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Kulturwoche = Kulturquartal = 3 KulturphasenKulturwoche = Kulturquartal = 3 Kulturphasen Eine „Kulturwoche“ ist ein „Kulturquartal“, eine „Kultur-Jahreszeit“ (3 Kulturphasen). 3 KulturphasenKulturwoche = Kulturquartal = 3 Kulturphasen
Eine „platonische Woche“ hat nicht 7 Tage, sondern rund 500 Jahre (7 • 70,77 Jahre).
In diesem Sinne ist darum „Wochenschau“ als kulturelle „Quartalsschau“ zu verstehen.
Nehmen Sie sich ruhig eine „platonische Stunde“ (rd. 2,9 Jahre), um das zu verinnerlichen!

NACH OBEN Anmerkungen:

Phase ist für mich der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch technische und künstlerische Richtungen, aber auch durch ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60-80 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 200-300 Jahre, die etwa jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel etwa 180 Jahre. Ein Kulturquartal (eine „Platonische Woche“, „Weltwoche“ , Kulturwoche, KulturjahreszeitKulturquartal im Kulturkreis) umfaßt 3 Phasen und damit durchschnittlich 500-600 Jahre, manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend (Renaissance, Barock und Rokoko). Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten (Jahreszeiten) sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben, z.B. auch vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elter[e]n) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die magische Kultur existieren als Zivilisationen („Erwachsene“) schon länger als das Abendland.

Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid (Euklid) hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß (Gauß) ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. Oswald Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390 Spengler). Vgl. dazu auch das Germanentum (Germanen).

„Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 784). Auch eine junge Kultur kann so mächtig sein, daß sie eine alte dort, wo sie zu Hause ist, überlagert. Das Beispiel zwischen der (alten) apollinischen Kultur, auch kurz „Antike“ genannt, und der (jungen) magischen Kultur, auch „Persien/Arabien“ genannt, macht es deutlich: „Solange die Antike sich seelisch aufrecht hielt, bestand die Pseudomorphose darin, daß alle östlichen Kirchen zu Kulten westlichen Stils wurden. Dies ist eine wesentliche Seite des Synkretismus. .... Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 800-801).

„Das Urteil Jugurthas über Rom.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 147).

„Die Libyer und »Seevölker« durch die Ägypter des Neuen Reiches, die Germanen durch Rom, die Türken durch die Araber, die Neger durch Frankreich.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 147).

Vgl. Eduard Meyer (1855-1930 Eduard Meyer), Blüte und Niedergang des Helleninsmus in Asien (1925), Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 148.

Vgl. Oswald Spengler, Unfruchtbarkeit und Zerfall (Spengler), in: Der Untergang des Abendlandes (Spengler), 1917-1922, S. 678-687. Unter anderem heißt es hier: „Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in diesem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. ... Kinderreichtum .... wird etwas Provinziales. Der kinderreiche Vater ist in Großstädten eine Karikatur ....“ (Oswald Spengler, ebd., S. 679 und 681).

Vgl. Oswald Spengler (Spengler), Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, z.B. die Seiten 224, 561-564, 880, 971, 996. Spengler

Internationaler Terrorismus ist Global-Terrorismus (Global-Terrosrismus). Und das Abendland machte ihn möglich. Man kann ihn auch als jenes Bündnis zwischen „Klassenkampf“ („Weiße Weltrevolution“Weiße Revolution) und „Rassenkampf“ („Farbige Weltrevolution“Farbige Revolution) beschreiben, das Oswald Spengler (Spengler) richtig prophezeite, denn es ist mittlerweile zu einr Tatsache geworden. Ein solcher Krieg beinhaltet den „Kampf der Kulturen“ als „Zusammenprall der Zivilisationen“ („Clash of Civilizations“Huntington). Ohne die abendländische Kulturgeschichte (besonders seit Beginn der Moderne: der abendländischen Zivilisation) wäre die gesamte „Weltrevolution“ und deshalb auch der Global-Terrorismus nicht möglich geworden, denn die abendländische Kulturgeschichte ist eine Geschichte der Globalisierung (Globalisierung), aber deren Vollendungsphase ist die Globalismus-Phase (22-2422-24), die ich auch Befruchtung oder Cäsarismus nenne. Deren Anfang erleben wir gerade. Ob die Abendländer (insbesondere die Germanen unter ihnen) verhindern können, was bei Spengler „Sturz der weißen Mächte“ (Spengler), Untergang der „weißen Völker“ (Spengler), Untergang des Abendlandes (Spengler) heißt - darauf kommt es an. „Die große Geschichte ist anspruchsvoll.“ (Spengler). Daher die ebenfalls anspruchsvollen Begriffe wie „Weltrevolution“ (Welrevolution) und „Bündnis der zwei Weltrevolutionen“ (Welrevolution). Und weil „Revolutionen“ eher „Explikationen“ (Sloterdijk) sind und „der Terror die Umwelt unter dem Aspekt der Verletzbarkeit“ (Sloterdijk) expliziert, können wir seit Beginn unserer Globalismus-Phase wissen, daß Globalismus auch Global-Terrorismus beinhaltet.

Papst Johannes Paul II. (Johannes Paul II.), der erste Papst slawischer Herkunft, stammte aus Polen!

Schon Oswald Spengler (Spengler) stellte dem in der Tat bereits sichtbaren langsamen Erlöschen der geistigen und künstlerischen Kräfte des Abendlandes und seiner Ableger die immer noch andauernden schöpferischen Fähigkeiten der faustischen Abendländer im Bereich ihrer modernen Technik entgegen. Hierin werde das Abendland, darin war Spengler überzeugt, noch lange Zeit einen unaufholbaren Vorsprung besitzen. Aber eben nur dann, wenn die Gefahr einer Überwältigung durch die „weiße Weltrevolution“ (Weiße Revolution), die „farbige Weltrevolution“ (Farbige Revolution), das Bündnis beider (Zum B&uuuml;dnis von weißer und farbiger Weltrevolution (vgl. Oswald Spengler, a.a.O.)) und einer allzu raschen Aneignung der modernen Technik durch die nichtabendländischen Völker rasch erkannt und mit entschlossen durchgeführten Gegenmaßnahmen bekämpft werde. (Gunnar Heinsohn sagte 2006 im Philosophischen Quartett, Europa habe nur noch die Möglichkeit, sich als Festung zu verteidigen: „und ich weiß nicht, ob Europa das kann.“Heinsohn). Spenglers Prophezeiung einer kommenden globalpolitischen Konfrontation, die sich vor allem an der Linie der kulturellen Differenz abspielen werde, ist eingetroffen. Wir wissen heute, „daß sich - sogar nach dem Ende der Ost-West-Spaltung und des Kalten Krieges - eben keine »einheitliche« Welt, kein Weltstaat, kein »ewiger Frieden«, auch keine kulturell nivellierte, »amerikanisierte« Einheitswelt herausgebildet hat, trotz aller ökonomischen »Globalisierung«. Das »Ende der Geschichte« (Beispiel Fukuyama), die Auflösung historischer Existenz im Zuge eines universal agierenden Liberalismus, ist bis heute tatsächlich ausgeblieben. Die von Nietzsche prophezeiten »letzten Menschen«, die »in der Sonne blinzeln« und sagen »Wir haben das Glück erfunden«, sind - obwohl dieser Typus sich in den 1990er Jahren hier und da bereits anzukündigen schien - noch nicht auf der Bildfläche der Gegenwart erschienen. Die fundamentalen kulturellen Differenzen zwischen den verschiedenen Kulturkreisen bestehen weiterhin mit unverminderter Schärfe fort, vor allem zwischen der europäisch geprägten und der islamischen Welt. Und es sieht nicht so aus, als ob sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern sollte. Das bedeutet aber: Der entscheidende Faktor der heutigen Weltpolitik ist und bleibt vorerst die Tatsache der kulturellen Fragmentierung der Welt und der sich daran anschließenden politischen Konflikte. Wie immer man die Ursachen dieser Konflikte auch deuten mag: als Konfrontation eines religiös-kulturellen »Fundamentalismus« mit der »aufgeklärten Welt« des Westens oder doch wohl treffender (und zugleich neutraler) als »Zusammenstoß der Kulturen« (Vgl. z.B. Huntington) - es handelt sich um ein Faktum, das Spengler ... bereits präzise vorausgesehen und wenigstens in seinen Umrissen beschrieben hat, freilich mit den Begriffen seiner damaligen Gegenwart und unter Bezugnahme auf die seinerzeit unmittelbar drängenden Zeitprobleme. Was man von Spengler auch heute noch lernen kann, was also von seinem politisch-publizistischen Werk bleibt, das ist die Einsicht in die Unhintergehbarkeit und auch in die Unüberwindbarkeit der Konflikthaltigkeit der politischen Existenz des Menschen. Solange Menschen unterschiedlichen Kulturen angehören und sich dessen auch bewußt sind, so lange wird es keine Einheitswelt geben, so lange wird es Konkurrenzkämpfe und in der Regel auch gewaltsame Konflikte zwischen den Angehörigen der verschiedenen, miteinander konkurrierenden Kulturkreise geben. Denn auch das hat Spengler gelehrt: Zwei Kulturen mögen sich noch so sehr annähern - eine letzte, unüberwindbare Schranke bleibt immer bestehen. Das vermeintlich allen gemeinsame »Menschliche« kommt nur dort zum Tragen, wo es um die »Natürlichkeit« des Menschen geht. Kommt die »Kultur« ins Spiel, dann beginnt der Konflikt, weil Kulturen jeweils zeitlich und räumlich gebunden, daher grundsätzlich verschieden sind und letztlich fundamental voneinander differieren. Daraus folgt nun keineswegs zwingend, daß es für alle Zukunft eine agonale, eine »kriegerische« Welt geben muß, daß die Menschen, so lange sie existieren werden, sich immer wieder gegenseitig zu vernichten trachten. Aber daraus folgt, daß es Frieden und Eintracht, wenn überhaupt, nur in der von allen gemeinsam erkannten und bewußt ausgehaltenen, bewußt akzeptierten Differenz geben wird. Hierin liegen die Grenzen des Universalismus und erst recht diejenigen der »Globalisierung«. Und darin liegt auch die Unmöglichkeit des Verzichts auf »Politik«, auch des Verzichts auf »Weltpolitik« in einem durchaus traditionell gemeinten Sinn. Noch für unsere Gegenwart gilt unverändert - vielleicht mehr denn jemals zuvor - die Warnung, die Spengler ... formulierte: »Der Verzicht auf Weltpolitik schützt nicht vor ihren Folgen« (Spengler).“ (Peter R. Hubert, Kulturtheorie und Kulturkonflikt, in: Sezession-Sonderheft, Mai 2005, S. 18Sezession).

„Durch Stoffwechseltätigkeiten werden in einem vitalen System erhöhte Innenleistungen stabilisiert, auf der physischen wie der psychischen Ebene. Das Phänomen Warmblütigkeit ist hiervon die eindrucksvollste Verkörperung. Mit ihm vollzog sich, etwa zur »Halbzeit der Evolution«, die Emanzipation des Organismus von den Umgebungstemperaturen - der biologische Aufbruch in die Freibeweglichkeit. Von ihr hängt alles ab, was später in den unterschiedlichsten Sinnabschattungen Freiheit heißen wird. Biologisch betrachtet, bedeutet Freiheit das Vermögen, das gesamte Potential spontaner Bewegungen zu aktualisieren, die einem Organismus eigentümlich sind. Die Lossagung des warmblütigen Organismus vom Primat des Milieus findet ihr mentales Gegenstück in den thymotischen Regungen der Einzelnen wie der Gruppen. Als moralischer Warmblüter ist der Mensch auf die Aufrechterhaltung eines gewissen internen Selbstachtungsniveaus angewiesen - auch dies setzt eine Tendenz zur Loslösung des »Organismus« vom Vorrang des Milieus in Gang. Wo sich die stolzen Regungen geltend machen, entsteht auf der psychischen Ebene ein Innen-Außen-Gefälle, in dem der Selbstpol naturgemäß den höheren Tonus aufweist. Wer die untechnischen Ausdrucksweisen bevorzugt, kann dieselbe Vorstellung durch die These wiedergeben, die Menschen besäßen einen angeborenen Sinn für Würde und Gerechtigkeit. Dieser Intuition hat jede politische Organisation gemeinsamen Lebens Rechnung zu tragen. Zum Betrieb moralisch anspruchsvoller Systeme, alias Kulturen, gehört die Selbststimulierung der Akteure durch die Hebung thymotischer Ressourcen wie Stolz, Ehrgeiz, Geltungswille, Indignationsbereitschaft und Rechtsempfinden. Einheiten dieser Art bilden in ihrem Lebensvollzug lokalspezifische Eigenwerte aus, die bis zum Gebrauch universalistischer Dialekte führen können. Es läßt sich durch empirische Beobachtung schlüssig nachweisen, wie erfolgreiche Ensembles durch einen höheren inneren Tonus in Form gehalten werden - an dem im übrigen häufig der aggressive oder provozierende Stil des Umweltbezugs auffällt.“ (Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 38-39).

„Im übrigen verdankt man ... Francis Fukuyama eine der besten Zusammenfassungen der antiken und neuren Diskurse über den Thymos, und zwar in den gedankenreichsten Abschnitten des unglesenen Bestsellers Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir?,  1992 (Fukuyama). .... Der Leser muß wenig Scharfsinn aufwenden, um zu erkennen, daß manche Themen und Motive des vorliegenden Versuchs aus einem imaginären Dialog mit Francis Fukuyamas Buch The End of History and the Last Man aus dem Jahr 1992 entspringen. Ich mache kein Geheimnis aus meiner Ansicht, diese Publikation gehöre - trotz ihrer leicht zu entdeckenden kritikwürdigen Aspekte - zu den wenigen Arbeiten der zeitgenössischen politischen Philosophie, die an den Nerv der Epoche rühren. Sie hat bewiesen, daß akademisches Denken und Geistesgegenwart sich nicht immer gegenseitig ausschließen.“ (Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 41, 62).

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 96.

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 97. Hier heißt es u.a.: „Das Dasein kann sich ebensogut daran orientieren, daß es als Ganzes die Strecke von der Kränkung bis zur Rache durchläuft. Aus solcher Hingespanntheit auf den entscheidenden Augenblick entspringt die existentiale Zeit - und diese Stiftung eines Seins-zum-Ziele ist mächtiger als jede vage heroische Meditation des Endes.“ (Ebd., S. 97). Sloterdijks „Sein-zum-Ziele“ ist also eine Ergänzung zu Heideggers „Sein-zum Tode“. In Heideggers 1927 erschienenen Hauptwerk mit dem Titel Sein und Zeit, worauf Sloterdijks 2006 erschienenes Werk mit dem Titel Zorn und Zeit ja anspielt, erfährt der Mensch seine „Eigentlichkeit“, seine Befreiung von Fremdbestimmung, als „Sein zum Tode“, in Hinblick auf seine eigene Endlichkeit. Sloterdijk ergänzt, daß diese Eigentlichkeit auch im Durchlauf von der Kränkung bis zum Augenblick der Rache erfahrbar werde. Der Zorn wird somit zum Existential oder auch „Existenzial“  (Heideggers Schreibweise).

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 198. Sloterdijk

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 222. Sloterdijk

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 226. Sloterdijk

„Ohne Zweifel ist das Kapitel über den Zorn Gottes (»Der zornige Gott: Der Weg zur Erfindung der metaphysischen Rachebank«Sloterdijk) das Glanzstück der geistesgeschichtlichen Zorn-Erkundungen von Peter Sloterdijk. Etwas Schärferes und Treffenderes und Erfrischenderes über die Paradoxien des jüdisch-christlichen Gottes und seines Zorns hat man lange nicht gelesen. Hier wird das Ressentiment Sloterdijks gegen das jüdisch-christliche Ressentiment, das gewissermaßen die Vorform der Zornschatzbildung durch den Kommunismus bildet, derart schöpferisch, daß man sich ob mancher gelungenen Formulierung vor Lachen den Bauch halten muß. .... Sloterdijks Essay enthält viele gute und neue Gedanken. Und auch, wenn man, einem alten Witz folgend, sagen muß, daß nicht alle guten Gedanken neu sind und nicht alle neuen Geschichten gut, so kann man Sloterdijks Buch dennoch ohne Bedenken zu einer ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Lektüre empfehlen.“  (Johannes F. Lehmann, Von Achill zu Al-Qaida - Sloterdijks Essay zur politischen Ökonomie des Zorns [Rezension], 2006).

Jens Bisky, in: Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006. Weiter heißt es hier in der Renzension zu Sloterdijks Buch Zorn und Zeit (2006): „... die ungelösten Probleme aber liegen in der liberalen Welt selber: Sie kennt gegenwärtig keinen Weg, Zorn in Stolz umzuwandeln, Stolz produktiv zu machen.“

In seinem Buch Du mußt dein Leben ändern (2009) setzt Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk) das „Ende des Eisernen Zeitalters“ („Ende des Eisernen Zeitalters“) mit dem „Ende der Geschichte“ („Ende der Geschichte“) gleich (ausgehend von folgendem Zyklus: Goldenes Zeitalter => Silbernes Zeitalter => Bronzenes Zeitalter => Eiseneres Zeitalter => Bronzenes Zeitalter => Silbernes Zeitalter => Goldenes Zeitalter) und glaubt zu wissen, „warum wir als Angehörige der modernen Zivilisation zwar nicht in ein Goldenes Zeitalter gelangten, uns aber auch nicht mehr als Bürger des Eisernen Zeitalters verstehen dürfen. Im Gespräch über dieses Thema fallen Philosophie und Nicht- Philosophie in eins, geschichtsphilosophische Thesen und alltägliche Intuitionen gehen ineinander über. In einer mittleren Sprache ist den hochtrabenden Konservativent zu widersprechen, die das Idiom der Eisernen Zeit weiterpflegen, als ob nichts geschehen wäre. (Jüngeres Beispiel: Robert D. Kaplan, Warrior Politics, 2002). In derselben Tonart ist den lokal immer noch virulenten linksradikalen Ideologen entgegenzutreten, die aus Enttäuschung über die fehlgeschlagene Rückkehr ins Goldene Zeitalter alles tun, um das Silberne als Farce zu verleumden. Nur in einem solchen Gespräch läßt sich der vernünftige Inhalt der etwas übertrieben vorgetragenen und noch übertriebener abgewehrten Reden über das» Ende der Geschichte« nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wiederholen. Das »Ende der Geschichte« (Anführungszeichen von mir; HB) ist eine Metapher für die Außerkraftsetzung des im Eisernen Zeitalter herrschenden Realitätsprinzips im Gefolge nicht-heroischer Maßnahmen gegen die fünf Nöte ([1] Hunger, [2] Überlastung, [3] Sexualität, [4] Herrschaft/Feindschaft, [5] Sterben; vgl. ebd., S. 657-666; Anm. HB). Dazu gehören: ([1]) die industriepolitische Umstellung von Knappheit auf Überangebot; ([2]) die Arbeitsteilung zwischen Höchstleistern und mäßig Angestrengten in Wirtschaft und Sport; ([3]) die allgemeine Deregulierung der Sexualität; ([4]) der Übergang zu herrenloser Massenkultur und feindloser Kooperationspolitik; ([5]) die Ansätze zu einer postheroischen Thanatologie. Keine dieser Maßnahmen ist ohne Makel, nicht eine von ihnen kann sich ganz über die Ebene der kleineren Übel erheben, in manchen Aspekten werden sie sogar wie größere Übel neuen Typs wahrgenommen. Darum neigen unzählige Bewohner des zweiten Silbernen Zeitalters, das sich selbst nicht begreift, zur üblen Nachrede über den neuen Zustand. Was man die »Postmoderne« (Anführungszeichen von mir; HB) nennt, ist in weiten Teilen nichts anderes als die mediale Ausschlachtung des Unbehagens am Zweitbesten - mit all den Risiken, die Luxuspessimismen anhaften. Die Schicksalfrage heißt: ob es gelingt, die Standards des episodisch aufgetauchten Silbernen Zeitalters zu stabilisieren oder ob der Rückfall in ein Eisernes Zeitalter vor der Tür steht, von dessen Aktualität alte und neue Realisten überzeugt sind - nicht zuletzt unter Hinweis auf die Tatsache, daß mehr als zwei Drittel (hier irrt Sloterdijk, denn es sind mehr als VIER FÜNFTEL! Anm. HB 20% der Menschheit) der Menschheit es nie verlassen haben. Ein solcher Rückfall wäre kein Schicksal, sondern eine Folge mutwilliger Reaktionen gegen die Paradoxien des Daseins im Suboptimalen. Die Entscheidung über den weiteren Lauf der Dinge hängt davon ab, ob der Lernzusammenhang der Moderne durch sämtliche technischen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, epistemologischen und sanitären Krisen hindurch zu einem hinreichend stabilen Kontinuum des Besserungswissens und Optimierungskönnens auszubauen ist. Wie wenig sich dieses Kontinuum von selbst versteht, ist an der Tatsache abzulesen, daß die Ideengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts eine endlose Serie von Aufständen der Zivilisationsfeindschaft und des antitechnischen Ressentiments hervorbrachte, gleich ob diese im Namen des Glaubens, der Seele, des Lebens, der Kunst, des Volkstums, der kulturellen Identität oder der Artenvielfalt erfolgten. Diese Ausbrüche stellte Trainingsabbrüche dar, die der Modernitätsfitneß schweren Schaden zuführten - und die Gefahr neuer Abbrüche ist nicht gebannt, wie die Allgegenwart der roten, braunen, schwarzen und grünen Fundamentalismen beweist. Der »Diskurs« der »Moderne«, nicht nur der philosophische, verlangt nach einer ständigen Klärung der Agenda und nach der Abwehr falscher Lehrpläne. Jede Generation muß zwischen Eskapismen und traditionsfähigen Formen wählen. Um auch nur die Möglichkeit eines effektiven lernkontinuums zu sichern, ist eine intensive Filterung der zeitgenössischen Ideenproduktion unabdingbar - ein Aufgabe, die man vormals der inzwischen völlig entkernten »Kritik« anvertrauen wollte. An die Stelle der Kritik tritt eine affimative Zivilisationstheorie, die sich auf eine Allgemeine Immunologie (Sloterdijk) stützt (siehe unten S. 709f.).“ (Peter Sloterdijk, Zur Verteidigung des zweiten Silbernen Zeitalters, in: Du mußt dein Leben ändern, 2009, S. 669-672, hier: S. 670-672Sloterdijk).

Zum „Ende des Eisernen Zeitalters“ vgl. Hesiod (um 700 v.C.Hesiod), Werke und Tage (Zitate:Hesiod); Ernst Nolte (*1923Nolte), Historische Existenz, 1998, S. 18 (Zitate:Nolte); Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk), Du mußt dein Leben ändern, 2009, S. 654-672 (Zitate:SloterdijkSloterdijkSloterdijkSloterdijkSloterdijk).

„Nicht ist gerne gesehn, wer wahr schwört, nicht der Gerechte oder der Tüchtige, sondern den Unheilstifter, den Frevler ehren sie lieber; die Hand weiß nichts von der heiligen Zucht mehr, nichts vom recht; es verletzt de edleren mann der verworfne, ihn durch tücksiche Worte verstrickend, und schwört noch den Meieid.“ (Hesiod, Werke und Tage, um 700 v.C., V. 190-194). Laut Hesiod geht es u.a. um „die chronische Unverläßlichkeit der sozialen Beziehungen und die Verkehrungeg der nachbarschaftlsethischen Normen. .... Hesiod hebt in seinen Aussagen zum Eisernen Zeitalter die Zerrüttung des sozialen Bandes hervor. Ihm fällt am meisten ins Auge, daß in dem jetzt lebenden Geschlecht der Habitus der Untreue vorherrscht, selbst unter Verwandten und scheinbaren Freunden. Die »natürlichen« Vorzeichen von Gut und Böse, von Ehre und Ehrlosigkeit etc. scheinen sich in der Eisernen Zeit allenthalben umgekehrt zu haben. Aus kulturhistorischer Sicht verrät dies eine pragmatische Großwetterlage, in der ländlich geprägte Populationen dem Zwang zur Einübung ungewohnter städtisch-strategischer Lebensformen unterliegen. In diesem Wandel müssen die Einzelnen lernen, von Gesinnung auf Erfolg umzustellen; sie sehen sich genötigt, die Anerkennung durch Verwandte und Nachbarschaften gegen die Anerkennung durch Marktöffentlichkeiten und Machtcliqen auszutauschen; sie müssen sich von ihren gewchsenen Intuitionen für Recht und Unrecht trennen und sich an den Vorrang der institutionalisierten Gerichtsverfahren gewöhnen. Gemeinsam ergeben diese Umstellungen einen Habituswechsel, die von den Anhängern älterer Werte wie dem Dichter-Bauern Hesiod nur als Einübung in eine verkehrte Welt wahrgenommen werden konnte. Ich füge ... die Bemerkung hinzu, daß der Koran, obschon 1200 Jahre später entstanden, seinem moralischen Ansatz gemäß in vielen Punkten mit der hesiodischen Weltsicht aus Werke und Tage auf einer Stufe steht. In ihm hat sich das Mißtrauen des Bauern gegen die unverständliche neue Verkehrswelt zum apokalyptischen Haß des Wüstenbewohners gegen die für den alten Verstand undurchdringlichen großen Städte gesteigert. Was man den Prophetismus nennt, ist hier die feurige Form des Neinsagens zu erhöhter Komplexität. .... Tatsächlich haben Europäer und Amerikaner in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in hesiodischen Begriffen gesprochen, sich in ein erneutes Silbernes Zeitalter (Silbernes Zeitalter) katapultiert. Sie haben - innerhalb des »Kristallpalastes« - Lebensverhältnisse für die meisten geschaffen, die sich von allem, was auch nur wenige Jahrhunderte zurückliegt, nicht graduell, sondern epochal oder besser: äonisch unterscheiden. Noch einmal erinnere ich an die Oktoberrevolution des Jahres 1846 (Wiedereinführung der Vollnarkose am 16. Oktober 1846 durch die Äthernarkose [vgl. ebd., S. 598]; Anm. HB) - das Epochendatum in der Geschichte des Schmerzes. Ebenso ist die Entagrarisierung des Wirtschaftslebens hervorzuheben und damit der Abschied von der »Idiotie des Landlebens« (Karl Marx / Friedrich Engels, Das kommunistische Manifest, 1848, 1. Teil). Dem Historiker ist unzweifelhaft, daß nahezu alle Bewohner des Kristallpalastes (das sind rd. 20% aller jetzt lebenden Menschen, also rd. ein Fünftel, nämlich: die Abendländer und ihre »Ableger«; Anm. HB) zumindest in materieller und infrastruktureller Hinsicht von beispiellosen Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen profitieren (vgl. Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals, 2005, S. 265-276Sloterdijk) - ein Faktum, das durch ein ebenso beispielloses Aufblühen einer Kultur der Nachforderungen ergänzt und bestätigt wird. Die Resignationsspirale des Eisernen Zeitalters hat sich umgekehrt, um sich in eine Spirale des Begehrens aufzuschrauben.“ (Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern, 2009, S. 654, 656-657, 668-669Sloterdijk).

Francis Fukuyama (): The End of History?,  1989; Das Ende der Geschichte?,  1989; The End of History and the Last Man, 1992; Das Ende der Geschichte - Wo stehen wir?,  1992.  (??). Gemäß Hegels Dialektik (Hegel) deutet Fukuyama den „extremen Liberalismus“ als „These“, den „Totalitarismus“ als „Antithese“, die „liberale Demokratie“ als „Synthese“. Also ist für Fukuyama die „liberale Demokratie“ das Endstadium. Sind aber überhaupt Fukuyamas „Ende der Geschichte“ und Huntingtons „Kampf der Kulturen“ (Huntington) wirklich entgegengesetzte Thesen oder nicht? Laut Peter Scholl-Latour war Fukuyamas These „von Anfang an absurd. Die weltweite Ausbreitung der parlamentarischen Demokratie us-amerikanischen Modells und einer ungehemmten Marktwirtschaft würden der Menschheit einen endgültigen Zustand des Wohlergehens und der Harmonie bescheren. Damit würde der Schlußstrich gezogen unter die veralteten Antagonismen. So etwa läßt sich Fukuyamas Vorstellung vom »End of History« resümieren.“ (Peter Scholl-Latour, Koloß auf tönernen Füßen, 2005, S. 47). Außerdem stellte Peter Scholl-Latour zu seiner Überraschung fest, daß Peter Sloterdijk „den Satz prägte: »Durch »Nation Building« bekommt man bestenfalls demokratisch kaschierte Diktaturen mit Marktwirtschaft«. Ich hätte hinzugefügt: im Dienste der Marktwirtschaft.“ (Ebd., 2005, S. 50). Fukuyamas gewagte These vom „Ende der Geschichte“ ewiger Kämpfe, da das westliche Modell (also: die abendländische Kultur) global gesiegt habe, bietet jedenfalls für Huntington (HuntingtonHuntington) „keine gehaltvolle Analyse“, so Hans-Ulrich Wehler. „Vielmehr sieht Huntington in den Zusammenstößen, Reibungen, Konflikten zwischen den großen Kulturkreisen auf der Basis unterschiedlicher Religionen und divergierender Weltbilder die Hauptrolle künftiger Auseinandersetzungen.“ (Hans-Ulrich Wehler, Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 2003, S. 61). Vgl. auch Wehlers Hinweis auf die „Friktionen“ (Friktionen) von Carl Philipp Gottfried von Clausewitz (1780-1831): Vom Kriege (1816Clausewitz). Fukuyamas These beurteilt Norbert Bolz aber so: „In der Grunddiagnose herrscht eine verblüffend große Einigkeit unter den Denkern. Der berühmte Buchtitel Francis Fukuyamas - Das Ende der Geschichte und der Letzte Mensch - faßt ja ganz einfach die Positionen Hegels und Nietzsches zusammen. Diese Welt hat dann Max Weber als »Gehäuse der Hörigkeit« definiert. »Verwaltete Welt« (Theodor W. Adorno), »technischer Staat« (Helmut Schelsky) und das »Gestell« (Martin Heidegger) sind nur verschiedene Namen für das Endprodukt eines spezifisch modernen Prozesses, den Arnold Gehlen auf den Begriff der »kulturellen Kristallisation« gebracht hat.“ (Norbert Bolz, Das Wissen der Religion, 2008, S. 53). Peter Sloterdijk sieht in Fukuyamas Werk „die Wiedergewinnung einer authentischen politischen Psychologie auf den Grundlagen der wiederhergestellten Eros-Thymos-Polarität. Es liegt auf der Hand, daß eben diese politische Psychologie (die wenig mit der sogenannten »Massenpsychologie« und anderen Anwendungen der Psychonalyse auf politische Objekte zu tun hat) durch den Gang der Dinge ins Zentrum des aktuellen Bedarfs an neuen theoretischen Orientierungen gerückt wurde. .... Die zeitdiagnostische Lektion, die sich in The End of History verbirgt, ist also nicht von dem Titelslogan abzulesen, der, wie bemerkt, nur eine geistreiche Auslegung der Hegelschen Philosophie durch Alexandre Kojève aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zitiert (welcher seinerseits das »Ende der Geschichte« auf das Erscheinungsjahr von Hegels Phänomenologie des Geistes 1807 datiert hatte). Sie besteht in einer aufmerksamen Beobachtung der Prestige- und Eifersuchtskämpfe zwischen Bürgern der »freien Welt« (Anführungszeichen von mir; HB), die gerade dann in den Vordergrund treten, wenn die Mobilisierung der zivilen Kräfte für Kämpfe an äußeren Fronten aufgehört hat. Erfolgreiche »liberale Demokratien« (Anführungszeichen von mir; HB), erkennt der Autor, werden aufgrund ihrer besten Leistungen immer von Strömen frei flottierender Unzufriedenheit durchzogen sein. Dies kann nicht anders sein, weil Menschen zu thymotischer Unruhe verurteilt sind, und »letzte Menschen« mehr als alle übrigen ....“ (Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006, S. 65-67). „Thymos“ ist für Fukuyama „nichts anderes als der psychologische Sitz des Hegelschen Strebens nach Anerkennung“  (Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte, 1992, S. 233); dieses ist der „eigentliche Motor der Menschheitsgeschichte“  (ebd., S. 229). Hegelsches Geschichtsbild und platonisch-hegelianische Begriffskonstruktionen, vor allem was eben das Thymotische angeht, sind also die Hauptmerkmale, an denen sich Fukuyama orientiert und aus denen er seine Thesen ableitet, ebenso Sloterdijk in seinem Werk Zorn und Zeit (Untertitel: Politisch-psychologischer Versuch; 2006), und beide, Sloterdijk und Fukuyama, sind auch von Nietzsche, Sloterdijk zusätzlich von Heidegger beeinflußt. „Der Mensch, so könnte man Fukuyama verstehen, ist das Tier, das vergleicht. Das, was er ist und kann, vergleicht er mit der Anerkennung, die er dafür bekommt, und sich selbst vergleicht er mit anderen, die er übertreffen will. Diese platonisch-hegelianische Begriffskonstruktion Fukuyamas legt ... auch Sloterdijk, in allerdings modifizierter Form, seiner gesamten Theorie einer Psychopolitik als eine Grundenergie unter, die den Menschen von »seinem Stolz, seinem Mut, seiner Beherztheit, seinem Geltungsdrang, seinem Verlangen nach Gerechtigkeit, seinem Gefühl für Würde und Ehre, seiner Indignation und seinen kämpferisch-rächerischen Energien« (S. 27f.Sloterdijk) her denkt. Sloterdijks Buch ist im Kern eine (als solche auch deklarierte) mitunter anspielungsreiche Amplifikation jener »gedankenreichen Abschnitte des ungelesenen Bestsellers ›Das Ende der Geschichte - Wo stehen wir?‹« (S. 41Sloterdijk) über den Thymos (vgl. ebd., S. 203-265). Während allerdings Fukuyama den »thymotischen Teil der Seele« (ebd., S. 252) vor allem vom Pol des Wertvergleichs, des Anerkennungsstrebens und seiner Übersteigerungen (»megalothymia«) her denkt, das heißt als ein Verlangen, das als Katalysator in politischen Konflikten immer mit wirksam ist, so stellt Sloterdijk demgegenüber den Pol des Protests und des Widerstands, des Zorns und der Rache ins Zentrum, das heißt einen Affekt, den er als verwertbaren und speicherbaren »Rohstoff« des Politischen zur Geltung bringen will. Sloterdijk substantiviert den »thymotischen Seelenteil« Fukuyamas zum »Thymotischen«. .... Und Sloterdijk greift zur Beschreibung des »Thymotischen« selbst auf die biologische Metaphorik des Organismus und des von seiner Umwelt entkoppelten »Warmblüters« zurück, der sein mentales »Gegenstück in den thymotischen Regungen der Einzelnen wie der Gruppen« (S. 38Sloterdijk) habe .... Dennoch und bei aller Kritik im einzelnen, die Wiederentdeckung des »Thymotischen« neben dem Erotischen (bzw. Ökonomischen) ist der wohl wichtigste Ertrag des Buches von Sloterdijk, da er eine echte Alternative zum Begriff der Agression darstellt und ermöglicht, die (zumeist völlig unverstandene) Modernität von Ehr- und Wutphänomenen jenseits von Narzißmustheorien (und ihren ZwängenSloterdijkSloterdijk) und auch jenseits von Destruktionstrieben zu denken. Sloterdijk und insbesondere Fukuyama ist vorbehaltlos darin zuzustimmen, daß politische Prozesse nicht zureichend von einer Anthropologie des Verlangens verstanden werden können. Gerade die jüngste Zeit bietet eine erschlagene Fülle an Beispielen für die Rolle, die Ehre, Anerkennung und Geringschätzung in politischen Konflikten und als Faktor ihrer Eskalation spielen. .... »Die Zornmassen durchlaufen die Metamorphose von der blinden Verausgabung im Hier und Jetzt bis zum hellsichtig geplanten weltgeschichtlichen Projekt einer Revolution zugunsten der Erniedrigten und Beleidigten.« (S. 96Sloterdijk). Und das setzt voraus, daß der Zornige seinen Zorn aufschiebt, daß er eintritt in die, wie Sloterdijk in Anlehnung an Heidegger formuliert, »existenzielle Zeit« (S. 97Sloterdijk), in der das Dasein hingespannt ist auf den Tag des Zorns. In diesem Sinne ist es der Zorn, der als Projektform zur Rache und zur »Bankform der Revolution« wird, der allererst das erzeuge, was wir Geschichte nennen, und was nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu Ende gegangen sei. .... Die theologlsche Konstellation von Zorn und Ewigkeit, die durch die Erfindung des Purgatoriums eine Verzeitlichung erfuhr, wird, so Sloterdijk, in der Moderne als Konstellation von Zorn und Zeit zum Inbegriff der Geschichte. Dies geschieht, indem Rache und Immanenz fusionieren: An die Stelle des göttlichen dies irae tritt als das Ende der Geschichte der Zahltag des von der Weltbank des Kommunismus gesammelten Zorns. Diese Geschichte von der »thymotischen Revolution“ des 3. Kapitels (»Die thymotische Revolution«Sloterdijk) bildet ... den Schwer- und Zielpunkt, gewissermaßen die Achse der Argumentation. Sloterdijks Hauptkapitel folgt damit der von Historikern ... immer wieder gestellten Forderung, die Emotionen bei der politischen Geschichtsschreibung einzubeziehen. Nach dem Tod Gottes ist die Position der Zornsammelstelle als eines Exekutors des Weltgerichts vakant. In diese, so Sloterdijk, rückt nun der Kommunismus ein, der einerseits als Weltbank den Zorn der Unterdrückten sammelt und andererseits auf den Tag der Abrechnung, der Auszahlung, der »thymotischen Rendite« (S. 222SloterdijkSloterdijk) und das »letzte Gefecht« (S. 198SloterdijkSloterdijk) hinarbeitet. Sloterdijk unterscheidet dabei drei Stile der »Zornbewirtschaftung«, den anarchistischen, den sozialdemokratischen und den kommunistischen und konzediert allein letzterem die Fähigkeit, »mit einem effektiven Weltbankanspruch aufzutreten« (S. 226SloterdijkSloterdijk). .... Während der Kommunismus so als die eigentliche Zornsammelstelle, als Weltbank der Rache erscheint, die in der Lage sei, den Zorn der Massen aufzufangen und politisch zu instrumentalisieren, deutet Sloterdijk im Rahmen seiner programmatischen Holocaust-Dezentrierung die im Vergleich zur Kulakenvernichtung quantitativ (viel) geringere Rassenvernichtung der Nationalsozialisten - ganz im Sinne der Thesen Ernst Noltes (Nolte) - als Reaktion und (weitgehend) als Nachahmung der, so Sloterdijk, mit Blick auf die Dekrete zum »roten Terror«, initialen kommunistischen Herausforderung.“ (Johannes F. LehmannLehmann). „Mit deutlicher Sympathie für die These Ernst Noltes betont Sloterdijk die Vorgängerfunktion des Linksfaschismus gegenüber den faschistischen »Nationalbanken« des Zorns,“ so Jens Bisky, der ebenfalls in Hegel den Grund dafür sieht, daß Sloterdijk und Fukuyama „in gut Hegelianischer Wendung“ meinen, Geschichte geschehe „nur in der Form der Tragödie oder des Epos. Die vielen Geschichten, und sei es die, wie mit »hämischer Mittellosigkeit« das World Trade Center zerstört wurde, ergeben keine Geschichte als Weltgericht.“ (Jens BiskyBisky). Ob das Historiker auch so sehen?  Obwohl: Viele unserer heutigen Historiker sind doch schon gar keine Historiker mehr, sondern nur noch Prediger - Prediger einer Neu-Religion, die ebenfalls bereits seit „1789“ immer mehr dabei ist, sich durchzusetzen. Ob nun aber die seit 1789 unaufhörlich drohende Revolution oder nur der Kommunismus (der ja eine rein westliche Erfindung und laut Sloterdijk ein säkularisierter Katholizismus, ansonsten aber ein linksextremer Totalitarismus als „Antithese“ [Hegel] im Sinne Hegels ist) oder sogar die Geschichte im Sinne Hegels zu Ende gegangen ist oder nicht bzw. „aufgehoben“ (Hegel) im Sinne Hegels ist oder nicht, und ob heute Hegel selbst so voreilig wie manche heutige Zeitgenossen das Ende der Geschichte als Tatsache behaupten würde, darf ja auch bezweifelt werden. Vieles dabei hängt ja nur von der Definition von Geschichte ab. Ich gehöre, was das Thema „Ende der Geschichte“ angeht, zu den weichen Zweiflern und zu den weichen Nicht-Zweiflern, denn: Ich bezweifle nicht so sehr, daß die Geschichte enden wird, sondern viel mehr, daß sie schon 1807 oder 1989 zu Ende gegangen sein soll, wie die „Voreiligen“ behaupten. Ich sage: Die Geschichte wird gar nicht oder frühestens im 22. Jh. zu Ende gehen, weil die Zeit davor lediglich eine Vorbereitung auf das Ende der Geschichte bedeutet, d.h.: weil wir noch Zeit dafür brauchen, weil die Zeit zwar schon fast, aber eben noch nicht ganz reif dafür ist. Doch ein Ende der Geschichte ist meiner Meinung nach auf insgesamt 6 Weisen möglich, nämlich als: (1.) zeitlich begrenztes Ende der Geschichte nur für einen bestimmten Kulturkreis, aber ohne Ende dieses Kulturkreises, (2.) zeitlich begrenztes Ende der Geschichte nur für einen bestimmten Kulturkreis mit gleichzeitigem Ende dieses Kulturkreises, (3.) zeitlich begrenztes Ende der Geschichte für alle Menschen, aber ohne Ende der Menschheit, (4.) Ende der Geschichte für alle Menschen, aber ohne Ende der Menschheit, (5.) zeitlich begrenztes Ende der Geschichte für alle Menschen mit gleichzeitigem Ende der Menschheit, (6.) Ende der Geschichte mit gleichzeitigem Ende der Menschheit. Nach meiner Theorie kann also das Ende der Geschichte viermal zeitlich begrenzt (1., 2., 3., 5.) und zweimal endgültig (4., 6.) sein. Der Nummerierung entsprechend sehe ich die Wahrscheinlichkeiten für das Ende der Geschichte.MehrMehrHegelSpenglerMehrHuntingtonMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehr

Alexander Demandt meint zum Thema „Ende der Geschichte“: „Die Johannes-Apokalypse verhieß vor dem Jüngsten Gericht ein Zwischenspiel, das Tausendjährige Reich irdischen Wohlergehens. Diese Idee wurde von Augustinus aus asketischer Gesinnung abgelehnt, doch war der Wunsch nach einer irdischen Endzeit auch unter Christen nicht zu unterdrücken. Diese Hoffnung inspirierte Joachim von Floris um 1200 zu seiner Prophezeiung eines »Dritten Reiches«: Nach der Zeit des Vaters und der des Sohnes komme die des Heiligen Geistes. Die Hoffnung der Millennaristen aber zerschlug sich, wie so viele. Die Mission blieb stecken, der Paraklet erschien nicht; und so verbreitete sich seit dem 15. Jahrhundert die Auffassung, daß man die neue Zeit nicht abwarten, sondern herbeiführen müsse. Bei den Hussiten und den Wiedertäufern finden wir das Bestreben, den Übergang in die Endzeit gewaltsam zu beschleunigen, ähnlich wieder bei den Puritanern in England. Die Hoffnung auf eine Zukunft im Himmel verwandelte sich in die Bemühung, die irdischen Lebensbedingungen zu verbessern. Die ersten Theoretiker des Fortschrittes, unter ihnen Lessing und Herder, stehen noch ganz im Banne der christlichen Denktradition. Sie vertrauten auf die göttliche Lenkung der menschlichen Geschicke, erwarteten jedoch kein plötzlich hereinbrechendes Himmelreich, sondern einen stetigen Fortschritt zur Vernunft und zur Humanität auf Erden. .... Kant stellte 1784 fest: »Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter?,  so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.« Ob dieses Zeitalter in einen Zustand der Vernunft führen werde, ließ Kant offen, er war aber fest davon überzeugt, daß der Progreß nicht unterbrochen werde. Sein Entwurf zum ewigen Frieden von 1795 sah einen allgemeinen Bund der Völker vor, die republikanisch verfaßt sein und sich in Humanität üben sollten. Insofern war für ihn die Aufklärung das letzte Zeitalter der Geschichte. Weniger Geduld mit der Endzeit hatte Hegel. Er glaubte, die Aufklärung habe ihr Werk getan. Im preußisch-protestantischen Staat seiner Zeit wähnte er die Freiheit - zumindest ihrem Prinzip nach - realisiert und damit die Geschichte vollendet. So lesen wir in seiner Geschichtsphilosophie von 1831: »Mit diesem formell absoluten Prinzip [der Freiheit] kommen wir an das letzte Stadium der Geschichte, an unsere Welt, an unsere Tage.« Sein Bild von der Eule der Minerva zeigt, daß der Tag vorüber ist; blendet freilich aus, daß jetzt die Nacht zu erwarten wäre. Jedenfalls meinte er, zu tun sei nun nichts Substantielles mehr, die Stunde des Philosophierens habe geschlagen. Der Glaube an das nahe Zeitenende, wie er schon in der französischen Revolution auftaucht, begegnet uns wieder bei den Frühsozialisten sowie bei Marx und Engels. Sie wähnten sich dreimal - 1848, 1852 und 1871 - vor der Weltrevolution, die über die Diktatur des Proletariats in die klassenlose Gesellschaft hinüberführen und das Glück des Urkommunismus auf höherer Stufe erneuern werde. Hier haben wir das Modell der Heilsgeschichte, vom Kopf auf die Füße gestellt. Dem Paradieseszustand entspricht die klassenlose Urgesellschaft. Sie endet mit dem von Engels so genannten »Sündenfall« der Arbeitsteilung. Die sich anschließende eigentliche Geschichte ist antagonistisch strukturiert, bei Augustinus im Neben- und Gegeneinander von Civitas Diaboli und Civitas Dei, bei Marx im Klassenkampf der Unterdrückten gegen die Ausbeuter. Den Abschluß der Geschichte bildet für die Christen das Gottesreich, für die Kommunisten die klassenlose Gesellschaft, voraus gehen dort das Tausendjährige Reich und das Weltgericht, hier die Diktatur des Proletariats und die Weltrevolution. Das Endparadies unterscheidet sich vom Urparadies in beiden Fällen darin, daß es keinen zweiten Sündenfall geben wird. Unter den zahlreichen Verfechtern einer Endzeit-Idee im 20. Jahrhundert ragt Oswald Spengler mit seinem »Untergang des Abendlandes« (Nolte) hervor. Dieses 1917 zuerst erschienene Werk will zeigen, daß die Weltgeschichte in acht ungefähr tausendjährige Hochkulturen zerfällt, deren letzte, die »faustische«, nun übergehe in eine kultur- und geschichtslose Endphase, die zwar noch lange dauern könne, ohne daß indessen die erschöpfte Kulturseele noch neue Blüten bringe. Spenglers ebglischer Nachfolger Toynbee hat an dieser Kulturmorphologie zahlreiche Änderungen angebracht. Der Endzustand unterscheidet sich grundlegend von dem bei Spengler. Toynbee glaubte an die Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden. Die apokalyptischen Erwartungen in der zweiten Jahrhunderthälfte zeigen zahlreiche Schattierungen. Fukuyama konstatierte 1989, daß mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion der letzte Weltzustand erreicht sei. Zu allen Zeiten hätten sich mindestens zwei grundsätzliche Positionen gegenübergestanden: Griechen gegen Perser, Römer gegen Barbaren, Kaiser gegen Papst, Christen gegen Muslime, dynastische Legitimation gegen Volkssouveränität, demokratische Kräfte gegen totalitäre Systeme. Mit dem Ende des Sozialismus gebe es keine erfolgversprechende Alternative mehr zu einer liberalistisch-kapitalistischen Demokratie. Was die Zukunft jetzt noch zu bieten habe, sei nichts anderes als die Durchsetzung dieses Prinzips und verdiene daher nicht mehr die Bezeichnung »Geschichte«. (Beispiel Fukuyama) .... Endzeit-Idee und Geschichtslosigkeit nach dem Jahr 2000 verknüpfte ... Ernst Jünger 1932. Seine letzte Prognose auf das 21. Jahrhundert gab er 1993. Er glaubte, daß sich der bereits zu beobachtende Ausstieg des Menschen aus der Geschichte nach der Jahrtausendwende fortsetzen werde. Seit 200 Jahren befänden wir uns in einer Weltrevolution, die uns in gewisser Weise schon jetzt aus der Geschichte verdrängt habe. Er sprach von apokalyptischen Visionen am Ende des Jahrtausends, indem er den Untergang der »Titanic« 1912 als prophetisches Zeichen wertete. Eine allgemeine »Fellachisierung« greife um sich: wenn auch auf unterschiedlichem Niveau, so doch im Einvernehmen darüber, daß ein historisches Bewußtsein entbehrlich wird: »Man lebt für den Tag.« Jünger prophezeite den Weltstaat, nicht jedoch den Weltfrieden. Er rechnete mit einer Zunahme des Terrorismus, dessen Bekämpfung keine geschichtliche Dignität besitze. Ernst Nolte hat 1998 in seinem Alterswerk mit dem Titel »Historische Existenz« (Nolte) eine umfassende Geschichtsphilosophie vorgelegt, die durch sogenannte »historische Existenzialien« gekennzeichnet ist: Religion, Staat, Adel, Krieg und Revolution, Stadt und Land, Historie und Wissenschaft. Diese Existenzialien sieht Nolte einem Transformationsprozeß ausgesetzt, der ihr Wesen verändert. Religion zerfällt in Fundamentalismus und Folklore, der Staat verschwindet im Netzwerk der Globalisierung, an die Stelle des Adels treten Funktionseliten, Krieg gibt es nur noch in Form von Grenzkonflikten in Entwicklungsländern und Polizeieinsätzen der Weltorganisationen (nein! Krieg gibt es laut Nolte immer noch, v.a. in der »Dritten Welt« [vgl. ebd., S. 674Nolte]! Anm. HB.). Revolution wird in Form von Protestaktionen eine unvermeidliche, aber unbedeutende Begleiterscheinung von Veränderungen der Produktion (oder aber auch nicht, so Nolte [vgl. ebd., S. 682Nolte]! Anm. HB.). Die Unterschiede zwischen Stadt und Land verschwinden (eher nicht, denn laut Nolte ist die »Eine Menschenstadt« nicht tragbar [vgl. ebd., S. 676Nolte]! Anm. HB.). Die Wissenschaft produziert noch Bücher und Maschinen, sie verliert hingegen ihre Bedeutung für die »Menschenbildung«. Das Geschichtsbewußtsein beschränkt sich auf die Erinnerung an die Greueltaten einer Zeit, mit der man nichts mehr zu tun haben will. (Aber laut Nolte ist noch nicht ein einziges der [nur veränderten!] »historischen Existenzialien« verschwunden, und diese Tatsache ist für Nolte ein Indiz dafür, daß die »Nachgeschichte« noch nicht begonnen hat [vgl. ebd., S. 682Nolte]! Anm. HB.). Die Nähe zum kommenden Jahrtausend empfindet Nolte als einen bevorzugten Auslug, mit dem neuen Millennium läßt er die 6000 Jahre der eigentlichen Geschichte enden (nein! Nolte läßt die Geschichte nicht enden, sondern die Frage offen, ob sie [im engeren Sinne!] zu Ende sei, denn er trennt die Geschichte im engeren Sinne von der Geschichte im weiteren Sinne [»anthropologische Geschichte«] und kann gerade deshalb darüber philosophieren, ob die Geschichte im engeren Sinne zu Ende sein könnte oder nicht, weil die Geschichte im weiteren Sinne auch die »Vorgeschichte« und die »Nachgeschichte« umfaßt und darum zumindest im »anthropologischen« Sinne nicht zu Ende sein kann [vgl. ebd., S. 683Nolte]! Anm. HB.). Die von Spengler dem Abendland nach dem Untergang um das Jahr 2000 (nach 2200! »Geschichtsloses Erstarren ... nach 2200«, so Spenglers Vorhersage [vgl. Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 70Spengler]! Anm. HB.) vorausgesagte geschichtslose Zivilisation weitet Nolte aus auf die Zukunft der Menschheit insgesamt. Voll entfaltet sieht er das posthistorische Zeitalter der »wissenschaftlich-technischen Konkurrenzökonomie« im Jahre 2200 (Nolte). Die Medizin ist der Krankheiten Herr geworden, das Durchschnittsalter der Menschen auf 200 Jahre gestiegen (Nolte). Nolte mißt den Problembereichen unserer Zeit keine geschichtsträchtige Zukunft zu (er positioniert sich doch gar nicht so genau! Anm HB.). Bevölkerungswachstum, Wohlstandsgefälle, Massenwanderung, Fundamentalismus, Umweltbedrohung, Technikfolgen, all dies löst sich offenbar globaldemokratisch ohne Geschichte, undramatisch. (Nolte läßt es eher offen! Anm HB.). So gewiß wir das wünschen müssen, so ungewiß ist die Annahme einer solchen Endzeit, denn dafür brauchte man einen neuen Menschen, den perfekt sozialisierten Kosmopoliten, den wohltemperierten Endzeit-Bürger.“ (Alexander Demandt).HegelMehrMehrSpenglerMehrHuntingtonMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehr

Peter Töpfer meint zum Thema „Ende der Geschichte“: „Die Spannung der Rezension des Buches »Historische Existenz« von Ernst Nolte von Peter D. Krause in der Etappe Nr. 16 liegt darin, daß Krause die Noltesche »Nachgeschichte« als den »Weltstaat« und die »Weltzivilisation« interpretieren zu müssen scheint, gleichzeitig aber offen läßt, ob für Nolte nicht doch ein anderer Ausgang, ein anderes Ende der Geschichte, eine andere Art »Nachgeschichte« in Betracht kommt, nämlich die Rückkehr zur »Vorgeschichte«, deren eine Etappe etwa ein Räte-Reich im Huch’schen Sinne sein könnte. Die »Möglichkeit eines geschichtslos-paradiesischen Endzustandes«, die »seit alters ein spekulatives Faszinosum« sei, läßt sich nämlich auch topisch denken, und nicht nur utopisch-globalistisch. .... »Wird die Posthistorie die Wirklichkeit des uralten utopischen Traumes sein – oder am Ende dessen Gegenteil?«,  fragt Krause. Genau so gut kann sie aber auch eine Topisierung, Reloziierung, Dezentralisierung, anthropologische Rückorientierung, eine »wirkliche Erneuerung« und eine Rückkehr zum »Grundwillen des Volkes« (Ricarda Huch) sein bzw. eine »Balkanisierung und Rückverdummung«, wie es die Pogo-Anarchisten sagen, die in ihrem 100-Tage-Programm ein »Deutschland in den Grenzen des Heiligen Römischen Reiches von 1237« fordern. .... Nachgeschichte oder Ausstieg aus der Geschichte heißt nicht ... Aufgabe der eigenen Interessen, sondern im Gegenteil radikalisierte Wahrnehmung derselben. .... Wir als zivilisationsungläubige Zivilisationszwangsteilnehmer verlassen zugunsten einer Kommunikation mit den Zivilisierten und Gebildeten unser Hier & Jetzt und gehen als Paläo- und »Urkonservative« (Ernst JüngerJünger; vgl. auch: Karlheinz Weißmann, Anarchie von rechts, 1998, S. 39Weißmann) in unserer Beschreibung von Anarchie sowohl zurück in die »Vorgeschichte« als auch als Erzprogressive nach vorn in eine Welt, die sich immer weiter aufklärt bzw. sich wieder- und rückaufklärt. Wir orientieren uns geschichtlich ausgedrückt an beiden Extremen .... Warum nicht die Geschichte einfach verlassen ...? Wir Anarchisten knüpfen direkt an die »Vorgeschichte« an, ohne von ihr überhaupt etwas zu wissen. Wir sind ungeschichtlich und lassen folglich auch irgendeine »Nachgeschichte« ausfallen. »So ist zu hoffen, daß das alte Mantra: ›Erkenne Dich selbst‹ hier (im Wiederaufleben der Vorgeschichte) eine neue Werkstatt und Meisterschule finden wird.« (Ernst Jünger, An der Zeitmauer, in: Gesammelte Werke, S. 495Jünger). Wobei dem »Erkennen« unbedingt eine transkognitive Bedeutung beigemessen werden muß. Und Nolte weiß: »Eine extreme Form des Selbstbewußtseins (kann) gerade den Ausstieg aus der Geschichte implizieren.« (Ernst Nolte, Historische Existenz, 1998, S. 30Nolte).  Wir sind diese extreme Form und betreiben diesen Ausstieg. Die Geschichte ist eine wirre und eklige Sekunde, ein kurzer sozialer Orkan in der ewigen Zeit, die so schnell und so gründlich wie möglich vergessen sein soll. Ein bißchen »Mut zur Übernahme einer nachgeschichtlichen Existenz«!,  wie Nolte Oswald Spengler (Spengler) wiedergibt, der Nolte zufolge »sehr mißverstanden« worden sei. »›Untergang‹ bedeutete für Spengler eben keineswegs Niederlage oder Zusammenbruch, sondern den Übergang in die Nachgeschichte .« (Ebd., 1998, S. 44Nolte).“ (Peter Töpfer, Reich und Anarchie, in: Etappe, Nr. 16, Dezember 2001 / Januar 2002; vgl. Nationalanarchismus).HegelMehrMehrSpenglerMehrHuntingtonMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehr

Laut Huntington (Huntington) beruht die Annahme, daß „das Ende der Geschichte“ (Beispiel Fukuyama) erreicht sei „und den weltweiten Sieg der liberalen Demokratie“ bedeute, auf dem „Trugschluß der einzigen Alternative“ (Huntington). Dieses Argument wurzelt „in der Perspektive des Kalten Krieges, daß nämlich die einzige Alternative zum Kommunismus die liberale Demokratie sei und das der Untergan des ersteren die Universalität der letzteren herbeiführe. .... Es ist reine Überheblichkeit zu glauben, daß der Westen ... die Welt für alle Zeiten erobert hat und daß Muslime, Chinesen, Inder und alle anderen nun nichts Eiligeres zu tun haben, als den westlichen Liberalismus als einzige Alternative zu übernehmen. ... Die fundamentaleren Spaltungen der Menschheit nach Ethnizität, Religionen und Kulturkreisen bleiben und erzeugen neue Konflikte.“ (Huntington). Zwar gibt es auch die „Annahme, daß die zunehmende Interaktion zwischen Menschen - Handel, Investitionen, Tourismus, Medien, die elektronische Kommunikation generell - dabei ist, eine gemeinsame Weltkultur zu erzeugen.“ (Huntington). Denn: „In der Tat haben Verbesserungen der Transport- und Kommunikationstechnologie es leichter und billiger gemacht, Geld, Waren, Menschen, Wissen, Ideen und Bilder um die ganze Welt zu transportieren. An der Zunahme des diesbezüglichen internationalen Austauschs besteht kein Zweifel. Große Zweifel hingegen bestehen hinsichtlich des Einflusses dieses gesteigerten Verkehrs. Wird durch Handel die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts erhöht oder verringert?  (Kant). Die Annahme, daß Handel die Wahrscheinlichkeit eines internationalen Krieges verringert, ist zumindest nicht erwiesen, und es gibt viele Hinweise, die für das Gegenteil sprechen. Der internationale Handel expandierte in den 1960er und 1970er Jahren kräftig. 1980 machte er 15 Prozent des Weltbruttosozialprodukts aus. In dem anschließenden Jahrzehnt fand der Kalte Krieg ein Ende. Aber 1913 belief sich der internationale Handel auf 33 Prozent des Weltbruttosozialprodukts, und in den folgenden paar Jahren schlachteten die Nationen einander in einem beispiellosen Ausmaß ab. Wenn der internationale Handel selbst auf dieser Ebene den Krieg nicht verhindern kann, wann dann?  Die Geschichte stützt ganz einfach nicht die liberal-internationalistische Annahme, daß Handel den Frieden fördert. Analysen aus den 1990er Jahren rücken diese Annahme weiter ins Zwielicht. Eine Studie kommt zu dem Schluß: »Handel auf steigendem Niveau kann ein stark polarisierender Faktor ... in der internationalen Politik sein«; »zunehmender Handel im internationalen System als solcher dürfte weder internationale Spannungen mildern noch eine größere internationale Stabilität fördern.« Eine andere Studie vertritt die These, daß wirtschaftliche Interdependenz auf hohem Niveau »den Frieden oder den Krieg befördern kann, je nachdem, welche Zukunftserwartungen an den Handel gerichtet werden«. Wirtschaftliche Interdependenz dient dem Frieden nur dann, »wenn Staaten erwarten, daß Handel auf hohem Niveau in absehbarer Zukunft fortdauert (oder im Falle einer gegenwärtigen Unterbrechung wiederaufgenommen wird).« Wenn Staaten nicht ein hohes Maß an Interdependenz erwarten, ist Krieg die wahrscheinliche Folge. Das Unvermögen von Handel und Kommunikation, Frieden oder Gemeinschaftsgefühl zu bewirken, wird von den Befunden der Sozialwissenschaften bestätigt. In der Sozialpsychologie behauptet die Distintivitätstheorei, daß Menschen sich über das definieren, was sie in einem bestimmten Kontext von anderen unterscheidet. .... Die globale religiöse Erneuerung, die »Wiederkehr des Sakralen«, ist eine Reaktion auf die Rezeption der Welt als eines »einzigen Ortes«.“ (S. P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 93-96Huntington). Also: Huntington erteilt jedem erdenklichen „Ende der Geschichte“ eine knallharte Absage! Im Jahr 2000 betrug der Anteil an der Weltbevölkerung für die abendländische Kultur („den Westen“, wie Huntington lieber sagt) ungefähr ein Fünftel (TabelleGraphiken und Tabellen); wenn man Lateinamerika nicht mehr dazuzählt (wie Huntington es lieber tut), dann können wir von der NATO ausgehen und damit von einem Achtel (NATONATO). Von diesem Achtel glauben rund 8 Prozent, d.h. bezogen auf die Weltbevölkerung rund 1 Prozent (!) an eine universale Kultur, eine „Zivilisation im Singular“ (wie Huntington sich ausdrückt), also eine einzige Weltkultur. Diese Leute treffen sich jedes Jahr in Davos. 1994 schätzte die Gesellschaft »CNN International« die Zahl ihrer potentiellen Zuschauer ebenfalls auf rund 1 Prozent der Weltbevölkerung, und das ist laut Huntington „eine auffallend ähnliche Zahl wie bei den Angehörigen der »Davos-Kultur« und zweifellos weithin mit diesen identisch!“ (Huntington). Für Huntington ist klar: „Das Konzept einer »universalen Kultur« ist ein typisches Produkt des westlichen Kulturkreises.“ (Huntington). Wir wissen (noch) nicht, ob es in Zukunft eine universale Kultur geben wird - wenn ja, wird uns ihre Singularität nicht langweilen?  Die Menschen-Kultur (Menschen-Kultur) ist singulär, aber sie entwickelte drei Modernen (!Schema!): die Menschen-Moderne als Historisierung (Neanthropinen-Kultur - Kultur im Singular!), die Neanthropinen-Moderne als Historiographik (Historienkulturen - Kultur im Plural!) und die Historienkulturen-Moderne als Historismus (Kultur im Plural!). Jede Historienkultur, das heißt jede Einzelkultur, wie z.B. die abendländische Kultur, entwickelt eine Moderne. Nicht trotz, sondern wegen der Unterschiede zwischen Kulturen! Aber wenn auch jede Kultur ihre wie auch immer geartete Moderne hatte, so gibt es wohl nur eine Kultur, die nicht nur das Wort Moderne erfand, sondern ihre Moderne mit Recht die modernste aller Modernen und sich selbst nicht ohne Stolz auch „Moderne-Kultur“ nennen darf. Gemeint ist die abendländische Kultur. An Dynamik, Größe und Stärke ist die faustisch-abendländische Moderne einzigartig, nicht aber, was die Moderne als Phänomen betrifft. Wenn die abendländische Moderne, die besonders stark durch Technik und Ökonomie, vor allem durch die „Industrielle Revolution“, geprägt worden ist, als eine Explosion mit besonders radikalen Global-Konsequenzen bezeichnet werden kann, dann können die Modernen aller anderen Kulturen nur noch als harmlose Lagerfeuer betrachtet werden. Trotzdem kannten auch sie, und zwar je spezifisch, so etwas wie Moderne. Recht hat Huntington, wenn er sagt, daß Moderne nicht westliche Kultur und westliche Kultur nicht Moderne ist (vgl. Huntington, ebd., S. 98Huntington), aber: ohne den Westen ist die Moderne fast nichts. Der Westen, also: die abendländische Kultur ist die einzige Kultur, deren Moderne sich auf die „Industrielle Revolution“ und nicht nur auf eine „Bürgerliche Revolution“ stützt. (Moderne). Eine sich „nur“ auf eine „Bürgerliche Revolution“ stützende „Weltrevolution“ (Welrevolution) haben auch, obwohl nur im begrenzteren und bescheideneren Ausmaß, die anderen 7 Kulturen erlebt. (Vgl. 8 Kulturen). Nicht das Phänomen Moderne, sondern das Phänomen abendländische Moderne ist einzigartig. Was die Menschengeschichte in ihrer Singularität angeht, so kann man sagen, daß nur die Menschen-Kultur (zu der wir ja immer noch gehören, denn die Menschwerdung ist noch nicht vollendet!) und ihre Moderne - die Neanthropinen-Kultur (Historisierung oder: Homo-sapiens-sapiens-Kultur) - kultursingulär sind. (). Alle weiteren menschlichen Kulturen sind von dieser 3. Moderne abgeleitete Modernen (Schema) ! Also ist die abendländische Kultur eine Spätkultur, und als ein Teil (nämlich der dritte Teil) der Neanthropinen-Moderne ist sie die Spätmoderne der Neanthropinen-Kultur (Menschen-Moderne). Unsere Moderne ist also die Moderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne (Neanthropinen-Kultur) innerhalb der Menschen-Kultur. Und was wir heute Spätmoderne nennen, ist eine Spätmoderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne innerhalb der Menschen-Kultur. Manche Leute verstehen unsere Spätmoderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne nur deshalb als Postmoderne, weil das Späte im Späten für sie so schwer zu denken ist. (Moderne). Und wenn Huntington fragt, „ob Geschichte ihrem Wesen nach linear oder zyklisch ist“ und (weil sie beides ist): „wie kann man das Auf und Ab in der Entwicklung der menschlichen Zivilisiertheit (Kulturgeschichte) schematisieren?“ (Huntington), antworte ich also nicht nur mit meinem linear-zyklischen Schema (Schema), der Konjunktu(h)r (Konjunktu(h)r), der Kultu(h)r (Kultu(h)r), sondern auch mit meinem Schema zur Modernen-Theorie: 5+X (5 + X).5 + X5 + X

Und singuläre Ereignisse bezeichnet man allgemein als „Wunder“! Die Menschengeschichte (oder Menschen-Kultur) ist also etwas Wunderbares. Das „Zufällige“ an ihr, was die Religiösen auf Götter, Göttlichkeiten oder den einen Gott zurückführen, können wir nicht verstehen, sondern nur beschreiben. Wunderlich und wunderbar ist ja schon die Natur, genauer: die 1. Kultur und ihre 1. Moderne als 2. Kultur (Höheres Leben). Singulär an uns Menschen ist, daß wir es „nur“ als Menschen-Kultur sind („nur“ als 3. Kultur oder „nur“ als 2. Moderne der 1. Kultur oder „nur“ als 1. Moderne der 2. Kultur) mit „nur“ einer singulären Menschen-Moderne, der 3. Moderne als der 4. Kultur (Neanthropinen-Kultur oder Homo-sapiens-sapiens-Kultur bzw. Historisierung). Für unser Verständnis von „Kultur“ sind deshalb „nur“ vier Singularitäten relevant (umgangssprachlich gesprochen): die Natur, das Leben, die Menschheit und ihr vorerst Letztes, und das ist (jetzt nicht mehr umgangssprachlich gesprochen): Homo sapiens sapiens ! (Alles weitere von Menschen Hervorgebrachte ist pluralistisch). Seit Homo sapiens sapiens die 4. Moderne als 5. Kultur (Historienkulturen oder Einzelkulturen bzw. Historiographik) entwickelte, ist die Welt der Menschen multikulturell. Entstünde also in Zukunft sogar eine menschliche „Universal-Kultur“ (deren Konzept „ein typisches Produkt des westlichen Kulturkreises“ ist; vgl. S. P. Huntington Kampf der Kulturen, 1996, S. 92Huntington), würde sie eine Singularität sein, denn sie würde nicht mehr multikulturell, sondern monokulturell sein. Interessanterweise sind es ausgerechnet die Multi-Kulti-Prediger des Westens, die das Multikulturelle abschaffen wollen! - Und das ist bekanntlich kein Wunder (Huntington) ! 2 Bahnen

Die Geschichte der Menschheit verläuft auf mindestens zwei Bahnen (2 Bahnen), und das heißt: die Menschwerdung (die 3. Kultur) ist als Menscheitsgeschichte die Bahn („M“, siehe Abbildung:Abbildung), auf der die Menschheit ihr WORUM-ES-GEHT (die 1. Kultur als „Zentrum“:Zentrum) umkreist, während sie selbst von jeder Historienkultur auf einer zweiten Bahn („H“, siehe Abbildung:Abbildung), die wir Kulturgeschichte (die 5. Kultur) nennen, umkreist wird. Denn: Um die Natur (bzw. Gott, Naturtechnik o.ä.) dreht sich die Menschwerdung (Menschen-Kultur), die von der Historiographik (vertreten durch die Historienkulturen) umkreist wird - also müssen sich beide um die Natur (bzw. Gott o.ä.) drehen. Menschen müssen also mindestens zwei Bahnen oder Ebenen berücksichtigen - aber dabei ihre Eigendrehung (Eigendrehung) und Neigung (Neigung) nicht vergessen -, wenn sie ihre eigene Entwicklung verstehen wollen, wobei die erste Bahn bedeutender ist als die von ihr abhängige zweite Bahn. Wahrscheinlich wird die erste Bahn die zweite Bahn überdauern, aber es ist auch möglich, daß beide gleichzeitig verschwinden werden. (Tabelle). Falls ja, wird das dann mit oder ohne „Zivilisation“ geschehen? Zum Unterschied von Kultur und Zivilisation

Samuel Phillips Huntington (1927-2008), Clash of Civilizations, in: Foreign Affairs (Zeitschrift), 1993; Clash of Civilizations and the Remaking of World Order, 1996; Kampf der Kulturen, 1996. (Huntington). Huntington könnte aus Spenglers Werken direkt abgeschrieben haben; jedenfalls wurde er von Spengler inspiriert. (). So gibt es eine Linie von Goethe und Schopenhauer über Nietzsche und Spengler zu Huntington. (Linie). Die Welt fragt: „Soll er der Oswald Spengler Amerikas sein?“ (Die Welt). Eine gute Frage; zutreffend ist folgende Antwort: Huntington ist einer der (us-) amerikanischen Spenglerianer! (). Huntington

Huntington in seinem 2. Kapitel (Kulturen in Geschichte und Gegenwart, ebd., S. 49-75): „Die menschliche Geschichte ist die Geschichte von Kulturen. Es ist unmöglich, die Entwicklung der Menschheit in anderen Begriffen zu denken. .... Zu allen Zeiten waren Kulturen für die Menschen Gegenstand ihrer umfassendsten Identifikation. Infolgedessen sind Voraussetzungen, Entstehung, Aufstieg, Wechselwirkungen, Errungenschaften, Niedergang und Verfall der Kulturen von den hervorragendsten Historikern, Soziologen und Anthropologen erforscht worden ...“ (Ebd., S. 49). Huntington nennt neben Oswald Spengler auch Max Weber, Alfred Weber, Arnold Toynbee und andere. In der Anmerkung dazu zitiert er erst einmal Spengler: „»Weltgeschichte ist die Geschichte der großen Kulturen« Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, S. 761.“ (). (Samuel Phillips Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 536). Huntington

Huntington (Huntington) zitiert hier W. C. Quigley, The Evolution of Civilizations. An Introduction to Historical Analysis, 1961. Die Auffassung Quigleys und anderer Kulturhistoriker berücksichtigend, notierte Huntington für die Gegenwart, das heißt für die Zeit um 1996, als er sein Buch schrieb: daß „der Westen gegenwärtig dabei zu sein“ scheint, „aus einer ... Konfliktphase (Krise) herauszutreten.“ (Vgl. Samuel Phillips Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 497). Wie Huntington schon im 2. Kapitel (Kulturen in Geschichte und Gegenwart, ebd., S. 49-75Huntington) darlegt, entwickelt der Westen heute das Äquivalent eines Weltreiches in Form eines komplexen Systems von Staatenbünden, Bundesstaaten, Regimen und anderen Arten von Institutionen der Kooperation, die auf kultureller Ebene die Bindung des Westens an eine demokratisch-pluralistische Politik verkörpern. Der Westen ist, mit einem Wort, eine »reife« Gesellschaft an der Schwelle dessen geworden, was künftige Generationen als ein »goldenes Zeitalter« () betrachten werden, eine Periode des Friedens, die laut Quigley resultiert aus »dem Fehlen rivalisierender Einheiten im Inneren der betreffenden Zivilisation (bzw. Kultur) und aus der Entferntheit oder dem Fehlen von Kämpfen mit anderen Gesellschaften außerhalb ihrer«. Es ist auch eine Periode der Prosperität, vorbereitet durch die »Beendigung innerer kriegerischer Zerstörung, die Beseitigung innerer Handelsbarrieren, die Einführung eines gemeinsamen Maß-, Gewichts- und Münzsystems und das extensive System von Refierungsausgaben im Zusammenhang mit der Errichtung eines Weltreichs.« In früheren Kulturen endete diese Phase des seligen Goldenen Zeitalters mit ihren Unsterblichkeitsvisionen () entweder dramatisch und schnell mit dem Sieg einer fremden Gesellschaft oder langsam, aber nicht minder schmerzhaft durch inneren Zerfall.“ (Samuel Phillips Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 497-498Huntington).Huntington

Offenbar hat auch Huntington die„Friktionen“ (Friktionen) von Carl Philipp Gottfried von Clausewitz (1780-1831Clausewitz) beachtet, denn Huntington sieht ja „in den Zusammenstößen, Reibungen, Konflikten zwischen den großen Kulturkreisen auf der Basis unterschiedlicher Religionen und divergierender Weltbilder die Hauptrolle künftiger Auseinandersetzungen.“ (Hans-Ulrich Wehler, Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 2003, S. 61).

Kinderfeindlichkeit und Kinderlosigkeit: Vgl. auch „Unfruchtbarkeit und Zerfall“ (Unfruchtbarkeit und Zerfall), Problem der „Weißen Völker“ (Weiße Völker), sowie „Konsumterror und Kinderfeindlichkeit“ (Kinderfeindlichkeit) und „Schwund der Bevölkerung“ (Schwund der Bevölkerung). Der Bevölkerungsrückgang wird durch die heutige Politik der Zuwanderung noch verstärkt! Unsere heutigen Politiker betreiben mit ihrer völlig wahnsinnigen Bevölkerungspolitik (BevölkerungspolitikDressler) keine Politik der Ein- oder Zuwanderung, wie sie immer noch glauben, sondern eine Politik der Aus- und Abwanderung. Hierzu gehört selbstredend auch ihre Politik der Aus- und Abtreibung. KinderfeindlichkeitMehrMehrMehrAbtreibung und EmanzipationAbtreibung und Emanzipation

Gunnar Heinsohn beispielsweise am 13.11.2005 im Philosophischen Quartett (Heinsohn): „Dieses Problem lösen wir nicht durch Erhöhung des Rentenalters, und wir lösen es nicht durch unqualifizierte Einwanderer, wir lösen es wahrscheinlich auch nicht durch qualifizierte Einwanderer, weil die knapp sind. Und wenn es welche gibt, dann gehen die in die angloamerikanische Welt von Alaska bis Neusseeland. Die suchen jedes Jahr 1,5 Millionen; aber die suchen natürlich nicht Unqualifizierte, sondern ... »foreign talent« oder »skilled immigration« (also: Qualifizierte! Anm. HB). Das heißt, man sagt: Sie müssen was können, und sie kriegen keine Sozialhilfe! Das ist eine ganz andere Zugangslösung für das Problem; denn dasselbe Problem haben die auch; die haben auch fallende Geburtenraten und können sich aus dem Bestand nicht ersetzen.“ Unsere Probleme sind also viel größer, so Heinsohn, als wir uns das bisher deutlich gemacht haben. Von den nach Deutschland geholten Ausländern, betont Heinsohn, sind über 95% ohne Qualifikation! Die meisten von ihnen wollen das auch gar nicht ändern, und unsere Schulen können das nicht ändern. „Im Gegenteil, sowie der Migrantenanteil bei 20% liegt, rutscht das Leistungsniveau ALLER Kinder in diesen Klassen ab ....“ (Heinsohn). Unsere Politiker haben ihre kinder-, familien-, volks-, demokratie- und verfassungsfeindliche diktatorisch - weil gegen den Willen der riesigen Mehrheit des Volkes, gegen unsere Verfassung (unser Grundgesetz) - durchgesetzt und das obendrein mit ihrer Negativ-Bevölkerungspolitik auch noch bewiesen (zynischer geht's wirklich nicht): Die Zuwanderer bringen uns nur noch mehr Probleme! MehrKinderfeindlichkeitBevölkerungspolitikDressler

Diese Zuwanderung (Nichtqualifizierter), die bei uns schon seit den 1960er Jahren andauert, wirkt sich auf unsere Kultur, auf unsere Wirtschaft, auf unsere Technik und Wissenschaft, Bildung, Ausbildung sowie alle anderen Qualitäten, Fähigkeiten und Errungenschaften negativ aus, und zwar beschleunigt zunehmend. „Insgesamt hat die Zuwanderung ... mehr den Zuwanderern als den Deutschen genutzt.“ (Meinhard Miegel, Die deformierte Gesellschaft, 2002, S. 42MiegelMiegel). Und es weiß doch fast jeder: Diese Zuwanderung bedeutet mehr Kriminalität (Kriminalität), meht Konflikte, mehr Kriege, weil die meisten Zuwanderer unqualifiziert sind, sich minderwertig fühlen, sich isolieren, sich ghettoisieren, eine Parallelgesellschaft bilden, eine Integration nicht wollen, also auch für das Zusammenleben unqualifiziert sind; diese Zuwanderung führt zur Abwanderung (natürlich der Qualifizierten, also: der DeutschenAbbildung), denn diese Zuwanderung senkt unsere Konkurrenzfähigkeit, weil die Zuwanderer unqualifiziert sind; diese Zuwanderung senkt unser Volkseinkommen, weil die Zuwanderer unqualifiziert sind; diese Zuwanderung senkt unser Pro-Kopf-Einkommen, weil die Zuwanderer unqualifiziert sind und so die Zahl der Sozialfälle, Kranken, Arbeitslosen und deshalb die Steuerzahlungen und alle sonstigen Abgaben erhöhen - mittelfristig wirken sie auch negativ auf die Rente, weil die meisten von ihnen zum Zeitpunkt ihrer Zuwanderung schon alt, also bald Rentner sind (außerdem hat deren Nachwuchs auch immer weniger Nachwuchs). Wir dürfen nicht vergessen, daß den meisten Menschen das Pro-Kopf-Einkommen erstrebenswerter ist als das Volkseinkommen. (PKE). Ein Beispiel: Indiens Volkseinkommen ist höher als das der Schweiz, aber Indiens Pro-Kopf-Einkommen ist niedriger als das der Schweiz. Also „ist für die Menschen ein hohes Pro-Kopf-Einkommen erstrebenswerter als ein hohes Volkseinkommen. Wäre es anders, dann wäre beispeilsweise Indien ein Zielland für Zuwanderer aus der Schweiz und nicht umgekehrt.“ (Herwig Birg, Bevölkerungsentwicklung, in: Informationen zur politischen Bildung, 1. Quartal 2004, S. 45Birg). Auch hier ist wieder deutlich geworden (wie schon oft gesagt): die Zuwanderung bringt uns nur noch mehr Probleme! Also: Stoppt die Zuwanderung! Sofort! Schwund der BevölkerungKinderfeindlichkeitBevölkerungspolitikDressler

Über 70% der jährlich in Deutschland registrierten Straftaten begehen Ausländer. Die deutsche Regierung aber „dolmetscht“ die Statistik ins Xenophile: sie bezieht die Anzahl deutscher Straftäter auf die Anzahl ausländischer Straftäter aus einem Staat (0,7%!) - dabei sind es 100 Staaten (70%)! (Quelle: Bundes-Innenministerium und Westfalenblatt, 22.03.2001). Die deutsche Regierung reduziert 70% ausländische Straftaten auf durchschnittliche 0,7%! (Zauber !). Besonders bezaubernd wirkt diese Magie, wenn sie die Zahlen der Öffentlichkeit präsentiert, denn dann geht es bekanntlich nur noch um die Interpretationen. Die deutsche Bundesregierung „frisiert“ die Statistik, indem sie zunächst eine „referentielle Korrektur“ vornimmt, die sie dann als „semantische Korrektur“ rechtfertigen kann. So werden die deutschen Straftäter, die tatsächlich nur 30% ausmachen, auf „idealistische“ 99,3% erhöht, um die ausländischen Straftäter, die tatsächlich 70% ausmachen, auf das „Ideal“ von 0,7% bringen zu können. Das ist nur scheinbar eine harmlose Mogelei. Xenophile Angeberei mit einer riesigen Portion Zynismus ist es schon eher, in Wirklichkeit aber ist es Xenokratie (Xenokratie).

Die Zuwanderung bringt uns nur Negatives! In jeder Hinsicht! Und Politikern und Lobbyisten muß man immer wieder deutlich sagen: auch volkswirtschaftlich:: Die Zuwanderer sind teurer als Überalterung und Kindererziehung zusammen ! Denn fast alle Zuwanderer sind unqualifiziert (über 95%, bald sogar über 99%) und müssen „erst ausgebildet und integriert werden (und das übrigens auch noch: immer häufiger ohne Erfolg, immer mehr gegen ihren Willen; HB), um in einer modernen Volkswirtschaft produktiv eingesetzt und der ihnen zugedachten Aufgabe gerecht werden zu können. Wenn aber die Zuwanderer mit erheblichen Aufwand zunächst qualifiziert werden müssen, können die Bevölkerungen Europas ebenso gut ihre eigenen Kinder großziehen. Das ist einfacher und weniger aufwendig. Der Zweck ihres derzeitigen Zeugungsverhaltens, die Verminderung der Kinderlast, wird so ad absurdum geführt. Sie müssen für Zuwander leisten, was sie für die eigenen Kinder nicht zu leisten bereit waren. Was sie nicht individuell erbringen wollten, müssen sie kollektiv erbringen. Ob das die Bürde leichter macht, ist zweifelhaft. Nicht auszuschließen ist auch, daß dieser »Kinderersatz« zum Ziel von Aversionen, vielleicht sogar von Aggressionen wird.“  (Meinhard Miegel, Die deformierte Gesellschaft, 2002, S. 50Miegel). Meinhard Miegel gilt übrigens als einer der profiliertesten Sozialforscher Europas und ist Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) in Bonn. ZuwanderungKinderfeindlichkeitBevölkerungspolitikDressler

Gunnar Heinsohn, Warum werden sie zu Kriegern?  Männerüberschuß als Kriegspotential (Heinsohn) - Vortrag vom 10.02.2003 in Hannover. Der Begriff „Youth Bulge“ (Youth Bulge) wurde von Gunnar Heinsohn in die Diskussion über die Ursachen des Terrorismus eingebracht. In den islamischen und schwarzafrikanischen Staaten leben ungefähr 2 Mrd. Menschen, davon sind etwa 20-30% 15-24-Jährige und etwa 40-50% Unter-15-Jährige (Graphik). Die Unter-15-Jährigen zählen hier zum „Children Bulge“ (Youth Bulge), und die 15-24-Jährigen zum „Youth Bulge“. Mindestens ein Drittel von ihnen haben keine Zukunftsperspektive im Sinne einer sozialen Position, die Ansehen, Einfluß, Würde bzw. Macht bedeutet; sie leiden nicht an Armut oder Arbeitslosigkeit (diese beiden Phänomene ergänzen das Problem jedoch), sondern an Überflüssigsein und Perspektivlosigkeit. Dieser „Youth Bulge“ ist nach Einschätzung Heinsohns die Hauptursache für die Eskalation des Terrors, da der Jugendüberschuß ein unerschöpfliches Reservoir für die Rekrutierung von Terroristen darstellt, das wegen der Bevölkerungsentwicklung ständig wächst (und wann dieses Wachstum enden wird, ist noch nicht genau bekannt). „Wiederholt sich ein Youth Bulge - statt ein einmaliger Babyboom zu bleiben - über zwei oder mehrere Generationen, kumulieren sich seine Effekte. Das quantitativ beeindruckendste Beispiel liefern die islamisch geprägten Länder, die in nur fünf Generationen (1900-2000) von 150 auf 1200 Millionen Menschen zugenommen haben und immer noch - neben einigen schwarzafrikanischen Nationen - das Siegesbanner der Fortpflanzung vorantragen. Zum Vergleich: die gesamte Menschheit hat sich in der doppelt so langen Zeit von 1800 bis 2000 »nur« versechsfacht (von einer auf sechs MilliardenAbbildung). ... Es spricht wenig dafür, daß die nicht unterzubringenden Heißsporne von heute auf Großtaten verzichten werden ....“ (Gunnar Heinsohn, ebd.). Demographie erklärt nicht alles, aber ohne Demographie ist alles nicht erklärt. Mehr

Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht - Terror im Aufstieg und Fall der Nationen, 2003, S. 160. Heinsohn sieht keine rosige Zukunft Europas: „Denn selbst bei einer extrem liberalen Öffnung der Grenzen können Einwanderer eines nicht sonderlich gut - nämlich viele begabte junge Leute bereitstellen, die von klein auf in einer hochtechnologischen Gesellschaft heranwachsen, souverän mit ihr umgehen lernen und dann die kritische Masse bilden, die sie ideenreich auf neue Höhen führt. Diese Voraussetzung für ein Verbleiben Europas im Spitzensegment der Weltwirtschaft kann ... mit direkt in der Wissensgesellschaft aufgewachsenem eigenen Nachwuchs leichter erreicht werden als mit wie auch immer motivierten Zuzüglern aus Afrika und der muslimischen Welt. Selbst Kinder aus zugewanderten Familien, die ihre gesamte Schulausbildung in Deutschland erhalten, scheinen keine Garantie für das Halten eines hohen Niveaus zu geben. Im Gegenteil, sowie der Migrantenanteil bei 20 Prozent liegt, rutscht das Leistungsniveau aller Kinder in diesen Klassen ab ... (vgl. dazu auch: Joachim Peter, Ausländerkinder senken Lern-Niveau erheblich, in: Die Welt, 04.03.2003Peter).“ (Ebd.Heinsohn).

„Der seit Oswald Spenglers Buch von 1917 immer wieder prophezeite Untergang des Abendlandes (Spengler) rückt näher ...“  (Gunnar Heinsohn, 2005; siehe: http://www.zeit.de/feuilleton/kursbuch_162/1_heinsohnHeinsohn). Zu diesem Ergebnis kommen auch Meinhard Miegel (Miegel), Theodor Schmidt-Kaler (Schmidt-Kaler), Herwig Birg (Birg), Peter Marschalck (Marschalck) oder Wolfgang Kölmman (Wolfgang Kölmman), um nur wenige Beispiele zu nennen.

EU-Kandidaten für 2004: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta, Zypern (doch beitreten konnte dann nur der griechische Teil Zyperns). Trotz der riesigen Probleme dieser Kandidaten ließ die EU deren Beitritt am 01.05.2004 zu. Mehr zum Thema „EU“Abbildung

Lee Kuan Yew aus Singapur hält vom westlichen Liberalismus gar nichts und setzt an dessen Stelle den Konfuzianismus. Lee Kuan Yew sieht im Konfuzianismus den Erfolg Singapurs und predigt der restlichen Welt konfuzianische Werte. Mehr

Was „die in ihrer Entwicklung fortgeschrittensten Länder wie Deutschland und die anderen westeuropäischen Länder betrifft, läßt sich wohl schon sagen, daß sich die demographischen Voraussetzungen ökonomischer Erfolge nicht von selbst erfüllen, wie bisher immer stillschweigend vorausgesetzt wurde. .... Bevölkerungsvorausberechnungen sind wesentlich zuverlässiger als Wirtschaftsprognosen. (Birg) ... Alle drei Hauptprozesse der demographischen Entwicklung - die Fertilität, die Mortalität und die Migration - sind erfahrungsgemäß außerordentlich schwer politisch zu steuern oder auch zu kontrollieren. Man tut deshalb gut daran, das prognostische Potential demographischer Projektions- und Simulationsmodelle zu nutzen, um sich so ein realistisches Bild von der durch die Altersstruktur und durch die Verhaltenstrends (generatives Verhalten, Lebenserwartung, Wanderungsverhalten) weitgehend vorprogrammierten Entwicklung zu bilden. Für jedes der über 200 Länder der Welt werden von der Bevölkerungsabteilung der UN je drei Projektionsrechnungen durchgeführt (untere, mittlere, obere Variante). Hinzu kommt eine Simulationsrechnung, die auf der (bewußt fiktiven) Annahme beruht, daß die Fertilität bis zum Jahre 2050 unverändert bleibt (Quelle: UNUN). Der Sinn dieses »constant fertility scenarios« ist, zu zeigen, daß etwas geschehen muß, damit die errechneten Szenarios nicht eintreten. Das »constant fertility scenario« ergibt für Westeuropa von 2000 bis 2050 eine Bevölkerungsschrumpfung von ... auf ... Mio. und für die Entwicklungsländer einen Bevölkerungszuwachs von 4,9 Mrd. auf 11,6 Mrd.. In Deutschland ... schrumpft die Bevölkerung seit 1971/'72, was nur deshalb nicht auffällt, weil das Geburtendefizit bisher durch Einwanderungen mehr als ausgeglichen wurde. Deutschland hat ein Mehrfaches an Einwanderungen als die klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada und Australien. Die jährliche Zahl der Einwanderungen pro 100 000 Einwohner betrug z.B. in den 80er Jahren (also bereits vor dem Zusammenbruch des Ostblocks) in die USA 245, nach Kanada 479 und nach Australien 694; nach Deutschland kamen 1022 auf 100 000 Einwohner. Nach dem Zuwanderungammenbruch des Ostblocks stieg die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland sogar auf 1566 pro 100 000 Einwohner. (Zuwanderung) ... So erstaunlich diese (in der Fachwelt wenig umstrittene) Entwicklung ist - mindestens ebenso viel Erstaunen erregt die Art, wie die politische Öffentlichkeit mit diesen Informationen umgeht. Am 15.01.1996 wurden die demographischen Fakten und Prognosen anläßlich einer Anhörung des Deutschen Bundestages vor der Enquete-Kommission »Demographischer Wandel« durch Experten vorgetragen und erläutert. Zwei Tage später fand eine andere Sitzung aus Anlaß der Telefongebührenänderung statt. Über die zweite Sitzung wurde in den Medien berichtet. Über die verschiedenen Sitzungen der Enquete-Kommission »Demographischer Wandel«, die schon seit Dezember 1992 tätig ist und deren Arbeit auf Beschluß des Bundestages seit 01.06.1995 fortgesetzt wird, erfuhr die Öffentlichkeit sehr wenig. (Vgl. den entsetzlichen Text im Argumentationspapier des Friedenskomitees 2000, 4 / 1995Birg). ... Durch das Treibenlassen seiner demographischen Probleme gefährdet sich Deutschland im 21. Jahrhundert auf eine ähnlich existenzbedrohende Weise wie durch die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert.“ (Herwig Birg, Die Weltbevölkerung - Dynamik und Gefahren, 1996, S. 80-82, 112-114). Diese Gefährdung im 21. Jahrhundert ist leider sogar viel existenzbedrohender, bösartiger und irreversibler als die im 20. Jahrhundert.

Die Textstelle bei Herwig Birg, Die ausgefallene Generation, 2005, S. 147 (Birg) ist hier um die Textstelle bei Herwig Birg, Die demographische Zeitenwende, 2001, S. 64, 86 (Birg) ergänzt. Birg warnt: Zuwanderung bringt keine Lösung, sondern noch mehr unlösbare Probleme. Die Konsequenz dieser Zuwanderungspolitik ist, daß wegen der zugewanderten Minderqualität der Standort und danach die gesamte Wirtschaft verödet. Kurze Formel: Zuwanderung steigt, Bildungsniveau sinkt, Verschuldung steigt, Standort-Attraktivität sinkt, Abwanderung steigt, Wirtschaft sinkt - bis hin zur Verödung (Unfruchtbarkeit und Zerfall) ! Weil junge gebildete Menschen knapp sind und mittlerweile überall gesucht werden (sehr nachgefragt sind), ist auch eine gesteuerte qualitative Zuwanderungspolitik keine Lösung, jedenfalls ist die quantitative Zuwanderungspolitik ein riesiges Problem, bedeutet eine ins eigene Land geholte Kolonialisierung und damit die selbstverschuldete Besiegelung des eigenen Niedergangs, verstößt gegen alle westlichen Rechtsverfassungen und ist deshalb ein Verbrechen. Es gibt auch für Selbsthaß oder Selbstmord keine mildernden Umstände, Entschuldigungen oder gar Freisprüche. Der erste Weg zur Besserung: Massenhafte Zuwanderung muß gestoppt werden! Zuwanderung

Zur Bestandserhaltung reichen 2 bis 2,2 Geburten pro Frau, also durchschnittlich 2,1 Geburten pro Frau. Warum liegt sie nicht bei 2 Geburten pro Frau?  Bestandserhaltende Geburtenrate heißt, daß die Bevölkerungszahl weder wächst noch schrumpft: sie liegt um so mehr über 2 Geburten pro Frau, je höher die Sterblichkeit des betrachteten Landes ist; für „diese Abweichung über 2 Geburten hinaus ist nicht nur das Niveau der Sterblichkeit wichtig, sondern auch die Sexualproportion der Geborenen (das Verhältnis aus der Zahl der Jungen zu der Zahl der Mädchen). Die natürliche Sexualproportion beträgt 106 Jungen zu 100 Mädchen. .... Die bestandserhaltende Geburtenrate beträgt auch deshalb mehr als 2 Kinder je Frau, weil die Reproduktion der Bevölkerung entscheidend von der Zahl der nachwachsenden Mädchen abhängt, nicht von der Geburtenzahl insgesamt.“  (Herwig Birg, 2005, S. 26-27Birg). 2003 hatte die EU wie Deutschland 1,4 Geburten pro Frau (vgl. Tabelle1,4): damit liegen beide „ein Drittel unter dem Niveau, das für die langfristige Konstanz der Bevölkerung ohne Wanderungen erforderlich wäre (= 2,1 Lebendgeborene je Frau = «Bestandserhaltungsniveau»).“ (Herwig Birg, 2001, S. 25Birg). 2003 betrug im Durchschnitt Europas zum Zeitpunkt der Geburt die Lebenserwartung der Männer 69,2 Jahre (im Durchschnitt Deutschlands: 75,5 Jahre) und die der Frauen 77,4 Jahre (im Durchschnitt Deutschlands: 81,4 Jahre). Im HDI-Rang (Human Development Index [HDI]: 3 Größen: Lebenserwartung, Alphabetisierung, Pro-Kopf-Einkommen) liegt Deutschland ganz weit vorn. Das demographisch-ökonomische Paradoxon (Demographisch-ökonomisches ParadoxonDemographisch-ökonomisches Paradoxon): je höher der HDI, desto niedriger „tendenziell die Zahl der Lebendgeborenen pro Frau.“  (Herwig Birg, 2001, S. 24Birg). Die 7 größten Industrieländer - die G7-Länder (in dieser Rangfolge: USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Italien [RangfolgeWelthandelWelthandelG7]) - hatten 2007 einen Anteil von rund 58% am Welt-BIP (BIP/BNE/BSPWelthandel), und „es wird befürchtet, daß sich ihr Gewicht in Zukunft aus demographischen Gründen verringern wird. Diese Furcht besteht zu Recht.“ (Herwig Birg, 2001, S. 15Birg).

Vgl. hierzu auch: Herwig Birg, Die demographische Zeitenwende - Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa, 2001, S. 183 und ff.. Die Bedeutung dieses Themas steigt übrigens in demselben Maße, wie es von den Herrschenden zum Tabu gemacht wird. „Für das Nichts-Tun und das Nicht-Wissen-Wollen gibt es viele Gründe, so daß ich als Autor eine Beweislast spüre, darlegen zu müssen, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Der wichtigste Beweggrund ist die Aussicht, daß der demographische Niedergang Deutschlands und Europas rückblickend einmal als ein Vorzeichen für den Abschied unseres Landes (und unseres Europas!) aus seiner zweitausendjährigen Geschichte gedeutet werden könnte, ohne daß diese Gefahr den heutigen Zeitgenossen (und vor allem: Zeitgenossinnen!) bewußt war.“ (Herwig Birg, ebd., S. 14). Also: Niemand soll hinterher sagen können, davon nichts gewußt zu haben!

Herwig Birg, Die ausgefallene Generation - Was die Demographie über unsere Zukunft sagt, 2005. Für Herwig Birg ist klar: „Die demographischen Entwicklungsbedingungen eines Landes werden zu einem wichtigen internationalen Standortfaktor. In Ländern wie Deutschland, das die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung je zur Hälfte aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert, erhöhen die demographisch bedingt steigenden Kosten für das soziale Sicherungssystem die Produktionskosten und die Produktpreise auf den internationalen Gütermärkten. Die Folgen sind sichtbar: Arbeitsplätze werden ins Ausland verlagert, Auslandsinvestitionen in Deutschland sind nur noch in wenigen Branchen lohnend. Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat wegen seiner niedrigen Geburtenrate ungünstige Zukunftsaussichten. Hinzu kommt der zunehmende Mangel an jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräften.“ (Ebd., S. 134). „Bei einem Anteil der Kinderlosen von einem Drittel bei den Jahrgängen ab 1965 erodieren nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern es entsteht zugleich auch ein neuer Typ von sozialer Ungerechtigkeit - «die Transferausbeutung der Familien» (Jürgen Borchert). Die verfassungswidrige Bevorzugung von Menschen ohne Nachkommen in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung verletzt den obersten Grundsatz unserer demokratischen Verfassung, das Gleichheitsprinzip (Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 03.04. 2001). .... Die Versorgungslücken des staatlichen sozialen Sicherungssystems erweitem sich; sie sollen durch private Ersparnis und Kapitalexport in Niedriglohnländer wie China geschlossen werden. Da auch die Geburtenraten der Entwicklungsländer stark abnahmen und weiter zurückgehen, ist die demographische Alterung ein weltweites Phänomen. Der demographisch bedingte Lastenanstieg läßt sich durch Kapitalexport international nur anders verteilen, aber nicht aus der Welt schaffen, denn die Weltbevölkerung altert als Ganzes. In China wird der Altenquotient ab den 2030er Jahren sogar höher sein als in den USA. Wie sollen dann die mittleren Generationen in China durch ihre wirtschaftlichen Leistungen die älteren Generationen in den Industrieländern - die Eigentümer der in China investierten Kapitalgüter- mitversorgen, wenn in China selbst bis dahin Hunderte von Millionen ältere Menschen hinzugekommen sein werden, für die es in China keine ausreichende Alterssicherung gibt?  Dann müßte Kapital aus China in die Industrieländer exportiert werden, statt umgekehrt. .... Wie hätte man sich den Weg zurück zu einer höheren Geburtenrate in Deutschland vorzustellen, falls er wirklich den Durchgang durch Phasen der sozialen Unsicherheit und der gesellschaftlichen Instabilität voraussetzen würde, die die Jüngeren in diesem Land nie erlebt haben und die sie sich wahrscheinlich nicht einmal vorzustellen vermögen?  Deutschland ist im 20. Jahrhundert durch zwei Weltkriege und zwei Diktaturen gegangen. Den davon betroffenen älteren Generationen könnte man die Bewältigung der demographischen Krise im 21. Jahrhundert durchaus zutrauen, aber gilt das auch für ihre Nachkommen in der «Spaßgesellschaft»?  Die westeuropäischen Länder haben in den letzten 50 Jahren in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gewaltige Fortschritte erzielt. War es unvermeidlich, daß dieser Erfolg mit einem Verlust ihrer demographischen Stabilität und eines großen Teils ihres Humanvermögens bezahlt wurde?  Es ist in Deutschland üblich geworden, eine Gesellschaft mit einem wirtschaftlichen Großbetrieb, einer Aktiengesellschaft, zu vergleichen, wie dies etwa der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt tat, der sich gerne als «Aufsichtsratsvorsitzenden der Aktiengesellschaft Bundesrepublik Deutschland» bezeichnete. Die tiefere Wahrheit dieses Vergleichs wird nun allmählich deutlich: Es kommt darauf an, den drohenden, demographisch bedingten Konkurs der Deutschland AG abzuwenden. Diese Art von Herausforderung ist für eine erfolgsgewohnte Volkswirtschaft neu: Nach Carl von Clausewitz ist der geordnete Rückzug bei einer militärischen Niederlage eine viel schwierigere Operation als ein Erfolg durch das Erringen eines Sieges. (ClausewitzFriktionen). Läßt sich die mangelnde demographische Stabilität eines Landes durch ökonomische Stärke - durch Produktivitätszuwächse im Inland oder durch Kapitalexport in wachstumsstarke Niedriglohnländer überhaupt dauerhaft substituieren?  Diese Frage ist von größter Bedeutung, denn eine schnelle Rückkehr zu einer demographisch stabilen Situation ist unmöglich. Durch den Kapitalexport aus den Industrieländern in Niedriglohnländer profitieren in der Regel beide Ländergruppen. Da jedoch beide Ländergruppen und die Welt als Ganzes altern, entsteht durch den Kapitalexport sowohl ein geographisches Verteilungsproblem in Bezug auf die internationale Verteilung der Kapitaleinkommen als auch ein soziales Verteilungsproblem in Bezug auf die sozialen Gruppen als Empfänger der Renditen und als Eigentümer des Kapitals. Bei diesem Prozeß wird es Gewinner und Verlierer geben, auch wenn es sich nicht um ein Nullsummenspiel handelt und beide Ländergruppen Vorteile daraus ziehen. Dabei zeichnet sich für Deutschland ein neuer internationaler Konflikt ab. Da das deutsche Sozialversicherungssystem umlagefinanziert ist, während beispielsweise das britische und amerikanische auf Kapitaldeckung beruht, konnten sich in Deutschland keine international konkurrenzfähigen Kapitalfonds und keine international bedeutsamen Banken entwickeln. Die ausländischen Alterssicherungsfonds sind zum Erfolg verurteilt, denn die Existenz der ausländischen Anteilseigner im Ruhestand hängt davon ab, daß die gewaltigen Fondsvermögen international renditeträchtig angelegt werden. Die interessantesten deutschen Unternehmen werden von ausländischen Fonds übernommen, ohne daß Deutschland bei den Übernahmeschlachten als gleichwertiger Gegner auftreten kann: «Die deutschen Unternehmen werden zunehmend zu Institutionen zur Finanzierung der Altersvorsorge, angefangen bei der Rente der kalifornischen Lehrer und der Feuerwehrleute in Wisconsin bis hin zur Rente der Bergarbeiter von Mittelengland.» (Uwe H. Schneider, Sonderrecht für institutionelle Anleger?  In: Börsenzeitung, 15.06.2005). Da Deutschland über keine nennenswerte kapitalstockfinanzierte Altersvorsorge und keine entsprechende Finanzmacht verfügt, kommen die Dividenden seiner Unternehmen und die Zinsen seiner Staatsanleihen, die von den nachrückenden Generationen erwirtschaftet werden müssen, ausländischen Pensionären zugute. Die Demographie ist wie ein siamesischer Zwilling mit der Wirtschaft verwachsen: Geht es dem einen schlecht, leidet auch der andere.“ (Ebd., S. 140-143). Weitere Zitate: S. 7, 9, 11-12 (Birg), 84-85 (Birg), 112-116 (Birg), 120-122 (Birg), 145-150 (Birg). Vgl. auch Birgs Gegenüberstellung: Süßmilch versus Malthus (Birg). Birg

Herwig Birg, Strategische Optionen der Familien- und Migrationspolitik in Deutschland und Europa, in: Christian Leipert, Demographie und Wohlstand, 2003, S. 27-56; hier: S. 51 bzw. 51-53. Birg

Hans-Werner Sinn, Das demographische Defizit, in: Christian Leipert, Demographie und Wohlstand, 2003, S. 57-88; hier: S. 79-82. Sinn

Steffen Kröhnert, Nienke van Olst und Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: „Emanzipation oder Kindergeld?  - Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in Ländern Europas erklären“ (2004). Man will ja schließlich immer alles „ERKLÄREN“. Und zu welchem „Fazit“ kommen diese vom Staat kräftig subventionierten Berufsemanzen?  „Die wichtigsten Maßnahmnen auf dem Weg zu höheren Kinderzahlen“ seien 1.) „die Gleichbehandlung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt“, 2.) „die Abschaffung von finanziellen Privilegien für die Institution Ehe, solange sie die Abhängigkeit der Partner voneinander fördern“, 3.) „die Sicherstellung einer Kinderbetreung bereits ab dem ersten Lebensjahr.“ (Ebd.). Vgl. oben

Literatur hierzu z.B. von: Paul E. Gottfried, Multikulturalismus und die Politik der Schuld (2004); Arne Hoffmann, Warum Hohmann geht und Friedman bleibt - Antisemitismusdebatten in Deutschland von Möllemann bis Walser (2005); Norman G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie (2000).

„Moralisierung der Politik ist ein strategisches Mittel zur Gewinnung von Intellektuellenmacht. Wer darin nur einen sympathischen, menschenfreundlichen Gestus sehen will, verkennt die Gefahr, die von der Ausdehnung morlaischer Herrschaftsansprüche ausgeht. Die Blockade von dringend gebotenen Problemlösungen wird zum »Erfolgserlebnis«, reizt zu Wiederholung und verschafft Zulauf. Der brillante, aus Wien stammende Soziologe Peter Berger erkennt in Moral eine Billiginvestition für die Ausübung von Macht, die gerne Gruppen vornehmen, welche den Gesellschaftserfordernissen wie Produktion, Gewerbe und Markt fernstehen. (Vgl. Peter Berger, Moralisches Urteil und politische Aktion, 1989). Funktioniert die Ausdehnung von Macht qua Moral allzugut, findet sich immer mehr Inkompetenz in den oberen Rängen. Da Moral im spätindustriellen Wohlfahrtsstaat sich weniger in Taten als in Sprachspielen, »Diskursen«, im Zeigen von Gesinnung äußert, kann sie noch einen weiteren Grund für Systemverfall liefern: den »Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft«. (Vgl. Hermann Lübbe, Politischer Moralismus - Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft, 1987). Ausgeprägt findet man diese Tendenz schon im Automatismus und den zur Gedankenlosigkeit geronnenen Stehsätzen, mit denen auf das üble Exempel des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen verwiesen wird - für tagespolitische Zwecke der Gegenwart. Dies erklärt, warum die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus mit zeitlichem Abstand von ihm zunimmt. Die These, daß sich eine jüngere Generation, die eben keinerlei Verdrängung mehr nötig habe, dem Thema unbefangen und offen widmen könne, ist keine hinlängliche Erklärung. Vielmehr sind es Gesinnungskonkurrenz und Machtmechanismen im neuzeitlichen medialen Kulturbetrieb, die die schärfsten Geschütze nicht mehr in der Schublade halten können und aus der Vergangenheitsbewältigung eine intellektuelle Industrie gemacht haben (z.B.Holocaust-Industrie, Holocaust-Ausbeutung, Nazi-Ausbeutung, Nazi-Keule, Auschwitz-Keule u.ä.). Die Einwanderungsfrage wurde klarerweise zum Eldorado des apolitischen Moralismus. Er versucht mit betonter Weltfremdheit der Welt beizukommen, analog der Schelskyschen These geht sein Einfluß weit über seine Grenzen. (Schelsky). Denn auch die satte Parteiendemokratie hat immer noch nicht begriffen, daß ein Wanderungsdruck aus Richtung Osteuropa und der dritten Welt, ja eine neue Völkerwanderung von der »armen« in die »reiche Welt« längst eingesetzt haben. In solcher Lage ein Individualrecht auf Asyl beibehalten zu wollen, ist eine Absurdität. Die Drohgebärden gegenüber denen, die einer Rechtsänderung zuzustimmen gedenken, sind ein Amalgam aus bequemer Vergangenheitsbewältigung und Weltanschauung, die sich über den realen Zustand der gegenwärtigen Welt erhaben dünkt.“ (Josef Schmid, „Multikultur“ - Zur Idee und Kritik eines Gedankenexperiments, in: Andreas Mölzer & Rudolf Eder, Einwanderungsland Europa?,  1993, S. 50-51).

Schelsky sieht die moderne Priesterschaft heraufkommen, wenn die Blockade-Moral einer Minderheit über Verstärkereffekte durch Medien eine eingeschüchterte schweigende Mehrheit produziert. Hier tut sich ein schroffer Gegensatz zu dem auf, was von Neomarxismus und kritischer Theorie aus Frankfurt noch übriggeblieben ist. Diese hält es nämlich für ihre Aufgabe, die »Entmoralisierung der politischen Diskurse zu verhindern«. (Vgl. Jürgen Habermas, in: FAZ, 01.03.1993. Habermas ist als Ober-Scheinmoralist auch Herrscher über das angeblich „herrschaftsfreie“, also in Wahrheit nicht-herrschaftsfreie Gespräch. Unfrei wie nie zuvor.). In einem bemerkenswerten Stück Ideologiekritik wendet der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann ein, daß diese Haltung gegenüber Gegenwartsproblemen nur dann eingenommen werden könne, wenn man wisse, was »das Gute« ist. (Vgl. Niklas Luhmann, Paradigm Lost: Über die ethische Reflexion der Moral, 1990). Auch ... Verhängnis und Daseinsverfehlung zur Mitte des 20. Jahrhunderts hin könnten nicht weise für immer machen, sondern auch nur klug für ein andermal. Der triumphierende Karl Popper warnte auch davor, mit totalitären Gedankengebärden aus dem politischen Totalitarismus herausfinden zu wollen: nur die nächsten Wege seien politikabel, entscheidbar und somit menschlich.“ (Josef Schmid, „Multikultur“ - Zur Idee und Kritik eines Gedankenexperiments, in: Andreas Mölzer & Rudolf Eder, Einwanderungsland Europa?,  1993, S. 49-50).

„Alter“ der Kultur (Zivilisation) ist quantitativ UND qualitativ gemeint. Das „Alter“ wird auch „gefühlt“, auch „gespürt“ oder sonstwie „wahrgenommen“, das „In-Form-Sein“, im Sport sagt man auch „Fit-Sein“ oder „Fitneß“, ist nicht nur abhängig vom zahlenmäßigen (z.B. Jahre nur zählenden) Alter, sondern auch vom Fühlen u.s.w. (Spengler). Deshalb ist auch die Behauptung „Der Gipfel der Zivilisation ist zugleich der Anfang ihres Endes“ (Robert Hepp, a.a.O., 1986, S. 203Hepp) zu relativieren oder so zu formulieren: Der Gipfel der Zivilisation ist zugleich der Anfang ihres Endes, doch wie lange der Prozeß bis zum Ende dauert, hängt auch ab von ihrem „In-Form-Sein“, von ihrem „gefühlten Alter“. Unsere Kultur wird bald den „Gipfel ihrer Zivilisation“ erreichen und auch dann („objektiv“!) noch nicht sehr alt sein, doch ob sie sich selbst dann („subjektiv“!) genau so oder eben anders „fühlen“ wird?  Und wie werden die anderen Kulturen sie dann „wahrnehmen“, „spüren“, „fühlen“?  So oder anders?

Robert Hepp, Der Aufstieg in die Dekadenz, in: Armin Mohler, Wirklichkeit als Tabu, 1986.

Der „soziale Aufstieg“ der „Individuen“ ist der „Aufstieg in die Dekadenz“. In der Hölle ist der Teufel eine positive Figur. Und im Himmel eine negative. „Was die ›Progressiven‹ Fortschritt nennen, ist für ihre ideologischen Gegner schlicht ›ein Versinken‹. ›Dies alles wurde als Fortschritt empfunden‹, bemerkt der konservative Revolutionär Moeller van den Bruck mit Bezug auf die ›liberalen‹ Theorien ..., ›und es war wohl doch Verfall‹. .... Der soziale Aufstieg, ein Gewinn für den Einzelnen, ist demnach also gleichzeitig ein Verlust für die Nation (bzw. die Gemeinschaft, Kultur), weil er zum Bevölkerungsrückgang führt. .... Der Geburtenrückgang ist ... ein ›paradoxes Symptom‹. .... Der Geburtenrückgang würde demnach kurzfristig und aus der Perspektive des einzelnen Individuums ... als Vorteil, langfristig und vom Standpunkt des Staates oder des Volkes als Nachteil erscheinen.“ (Robert Hepp, Der Aufstieg in die Dekadenz, in: Armin Mohler, Wirklichkeit als Tabu, 1986, S. 199, 201, 202).Geburtenrückgang

Es fehlt an „Nachwuchssicherung“ (Nachwuchssicherung) und „Anwälten der zukünftigen Generationen“ (Anwalt der zukünftigen Generationen) im Rahmen der Familien-, Kinder-, Generationen-, Bevölkerungspolitik. Leistungstragende Familien, und zwar Eltern, ihre Kinder, Enkel, Urenkel u.s.w., die zukünftigen Generationen brauchen einen Vertreter bzw. Anwalt, eine sie vertretende und ihre Rechte verteidigende Gruppe, eine Lobby. Familien werden doppelt und dreifach von Politik und Wirtschaft benachteiligt (zugunsten der ohnehin in jeder Hinsicht bevorteilten Kinderlosen [vgl. z.B. den riesigen Unterschied bei den EinkommenTabelle], die obendrein ihre Altersrenten nur deshalb beziehen, weil es Familien, also Kinder gibt), dabei sind die Familien die einzige Institution bzw. das einzige gesellschaftliche Teilsystem (Kaufmann) zur Sicherung der Renten durch Nachwuchs,  ja: nur die Familien können die Zukunft der Gemeinschaft faktisch garantieren! Vgl. hierzu auch z.B. Franz-Xaver Kaufmann, „Zwischen »Bevölkerungspolitik« und »demographischem Fatalismus«“ (Kaufmann) und „Nachwuchssicherung als prioritäre Aufgabe des Sozialstaats“ (Kaufmann), in: ders., Schrumpfende Gesellschaft, 2006, S. 161-167 und 173-176Kaufmann). Kaufmann vermutet auch: „Auf andere Weise, als Karl Marx vermutet hat, könnte der Kapitalismus an seinen Erfolgen zugrunde gehen, wenn ihm der Nachwuchs ausgeht. Im Sinne der ökonomischen Theorie sind Kinder zu einem »öffentlichen Gut« geworden, an dessen Produktion alle ein Interesse haben, die einzelnen jedoch keine oder ungenügende Anreize erhalten, sich an der Produktion zu beteiligen.“ (Ebd., S. 158Kaufmann). Und zur „Spannung zwischen den Interessen unterschiedlicher Generationen“: „War in der Entstehungsphase des Sozialstaats und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Eingrenzung des Klassenkonflikts das Hintergrundthema aller sozialpolitischen Auseinandersetzungen, so scheint dies im 21. Jahrhundert die Eingrenzung des Generationenkonflikts zu werden.“ (Ebd., S. 201Kaufmann). Jedenfalls ist sicher, daß Politik und Wirtschaft bei uns das Grundgesetz mit Füßen treten (Mehr), denn gerade auch die Ausbeutung der Familien, und dazu gehört ja die Bevorzugung bzw. Bevorteilung der Kinderlosen gegenüber den Familien, ist verfassungswidrig (MehrMehrMehrMehr) !

Dazu zählen z.B. „Hyper-Modernisierung“, „Hyper-Säkularisierung“, „Hyper-Verstädterung“, „Hyper-Bürokratisierung“, „Hyper-Verbeamtung“ u.s.w., die alle als „soziale Errungenschaften“ oder als „sozialer Fortschritt“ gepriesen werden, aber „Errungenschaften“ bzw. „Fortschritt“ sind sie kaum, denn sie bedeuten „Aufstieg in die Dekadenz“ (Mehr): „Aus der Sicht der Dekadenztheorie ist die Zurückhaltung unserer Politiker gegenüber pronatalistischen Programmen verständlich. Wenn alles, was wir grosso modo unter dem Schlagwort vom ›sozialen Fortschritt‹ zusammengefaßt haben, zu der ›Bedingungskonstellation‹ unseres Geburtenrückgangs gehört, könnte man den schleichenden ›Volkstod‹ natürlich nur mit Eingriffen in die ›sozialen Errungenschaften‹ wirksam bekämpfen. Auf diese sind aber die Politiker der Bundesrepublik besonders stolz, weil sie sie - nicht ganz zu Unrecht - für ihre eigentlichen Leistungen halten. Natürlich sind sie nicht für jede ›soziale Errungenschaft‹ verantwortrlich zu machen, die sie sich gerne zurechnen möchten. Die ›Modernisierung‹ hat ihre Eigendynamik: die ›Säkularisierung‹ der Religionen, die ›Verstädterung‹ und auch der wirtschaftliche Strukturwandel vollziehen sich nach Gesetzen, die kein Parlament beschlossen hat. Die Politiker sind gewiß nicht daran schuld, daß der Anteil der regelmäßigen Kirchenbesucher bei den jungen Leuten unter 30 Jahren in einer Generation um 85% (Protestanten) bzw. 76% (Katholiken) abnahm (Stand: 1980!). Trotz der ›Gemeindereform‹ sind sie auch nicht allein dafür verantwortlich zu machen, daß der Anteil der mehr oder weniger verstädterten Bevölkerung (gemessen an der Einwohnerchaft von Gemeinden über 5000 Einwohnern) seit Gründung der Bundesrepublik (1949) um 28% zugenommen hat (Stand: 1980!). Und trotz aller ›Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik‹ ist es nicht allein ihr Werk, wenn sich der Anteil der Beamten und Angestellten an den Erwerbstätigen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat (Stand: 1980!). Aber die Regierungen der Bundesrepublik haben die ›Modernisierung‹ mit ihrer ›Gesellschaftspolitik‹ doch direkt oder indirekt unterstützt. Aus primär ideologischen Motiven haben sie die ›Emanzipation der Frau‹ und das ›soziale Aufstiegsstreben‹ nach Kräften gefördert. Mit der ›Legalisierung‹ der Abtreibung (durch die Reform des § 218 in den Jahren 1974 und 1976), mit der absichtlichen ›Desinstitutionalisierung‹ von Ehe und Familie (durch die Reform des Ehescheidungsrechts, des elterlichen Sorgerechts u.s.w.), mit der ›Bildungsreform‹, mit der ›Agrarpolitik‹ und mit dem Ausbau eines familienunabhängigen ›sozialen Netzes‹ - um nur ein paar Beispiele zu nennen - haben sie zweifellos einen ›Prozeß‹ , der ohnehin ›im Gang war‹, noch beschleunigt und verstärkt. Wenn heute in der Bundesrepublik ein Viertel der Ungeborenen auf Krankenschein abgetrieben werden kann (Stand: 1980!), wenn in deutschen Großstädten auf zwei Eheschließungen eine Scheidung kommt (Stand: 1980!), wenn die Heiratsziffern der Twens seit 1972 um die Hälfte gesunken sind (Stand: 1980!), während sich die Zahl der unverheiratet zusammenlebenden jungen Paare seither versechsfacht hat (Stand: 1980!), wenn der Anteil der Schülerinnen an der weiblichen Bevölkerung von 15 bis 23 Jahren 1980 dreimal und die Zahl der Studentinnen viermal größer war als 1960, wenn die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren um 70% und die landwirtschaftlichen Betriebe um 50% abnahmen (Stand: 1980!), wenn es nach den geltenden Regelungen der Altersversorgung 51% der künftigen Versorgungsberechtigten den übrigen 49% überlassen können, ihre Renten zu sichern (Stand: 1980!), dann ist das zweifellos auch ein Verdienst der bundesrepublikanischen ›Gesellschaftspolitik‹. (Seit 1957). Über den Einfluß dieser Politik auf das generativeVerhalten ... braucht man grundsätzlich kein Wort zu verlieren. Die Bedeutung der Landwirtschaft als Bevölkerungsreservoir läßt sich ebensowenig leugnen wie etwa der kontrazeptive Effekt der Verstädterung, des Aufstiegs zum Angestellten, der Bildungsexpansion oder eines familienunabhängen Systems der Altersversorge, das die kinderlosen Doppelverdiener privilegiert. (Seit 1957). Da sich die ›Errungenschaften des sozialen Fortschritts‹ in der Sozialstruktur niedergeschlagen haben und zu ›unverzichtbaren Besitzständen‹ geronnen sind und da ... der Wähler von diesen ›Errungenschaften‹ profitiert, könnte es kein Politiker riskieren, sie in Frage zu stellen.“ (Robert Hepp, Der Aufstieg in die Dekadenz, in: Armin Mohler, Wirklichkeit als Tabu, 1986, S. 205-206). GeburtenrückgangZur Bevölkerungspolitik

„Individuelle Selbstverwirklichung“ betrifft Frauen, ja, aber auch Männer. Der Individualismus ist schon vom Ansatz her falsch, denn der Mensch ist eher ein Dividuum als ein Individuum und kann zwar kurzfristig in Einsamkeit leben (Mönche, Singles u.ä), doch ohne Mitmenschen sind seine Tage gezählt. (Mehr). Selbstverwirklichung ist Täuschung bzw. Enttäuschung, Entwirklichung. Das schwere Problem, das Singles sich immer mehr in Selbstüberschätzung aufbürden, nehmen sie anfangs gar nicht als schweres Problem wahr, sondern als leichtes Schweben. Dieser Schwebezustand dauert jedoch umso länger je mehr Singles es gibt. Heute werden junge Erwachsene im sozialen Sinne später reif als in der Vergangenheit, und das hat Konsequenzen auch für Singles: weil sie sich ohnehin schon spät zum Single-Dasein entschieden haben, brauchen sie nun noch einmal viel Zeit, nämlich zu viel Zeit, um wieder in die Normalität zurückzukehren, zu lange, um noch eine Familie gründen zu können, um noch Kinder zu bekommen. Oft wird das Elternwerden, das Kinderkriegen so lange aufgeschoben, das es einfach, zumindest für die Frauen, dafür dann auch biologisch zu spät ist. So bleiben also am Ende sogar auch diejenigen Singles, die sich doch noch für die Familie entscheiden, Kinderlose, ja von nun an sogar Ewig-Kinderlose!

Empfängnisverhütung gibt es zwar - mit unterschiedlicher Wirksamkeit - seit einigen Jahrtausenden, aber nie ist die Vermeidung des Schwangerwerdens so leicht gewesen wie seit 1960 (Antybabypille: Zulassung am 23.06.1960; zuerst auf dem Markt am 18.08.1960). Millionen und Abermillionen eingeborener weißer Kinder, deren Empfängnis die Natur beabsichtigte, sind seitdem als direktes Ergebnis der Antibabypille nicht empfangen worden. Die Empfängnisverhütungspille war ursprünglich für verheiratete Frauen als Mittel zur Familienplanung erhältlich und wurde schon bald darauf als Waffe der „Frauenemanzipation“ gefeiert und in den westlichen weißen Nationen stark gefördert. Selbst wenn die Pille versagt, ist es seitdem leicht und in fast jeder westlichen Nation legal, unerwünschte Schwangerschaften abzubrechen. Als Folge von Gesetzen, die zur selben Zeit erlassen wurden, in der die Empfängnisverhütungspille weit verbreitet verfügbar gemacht wurde, sind im ganzen Westen weitere Millionen um Millionen ungeborener Kinder getötet worden, hauptsächlich, in riesigem Ausmaß, aus Bequemlichkeitsgründen statt aus medizinischer Notwendigkeit (einschließlich dessen, was man das Szenario »verlasse den Freund und töte das Kind« nennen könnte). Wie schon bei der Empfängnisverhütung wird auch die Abtreibung wiederum sowohl als Recht als auch als Mittel zur „Frauenemanzipation“ dargestellt; tatsächlich wird unterstellt, daß man frauenfeindlich sei, wenn man gegen die Abtreibung ist. „In der Tat stellt die Populärkultur jene, die für das Leben sind, als böse oder unausgeglichen dar, während Leute, die für den Tod sind, als anständig, rational und sogar ziemlich heroisch dargestellt werden. Ist es nur ein Zufall, daß die beiden größten gesellschaftlichen Veränderungen, die sich auf die menschliche Fortpflanzung auswirken, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Folge hatten, daß zig Millionen westlicher Kinder nicht geboren wurden? Falls doch, dann gibt es hier einen weiteren Zufall.“ (Sarah Maid of Albion, Der heimliche Genozid, 2011). „Mit der De-facto-Straffreistellung des Schwangerschaftsabbruchs wurde ein einmaliges Sonderrecht für Frauen geschaffen. Obwohl nach unserer Verfassung auch das noch ungeborene Leben geschützt ist, ließ das Bundesverfassungsgericht bei diesem Tötungsdelikt eine Ausnahme vom Bestrafungsgrundsatz in Form der strafausschließenden vorhergehenden Beratung zu. Auch darüber hinaus bleibt durch weitgefaßte Indikationen ein Schwangerschaftsabbruch für die Frau so gut wie in jedem Falle straffrei. Schwangeren Frauen ist damit faktisch ein Tötungsrecht über ihre ungeborenen Kinder eingeräumt, ihre Befindlichkeit wurde über das Lebensrecht der Kinder gestellt. Dies wurde zugelassen, obwohl bei der schon seit langem zur Verfügung stehenden Vielzahl an Verhütungsmöglichkeiten von vorneherein »ungewollte« Schwangerschaften kaum noch vorkommen dürften! Die Väter müssen weder befragt, noch informiert werden - sie haben die Entscheidung der Mütter und deren Folgen schlicht hinzunehmen.“ (Georg Friedenberger, Feminisiertes Recht - feminisierte Justiz).

Die gesamte Abtreibungspolitik - , das Abtreibungswesen, das Abtreibungssystem -, kurz: die Abtreibunsgesellschaft ist ein Skandal ersten Ranges. Und der Staat zahlt dafür auch noch gigantische Summen. „Auf etwa 40 Millionen Euro wurden z.B. für 2003 die Aufwendungen der öffentlichen Haushalte in Deutschland geschätzt, um den Schwangerschaftsabbruch medizinisch »lege artis« durchzuführen. (Vgl. FAZ, 05.06.2004, S. 8). Einsparungen an anderer Stelle gleichen den Aufwand aus. So kann der »Freistaat« Bayern sein »Landeserziehungsgeld« um 30 Millionen Euro auf Grund des Geburtenrückgangs verringern.“ (Udo Steiner, Generationenfolge und Grundgesetz, in: Herwig Birg, Auswirkungen der demographischen Alterung und der Bevölkerungsschrumpfung auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, 2005, S. 26). Ein Skandal! Und unsere Verfassung, unser Grundgesetz wird pausenlos mit Füßen getreten: „Kinder kommen natürlich im Grundgesetz vor. Ein spezielles Grundrecht des Kindes findet sich aber nicht. Das Grundgesetz verlangt der Rechtsordnung zwar wirksame Vorkehrungen zum Schutz des Lebens ab. In der politischen und gesellschaftlichen Praxis spiegelt sich aber der Lebensschutz nicht wider.“ (Ebd., S. 26). Das sind sogar nur die harmloseren Seiten, denn das Problem ist noch viel komplexer. Nur eine dekadente Gesellschaft leistet sich so viel Überfluß. Natürlich liegt es an einem liberalistisch-individualistischen System wie dem Abendland, wenn es es zu dem ohnehin schon vorhandenen Überfluß auch noch - und zwar zumeist ohne Grund (abgesehen von den wirklich harten Fällen, die aber eine sehr kleine Ausnahme sind) - die eigenen Nachkommen und letztendlich sich selbst abtreibt und gar nicht mehr weiß, wer oder was Männchen und Weibchen ist. Der Sinn dafür soll schon weg sein (Spengler). Und die sehr wenigen Frauen, die wirklich von der Emanzipation profitieren, tun dies auf Kosten aller anderen Frauen, um über die Lobby an die Macht zu kommen und sie zu verteidigen - nicht nur gegen Männer, sondern noch mehr gegen Frauen, also im Grunde doch gegen sich selbst. Wie unfruchtbar (Spengler) ! Wie menschenfeindlich! Emanzipation und Abtreibung, und das auch noch auf Kosten des Staates, also: des Steuerzahlers! Die von Eva Herman in ihrem vielbeachteten Essay »Die Emanzipation - ein Irrtum?«  gestellte Frage beantwortet Peter Mersch „mit einem klaren »Ja«. Eine weitestgehende Angleichung der Geschlechter führt in menschlichen Gesellschaften dagegen selbst bei optimaler Vereinbarkeit von Familie und Beruf dazu, daß die Opportunitätskosten für Kinder sowohl bei Frauen als auch bei Männern umso höher sind, je qualifizierter und beruflich engagierter die Eltern sind. Das daraus resultierende Nachwuchsverhalten dürfte den betroffenen Bevölkerungen sukzessive alle ihre Komponenten rauben. Oder anders gesagt: Solche Gesellschaften verarmen und verdummen - und zwar aus biologischen Gründen.“ (Peter Mersch, Die Emanzipation - ein Irrtum! Warum die Angleichung der Geschlechter unsere Gesellschaft  restlos ruinieren wird, 2007 [Mersch]). „Emanzen ..., Feministinnen, ... Berufsfeministinnen bilden ihre eigene Lobby, sie schreiben Artikel und Bücher, machen Politik und gestalten Gesetze. Hausfrauen und Mütter haben diese Möglichkeiten nicht. Aus diesem Grund entstand dieses Buch.“ (Eva Herman, Das Eva-Prinzip, 2006, S. 251). Eva Hermans Buch ist ein Buch gegen den Egoismus / Individualismus, gegen alle Aussterbenden (Singles, Emanzen, Feministinnen, Berufsfeministinnen, Weicheier, Frauenversteher & Co. u.s.w.), gegen die Diktatur von Kinderfeinden, Frauenbeauftragten und allen anderen freiwillig Unfruchtbaren, kurz gesagt: gegen die Dekadenz, gegen den Untergang! Abtreibung und Emanzipation

Abtreibung und Emanzipation bedeuten Lebens-, v.a. Menschenfeindlichkeit, Beschleunigung des Unterganges, Wille zum Tod. „Das Lebensrecht wird in einer Zangenbewegung immer weiter eingeschränkt: Die Mehrheit hat sich offenbar damit abgefunden, daß seit der Liberalisierung des Paragraphen 218 1974 rund neun Millionen Kinder durch Abtreibung nicht das Licht der Welt erblickt haben. Zu einem fürchterlichen Automatismus ist darüber hinaus die vorgeburtliche Selektion durch die Pränataldiagnostik geworden, so daß bei Indizierung einer möglichen Behinderung des Kindes zur Regel geworden ist, notfalls durch Spätabtreibung (nach der 22. Schwangerschaftswoche) die Geburt eines solchen Kindes zu verhindern. Gerade ist eine Einigung in der Großen Koalition über eine Erschwerung von Spätabtreibungen wieder gescheitert. Wenn eine Industrienation wie Deutschland jährlich offiziell über 130000 gezeugte Kinder zur sozial unerträglichen Belastung erklärt und tötet, dann kann man ahnen, wie lange es dauern wird, bis es angesichts explodierender Gesundheitskosten und zerfallender Familienstrukturen genauso normal wird, Tausenden alten Menschen »freiwillig« das Leben »abzukürzen«, weil sie einer lebensfeindlichen Gesellschaft nicht länger zur Last fallen wollen. Auch bei der in den 1970er Jahren von Feministinnen forcierten Liberalisierung des Abtreibungsrechts führte man spektakuläre Einzelfälle von Frauen in Notsituationen an und sang das Hohelied von der selbstbestimmten Entscheidung der Frau. In der Praxis ist daraus ein menschenverachtender gesellschaftlicher Zwang entstanden, so daß das sioziale Umfeld inzwischen häufig bei »unpassenden Schwangerschaften« nichts anderes mehr erwartet als die Abtreibung, die als eine Art Verhütungsmethode betrachtet wird. Nicht anders wird es bei der Sterbehilfe sein: Unter dem wachsenden Kostendruck »für Alte« wird aus dem »Recht zum Selbstmord« dann »unvermeidlich eine Pflicht« (Robert Spaemann).“ (Dieter Stein, Eine Schwelle ist überschritten, in: Junge Freiheit, 28/08, 04.07.2008, S. 1JF). „Dieser Befund ist von mehr als nur akademischen Interesse in einer Zeit, in der die Zahl der alleine in Deutschland täglich abgetriebenen Embryos auf 800 bis 1000 geschätzt wird (5000 bis 6000 in der EU, 2000 bis 4000 in Nordamerika, zusammen 8000 bis 10000, in 1 Jahr 2,922 Mio. bis 3,6525 Mio., in 50 Jahren 146,1 Mio. bis 182,625 Mio.!). Mehr noch: Erstmals in der Geschichte der Menschheit scheint es möglich zu werden, den Menschen durch den Eingriff in das Genmaterial und durch »gender«-ideologisch gewollte Nivellierung der natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau gleichsam nach Maßgabe wirtschaftspolitischer Normen zu züchten.“ (Thomas Bargatzky, Was ist der Mensch?,  in: Junge Freiheit, 28/08, 04.07.2008, S. 26). Mehr

Allein schon diese drei Aspekte (Abtreibung, Euthanasie, wirtschaftspolitische Geschlechtsumwandlung) machen deutlich, was der Untergang einer Kultur, also einer Gemeinschaft (Entschuldigung: »Gesellschaft«, denn eine Gemeinschaft will sie ja schon lange nicht mehr sein), der Wille zum Tod wirklich bedeutet. Aus dem Abtreibung als Recht wird die Abtreibung als Pflicht, aus der Euthanasie als Recht wird die Euthanasie als Pflicht, aus der (biologischen) Geschlechtsumwandlung als Recht wird die (wirtschaftspolitische) Geschlechtsumwandlung als Pflicht. Im Grunde kann man ja sagen: Ohne Abtreibungen gäbe es kein Geburtendefizit, also keinen Bevölkerungsrückgang, sondern ein (zwar geringes, aber ideales) Sterbedefizit, also ein (zwar geringes, aber ideales) Bevölkerungswachstum. Die Abtreibung vergrößert das Geburtendefizit, den Bevölkerungsrückgang, enorm. Auch die Euthanasie, die vor allem zukünftig immer mehr eine Rolle spielen wird, vergrößert das Geburtendefizit, den Bevölkerungsrückgang. Und „Gender“ - das heißt: politische Geschlechtsumwandlung - sorgt für noch mehr Tötungen mittels Abtreibung und Euthanasie, vergrößert also das Geburtendefizit, den Bevölkerungsrückgang, denn „Gender“ ist ja gerade wirtschaftspolitisch erwünscht, weil damit die Frauenerwerbsquote erhöht wird. Die Tatsache, daß dabei die Geburtenzahlen und Bevölkerungszahlen, noch mehr reduziert werden, wird als negativer Nebeneffekt gerne in Kauf genommen. MehrMehrMehrMehrMehrMehrMehrMehr

„Seit es die Pille gibt, ist Sex ohne Kinder selbstverständlich. Und umgekehrt konfrontiert uns die Gentechnik heute mit der Möglichkeit, Kinder ohne Sex zu haben. Da kann es nicht überraschen, daß in »kulturrevolutionären« Kreisen Schwangerschaft zunehmend als Behinderung behandelt wird. Wenn sich im Verhältnis von Männern und Frauen die Dialektik von Herr und Knecht wiederholt - und wieder läuft die Emanzipation vom Herrn über Arbeit! -,  dann muß man den Hebelpunkt für diese Kräfteverschiebungen bei den Frauen suchen. Hier hatte und hat eine Erfindung soziologisch umstürzende Effekte, die uns so selbstverständlich geworden ist, daß wir ihre kulturgeschichtlich zäsurierende Wirkung gar nicht mehr spüren: die Pille. Sie erzeugt ja eine chemische Schwangerschaft. In der Geschichte des Eros ist sie das wichtigste Stück Anti-Natur. Wie das Ende des Lebens hat damit auch sein Anfang seine Natürlichkeit verloren. Deshalb skandalisieren auch andere Techniken eines Outsourcing der Fortpflanzung kaum mehr - Leihmutter, künstliche Gebärmutter, Ektogenese sind hier die einschlägigen Stichworte. Und angesichts dessen wirkt die Erinnerung daran, daß Babynahrung das Stillen überflüssig gemacht hat, fast schon sentimental. Bei Kulturanthropologen und Soziologen finden die gesellschaftlichen Folgen der Pille immer stärkere Beachtung. Frauen kontrollierten schon immer die Reproduktion - erst die Pille aber hat sie zu den wahren Türhütern der Natur gemacht. Gerade deshalb verweigern Männer zunehmend die Verantwortung für die Folgen einer Beziehung. Das wiederum führt zu einer drastisch sinkenden Geburtenrate. Übrigens hatte schon Darwin vorausgesagt, daß der homo contracipiens aussterben werde. .... Die moderne Gesellschaft fördert eine Designer-Erotik, d.h. eine maximale Entfernung vom biologischen Erbe der Sexualität. Und nur wer, wie einige Soziobiologen, dieses Erbe für prägender hält als alle modernen Selbstermächtigungsveranstaltungen, wird auf die urgeschichtliche Verknüpfung von Lust und Familienleben hinweisen. Aus dieser Perspektive erscheint dann die Mode der Selbstverwirklichung als die aktuelle Form frigider Unnahbarkeit und der Entschluß, keine Kinder haben zu wollen, als das soziale Äquivalent zum Zölibat.“ (Norbert Bolz, Die Helden der Familie, 2006, S. 31-32Bolz).

Zum Berufsethos vgl. NHD: „Beruf“ (Beruf) aus MHD: „beruof“, „Leumund“ - die Bedeutung im NHD, nämlich als „Berufung“ sowie „Stand“ und „Amt“, hat Martin Luther (1483-1546) geprägt (Beruf) - und „Ethos“ aus dem Altgriechischen: „Sitte“, „Gewohnheit“, „Herkommen“; sittliche Grundhaltung und Gesinnung, moralische Gesamthaltung eines Einzelnen oder einer Gemeinschaft; in der modernen Ethik (Sittenlehre) näher bestimmt durch das Vorherrschen eines sittlichen Wertbewußtseins. Max Weber (1864-1920), der Begründer der Religionssoziologie, betonte in seinem Buch „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (1904) die Bedeutung des religiösen Rationalismus, d.h. der reformatorischen Weltauslegung, die das Diesseits entzauberte oder entsakralisierte und die mit dem Berufsgedanken das alltägliche Leben mit dem Jenseitsschicksal verband, für die Entstehung des modernen Betriebskapitalismus: im Berufserfolg und Gelderwerb bewährt sich der je eigene Gnadenstand.

Die Rechtschreibreform stinkt genau nach dem Lobbyismus, der, ähnlch wie der Föderalismus (Föderalismus), nur blockiert und Verwirrung stiftet. Außerdem brauchen wir keine Kompromißlösungen, keine neuen und teuren Probleme und vor allem keine verunsicherten Kinder. Ein Beispiel für die vielen unsinnigen und teilweise alogischen Rechtschreibregeln ist das Ersetzen des „ß“ (S-Zet (ß)) durch „ss“, hinter dem der Wunsch nach Ausmerzung steckt. Denn eine Regel für die Unterscheidung von Wortarten müssen alle Kinder so oder so lernen (zum Teil auch Erwachsene und offenbar auch die sogenannten Experten, wie die Reform beweist!). Ob sie nun „das“ von „daß“ oder „das“ von „dass“ unterscheiden müssen, unterscheiden müssen sie in beiden Fällen. Sie müssen grammatische Regeln, sie müssen Wortarten, sie müssen z.B. Artikel und Pronomen von Konjunktionen unterscheiden können, um herauszufinden, welche Schreibweise gefordert ist. Und weil es in der Schreibweise sowohl einen Unterschied zwischen „das“ und „daß“ als auch zwischen „das“ und „dass“ gibt, bleibt die Forderung nach der grammatischen Unterscheidung erhalten. Und weil die Grammatik hier entscheidend ist, ist es für die Lernenden auch viel einfacher, das besonders distinktive „ß“ als Schreibregelkriterium zu benutzen, während das „ss“ vom „s“ lediglich durch das Merkaml der Verdoppelung zu unterscheiden ist. Die kleinste distinktive Einheit eines Schriftsystems heißt Graphem (Grapheme), und das Graphem „ß“ dient in unserem Beispiel („das“/„daß“ oder „das“/„dass“) dem Lernen, der Sprachkompetenz (Sprachkompetenz) mehr als jenes Graphem, das bei Verdoppelung von seiner Kopie nur durch Distribution unterschieden werden kann - denn als distinktive Einheiten sind beide ja dasselbe: „s“. Wir notieren also: Die Rechtschreibreformer haben nur noch mehr Probleme produziert. (Überfluß). Offenbar ist ihnen die ökonomisch-politische Anpassung an den US-Amerikanismus noch zu wenig. Sie wollen noch mehr US-Amerikanisierung, noch mehr „Politkorrektheiten“ (Politische KorrektheitPolitische Korrektheit) , noch mehr Zensur, noch mehr Diktatur - sogar eine Volksabstimmung über Rechtschreibreformen ist in dieser „Bundesrepublik“ verboten! (Sprache (Schrift)Sprache (Schrift)). Sprachfakten 2000Sprache erhaltenSpracheSprache

Zu Deutschlands Herrschenden zählen wir heute (ziemlich ungenau, denn diese Riesenkrake ist gar nicht mehr zählbar und soll ja auch nicht zählbar sein!): Regierende, Drahtziehende, Durch-Opposition-Mitregierende, Durch-Föderalismus-Regierende, Durch-Föderativ-Oppositionen-Mitregierende und all deren Anhängsel, z.B. die Anhängsel der Regierenden, die Anhängsel der Drahtziehenden, die Anhängsel der ... u.s.w. u.s.w. u.s.w.. Was den Bund insgesamt einmal betrifft, betrifft ihn sechzehnmal durch die Bundesländer - er ist also zu multiplizieren mit dem föderalistischen Faktor 17 (der in Wahrheit sehr viel größer ist, denn es gibt unzählige Zwischeninstitutionen und Zwischeninstanzen und deren aller Anhängsel u.s.w. u.s.w. u.s.w.). Es ist das größte Blockierungssystem, das die Welt je gesehen hat - und so teuer, wie es die Welt nie bezahlen könnte und auch nicht wollte, Deutschland aber schon, und zwar - exponentiell (!) - seit 1949. Bundesrepublik heißt: Michelrepublik! (Michel) . Ob ein solches System euphemistisch als Föderalismus (Föderalismus) oder schon weniger euphemistisch als Dualismus (Dualismus) oder sogar noch weniger euphemistisch als Partikularismus (Partikularismus) oder aber gar nicht euphemistisch als Separatismus (Separatismus) bezeichnet wird, ändert nichts daran, daß dieses System dem Ausland dienen soll (obwohl ja gerade das Ausland allmählich gemerkt hat, wie sehr es vom Wirtschaftsgiganten Deutschland abhängig ist; vgl. EUEU), weil es dessen Intention war und größtenteils noch ist, nun aber zu dessen Überraschung zu Deutschlands „Herzenssache“ geworden ist: Antideutsche Politik! Antideutsche Politik

Separatismus und Föderalismus sind austauschbar wie Start und Ziel, doch die separatistisch-föderalistische Strecke ist - z.B. in der Deutschen Geschichte - irgendwie meistens gekenzeichnet durch den Dualismus (Dualismus) in seinen verschiedenen Arten, wobei z.B. der Partikularismus (Partikularismus) dessen absoluter Höhepunkt ist. Vgl. Abbildung (Abbildung). Und welche Dualismus-Art oder welches Dualismus-Niveau betrifft uns heute?  Gegen Ende des 20. Jahrhunderts vollzog sich ein Wechsel, nämlich der vom niedrigsten Dualismus-Niveau (1Abbildung) zum nächsthöheren Dualismus-Niveau (2Abbildung). Das heißt, daß seitdem der Dualismus, wenn auch noch langsam (auf zweitniedrigstem Niveau), wieder zunimmt: er wird z.B. wieder häufiger und stärker als politsches Instrument eingesetzt, auch erkennbar an den („neo“) partikularistichen Strömungen („neo“ ist deshalb in Klammern gesetzt, weil es sich im Grunde um dasselbe alte Spiel im ewigen Kreislauf dreht, also nicht neu ist, sondern „neuartig“). Länder, die hierdurch profitieren (und z.B. noch mehr expandieren), und Länder, die hierdurch ruiniert werden (oder sich selbst ruinieren), werden wieder mehr. Das gehört nun mal zum alten Spiel im ewigen Kreislauf der Historienkulturen (Historienkulturen). Was den Wechsel vom niedrigsten Dualismus-Niveau (1Abbildung) zum nächsthöheren Dualismus-Niveau (2Abbildung) angeht, so gibt es innerhalb einer Kulturgeschichte immer nur zwei Vergleichsmöglichkeiten im engsten Sinne; für die Geschichte der abendländischen Kultur muß man daher den Ende des 20. Jahrhunderts vollzogenen Wechsel mit dem Mitte des 13. Jahrhunderts vollzogenen Wechsel vergleichen und anschließend die Zeit von 1990 bis 2010 mit dem Interregnum von 1254 bis 1273 (Interregnum (1254-1273)). Im Interregnum von 1254 bis 1273 offenbarte sich nämlich erstmals im Abendland der Ständestaat-Dualismus, eine partikularistisch-dualistische Art, durch die Stärkung der Reichsfürsten (vgl. Kurfürsten Fürsten / Reichsfürsten); um eine Analogie zu der Zeit von 1990 bis 2010 herzustellen, muß man nur einige Variablen verändern: die Zwischenherrschaft des unregierbar gewordenen „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ war ähnlich wie die Zwischenherrschaft der unregierbar gewordenen „Scheinheiligen Europäischen Union Deutscher Reiche“!

„But often possesion is the whole of the law.“ (Herman Melville, Moby Dick oder: Der weiße Wal, 1851, S. 484Melville). „Dieses Tier hat seinen Namen von Rundung oder Rollen, denn im Dänischen bedeutet hvalt gebogen oder gewölbt (Webster's Dictionary). Wal - kommt noch unmittelbarer von dem niederländischen und deutschen wallen; angelsächsisch walwian: rollen, sich wälzen (Richardson's Dictionary).“ Herman Melville (1819-1891) - sprachwissenschaftlich exakt - über den weißen Wal. Über diese etymologische Beschreibung hinaus hat Herman Melville in der Gestalt des Kapitän Ahab den Seefahrern ohne Wiederkehr ein überragendes Denkmal gesetzt, meint Peter Sloterdijk: „Ahab verkörpert die luziferische, die verlorene Seite der europäisch-amerikanischen Seefahrt - ja überhaupt die Nachtseite des Projekts der kolonialen Moderne und der Naturausplünderung, das nur durch Sphärensprengungen und Peripherieverwüstungen vorankommt. .... Durch seine »wallende« Gestalt wirkt der Wal auf seine Bewunderer und Hasser als der Inbegriff einer Macht, die sich in unheimlichen Meerestiefen ausschließlich in sich selber dreht. Moby Dicks Majestät und Kraft vertreten den ewigen Widerstand eines unauslotbaren Lebens gegen die Motive der Jäger. Sein Weiß repräsentiert zugleich den nicht-sphärischen, glatten Raum, in dem sich Reisende um jede Intimitätserwartung, jede Empfindung von Ankunft und neuer Heimat betrogen fühlen werden. Es ist nicht umsonst die Frabe, die von den Kartographen für die terra incognita reserviert war. Melville nannte Weiß »die Allfarbe einer Gottlosigkeit, vor der wir zurückschrecken« (Melville), weil sie uns, wie die weiße Tiefe der Milchstraße an die »herzlose Leere und Unermeßlichkeit des Universums« erinnert ....“ (Peter Sloterdijk, Sphären II - Globen, 1999, S. 938-939Sloterdijk).

„A colorless all-collor of atheism from which we shrink“ (Herman Melville, Moby Dick oder: Der weiße Wal, 1851, S. 252Melville).

Albert Speer (1905-1981), Erinnerungen, 1969, S. 175.

Emmanuel Joseph Sieyès (1748-1836), Was ist der 3. Stand?  In: Politische Schriften, 1788-1790, S. 188-189

Monroe-Doktrin ist die Bezeichnung für die am 2. Dezember 1823 vom 5. US-Präsident James Monroe (1758-1831) in einer Kongreßbotschaft dargelegten Prinzipien der us-amerikanischen Außenpolitik. Der Grundgedanke der Monroe-Doktrin ist die strikte politische Trennung der Alten und der Neuen Welt (Amerika) und enthält 2 Hauptaussagen: 1.) keine weitere Kolonisation der europäischen Mächte auf dem amerikanischen Kontinent; 2.) Nichteinmischung der USA in die inneren Angelegenheiten Europas. Später jedoch führte die zunehmende Außenpolitik der USA zu einer immer breiteren Interpretation der Monroe-Doktrin, bis sie der 26. Präsident Theodore Roosevelt (1858-1919), der von 1901 bis 1909 regierte, im Sinne einer internationalen Polizeifunktion der USA in der westlichen Hemisphäre ausdehnte. Diese insbesondere in Lateinamerika heftig kritisierte hegemoniale Haltung wurde nach 1930 revidiert. Nach dem 2. Weltkrieg (1939-1945) wurde die 2. Komponente der Monroe-Doktrin aufgegeben! Rom

Vgl. hierzu z.B. Peter Scholl-Latour (1924-2014), Kampf dem Terror - Kampf des Islam ?  (2002) und Weltmacht im Treibsand (2004). Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 52. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 53. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 54. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 55-56. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 94. Zwei Seiten weiter kann man bei Scholl-Latour folgende Zeilen lesen: „Kein deutscher Militärkommentator - so weit war die Selbstzensur der deutschen Medien bereits gediehen - hätte es wie ein renommierter Kommentator der »Los Angeles Times« gewagt, die »NATO Response Force« als eine »sich selbst finanzierende Fremdenlegion der Europäer im Dienste der USA« zu definieren, deren kriegerische Einsätze in fernen Weltregionen mit den europäischen Interessen wenig zu tun hätten.“ (Ebd., 2004, S. 96). Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 96. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 97. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 110-111. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 111. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 114. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 118. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 119. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 119-120. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 121. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 123. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 162. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 215. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 215-216. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 216. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 234. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 240. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 241. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 254-257. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 329. Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour (*1924), Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 335-336. Scholl-Latour

Hans-Ulrich Wehler, Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 2003, S. 51-52.

Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk), Sphären III - Schäume (Plurale Sphärologie), 2004.

Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk), Sphären III - Schäume (Plurale Sphärologie), 2004, S. 286-287. (Sloterdijk). Zu Vertragstheorien und Organizismen heißt es auch unter anderem: „Vertragstheoretiker interessieren sich erfahrungsgemäß für die demokratischen Formen zumeist nur in dem Maß, wie diese die Zustände garantieren, in denen Juristen, Korrektheits-Journalisten und Professoren für Moralphilosophie obenauf sind. Das Elend des Organizismus rührt daher, daß sein legitimes Plädoyer für Gerechtigkeit gegenüber den übergeordneten Interessen von Gemeinwesen meist schnell ins Ressentiment gegen den Eigensinn der zu »Teilen« erklärten kleineren Einheiten überspringt. Seine typische Tonart ist die einer entmachteten Aristokratie, die ihren Hunger nach Vortrefflichkeit in den Traum vom reinen Dienen rettet. Noble Holisten sind in der Regel gern bereit, dem Gemeinwesen als weise Gehirne oder nützliche Mägen zu dienen, indessen sie erwarten, daß auch die übrigen Organe sich auf ihre Plätze begeben. Will man die sinnvollen soziologischen Intuitionen des Holismus retten, muß man eine alternative Sicht auf die Assoziationen entfalten: Es gilt, das Beieinandersein, das Kommunizieren und das Kooperieren der vom Koexistenzstreß zusammengespannten Eigenraum-Vielheiten, die leider noch immer Gesellschaften genannt werden, aus deren eigenen Bedingungen herzuleiten, ohne dabei die anti-holistischen Krücken zu benutzen, an denen sich Individualisten und Kontraktualisten übers Gelände schwingen. - Dies könnte zum Beispiel, wie es hier versucht wird, mit Hilfe einer Raum-Vielheitentheorie geschehen, die an das Rätsel der sozialen Synthesis mit einem situationistischen, pluralistischen, assoziationistischen, morphologischen und vor allem psycho-topologischen Arsenal von Beschreibungsmitteln herangeht. Dazu gehört der philosophische Entschluß, Einheit als Effekt zu denken - und damit jeden Begriff von »Gesellschaft« zu entzaubern, der diese ihren Elementen vorangehen läßt. (Einen anderen Weg, mit dem Ausdruck »sozial« in der Gesellschaftstheorie Schluß zu machen, schlägt die Akteur-Netzwerk-Theorie [ANT] vor, die nur noch von Assoziationen handeln will. Vgl. Bruno Latour, Gabriel Tarde und das Ende des Sozialen, in: Soziale Welt, 2001, S. 361- 376). Das hieße, ihr Muster nicht mehr in der ontologischen Einheit des individuierten Lebewesens (bis hinauf zum platonischen Kosmos-Tier) zu suchen, sondern in der polyperspektivischen Einheit der von mehreren Intelligenzen zugleich erlebten, jedoch stets verschieden symbolisierten gemeinsamen Situation. Situationen sind Konglomerate (in anderer Sicht: Netzwerke) aus Akteuren, die miteinander konfiguriert sind, ohne daß auch nur einer von ihnen dem sogenannten Ganzen zuliebe aus seiner Haut und seinem Gehirn fahren könnte.“ (Peter Sloterdijk, Sphären III - Schäume, 2004, S. 292-294Sloterdijk). Sloterdijk

Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk), Sphären III - Schäume (Plurale Sphärologie), 2004, S. 825-826. Linke bzw. Erfolglose behelfen sich nur mit einer introspektiven Beobachtung, daß „sie in sich ein reines Dagegensein verspüren: Da der Feind, gegen den man sich auflehnt, keine Kontur mehr zeigt, muß der Affekt »dagegen« sich genügen. (Vgl. Michael Hardt / Antonio Negri, Empire. Die neue Weltordnung, 2002, S. 211). De facto sind die against men neben ihrer Zugehörigkeit zur oppositionellen Kirche wie alle anderen Zeitgenossen ambivalente Kunden des Gegebenen. Die intensiv beschworene Feindschaft gegen das Empire (Empire) richtet sich gegen eine nicht-befeindungsfähige Instanz, weil das »Reich« in seinen positiven Aspekten nichts anderes ist und will als die oppositionelle Menge, indessen die Menge in ihren Impulsen und Zwängen zugleich die dunklen Seiten des Reichs verkörpert. .... Das Andere ist, indem es ganz anders sein will, dasselbe; indem es ganz anderswo sein möchte, bleibt es, wo es ist.“ (Peter Sloterdijk, ebd., 2004, S. 826-827Sloterdijk). Empire

Peter Sloterdijk (*1947Sloterdijk), Sphären III - Schäume (Plurale Sphärologie), 2004, S. 827.

Rüdiger Safranski (*1945Safranski), Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?,  2003, S. 21ff.. Und zur Unvermeidlichkeit des Krieges meint Safranski: „Wie schon bei Platon (427-347Platon) das Wissen der Grenze die Einsicht in die Unvermeidlichkeit des Krieges bedeutete, so führt auch bei Hegel (1770-1831Hegel) die Lebensnotwendigkeit der Grenze zur Realdialektik der miteinander kämpfenden Gegensätze, deren abstrakte Form als These und Antithese harmlos klingt. In Wirklichkeit aber verbirgt sich dahinter der Kampf um Tod und Leben. Im Krieg der Dialektik ist die Synthese zumeist der schlecht verhüllte Triumph jeweils einer Partei, die durch Versöhnung zur Herrschaft kommt. Doch der Sieger bleibt nicht, was er vorher war, er nimmt vom Unterlegenen etwas in sich auf, er verwandelt es und wird selbst dadurch verwandelt. Weltgeschichte ist eine Geschichte von Widersprüchen, die sich nicht auflösen lassen, sondern so lange ausgefochten werden, bis es Sieger und Verlierer gibt.“ (Rüdiger Safranski, ebd., 2003, S. 40-41).

Rüdiger Safranski (*1945Safranski), Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?,  2003, S. 59ff.. Übrigens: 1937 forderte Martin Heidegger (1889-1976) in seinem Aufsatz Wege zur Aussprache, in dem es um die deutsch-französische Verständigung geht, die „Rettung des Abendlandes“. Deutschland und Frankreich müßten ihren Beitrag zur Rettung der abendländischen Identität leisten, heißt es darin. Heidegger geht hier auch auf eine Analogie zur Antike ein. In Griechenland wurde damals trotz Polemik eine geistige Identität erwirkt und so der gemeinsame Körper der Polis verteidigt gegen das „Asiatische“, von dem Griechenland fast wie eine Insel im Ozean umbrandet war. Rüdiger Safranski: „Heidegger sagt es nicht ausdrücklich, aber aus der Logik seiner Darstellung ergibt sich: Das Asiatische unserer Tage ist nichts ›Barbarisches‹, sondern das Moderne in seiner entfesselten Gestalt ....“ (Rüdiger Safranski, Ein Meister aus Deutschland - Heidegger und seine Zeit, 1994, S. 363).

Rüdiger Safranski (*1945Safranski), Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?,  2003, S. 67.

Das Abendland-Europa (Europa) hat seit seinem Ursprung, seit seinem von Kontrollgenen (GermanenGermanen) gesteuerten Keim, einen „Kern“, ein „Herz“ (Deutschland), aber auch Grenzen! „Die Grenze der abendländischen Kultur lag immer dort, wo die deutsche Kolonisation zum Stillstand gekommen war.“ (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 17). Das Abendland bzw. „Europa“ muß auch heute (als „EU“ ! EU) zu seinen Grenzen stehen, denn es kommt nicht einseitig darauf an, unsere „Nachbarn“ zu verstehen; noch mehr kommt es nämlich darauf an, daß wir wieder lernen, uns selbst zu definieren, z.B. auch um zu verhindern, daß wir uns gar nicht mehr begreifen - wie sie uns (!). „Nur ein Dummkopf kann sich heute schämen, ein »alter Europäer« (Vgl. Alt-Europa) zu sein.“ (Peter Scholl-Latour, Rumsfeld gegen das »Alte Europa«, in: Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 14). (Rumsfeld). Und laut Hans-Ulrich Wehler „sind die russischen Gebiete nie Teil Europas gewesen. Sie haben kein europäisches Bürgertum, keine Bürgerstädte, kein europäischen Adel, keine europäischen Bauern gehabt; sie haben keine Reformation erlebt, keine Wissenschaftsrevolution, keine Aufklärung; und seit Peter dem Großen jagt nun Rußland - und die Bolschewiken haben das noch mal 70 Jahre getan - in einer atemlosen Aufholjagd hinter Europa her, um endlich sozusagen europaähnlich zu werden, aber es ist nicht Europa ! Und dasselbe gilt seit Kemal Atatürk, also seit den 1920er Jahren, für die Türkei in noch viel strengerem Maße.“ (Hans-Ulrich Wehler, im Fernsehsender ZDF: Wo endet Europa?, in: Im Glashaus - Das Philosophische Quartett, 02.05.2004). Ähnlich wie Wehler argumentiert auch Huntington (Huntington). EU

Das Wort „Europa“ war im Abendland anfangs selten zu hören, danach lediglich ein gelehrter Ausdruck der geographischen Wissenschaft, die sich seit der Entdeckung Amerikas (1492 1492) „am Entwerfen von Landkarten entwickelt hatte“, bevor es später allmählich immer mehr und „unvermerkt auch in das praktische politische Denken und die geschichtliche Tendenz“ eindrang. (Vgl. Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung, 1933, S. 17; vgl. auch meine Definition: „EuropäismusEuropäismus). Abendland oder Europa

Je häufiger „Europa“ (Europa) zu hören war (ist), desto „moderner“ wurde (wird) die „Moderne“ (Europäismus). „Europäismus“ ist für für mich ein Synonym für die abendländische „Moderne“. Er bezieht sich auf alles, was die abendländische Kultur aus ihrem ganz eigenartigen Selbstverständnis heraus in Verbindung mit Europa brachte, bringt und bringen wird. Eines der frühen Beispiele hierfür ist Karl der Große (747-814; 754 Königssalbung, 768 König, 800 Kaiser Karl der Große), der „Vater Europas“ genannt wurde. Der Begriff „Europa“ war im Abendland zwar von Beginn an präsent, wurde aber erst später häufiger (vor allem auch im geographischen Sinne) verwendet, z.B. seit der „Neuzeit“ und eben ganz besonders seit der „Moderne“, das heißt: seit der „Industriellen Revolution“ (Industrielle Revolution) bzw. „Bürgerlich-Napoleonischen-Revolution“ (Napoleonismus). Abendland oder Europa

Ferdinand von Schill (1776-1809), preußischer Offizier, der sich in den Koalitionskriegen vor allem bei der Verteidigung von Kolberg (1807) auszeichnete. 1809 versuchte er vergeblich mit seinem Husarenregiment eine allgemeine Erhebung gegen Napoleon I. (Napoleon I.) auszulösen und fiel in Stralsund im Straßenkampf; 11 Offiziere seines Korps wurden in Wesel standrechtlich erschossen, mehr als 500 Soldaten auf französische Galeeren geschickt. In Goethes um 1800 geplanten Schlußgedicht zum „Faust“ sollte es heißen: „Der Deutsche sitzt verständig zu Gericht“ („Abkündigung“; V. 2), und im 2. Akt des 2. Teils heißt es: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“. An Eckermann schrieb Goethe u.a.: „... die Engländer überhaupt scheinen vor vielen anderen etwas vorauszuhaben. .., als wären sie überall die Herren und als gehöre die Welt überall ihnen. Das ist es denn auch, was unsern Weibern gefällt und wodurch sie in den Herzen unserer jungen Dämchen so viele Verwüstungen anrichten .... Es sind gefährliche junge Leute; aber freilich, daß sie gefährlich sind, das ist eben ihre Tugend. .... Es liegt ... darin, daß sie eben die Courage haben, das zu sein, wozu die Natur sie gemacht hat. .... Das Glück der persönlichen Freiheit ... kommt schon den Kindern zugute, so daß sie ... einer weit glücklich-freieren Entwicklung genießen als bei uns Deutschen. .... Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts übrig bleibt als der Philister. .... Könnte man nur den Deutschen, nach dem Vorbilde der Engländer, weniger Philosophie und mehr Tatkraft, weniger Theorie und mehr Praxis beibringen ....“ (Goethe zu Eckermann; 12.03.1828). „Während aber die Deutschen sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischen Verstande aus und gewinnen die Welt.“ (Goethe zu Eckermann; 01.09.1829). Goethe

Goethe befand sich mit seinem Geschichtsdenken ziemlich im Widerspruchch zu demjenigen der Aufklärung. Er beurteilte die Möglichkeiten, Wesentliches aus der Geschichte zu erkennen, höchst skeptisch und verneinte den rationalistischen Gedanken des Fortschritts in der Menschheitsgeschichte. Goethe benutzte eine Analogie aus der Botanik, die „Spiraltendenz“, um seine Anschauung von der „Wiederkehr des ewig Gleichen“ darzustellen - später weiterentwickelt von Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche sowie Oswald Spengler und nach diesem, weil mittlerweile von Deutschland auf die USA übergesprungen, auch: Huntington (Huntington). Vgl. Lebensphilosophie: Alte Schule (Alte Schule), Mittlere Schule (Mittlere Schule), Junge Schule (Junge Schule). „Der Kreis, den die Menschheit auszulaufen hat, ist bestimmt genug und ungeachtet des großen Stillstandes, den die Barbarei machte, hat sie ihre Laufbahn schon mehr als einmal zurückgelegt. Will man ihr auch eine Spiralbewegung zuschreiben, so kehrt sie doch immer wieder in jene Gegend, wo sie schon einmal durchgegangen. Auf diesem Wege wiederholen sich alle wahren Ansichten und alle Irrtümer.“ (Johann Wolfgang von Goethe, Materialien zur Geschichte der Farbenlehre, 1810). Diesen Gedanken der Wiederholung zu bekräftigen, benutze Goethe gelegentlich einen alttestamentarischen Spruch (Prediger Salomo): „Die Geschichte sollte doch lehren, daß nichts Neues unter der Sonne geschieht.“ (Johann Wolfgang von Goethe zu Friedrich von Müller, am 08.12.1824). „Es ist mit der Geschichte wie mit der Natur, wie mit allem Profunden, es sei vergangen, gegenwärtig oder zukünftig: je tiefer man ernstlich eindringt, desto schwierigere Probleme tun sich hervor.“ (Johann Wolfgang von, in: Maximen und Reflexionen). Andererseits war die Geschichte für Goethe ein großes Sammelbecken zitierbarer Beispiele, aus denen er zeitlebens gern schöpfte. (Vgl. Faust I [„Nacht“], 1806; auch Westöstlicher Diwan, 1819 u.v.a.). Goethes eigene dichterische Werke haben solche Exempla befruchtet, unter anderem z.B. die dramatische Ausgestaltung historischer Figuren wie Götz von Berlichingen (1773). Insofern Goethe in der Geschichte Entwicklungen und folgerichtige Prozesse wahrnahm und diese seinem evolutionären Denken entgegenkamen, unterzog er sie gern der Betrachtung: „Wenn wir uns aus dem bekannten Gewordenen das unbekannte Werden aufzubauen genötigt finden, so erregt es eben die angenehme Empfindung, als wenn wir eine uns bisher unbekannte gebildete Person kennen lernen und die Geschichte ihrer Bildung lieber herausahnden als herausforschen.“(Johann Wolfgang von Goethe, Materialien zur Geschichte der Farbenlehre, 3. Abt., 1810). Die benutzbaren Exempla der Geschichte wurden von Goethe aus den Taten großer Persönlichkeiten abgeleitet. In dieser Neigung zu Personalisierungen ist wohl auch Goethes zwiespältiges Verhältnis zur Geschichte begründet: einerseits sei das Beste, was sie im Betrachter erregen könne, „Enthusiamus“, andererseits sei ihre Masse „nichts weiter als ein Klatsch.“ (Johann Wolfgang von Goethe zu Friedrich Wilhelm Riemer). Goethes Person und sein Schaffen haben bekanntlich schon zu seinen Lebzeiten nach allen Richtungen ungemeines Interesse geweckt. Deshalb war und ist auch seine Wirkung auf die Geschichtsforschung von großer Bedeutung. Durch sein Gesamtwerk übte Goethe auf die jüngere Geschichtsschreibung seiner Zeit und auf den Historismus größten Einfluß aus. Linie

Polybios (um 200 - um 120 Polybios) unterschied 3 Gattungen der Geschichtsschreibung. Die von ihm gepflegte Gattung nannte er pragmatikh istoria, die Tatsachen-Geschichte für ernste Leser, die lesen, um zu lernen. Wichtig waren ihm 3 Teile bzw. Forderungen, die der pragmatische Historiker zu erfüllen hat: Studium der Quellen, der Schauplätze der Geschichte und politisch-militärische Erfahrung. Timaios und andere Schreibtischhistoriker wurden von Polybios abgekanzelt. Neben den in den Zielsetzungen der führenden Männer liegenden aitai (Ursache, Grund) des historischen Geschehens gibt es noch eine andere gewaltige verursachende Macht, das Unberechenbare, das Irrationale, von Polybios gelegentlich mit Ausdrücken um automaton umschrieben, meist aber Tyche (Schicksal, ZufallZufall) genannt. Außer den politisch-militärischen Betrachtungen streute der leidgeprüfte, philosophisch veranlagte Historiker auch häufig allgemein-moralische Reflexionen in sein Werk ein, darunter manche sehr feine Bemerkung. Polybios wurde nicht nur bedeutend als der Historiker, der eine Fülle geschichtlichen Stoffes übermittelte, sondern auch und vielleicht noch mehr als Geschichtsphilosoph. Er vertrat die Vorstellung von einem Kreislauf der Verfassungen und betrachtete die römische Mischverfassung als die beste. Polybios hatte stärkste Wirkung auf die gesamte spätere Geschichtsschreibung - griechische und römische. Besonders stark beeinflußte er Poseidonios (um 135 - 51 ), der zum einflußreichsten Denker der mittleren Stoa wurde (Stoa), und Strabon (um 63 v. Chr. - um 19 n. Chr. Strabon) sowie Titus Livius (59 v. Chr. - 19 n. Chr. Livius). Polybios' Hauptwerk Historien (40 Bücher zur [römischen] „Weltgeschichte“ von 264 bis 144) wurde von Poseidonios und von Strabon fortgesetzt. Auch Oswald Spengler (1880-1936 Oswald Spengler) war von Polybios beeindruckt.

NACH OBEN Quos Jupiter vult perdere dementat: „Wen Jupiter verderben will, dem raubt er den Verstand“.

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