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Spengler Spengler-Zitate Spengler
„POLITISCHE PFLICHTEN DER
DEUTSCHEN JUGEND“, 1924
(in: „Politische Schriften“, 1919-1926)
Zitate
Eine Rede (Würzburg, 26.02.1924)
Zitate

NACH OBEN Zitate aus der Rede in Würzburg (26.02.1924):

„Augenblicklich aber vollzieht sich in Afrika eine Wandlung, die man vor kurzem noch für unmöglich gehalten hätte. Als Napoleon die Expedition nach Ägypten unternahm, war er auf den Zufall angewiesen, daß die Flotte ungehindert dorthin gelangte, und nach ihrer Vernichtung war er auf Ägypten beschränkt. Heute geht Frankreich planmäßig daran, den Erdteil Afrika zu militarisieren. Hunderttausende von Negern werden durch Einführung der Dienstpflicht vom Senegal bis Tunis militärisch ausgebildet; ein Netz strategischer Bahnen ist zwischen Algier, dem Sudan und dem Tschadsee im Bau begriffen, so daß heute schon eine Landbrücke besteht, welche die Verschiebung von Heeren von Marokko zur Guineaküste und eines Tages nach Ägypten oder dem Kongo möglich macht. Seit ihrer Verwendung im Weltkrieg sind die Neger sich ihrer Macht und Zusammengehörigkeit bewußt geworden. Ein wachsendes Selbstgefühl erfüllt sie alle von den Senegalesen bis zu den Kaffern, und es wird durch eine von den Negern Amerikas ausgehende Propaganda beständig geschürt. Damit tritt ein ganzer Erdteil in die aktive Politik ein, um so mehr, als der Islam mit ungeheurem Erfolge die Negerbevölkerung nördlich des Äquators bekehrt und nicht nur in ihrer Weltsanschauung, sondern auch politisch aufgeweckt und einem gewaltigen unsichtbaren System angegliedert hat, das von Bagdad nach China und von Mekka bis zum Atlantischen Ozean reicht. Ob diese neuen Mächte in einem kritischen Augenblick auf englischer, französischer oder andrer Seite stehen werden, ist eine dunkle Frage, von der unendlich vieles abhängt. Tatsache ist jedenfalls, daß südlich von Europa, ein weites Gebiet aus seinem Schlaf geweckt und in die Weltpolitik einbezogen worden ist, so daß europäische Kämpfe unter Umständen dahinter zurücktreten können. Ganz dasselbe gilt von Asien.“  (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 136Spengler).

„Wofür haben sich die Schillschen Offiziere (Spengler) geopfert?  Für England! Wofür hat unsere Jugend in den Befreiungskriegen gelitten?  Für England! Und wofür arbeitet die völkische Bewegung von heute, blind wie sie ist und handelt und denkt ?  Für Frankreich! Nur das unbestechliche Auge Goethes sah damals das Ziellose der Freiheitsschwärmerei und ich rate Ihnen, immer und immer wieder sein erschütterndes Gespräch mit Luden vom November 1813 zu lesen. Die prachtvolle und ebenso törichte Jugend, die sich hernach an altteutschen Kostümen, altteutschen Redensarten und Tabakspfeifen, romantischen Festen auf der Wartburg und in Hambach berauschte - während England durch die Vernichtung des Mahrattenreiches Indien endgültig unterwarf und seinen Blick auf das von Spanien abgefallene Südamerika richtete, und die englische Hochschuljugend über taktische Fragen der Weltpolitik und Weltwirtschaft zu debattieren begann - diese Jugend war nichts als ein Stein im Spiel der großen, vor allem der englischen Diplomatie. Sie wurde losgelassen, als man sie brauchte, und preisgegeben, als sie ihren Zweck für fremde Mächte erfüllt hatte.“  (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 149-150Spengler).

„Wenn Sie nicht wollen, daß auch die nationale Begeisterung dieser Jahre nur ein Werkzeug ist in den Händen der ausländischen Diplomatie und ihrer innerdeutschen Gefolgschaft, dann müssen Sie sich zu etwas anderem erziehen als zu einer Politik hemmungsloser, romantischer, weltblinder Leidenschaften. Nicht daß man gegen diese oder jene Macht Lärm schlägt, hat Bedeutung. Wenn ich heute durch die Straßen deutscher Städte gehe und sehe, was für Versammlungen und Umzüge stattfinden, was für Zettel an den Häusern kleben, was für Abzeichen getragen werden, was gesungen oder getrieben wird, was für kindliche Theorien an die Stelle wirtschaftlicher Tatsachen gesetzt werden sollen, was alles man vor der breitesten Öffentlichkeit treibt und sagt, was in jedem anderen Lande mit großer Zurückhaltung erst weltpolitisch durchdacht und dann verschwiegen werden würde, so möchte ich verzweifeln. Ich frage mich immer wieder, welche feindliche Macht diese blinde, planlose, alle Tatsachen der Weltlage verachtende Schwärmerei eines Tages ausnützen und dann preisgeben wird.“ (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 150Spengler).

„Wir müssen uns, so hart es uns ankommen mag, dazu entschließen, Politik als Politik zu treiben, so wie man sie von jeher verstanden hat, als eine lange, schwere, einsame und wenig volkstümliche Kunst, und nicht als Rausch oder militärisches Schauspiel. Die meisten von Ihnen haben Waffen getragen. Ich erinnere Sie daran, daß Politik nichts ist als eine Kunst des Fechtens mit geistigen Waffen. Sie wissen, was Übung, Geschick und Kaltblütigkeit hierin bedeuten. Sie wissen, daß das Geheimnis des Sieges in der Überraschung des Gegners liegt. Wenn Sie im Zweikampf oder auf dem Schlachtfelde die Methoden Ihrer politischen Tätigkeit anwenden wollten, vor dem Auge des Gegners die Waffe mit Geschrei in der Luft schwingen, den Angriff in aller Öffentlichkeit verkünden und vorbereiten, so wäre der erste Schlag auch schon der letzte. Über den Erfolg entscheidet die Leidenschaft jedenfalls nicht. Leidenschaften machen abhängig. Und allzu oft bietet unsere nationale Bewegung, so wie sie heute innerhalb des deutschen Parteikampfes verläuft, das Bild eines Stiers in der Arena, blind, wütend, jedem Verständnis der Situation unzugänglich. Wir müssen endlich lernen, daß große Politik sich ebensowenig im Organisieren und Agitieren, in Programmen und Gefühlsausbrüchen erschöpft wie andrerseits in der bloßen Lösung von Wirtschaftsproblemen. Ein kluger Geschäftsmann ist noch kein Politiker - obwohl Politik die Geschäftsführung eines Staates ist -, aber Trommler und Pfeifer sind erst recht keine Feldherrn.“ (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 150-151Spengler).

„Aber darüber hinaus wacht unsere trostlose Vergangenheit mit ihrer stumpfsinnigen Kleinstaaterei, ihrem Philisterhorizont, ihrem erbärmlichen Gezänk von einem Ländchen zum andern wieder auf und droht den Gesichtskreis auch der nationalen Bewegung bis zur Hoffnungslosigkeit zu verengen. Nicht der Partikularismus allein ist ein Ausdruck ererbter Provinzgesinnung, sondern auch die heute wieder übliche Behandlung deutscher Fragen, als ob Deutschland allein in der Welt wäre.“ (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 152Spengler).

„Ich rate der Jugend, alle begeisterten Programme und Parteischriften aus der Hand zu legen und einzeln oder zusammen planmäßig die diplomatischen Akten der letzten Jahrzehnte zu studieren, wie sie etwa in den Veröffentlichungen aus deutschen Archiven oder in englischen Blaubüchern vorliegen, die Schriftstücke zu vergleichen, sich über Zwecke, Mittel und Erfolge ein Urteil zu bilden und so in die moderne staatsmännische Praxis einzudringen; die Reden und Briefe großer deutscher Politiker, die Denkschriften der besten Kenner der heutigen Weltwirtschaft wie Keynes oder Helfferich sorgfältig durchzugehen, um sich zunächst ein Urteil über die Lage, die Methoden, die Bedeutung der handelnden Persönlichkeiten zu bilden, woraus sich dann wohl für den einzelnen ergeben wird, wie es um seine eigene Begabung auf politischem Gebiete steht.“ (Oswald Spengler, Politische Pflichten der deutschen Jugend, 1924, in: Politische Schriften, S. 155Spengler).

 

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Anmerkungen:


Ferdinand von Schill (1776-1809), preußischer Offizier, der sich in den Koalitionskriegen vor allem bei der Verteidigung von Kolberg (1807) auszeichnete. 1809 versuchte er vergeblich mit seinem Husarenregiment eine allgemeine Erhebung gegen Napoleon I. auszulösen und fiel in Stralsund im Straßenkampf; 11 Offiziere seines Korps wurden in Wesel standrechtlich erschossen, mehr als 500 Soldaten auf französische Galeeren geschickt. In Goethes um 1800 geplanten Schlußgedicht zum „Faust“ sollte es heißen: „Der Deutsche sitzt verständig zu Gericht“ („Abkündigung“; V. 2), und im 2. Akt des 2. Teils heißt es: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“. An Eckermann schrieb Goethe u.a.: „... die Engländer überhaupt scheinen vor vielen anderen etwas vorauszuhaben. .., als wären sie überall die Herren und als gehöre die Welt überall ihnen. Das ist es denn auch, was unsern Weibern gefällt und wodurch sie in den Herzen unserer jungen Dämchen so viele Verwüstungen anrichten .... Es sind gefährliche junge Leute; aber freilich, daß sie gefährlich sind, das ist eben ihre Tugend. .... Es liegt ... darin, daß sie eben die Courage haben, das zu sein, wozu die Natur sie gemacht hat. .... Das Glück der persönlichen Freiheit ... kommt schon den Kindern zugute, so daß sie ... einer weit glücklich-freieren Entwicklung genießen als bei uns Deutschen. .... Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts übrig bleibt als der Philister. .... Könnte man nur den Deutschen, nach dem Vorbilde der Engländer, weniger Philosophie und mehr Tatkraft, weniger Theorie und mehr Praxis beibringen ....“ (Goethe zu Eckermann; 12.03.1828). „Während aber die Deutschen sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischen Verstande aus und gewinnen die Welt.“ (Goethe zu Eckermann; 01.09.1829).Goethe

 

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