgunst überlassen bleiben.“
Peter Scholl-Latour, in: Cicero, April 2007

„Nichts ist wohl trauriger als das Sterben einer großen politischen Hoffnung. Nichts ist ernüchternder als die Feststellung, daß ein freiheitlicher Aufbruch der Massen sich nachträglich als das Produkt ferngesteuerter, betrügerischer Einmischung erweist.“
Peter Scholl-Latour, in: Matrix 3000, April 2007

„Im Alter von 83 Jahren und nachdem ich mit Ausnahme einiger winziger Eilande im Pazifik und in der Karibik sämtliche Länder der Welt aufgesucht habe - nur Osttimor bleibt noch abzuhandeln -, glaube ich mich als Chronist auf die Aussage von Leopold von Ranke berufen zu können: »Der Historiker muß alt werden«, so urteilte er, »da man große Veränderungen nur verstehen kann, wenn man persönlich welche erlebt hat.« Daran hat es in meinem Leben wahrlich nicht gemangelt.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 7

„In gewisser Hinsicht bleibt selbst im 21. Jahrhundert die Infanterie immer noch die Königin des Schlachtfeldes.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 194

„Wer Deutschland am Hindukusch verteidigen will, täte gut daran, die geographischen Dimensionen zu berücksichtigen, seine Aufmerksamkeit den Nachbarländern unseres Kontinents zuzuwenden und den Grundsatz Friedrichs des Großen zu beherzigen, der seine Offiziere instruierte, daß derjenige, der alle Positionen verteidigen will, in Wirklichkeit nichts verteidigt.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 199

„Der gesunde Menschenverstand und die politische Klugheit gebieten, sich stets in die Mentalität anderer Kulturkreise zu versetzen.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 199

„Der territoriale Mißbrauch der NATO-Struktur »out of area« hat die Bündnisorganisation in einem Maße ausgelaugt und ausgefranst, daß das US-Oberkammondo Autorität und Kompetenz eingebüßt hat.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 294

„In Berlin scheinen das Überleben der Eisbären am Nordpol, die Aufstellung landschaftsverschandelnder Windspargel im Zeichen einer Pseudo-Ökologie und jener Unterwerfungsreflex, der gerade bei den domestizierten Pseudorevoluzzern der 1968er Bewegung seltsame Blüten treibt, den Vorrang zu genießen vor der strategischen Selbsterhaltung der Nation und des Kontinents.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 295

„In wenigen Jahren wird die deutsche Verteidigungspolitik vor folgende Alternative gestellt: Entweder beteiligt sich die Bundeswehr organisch an einem europäischen, das heißt deutsch-französischen Nuklear-Deterrent, oder sie wird im nationalen Alleingang auf diese unentbehrliche Form der Abschreckung zurückgreifen müssen, um das deutsche Volk vor unermeßlichen Schaden zu bewahren.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 298

„Dem Zufall, den vertraulichen Warnungen der CIA, der Wachsamkeit der deutschen Sicherheitsbehörden, aber auch der mangelnden Professionalität der Attentäter war es zu verdanken, daß die Bundesrepublik Anfang September 2007 vor monströsen Sprengstoffanschlägen einer gewissen »Islamischen Jihad-Union« verschont blieb.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 300

„Was soll man ... von einem Bundestag halten, der eine Aufstockung der deutschen Afghanistan-Präsenz beschloß und die Unterstellung von ISAF unter NATO-Kommando ohne ernsthafte Debatte verabschiedete, sich jedoch in moralischen Vorwürfen gegen die eigenen Soldaten erging.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 304

„Folgende Prinzipien werden aus der neuen Situation abgeleitet: Nicht mehr das offene Land, sondern die Städte bieten den Freischärlern den besten Schutz. .... Mehr denn je bewahrheitet sich die These von Clausewitz, wonach Zufall und Ungewißheit jede militärische Aktion stärker bestimmen als eine noch so ausgeklügelte Planung. .... In der derzeitigen Phase des asymmetrischen Krieges kommt der ... technischen Überlegenheit nur noch begrenzte Bedeutung zu. Von einem erdrückenden Aufwand feindlicher Mittel bedroht, wird die Aufstandsbewegung ihr Heil in der Zerstreuung ihrer Kampfgruppen suchen und darauf verzichten, feste Stellungen zu verteidigen.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 306

„Dem Terrorismus, der unweigerlich und unvermeidbar auf uns zukommt, begegnet man am besten mit kalter Entschlossenheit und - soweit es geht - mit Gelassenheit. Beunruhigend ist hingegen der Mangel an Kompetenz, der medienbezogene Konformismus, die bündnisfixierte »political correctness«, die die parlamentarische Debatte in Berlin so realitätsfern erscheinen läßt.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 307

„In Deutschland optiert die Mehrheit der Bevölkerung für eine baldige Räumung Afghanistans, aber neuerdings ist es bei Parlamentariern und Publizisten Mode gworden, die Meinung des Bürgers geringzuachten, gemäß der vulgären Redensart von einst: »vox populi, vox Rindvieh«.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 309

„Mit grimmiger Heiterkeit kann ich feststellen, daß ausgerechnet jene früheren Wortführer eines utopischen Ultra-Pazifismus sich heute als Bellizisten in die Brust werfen.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 309

„Unter den Journalisten plädieren vor allem diejenigen für einen unbegrenzten und verstärkzen Einsatz deutscher Truppen, die niemals ihren Fuß auf afghanischen Boden setzten oder sich allenfalls unter massiven Schutz zu einer Stippvisite aufrafften. Ein deutscher General erklärte vor laufender Kamera, wenn Deutschland nicht in Afghanistan verbleibe, dann komme Afghanistan zu uns. Er täte gut daran, einen Blick auf die Landkarte zu werfen. Was sich zur Stunde im Irak, im Nahen Osten, demnächst auf den Balkan und übermorgen in Nordafrika abspielt, ist für Europa unenedlich wichtiger als die Behauptung von isolierten Stützpunkten im hintersten Winkel Zentralasiens.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 309

„Die deutsche Öffentlichkeit unterliegt einer permanenten Desinformation. Wer will denn schon zur Kenntnis nehmen, daß das abscheuliche Attentat vom 11.09.2001 in den USA nicht das Werk afghanischer Freischärler, sondern saudi-arabischer Studenten war. Al Qaida ist keine afghanische, sondern eine saudische Organsiation. Finanziert wird sie - so berichten US-Medien - zu einem wesentlichen Teil durch den Trust »Dar-el-Maal-el-Islami« des hoch angesehenen Prinzen Mohammed el Faisal und seinesgleichen. Vergessen wir nicht, daß Osama bin Laden seine »grüne Fremdenlegion« in enger Zusammenarbeit mit der CIA rekrutierte, um sie gegen den sowjetischen Überfall auf Afghanistans einzuzsetzen. Sogar an der Aufstellung der Taliban-Horden des Mullah Omar waren us-amerikanische und pakistanische Geheimdienstler maßgeblich beteiligt. Viel zu spät entdeckten sie, daß sie sich mit unheimlichen Gesellen eingelassen hatten.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 309-310

„Die am Hundukusch befindlichen Truppen sind dem Oberbefehl der NATO, das heißt de facto dem us-amerikanischen Kommando untergeordnet. In diesem Feldzug, der sich auf abenteuerliche Weise »out of area« abspielt, könnte die ohnehin obsolete Bündnisstruktur vollends zu Bruch gehen.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 310

„Es gibt keine NATO-Kontrolle über Afghanistan, weder im umkämpften Süden und Osten noch im relativ ruhigen Norden, wor die Bundeswehr ihre Schutzburgen aufgebaut hat.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 311-312

„Die Berliner Regierung hat lange genug »Feigheit vor dem Freunde« praktiziert. Sie muß endlich von der us-amerikanischen Führung ernsthaft und zwingend eine Erklärung verlangen, welches ihre langfristige Planung ist und wie sie sich eine Weiterführung dieser »mission impossible« am Hindukusch vorstellt. Wer möchte schon darauf warten, daß die US-Verbände plötzlich und ohne Vorwarnung den Rückzug natreten wie 1994 nach den Rückschlägen in Mogadischu während er UNO-Aktion in Somalia. Damals mußte das Bundeswehr-Kontingent, das in der Nähe der äthiopischen Grenze kampierte, sich beeilen, um rechtzeitig den Einschiffungshafen zu erreichen.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 316

„Warum ich dem deutschen Einsdatz am Hindukusch einen solchen Raum im Rahmen einer Betrachtung über die Fragmentierung Europas gewidmet habe? An dieser Stelle könnte die ... Bundesrepublik, die ihre außenpolitischen Richtlinien in der Ökologie und im Humanitätsdusel zu suchen vorgibt, von der Nemesis geschichtlicher Unerbittlichkeit eingeholt werden. Für ... Berlin droht Afghanistan eines Tages den gleichen negativen Stellenwert zu gewinnen wie der Irak-Feldzug für ... Washington. Kein geringerer als Brent Scowcroft, der frühere Sicherheitsberater des Präsidenten Bush senior, fragt sich bereits, ob die NATO an diesem Einsatz in Zentralasien zerbrechen wird.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 317

„In den Talk-Shows über Afghanistan offenbart sich eine skandalöse Diskrepanz zwischen den nüchternen, meist pessimistischen Aussagen all derer, die sich an Ort und Stelle aufhielten und in engem Kontakt mit der dortigen Bevölkerung lebten - darunter befinden sich auch die Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz -, und einer Riege von besserwisserischen, beschwichtigenden Politikern jeder Couleur, die sich krampfhaft an getürkte Statistiken und folgenschwere Fehleinschätzungen klammert. Die traurige Realität am Hindukusch wird in Berlin konsequent negiert.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 346-347

„Es ist reale Gefahr im Verzug, wenn der außenpolitische Sprecher einer großen Koalitionspartei behauptet, der asymmetrische Krieg und das Auftreten von »illegal combatans« seien eine originäre, völlig neue Entwicklung unserer Tage. Diese Kampfweise ist in Wirklichkeit so alt wie David und Goliath. Was der Staat USA als verbrecherischen Terrorismus brandmarkt, war von jeher die Grundregel eines jeden Partisanenkampfes, einer jeden Guerilla und der meisten Befreiungskriege.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 347

„Die Methodik, die technische Kapazität des Widerstandes haben sich jedoch - parallel zu den atemberaubenden Rüstungsfortschritten der regulären Streikräfte in den USA - gründlich gewandelt. Die Kämpfer des Untergrundes verfügen jetzt ebenfalls über gesteigerte Vernichtungskraft und ausgeklügelten Erfindergeist.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 347

„Man verschone uns mit der Vokabel »feiger Mord«, wenn ein verzweifelter Kamikaze sich selbst in die Luft sprengt, während der ihm nachstellende Bomberpilot aus 10000 Meter Höhe seine tödliche Ladung ausklinkt und absolute persönliche Sicherheit genießt.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 347

„Die resignative Formel »mundus vult decipi« - »die Welt will betrogen werden« - muß allzuoft als Regierungsrezept herhalten. Wann werden die deutschen Politiker auf die erwiesenennaßen falsche Argumentation verzichten, die exakte Planung, die präzise Ausführung des Anschlags vom 11.09.2001 seien in den Höhlen des Hindukusch errfolgt. Mag sein, daß Osama Bin Laden, der bis 1991 als Rekrutierungs-Agent der CIA in diesem Raum tätig war, nach seiner plötzlichen, religiös motivierten Kehrtwendung gegen die USA den Auftrag zur Zerstörung des World Trade Center erteilte. Das hätte er aber auch von jedem beliebigen Punkt der Erde aus tun können. In den viel genannten El-Qaida-Lagern Afghanistans fand nicht viel mehr statt als infanteristische Grundausbildung und eine rudimentäre Anleitung zum Bau von Sprengsätzen. Das Spezialtraining der überwiegend saudischen Todeskandidaten als Piloten vollzog sich ausschließlich in den USA, und nur dort konnten die Flugpläne eingesehen und koordiniert werden, die den Todesengeln den Zeitplan vorgaben. Im übrigen läßt sich die übliche Behauptung nicht aufrechterhalten, beim Anschlag vom 11. September 2001 habe es sich um eine bislang vorstellbare, infernalistische Premiere gehandelt. Schon 1993 hatten die Komplizen des Scheich Omar Abdurrahman, eines blinden ägyptischen Predigers, der - im Besitz der »Green Card« - ebenfalls die Werbetrommel für islamische Freiwillige ... gerührt hatte, mit unzulänglichen Mitteln versucht, das Fundament des gleichen New Yorker Wolkenkratzer-Komplexes zu sprengen. Dafür büßt Scheich Omar heute in den USA eine lebenslange Haftstrafe ab.“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 348

„Wenn unsere maßgeblichen Parlamentarier außerstande sind, die jüngsten Ereignisse zu deuten und statt dessen gezielten Fälschungen erliegen, wie verhält es sich dann erst bei ihrer Bewertung weiträumiger geschichlicher Vorgänge. Auf welches Augurernspiel der Zukunftserkundung lassen sie sich dann ein?“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 348

„Am Ende zahlloser Vorträge, die ich in allen Gegenden der Bundesrepublik hielt, pflegte ich meine festlich gestimmten Gäste gern mit einem Satz ... aufzuschrecken: „ Im Abgrund der Geschichte ist Platz für alle.«“
Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten, 2007, S. 349

„Wo wir hier ... von den Höhen ... auf die Landschaft von Burgund hinausblicken, da kommt ein anderer Satz von André Malraux ins Gedächtnis, ... wo er in einem Gespräch mit de Gaulle ... sagte: »Was war denn Europa zur Zeit Alexanders des Großen? Das waren die Wälder dort, jenseits des Fensters.«“
Peter Scholl-Latour, in der TV-Sendung: Zwischen den Fronten, 2008

„Wenn sie schon auf Englisch formulieren, sind sie nicht gerade die Repräsentanten des Volkes.“
Peter Scholl-Latour, in der TV-Sendung: Zwischen den Fronten, 2009

„Die Feigheit vor dem Freund ist ja allgemein weit verbreitet.“
Peter Scholl-Latour, in der TV-Sendung: Morgenmagazin, 2009

„Die politische Ausrichtung der USA wird nicht mehr durch eine Bevölkerungsminderheit definiert, die sich rühmte, »White, Anglo-Saxon and Protestant« zu sein.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 9

„Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sieht sich diese transatlantische Allianz globalen Machtverschiebungen ausgesetzt, denen sie schon aus demographischen Gründen nicht gewachsen ist. Dem »weißen Mann« ist ja nicht nur das Monopol industrieller und militärischer Überlegenheit abhanden gekommen. Ihm fehlen heute vor allem das Sendungsbewußtsein, die Lust am Abenteuer sowei die die Bereitschaft zur Selbstaufopferung, auf die sich sein immperialer Anspruch gründete.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 9

„Ich bin so alt, daß ich die Stunde einer akuten Bedrohung wohl nicht mehr erleben werde. Doch schon die kommende Generation wird sich mit der schmerzlichen Anpassung an eine inferiore Rolle im globalen Kräftespiel, an geschwundenes Prestige abfinden müssen und mit dem tragischen Fatum leben, daß den weißen Herren von gestern das sachte Abgleiten in Resignation und Bedeutungslosigkeit bevorsteht. Der Ausdruck »White Man« ist heute ja schon verpönt und mit dem Odium des Rassendünkels behaftet.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 10

„Holland - Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation - hatte dem Katholizismus den Rücken gekehrt. .... Wie »global« schon vor einem halben Jahrtausend die konfessionellen Gegensätze ausgetragen wurden und aufeinanderprallten, entnehmen wir einer Stophe des Siebten Gesangs der Lusiaden. Da heißt es: »Ihr seht der Deutschen hochmütige Herde, // Die sich auf weitflächigem Feld ernährt, // Den neuen Hirten wählt der neuen Lehre (gemeint sind Calvin und Luther) // Und gegen Petri Erben aufbegehrt.// Ihr seht beladen sie mit Kriegsbeschwerden, // Da sie der blinde Wahn noch nicht belehrt, // Nicht um den stolzen Türken zu verjagen, // Nein, um das hohe Joch (des Papstes) nicht mehr zu tragen» (Louís de Camões, Gesang der Lusiaden, 7. Gesang, 4. Strophe).“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 31-32

„Im Jahr 1991 schwelgten die USA in der Gewißheit, ihr Ziel einer weltweiten Hegemonie erreicht zu haben. Die Sowjetunion war auseinandergebrochen. Präsident Bush senior hatte Saddam Hussein in die Knie gezwungen. Im Kapitol zu Washington keimte eine Vorstellung, die unter George Bush II. zur Obsession werden sollte. Demnach müßten im Zeichen einer ideologischen Gleichschaltung sämtliche Länder des Erdballs die us-amerikanischen Vorstellungen von Demokratie und Kapitalismus übernehmen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 57

„Ein paar plumpe Geschütze oder »Feuerschlangen«, wie man damals sagte, hatten genügt, um den weißen Mann zu seiner Weltherrschaft über alle Kategorien farbiger uund exotischer Völker zu verhelfen. Heute dürfte die Anhäufung der perfektioniertesten Technik, der Einsatz von Wunderwaffen, kaum mehr ausreichen, um eine so widernatürliche und anmaßende Dominanz zu verewigen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 62

„So waren wir nach Grönland gereist und hatten festgestellt, daß die Klimaerwärmung, die ähnlich günstige Agrar- und Weidebedingunegn am rande der gewaltigen Eiskappe wiederherstellte wie zu Zeiten des Wikingers Eriks des Roten, auch den urzeitlich wirkenden Moschusochsen zugute kam.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 64

„44 Jahre - von 1874 bis 1918 - hat die schwarz-weiß-rote Fahne des Zweiten Deutschen Reiches über der östlichen Hälfte von Neuguinea und einer Anzahl von Inseln im pazifischen Ozean geweht. Wer weiß das überhaupt noch in der heutigen Bundesrepublik? .... Der frühere deutsche Verwaltungssitz von »Kaiser-Wilhelm-Land«, wie man die ferne koloniale Erwerbung genannt hatte, war immer noch ein ... Fischerhafen ....“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 118

„Lae (Neuguinea), im Frühjahr 1966 .... Gleich am ersten Abend hielt ich auf Wunsch der kleinen deutschen Gemeinde von Neuguinea einen Vortrag über den Prozeß der europäischen Einigung, die - von den Antipoden aus - ziemlich unvorstellbar erschien. Vor dieser Zuhörerschaft von Kaufleuten und ein paar Missionaren hatte ich damals noch im Brustton der Überzeugung über das Versöhnungswerk referieren können, das von Adenauer und de Gaulle kurz zuvor ... zelebriert worden war. Heute würde ich mit erheblichen Vorbehalten von einer kontinuierlichen Union des Kontinents sprechen, die durch über ihre überstürzte Ausweitung weit nach osten ihre Substanz und ihre Kohäsion eingebüßt hat. “
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 119

„Da hing eine Reichskriegsflagge, ein schönes Emblem ....“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 119

„Der Missionar verwies mich auch auf ein Schild der Deutschen Reichspost und vor allem auf das Portal »Hospiz für Eingeborene«. Für die damalige Zeit war eine oslche medizinische Versorgung der schwarzen Papua- bevölkerung keine Selbstverständlichkeit, sondern wirkte durchaus fortschrittlich, auch wenn die weißen Kranken in einem strikt getrennten Gebäude behandelt wurden. Insgesamt scheint die wilhelminische Kolonialverwaltung, die sich auf die humanitäre Vermittluung katholischer und evangelischer Missionare stützte, recht tolerant, ja wohlwollend gewesen zu sein in diesen pazifischen Besitzungen, die die inzwischen umgetauften Inseln neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, den Bismarck-Archipel und die winzigen Eilande Mikronesiens und der Marianen umfaßten. Ausgedehnte Plantagen von Kokospalmen deuteten auf die rege Entwicklungsarbeit der damaligen weißen Herren hin.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 119

„Von den krampfhaft aufgeblähten Einheiten der »Special Forces«, die seit 2001 und 2003 in Afghanistan und im Irak die Hauptlast des Kampfes tragen, unterscheiden sich die »Green Barrets« von Vietnam durch höheren IQ, durch besseres Training und eine vorzügliche Kenntnis des Terrains.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 170

„Das Pentagon hat lange gebraucht, um zu erkennen, das im Zeitalter des »asymmetrischen Krieges« die fulminante Perfektionierung von Hi-Tech und Wunderwaffen, die Entfaltung einer ungeheuerlichen vernichtungskapazität, gekoppelt mit der Omnipotenz eines an Allwissenheit grenzenden Beobachtungs- und Spionagesystems, nicht in der Lage sind, das unzureichende Aufgebot an eigenen Bodentruppen zu kompensieren.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 178

„Das desolate Abgleiten der »jungen« afrikanischen Nationen in Chaos und Stammesfehden führte ... vor Augen, wie destruktiv sich die Übertragung des westlichen Parteiensystems auf den angestammten Tribalismus des Schwarzen Kontinents auswirkte. Die europäischen Politiker und Publizisten wiederum hatten sich durch die diversen militärischen Fehlschläge der USA und die dort zunehmende Verrohung der Sitten in ihrer USA-Gäubigkeit kaum beirren lassen. Sie würden an diesem Vorbild ... erst irre werden, wenn in Wallstreet der Götzentempel des Goldenen Kalbes erschüttert, wenn die existentielle Krise des angelsächsisch orientierten Turbokapitalismus und seiner Derivate auf das gefügig angepaßte System der europäischen Banken überschwappen würde.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 182

„Der Zustrom lateinamerikanischer Zuwanderer, vor allem aus dem vom Bandenkrieg der Drogenmafia aufgewühlten Mexiko, hat eine profunde Umschichtring bewirkt. Die spanisch-indianischen Mestizen, die Hispanics, Latinos oder »Spics«, wie sie von der verbitterten weißen Unterschicht genannt werden, machen mit schätzungsweise fünfzig Millionen Menschen bereits ein Sechstel der Gesamtbevölkerung der USA aus, und ihre Immigration - legal oder illegal - nimmt ständig zu.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 197

„Nicht die Gringos des Nordens würden am Ende die Nutznießer dieser ethnisch-kulturellen Annäherung sein, sondern jene buntgescheckte Staatenwelt, die den USA wirtschaftlich zwar weit unterlegen bleibt, mit Hilfe ihres demographischen Übergewichts und einer neu entwickelten Dynamik jedoch die Balance zu ihren eigenen Gunsten verschieben könnte.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 197

„Heute verfügt die israelitische Minderheit in den USA in allen Bereichen des ökonomischen, aber auch des intellektuellen Lebens und der wissenschaftlichen Forschung über Spitzenpositionen und übt einen politischen Einfluß aus, der den Kritikern der »Jewish lobby« absolut disproportioniert und unerträglich erscheint. Auf dem Umweg über die biblischen Heilserwartungen, die die Gründung des Staates Israel bei den protestantischen Evangelikalen weckte, haben sich paradoxerweise gerade jene sektiererischen Gegner des Judentums als zuverlässigste Verbündete des Zionismus erwiesen und stehen der jeweiligen Regierung von Herusalem fast bedingungslos zur Seite.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 199

„Den Kassandrarufen, die aus Europa über den Atlantik tönen und die den Vereinigten Staaten einen unaufualtsamen Abstieg voraussagen, wird oft entgegengehalten, daß der Prozentsatz der Europäer an der Gesamtbevölkerung des Globus binnen relativ kurzer Frist von zwanzig Prozent auf vier Prozent geschrumpft sein werde und daß die Überflutung des Abendlandes durch afrikanische und orientalische Migranten die Form einer Völkerwanderung anzunehmen drohe. Dem könnte eine nüchterne und deprimierende Analyse der Verhältnisse in der Neuen Welt entgegengehalten werden.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 199

„Samuel Huntington, der durch seine düsteren Prognosen vom Kampf der Kulturen berühmt wurde, hat in seiner letzten Studie Who are We?  einen beschwörenden Appell an seine weißen und protestantischen Landsleute gerichtet, die er der rassischen und kulturellen Erosion ausgesetzt sieht. Er ruft sie dazu auf, dem Substanzverlust mit verzweifelter Energie entgegenzutreten. Es war wohl ein schicksalhafter Zufall, daß Huntington fast genau an dem Tag verstarb, an dem der Afroamerikaner Barack Hussein Obama erkoren wurde, das Schicksal von »God's Own Country« in seine Hände zu nehmen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 199

„Hier wird tragisch daran erinnert, daß die Eroberung der Welt durch den weißen Mann, die vor genau einem halben Jahrtausend die Ozeane überwand und zu ihrem Triumphzug ausholte, parallel zur Ausbreitung des Christentums stattfand, daß Kolonisierung und Missionierung beinahe zwangsläufig Hand in Hand gingen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 207

„Wie unterschiedlich dieses »heilige Experiment« verlief, das einer tiefen und frommen Überzeugung entsprang, gleichzeitig jedoch mit extrem grausamen, inquisitorischen Methoden durchgeführt wurde, läßt sich an der Gegensätzlichkeit der katholischen und der protestantischen Expansion darlegen. Die Mönche des heiligen Franziskus und des heiligen Dominikus, im Verbund und oft rivalisierend mit der elitären Kerntruppe des Papstes, mit den Jesuiten des Ignatius von Loyola, haben die halbe Welt der religiösen Autorität Roms unterstellt; von Lateinamerika bis zu den Philippinen, von Südindien bis zum Kongobecken Zentralafrikas. Die Patres der Societas Jesu, die aufgrund ihres unermüdlichen Studiums am Hof von Peking den Rang hoher Mandarine bekleideten, hatten sich zeitweilig in der Hoffnung gewiegt, durch die Taufe des Drachensohns und seines Hofes das gewaltige Reich der Mitte für die »alleinseligmachende Kirche« zu gewinnen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 207

„Die protestantischen Konfessionen haben sich in ihrer Vielfalt schwerer getan mit der kulturellen und ethnischen Verschmelzung, die in den meisten katholischen Diözesen praktiziert wurde und oft zu erstaunlichen Assimilationsergebnissen führte. Wenn die Protestanten sich in dieser exotischen Umgebung durchsetzten, mußten sie - zumal zwischen Kapstadt und Pretoria - das Handicap der protestantischen Lehre überwinden. So übertrugen die dort lebenden Buren ihre Vorstellung von der Prädestination auf ihre rassischen Vorurteile und die Differenz zwischen Weiß und Schwarz. Die prüde Nüchternheit der Reformierten, ihr Verzicht auf heiligen Kult und liturgisches Decorum, an dem lediglich die Anglikaner festhielten, förderte das Entstehen von bizarren, oft extravaganten Formen des Synkretismus mit den im Untergrund schlummernden Naturreligionen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 207-208

„Auf ganz andere Weise wiederum wurde der ganze Norden Asiens -vom Ural bis zum Pazifik - von den bärtigen Popen der prawoslawischen Kirche Rußlands, der byzantinischen Glaubensform des Christentums, einverleibt.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 208

„In jenen Kulturkreisen, die sich gegenüber allen Konversionsbemühungen der christlichen Mächte resistent oder immun erwiesen - in der weltumspannenden Umma des Islam, im starren Kastengefüge des Hinduismus, in der kontemplativen Absonderung des Buddhismus - erzielte zumindest das aufrührerische Gedankengut der Aufklärung verspätete Erfolge, nachdem die Klerisei in den Ruf des Obskurantismus und der Fortschrittsfeindlichkeit geraten war.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 208

„Noch heute zehrt die vielgerühmte »Demokratie« Indiens von einer importierten Form des »Enlightenments« und dem Gedankengut der »Fabian Society«. Dieser Trend wurde in der Person des ersten indischen Regierungschefs Jawaharlal Nehru - wohlweislich ein Brahmane der vornehmsten Kaste - überzeugend verkörpert. Daß die Aufklärung zwar eine leidenschaftliche Verwerfung christlicher Dogmatik vollzog, in Wirklichkeit jedoch auf dem Urgrund der Lehre des Nazareners gedieh, sollten erst spätere Generationen wahrnehmen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 208

„Schon in früheren Veröffentlichungen habe ich die Aussage des Schriftstellers André Malraux zitiert, der selbst Agnostiker und alles andere als ein klerikaler Frömmler war: »Das XXI. Jahrhundert wird religiös sein, oder es wird nicht sein.« Aus dieser Prognose ließe sich für Europa ein düsteres Schicksal ableiten. In dem Maße nämlich, wie andere Kontinente zu ihren Mythen und Riten zurückfinden, verzichtet das Abendland auf die eigenen Glaubensgewißheiten, löst sich von der ererbten Religiosität.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 208-209

„Auf das Modewort »Leitkultur« sollte man in diesem Zusammenhang lieber verzichten. Jedenfalls steht der westliche Hedonismus der eifernden, der kämpferischen Wiedergeburt oder Erneuerung anderer Bekenntnisse, vor allem des unmittelbar benachbarten Islam, rat- und hilflos gegenüber. »Die Menschenrechte sind kein Religionsersatz«, heißt es in einer Broschüre des französischen Heeres. Wer wäre schon bereit, für die Oktroyierung des politischen Pluralismus, für die erzwungene Weitergabe unserer parlamentarischen Bräuche das eigene Leben zu opfern, zumal die betroffenen fremden Völkerschaften nicht das geringste Verlangen nach einer solchen Übernahme bekunden?“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 209

„Die verheißungsvolle Epoche, als Kemal Pascha, der unter dem Namen Atatürk die moderne Türkei mit Brachialgewalt auf den Trümmern des Osmanischen Reiches errichtete, das Edikt erließ: »Es gibt nur eine Zivilisation, und das ist die europäische«, liegt weniger als ein Jahrhundert zurück. Heute hat die radikale Ausrichtung auf das Vorbild des Abendlandes keinen Sinn mehr. Das läßt sich an der jüngsten Entwicklung der postkemalistischen Türkei ablesen, die Schritt für Schritt zur islamischen Tradition und Gesittung, ja zu heimlichen Kalifatsträumen zurückfindet.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 209

„Unbehagen rief die Regensburger Vorlesung Benedikts XVI. hervor, als der Heilige Vater Manuel ll., einen obskuren Kaiser des ermatteten Byzantinischen Reiches, zitierte und dessen Behauptung übernahm, die Lehre Mohammeds habe nichts Neues und ansonsten nur Negatives bewirkt.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 227

„Benedikt XVI. habe seinem Auftrag ... geschadet, als er sich in einer Moschee von Istanbul zur nachgiebigen Versöhnungsgeste bereit fand, zum gemeinsamen Gebet mit dem Ulama in Richtung Mekka. Statt dessen hätte er mit strenger Mahnung die Gemeinschaft der Völker auf die Verfolgung und Ächtung aufmerksam machen müssen, denen die uralte apostolische Christenheit des Orients ausgesetzt ist. Oft genug würden diese Gemeinden von Zwangsregimen und Potentaten bedrängt, die sich lediglich unter dem Schutz amerikanischer rund europäischer Waffen auf ihren usurpierten Throme halten könnten. Der von Ayatollah Khomeini gegründete Gottesstaat im Iran lege eine glößere Toleranz geegnüber der christlichen und sogar der jüdischen »Familie des Buches« an den Tag als mancher angebliche Freund des Westens. Selbst der fürchterliche irakische Diktator Saddam Hussein habe seine christlichen Untertanen weit wohlwollender behandelt als der NATO-verbündete und Europa-Kandidat Türkei.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 227-228

„Die wenigen Weißen fallen unangenehm auf. Sogar zum Dinner erscheinen sie in abscheulichem Freizeitlook. Obwohl sie zweifellos aus vermögenden Verhältnissen stammen, treten sie wie Landstreicher aug mit halblangen Schlabberhosen und Sandalen, was wohl »coole« Lässigkeit vortäuschen soll. Fast alle haben sich am Swimmingpool einen Sonnenbrand geholt, und ihre gerötete Haut unterscheidet sich unvorteilhaft von den matten Bronzetönen der Eingeborenen. Ihre lauten Gespräche und dröhnenden Heiterkeitsausbrüche übertönen gerdaezu peinlich die zurückhaltende Gesittung der Asiaten.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 234

„Wenn man die Überlebenchancen des Christentums in Asien und der Dritten Welt an der Zahl der dort tätigen Missionare europäischer und nordamerikanischer Herkunft messen würde, ergäbe sich der tragische Eindruck, daß in Bälde für die Kirche nur noch der Weg in die Katakomben oder in die Bedeutungslosigkeit offenstehe, räumt der Jesuit ein. Das Abendland leide an einem fatalen Mangel an Berufungen zum geistlichen Stand, an einer Auszehrung der kirchlichen Substanz ....“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 236

„Das könne auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben. Gewisse Formen des Synkretismus - zumal mit den afrikanischen Naturreligionen - würden bereits in Kauf genommen, und das eindeutige Übergewicht des »Weißen Klerus«, das bislang als gottgegeben abgesehen wurde, müsse unweigerlich den demographischen und ethnischen Verlagerungen auch innerhalb der römischen Hierarchie angepaßt und reduziert werden.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 237

„(Philippinen, 1972). - Wir waren in weit größerer Gefahr als während meiner einwöchigen Gefangenschaft beim Vietkong ... Aber es gab da auch junge Fanatiker, die teilweise an den Universitäten der Insel Luzon mit dem marxistischen gedankengut der »New People's Army« in Berührung gekommen waren. Für sie galten wir als Spione der us-amerikanischen CIA.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 254-255

„(Philippinen, 1972). - Einen wahren Schock empfand ich, als ein langhaariger Unterführer mit Kalaschnikov sich plötzlich aufrichtete und ich auf seinem grünen T-Shirt ein großes Hakenkreuz mit der deutschen Inschrift »Sieg Heil« entdeckte. Diese unberechenbaren Freischärler durften auf keinen Fall erfahren, daß unser Kameramann Jossi Kaufmann von Geburt Israeli war ....“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 255

„Die Geschichte, so heißt es, wiederholt sich nicht. Das ist nur partiell wahr.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 261

„Die halbwegs einsichtigen Offiziere sind sich voll bewußt, daß der Krieg am Hindukusch nicht zu gewinnen ist.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 262

„In der Lehre einer utopischen Harmonie, die das Politbüro von Peking der parlamentarischen »Streitkultur« des Westens entgegensetzt, finden sich Konfuzius, Mao Zedong (Mao Tse-tung) und jener erste legendäre Kaiser Qin Xi Huangdi (Schi Hoang-ti) wieder. Dessen Reichsgründung zweihundert Jahre vor Christus erlaubt es heute der offiziellen Propaganda, die verblaßte Doktrin des Marxismus-Leninismus durch einen ehrgeizigen, alle Normen sprengenden Nationalismus zu ersetzen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 274-275

„Nach relativ kurzer Unterbrechung findet China wieder zu jenem erhabenen Rang zurück, der ihm seit seit vier Jahrtausenden zusteht.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 274-275

„Dem Abendland kann es nicht gleichgültig sein, je es stellt sich die nackte Überlebensfrage, wenn - um nur diese Beispiele zu erwähnen - die Zahl der Algerier zwischen 1960 und 2000 von 8 auf 30 Millionen, die der Iraker zwischen 1050 und 1990 von 5 auf 25 Millionen hochgeschnellt ist, währen der eigene Bevölkerungsstand nur durch den unablässigen Zustrom außereuropäischer Migranten auf dem bisherigen dem bisherigen Niveau gehalten wird. Für die außereuropäischen großen Siedlungsgebiete der weißen Menschheit - Nordamerika und Sibirien zumal - gelten ähnlich düstere Perspektiven.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 319-320

„Bei manchen allzu selbstherrlichen Philanthropen kommt mir das Zitat in den Sinn: »Der Freund des Menschengeschlechts ist niemandes Freund.«“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 323

„Einem hochrangigen Funktionär des Olympischen Komitees ist der geniale Gedanke gekommen, in Zukunft sollten die weltumspannenden sportlichen Wettkämpfe nur in Staaten ausgetragen werden, die den Ansprüchen von Menschenrechten und westlicher Demokratie entsprechen. Damit würde jedoch die Zahl der qualifizierten Veranstalter auf eine extrem bescheidene Anzahl der sogenannten Völkerfamilie reduziert. Das Atlantische Bündnis sollte sich nicht länger um die Erkenntnis herumstehlen, daß nicht nur gewisse Prozeduren des Parlamentarismus ihre Fragwürdigkeit offenbaren, sondern daß der pauschale Begriff »Demokratie«, der im klassischen Griechenland alles andere als einen Idealzustand menschlichen Zusammenlebens definierte, einer globalen Erosion ausgesetzt ist. Um nur ein griffiges Beispiel zu erwähnen: In Schwarzafrika ist die tribalistische Bindung und Verpflichtung das oberste und exklusive Gesetz politischen Kräftemessens.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 325

„Noch versteifen sich die Auguren des Westens auf die Behauptung, daß sich der asiatische Gigant nur unter Verzicht auf seine sozialistische Ideologie zu einer rüden Form des Frühkapitalismus durchgerungen habe .... Inzwischen haben die völlig unerwartete Finanzkrise des Jahres 2008 und die drohende Rezession in der Realwirtschaft die extreme Fragilität der angelsächsisch-calvinistisch ausgerichteten Finanzkonzepte bloßgelegt. In der breiten Öffentlichkeit des Westens kommt der Verdacht auf, daß die jüngsten Auswüchse des spekulativen Vabanquespiels den Anforderungen einer anfangs überschwenglich gepriesenen Globalisierung nicht gewachsen sind.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 326

„Wer hätte vor zehn Jahren vorauszusagen gewagt, daß New York und London das Heil ihrer Börsen in der Verstaatlichung einiger Großbanken suchen würden, daß die unbegrenzte Wachstums-Euphorie der Friedman-Schule und ihrer Chicago Boys mit einem Schlag recht altmodisch aussehen würde, während eine Rückwendung zu John Maynard Keynes und seiner These des »deficit spending« neuen Zuspruch gewänne?“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 326

„Wo sind die Zeiten geblieben, in denen der Mann einen Schips umbinden mußte, um ins Kino gelassen zu werden? Die Menschen fallen durch abenteuerliche Aufmachung auf, doch Eleganz ist kaum zu spüren.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 445

„Es kann einem ... ein Schauer überkommen bei der Perspektive auf eine globale Entwicklung, an deren Ende das biologische Ende des »weißen Mannes« stünde.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 446-447

„Es wird so viel über Klimawandel und ökologische Verseuchung gesprochen. Aber aufgrund der Kommunikationsmöglichkeiten, von denen unsere ... Vorfahren nicht zu träumen wagten, aufgrund einer subkutanen kulturellen Anpassung und Osmose, deren Ausmaß wir noch nicht ermessen, aufgrund einer technischen und elektronischen Beschleunigung der menschlichen Geistesentwicklung ... wäre auch eine Beschleunigung der Evolution, ja das jähe Auftreten von Mutationen nicht auszuschließen, die das Bild des »Homo Sapiens« erheblich verändern könnten. Der typologische Unterschied zwischen den Generationen ist bereits klar erkennbar. Dazu kommt das Phänomen einer durch einseitige Ernährung bewirkten Verfettung, die selbst auf China überzugreifen beginnt. Der androgyne Wuchs vieler Frauen ist weit vom Schönheitsideal der Vergangenheit entfernt.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 447

„Während sich die Öffentlichkeit dazu beglückwünscht, daß das Durchschnittsalter des Menschen demnächst auf über hundert Jahre ansteigen könnte, stellen sich nur die wenigsten die Frage, ob eine solche Langlebigkeit mit der im Rhythmus von Jahrtausenden entstandenen Normalität, den natürlichen Gesetzen, denen wir unterliegen, überhaupt zu vereinbaren ist. Die ständige Vermehrung von Demenz- Erkrankungen im hohen Alter könnte eine schreckliche Mahnung beinhalten.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 447

„Auffällig ist auch die geringe seelische Belastbarkeit, die sich zumal bei jungen Soldaten zeigt. Obwohl sie nie wirklich im Feuer gestanden haben, bedürfen sie einer psychologischen Betreuung, von der in früheren Kriegen nur in Extremfallen die Rede war. Das seien nur vage Hypothesen, wird man entgegenhalten, aber die Natur könnte uns noch mit ganz anderen Überraschungen zusetzen.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 447

„Befinden wir uns an der Schwelle einer neuen Evolution unserer Gattung? Werden die Allmacht des Computer-Systems, des Internets, die Omnipräsenz der elektronischen Überwachung und die Perspektive eines eventuellen Cyber- Wars gewisse Hirnfunktionen ausschalten, umgestalten oder weiterentwickeln?“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 448

„Wir haben die Schreckensvision Orwells, die er in seinem Buch 1984 aufzeichnete, längst überholt, und die düsteren Vorstellungen H. G. Wells' von einer »Brave New World« liegen bereits hinter uns. Man bedenke, daß das nationalsozialistische Deutschland noch vor siebzig Jahren von der Reinheit der nordischen, der germanischen Rasse fabulierte, von der Vorherrschaft der blonden Herrenmenschen, um festzustellen, wie plötzlich diese Utopie einer Gemischtrassigkeit gewichen ist, die uns täglich auf den Straßen Europas und Amerikas begegnet.“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 448

„In diesem Zusammenhang die existentielle »Angst des weißen Mannes« zu erwähnen, entspringt keiner Verzagtheit, keiner Phobie, sondern verweist auf eine Veränderung unserer Spezies ....“
Peter Scholl-Latour, Die Angst des weißen Mannes, 2009, S. 448

„»Fuck the EU!«“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 15

„Der dümmste Ausdruck, der dcen ... Kommentatoren in den vergangenen Monaten eingefallen ist, um jene Stimmen zu diffamieren, die ein Minimum an Objektivität bei der Beurteilung der russischen Diplomatie (Diplomatie? HB) anforderten, lautet »Putin-Versteher«.“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 18

„Das führte zu einer Demarche des damaligen Außenministers Schröder bei meinem Sender, dem WDR, der in meiner Berichterstattung einen Verstoß gegen die atlantische Solidarität zu entdecken glaubte. Dieser Zensur- Vorstoß war seinerzeit am Standvermögen des Intendanten Klaus von Bismarck gescheitert. Dieser hochdekorierte ehemalige Frontoffizier befragte mich zwei Stunden lang zu den Prognosen, die sich auf meine persönlichen Erfahrungen im französischen Indochina-Krieg stützten, und gab mir kurz und preußisch die Weisung: »Machen Sie weiter!«“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 18-19

„Wer geglaubt hatte, im Weißen Haus ... habe man von der einsamen Hegemonialvorstellung der USA Abschied genommen und das Aufkommen einer multipolaren Welt akzeptiert, wurde eines anderen belehrt. Statt die Existenz divergierender Kulturkreise anzuerkennen, die mit den vorbildlichen Vorstellungen des Westens nicht zu vereinbaren waren, griff man blindlings auf die obsoleten Thesen Fukuyamas zurück, der einst »das Ende der Geschichte« proklamiert hatte. US-Amerika präsentierte sich wieder als die »unentbehrliche Nation« und unterteilte die internationalen Akteure in »good and bad guys«. Daß diese Bewertung sehr oft nach heuchlerischen Maßstäben vollzogen wurde -man denke nur an die Bevorzugung der reaktionären und repressiven Petro-Monarchien der arabischen Halbinsel oder der Putsch-Diktatur des Generals Abdel Fattah el-Sisi in Ägypten -, wurde schlicht ignoriert.“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 27

„»Viel Feind, viel Ehr«, hieß es einmal im wilhelminischen Deutschland. Der us-amerikanische Rundumschlag unserer Tage erinnert an diese Verblendung. Man zwingt geradezu den russischen Widerpart, der mit bösen Ahnungen auf das erdrückende Übergewicht Chinas in Fernost blickt, eine enge Allianz mit Peking anzustreben, um sich den Gefahren einer Zweifronten-Situation zu entziehen. Wer dächte da nicht an das Nichtangriffsabkommen, das Stalin im April 1941 mit dem General Tojo in Tokio vereinbarte, was der Sowjetunion erlaubte, ihre sibirischen Divisionen zur Rettung Moskaus an die westliche Front zu werfen. Den Japanern wurde damit der Rücken freigemacht für ihren Angriff auf Pearl Rarbor und die Eroberung Südostasiens.“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 35

„Wieder sollte jenseits der unerträglichen Bruderzwiste im slawischen Osteuropa oder im Nahen und Mittleren Osten der Blick auf die weltweiten Dimensionen des aktuellen Geschehens gerichtet werden. Es ist ja nicht so, als wären die pazifischen Räume von den europäischen Querelen nicht betroffen. So berührt es seltsam, daß ein renommierter japanischer Politologe, Norihiro Kato, der sich der Remilitarisierung Nippons durch die Regierung Shinzo Abe entgegenstellt, die Parallele herstellt zwischen dem »schlafwandlerischen« Kriegsbeginn in Europa im Jahr 1914 und den Gewitterwolken, die sich heute zusammenbrauen. Man könne durchaus einen Vergleich anstellen zwischen der damaligen und der heutigen Situation. Vor hundert Jahren sei die Weldage gekennzeichnet gewesen durch eine allgemein anerkannte Weltmacht, nämlich Großbritannien, die sich bedroht sah durch das stürmische Aufkommen eines ehrgeizigen Rivalen, nämlich Deutschland, während sich Frankreich bereits einem schleichenden Niedergang zuneigte. Heute sei die Welt gekennzeichnet durch die trügerische Allmacht USA, durch den stürmischen Machtwillen Chinas und das Verblassen der japanischen Ansprüche. Bei diesem Beharren auf nationalistischen Prärogativen bestehe die wachsende Gefahr eines »Sarajevo Type lncident«, der plötzlich nicht mehr zu kontrollieren wäre.“
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat, 2014, S. 39

 

 

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