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HistorienkulturenAcht KulturenKulturen
(„Historienkulturen“)

Die Kulturen werden hier behandelt, wie sie sich vom ersten bis zum vierten Kulturquartal (Kulturquartal) in jeweils zwölf Phasen (Kulturphase) entwickelt haben. Es geht also um jeweils drei ur-/vorkulturelle, drei frühkulturelle, drei hochkulturelle und drei spätkulturelle Phasen, wie ich sie für jede der acht Kulturen in der Einführung kurz dargestellt habe. (EinführungEinführungEinführungEinführungEinführungEinführungEinführungEinführung). Die end-/nachkulturelle Zeit der einzelnen Kulturen wird hier natürlich ebenfalls behandelt - in einer Art zweiten Runde sozusagen. Es geht hier schließlich um die rund 65 Jahrhunderte umfassende Historienkulturgeschichte: vom 43. Jh. v. Chr. bis zum 23. Jh. n. Chr.!

 

 

Blase „Welt“ Mesopotamien / SumerKultur

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4. Jahrtausend v. Chr.

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4. Jahrtausend v. Chr.

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Tempel-Beispiel (Uruk,
4. Jahrtausend v. Chr.):
1) Sanktuarium,
2) Cella,
3) Eingang
4) Nebeneingang

Mesopotamien ist das Land zwischen den Strömen, ein Zwischenstromland, nämlich eine Großlandschaft in Vorderasien zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, südlich des anatolischen Gebirgslandes einschließlich des linken Uferbereichs des Tigris und des rechten Uferbereichs des Euphrat. Im engeren Sinne bezeichnet es das Zwischenstromland südlich von Bagdad, ursprünglich sogar nur das Gebiet im Euphratbogen bis zum heutigen Al Chabur. Was ich die sumerische Kultur nenne, umfaßt zunächst das Gebiet weit östlich von Mesopotamien, aus dem die Sumerer einst einwanderten. Die Sumerer hatten wesentlichen Anteil an der Schaffung dieser Kultur, ihrer Kunst und vor allem der Bilderschrift, aus der sie später die Keilschrift entwickelten. (Bilderschrift und Keilschrift). An der Spitze ihrer weitgehend selbständigen Stadtstaaten standen Stadtfürsten, die sich vor allem als irdische Stellvertreter des Stadtgottes verstanden. Der größte Teil des Grundeigentums gehörte den Heiligtümern („sumerische Tempelstadt“) und dem Palast, in denen Priester und Beamte als Funktionäre wachsende Macht gewannen und sich der Schrift zunächst nur als Verwaltungshilfsmittel bedienten. Die Handelsbeziehungen der Sumerer reichten bis nach Indien (Harappa). Sumer bestand während der frühdynastischen Zeit (29. Jh. - 26. Jh.) aus den Einzelstaaten Uruk, Ur, Kisch. Lagasch, Umma u.a., und Mesilim von Kisch wurde erster Öberkönig, die Stadt Nippur zum religiösen Zentrum. Der aus der alten Zeit stammende „religiöse Staatssozialismus“, in dem Staat und Tempel eine Einheit gebildet hatten, wurde nun aufgegeben; die politische Macht (Palast) trat neben die religiöse Macht (Tempel). In Uruk ließ Gilgamesch (28. Jh.) riesige Stadtmauern bauen, und der auf Hochterrassen errichtete breiträumige Tempel wurde zum Zikkurat (Stufenturm) ausgebaut - es handelte sich dabei um mehrere aufeinander gesetzte, durch Treppen verbunden Stockwerke, die mit dem Tempel auf der Spitze den Tempelturm bildeten. Die sumerische Baukunst bediente sich fast ausschließlich des luftgetrockneten Lehmziegels, dessen Formen in den einzelnen Perioden wechselten. Im 26. Jh. begründete Mesannepadda die 1. Dynastie von Ur, gleichzeitig Urnansche die 1. Dynastie von Lagasch, der die Oberhoheit von Kisch abwarf. Von den Taten seines Sohnes Eannatum kündet das erste historische Denkmal, die sogenannte „Geierstele“. Eannatums Nachfolger Entemena kämpfte gegen den Einfluß der Priesterherrschaft, die dem 4. Herrscher Lugalanda zum Thron verhalf. Der Usurpator Urukagina führte soziale Reformen durch (Vertrag mit Ningirsu: Beschneidung der Priestereinkünfte, Schutz der Witwen und Weisen). Mit Hilfe der unzufriedenen Priesterschaft eroberte Lugalzaggesi von Umma Lagasch, ferner Ur, Uruk, Larsa, Kisch und Nippur und drang bis zum Mittelmeer vor. Gegen Lugalzaggesi, den letzten echt sumerischen Herrscher, erhob sich das Reich von Akkad. Nach der Eroberung von ganz Mesopotamien, Teilen des heutigen Syriens und Kleinasiens sowie Elam nannte sich Sargon I. „Herrscher der vier Weltreiche“; er regierte von etwa 2350 bis 2300. Was hier stattfand, ist vergleichbar mit dem, was später allen anderen Kulturen auf ähnliche Weise widerfahren sollte: Ägypten durch den Einfall der Hyksos (späteres Ergebnis für Ägypten: Gründung des Neuen Reiches durch Ahmose); Indien durch die Einfälle aus Nordwesten (späteres Ergebnis für Indien: Gründung des 1. indisches Großreiches durch Asoka, danach Zerfall und große Blüte); China durch die Hochphase der „Zeit der kämpfenden Staaten“ (späteres Ergebnis für China: Ch'in als Großreich unter dem „ersten Erhabenen“ Schi Hoang-ti, danach größte Ausdehnung des Reiches unter Wu-ti); Antike durch die Punischen Kriege (späteres Ergebnis für die Antike: Rom als Großreich unter den Cäsaristen und dem „Ersten unter Gleichen“ Augustus, danach größte Ausdehnung unter Trajan); Maya durch die weiträumigen Vernichtungen und Brände (späteres Ergebnis für die Maya: Goldenes Zeitalter bzw. Befruchtung); Arabien durch die inneren Zwistigkeiten und schiitischen Aufstände (späteres Ergebnis für Arabien: Entmachtung der Kalifen, danach Ende der Abbasiden-Herrschaft); Abendland durch die Weltkriege und den Kalten Krieg (späteres Ergebnis für das Abendland: USA als abendländische Vormacht und als globale Supermacht, danach ...?). In jeder Kultur ist das Ergebnis aus der Phase ihrer „Krise“ (oder „Kampf ums Ei“Krise) eine Phase ihrer „Befruchtung“ (oder „Cäsarismus“Befruchtung). Für die sumerische Kultur bedeutete dies, daß seit Sargon I., dem „Herrscher der vier Weltreiche“ und Gründer eines zentralisierten Großstaats, zunächst eine akkadische Fremdherrschaft andauerte (amtliche Inschriften in akkadischer Sprache u.s.w.) - Naramsin, der von 2270 bis 2230 regierte, nannte sich „Gott von Akkad“ - und von 2150 bis 2050 von den iranischen Gutäern sogar noch verstärkt wurde, aber um 2050 durch Utuchengal von Uruk beendet wurde. Unter Gudea (reg. ca. 2080-2060), der später sogar zum Idealtyp des altorientalischen Herrschers dargestellt wurde, ermöglichte der Handel einen zuvor nie ereichten Reichtum und darum auch den Bau besonders großer Kultstätten.

Erste Runde Zweite Runde:

Die Wiederherstellung des Reiches von Sumer und Akkad, genauer die 3. Dynastie von Ur (2050-1950), blieb jedoch nur der mehr oder weniger verkrampfte Versuch, zu den alten Verhältnissen zurückzukehren; denn im 21. und 20. Jh. fielen die semitischen Kanaanäer in das Reich ein - mit der Folge der Semitisierung der sumerischen Kultur, obwohl das Sumerische Kultursprache bleib. Auch alle folgenden Reiche in Mesopotamien, z.B. das Altassyrische Reich (1800-1375), Babylon (1728-1686), das Mittelassyrische Reich (1375-1047), das Neuassyrische Reich (883-612), das Neubabylonische Reich (625-539) blieben diesen erstarrten zivilisierten Formen der mesopotamisch-sumerischen Kultur verhaftet, so daß man sie als die Fortsetzung dieser Kultur mit rein zivilisierten Formen und nicht als Bestandteil einer selbständigen Kultur (Assyrien-BabylonienAssyrien-Babylonien) auffassen sollte. Nach dem Fall der 3. Dynastie von Ur eroberte Assur - der höchste Gott (Assur) gab Hauptstadt und Land den Namen - das nordbabylonische Gebiet (um 1800), doch Assyrien wurde erst zu einer politischen Einheit unter dem Usurpator Schamschi-Ahad I. (reg. 1749-1717). Sein Reich umfaßte Teile der Gebirgsländer, Mesopotamiens und Maris. Sein Sohn Ischmedagan wurde von Rimsin von Larsa besiegt und später Vasall des Babyloniers Hammurabi. Als Hammurabi 1728 seine Regierung antrat, rivalisierten 6 Mächte um die Vorherrschaft in Mesopotamien: Babylon, Assur, Larsa, Eschnunna, Qatna und Jamschad (Aleppo). Über 15 Jahre bestand der Dreibund Babylon-Larsa-Mari, um Eschnunna, Elam, die Bergvölker und Assur bekämpfen zu können. Nach den siegreichen Kriegen gegen die Nachbarvölker besiegte Hammurabi seine beiden Bündnispartner Rimsin von Larsa und Zimlirim von Mari. Von der Fürsorge Hammurabis für Leben und Eigentum seiner Untertanen zeugt der „Codex Hammurabi“. Die Reformgesetze folgten dem Grundsatz der „Talion“ („Auge um Auge, Zahn um Zahn“). Die Strafen: Auspeitschung, Verstümmelung, Hinrichtung (Pfählen, Verbrennen, Ertränken). Die Verwaltungssprache war das Akkadische. Um 1531 wurde Babylon von den Hethitern unter ihrem König Mursilis I. geplündert und gebrandschatzt. Die Fürsten von Assyrien wurden vom churritischen Mitamni-Staat abhängig, bis Assur-Uballit I. (1364-1328) die Unabhängigkeit erstritt. Und Babylon wurde von 1530 bis 1160 von den iranischen Kassiten regiert - mit einer Ausnahme: von 1234 bis 1198 herrschte Tukulti-Ninur I. von Assyrien über Babylon, denn das Mittelassyrische Reich (1375 bis 1047) gewann unter Erinaadad (reg. 1390-1364), verbündet mit den Hethitern, seine Unabhängigkeit von Mitanni zurück und setzte unter Salmanasser I. (reg. 1273-1244) und Tukultininurta I. (reg. 1247-1207) die Eroberungspolitik im Dienst des Gottes Assur fort. Die Kriegführung war brutal: Massendeportationen zur Zerstörung der Volkssubstanz und des Nationalgefühls der unterworfenen Völker. Es folgte der Ausbau von Assur und Ninive. Durch der Seevölkersturm (um 1200) zerbrach das Hethiter-Reich; mit der Invasion der Aramäer (um 1200) ging die Macht der Assyrer zurück, die aber unter Tiglatpileser I. (reg. 1112-1074) wieder hergestellt wurde. Tiglatpileser I. kämpfte auch im Norden gegen die Nairi-Länder, drang bis zum Schwarzen Meer, zum Mittelmeer und zum Wan-See vor. Tiglatpilesers Nachfolger kämpften gegen die Aramäer. Danach schrumpfte Assur wieder auf sein Kerngebiet. Kriegstechnisch standen die Wagenkämpfer im Mittelpunkt, daneben Infanterie und Pioniere mit Helmen, Panzern und Schilden. Da die Hethiter durch den Untergang ihres Reiches (um 1200) auch das Monopol über das Eisen verloren hatten und nicht wenige hethitische Schmiede ausgewandert waren, kam nun auch das Eisen in Mesopotamien zur Geltung. Im Rechtswesen jedoch fiel die barbarische Härte der Strafen auf: Durchbohren und Abschneiden der Ohren, Unterlippe und Finger; Kastration; Zerstörung des Gesichts durch Begießen mit heißem Asphalt. Unter Ahad-Nerari II. (reg. 912-891) herrschte Assyrien wieder über Babylon und begründete seine neue Macht als Neuassyrisches Reich (883-612), denn unter Assurnasirpal II. (reg. 883-859) wurde Assyrien zur Weltmacht. Die Residenz war jetzt in Kalach. Salmanassar V. (reg. 726-722) eroberte 722 Samaria und deportierte die Bevölkerung Israels; Sargon II (reg. 722-704; Residenz: Dur-Scharrukin) schlug Urartu entscheidend und kämpfte gegen das aufständische Babylon, das sein Sohn Sanherib (reg. 704-681; Residenz: Ninive) 689 zerstörte. Asarharddon (reg. 680-669) eroberte 671 Ägypten. (Größte Ausdehnung des Assyrischen Reiches). Ein letztes Mal gelang es seinem jüngeren Sohn Assurbanipal (reg. 669-626) das Reich geeint zu halten. Er zerstörte das ägyptische Theben, konnte aber Ägypten nicht halten, da es zu entfernt lag und sich sein Bruder Schamaschumukin von Babylon mit Unterstützung aller Feinde erhob. 648 wurde Babylon erobert und 639 Susa (Elam) zerstört. Assurbanipal gründete auch die Bibliothek von Ninive (über 22000 Tontafeln). Doch 614 fiel Assur, 612 Ninive und Kalach unter dem Druck der Meder und Babylonier. Die Bewohner wurden ausgerottet, das Land verwüstet. Nach dem Tode Assurbanipals hatten die dauernden Versuche der Chaldäer, sich Babylons zu bemächtigen, endlich Erfolg. Es entstand das Neubabylonische Reich (625-539). Nabopolasser (reg. 625-605) war König von Babylonien, Elam, Westmesopotamien, Syrien und Palästina. Nebukadnezar II. (reg. 604-562), der ein geschickter Diplomat war, führte das Reich zur Blüte. Babylon wurde ausgebaut: Prozessionsstraße, Ischtartor, Zentralheiligtum Esangila („Haus der Haupterhebung“) mit dem Stufenturm Etemenanki („Haus der Gründung des Himmels und der Erde“ = sagenberühmter „Turm zu Babel“, Gesamthöhe: 90m); und es gab ein Gleichgewicht zwischen den Großmächten. 598 erfolgte die Besetzung Jerusalems als Folge des Bündnisses zwischen Juda und Ägypten (1. Deportation der Juden), und 587 wurde Jerusalem zerstört (2. Deportation der Juden. Babylonisches Exil bis 538). Die Folgezeit war gekennzeichnet durch Zerfallserscheinungen und durch den Kampf mit der Marduk-Priesterschaft, die den Emporkömmling Narbonid (reg. 555-539), „den Archäologen auf dem Thron“, als König einsetzte. Unkluge Maßnahmen gegen die Priesterschaft zwangen den König zum Verlassen Babylons. 539 wurde Babylon vom Perserkönig Kyros II. erobert: Babylonien wurde persisch. (538 beendete Kyros II. per Erlaß das Babylonische Exil der Juden). 331 wurde Babylon von Alexander d. Gr. erobert: Babylon wurde hellenistisch.


Kultur

„Die Stadt war uralt. Sie war so alt, daß nicht einmal die Patriarchen ... ihre Uranfänge kannten. Auf der Suche nach den ältesten Städten der Erde kannst du die ganze Welt durchwandern. Du wirst immer in den Vorderen Orient zurückkehren. Denn hier begann der Mensch ... zum ersten Male Steine aufeinander zu legen und Städte zu bauen.“ (I. Lissner, Die Rätsel der großen Kulturen, 1961, S. 15).

 

 

 

Blase „Welt“ ÄgyptenKultur

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Die ägyptische Kultur entwickelte sich am ungefähr 1000 km langen, 10 bis 20 km breiten fruchtbaren Nil-Tal. Ägypten gilt als „Geschenk des Nils“. Das zwischen Juli und Oktober heranführende, fruchtbaren Schlamm mit sich führende Hochwasser („Nilschwelle“ genannt) war von Anfang an Grundlage für die Fruchtbarkeit Ägyptens. Noch in der ur-/vorkulturellen Zeit von Badari, Merimde und Negade erfolgte die Bildung eines oberägyptischen und unterägyptischen Reiches (um 3000). Die beiden Reiche wurden laut Überlieferung unter Narmer und Aha vereinigt, die Hauptstadt Memphis („Weiße Mauer“) gegründet. Die folgenreichse Leistung war die Entwicklung der Schrift (vgl. die ägyptische Bilderschrift mit den Hieroglyphen als BildzeichenBilderschrift) sowie der Staatsverwaltung mit einem Beamtentum. Um 2850 begann die Thinitenzeit (1. und 2. Dynastie) und damit die frühkulturelle Zeit Ägyptens. Der ägyptische Staat isolierte sich allmählich gegenüber anderen Völkern und beseitigte die fremden Einflüsse immer mehr. Von nun an wurden auch die hohen, schmalen, sich nach oben verjüngenden Granitpfeiler (Obeliske) gebaut, die als Zeichen des Sonnengottes entwickelt und meist paarweise am Tempeleingang aufgestellt wurden. Während der 3. Dynastie erfolgte der Bau der Stufenpyramide vom Arzt und Architekten Imhotep für seinen König Djoser, der nach seinem Tod in der Pyramide bestattet wurde, und während der 4. Dynastie wurden z.B. unter Snofru die Pyramiden von Dahschu und Medum, unter Cheops, Chephren und Mykerinos die Pyramiden von Giseh gebaut. Die Verwalter der Gaue wurden von der Zentralregierung, an deren Spitze der Wesir stand, eingesetzt und abberufen. Seit der 5. Dynastie galten die Herrscher als Söhne des Sonnengottes. (Ägyptische Papstweltherrschaft?). Ihre Grabmäler errichteten sie bei Abu Sir. Die 6. Dynastie wurde bei dem Versuch, die oberägyptischen Gaufürsten am Ausbau ihrer erblich gewordenen Machtstellung zu hindern, von dieser abhängig. (Ägyptischer Ständekampf?). Unter der Regierung Pepis II. kam es zu sozial bedingten Unruhen, nach seinem Tod zu einer blutigen Revolution und damit zur ersten Zwischenzeit (2190-2052). In dieser auch Herakleopolitenzeit genannten Zwischenzeit erlangten nur die Gaufürsten von Herakleopolis größere Bedeutung. Die Fürsten von Theben rangen um die Einheit. Ansonsten sorgten die Gaufürsten für ihren Machtbereich und kämpften in wechselnden Koalitionen gegeneinander. (Vgl. abendländische Kultur: Reformation, Bauernkriege, Kämpfe der Fronde u.s.w.). Geistig war diese Periode besonders fruchtbar, weil letzte Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Theodizee aufbrachen und dichterisch behandelt wurden. Als die 9. und 10. Dynastie von Herakleopolis auf dem Wege war, die Einheit Ägyptens wiederherzustellen, wurde sie vom inzwischen erstarkten Gaufürstengeschlecht vernichtend geschlagen. Die Fürsten von Theben begründeten die 11. Dynastie, Hauptstadt blieb Theben, die Könige hießen Mentuhotep. Eine den Gaufürsten freundliche Politik sicherte ihnen deren Unterstützung. Die 12. Dynastie (1991-1786) verlegte die Residenz nach Memphis. Durch geschickte Politik gelang es, dem Königtum zu neuem Ansehen zu verhelfen. Die Macht der Gaufürsten wurde am Ende mit Hilfe des städtischen Bürgertums endgültig beschnitten. (Ägyptische Bürgerliche Revolution?). Im Süden wurde Unternubien militärisch besetzt und durch einen Festungsgürtel beherrscht. Also: im 18. Jh. v. Chr. begann die zweite Zwischenzeit, und im 17. Jh. v. Chr. fielen die Hyksos in Ägypten ein und übernahmen die 15. Dynastie, wobei sie Unterkönige, auch einheimische, anerkannten. Mit dem Reich von Kusch in Nubien, das sich nach dem Zusammenbruch der ägyptischen Herrschaft etabliert hatte, schlossen sie ein Bündnis. Ihre Hauptstadt war Auaris im Ostdelta. Der Fürst Kamose von Theben begann den Kampf gegen die Hyksos, den sein Bruder Amosis I. um 1570 vollendete. Amosis I. stellte die Herrschaft Ägyptens auch in Nubien wieder her. Thutmosis I., der etwa von 1506 bis 1493 regierte, machte Ägypten zu einer Großmacht bis zum Euphrat im Norden und bis zum 3. oder 4. Nil-Katarakt im Süden mit weiten Gebietsansprüchen. Nach 22jähriger Herrschaft verschwand die Königinwitwe Hatschepsut, die ihren Sohn Thutmosis III. zur Seite gedrängt hatte, um sich an seiner Statt selbst krönen zu lassen. Sie regierte von 1501 bis 1480. Thutmosis III. zog gegen die verbündeten und mit Mitanni zusammengehenden Fürsten, schlug sie bei Megiddo. In sechzehn weiteren Feldzügen und Expeditionen gegen Asien, wobei er systematisch der Küste entlang nach Norden befestigte Stützpunkte erichtete und dann ins Landesinnere vortrieb, stellte er das Reich seiner Ahnen wieder her und festigte es. Im Süden bildete der 4. Nil-Katarakt die Grenze des von Ägypten kontrollierten Gebietes. Unter Thutmosis III., also von 1480 bis 1448, erhielt Ägypten seine größte Ausdehnung. Die Nachfolger konnten den territorialen Bestand im wesentlichen halten. Unter Amenophis III., der von 1413 bis 1377 regierte, erreichten Wohlstand und luxuriöses Leben in Ägypten ihren Höhepunkt. (Ägyptisches Goldenes Zeitalter?). Thronerbe wurde sein Sohn Amenophis IV., der mit Nofretete verheiratet war, sich ganz der Religion widmete, die Verehrung des Aton (der SonnenscheibeAton) einführte, sich selbst nach ihm benannte (Echnaton) und Echetaton (heute: El Amarna) als neue Hauptstadt gründete. Die zentrale Stellung des Königs wurde weiter ausgebaut und religiös begründet. Diese Neu-Religion wurde, nachdem Echnaton (Amenophis IV.) 1358 verstorben war, wieder rückgängig gemacht, ebenso die Verlegung der Hauptstadt. Seine Schwiegersöhne Samenchkare und Tutanchaton kehrten nach Theben zurück. Echnatons Nachfolger Tutanchaton kehrte 1344 v. Chr. wieder zur Amun-Religion zurück und änderte seinen Namen in Tutanchamun. Nach Tutanchamuns Tod bestieg Eje den Thron. Nach ihm erhob sich Haremhab, ein nicht mit dem Königshaus verwandter ehemaliger General unter Echnaton (Amenophis IV.), zum König, kämpfte erfolgreich gegen die Hethiter und schuf durch harte Gesetze Ordnung im Innern. Die religiöse Restauration wurde vollendet und die alten Kulte wieder hergestellt. Seitdem war die Amarna-Zeit des Echnaton (Amenophis IV.) verfemt.

Erste Runde Zweite Runde:

Sethos I., der zweite König der 19. Dynastie konnte im Kampf gegen die Hethiter Syrien zurückerobern (Schlacht von Kadesch, 1299) und die Verhältnisse wieder herstellen, wie sie vor der Amarna-Zeit geherrscht hatten, nur daß jetzt der Gegner das Hethiter-Reich war. Sethos' I. Sohn Ramses II. verlegte die Residenz endgültig ins Ostdelta, wo er bei Kantir Palast und Wohnanlagen seines Vaters prunkvoll und großflächig ausbauen ließ. Nach unentschiedener militärischer Auseinandersetzung zwischen Ägypten und dem Hethiter-Reich verpflichteten sich beide Seiten in einem 10 Jahre später (1275) abgeschlossenen Friedensvertrag zu gegenseitiger Hilfe beim Angriff eines Dritten und anerkannten den Status quo. Die folgenden friedlichen Jahrzehnte nützte Ramses II. vor allem zum Bauen: Karnak, Luxor, Abu Simbel, das Ramesseum sind nur die besterhaltenen unter den zahlreichen Tempeln dieser Zeit. Ramses' II. Sohn und Nachfolger Merenptah mußte insbesondere die Westgrenze verteidigen, wo sich lybische Stämme zum Angriff auf das Niltal anschickten. Die große 19. Dynastie endete nach seiner Regierung in Wirren, vor allem ausgelöst durch den Seevölkersturm (um 1200). In dieser Zeit ging auch das Hethiter-Reich seinem Ende entgegen, doch Ägypten gelang es immerhin und unter sehr großem Einsatz unter Ramses III., dem wohl bedeutendsten Herrscher der 20. Dynastie, den Angriff der aus Norden einbrechenden Seevölker zu Lande und zur See abzuwehren. Aber die Kraft des Landes war erschöpft. Innere Unruhen, Arbeiterstreiks und Aufstände waren die Folgen. Im 11. Jh. v. Chr. endete mit Ramses XI. die 20. Dynastie und damit das Neue Reich in wirtschaftlicher Not und Zerfall. In der dritten Zwischenzeit (21- bis 24. Dynastie; 1070-715) wurde Ägypten zunehmend in kleinere Herschaftsbesreiche aufgespalten. Nach dem Zusammenbruch der ägyptischen Vorherrschaft hatte sich in Nubien ein äthiopisches Reich mit Napata als Hauptstadt gebildet, dessen Herrscher sich als rechtmäßige Nachfolger der Pharaonen fühlten und sich vorübergehend durchsetzten. Doch machte sich noch einmal ein Deltafürst, Tefnacht, zum Pharao. Sein Sohn Bokchoris galt den Griechen als großer Gesetzgeber. Diese 24. Dynastie wurde von den Äthiopiern beendet, die nominell als 25. Dynastie bis 664 regierten. Ihr bedeutendster Herrscher war Taharka, der zahlreiche Bauten errichtete und eine neue Ruhezeit heraufführte. 671/667 wurden sie von den Assyrern vertrieben. Psammetich I., der Begründer der 26. (Saitischen) Dynastie, von den Assyrern eingesetzt, betrieb eine eigene nationale Politik und einigte mit friedlichen politischen Mitteln das Land. Unter seinem Sohn Necho II. versuchte Ägypten erneut, seinen alten Einfiuß in Syrien wiederherzustellen. Psammetich II. kam einer erneuten Bedrohung durch die Herrscher von Napata zuvor. Gegen Apries erboben sich die Truppen General Amasis' und machten diesen zum König. Bald nach dem Tod von Amasis, der eine griechenfreundliche Politik betrieben hatte, schlug der Perserkönig Kambyses das ägyptische Heer 525 bei Pelusion und gliederte das Land als Satrapie seinem Reich ein. Die Perserherrschaft (27. Dynastie) wurde nur vorübergebend durch wenig bedeutende einheimische Regenten (28. und 29. Dynastie) unterbrochen. Nur die 30. Dynastie ließ noch einmal in schwachem Abglanz frühere Größe ahnen. Die als 31. Dynastie gezählte zweite Perserherrschaft beendete Alexander d. Gr. 332. Alexander behielt die alte administrative Ordnung Ägyptens bei, traf aber für die politische und wirtschaftliche Sicherung des Landes Maßnahmen zur Dezentralisierung der Verwaltung. Das hellenistische Ägypten übernahm unter den Ptolemäern ebenfalls die althergebrachten Wirtschafts- und Verwaltungsformen einschließlich des einheimischen niederen Beamtenapparates. Die beiden letzten Jahrhunderte ptolemäischer Herrschaft waren durch Neuerwachen des ägyptischen Selbstbewußtseins gekennzeichnet. Seit Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurde Ägypten mehr und mehr zum Klienten Roms, dessen Intervention wiederholt der zunehmend verfallenden Dynastie die Herrschaft sicherten. Nach dem Tod von Antonius und Kleopatra VII. und dem Scheitern ihrer Großmachtpolitik im Jahre 30 v. Chr. schuf Oktavian für Ägypten eine Sonderstellung in unmittelbarer Abhängigkeit vom Prinzeps persönlich.


Kultur

„Die ägyptische Seele sah sich wandernd auf einem engen und unerbittlich vorgeschriebenen Lebenspfad, über den sie einst den Totenrichtern Rechenschaft abzulegen hatte. Das war ihre Schicksalsidee. Das ägyptische Dasein ist das eines Wanderers in einer und immer der gleichen Richtung; die gesamte Formensprache seiner Kultur dient der Versinnlichung dieses einen Motivs. Sein Ursymbol läßt sich, neben dem unendlichen Raum des Nordens und dem Körper der Antike, durch das Wort »Weg« am ehesten faßlich machen. (Ursymbol). .... Trotzdem gab es eine Kultur, deren Seele bei aller tiefinnerlichen Verschiedenheit zu einem verwandten Ursymbol gelangte: die chinesische mit dem ganz im Sinne der Tiefenrichtung empfundenen Prinzip des Tao. (Tao). Aber während der Ägypter den mit eherner Notwendigkeit vorgezeichneten Weg zu Ende schreitet, wandelt der Chinese durch seine Welt; und deshalb geleiten ihn nicht steinerne Schluchten mit fugenlos geglätteten Wänden der Gottheit oder dem Ahnengrabe zu, sondern die freundliche Natur selbst. Nirgends ist die Landschaft so zum eigentlichen Stoff der Architektur geworden. .... Der Tempelbau ist kein Einzelbau, sondern eine Anlage, in welcher Hügel und Wasser, Bäume, Blumen und bestimmt geformte und angeordnete Steine ebenso wichtig sind wie Tore, Mauern, Brücken und Häuser. Diese Kultur ist die einzige, in welcher die Gartenkunst eine religiöse Kunst großen Stils ist. Es gibt Gärten, die das Wesen bestimmter buddhistischer Sekten widerspiegeln. Aus der Architektur der Landschaft erst erklärt sich die der Bauten, ihr flaches Sich-erstrecken und die Betonung des Daches als des eigentlichen Ausdrucksträgers. Und wie die verschlungenen Wege durch Tore, über Brücken, um Hügel und Mauern doch endlich zum Ziel führen, so leitet die Malerei den Betrachter von einer Einzelheit zur anderen, während das ägyptische Relief ihn herrisch in eine strenge Richtung verweist. »Das ganze Bild soll nicht mit einem einzigen Blick umfaßt werden. Die zeitliche Abfolge setzt eine Folge von Raumteilen voraus, durch die der Blick vom einen zum anderen wandern soll.« (C. Glaser). Die ägyptische Architektur überwältigt das Bild der Landschaft, die chinesische schmiegt sich ihm an; in beiden Fällen aber ist es die Tiefenrichtung, die das Erlebnis des Raumwerdens immer gegenwärtig erhält. .... Man begreift nun, gerade aus dem Unterschied von Dom und Pyramidentempel trotz aller tiefinnerlichen Verwandtschaft, das gewaltige Phänomen der faustischen Seele, deren Tiefendrang sich nicht in das Ursymbol des Weges bannen ließ, sondern von den frühesten Anfängen an über alle Grenzen optisch gebundener Sinnlichkeit hinausstrebt. (Ursymbol und Seelenbild). Kann etwas dem Sinne des ägyptischen Staates, dessen Tendenz man als eine erhabene Nüchternheit bezeichnen möchte, fremder sein als der politische Ehrgeiz der großen Sachsen-, Franken- und Staufenkaiser, die am Überfliegen aller staatlichen Wirklichkeiten zugrunde gingen?  Die Anerkennung einer Grenze wäre ihnen gleichbedeutend mit der Herabwürdigung der Idee ihres Herrschertums gewesen.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 242, 244-245, 255 Spengler).

 

 

 

Blase „Welt“ IndienKultur

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In Indien folgte die auf die neolithische Zeit die zu einer Historienkultur notwendige ur-/vorkulturelle Entwicklung mit der allmählichen Einwanderung der Indogermanen, denn die vom 21. Jh. v. Chr. bis zum 15. Jh. v. Chr. einwandernden indogermanischen Arier (Arya) mußen erst die Harappa-Urkultur beseitigen, die sonst vielleicht an ihrer Statt eine ganz andere Kultur zur Blüte gebracht hätte oder auch nicht. Jedenfalls begann die frühkulturelle Zeit in Indien mit den Veden (Veden); die indogermanischen Arier, die zu dieser Zeit bereits den pferdebespannten Streitwagen kannten, waren den Ureinwohnern (Drawida) jetzt überlegen. Die Veden (vgl. lat. vidi = ich habe gesehen, ich weiß) bedeuten heiliges Wissen und sind das älteste heilige Schrifttum der Menschen in Sanskrit, einer indogermanischen Sprache (Indogermanisch). Zunächst bestand die Bauernkultur mit Einzelhöfen, Viehherden und noch wenig Getreidebau weiterhin, doch kam es im Gebiet des Ganges und um Delhi bereits zu einer Ausbreitung derjenigen Formen, die man als typisch indisch bezeichnen kann. Dabei kämpften die arischen Stämme oft untereinander. Um 1500 v. Chr etwa entstanden „Rig-Veda“, bald danach auch die „Sama-Veda“, die „Yajur-Veda“ und die „Atharva-Veda“. Neben der unpersönlichen Macht Rita (Wahrheit) wurden die Götter Varuna (Eidgott) und Mitra (Vertragsgott) verehrt, daneben gab es natürlich als Gottheiten aufgefaßte Naturkräfte: Ushas (Morgenröte), Agni (FeuerFeuer), Surya (Sonne) und den Nationalgott Indra. Als wichtigstes Opfer galt das Somaopfer (Trinkfest). Auch gab es den Glauben an ein Fortleben nach dem Tode. Die Auslegung der Veden erfolgte durch Priester als „vorwissenschaftliche Wissenschaft“ in den „Brahmana-Texten“ und durch Priester und Laien in den „Upanischaden“ (mystische SchriftenUpanischaden), die in Verbindung mit den „Brahmana-Texten“ stehen und später zur Yogatechnik führten. Im Mittelpunkt dieser Religion steht ein großes Verlangen nach Erlösung: Einheit mit der höchsten Wirklichkeit. Der erreichbare Zustand der Erlösung, der nach Eintritt des Todes eine Wiedergeburt unmöglich macht, ist demzufolge das „Nirwana“ (Erlöschen). Das Kastensystem (Kastensystem) ist von Indien nicht wegzudenken. Die Kastenordnung ist eine göttliche Einrichtung - Priester und Gelehrte (Brahmanen), Krieger (Kschatriyas), Händler und Hirten/Bauern (Vaischyas), Unterworfene und Mischlinge (Schudras) -, auch für die Kastenlosen (Parias). Im 8. Jh. v. Chr. begann die hochkulturelle Zeit Indiens; nun tauchten auch die ersten Persönlichkeiten auf, die Großes bewirkten: Gautama Buddha (ca. 560-483), Vardhamana (ca. 540-468) und Bimbisara (ca. 540-490), der Gründer des Reiches von Magadha (im heutigen Bundesstaat Bihar), der seine Macht auf Kosten zahlreicher Kleinstaaten erweiterte. (Indischer Absolutismus?). Seit 512 v. Chr. gehörten für eine gewisse Zeit einige Teile Indiens, z.B. Ghandara und Sind, zum Persischen Weltreich. Die spätkulturelle Zeit begann mit der Nanda-Dynastie (360-320), die von Pataliputra aus ihre Macht bis weit über Magadha hinaus ausübte. Alexander d. Gr. unterwarf von 327 bis 325 einige nordwestliche Teile Indiens, und in der Folgezeit vermittelte das Baktrische Reich zwischen der griechisch-antiken und der indischen Kultur. (Beispiel: Gandhara-Kunst). Seinen Ausgang von Magadha aus nahm auch das erste fast ganz Indien umfassende Reich der Maurja-Dynastie (321-185), das Tschandragupta Maurja gründete. Das Reich des Enkels Tschandraguptas, Asoka, umfaßte den größten Teil von Indien und griff im Nordwesten sogar über Indien hinaus. (272-231). Der danach schnell einsetzende Verfall wurde begünstigt durch die Einteilung des Reiches in 4 Provinzen unter Vizekönigen, die rasch an Unabhängigkeit gewannen. Von Nordwesten her begannen seit etwa 100 v. Chr. die Skythen, Indien zu erobern. Ihnen folgten die Kuschan. Sie versetzten den indogriechischen Königreichen, die sich als Folge der Invasion Alexanders d. Gr. in Nordwest-Indien gebildet hatten, den Todesstoß. Nach einer kurzen Periode parthischer Herrschaft begann um 50 n. Chr. die Bildung eines Großreichs der Kuschan, das unter seinem bedeutendsten König, Kanischka, von Zentral-Asien bis Benares reichte und seine größte Blüte erreichte - Kanischka förderte den Buddhismus (Buddhismus) und dehnte im Zusammenhang mit der Mission den Handel aus.

Erste Runde Zweite Runde:

Um 240 n. Chr. geriet das indische Großreich in Abhängigkeit von den Sassaniden, und wurde entweder durch die Sassaniden im 3. Jh. oder die Guptas im 4. Jh. zerstört. Auch das Gupta-Reich (320-535) nahm von Magadha aus seinen Anfang; es erstreckte sich unter Samudragupta (reg. 325-380) über ganz Nord-Indien. Unter Skandagupta (ca. 455-467) setzte vom Nordwesten her der Hunnensturm ein, der, zunächst abgewehrt, um 500 dem Gupta-Reich ein Ende bereitete. Während der Gupta-Herrschaft kam es zu einer Hochblüte der Sanskrit-Literatur. Mit ihrem Ende zerfiel Nord-Indien bis zum Beginn der islamischen Herrschaft in eine Fülle kleiner Königreiche, die in andauernde Kriege miteinander verstrickt waren. Harschawardhana, dem letzten großen Schirmherrn des Buddhismus (606-647), gelang es von Kanauj aus noch einmal, den größten Teil von Nord-Indien unter seiner Herrschaft zu vereinen. Träger der politischen Macht wurden Ende des 8. Jahrhunderts die Radschputen. Dem Klan der Gurdschara-Pratihara gelang von Kanauj aus eine Machtkonzentration, die lange das Vordringen des Islams nach Indien wirksam verhinderte. Nur die Provinz Sind wurde 712 islamisch. In ständige Kriege verwickelt, zerfiel das Gurdschara-Pratihara-Reich und ging um 1000 endgültig unter. Nord-Indien unter dem Islam: Nach wiederholten Vorstößen (1001-1027) des Mahmud von Ghazni kam es in Nord-Indien zu einer dauerhaften islamischen Besetzung des Landes erst 1192 unter Muhammad von Ghur (reg. 1173-1206). Er setzte in Delhi General Kutub Ad Din Aibak als Statthalter ein, der sich 1206 unabhängig machte und damit das Sultanat von Delhi gründete. Kurz nach 1200 erfolgte ein Vorstoß nach Bengalen, wo die Sena-Dynastie gestürzt und der Buddhismus vernichtet wurde. Aibaks Nachfolger Iletmisch (reg. 1211-36) und Balban (reg. 1266-1287) bauten das Reich weiter aus. Mit Kaikubad († 1290) endete die Sklaven-Dynastie (stets gelangte ein Sklave des vorhergehenden Sultans auf den Thron), die nur auf einer kleinen Schicht von Muslimen ruhte und nur durch Gewaltherrschaft von Zwingburgen aus das Land unter Kontrolle halten konnte. Der Gründer der nachfolgenden Childschi-Dynastie, Dschalal Ad Din Firus Schah (reg. 1290-1297), wurde von seinem Neffen Ala Ad Din (reg. 1296-1316) ermordet. Ala Ad Din unternahm mehrere Eroberungszüge nach Süden; im Innern führte er anstelle des Lehnswesens, das zu ständigen Rebellionen der Großen des Reiches geführt hatte, eine Besoldung aus der Staatskasse ein. Nach dem Ende dieser Dynastie (1318) begann der Zerfall des Sultanats, das 1398 unter dem Ansturm Timur-Lenks endgültig zusammenbrach. Für mehr als ein halbes Jahrhundert entglitten der Regierung in Delhi die Zügel. Erst unter der Lodi-Dynastie (1451-1526) begann eine erneute Festigung der Herrschaft von Delhi aus über Nord-Indien. Die Macht der Scharki-Sultane von Dschaunpur (1394-1479) im Osten und die des Reiches von Malwa (1401-1531) im Westen wurde gebrochen. Als es innerhalb der Lodi-Dynastie zu Streitigkeiten kam, rief eine Partei den Timuriden Babur zu Hilfe, der 1526 zum Begründer des Mogulreiches wurde. Das nur lose zusammengefaßte Reich Baburs mußte von seinem Sohn Humajun (1508-1556) erneut erobert werden. Unter Akbar wurden die Grenzen des Reiches ausgedehnt: Radschputana kam 1568/69, Gujarat 1572 und Bengalen 1576 zum Mogulreich, wodurch diesem der Handelsweg nach Europa geöffnet wurde. Durch eine tolerante Politik gegenüber den Hindus entstand unter Akbar eine hinduistisch-muslimische Mischkultur. Unter Akbars Nachfolgern Dschahangir, Schah Dschahan (reg. 1628-58) und Aurangsib dehnte sich das Reich durch die Eroberung der Sultanate im Dekhan immer weiter nach Süden aus, verlor aber an innerer Stabilität und konnte nicht wirksam gegen die seit Mitte des 17. Jahrhunderts unabhängigen Marathen verteidigt werden. Das Mogulreich löste sich im Laufe des 18. Jahrhundert nach der Eroberung Delhis durch den Perser Nadir Schah 1739 in einen lockeren Staatenbund auf, bis die Engländer 1858 ihm auch formal durch die Absetzung des letzten Moguls ein Ende bereiteten. Südindien bis zur Kolonialzeit: Rege Handelsbeziehungen bestanden zum Mittelmeerraum und zu China . Die Tamilen beherrschten zeitweise Ceylon. Seit etwa 570 regierte von Badami aus die Tschalukja-Dynastie, die um 750 von Dantidurga Raschtrakuta (um 735-757) gestürzt wurde. Für die nächsten 200 Jahre beherrschten die Raschtrakutas den Dekhan von Malkhed aus, bis noch einmal die Tschalukja-Dynastie von Kaljani aus vom 10. bis 12. Jh. die Oberhand gewann. Ihr Erbe traten im Norden die Jadawas von Devagiri und Danturabad und im Süden die Hoysalas von Dwarasumudra (Halebid) an. Bereits die erste Tschalukja-Dynastie sah sich in vielfache Kriege mit den Pallawas verwickelt. Nach einem Verfall ihrer Macht um 500 gewannen die Pallawas von Kantschi aus ihre alte Machtrolle zurück und eroberten 642 Badami unter der Führung von Narasimhawarman I. Mahamalla (reg. um 625-660). Während der Pallawazeit griff die indische Kultur nach Südost-Asien über und drang tief in den Malaiischen Archipel ein. Unter Radschradscha I. (reg. 985-1012) und Radschendra I. (reg. 1012-1042) unterwarfen die Tscholas von Uraiyur bei Tiruchirapalli aus nicht nur Süd-Indien, sondern dehnten ihre Macht bis nach Bengalen und nach Indonesien aus. Das bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts immer weiter geschrumpfte Reichsgebiet wurde von der Pandja-Dynastie von Madurai übernommen, die so im 13. Jh. zur führenden Macht des Südens wurde. Mit der Invasion Malik Karurs 1311, die alle Reiche des Südens erschütterte, erloschen die Jadawa- und die Hoysala-Dynastie, während die Pandja-Dynastie zu einer Lokaldynastie herabsank. Auf den Trümmern dieser Reiche errichteten die Brüder Bukka, Hakka und Kampa 1336 das hinduistische Großreich von Widschajanagara im südlichen Dekhan, das mit den islamischen Reichen des nördlichen Dekhan zusammenstieß. Bereits unter Muhammad Bin Tughluk (reg. 1325-1351) war im Dekhan die Bahmani-Dynastie mit der Hauptstadt Gulbarga entstanden, die sich 1347-1527 halten konnte. Ständige Kämpfe mit dem Reich von Widschajanagara führten zu einem Zerfall des Reiches in kleinere Staaten. Diese Sultanate des Dekhan wurden bis 1687 vom Mogulreich erobert. Kolonialzeit und Unabhängigkeit: Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama 1498 entstand ein portugiesisches Seereich, dessen indische Stützpunkte Daman, Diu und Goa bis 1961 portugiesischer Besitz blieben. Nach dem Niedergang der portugiesischen Macht rückten seit 1600 die Holländer nach; sie wurden ihrerseits von den Kaufleuten der 1600 gegründeten englischen Ostindischen Kompanie verdrängt, die in Surat 1612, Madras 1639, Kalkutta 1690 und Bombay 1661 Niederlassungen gründeten. Die 1664 gegründete französische Ostindindische Kompanie ließ sich 1674 in Pondicherry und 1688 in Chandernagore nieder, die bis 1954 bzw. 1951 französisch waren. Seit etwa 1740 begannen zwischen Engländern und Franzosen in Süd-Indien bewaffnete Auseinandersetzungen, als sich die Kompanien in Thronfolgestreitigkeiten lokaler Dynastien einmischten. Nach den Niederlagen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) mit den Schlachten bei Vandivash (1760) und Pondicherry (1761) verlor Frankreich durch den Frieden von Paris 1763 seinen politischen Einfluß in Indien. Im Norden führten Spannungen zwischen den Engländern und dem Nabob von Bengalen, Sirasch-ud-Daula, zum Krieg, der die englische Ostindindische Kompanie zum Herrn Bengalens machte. Damit erlangte sie über die bisherigen Faktoreien hinaus Territorialbesitz und wurde 1765 zum Nabob des Mogulkaisers. Innerhalb der Kompanie kam es zu schweren Mißständen, die zu mehrfachem Eingreifen des englischen Parlaments und zu Reformen unter dem ersten Generalgouverneur von Ostindien, W. Hastings (1773-1785), führten, der die gesamte Verwaltung Bengalens in die Hand der Kompanie überführte. Weitere Kriege brachten der Kompanie beträchtlichen Gebietsgewinn. So wurden in drei Kriegen zwischen 1775 und 1819 die durch ihre Uneinigkeit geschwächten Marathen besiegt. Die 1818 bis 1857 herrschende „Pax Britannica“ führte nach fast 150 Jahren andauernder Kriege zu einer Periode innerer Erholung Indiens. Gebietsgewinne erzielten die Engländer nur noch in den Randgebieten: 1843 wurde Sind annektiert, 1849 das Reich der Sikh im Pandschab erobert, 1886 nach drei Kriegen Birma endgültig (bis 1935) „Britisch-Indien“ angegliedert. So kamen etwa drei Fünftel des Gebiets von Indien unter die Herrschaft der Kompanie, während zwei Fünftel weiterhin durch indische Fürsten, die jedoch in Verträgen ihre Hoheitsrechte auf den Gebieten Außen- und Verteidigungspolitik an die Engländer abgetreten hatten, regiert wurden. Die Engländer führten eine Reihe von Reformen durch. Unter Lord W. H. Cavendish-Bentinck - von 1833 bis 1835 - löste das Englische das Persische als Verwaltungssprache ab, die Witwenverbrennung wurde untersagt. Unter dem Generalgouverneur J. A. B. R. Dalhousie - von 1848 bis 1856 - fanden Telegraf und Eisenbahn in Indien Eingang. Die Furcht vor einer westlichen Überfremdung des Landes war letztlich die Ursache des großen Aufstandes (Mutiny) von 1857-1858, in dessen Verlauf sich nach der Annexion des Fürstentums von Oudh (1856) verschiedene indische Regimenter in Nord-Indien gegen die Engländer erhoben. Mit der Niederwerfung des Aufstandes wurde zugleich das Mogulreich auch formal aufgehoben. Die Kompanie wurde aufgelöst und Indien direkt der englischen Krone unterstellt, die durch den „Governor General in Council“ (meist Vizekönig genannt) vertreten war. In London wurde ein Indien-Ministerium geschaffen und damit die Kontrolle des Parlaments über Indien sichergestellt. Ihren Anfang nahm die indische Unabhängigkeitsbewegung mit der Konstituierung des „Indian National Congress“, 1885. Die unter G. N. Curzon (1898- 1905) durchgeführten Reformen, besonders die Teilung Bengalens (1905), führten zu weit verbreiteter Unruhe im Lande. Daraufuin räumten die Morley-Minto-Reformen (1909) den Indern eine bescheidene Mitwirkung an der Regierung des Landes ein. In Anerkennung der von Indien während des 1. Weltkriegs getragenen Lasten wurden die Verfassungsreformen durch die Montagu-Chelmsford-Reformen (Montford-Reformen) weitergeführt, durch die den Indern in den Provinzen eine Teilverantwortung an der Regierung gewährt wurde (Dyarchie). Die Ausführung der Reformen wurde jedoch durch die Rowlatt-Gesetze hinausgezögert, die eine Verlängerung des während des Krieges eingeführten Ausnahmerechts erlaubten. Der Protest gegen diese Gesetze ist mit dem ersten Auftreten M. K. Gandhis in Indien verbunden. Nachdem in Amritsar eine Protestversammlung im April 1919 blutig aufgelöst worden war, kam es von 1920 bis 1922 zu einer von Kongreß und Muslimliga gemeinsam getragenen Satjagraha-Kampagne, die jedoch in blutigen Ausschreitungen ohne Ergebnis endete. Ein Teil des Kongresses hatte bereits seit 1921 die Mitarbeit in den nach den Montford-Reformen gebildeten Parlamenten aufgenommen. Da die zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Montford-Reformen gebildete Kommission (1927) nur aus Engländern bestand, bildete sich eine indische Gegenkommission, die bis zum Jahresende 1929 den Dominionstatus für Indien forderte. Nach der Ablehnung dieser Forderung kam es erneut unter Gandhis Führung zu einem Satjagraha-Feldzug - zum „Salzmarsch“ -, der zu den ergebnislosen Round-table-Konferenzen führte (1930-1932). Die letzte Verfassungsreform von 1935 kam ohne eigentliche indische Beteiligung zustande. Die Muslimliga forderte unter M. A. Dschinnah einen eigenen muslimischen Staat. Nach dem 2. Weltkrieg sah sich daher der letzte Vizekönig Lord Mountbatten gezwungen, durch eine rasche Teilung des Landes in Indien und Pakistan den seit August 1946 andauernden bürgerkriegsähnlichen Unruhen ein Ende zu setzen. Nachdem beide Staaten am 15. August 1947 unabhängig geworden waren - Indien bis 1950, Pakistan bis 1956 als Dominion -, wurden die 562 Fürstenstaaten in die Union eingegliedert; nur die Kaschmirfrage blieb offen. Eine Verfassung trat am 26. Januar 1950 in Kraft. Seit den ersten Wahlen von 1951 bzw. 1952 regierte die Kongreßpartei, 1952 bis 1964 unter J. Nehru, 1964 bis 1966 unter L. B. Shastri, 1966 bis 1977 unter I. Gandhi. Bedeutende Anstrengungen galten der Industrialisierung des Landes und der Verbesserung der Ernährungsgrundlage („Grüne Revolution“). Die Außenpolitik Nehrus machte I. zu einem führenden Mitglied der blockfreien Staaten. Eine erstrebte Annäherung an China scheiterte an der Tibetfrage, die 1962 zusammen mit Streitigkeiten über den Grenzverlauf (McMahon-Linie) zu einem für China erfolgreichen indisch-chinesischen Krieg führte. Im Dezemner 1971 kam es zu einem weiteren indisch-pakistanischen Krieg, der mit der Bildung von Bangladesch endete. 1975 wurde das frühere indische Schutzgebiet Sikkim 22. Bundesstaat der Indischen Union. Im Februar 1983 kam es in Assam zu blutigen Unruhen (über 1000 Tote), als die einheimischen Hindus den aus Bangladesch eingewanderten Muslims das Wahlrecht absprechen wollten.


Kultur

„Während die römischen Juristen und Kultschöpfer die Thermotopie politisch verallgemeinert haben, war es den Brahmanen Indiens um ihre Hypostasierung zu tun. Nach ihnen ist der Weltzusammenhang im ganzen durch den Gestaltwandel des Feuers zu begreifen. Die Tiefen-Effekte des brahmanischen Denkens leiten sich aus dem Umstand her, daß es seiner pyrotechnischen Kompetenzen beim Vollzug der Opfer am Feuer gewiß ist und von diesem scharf abgezirkelten Feld vielfache Metaphorisierungen ableitet. Wie sich das römische Imperium in einigen Jungfrauen an der heiligen Glut, den Vestalinnen, kontrahiert, so die altindische Kultur in den Asketen am Opferfeuer. Ihre letzte Verdichtung erreicht sie in der Figur des Verzichtenden, des samnyasin, der nicht mehr an äußeren Feuern opfert, sondern seine ganze Existenz in einem mentalen Feuer verbrennt, der Flamme des Veda. Daher nimmt der Verzichtende an den gewöhnlichen Garungen, Feuerspenden und Verbrennungen nicht mehr teil; seine Leiche wird nicht wie die der spirituell ungaren Menschen im Feuer bestattet, sie wird beerdigt, weil es unpassend schiene, den innerlich Verbrannten noch einmal zu verbrennen. Im absoluten Thermotop werden nicht nur die Vorteile eines Lebens in der Nähe der Feuerstelle verteilt - es setzt ein ritueller Wettbewerb ein um den Vorteil aller Vorteile: mit der Feuerstelle des Seins selbst eins zu werden.“ (Peter Sloterdijk, Das Thermotop, in: Sphären III - Schäume, 2004; S. 400-402Sloterdijk).

„Es ist gewiß nicht nur ein Zufall, daß der stärkste Lehrer einer streng deterministischen Verhängnis-Doktrin, der sogenannten niyati-Philosophie, auf indischem Boden ebenjener Maskarin Gosala war, der seinen Zeitgenossen Gautama Buddha zu der einzigen spürbar zornigen Polemik provozierte, die zu dessen Lebzeiten bekannt wurde. Buddha erkannte in den Lehren des Rivalen die gefährlichste Provokation seiner eigenen, ganz auf der Heilsmacht der Eigenanstrengung aufbauenden Predigt und bezeichnete den Determinismus der niyati-Doktrin als ein spirituelles Verbrechen, das ihre Anhänger ins Verderben locke. Aufgrund von Gosalas Ansatz würden die Spaltung der Welt und die Ausgrenzung des rezessiven Subjekts unmöglich, weil ihm zufolge keine Kreatur, auch nicht der heilsuchende Mensch, einen originalen Willen haben kann:
»Alle Wesen, alle Individuen, ... alle lebenden Dinge sind ohne Willen, ohne Kraft,
ohne Energie. Sie entwikkeln sich (ausschließlich) durch die Wirkung des Geschicks.«
Wer einen Beweis dafür suchte, daß auch die buddhistische Lehre, hierin der stoischen präzis analog, auf der ontologischen »Gebietsreform« beruht, die das durch mich Vollbringbare strikt von allem übrigen trennt, hält ihn mit dem Hinweis auf Buddhas Polemik gegen Gosalas Lehre in der Hand. Nach dieser schreiten alle Wesen völlig automatisch durch sämtliche Stadien der Evolution - durch die notwendigen 84000 Inkarnationen, nach anderen Darstellungen sogar durch ebenso viele Mahakalpas oder Weltzyklen. Jede Lebensform und Daseinsstufe zeigt durch sich selber an, wie weit bei ihr der Prozeß gediehen ist - Askese kann daher bestenfalls die Folge von Entwicklung sein, niemals ihr Grund. Dies konnte der Buddha auf keinen Fall gelten lassen, Indem er Gosalas Ineinssetzung von Sein und Zeit bzw. von Faktizität und Schicksal angriff, sicherte er den Spielraum für seine entgegengesetzte Lehre, die auf dem Erwerb von Erlösungswissen aufbaute und damit für die Beschleunigung der Befreiung. Nur so konnte er die Vernichtung des ontologischen Blocks durch Erkenntnis verkünden. Unnötig zu sagen, daß der Buddha durch seine Insistenz auf der Möglichkeit schnellerer Befreiung den geistigen Bedürfnissen seiner Epoche entgegenkam. Von da an sollte die Zeit der inneren Anstrengung die träge Weltzeit überholen. Wo die höhere Kultur beginnt, kommen Menschen in den Vordergrund, die hören wollen, daß sie etwas anderes tun können als warten. Sie suchen nach Beweisen dafür, daß sie sich selbst bewegen und nicht nur von den Umschwüngen der Dinge mitgetragen werden, wie der Felsbrocken auf dem unmerklich fließenden Gletscher. (Unter diesem Aspekt ist der Buddha »gleichzeitig« mit der griechicschen Sophistik, die man ihrer Stoßrichtung nach vor allem als ein humanistisches Ertüchtigungsprogramm ansehen muß. Ihr gilt das in Hilflosigkeit (amechanía) versunkene Sich-Gehen-lassen als das schlechteste Verhalten und der Fatalismus als ein Attentat gegen die areté, dieBereitschaft zur Selbsthilfe.). Die Doktrin des rigorosen Determinismus muß ihren Adepten eine verführerische Genugtuung verschafft haben, da sie in der Bewegung der Ajivika-Asketen nahezu zweitausend Jahre lang überliefert wurde, ehe sie im 14. Jahrhundert erlosch. Was ihren Reiz ausmachte, läßt sich wohl denken. In allen Kulturen gibt es Individuen, die eine Art von dunkler Satisfaktion empfinden, wenn ihnen bewiesen wird, daß sie nichts tun können - außer hinnehmen, was ist, und zusehen, wie die Dinge gehen. Die Askese von Gosalas Gefährten bestand darin, ihren Streik gegen jede Regung von Wollen und Können ein Leben lang durchzuhalten. Die allgemein-indische Absage an die Phantome des Ich mag ihnen dabei zu Hilfe gekommen sein. Nicht ohne Verwunderung nimmt man zur Kenntnis, das alte Indien sei der Schauplatz gewesen, auf dem die ersten Positivisten ihren Auftritt feierten.“ (Peter Sloterdijk, Absage an die Selbstsorge: Konsequenter Fatalismus, in: Du mußt dein Leben ändern, 2009; S. 359-361Sloterdijk).

„In fast ganz Asien, von Ceylon bis nach Indonesien, von Siam bis China, Tibet, zur Mongolei und Japan, ist das Buddha-Bildnis immer seltsam verwandt. Wo ist die Idealisierung des großen Asketen von Kapilavastu zum erstenmal entstanden ?  Wie kam es dazu, daß 600 Jahre nach dem Tode des Gautama im ersten Jahrhundert n. C. griechische und römische Meister gemeinsam mit Indern die ersten Buddha-Skulpturen schufen?“ (I. Lissner, Die Rätsel der großen Kulturen, 1961, S. 220).  „Zweck dieser Skulpturen war, den Buddha zu glorifizieren. Es geschah durch Schilderungen von Begebenheiten seines Lebens und seiner früheren Geburten oder manchmal, aber selten, durch Darstellungen aus der folgenden Geschichte der buddhistischen Einrichtungen. Die frühesten Monumente sind von den Geschichten der vorangegangenen Geburten des Buddha, von den Jatakas, beherrscht. Später wandte sich das Interesse den Begebenheiten der letzten Zeit seines irdischen Lebens zu und noch später seinem Bildnis, das schließlich alles andere in der buddhistischen Kunst überstrahlte.“ (John Marshall, The Buddhist Art of Gandhara, 1960, S. 7).

Die seit 1947 existierende „Indische Union als größte Demokratie der Welt stellt eine erstaunliche politische Leistung dar. Man braucht dabei nur auf die Massenarmut hinzuweisen, von der trotz seit der 1991 wachsenden technisch-wirtschaftliochen Erfolge immer noch bis zu 80 Prozent der Einwohner betroffen sind. Jährlich begehen über 10000 Bauern aus Verzweiflung und wegen Überschuldung Selbstmord. Jeder kann sich selbst die Frage beantworten, ob in Europa ein demokratisches System mit derartig gravierenden Problemen hätte überleben können. Nun ist Indien mit seinen 18 anerkannten, z.T. mit unterschiedlichen Alphabetsystemen geschriebenen Hauptsprachen, der geographischen Größe und seiner Bevölkerungsmasse nur mit Europa zu vergleichen, keinesfalls mit einem europäischen Einzelstaat. Katastrophale soziale Zustände wie die in Indien würden in Europa mit Sicherheit eines beenden: den anscheinend irreversiblen Weg hin zur EU (EU) in ihrem jetzigen Gewand. Vielmehr würde zur Problemlösung nach dem nächstliegenden gegriffen: Ein Rück-Zerfall in die Nationalstaaten wäre zu erwarten. Wie also ist die Fortexistenz der indischen Demokratie zu erklären, die anders als die Bundesrepublik Deutschland - sieht man von der Notstandsverordnung Indira Gandhis ab - ohne Verfassungsschutz und Parteiverbote auskommt? .... Der von der indischen Bundesregierung in den 28 Bundesstaaten jeweils eingesetzte Gouverneur steht formal an der Spitze des Landes, das normalerweise von dem vom Landesparlament gewählten Ministerpräsidenten geführt wird. Der Gouverneur kann jedoch im Notstandsfall, den man bei Bedarf gezielt herbeiführen kann, durch die Bundesregierung mit der Ausübung der Regierungsbefugnisse beauftragt werden. Das Zentralparlament kann jederzeit einen neuen Bundesstaat schaffen oder die Landesgrenzen neu zuschneiden. Dieses Regierungssystem ist nur zu verwirklichen, indem der Zentralstaat die Verfassungen der Länder vorgibt, was wiederum nur durch Ausschluß von plebiszitären Elementen möglich ist. (Wo plebiszitäre Elemente ausgeschlossen sind, da gibt es keine Demokratie. Ohne Plebiszit keine Demokratie! HB.). Juristisch ist dies der Kern des Kaschmirproblems, für dessen Lösung das Plebiszit der Bewohner über die Zugehörigkeit zu Indien oder Pakistan vorgesehen ist. Ein derartiges Plebiszit könnte jedoch als Präzedens angesehen werden und Signal für Abstimmungen über die Abspaltung weiterer größerer Gebiete sein. Für diese Vermutung spricht die starke Zuwendung zu Regionalparteien: Sie führt im Zentralparlament zu einer Vielzahl von Parteien, die neben die ursprünglich beherrschende Kongreßpartei und die seit 1994 etablierte hinduistische Bharatiya Janata Party (BJP) treten. Im Gegensatz zum bunten Bild auf nationaler Ebene hat sich in den Ländern selbst jeweils ein Zweiparteiensystem durchgesetzt - dem angelsächsischen Mehrheitswahlsystem entsprechend. Für die mögliche Transformation dieser Regionalparteien in Unabhängigkeitsbewegungen würde sprechen, daß sich einige der 28 Länder durch die Unabhängigkeit unmittelbar einen wirtschaftlichen Vorteil ausrechnen können: Die fünf reichsten Länder Indiens erwirtschaften 40 Prozent des Bruttosozialprodukts und sind erheblichem zentralstaatlichen Umverteilungsdruck zugunsten der fünf Länder ausgesetzt, auf die sich 50 Prozent der Massenarmut konzentriert.“ (Josef Schüßlburner, Indien, in: Sezession, Oktober 2008, S. 52).

„Neben der rein formalen Herrschaftsorganisation muß es noch andere Gründe geben, die den Zusammenhalt Indiens als demokratisch regiertes Vielvölkerregime gewährleisten. Diese lassen sich eindeutig in der Religion, dem Hinduismus (Hinduismus), und dem mit diesem verbundenen Kastensystem finden. .... Der Hinduismus ist tendenziell ohnehin ein Konstrukt, das aus politischen Gründen sich widersprechende religiöse Glaubensvorstellungen zusammenfaßt, nämlich im Kern drei an sich unvereinbare Monotheismen (Monotheismen). Zunehmend konnte die ursprünglich mehr von außen kommende Zusammenfassung als »Hinduismus« gesamtindisch zur politischen Selbstdefinition verwendet werden. Dieser politische Ausgangspunkt erklärt den Inklusivismus, der den Hinduismus gegenüber anderen Religionen kaum nach dogmatischen Gesichtspunkten abgrenzen kann, sondern mehr durch eine religiöse Praxis, wie eben durch Beachtung der Kastenregeln. Sollen jedoch Kasten nicht mehr existieren - der Reformhinduismus gesteht zu, daß es sich hierbei um eine Fehlentwicklung handle -, dann muß der Hinduismus, und zwar notwendigerweise politisch, anders definiert werden. Dafür bietet sich dann etwa der Säkularismus an, der auf der Vorstellung gründet, der Hinduismus schließe ohnehin alle Religionen unter Einschluß von Atheismen ein und verschaffe damit als gesamtindischer Nationalismus dem Säkularismus eine religöse Basis. Dieser Inklusivismus ist natürlich nur scheinbar tolerant, weil er andere Religionen auf sein spezifisches Vorverständnis reduziert: Jesus erscheint dann als Avatar einer Hindugottheit, darf aber nicht in seiner christlichen Exklusivität als »eingeborener Sohn« verstanden werden, weil dies »intolerant« wäre. Diese Art von Religiosität, die doch über das hinausgeht, was normalerweise unter »Zivilreligion« verstanden wird, war mit dem indischen »Säkularismus« stillschweigend schon immer verbunden und hat sicherlich, auch und gerade weil sein Inklusivismus Muslime und Christen in eine prekäre Lage zu bringen vermag, zum Überleben der Indischen Union als demokratisch regierter Vielvölkerstaat wesentlich beigetragen. Dem säkularen Staat wurde damit gesamtindisch eine religiöse Ideologie verschafft, die aber Indien zur bislang erfolgreichen Integration der eigenen Moslems gegenüber dem islamischen Pakistan immer noch als säkular erscheinen läßt. Die Indische Union erlaubt instruktive Folgerungen auf die Voraussetzungen des Gelingens eines demokratischen Vielvölkerstaates »Europa«: Neben Relativierung des Demokratieprinzips auf nationaler Ebene, etwa Plebiszitverbot, wären Parallelgesellschaften als Ersatz für ein Kastensystem zu fördern, die einen z.B. in Saarbrücken wandernden Europäer türkischer Abstammung kreieren, zu dessen Gunsten europademokratisch interveniert wird. Der »Europäer« fühlt sich als säkular, indem er unter »Abrahamismus« drei sich widersprechende Monotheismen religionspolitisch zusammenschweißt und dabei zu eindeutige religiöse Glaubensbekundungen als »intolerant« ächtet. Die sozialstaatliche Finanzierung des Ganzen auf kontinentaler Ebene führt dann Massenarmut nach indischem Muster herbei. Trotz voller Anerkennung für die politische Leistung der Indischen Union: Müssen dies die Europäer wirklich nachahmen?“  (Josef Schüßlburner, Indien, in: Sezession, Oktober 2008, S. 53).

 

 

 

Blase „Welt“ China / OstasienKultur

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Auf die neolithische Zeit in China folgte seit dem 21. Jh. v. Chr. die ur-/vorkulturelle Entwicklung der chinesischen Kultur, indem sich ganz allmählich die sagenhafte Hsia-Dynastie etablierte, die bis zum frühen 15. Jh. v. Chr. dauerte. Chinas frühkulturelle Zeit begann mit der Shang-Dynastie, die vom 15. Jh. v. Chr. an herrschte. Das Herrschaftsgebiet beschränkte sich auf Mittel-China. Eine feste Residenz gab es nicht, achtmaI wurde die Hauptstadt verlegt. Die ersten schriftlichen Zeugnisse sind die sogenannten Orakeltexte: auf Schildkrötenschalen oder Knochen wurden zur Erfragung der Zukunft Schriftzeichen eingeritzt. Bekannt waren weiter Bronzeguß, Streitwagen, wallgeschützte Städte und eine Kalenderrechnung. Höchste Gottheit war der Shang-ti, der Ahnengeist der Herrscherfamilie. (Später sollte ti auch Kaiser bedeuten). Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tode war verbreitet. Im Mittelpunk stand stets das Tao (Tao), das das geordnete Weltall gesetzmäßig leitende Prinzip (das heißt: den Chinesen leitet beim Wandern die freundliche Natur; auch darum sind Landschaft und Architektur in China bis heute fast identisch). Im Verlauf der ausgehenden Shang-Zeit bildete sich im Tal des Weiho eine Föderation der Sippengemeinschaft der westlichen Chou, die um 1122 die damalige Hauptstadt Yin eroberte und zerstörte. Die neue Dynastie organisierte sich in der Form eines Lehnsstaates. Da die Lehnsherren im Unterschied zum Zentralherrscher des in der Mitte gelegenen Kronlandes imstande waren, ihre Gebiete ständig durch neue Landnahmen (Sublehen) zu erweitern, übertraf ihre Macht die des Königs. Seit 770 kam dem Herrscherhaus der Chou nur noch die Repräsentation und nicht mehr die Ausübung des Mandats des Himmels (T'ien-ming) zu. Seit 770 herrschte die östliche Chou-Dynastie. Durch die Verlegung der Hauptstadt nach Lo-Yang (770) ging ein großer Teil des Königslandes verloren. Die Macht der Könige wurde geringer, weil die Lehnsherren, die an Unabhängigkeit gewonnen hatten, zu so etwas wie Fürsten geworden waren. Es bildeten sich größere Fürstentümer, die sich nur zur Abwehr der Nomaden verbündeten. Die Bauern gewannen an Bedeutung, da sie mittlerweile zu einem entscheidenden Faktor in der Kriegführung geworden waren. Nicht die adeligen Streitwagenfahrer, sondern die Bauern entschieden jetzt die meisten Kämpfe. Der Kaufmannsstand wurde ebenfalls seit dieser Zeit zu einem tragenden Element. Die Chou-Dynastie brachte eine in der späteren chinesischen Geschichte kaum wieder erreichte Hochblüte des Geisteslebens: Laotse (604-520), Konfuzius (552-479), Mo-ti (5. Jh.), Chuang Chou (4. Jh.) seien hier nur stellvertretend erwähnt. Den Übergang von der hochkulturellen zur spätkulturellen Zeit bildete, wie in allen Kulturen, die nochmalige, dieses Mal enorm gestiegene Bedeutung der Städte und darum des Bürgertums (vgl. Bürgerliche Revolution). Die Städte wurden selbstverständlich zu Verwaltungsmittelpunkten ausgebaut, wodurch sich wiederum ein Berufsbeamtentum fest etablieren konnte. Dies alles geschah in China zur „Zeit der kämpfenden Staaten“, auch: „Zeit der streitenden Reiche“ (Chan-kuo-Zeit). Aus diesen Kämpfen ging etwa seit 250, also gegen Ende der Zeit der kämpfenden Staaten, der Staat Ch'in durch eine Reihe von Reformmaßnahmen (u.a. auch die zentralisierte und militarisierte Staatsführung, Aufstellung von Gesetzen) unter dem Prinzen Cheng als Sieger hervor, und China wurde vereint. König Cheng von Ch'in nahm 221 den Kaisertitel an: Schi Hoang-ti („Erster Erhabener Kaiser des Anfangs“). In dem geeinten Staatsgebiet wurde die Vereinheitlichung der Maße, des Geldes und der Schrift durchgesetzt. Die noch bestehenden Lehns- bzw. Fürstendomänen wurden umgewandelt in Bezirke und Kreise, die der Zentrale direkt unterstanden. Die Opposition der Konfuzianer und Vertreter der untergegangenen Gesellschaftsordnung wurde durch die Bücherverbrennung von 213, die der Kanzler Li Sse veranlaßte, und andere Zwangsmaßnahmen unterdrückt. Nach außen wurde das Reich durch Feldzüge nach Norden (Ordosgebiet) gegen die Hunnen (Beginn des Baus der Großen Mauer) und nach Süden vorübergehend bis in die Gegend des heutigen Kanton erweitert. Nach dem Tode des Schi Hoang-ti kam es auf Grund der hohen „Fron“-Arbeiten und Besteuerungen der Bauern zu Aufständen, die zum Fall der Dynastie führten. Dennoch wurde die von Schi Hoang-ti erstmals realisierte Reichsidee verpflichtende Norm für die folgende chinesische Geschichte. Die Widerstände und Kämpfe gegen die Zentralisierung führten letztlich zur Bildung der (westlichen) Han-Dynastie (206 v. Chr. - 9 n. Chr.), die das Verwaltungssystem der Ch'in übernahm, aber mit der alten Lehnsorganisation der Chou verknüpfte. Unter dem Gründer der Han-Dynastie Liu Pang, einem aus dem Volk aufgestiegenen Heerführer, entstand zunächst eine Art Mischstaat aus Feudaldomänen und staatlichen Verwaltungsgebieten, bis sich ein auf konfuzianischen Schriften beruhendes Prüfungsverfahren für die Beamtenauswahl durchsetzte. Es bildete sich nicht nur eine neue Elite in der Staatsverwaltung, sondern, da die im Amt erworbenen Reichtümer in Land angelegt wurden, auch eine neue Klasse von Großgrundbesitzern. Verfassung und Verwaltung wurden demokratisiert und ein Beamtenstaat gegründet, dem folgende Aufgaben zugeordnet waren: Erhebung von Steuern, Schutz der Grenzen, Verwaltung der Bewässerungsanlagen, Lenkung des Handels und Verkehrs. Unter dem Kaiser Wu-ti (140-86) erfuhr China seine bislang größte Ausdehnung. Kriege gegen die Hunnen endeten mit deren Niederlage. Seit 125 v. Chr. gab es erstmals Kunde von Ländern außerhalb des chinesischen Kulturbereichs. Das Interregnum von Wang-Mang (9-23) und seine Versuche, die Institutionen der Chou-Zeit zu restaurieren, fanden ein rasches Ende durch den Aufstand der „Roten Augenbrauen“, einer Organisation der durch Verschuldung und Überschwemmungen heimatlos gewordenen Landarbeiter. Die Wiedererrichtung der Han-Regierung, das heißt der (nun östlichen) Han-Dynastie (25-220) gelang Liu Hsiu, einem Abkömmling der (westlichen) Han-Kaiser. China betrieb nun den Überseehandel von Nan-Hai (Kanton) aus und exportierte chinesische Seide bis ins Römische Reich. Am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. hatte China die alte Machtstellung wie zur Zeit des Kaisers Wu-ti zurückgewonnen: Turkestan wurde erobert, der Persische Golf erreicht und das Papier erfunden (um 100). Ebenfalls im 1. Jahrhundert n. Chr. kam der Buddhismus in China auf.

Erste Runde Zweite Runde:

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In der Folgezeit gab es vor allem innere Kämpfe am Kaiserhof, z.B. Erbstreitigkeiten oder Probleme, die mit der Macht der Kaiserinnen und ihres Anhangs und dem politischen Einfluß der Eunuchen zu tun hatten; sie führten zum Volksaufstand der „Gelben Turbane“ (184), einer Volksbewegung messianischen Charakters. Die Han-Dynastie zerfiel allmählich, vor allem ausgelöst durch den Aufstand der „Gelben Turbane“. Im Verlauf der Unterdrückung der Aufstandsbewegungen ging die Macht an Heerführer über, die den Staat schließlich aufteilten. Ts'ao Pei zwang 220 den letzten Han-Kaiser zur Abdankung. Es begann das Zeitlater der „Drei Reiche“ Wei, Wa, Shu (220-265). Das Reich löste sich in 3 Staaten auf, von denen der Nordstaat Wei (220-265), zu dem auch der eben erwähnte Ts'ao Pei gehörte, als Träger der legalen Nachfolge galt. Der Norden und Nordwesten gingen durch den Einbruch von Fremdvölkern für das Reich verloren. Während der seit 312 sich vollziehenden Spaltung in eine südliche und nördliche Dynastie (420-589) wurde der Buddhismus unter Zurückdrängung des einheimischen Taoismus nicht nur zur führenden Religion, sondern erhielt durch das in Mönchswesen und die auf dem Klostergelände abgehaltenen Märkte auch eine beherrschende soziale und wirtschaftliche Stellung. Liang Wu-ti, der von 502 bis 550 regierte, förderte den Mahayana-Buddhismus, der sich von nun an über ganz China verbreitete. Nach der kurzlebigen Sui-Dynastie (589-618), in deren Verlauf die Reorganisation der Verwaltung und der Wiederaufbau des Landes in Angriff genommen wurden (u.a. Ausbau des Kaiserkanals), entstand mit der T'ang-Dynastie (618-907), deren Gründer Li Yüan (als Kao-tsu kanonisiert) war, der konfuzianische Bürokratismus, der (sage und schreibe!) bis 1911 bestehen blieb. Die höfische Kultur des Reiches erlebte ihren Höhepunkt und wirkte bis nach Japan als Vorbild. Durch die Verlagerung der militärischen Schwerkraft von der Hauptstadt Ch'ang in die Außenbezirke kam es 755 zum Aufstand des Grenztruppenführers An Lu-shan. Trotz Maßnahmen zur Neuverteilung des Bodens gelang es der Regierung nicht, den Landankauf des Hochadels, der Beamten und Klöster zu beschränken. Die Notlage der unteren Schichten führte zu einem Aufstand unter Huang Ch'ao, im Verlauf dessen die Provinzgouverneure so erstarkten, daß der T'ang-Staat sich praktisch auflöste. Die Sung-Dynastie (960-1280) mußte den chinesischen Raum mit anderen Staaten teilen, von denen der Liao-(Ki-tan-)Staat (907-1125) der bedeutendste war, bis er von dem Chin-(Tschurtschen-)Staat (1115-1234) abgelöst wurde. Der während dieser Dynastie erreichte wirtschaftliche und auch kulturelle Höhepunkt (Verbreitung des Drucks) wurde jäh durch den Einbruch der Mongolen beendet. China wurde Teil des mongolischen Weltreiches. Die Mongolen versuchten ihre Herrschaft über die Chinesen durch Rassenpolitik aufrechtzuerhalten. Die Gefahr einer Vernichtung der chinesischen Kultur wurde erst beseitigt, als der letzte Yüan-Kaiser sich in die Mongolei zurückzog - durch Volksaufstände dazu gezwungen. Die in der Sung-Zeit erreichte Machtstellung der Bürokratie wurde während der Ming-Dynastie (1368-1644) reduziert; der Kaiser übernahm die Kontrolle der Ministerien und errichtete eine absolute Monarchie. Erneute Auseinandersetzungen mit den Mongolen verliefen nicht immer erfolgreich. Übersee-Expeditionen des Eunuchen Cheng Ho führten bis nach Ostafrika. Europäer gelangten an den Kaiserhof (z.B. Matteo Ricci) und verbreiteten die Kenntnis des Christentums und der abendländischen Wissenschaft. Heereseinheiten verschiedener Teilstämme der Mandschuren, eines halbnomadischen Volks und Nachfahren der Tschurtschen, gelang es durch Zusammenschluß unter Nurhatschi (1559-1626) chinesische Gebiete nördlich und nordöstlich der Großen Mauer zu erobern. Gleichzeitig wurde das Reich im Innern durch Aufstände der von Li Tzu-ch'eng (1605-1645) und Chang Hsien-chung (1605-1647) geführten Bauernarmeen erschüttert. Im Jahre 1644 eroberte Li Tzu-ch'eng mit seinen Truppen Peking. Der letzte Ming-Kaiser beging Selbstmord. Durch den Verrat des Ming-Generals Wu San-kuei (1612-1678), der mit seinen Truppen zur Ch'ing-Armee überlief, kam es im Mai 1644 zum Einmarsch der Mandschu in die Hauptstadt und zur Errichtung der Mandschu-Dynastie. Bis zum Ende des Kaiserreiches (1911) stand der Staat China damit unter einer Fremdherrschaft. In den Jahren von 1630 bis 1660 fanden Millionen Menschen in China den Tod. (Die gleiche Bevölkerungszahl, nämlich 150 Mio. für 1600 und 1700; stärkerer Anstieg erst wieder im 18. und 19. Jh.: 1800 wurden über 300 Mio., für 1880 schon 430 Mio. geschätzt). Die Mandschu übernahmen den Verwaltungsapparat im wesentlichen so, wie sie ihn von der Ming-Dynastie vorgefunden hatten. Heiraten zwischen Chinesen und Mandschuren waren verboten, doch in Bezug auf Sitten, Sprache und Nationalcharakter wurden die Mandschuren immer stärker von den Chinesen absorbiert und im Laufe der Zeit sogar völlig sinisiert. In die Regierungszeit von Sheng Tsu (Herrschername K'ang Hsi [1672-1723]), des bedeutendsten Herrschers der Dynastie, fiel der Vertrag von Nertschinsk (1689), ein Vertrag zur Regelung des chinesisch-russischen Grenzverlaufs. Die Annektion Tibets wurde abgeschlossen. Kunst und Wissenschaft erlebten unter K'ang Hsi eine neue Blüte (Kompilierung umfangreicher Enzyklopädien und Lexika). Unter dem Kaiser Kao Tsung (1736-1796) gab es weitere Gebietsausdehnungen in Zentralasien. Birma und Annam wurden 1788 tributpflichtig. Das Reich erfuhr damit die größte territoriale Ausdehnung seiner Geschichte. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs der europäische (abendländische) Einfluß auf die chinesische Kultur. Die einschneidendste Zäsur der chinesischen Geschichte vollzog sich mit der in den 1830er Jahren intensivierten militärisch-ökonomischen Intervention des Westens (des Abendlandes). Die Ausdehnung des von der englischen Ostindischen Kompanie betriebenen Opiumhandels führte zu einer rapiden Verschlechterung der chinesischen Außenhandelsbilanz und dem Abfluß großer Silbermengen ins Ausland. Zur Durchsetzung eines von Kaiser Tao Kuang im Jahre 1839 erlassenen totalen Opiumverbots wurde Lin Tse-hsü nach Kanton entsandt. Durch die waffentechnische Überlegenheit der Engänder wurde jedoch 1842 zu Nangking der erste der „Ungleichen Verträge“ abgeschlossen: Hongkong wurde für immer an Großbritannien abgetreten, fünf Vertragshäfen geöffnet und China eine Kriegsentschädigung von 21 mexikanischen Dollar auferlegt. Im Verlauf neuer Auseinandersetzungen drang eine englisch-französische Flotte nach Norden vor. Die Taku-Forts wurden eingenommen und Truppen marschierten in Peking ein (1860 Plünderung und Zerstörung des Sommerpalastes). Die Ratifikation der Verträge von Tientsin zwang den Chinesen weitere Zugeständnisse ab: die Errichtung ausländischer Gesandtschaften in Peking, die Öffnung weiterer Häfen, Handelsschiffahrt auf dem Jangtsekiang bis Hangkou, Missionsfreiheit für katholische und evangelische Missionare, Handelsfreiheit für englische Kaufleute. Ähnliche Konzessionen wie England wurden auch Frankreich, Rußland und den USA eingeräumt. An Rußland verlor China die Gebiete nördlich des Amur und östlich des Ussuri. Zusätzlich zur ausländischen Aggression wurde das Reich durch schwerste innenpolitische Unruhen erschüttert. Und unter dem Eindruck der Aufteilung Chinas in Interessensphären durch die imperialistischen Mächte England, Frankreich, Deutschland, USA und Rußland im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts (z.B. besetzte das Deutsche Reich 1897 Tsingtao; Pachtvertrag mit China 1898) wurde 1898 unter K'ang Yu-wei eine Reformbewegung ins Leben gerufen. Die 1899 ausgebrochene Boxerbewegung (I-ho-t'uan) war der Aufstand eines fremdenfeindlichen und anfangs auch antidynastischen Geheimbundes. Als er die Interessen der ausländischen Mächte gefährdete, wurde Peking im Herbst 1900 von der Vereinigten Armee der acht Staaten (die damalige G8!) besetzt. Das 1901 unterzeichnete Boxerprotokoll legte China u.a. eine sehr hohe Kriegsentschädigung auf: 450 Millionen Silbertaels. Von 1912 bis 1949 war China Republik. Am 4. Mai 1919 demonstrierten Studenten von Peking, unterstützt durch Solidaritätsstreiks von Arbeitern und Kaufleuten in anderen Städten, gegen die im Friedensvertrag von Versailles beschlossene Übertragung der Privilegien Deutschlands in China an Japan. Die während des chinesisch-japanischen Krieges (1937-1945) gebildete Einheitsfront der Kommunisten und Nationalisten zerbrach im August 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation Japans und führte bis 1949 zu einem neuen Bürgerkrieg. Die kommunistischen Truppen eroberten das gesamte Festland. Tschiang Kaischek mußte nach Taiwan fliehen. Nach der am 1. Oktober 1949 von Mao Tse-tung (Mao) proklamierten Gründung der Volksrepublik China wurde neben Maßnahmen zur Konsolidisierung der neuen Herrschaft umfassende Bodenreformprogramme eingeleitet. Aber der „rote Terror“ war noch lange nicht zu Ende; es folgten z.B. noch der „Große Sprung nach vorn“ (1958) und die „Kulturrevolution“ (1966-1969). Erst nachdem Mao Tse-tung gestorben war (1976) und die Experimente in anderen kommunistischen Staaten ebenfalls (1989-1991), begann China sich allmählich wieder zu öffnen. Seit der Ingangsetzung der „vierten Modernisierung“ Teng Xia-pings haben sich auch Geisteshaltung und Methodik der chinesischen Streitkräfte von Grund auf verändert, ist auch das junge Offizierskorps Chinas von dem brennenden Ehrgeiz besessen, den immensen technischen Vorsprung der USA einzuholen und wettzumachen, selbst wenn dieser Kraftakt zwei oder drei Jahrzehnte in Anspruch nähme. Ganz Südostasien verändert sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts, denn die chinesische Kultur ist seitdem dabei, mit ihrer Wirtschaft zu boomen und sich neu zu definieren als „Sphäre des gemeinsamen Wohlstandes“ (China). Abbildung


Kultur

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„Vor dem chinesischen Wachsein waren Himmel und Erde Hälften des Makrokosmos, ohne Gegensatz und jede ein Spiegelbild der andern. Das Werden erscheint in der ungezwungenen Wechselwirkung zweier Prinzipien, des yang und yin, die eher periodisch als polar gedacht sind. Dementsprechend gibt es zwei Seelen im Menschen .... Aber von beiden Seelenarten gibt es außerhalb des Menschen noch unzählige Mengen .... Das Leben der Natur und das menschliche Leben bestehen ganz eigentlich aus dem Spiel solcher Einheiten. Klugheit, Glück, Kraft und Tugend hängen von ihrem Verhältnis ab. .... Alles das wird in dem Urwort tao zusammengefaßt. Der Kampf zwischen dem yang und yin im Menschen ist das tao seines Lebens; das Weben der Geisterscharen draußen ist das tao der Natur. Die Welt besitzt tao, insofern sie Takt, Rhythmus und Periodizität hat. Sie besitzt li, Spannung, insofern man sie erkennt und fertige Verhältnisse zur ferneren Anwendung daraus abzieht. .... Der Weg des Pharao durch den dunklen Gang zu seinem Heiligtum ist ihm verwandt, das faustische Pathos der dritten Dimension ist es auch: aber tao ist doch von dem Gedanken der technischen Überwindung der Natur weit entfernt. Der chinesische Park vermeidet die energische Perspektive. Er legt Horizont hinter Horizont und lädt zum Wandeln ein, statt auf ein Ziel zu weisen. Der chinesische »Dom« der Frühzeit, das Pi-yung, hat mit seinen Pfaden, die durch Tore, Gebüsche, über Treppen, geschwungene Brücken und Plätze führen, niemals den unerbittlichen Zug Ägyptens und den Tiefendrang der Gotik.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 910-911 Spengler).

Was die Technik angeht, so kann man in Spenglers Hauptwerk lesen, daß die chinesische Kultur den Vergleich mit der abendländischen Kultur nicht zu scheuen braucht, und daß dagegen z.B. die antike Kultur kaum einen Beitrag zur Technik geleistet hat. „Es versteht sich von selbst, daß der antike Mensch, euklidisch wie er sich in seiner Umwelt fühlt, schon dem Gedanken an der Technik feindselig gegenübersteht. Meint man mit antiker Technik etwas, das sich mit entschiedenem Streben über die allverbreiteten Fertigkeiten der mykenischen Zeit erhebt, so gibt es keine antike Technik. (Anmerkung (Spengler)). Diese Trieren sind vergrößerte Ruderboote, die Katapulte und Onager ersetzen Arme und Fäuste und können sich mit den assyrischen und chinesischen Kriegsmaschinen nicht messen, und was Heron und andere seines Schlages betrifft, so sind Einfälle keine Erfindungen. Es fehlt das innere Gewicht, das Schicksalvolle des Augenblicks, die tiefe Notwendigkeit. Man spielt hier und da mit Kenntnissen - warum auch nicht -, die wohl aus dem Osten stammten, aber niemand achtet darauf, und niemand denkt vor allem daran, sie ernstlich in die Lebensgestaltung einzuführen. - Etwas ganz anderes ist die faustische Technik, die mit vollem Pathos der dritten Dimension ... auf die Natur eindringt, um sie zu beherrschen. Hier und nur hier ist die Verbindung von Einsicht und Verwertung selbstverständlich. - Die chinesische Kultur hat fast alle abendländischen Erfindungen auch gemacht, aber der Chinese schmeichelt der Natur etwas ab, er vergewaltigt sie nicht. Er empfindet wohl den Vorteil seines Wissens und macht Gebrauch davon, aber er stürzt sich nicht darauf, um es auszubeuten.“ (Oswald Spengler, ebd., S. 1185-1186Spengler).

„Und schließlich noch ein Wort zum Geist der chinesischen Landschaftsmalerei. In ihr findet der Taoismus seinen sinnfälligen Ausdruck. Berge, Flüsse, Naturgewalten - hier herrschen kosmische Gesetze, die dem Menschen entzogen sind, die er höchstens durch sein Verhalten zum Guten beeinflussen kann (der Mensch erscheint immer nur klein inmitten einer übermächtigen Natur). Die Gesetze gelten von Anbeginn bis in alle Ewigkeit (daher das grundsätzliche Verfahren bei den einmal festgelegten, als richtig erkannten Regeln). Da der Taoismus Himmel und Erde, Tiere, Gottheiten, Gestirne, Himmelsrichtungen, Elemente und Menschen in einem komplexen kosmologischen System zueinander in Beziehung setzt, sieht auch der Maler in den Erscheinungsformen der Landschaft Beziehungen zur menschlichen Natur: »Bäche sind die Blutgefäße eines Berges, die Vegetation seine Haare, Wolken und Nebel sein Ausdruck. Folglich wird ein Berg lebendig durch Wasser, üppig und reich durch Gebüsch und Bäume und anmutig durch Wolken. Der Berg ist das Antlitz eines Flusses, Pavillons am Ufer seine Augen und die Geschäftigkeit der Fischer sein Ausdruck«. (Guo Xi). Wie wird ein Maler meisterhaft, vollkommen?  Wenn er 10000 Bücher gelesen hat, 10000 li (1 li = ca. 500m) gegangen ist, die alten Meister studiert und wenn er yin und yang, die gegensätzlichen, aber komplementären Prinzipien, deren Wirken alle Erscheinungsformen entspringen, erfaßt hat und das tao besitzt.“ (Anita Rolf, Kleine Geschichte der chinesischen Kunst, 1985, S. 107).

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Japan gehört, seit es im 3. und 2. Jh. v. Chr. durch zwei Einwanderungswellen vom Festland eine ethnische und technologische Neuorientierung der neolithischen Kulturform erfuhr, zur chinesischen Kultur. (Vgl. Kultur-Zuordnung Japan). Um 120 v. Chr. gründete Jimmu-Tenno das Yamato-Reich, das kulturell von China abhängig war und von 363 bis 662 auch Korea beherrschte. Das Staats- und Sozialgefüge des Yamato-Reichs blieb in den folgenden Jahrhunderten trotz des Einflusses der chinesischen Kultur unverändert. Das System des Geschlechterverhältnisses, der Elitefamilien-Zusammenschluß, und die Herrschaftsform Yamatos waren mindestens 2000 Jahre lang das Kennzeichen für den Stil der japanischen Herrschaftsform. Im 5. Jh. wurde die chinesische Schrift in Japan eingeführt. Der 552 von China durch Kimmei eingeführte Buddhismus siegte im Streit um dessen Einführung gegenüber dem japanischen Shintoismus (Weg der Gottheit[en]). Kaiserin Suiko (reg. 593-628) und Prinz Shotoku Taishi förderten den „Pfad Buddhas“ (butsu-do) durch Tempelbauten, der Beamtenstaat wurde nach chinesischem Muster durch die Taika-Reform eingeleitet (kodifiziert im „Taiho“, 702), und mit den buddhistischen Klöstern als Zentren erlebte Japan eine Blüte. Der chinesische Einfluß verringerte sich jedoch in der Nara-Periode (710-784), als es zur Verschmelzung von Shintoismus und Buddhismus kam. In der Heian-Periode (794-1185) bildeten sich Beamtenadel (kuge) und Kriegeradel (buke) zum höfischen Kult aus - Hauptstadt war Kyoto. Den Streit der Buke-Familien Taira und Minamoto um den Besitz und die Würde eines militärischen Oberbefehlshabers verloren die Taira in der Schlacht von Dan-no-ura (1185). Minamoto Yoritomo ließ sich vom Tenno zum erblichen Shogun (Barbarenbesieger, Kronfeldherren) mit Hofhaltung in Kamakura ernennen. Während nominell der Tenno (oft auch ein Kind oder Mönch) Herrscher blieb und Beamte ernannte, regierte im Kamakura-Shogunat (1185-1333) tatsächlich der Shogun mit seinen Vasallen (vgl. Hausmeier). 1274 und 1281 wurden die Einfälle der Mongolen von Ritterheeren (Samurai) abgeschlagen. Die Herrschaft der Shogune dauerte insgesamt fast 700 Jahre: von 1185 bis 1867. Die Zeit der ersten Shogunate war also gekennzeichnet durch innere Auseinandersetzungen und äußere Gefahren (Mongolen), und erst das Interregnum der Heerführer Nobunaga (1534-1582) und Tojotomi Hidejoshi (1536-1598) schuf die Basis, auf der Tokugawa Iejasu (1542-1616) das Tokugawa- oder Edoshogunat (1603-1867) errichtete - Residenz war Edo (= Tokio). Damit begann eine Friedensperiode, in der Verwaltung und Lehnswesen neu geordnet wurden. Das von den Portugiesen ins Land gebrachte Christentum wurde bald ausgerottet, aber gleichzeitig der Handel mit christlichen Ausländern - ab 1640 vor allem mit den Holländern - gefördert. Der wirtschaftliche Aufstieg Japans in dieser Zeit ließ ein städtisches Bürgertum entstehen - der soziale Aufbau war ständisch-feudal. Die Bevölkerung war gegliedert in 4 Stände: 1.) die schwerttragenden und einem Lehensstand angehörenden Samurai - Staats- und Kriegsdienst, Priester, Gelehrte, Ärzte, Künstler u.s.w.; 2.) Kaufleute; 3.) Handwerker; 4.) Bauern, die ihr Land pachteten und beträchtliche Abgaben zu entrichten hatten. (Merkwürdige, aber typisch ostasiatische [chinesische] Gliederung). Die lange Friedensperiode erwies sich für die politisch-wirtschaftliche und überhaupt für die kulturelle Entwicklung sehr förderlich, doch um die Mitte des 18. Jahrhunderts machten sich als Folge des Übergangs von der Natural- zur Geldwirtschaft finanzielle und wirtschaftliche Verschlechterungen bemerkbar. Die materielle Grundlage des Shogunats wurde langsam unterhöhlt, und es entstand unter den Gelehrten eine kritische Stimmung gegenüber dem Tokugawa-Regiment, die den Umsturz vorbereiten half, der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Feudalstaat ein Ende setzte. Den Versuchen auswärtiger Mächte, Zutritt in das Land zu erhalten, hatte Japan Widerstand entgegengesetzt. Erst als 1853 ein us-amerikanisches Geschwader in der Tokiobucht erschien, war die japanische Regierung zu Verhandlungen bereit. Dem erzwungenen Freundschafts- und Handelsvertrag von Kanagawa (31. März 1854) folgten ähnliche Verträge mit England, Frankreich, Rußland, den Niederlanden, Portugal und Preußen (bzw. Deutschland). Einige Häfen wurden zum Handel mit Ausländern freigegeben, die Ausländer unterstanden der Gerichtsbarkeit ihrer Gesandten und Konsuln. In Japan machte sich eine fremdenfeindliche Stimmung breit, die in schweren Auseinandersetzungen gipfelten (1863: Bombardement Kagoshimas durch englische Kriegsschiffe). Der letzte Shogun trat am 19. November 1867 zurück; Kaiser Meiji (*1852, † 1912; seit 1867/68 der 122. Tenno) bildete eine provisorische Regierung und verlegte die Haupttadt nach Edo (= Tokio). Der Kaiser und seine Berater führten eine Reihe umfassender Reformen durch, die das staatliche Leben grundlegend änderten. Mit Auflösung der Territorialherrschaften entstand anstelle des Feudalstaates die absolute Monarchie. 1873 wurde durch die Einführung einer Geldgrundsteuer dem privilegierten Samurai-Stand die materielle Grundlage entzogen. Heerwesen, Justiz und Verwaltung wurden nach europäischem Muster umgestaltet, Technik und kapitalistische Organisationsformen in kürzester Zeit übernommen. Die Erfolge dieser „Reform von oben“ - nach der Jahresdevise Meiji-Reform genannt (Meiji oder Meidschi, „aufgeklärte Regierung“) - beruhten zum Teil auf dem Wirken ausländischer Experten sowie auf Auslandsstudien japanischer Spezialisten. Der Schlußstein der Reformen war die Einführung einer neuen Verfassung (11. Februar 1889), die Japan zur konstitutionellen Monarchie machte. Alle Bürger hatten gleiche Grundrechte, aber nur die Männer über 25 Jahre, die eine Mindeststeuer abführten, konnten wählen (1890: 1,14% der Bevölkerung); 1890 wurde das erste Parlament einberufen, doch die parlamentarische Regierung setzte sich nicht durch. Außenpolitisch verschärften sich die Spannungen mit China, die zwar im Vertrag von Tientsin (1885) vorläufig beigelegt worden waren, so sehr, daß es zwischen beiden Ländern 1894 zum Krieg kam, der von Japan auf Grund des moderneren Heeres gewonnen wurde. China mußte im Frieden von Shimonoseki (17. April 1895) die Unabhängigkeit Koreas anerkennen, Taiwan und die Pescadoresinseln abtreten und eine Kriegsentschädigung zahlen. 1899 wurden die letzten Exterritorialrechte aufgehoben und Japan von den Großmächten als gleichberechtigter Partner akzeptiert. Nach seinem Sieg im russisch- japanischen Krieg (1904-1905) konnte Japan seine Position in Ostasien ausbauen und festigen. Im 1. Weltkrieg erweiterte Japan als Verbündeter Englands seine Außenmärkte, wurde danach Mitglied des Völkerbunds und übernahm ehemalige deutsche Kolonien in Ostasien. Größere Bedeutung als der Beitritt zu internationalen Abkommen hatte in den 1920er Jahren der steigende Einfluß radikaler Offiziersgruppen. Ausschlaggebend für politische Entscheidungen waren der Geheime Staatsrat und seit 1903 der Militärsenat, über den der extreme Nationalismus der Militärs und Geheimgesellschaften auf die Regierung einwirkte und durch den Opponenten bald mit Berufsverbot, Entlassung oder Gefängnis bestraft wurden. Nach dem Zwischenfall bei Mukden (18. September 1931) kam es auf Betreiben der Militärs zum Mandschureikonflikt, in dessen Verlauf Mukden, Kirin und Heilungkiang von Japan besetzt wurden. Am 1. März 1932 erfolgte die Konstituierung des Staates Mandschukuo (ab 1. März 1934 Kaiserreich); da der neue Staat nicht anerkannt wurde, trat Japan am 27. März 1933 aus dem Völkerbund aus. Ende 1934 kündigte es das Washingtoner Flottenabkommen zum 31. Dezember 1936, erklärte seinen Austritt aus der Londoner Abrüstungskonferenz (15. Januar 1936) und unterzeichnete am 25. November 1936 den Antikominternpakt mit Deutschland. Die Beziehungen zu China verschlechterten sich ebenfalls ständig, und so nutzten extremistische Offiziere eine Schießerei zwischen chinesischen und japanischen Truppen bei Peking (7. Juli 1937), um China den Krieg zu erklären. 1938 und 1939 kam es zu Zusammenstößen zwischen japanischen und sowjetischen Truppen im mandschurisch-mongolischen Grenzgebiet, die erst im November 1939 beigelegt wurden. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor (7./8. Dezember 1941) und der Kriegserklärung an die USA und England erfolgte Japans Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Die japanische Großoffensive wurde jedoch schon im April 1942 gestoppt, als die us-amerikanische Luftwaffe erstmals die japanischen Hauptinseln angriff, und kam in der Seeschlacht von Midway (4.-7. Juni 1942) und bei den Kämpfen auf Guadalcanal (bis Februar 1943) völlig zum Erliegen. Nach Landungen der Alliierten auf Iwo Jima und Okinawa (Februar bis Juni 1945) war der Krieg für Japan verloren. Die Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki (6. August und 9. August 1945) sowie die sowjetische Kriegserklärung (8. August 1945) förderten die Kapitulationsbereitschaft. Am 14. August 1945 kapitulierte Japan bedingungslos und unterstand einer Militärregierung unter General McArthur. Die von den USA geforderten Reformen begannen mit einer Rede Kaiser Hirohitos, in der dieser die altjapanische Auffassung von der Göttlichkeit des Kaisers verneinte. Der Großgrundbesitz wurde an Kleinbauern aufgeteilt und die Großkapitalgesellschaften wurden entflochten. Am 3. Mai 1947 tart eine neue Verfassung in Kraft; die auf us-amerikanischen Druck durchgeführte Demokratisierung wurde durch die Einführung einer parlamentarischen Regierungsform vollendet. Bereits 1948 veranlaßte jedoch die Verschärfung des Kalten Krieges die USA zu einer Änderung ihrer Haltung gegenüber Japan: Mit der Einstellung der Säuberungsgerichte, der Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, der Aufkündigung der Reparationsforderungen und dem Eintreten für eine japanische Wiederbewaffnung ergriffen die USA Maßnahmen, um das Land gegen eine mögliche kommunistische Aggression zu stärken. Am 8. September 1951 schlossen 48 Nationen in San Francisco einen Friedensvertrag mit Japan, der durch einen Sicherheitsvertrag mit den USA ergänzt wurde, in welchem die Stationierung us-amerikanischer Truppen in Japan enthalten war. Nach Beendigung der Okkupationszeit fanden am 1. Oktober 1952 erste Wahlen zum Parlament statt. Am 19. Oktober 1956 wurde nach langwierigen Verhandlungen eine japanisch-sowjetische Erklärung unterzeichnet, die den Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendete. In diesem Jahr wurde Japan Mitglied der UNO. Im September 1972 nahmen Japan und China diplomatische Beziehungen auf, die 1974 zu vorbereitenden Gesprächen über einen Friedensvertrag führten, der am 12. August 1978 in Peking unterzeichnet wurde. Seitdem schloß Japan mit China auch mehrere Abkommen über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit. Im Dezember 2000 befand ein von „,Frauengruppen und Rechtsanwälten organisiertes Tribunal“ (!?!) den verstorbenen Kaiser Hirohito der Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig. Er sollte für die Vergewaltigung und sexuelle Versklavung von etwa 200000 asiatischen Frauen durch japanische Militärs vor und während des Zweiten Weltkrieges verantwortlich gewesen sein. Als Oberbefehlshaber der japanischen Armee habe der Tenno von der Einrichtung von Truppenbordellen durch die Militärs gewußt. Die Frauen wurden überwiegend aus Korea und den Philippinen in die Kriegsbordelle verschleppt. Das „Tribunal“, das keine juristischen Befugnisse hatte, stützte sein Urteil auf Aussagen noch lebender Opfer und ehemaliger Soldaten der Kaiserlichen Armee sowie auf historische Zeugnisse. Es forderte die japanische Regierung auf, die Verbrechen vollständig aufzuklären und den Opfern Entschädigungen zu zahlen. Schon im November 2000 hatte die japanische Baufirma Kajima mit einer Summe von rund 10 Millionen DM den Hanaoka-Fonds für Frieden und Freundschaft eingerichtet. Der Fonds war das Ergebnis einer außergerichtlichen Einigung zwischen Kajima und elf ehemaligen chinesischen Zwangsarbeitern, die 1995 auf Schadenersatz geklagt hatten. 1944/45 waren 986 Chinesen gezwungen worden, in der Nähe eines Silberbergwerks im japanischen Hanaoka auf Baustellen der Firma zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen waren so grausam, daß 418 von ihnen bis Kriegsende starben. Insgeasmt waren ungefähr 38000 Chinesen zwischen 1943 und 1945 nach Japan verschleppt worden. Im Februar 2001 erzürnte Hosei Norota, Mitglied der regierenden LDP und Vorsitzender des japanischen Haushaltsausschusses, die chinesische, nordkoreanische und südkoreanische Regierung mit Äußerungen über die japanische Rolle im Zweiten Weltkrieg. Er behauptete, Japan habe Aisen vom Kolonialismus befreit und sei von den USA in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen worden.

 

 

 

Blase „Welt“ AntikeKultur

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Auf die antike Kultur wird auf mehreren anderen Seiten auch intensiv eingegangen. Deshalb die Verweise:

Phasen

Einnistung
Embryonik
Fötik
Geburt
Selbst
Spracherwerb
Schrifterwerb
Wissensschulung
Aufklärung
Ehe
Krise
Befruchtung
Jahrhunderte
21. bis 19. Jahrhundert
18. bis 17. Jahrhundert
16. bis 15. Jahrhundert
15. bis 12. Jahrhundert
12. bis 10. Jahrhundert
10. bis 8. Jahrhundert
8. bis 6. Jahrhundert
6. bis 5. Jahrhundert
5. bis 4. Jahrhundert
4. bis 3. Jahrhundert
3. bis 2. Jahrhundert
2. bis 1. Jahrhundert n. Chr.

 

Kultur

„Wenn das Ursymbol (Ursymbol) der antiken Seele fortan als der stoffliche Einzelkörper, das der abendländischen als der reine, unendliche Raum bezeichnet wird, so darf nie übersehen werden, daß Begriffe das nie zu Begreifende nicht darstellen, daß vielmehr die Wortklänge nur ein Bedeutungsgefühl davon entwickeln können.
Akropolis (Athen)
Der unendliche Raum ist das Ideal, welches die abendländische Seele immer wieder in ihrer Umwelt gesucht hat. Sie wollte es in ihr unmittelbar verwirklicht sehen, und dies erst gibt den unzähligen Raumtheorien der letzten Jahrhunderte jenseits aller vermeintlichen Resultate ihre tiefe Bedeutung als den Symptomen eines Weltgefühls. Inwiefern liegt die grenzenlose Ausgedehntheit allem Gegenständlichen zugrunde? Kaum ein zweites Problem ist so ernsthaft durchdacht worden, und fast hätte man glauben sollen, es hinge jede andre Weltfrage von dieser einen nach dem Wesen des Raumes ab. Und ist es nicht für uns in der Tat so?  Warum hat denn niemand bemerkt, daß die gesamte Antike kein Wort darüber verlor, ja daß sie nicht einmal das Wort besaß, um dies Problem genau umschreiben zu können ?  Warum schwiegen die großen Vorsokratiker?  Übersahen sie etwa in ihrer Welt gerade das, was uns als das Rätsel aller Rätsel erscheint?  Hätten wir nicht längst einsehen sollen, daß in diesem Schweigen gerade die Lösung lag?  Wie kommt es, daß unserem tiefsten Gefühl nach »die Welt« nichts anderes ist als jener durch das Tiefenerlebnis ganz eigentlich geborene Weltraum, dessen erhabene Leere durch die in ihm verlorenen Fixsternsysteme noch einmal bestätigt wird?  Hätte man dies Gefühl einer Welt einem antiken Denker auch nur begreiflich machen können?  Man entdeckt plötzlich, daß dies »ewige Problem«, das Kant im Namen der Menschheit mit der Leidenschaft einer symbolischen Tat behandelte, ein rein abendländisches und im Geiste der andern Kulturen gar nicht vorhanden ist.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 227-228 Spengler).
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„Alle antike Baukunst beginnt außen, alle abendländische innen. Auch die arabische beginnt im Innern, aber sie hält sich auch dort. Einzig und allein die faustische Seele bedurfte eines Stils, der durch die Mauern in den grenzenlosen Weltraum dringt und Innen- wie Außenseite zu entsprechenden Bildern ein und desselben Weltgefühls macht. Basilika und Kuppelbau können draußen architektonisch verziert sein, aber sie sind dort nicht Architektur.
Dorische Säulenordnung
Ionische Säulenordnung
Korinthische Säulenordnung
Was man sieht, wenn man sich ihnen nähert, wirkt wie schützend und ein Geheimnis verdeckend. Die Formensprache in der höhlenhaften Dämmerung ist nur für die Gemeinde da, und darin besteht die Verwandtschaft zwischen den höchsten Beispielen dieses Stils und den einfachsten Mithräen und Katakomben. Das war der erste starke Ausdruck einer neuen Seele. Sobald der germanische Geist diesen basilikalen Typus in Besitz nimmt, beginnt eine wunderbare Veränderung aller Bauelemente nach Lage und Sinn. Hier im faustischen Norden bezieht sich von nun an die äußere Gestalt des Bauwerkes, und zwar vom Dom bis zum schlichten Wohnhause, auf den Sinn, in welchem die Gliederung des Innenraumes erfolgt ist. Die Moschee verschweigt sie, der Tempel kennt sie nicht. Der faustische Bau hat ein »Gesicht«, nicht nur eine Fassade - dagegen ist die Frontseite eines Peripteros eben nur eine Seite, und der Zentralkuppelbau besitzt der Idee nach nicht einmal eine Front -, und zum Gesicht, zum Haupt gesellt sich ein gegliederter Rumpf, der durch die weite Ebene zieht wie der Dom von Speyer oder sich zum Himmel aufreckt wie der von Reims mit den zahllosen Turmspitzen des ursprünglichen Entwurfs. Das Motiv der Fassade, die den Betrachter anblickt und vom inneren Sinn des Hauses zu ihm redet, beherrscht nicht nur unsre großen Einzelbauten, sondern das gesamte fensterreiche Bild unsrer Straßen, Plätze und Städte.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 288-289 Spengler). „Wir denken heute in Erdteilen. Nur unsere Philosophen und Historiker haben das noch nicht gelernt. Was können uns da Begriffe und Perspektiven bedeuten, die mit dem Anspruch auf universale Gültigkeit hervortreten und deren Horizont doch über die geistige Atmosphäre des westeuropäischen Menschen nicht hinausreicht?  Man sehe sich daraufhin unsre besten Bücher an. Wenn Plato von der Menschheit redet, so meint er den Hellenen im Gegensatz zum Barbaren. Das entspricht durchaus dem ahistorischen Stil des antiken Lebens und Denkens und führt unter dieser Voraussetzung zu Ergebnissen, welche für Griechen richtig und bedeutsam sind. Wenn aber Kant philosophiert, über ethische Ideale zum Beispiel, so behauptet er die Gültigkeit seiner Sätze für die Menschen aller Arten und Zeiten. Er spricht das nur nicht aus, weil es für ihn und seine Leser selbstverständlich ist. Er formuliert in seiner Ästhetik nicht das Prinzip der Kunst des Phidias oder der Kunst Rembrandts, sondern gleich das der Kunst überhaupt. Aber was er an notwendigen Formen des Denkens feststellt, sind doch nur die notwendigen Formen des abendländischen Denkens. Ein Blick auf Aristoteles und dessen wesentlich andere Resultate hätte lehren sollen, daß hier nicht ein weniger klarer, sondern ein anders angelegter Geist über sich reflektiert. Dem russischen Denken sind die Kategorien des abendländischen ebenso fremd wie diesem die des chinesischen oder griechischen. Ein wirkliches und restloses Begreifen der antiken Urworte ist uns ebenso unmöglich wie das der russischen und indischen, und für den modernen Chinesen und Araber mit ihren ganz anders gearteten lntellekten hat die Philosophie von Bacon bis Kant lediglich den Wert einer Kuriosität.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 31 Spengler). „Die antike Geometrie ist die des Kindes, die eines jeden Laien. Der Alltagsverstand wird Euklids Elemente stets für die einzig richtige und wahre halten. Alle anderen Arten natürlicher Geometrie, die möglich sind und die - in angestrengter Überwindung des populären Augenscheins - von uns gefunden wurden, sind nur einem Kreis berufener Mathematiker verständlich. Die berühmten 4 Elemente des Empedokles sind die jedes naiven Menschen und seiner »angeborenen Physik«. Die von der radioaktiven Forschung entwickelte Vorstellung von isotopen Elementen ist schon den Gelehrten der Nachbarwissenschaften kaum verständlich. Alles Antike ist mit einem Blick zu umfassen, sei es der dorische Tempel, die Statue, die Polis, der Götterkult; es gibt keine Hintergründe und Geheimnisse. Aber man vergleiche daraufhin eine gotische Domfassade mit den Propyläen, eine Radierung mit einem Vasengemälde, die Politik des athenischen Volkes mit der ... Kabinettspolitik. Man bedenke, wie jedes unserer epochemachenden Werke der Poesie, der Politik, der Wissenschaft eine ganze Literatur von Erklärungen hervorgerufen hat, mit sehr zweifelhaftem Erfolge dazu. Die Parthenonskulpturen waren für jeden Hellenen da, die Musik Bachs und seiner Zeitgenossen war eine Musik für Musiker. Wir haben den Typus des Rembrandtkenners, des Dantekenners, des Kenners der kontrapunktischen Musik, und es ist - mit Recht - ein Einwand gegen Wagner, daß der Kreis der Wagnerianer allzu weit werden konnte, daß allzu wenig von seiner Musik nur dem gewiegten Musiker zugänglich bleibt. Aber eine Gruppe von Phidiaskennern?  Oder gar Homerkennern?  Hier wird eine Reihe von Erscheinungen als Symptome des abendländischen Lebensgefühls verständlich, die man bisher geneigt war als allgemein menschliche Beschränktheiten moralphilosophisch oder wohl richtiger melodramatisch aufzufassen. Der »unverstandene Künstler«, der »verhungernde Poet«, der »verhöhnte Erfinder«, der Denker, »der erst in Jahrhunderten begriffen wird« - das sind Typen einer esoterischen Kultur. Der Pathos der Distanz, in dem sich der Hang zum Unendlichen und also der Wille zur Macht verbirgt, liegt diesen Schicksalen zugrunde. Sie sind im Umkreise faustischen Menschentums ... ebenso notwendig, als sie unter apollinischen Menschen undenkbar sind. - Alle hohen Schöpfer des Abendlandes waren von Anfang bis zu Ende in ihren eigentlichen Absichten nur einem kleinen Kreise verständlich. .... Was es in der Antike nie gab, hat es im Abendland immer gegeben: die exklusive Form.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 420-421 Spengler). „Die »Natur« des antiken Menschen fand ihr höchstes künstlerisches Sinnbild in der nackten Statue; aus ihr erwuchs folgerichtig eine Statik von Körpern, eine Physik der Nähe. Zur arabischen Kultur gehört die Arabeske und die höhlenhafte Wölbung der Moschee; aus diesem Weltgefühl ist die Alchymie entstanden mit der Vorstellung von geheimnisvoll wirkenden Substanzen wie dem »Merkur der Philosophen«, der weder ein Stoff ist noch eine Eigenschaft, sondern etwas, das in magischer Weise dem farbigen Dasein von Metallen zugrunde liegt und ihre Verwandlung ineinander bewirken kann. Die »Natur« des faustischen Menschen endlich hat eine Dynamik des unbegrenzten Raumes, eine Physik der Ferne hervorgebracht. Zur ersten gehören die Vorstellungen von Stoff und Form, zur zweiten gut spinozistisch die von Substanzen und ihren sichtbaren oder geheimen Attributen, zur dritten die von Kraft und Masse. Die apollinische Theorie ist ein ruhiges Betrachten, die magische ein verschwiegenes Wissen um - man kann auch da den religiösen Ursprung der Mechanik erkennen - die »Gnadenmittel« der Alchymie, die faustische von Anfang an Arbeitshypothese. Der Grieche fragte nach dem Wesen des sichtbaren Seins; wir fragen nach der Möglichkeit, uns der unsichtbaren Triebkräfte des Werdens zu bemächtigen. Was für jenen die liebevolle Versenkung in den Augenschein, das ist für uns die gewaltsame Befragung der Natur, das methodische Experiment.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 489-490 Spengler).

„Jede Kultur hat ihren ganz bestimmten Grad von Esoterik und Popularität, der ihren gesamten Leistungen innewohnt, soweit sie symbolische Bedeutung haben. Das Gemeinverständliche hebt den Unterschied zwischen Menschen auf, hinsichtlich des Umfangs wie der Tiefe ihres Seelischen. Die Esoterik betont ihn, verstärkt ihn. Endlich, auf das ursprüngliche Tiefenerlebnis der zum Selbstbewußtsein erwachenden Menschen angewandt und damit auf das Ursymbol seines Denkens und den Stil seiner Umwelt bezogen: zum Ursymbol des Körperhaften gehört die rein populäre, »naive«, zum Symbol des unendlichen Raumes die ausgesprochen unpopuläre Beziehung zwischen Kulturschöpfungen und den dazugehörigen Kulturmenschen.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 419-420 Spengler). Die Antike war populär, weil nicht esoterisch. Das Abendland ist esoterisch, weil nicht populär.

„Die olympische Götterwelt ist geschichtslos. Sie kennt kein Werden, keine Epoche, kein Ziel. Faustisch aber ist der leidenschaftliche Zug in die Ferne. Die Kraft, der Wille hat ein Ziel, und wo es ein Ziel gibt, gibt es für den forschenden Blick auch ein Ende. .... Der Faust des zweiten Teils der Tragödie stirbt, weil er sein Ziel erreicht hat. Das Weltende als Vollendung einer innerlich notwendigen Entwicklung - das ist die Götterdämmerung; das bedeutet also, als letzte, als irreligiöse Fassung des Mythos, die Lehre von der Entropie (Entropie). ... Auch die Antike starb, aber sie wußte nichts davon.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 547 Spengler).

„Solange die Antike sich seelisch aufrecht hielt, bestand die Pseudomorphose (Pseudomorphose) darin, daß alle östlichen Kirchen zu Kulten westlichen Stils wurden. Dies ist eine wesentliche Seite des Synkretismus (Synkretismus). Die persische Religion dringt als Mithraskult ein, die chaldäisch-syrische in den Kulten der Gestirngötter und Baale (Jupiter, Dolichenus, Sabazios, Sol Invictus, Atargatis), das Judentum in Gestalt des Jahwekultes, denn die ägyptischen Gemeinden der Ptolemäerzeit lassen sich nicht anders bezeichnen, und auch das früheste Christentum, wie die Paulinischen Briefe und die römischen Katakomben deutlich erkennen lassen, als Jesuskult. Mögen alle diese Kulte, die etwa seit Hadrian (also seit etwa 117-138) die der echt antiken Stadtgötter völlig in den Hintergrund drängen, noch so laut den Anspruch erheben, eine Offenbarung des einzig wahren Glaubens zu sein - Isis nennt sich deorum dearumque facies uniformis -, so tragen sie doch sämtliche Merkmale des antiken Einzelkultes: sie vermehren deren Zahl ins Unendliche; jede Gemeinde steht für sich und ist örtlich begrenzt, alle diese Tempel, Katakomben, Mithräen, Hauskapellen sind Kultorte, an welche die Gottheit nicht ausdrücklich, aber gefühlsmäßig gebunden ist; aber trotzdem liegt magisches Empfinden in dieser Frömmigkeit. (). Antike Kulte übt man aus, und zwar in beliebiger Zahl, von diesen gehört man einem einzigen an. Die Mission ist dort undenkbar, hier ist sie selbstverständlich, und der Sinn religiöser Übungen verschiebt sich deutlich nach der lehrhaften Seite. Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation. (). Aus der sorgfältig festgelegten Form der Einzelhandlung bei Opfern und Mysterien wird eine Art Dogma über den Gesamtsinn dieser Akte. Die Kulte können sich gegenseitig vertreten; man übt sie nicht eigentlich aus, sondern »hängt ihnen an«. Und aus der Gottheit des Ortes wird, ohne daß jemand sich der Schwere dieser Wendung bewußt wäre, die am Orte gegenwärtige Gottheit.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 800-801 Spengler).

„So sorgfältig der Synkretismus seit Jahrzehnten durchforscht ist, so wenig hat man doch den Grundzug seiner Entwicklung, zuerst die Verwandlung östlicher Kirchen in westliche Kulte und dann mit umgekehrter Tendenz die Entstehung der Kultkirche, erkannt. Infolgedessen erscheint er als formloser Mischmasch aller denkbaren Religionen. Nichts ist weniger richtig. Die Formenbildung geht erst von West nach Ost, dann von Ost nach West.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 801 Spengler). Vgl. auch: Pseudomorphose (Pseudomorphose) am antik-magischen Beispiel (Beispiel einer Pseudomorphose).

Es gibt trotz alledem einige Leute, die meinen, die antik-apollinische Kultur sei gar nicht gestorben, sondern sie lebe in der abendländisch-faustischen Kultur weiter. (Abendland). Es ist zwar unbestreitbar, daß die abendländische Kultur das Erbe der antiken Kultur in sich trägt, aber ob man sogar soweit gehen kann zu sagen, daß diese beiden verwandten Kulturen lediglich durch eine zwischenzeitliche Fremdherrschaft voneinander getrennt und darum in Wahrheit eine Kultur seien, muß doch sehr bezweifelt werden. Sicher ist, daß die anderen Kulturen eine solche zwischenzeitliche Fremdherrschaft überlebten, mehr oder weniger stark belastet, und China hat sogar eine Religion aus einer fremden Kultur übernommen (nämlich den BuddhismusBuddhismus in China), ohne an den Infektionen dieses Imports zu sterben, weil das Immunsystem dieser Kultur einfach stark genug war, weil Religion in Ostasien ohnehin nicht den hohen Stellenwert besitzt wie in einer typisch religiösen Kultur (vgl. magische KulturUrsymbol). „Zwei Kulturen können sich von Mensch zu Mensch berühren oder der Mensch der einen die tote Formenwelt der andern in ihren mitteilbaren Resten sich gegenübersehen. Tätig ist in jedem Falle der Mensch allein. Die gewordene Tat des einen kann von einem andern nur aus dessen Dasein heraus beseelt werden. Sie wird damit sein inneres Eigentum, sein Werk und ein Teil seines Selbst. Nicht »der Buddhismus« ist von Indien nach China gewandert, sondern es wurde aus dem Vorstellungsschatz der indischen Buddhisten ein Teil von den Chinesen einer besonderen Gefühlsrichtung angenommen und zu einer neuen Art des religiösen Ausdrucks gemacht, die ausschließlich für chinesische Buddhisten etwas bedeutete. Es kommt nie auf den ursprünglichen Sinn der Form an, sondern auf die Form selbst, in welcher das tätige Empfinden und Verstehen des Betrachters die Möglichkeit zu eigner Schöpfung entdeckt. Bedeutungen sind unübertragbar. Die tiefe seelische Einsamkeit, die sich zwischen das Dasein zweier Menschen von verschiedener Art legt, wird durch nichts gemindert. Mögen sich damals Inder und Chinesen gemeinsam als Buddhisten empfunden haben, sie standen sich innerlich deshalb nicht weniger fern. Es sind dieselben Worte, dieselben Bräuche, dieselben Zeichen - aber zwei verschiedene Seelen, die ihre eigenen Wege gehen.“  (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 620 Spengler). „Fast alle nichtwestlichen Kulturen auf der Welt ... haben nachweislich Entlehnungen aus anderen Kulturen so vorgenommen, daß sie ihre eigenen Überlebenschancen verbesserten. China importierte aus Indien den Buddhismus, was jedoch nach Meinung der Forschung keine »Indisierung« Chinas bewirkte. Die Chinesen paßten vielmehr den Buddhismus chinesischen Bedürfnissen an. Die chinesische Kultur blieb chinesisch. Die Chinesen haben bis heute konsequent die heftigsten Anstrengungen des Westens abgewehrt, sie zu christianisieren. Sofern sie irgendwann einmal doch das Christentum importieren sollten, ist zu erwarten, daß sie es auf eine Weise absorbieren und adaptieren werden, die die fortdauernde chinesische Paideuma (Frobenius) stärkt.“ (S. P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 110-111). Ob der abendländischen Kultur zukünftig die Stärkung ihrer Paideuma gelingen wird, ist zumindest aus heutiger Sicht sehr fragwürdig. In der Regel ist jede Kultur selbst die Ursache für ihren Tod. Das Beispiel der antik-apollinischen Kultur zeigt, daß nicht die Beziehung zu einer anderen Kultur und auch nicht deren typisch religiöser Charakter der primäre Grund war für den Tod der Antike, sondern die Antike selbst. Und das Beispiel der abendländischen Kultur zeigt ebenfalls, daß nicht die Beziehung zu einer anderen Kultur und auch nicht deren typisch religiöser Charakter der primäre Grund für die Entwicklung des zu dieser Zeit noch sehr jungen Abendlandes war, sondern das Abendland selbst. Der Urgrund aber dafür, daß die Antike und das Abendland zwei unterschiedliche Kulturen sind, ist die Kulturgenetik - die übrigens auch Seelen(bilder) und Ursymbole bestimmt (Ursymbol) -, und für die abendländische Kultur waren von Beginn an die Germanen die kulturkybernetischen Kontrollgene, die kontrollierenden Teilungs- und Richtungserzeuger, zu deren Aufgaben natürlich auch gehört, kulturgenetisch bedingte Rollen zu steuern, z.B. die, die in Verbindung mit dem Römerreich und dem Christentum den Gedanken an ein Reich immer wieder durchzuspielen hat: reichskybernetisch (germanisch), reichshistorisch (römisch) und reichsreligiös (christlich). Ohne die Germanen gäbe es keine Abendland-Kultur, kein Europa. Ohne die Germanen hätte sich das Abendland nicht zu einer selbständigen Kultur entwickeln können. Sicher ist auch, daß ohne die Germanen die antik-apollinische Kultur schon viel eher gestorben wäre, denn das Römische Reich war von den Germanen immer abhängiger geworden. Auch in dieser Tatsache steckt eine der Antworten auf die Frage, ob die abendländisch-faustische Kultur nur als die Fortsetzung (d.h. die zweite Runde) der antik-apollinischen Kultur anzusehen sein könnte. Hundertprozentig ist die Frage aber trotzdem nicht zu beantworten.

 

 

 

Blase „Welt“ Maya / InkaKultur

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Im tropischen Tiefland entlang der Küste des Golfs von Mexiko wurden erste Zeremonialzentren errichtet, die sich durch pyramidenförmige Bauten aus Stein auszeichneten. Allmählich entwickelte sich seit dem 14. Jh. v. Chr., vor allem im Rahmen der durch die Olmeken repräsentierten politisch-religiösen Zentralgewalt, das ur-/vorkulturelle Mesoamerika. Parallel dazu entwickelten sich Schamanentum und Nahualismo (Nahua) aus einem noch älteren Substrat. Die Olmeken schufen verschiedene Kunstformen, darunter Bildhauerei und Töpferei; letztere resultierte vermutlich aus Kulturkontakten zum südamerikanischen Raum. Die kulturellen Elemente der Olmeken fanden sukzessiv Eingang in alle späteren Gebiete der mesoamerikanischen Kultur. In der frühkulturellen Zeit, die vom 7. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. dauerte, traten neben die Olmeken als Hauptakteure auch die Zapoteken. Im 7. Jh. v. Chr. entstand nämlich in der Gegend von Oaxaca (am Pazifik in Südmexiko) ein bedeutendes Zeremonialzentrum: Monte Albán, das Forscher als ehemalige Hauptstadt der Zapoteken betrachten. Die ältesten Spuren dieses Volkes zeigen noch deutliche Züge der Olmeken. Die Zapoteken trugen zur Blüte der Region um Oaxaca bei und verbreiteten kulturelle Elemente von grundlegender Bedeutung, z.B. Schrift und Kalender, in ganz Mittelamerika. Ein Tempel, den die Forscher „Tempel J“ nennen, diente vermutlich als Observatorium. Allmählich stiegen auch zwei weiterere Zentren in Zentralmexiko auf: Cuicuilco und Teotihuacán. Cuicuilco zeichntete sich durch mehrere runde Plattformen aus, und Teotihuacán stand zunächst in dessen Schatten, bevor es sich von einer kleine Bauernstadt zum urbanen Mittelpunkt der Region entwickelte. Am eindrucksvollsten aber waren die Maya im mexikanischen Hochland, die aus den Kulturelementen von Olmeken, Zapoteken und Teotihuacán schöpften und sie durch eigene Errungenschaften erweiterten - Beispiele liefern die Zeremonialzentren von Tres Zapotes, Izapá und Kaminaljuyú. In dieser Zone entstanden, deutlicher noch als zuvor bei den Zapoteken, Bildhauerei, Schrift und Kalenderkunde. Die Maya entwickelten auch eine der ausgereiftesten Systeme in Astronomie und Arithmetik (Zahlordnung mit Nullwerten). Im Tiefland brachten die Maya ihre Kultur zur hochkulturellen Blüte: die alten Zeremonialzentren wandelten sich zu mächtigen Stadtstaaten. Die hochkulturelle Zeit dauerte vom 1. Jh. n. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr.. Im 2. Jh. n. Chr. wurde Cuicuilco durch einen verheerenden Vulkanausbuch in Schutt und Asche gelegt; von diesem Moment an behauptete sich in Zentralmexiko Teotihuacán als Machtzentrum; um 250 hatte sich der Ort beachtlich vergrößert und eine Reihe prachtvoller Sakralbauten dazugewonnen. Er diente vermutlich als wichtigste Kultstätte für den Gott Tlacoc und die „Gefiederte Schlange“. In der spätkulturellen Zeit, die vom vom 4. Jh. n. Chr. bis zum 8. Jh. n. Chr. dauerte, scheint es auch in der mesoamerikanischen Kultur immer moderner zugegangen zu sein. Vor allem in El Tajín (Küstenregion am Golf von Mexiko) galt z.B. offenbar das Ballspiel als ein Element der Rituale. Man kann davon ausgehen, daß in der Zeit vom 6. Jh. n. Chr. bis zum 8. Jh. n. Chr. auch so etwas wie ein Goldenes Zeitalter erreicht worden ist.

Erste Runde Zweite Runde:

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Im Jahre 725 zerstörte ein Feuer Teotihuacán, und wohl im späten 8. Jh. oder frühen 9. Jh. begann der Niedergang des zapotekischen Zentrums und etwa zur selben Zeit der Herrschaftswechsel in El Tajín durch die Huaxteken. Um 800 wurde Monte Albán schrittweise aufgegeben, und an dessen Stelle gründeten die Mixteken Mitla, eine Verschmelzung aus zapotekischen und mixtekischen Elementen, als neue Hauptstadt der Region Oaxaca. Das im Jahre 725 durch ein Feuer zerstörte Teotihuacán wurde im 10. Jahrhundert endgültig aufgegeben. Überhaupt gab es in dieser Zeit starke Umwälzungen im mesoamerikanischen Raum. Und was die Situation in ganz Amerika angeht, so gilt, daß von nun an Südamerika gegenüber Mittelamerika allmählich aufholte, zumal die Inka, die sich im 1. Jahrtausend mehr oder weniger im Dunkeln entwickelt hatten, jedenfalls im Vergleich zu den Mittelamerikanern, ihr Reich immer weiter ausdehnten, während die Maya von den Tolteken erobert wurden (Halbinsel Yucatán), obwohl diese auch einen neuen Aufschwung bringen konnten (wohl deshalb werden sie auch Maya-Tolteken genannt). Und noch ein gewaltiges Volk machte auf sich aufmerksam: die Azteken. Die Bewohner von Tenochthitlán nannten sich selbst „Mexica“, andere Völker jedoch bezeichneten sie als Azteken. Dieser Name leitet sich von der weißen Insel Aztlán ab, dem mythischen Ursprungsort des neuen Volkes. In kurzer Zeit unterwarfen die Azteken alle benachbarten Gebiete und schufen ein Imperium, dessen Macht auf einem Dreibund der Städte Tenochthitlán, Tlatelolco und Tacuba beruhte. (1200-1521). Anfang des 16. Jahrhunderts hatte das Azteken-Reich unter Montezuma II. den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Die Ankunft der Spanier stoppte eine weitere Ausdehnung: 1521 tötete Hernán Cortés Montezuma II.; anschließend unterstellte er Tenochthitlán und die ihm untergebenen Gebiete der spanischen Krone. In den übrigen Gebieten hatten die Spanier ein eher leichtes Spiel, denn die permanenten Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Stämmen und Städten hatten das Maya-Imperium geschwächt. 1524 brachten die Spanier den Quiché-Maya in der Schlacht von Utatlan ihre endgültige Niederlage bei. Das Inka-Reich eroberten die Spanier unter Francisco Pizarro 1533.


Kultur

„Zweck der Forschung auf jedem Gebiet ist, wie Lawrence Housman sagte, die Grenzen des Dunkels weiterzurücken. Warum sollte man sich nun gerade mit der Maya- Kultur beschäftigen?  Es gibt doch so viele Dunkelheiten selbst auf dem Gebiete der Erforschung des Menschen. Ich glaube, die Antwort lautet so: Die Maya-Kultur brachte nicht nur Genies hervor, sondern schuf sie in einer Atmosphäre, die uns ganz unglaublich erscheint. Wenn man sich mit den Maya beschäftigt, kann man niemals das Selbstverständliche erwarten. Im Unpraktischen leisteten sie Hervorragendes, im Praktischen versagten sie.“  (John Eric S. Thompson, The Rise and Fall of Maya Civilization, 1954, S. 13).

Die archäologischen und schriftlichen Zeugnisse der Maya/Inka belegen ein tiefes Interesse für den Lauf der Zeit und breite Kenntnisse auf dem Gebiet der Astronomie, die bei den Maya ein wirklich erstaunliches Niveau erreichten. Um die Bewegungen der Himmelskörper und die Kalenderdaten richtig berechnen zu können, mußten die Maya mit der Mathematik gut vertraut sein. Bis heute zerbrechen sich Wissenschaftler den Kopf darüber, woher die Maya ihre Kenntnisse bezogen und mit welchen Instrumenten sie gearbeitet haben könnten. Viele Forscher meinen, daß die mesoamerikanischen Völker gezwungen waren, die Himmelsphänomene zu untersuchen oder sogar zu überwachen, weil ihre gesamte Wirtschaft und ihr Reichtum auf den Erträgen der Landwirtschaft beruhten. Es war daher für sie von äußerster Wichtigkeit, Katastrophen wie Dürre oder Überschwemmungen an Hand bestimmter Konstellationen voraussehen zu können. Jedenfalls waren die Maya zweifellos die größten Astronomen und Mathematiker in ganz Mesoamerika. Dies belegen sowohl die Inschriften auf Monumenten als auch Kodizes, die die spanische Konquista überlebten. Die Maya besaßen genaue Kenntnisse über die Sonne, die Mondphasen und die Bewegung einiger Planeten des Sonnensystems, vor allem Jupiter, Venus, Mars, Merkur und Saturn. Übrigens erkannten die Maya die Bedeutung der Zahl Null viele Jahrhunderte vor den alten indischen Mathematikern.

 

 

 

Blase „Welt“ Persien / Arabien (Morgenland)Kultur

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Es ist aus zwei Gründen besonders schwierig, diese magische Kultur zu strukturieren: einerseits entstand sie mitten in einem Raum zwischen den älteren großen Kulturen, andererseits entstand sie zu einer Zeit, in der diese älteren großen Kulturen in ihrer Entwicklung viel weiter waren, also entweder schon alte und starre, aber erfahrene Zivilisationen (Sumer und Ägypten) oder noch junge, aber aufblühende Kulturen (Indien und Antike). Iranier und Inder waren zunächst eine Einheit (Indogermanen), denn diese beiden indogermanischen Völker waren ursprünglich ein Volk: Indoiranier. Iran bedeutet „Land der Arier“. Es ist die Hochebene zwischen dem heutigen Irak (damals das Kerngebiet der mesopotamischen Kultur: Sumer, Assyrien, Babylon), und dem Pandschab (damals ein westliches Gebiet der indischen Kultur). Die Einwanderung der Iranier vollzog sich, was für unsere Belange von Wichtigkeit ist, in zwei großen Wellen: 1.) Baktrer und Sogder; 2.) Meder und Perser. Anfang des 10. Jahrthunderts v. Chr. wurde Baktra (Balkh) besiedelt, und dieses Baktrien, die erste historische Landschaft des alten Iran, ist nach meiner Meinung der Raum, in dem die magische Kultur ihre ersten ur-/vorkulturellen Formen seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. erhielt. Die persisch-arabische Kultur ist nicht denkbar ohne den Monotheismus (Monotheismus) und darf auch deshalb magische Kultur genannt werden: der Prophet Zarathustra (seine Lebensdaten sind nicht genau bekannt: zwischen 1000 v. Chr. und 600 v. Chr.Zarathustra) begründete den Parsismus (Mazdaismus, Zoroastrismus, Zarathustrismus). Zarathustra war ein vor allem in Baktrien wirkender prophetischer Reformator der altiranischen Religion und verstand sich als von seinem Gott Ahura Mazda berufener Verkünder einer monotheistischen Religion. Die magische Religion entstand also in Persien und wurde im Awesta (Awesta), der heiligen Schrift der Parsen, in altiranischer Schrift niedergeschrieben. Grundanschauung des Parsismus ist ein doppelter Dualismus von Gut und Böse und von geistiger und körperlicher Wirklichkeit. Dem guten Gott Ahura Mazda steht der böse Gott Ahriman gegenüber. Die parsistische Eschatologie erwartet den Sieg des guten Geistes über den bösen Geist, ein Endgericht und die Verklärung der Welt. Vor dem Weltgericht erwartet man das Kommen eines Heilands (Saoschjant). Für den Kult sind besonders die Reinigungsriten und der Feuerkult bezeichnend. Wegen der Heiligkeit des Feuers dürfen die Parsen ihre Toten nicht verbrennen und setzen sie deshalb auf den „Türmen des Schweigens“ aus, wo sie von Raubvögeln gefressen werden. (Bild). In der von Zarathustra gestifteten Glaubenslehre der alten Iranier wurde also zunächst der „weise Herr“ (= Ahura Mazda oder: Ormuzd, mittelpersich: Ormazd) verehrt, dem dann später der böse Geist (Ahriman oder: Angromainyu) gegenübergestellt wurde. Jenem stehen als sechs gute Geister (Weisheit, Wahrhaftigkeit, Herrschaft, Gesundheit, gute Gesinnung und Langlebigkeit) zur Seite, diesem Trug und Zorn. Die Aufgabe des Menschen ist, Ahura Mazda im Kampf gegen Ahriman bezustehen, wobei der Einzelne für Zarathustra die Verantwortung für sein Tun, d.h. für den richtigen Gebrauch der genannten sechs Tugenden, allein trägt, daher jederzeit Unheil abwenden könne. - 835 v. Chr. erwähnte der Assyrerkönig Salmanasser III. Persien (Parsua) und Medien (Mada) im Zusammenhang mit dem Urmia-See (Nordwest-Iran) - die Meder waren schon früh ein nicht zu unterschätzender Gegner des Neuassyrischen Reiches (883-612), das, wie gesagt, eine der vielen zivilisierten Fortsätze der alt und starr gewordenen mesopotamisch-sumerischen Kultur war. Bis zum 7. Jh. v. Chr. standen die Meder unter der Oberhoheit der Assyrer, bevor sie das Großreich der Assyrer zerstörten. Kyaxares (reg. 625-585) begründete die medische Großmachtstellung, vertrieb die Skythen und Kimmerier aus Medien und vernichtete mit babylonischer Hilfe Assyrien (614 fiel Assur, 612 Ninive). In Kleinasien bildete nun der Halys (heute: Kizilirnak) die Grenze, an der Kyaxares - unter dem Eindruck einer von Thales von Milet (650-570) vorhergesagten Sonnenfinsternis (28.05.585) - den unentschiedenen Kampf mit Alyattes von Lydien abbrach. Gegen Kyaxares' Sohn Astyages erhob sich der persische Vasallenkönig Kyros II. (reg. 559-529) von Anschan, Sohn des Kambyses, aus dem Königshaus der Achämeniden. Kyros II. eroberte das medische Reich (550) und festigte seine Herrschaft im Iran. 546 beseitigte er den Lyderkönig Kroisos, unterwarf die griechischen Städte West-Kleinasiens und führte Feldzüge gegen den Ost-Iran. 539 v. Chr. eroberte er Babylonien und sorgte 538 v. Chr. per Erlaß für das Ende des vom babylonischen König Nebukadnezar II. 587 v. Chr. per Deportation durchgesetzten Babylonischen Exils der Juden, die nun nach Palästina zurückkehren durften. Da Palästina von 539 v. Chr. an zum Perser-Reich gehörte, wurden die Israeliten immer mehr von der Lehre des Zarathustra beeinflußt. Das Judentum, die zweite monotheistische Religion, entwickelte sich also wesentlich aus der Überlieferung der ersten monotheistischen Religion. Am Anfang der israelitisch (jüdischen) Religion stand also nicht Abraham, sondern Zarathustra. - Kambyses II. (reg. 529-522) eroberte 525 Ägypten und stieß bis nach Nubien und Lybien vor. Während seiner Abwesenhait zettelte der Magier Gaumata einen Aufstand an. Der Schwiegersohn Kyros' II., Dareios I. (reg. 521-486), der aus einer Nebenlinie der Achämeniden stammte, tötete Gautama am 16. Oktober 521 v. Chr. und schlug die Aufstände nieder. Dareios I. war der Schöpfer des Persischen Weltreiches. Er unternahm 518 v. Chr. einen Feldzug nach Ägypten, unterwarf 513 v. Chr. das Indus-Gebiet, blieb zwar in einem Feldzug gegen die Skythen über den Bosporus und an die untere Donau erfolglos, erzwang aber die Abhängigkeit Thrakiens und Makedoniens. Von 500 v. Chr. bis 494 v. Chr. konnte er den zunächst erfolgreichen Aufstand der Griechenstädte West-Kleinasiens niederwerfen (Milet wurde z.B. 494 v. Chr. zerstört, seine Bewohner wurden nach Mesopotamien deportiert), doch die Strafexpedition gegen die griechischen Städte mißlang ihm (vgl. Marathon, 490 v. Chr.). Xerxes I. (reg. 486-465) unternahm 480-479 einen Feldzug gegen Griechenland, der allerdings scheiterte. 387 v. Chr. fiel West-Kleinasien jedoch wieder an Persien (vgl. 387: Königsfriede zwischen Athen und Sparta unter Vermittlung des Perserkönigs Artaxerxes II.; reg. 404-363). Seit 330 v. Chr., als Dareios III. (reg. 336-330) von dem Satrapen Bessos ermordet wurde, kam der Iran unter die Herrschaft Alexander d. Gr. - als Teil seines Weltreiches (vgl. Alexander-Reich). Nach Alexanders Tod (323 v. Chr.) ging aus den Machtkämpfen seiner Nachfolger (Diadochen) im vorderasiatischen Raum das Reich der Seleukiden hervor (endgültig nach der Schlacht bei Kurupedion, 281, die Seleukos gewann). Die Herrschaft über den Nordosten des Iran verloren die hellenistischen Seleukiden nach 250 v. Chr. an die dort einfallenden Parther, also an einen iranischen Stamm. (Parther, altpersich: Partawa). Warum die magische Kultur eine so schwere „Geburt“ erlebte (Geburten), warum ihre frühkulturelle Zeit (vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr.) so undurchsichtig blieb, warum sie für so lange Zeit im Schatten besonders der apollinischen Kultur (Antike) blieb, mögen so gegensätzliche Entwicklungen wie die der iranischen Parther und die der iranischen Baktrier, stellvertretend für andere Beispiele, beweisen: Die Parther drangen unter Arsakes I. um 247 v. Chr. von Nordosten her in die seleukidische (also: hellenistische) Provinz Parthien und nannten sich seitdem nach dem eroberten Land Parther. Das Parther-Reich (Hauptstadt Nisa, später Ktesiphon) breitete sich unter der Arsakiden-Dynastie (um 250 v. Chr. - 224 n. Chr.) rasch und bis zum Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. bis zum heutigen China und Indien im Osten und bis zum Euphrat-Bogen im Westen aus, trug zum Ende der Seleukiden-Herrschaft (64 v. Chr.) bei und wurde danach zu einem Hauptgegner Roms. Die Entwicklung der Baktrier war im Vergleich zu der Entwicklung der Parther eher entgegengesetzt: Das von Alexander d. Gr. 329-327 eroberte und später seleukidisch gewordene Baktrien blieb dem seleukidischen Hellenismus eng verbunden, nannte sich seit etwa 230 v. Chr. Hellenobaktrisches Reich, das unter Demetrios Sotor um 180 v. Chr. bis nach Vorder-Indien sogar erweitert werden konnte, 129-128 jedoch zerstört wurde und danach in die Hände der iranischen Tocharer fiel. Während also die Parther ganz wesentlich dazu beitrugen, den Hellenismus, insbesondere den der Seleukiden, zu beenden, halfen die Baktrier, obwohl (wohl eher: weil) sie weiter östlich beheimatet waren als die Parther, den Hellenismus noch zu erweitern. Dieser scheinbar nie endende Geist-Seele-Kulturdualismus (Ursymbol) vollzog sich auf dreifache Weise: (1.) zu ungunsten der magischen Kultur vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. (diese Zeit entspricht in etwa der ersten frühkulturellen Phase der magischen Kultur; aber sie entspricht auch in etwa der gesamten spätkulturellen Zeit der antiken Kultur!Abbildung), (2.) offen und unentschieden vom 1. Jh. n. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. (diese Zeit entspricht in etwa der zweiten frühkulturellen Phase der magischen Kultur), (3.) zu ungunsten der antik-apollinischen Kultur vom 2. Jh. n. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. (diese Zeit entspricht der dritten frühkulturellen Phase der magischen Kultur). (Vgl. auch: „Pseudomorphose“Pseudomorphose). Die Parther brachten in einem der zahlreichen Perserkriege den Römern bei Carrhae (Charran) 53 v. Chr. eine schmachvolle Niederlage bei. In dynastischen Kämpfen aufgerieben, fiel das Parther-Reich 224 n. Chr. in die Hand der Sassaniden, einer verwandten, weil ebenfalls persichen Dynastie (224-651), benannt nach Sassan, dem Großvater des ersten Sassaniden-Herrschers Ardaschir I. (reg. 224-241). Im 3. Jahrhundert entwickelte sich auch der Manichäismus, die Lehre des Persers Mani (216-273), aus iranischen (zarathustrischen), gnostischen, babylonisch-chaldäischen, jüdischen und christlichen Vorstellungen bestehend. Zarathustrisch ist Manis Lehre vom Kampf des Lichtes und der Finsternis, des Guten und des Bösen. Weil aber Mani als „Gesandter des wahren Gottes“ die bisherige Zarathustra-Religion verdrängen wollte, fiel er deren Priesterschaft zum Opfer. Die durch die Gnosis beeinflußte Sittenlehre des Manichäismus gebot strengste Enthaltsamkeit, besonders hinsichtlich Ernährung, Geschlechtsleben, Handarbeit. Trotz anfänglicher Verfolgungen gewann der Manichäismus über das Sassaniden-Reich und später das Abbasiden-Reich hinaus östlich bis nach China, westlich bis nach Spanien und Gallien Einfluß. Augustinus (354-430), der den Manichäismus später heftig bekämpfte, war eine Zeitlang sein Anhänger gewesen. Auch das Christentum ist ja ein Geschöpf der magischen Kultur. So wie das Christentum vom Morgenland auf das Abendland auf religöse Weise wirkte, so das Sassaniden-Reich auf kulturpolitische Weise (über Byzanz), z.B. auf das abendländische Rittertum. Auch wenn das so manchem heute fremd klingen mag: das Byzantinische Reich war Teil der magischen Kultur! Daß es sich hin und wieder als Nachfolger des (West-)Römischen Reiches verstanden wissen wollte, sagt nur etwas über die Machtpolitik aus, aber nichts über die Kulturzugehörigkeit: Griechenland war wie überhaupt der Osten der antiken Kultur schon zur Zeit des Übergangs vom 1. zum 2. Jh. n. Chr. der magischen Kultur anheim gefallen und selbst Rom war seit dem 2. Jh. n. Chr. dabei, alle möglichen Religionsformen aus dem Osten zu übernehmen oder zumindest zu integrieren, weshalb es nach den anfänglich Christenverfolgungen (1. bis 3. Jh.) dann doch, und zwar wegen der antiken Altersschwäche, im Jahre 391 das Christentum problemlos zu einer Staatsreligion machte, weil es nicht anders konnte: Rom war nämlich spätestens im 3. Jh. zum letzten senilen Organ der antiken Kultur geworden (und hätte Rom nicht immer mehr Germanen in immer höhere römische Ämter gebracht, wäre die antike Kultur wahrscheinlich schon im 2. Jh. gestorben). Was aber die magische Kultur mit dem Sterben des (West-)Römischen Reiches endlich erreichte, war ihre hochkulturelle Zeit (4. Jh. bis 8. Jh.). Was von 395 bis 750 zwischen 70° westlicher Länge und 70° östlicher Länge eine Großmacht war, gehörte entweder zur magisch-morgenländischen Kultur (Sassaniden-Reich, Byzantinisches Reich, Omaijaden-Reich) oder schon zur faustisch-abendländischen Kultur (Germanen-ReicheGermanen-Reiche). Die eben erwähnten Christenverfolgungen waren übrigens keineswegs nur auf die Zeit vor dem 3. Jh. und keineswegs nur auf den Westen beschränkt; im persischen Sassaniden-Reich gab es ebenfalls Christenverfolgungen, z.B. eine der gewaltigsten unter Schapur II. (reg. 309-379). Seit dem 5. Jh. wurde für das Sassaniden-Reich die Bedrohung durch innere Feinde und von Osten durch die Hephthaliten („Weiße Hunnen“) und dann die Turkvölker immer stärker. Unter Chosrau I. (reg. 531-579) erlebte das Sassaniden-Reich trotz andauernder Kämpfe eine Blüte, die unter Hormisdas (reg. 579-590) und Chosrau II. (reg. 590-628) ihren Höhepunkt erreichte, doch Jasdgrid (reg. 633-651) unterlag den eindringenden Arabern 636-637 bei Kadesia am unteren Euphrat und 642 bei Nahawand (südlich von Hamadan). Während dieser arabischen Eroberung wurde die zarathustrische Bevölkerung Persiens muslimisch; die arabischen Omaijaden unterstellten das Land arabischen Statthaltern. Die arabische Omaijaden-Dynastie (661-750) war über die Wahlkalifen (632-661) an die Macht gekommen. Und die Geschichte der Wahlkalifen hat mit der Geschichte Mohammeds zu tun: Mohammed (um 570 - 632) gehörte zum Stamm der Koreischiten. Diese gaben schon in präislamischen Zeiten den Ton an in dem Umschlags- und Handelsplatz Mekka, wo die verschiedensten Karawanenrouten Arabiens zusammenliefen und die diversen Stammesgottheiten der Halbinsel über ihre Altäre verfügten. Die von Mohammed gestiftete Religion (vgl. IslamIslam), die sich als Vollendung der jüdischen und christlichen Religion versteht, ist der vierte Monotheismus der magischen Kultur und kennt nur unbedingte Ergebung (Kismet) in den Willen Allahs, der als absoluter Herrscher gilt. (Islam = Ergebung [in Gottes Willen]). Die religiösen Glaubenssätze und Pflichten sind genau festgelegt; zu ihnen gehören beispielsweise die „5 Pfeiler“: 1.) Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet; 2.) Gebet: 5mal am Tag, kniend auf öffentlichen Anruf hin, in ritueller Reinheit; 3.) Almosen geben - fast bis zur geregelten Steuer ausgebildet; 4.) Fasten: 30 Tage im Monat Ramadan (der 9. Monat des islamischen Mondjahres), von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; 5.) Wallfahrt (Hadsch) nach Mekka: mindestens einmal im Leben. Im heiligen Buch des Islam (Koran) ist Mohammeds Lehre, die von den Anhängern des Islam als geoffenbarte Wahrheit betrachtet wird, in Suren (d.h. in Abschnitten) niedergelegt. Neben dem Koran bildete sich aus mündlichen Überlieferungen über Mohammeds Entscheidungen und Verhaltensweisen in konkreten Fragen und Situationen die Sunna (überkommene Handlungsweise, Gewohnheit). Die Einschätzung der Wichtigkeit der Sunna neben dem Koran ist das unterscheidende Kennzeichen für die Sunniten (ca. 90% der Moslems) und die Schiiten (ca. 10% der Moslems). (Heute gibt es ca. 1,2 Mrd. MoslemsVgl. Tabelle). Seinen Ausgang nahm der Islam in Mekka, wo die Kaaba, das arabische Nationalheiligtum, unter dem Schutz der Koreischiten stand. Dem Stamm also, dem auch Mohammed angehörte. Dem Zugriff der Koreischiten mußte sich Mohammed im September 622 (Beginn islamischer Zeitrechnung) durch die Auswanderung (Hidschra) aus Mekka nach Medina entziehen. (Vgl. Tabelle). Von hier aus verbreitete er seine Lehre, und bald konnte er mit kriegerischen Mitteln Mekka zurückgewinnen und die Kaaba zum äußeren Mittelpunkt des Islam machen. Nach dem Tod Mohammeds breiteten seine Nachfolger (Kalifen) in langen Kämpfen den Islam aus. (Mehr zum Thema). Der Kalif Abu Bekr (reg. 632-634) warf die abgefallenen arabischen Stämme nieder und stieß nach Syrien und Persien vor. Omar (reg. 634-644), „der Beherrscher der Gläubigen“, wandelte den nationalen arabischen Staat in ein theokratisches Weltreich um und baute eine Militärverwaltung auf: der Befehlshaber der arabischen Besatzungstruppen wurde zugleich ziviler Statthalter des Kalifen, religiöses Oberhaupt und weltlicher Richter. Omar eroberte Syrien (635), Palästina (638) und Persien (636-642), sein Feldherr Amr bin Al-As Ägypten (642). Der zum Kalifen gewählte Omaijade Othman (reg. 644-656) setzte die Eroberungspolitik fort: die Araber drangen nach Barka vor (642-645). Der Statthalter von Damskus, Muawija, kämpfte gegen Byzanz; nach der Bedrohung durch eine byzantinische Flotte wurde eine arabische Flotte geschaffen: die Araber wurden Seemacht. Othman begünstigte die Omaijaden und wurde von Widersachern ermordet. Ali (reg. 656-661), der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, verlegte die Residenz nach dem Kampf (Bürgerkrieg) gegen Mohammeds Witwe Aischa I. und dem Sieg in der Kamel-Schlacht bei Basra (656) nach Kufa: Medina wurde dadurch politisch bedeutungslos. Muawija, der Statthalter von Syrien, wollte den Tod seines Vetters Otman rächen, und nach der Schlacht bei Siffin (657) und dem Schiedsgericht von Adhruch (658), dessen Ergebnis unbefriedigend war (ein Teil der Anhänger verließ Ali: Charidschiten), wurde Ali ermordet (661). Nun begann die Zeit der Omaijaden-Dynastie (661-750). Muawija (reg. 661-680) ließ Alis unfähigen Söhne abfinden. Unter Muawija wurde Damaskus Residenz. Die Angriffe gegen Byzanz scheiterten zwar, doch im Osten wurden Kabul, Buchara und Samarkand erobert. Jazid I. (reg. 680-683) schlug Alis Sohn Hussein und dessen Anhänger bei Kerbela (10.10.680 = Passionstag der Schiiten), das dadurch schiitischer Wallfahrtsort wurde. Abd Al-Malik (reg. 685-705) stellte nach der Niederwerfung der schiitischen und charidschitischen Aufstände und der Beseitigung des Gegenkalifats in Mekka die Reichseinheit wieder her, sicherte die Herrschaft in Nordafrika und eroberte Karthago (698). Er führte auch eine arabische Währung ein. Unter Walid (reg. 705-715) wurde der Höhepunkt der omaijadischen Macht erreicht: Eroberung Transoxaniens, des Indus-Gebietes (711) und Spaniens (711-712). Tarik überschritt die Meerenge von Gibraltar und vernichtete das Heer der Westgoten unter Roderich (711). Die Belagerung Konstantionopels (718) blieb erfolglos. Das weitere Vordringen der Araber im Westen wurde 732 von den Franken unter Karl Martell in der Schlacht zwischen Tours und Poitiers verhindert. (Geburt). Während für die abendländische Kultur die frühkulturelle Zeit gerade beginnen konnte (Geburt), war für die magische Kultur die hochkulturelle Zeit nun zu Ende. (Abbildung). Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisensituation, die durch die steuerliche Gleichstellung bekehrter Nichtaraber mit Arabern entstand (Araber), die Aufstände der Schiiten und Charidschiten sowie Zwistigkeiten zwischen Omaijaden und Abbasiden führten zum Ende der Omaijaden-Dynastie. Der letzte Omaijade, Merwan II. (reg. 744-750), wurde vernichtend geschlagen in der Schlacht am Zab (Nebenfluß des Tigris). Dem unter den überlebenden Omaijaden angerichteten Blutbad entkam nur Abd Ar-Rahman, der in Spanien das Emirat der Omaijaden von Córdoba begründete (756). Die spätkulturelle Zeit der magischen Kultur begann mit der Abbasiden-Dynastie (750-1258). Auf den 1. Kalifen Abu L'Abbas, der 754 starb, folgte al-Mansur („der Siegreiche“), der eigentliche Begründer der Abbasiden-Dynastie, der die Machtgrundlage des neuen Staates mit Hilfe persischer Hilfstruppen schuf (762 Gründung der Residenz Bagdad). Die Vorrangstellung der Araber wurde beendet, die Führung ging an die Perser über. Eingeführt wurde auch das persische Hofzeremoniell, die Leitung des Staates durch Wesire und die Neuorganisation der Verwaltung nach persischem und byzantinischem Vorbild. Der von seinem Hofstaat umschlossene Kalif wurde für die Öffentlichkeit unerreichbar. Unter Harun al Raschid (reg. 786-809), auch bekannt geworden durch „Tausend und eine Nacht“, kam es noch einmal zu einer Hochblüte des Kalifats. Trotz siegreicher Kämpfe gegen Byzanz begann die politische Auflösung des Reiches: Selbständigkeit erreichten z.B. die Dynastie der Idrisiden in Marokko (788), die der Aghlabiden im tunesischen Kairuan (801), die der Tahiriden im nordostiranischen Chorasan (821 bzw. 872), die der Saffariden und die der Samaniden im heutigen iranisch-turkmenisch-usbekischen Gebiet (866 bzw. 874; endgültig um 900 bzw. 999 und 1005). Im 9. Jh. führten die inneren Zwistigkeiten, schiitische Aufstände, das Emporkommen selbständiger Dynastien zur politischen Entmachtung des Kalifen, der auf die Würde eines geistlichen Oberhauptes aller Gläubigen herabsank, während die Staatsleitung in den Händen des Amir al-Umara (Ober-Emir, Oberbefehlshaber) lag - jedenfalls ab 936. Die Fürsten der unabhängigen Dynastien rissen bald den Titel an sich. Von 940 bis 1258 war das Kalifat der Abbasiden ohne politische Bedeutung. Trotz großer außenpolitischer Erfolge - z.B. der Eroberung des gesamten Mittelmeerraumes und Indiens - setzte seit dem 9. Jh. die Sonderentwicklung auf religiösem (sektiererischem), politischem und völkischem Gebiet ein. Ein wesentlicher Faktor für all diese Reiche mit eigenen Dynastien und despotischer Herrschaftsform war das seit dem 8. Jh. andauernde Einsickern der Turkvölker, die im 9. Jh. Palastgarden an allen islamischen Höfen bildeten, deren Führer oft Statthalter wurden und Macht ausübten. Die Ghasnawiden in Afghanistan z.B. bildeten die erste türkische Dynastie (962-1186). In Spanien, Sizilien und den anderen Mittelmeerländern mußte der Islam immer mehr Verluste hinnehmen. (Vgl. Reconquista, Normannen). Die von den Arabern aus orientalischem und hellenistischem Wissensgut zur Grundlage gemachte islamische Wissenschaft, die im 9. und 10. Jh. ihren Höhepunkt erreichte, beeinflußte vor allem über Spanien das Abendland. Doch die Führung in der islamischen Welt ünernahm bald die türkische Seldschuken-Dynastie (1040-1157). Der Name der Seldschuken geht zurück auf Seldschuk (um 1000), einem Häuptling der Ogusen (Turkvolk). Die Seldschuken konnten bis 1092 ihr Reich bis an den Amu-Darja und über Syrien (mit Palästina) ausdehnen und damit zum mächtigsten Staat im Vorderorient werden. Alp Arslan (reg. 1063-1073), Sultan aus der Seldschuken-Dynastie, dehnte seine Herrschaft von Persien nach Syrien aus, siegte über Byzanz (1071) und brachte den größten Teil Kleinasiens in seine Gewalt. Im 12. Jh. wurden die Seldschuken von Lokalfürsten abgelöst, aber ein Teil der Seldschuken gründete das Reich der Rum-Seldschuken (1134-1308).

Erste Runde Zweite Runde:

Bild

Die türkischen Rum-Seldschuken gründeten im 12. Jahrhundert ein Fürstentum und gewannen Konya als Residenz. 1243 eroberten die Mongolen das Land der Rum-Seldschuken und duldeten sie als Vasallen bis 1308. Um 1300 trat in dem nominell noch zum Byzantinischen Reich gehörenden Bithynien Osman I. Ghasi, der die Osmanen-Dynastie (1300-1922) begründete, als Führer einer Gruppe turkmenischer Glaubenskämpfer auf. Aber einen Staat ähnlich den anderen turkmenischen Fürstentümern schuf erst Orchan (reg. 1326-1359), dessen Truppen 1354 nahe Gallipoli (Gelibolu) den ersten Stützpunkt auf dem europäischen Kontinent errichten konnten. 1361 wurde Adrianopel (Edirne) genommen und wenig später Hauptstadt des Reiches. Das Byzantinische Reich mußte den Status eines tributpflichtigen Vasallen hinnehmen. Als die vereinigten Heere der Balkan-Staaten Serbien, Ungarn, Bulgarien, Bosnien an der Maritza 1371 geschlagen worden waren, kamen auch Thrakien und Makedonien in den Besitz der Osmanen. Nach dem Sieg Murads I. (reg. 1359-1389), der mit Bajasid I. (reg. 1389-1402) als eigentlicher Begründer des Osmanischen Reiches gilt, auf dem Amselfeld 1389 über Serbien und dessen Verbündete wurde Serbien den Osmanen tributpflichtig. Bis 1393 eroberten die Osmanen den größten Teil Bulgariens und Thessaliens. 1394-1397 setzten sie sich auch in Attika und auf der Peloponnes fest. Die Walachei wurde erstmals um 1395 (erneut 1415 unter Mircea dem Alten) tributpflichtig, und 1396 sicherte der Sieg von Widin die neueroberten Gebiete auf dem Balkan. Den Versuch eines Kreuzfahrerheeres, das Byzantinische Reich aus der osmanischen Umklammerung zu befreien, wehrten die Osmanen 1396 bei Nikopolis erfolgreich ab. Bajasid I. stieß 1402 bei Ankara mit Timur-Lenk (Tamerlan) zusammen, der die osmanische Armee vernichtend schlug und den Sultan gefangennahm; doch blieb das Osmanische Reich in seinem Grundbestand erhalten. Murad II. (reg. 1421-1451) gelang die völlige Wiederherstellung der osmanischen Macht; zudem eroberte er den größten Teil Griechenlands. Weitere Expansionen scheiterten an dem von dem ungarischen Reichsverweser J. Hunyadi organisierten Widerstand. Ein letzter Kreuzzug zur Rettung des Byzantinischen Reiches brach 1444 in der Niederlage bei Warna zusammen. Nachdem 1448 auch Hunyadi geschlagen worden war, konnte Mehmet II. (reg. 1451-81) das restliche Byzantinische Reich annektieren; er eroberte Konstantinopel am 29. Mai 1453 und machte es zur Hauptstadt des Osmanischen Reiches. In den folgenden 100 Jahren erlangte das Osmanische Reich seine größte Macht und Ausdehnung. Die Voraussetzungen hatte noch Mehmet II. gelegt, als er 1454/55 Serbien, 1461 Trapezunt, 1463 Bosnien annektierte und 1466/67 den Aufstand des Skanderbeg in Albanien niederwarf. Der Krieg mit Venedig (1463-1479) brachte den Osmanen vor allem die Peloponnes und Athen ein und sicherte ihre Herrschaft über Albanien. Das Osmanische Reich stieg zur beherrschenden Seemacht im östlichen Mittelmeer auf und war im Seekrieg gegen Venedig (1499-1503) erfolgreich. Der Khan der Krimtataren mußte die Oberhoheit der Osmanen anerkennen. In Anatolien wurde 1468 Karaman, 1474 Kleinarmenien besetzt. Versuche, in Unteritalien (1480 Fall Otrantos) Fuß zu fassen, mußten 1481 aufgegeben werden. 1482 wurde die Herzegowina, 1484 Bessarabien besetzt, 1504 die Moldau tributptlichtig. Ost-Anatolien wurde bis zum Wan-See osmanisch; 1516/17 wurden Syrien und Ägypten besetzt. Der Sultan, der seit 1517 auch den Kalifentitel trug, wurde auch zum Schutzherrn der heiligen Stätten des Islams in Mekka und Medina. Sulaiman I. (reg. 1520-66), „der Prächtige“, vertrieb 1522 die Johanniter aus Rhodos, 1521 überschritt er die Donau, besetzte Belgrad und nach der Schlacht von Mohacs (1526) große Teile Ungarns. 1529 drang er bis Wien vor. Chair Ad Din, der Herr von Algier, stellte sich 1519 in den Dienst des Sultans und wurde Großadmiral der osmanischen Flotte. 1551 kam Tripolitanien, 1570 Zypern, 1574 Tunesien unter osmanische Herrschaft. Die Periode äußerer Ausdehnung brachte auch den inneren Ausbau des Staates. Die Verwaltung wurde zentralisiert. Die neue Oberschicht, die sich aus den verschiedensten Völkern des Reiches zusammensetzte, löste die zum Zivildienst ausgebildeten „Sklaven der Pforte“ ab und verdrängte schließlich auch die alte türkische Stammesaristokratie. Die nichtmuslimischen Religionsgemeinschaften (Millet) erhielten zwar eine gewisse Autonomie zugebilligt, blieben aber von der Mitwirkung an politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Als der Unterhalt der Armee nicht mehr durch die bei den Eroberungen gemachte Beute gesichert war, wurden den Untertanen (Rajah) harte Steuerlasten auferlegt. Im 6. Türkisch-Venezianischen Krieg (1645-1669) wurde bis 1669 Kreta erobert, im Krieg mit Polen (1672-1676) Podolien und die polnische Ukraine. Mit dem Vorstoß bis Wien 1683 und dessen vergebliche Belagerung war die Kraft der osmanischen Armee jedoch erschöpft. Der folgende Große (2.) Türkenkrieg (1683-1699) mit der Heiligen Liga von 1684 endete mit den Friedensverträgen von Karlowitz und Konstantinopel (1699 bzw. 1700), in denen vor allem die Peloponnes und Athen, das westliche Dalmatien, Ungarn, der größte Teil von Kroatien mit Slawonien, Siebenbürgen, Podolien, die polnische Ukraine und Asow abgetreten werden mußten. Im 3. Türkenkrieg (1716-1718) gingen dem Osmanischen Reich im Frieden von Passarowitz (1718) weitere Gebiete verloren. Dann wurde Rußland, das aus den Kriegen mit Schweden (vgl. Nordischer Krieg, 1700-1721) erstarkt hervorgegangen war, zum Hauptgegner der Osmanen, die es in den Friedensschlüssen von Küçük Kaynarci (1774) und Jassy (1792) zwang, alle Gebiete im Norden des Schwarzen Meers bis zum Dnjestr aufzugeben - weitere Gebietsverluste bis zum Pruth folgten dem Russisch-Türkischen Krieg von 1806-1812. Salim III. (reg. 1789-1807) leitete eine Periode von Reformen ein, die Mahmud II. (reg. 1808-1839) fortsetzte. Infolge der 1826 erfolgten Beseitigung der traditionellen Militärmacht der Janitscharen durch die neuen Truppen war das Reich jedoch seinen inneren und äußeren Gegnern nahezu hilflos ausgeliefert; die an der Peripherie gelegenen Provinzen machten sich selbständig. England, Frankreich und Rußland setzten die Unabhängigkeit der Griechen durch, nachdem sie am 20. Oktober 1827 bei Navarino die türkisch-ägyptische Flotte vernichtet hatten. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg von 1828-1829 mußte der Sultan im Frieden von Adrianopel (1829) und im Londoner Protokol1 (1830) die Autonomie Serbiens, der Moldau und der Walachei, die Unabhängigkeit Griechenlands anerkennen und kaukasische Gebiete an Rußland abtreten. Auch Ägypten suchte seine Macht auf Kosten des nunmehr als „Kranker Mann am Bosporus“ bezeichneten Osmanischen Reiches zu vergrößern. Erst die Quadrupel-Allianz von London (1840) zwischen England, Rußland, Österreich und Preußen zwang Ägypten zum Rückzug aus Syrien und zur Wiederanerkennung der Oberhoheit des osmanischen Sultans. Der Krimkrieg (1853-1856) zwang das Osmanische Reich zu so hoher Verschuldung, daß im Jahre 1875 die Zahlungsunfähigkeit erklärt werden mußte. Trotz aller Reformbemühungen wurde die Schwäche des Reiches zunehmend größer. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg von 1877-1878 erhielten Serbien, Montenegro und Rumänien (Moldau und Walachei) auf dem Berliner Kongreß 1878 die volle Unabhängigkeit, Bosnien und die Herzegowina wurden unter österreichische Verwaltung gestellt, Zypern wurde England zugesprochen. Frankreich das 1830-1870 bereits Algerien annektiert hatte, besetzte 1881 Tunesien, England 1882 Ägypten. Wachsende innere und äußere Schwierigkeiten führten zur Absetzung von Abd Al-Hamid II. (reg. 1876-1909) durch die Jungtürken (1909). Sein Nachfolger Mehmet V. (reg. 1909-1918) verlor die politische Macht endgültig an die Jungtürken, die unter der Führung von Enwer Pascha und Talat Pascha standen. Deren Politik war jedoch keineswegs erfolgreicher. Bereits 1908 hatte Bulgarien mit Ost-Rumelien seine Unabhängigkeit erklärt, Österreich hatte Bosnien und die Herzegowina annektiert, Kreta war griechisch geworden. Der Italienisch-Türkische Krieg (1911-1912) endete mit dem Verlust von Tripolis, der Cyrenaika und des Dodekanes; in den Balkankriegen von 1912-1913 gingen die verbliebenen europäischen Besitzungen fast ganz verloren; der Kriegseintritt an der Seite der Mittelmächte am 1. November 1914 verhinderte Ansätze einer inneren Erneuerung. Im 1. Weltkrieg gingen die arabischen Teile des Reiches verloren (1917 Irak, 1918 Palästina und Syrien). Im Vertrag von Sevres vom 10. August 1920 mußte Sultan Mehmet VI. (reg. 1918-1922) auf alle Gebiete außerhalb Kleinasiens bis auf einen Zipfel des europäischen Festlandes verzichten. Die Türkei kam unter alliierte Militär- und Finanzkontrolle. Die Griechen besetzten 1919-1922 Izmir; Istanbul und die Meerengen kamen 1918-1923 unter alliierte Verwaltung. Türkisch-Armenien wurde vorübergehend selbständig. Die von den Siegern geforderte vollständige Demobilisierung wurde von Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) verhindert, der sich 1919 in Anatolien an die Spitze der nationalen Widerstandsbewegung stellte. Als die Griechen versuchten, weitere Teile West-Anatoliens zu besetzen, stellte er neue Armee-Einheiten auf und vertrieb die Griechen aus den von ihnen besetzten Gebieten (Griechisch-Türkischer Krieg, 1919-22). In dem am 24. Juli 1923 in Lausanne unterzeichneten neuen Friedensvertrag gewann die Türkei Teile Ost-Thrakiens sowie die uneingeschränkte Kontrolle über Anatolien zurück. Am 29. Oktober 1923 wurde die Republik ausgerufen; Mustafa Kemal Pascha, ihr erster Präsident, erhielt 1934 den Beinamen Atatürk („Vater der Türken“). Mehmet VI. war 1922 als Sultan abgesetzt worden, das Amt des Kalifen bestand bis zu seiner Aufhebung am 3. März 1924 weiter. Kemal Atatürk bemühte sich, die Türkei zu einem europäisch-orientierten, säkularen Nationalstaat zu formen (vgl. auch: „Kemalismus“). Außenpolitisch suchte er die Türkei durch den Ausgleich mit den Siegermächten sowie durch Verträge mit den Nachbarstaaten abzusichern. Nach Atatürks Tod am 10. November 1938 wurde I. Inönü zum Staatspräsidenten gewählt. Er hielt das Land im 2. Weltkrieg neutral. Die Kriegserklärung an Deutschland und Japan im Februar 1945 war Voraussetzung für die Aufnahme in die UN. 1952 wurde die Türkei Mitglied der NATO, 1955 schloß sie mit dem Irak den bald erweiterten Bagdadpakt, der 1959 zur Central Treaty Organization (CENTO) umgewandelt wurde. Nach 1945 waren neben der regierenden Republikanischen Volkspartei weitere politische Parteien zugelassen worden; die von M. C. Bayar, M. F. Köprülü und A. Menderes gegründete Demokratische Partei gewann 1950 die Wahlen. Bayar wurde Staatspräsident, Menderes Ministerpräsident. Als Menderes infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Unterstützung des Parlaments verlor, hielt er sich durch Unterdrückung der Opposition an der Macht, was zu seinem Sturz am 27. Mai 1960 durch Militärputsch führte. Nach Verabschiedung der Verfassung durch Volksabstimmung wurde General C. Gürsel zum Staatspräsidenten gewählt. Die Wahlen von 1965 brachten die konservative, in der Nachfolge der Demokratischen Partei gegründeten Gerechtigkeitspartei an die Macht; ihr Führer S. Demirel verfolgte als Ministerpräsident eine Politik enger Anlehnung an den Westen. Die ungelöste Zypernfrage und die seit dem Beginn der 1970er Jahre wachsenden innenpolitischen Spannungen, die sich in blutigen Studentenunruhen und einer Vielzahl von Terrorakten entluden, gaben dem Militär erneut Anlaß, in die Politik einzugreifen. Demirel wurde 1971 zum Rücktritt gezwungen. Die folgenden rechtsgerichteten Koalitionsregierungen unter militärischer Vormundschaft konnten die politische Lage nicht stabilisieren. Mehrmals wurde der Ausnahmezustand verkündet. Unter dem sozialdemokratisch orientierten B. Ecevit kam 1974 wieder die Republikanische Volkspartei an die Macht. Ecevit mußte aber eine Koalition mit der islamisch-fundamentalistisch ausgerichteten Nationalen Wohlfahrtspartei eingehen, deren Ziele den seinen vielfach entgegengesetzt waren. Trotz der Verschärfung der Spannungen mit Griechenland wegen des Streits um Ölbohrrechte in der Ägäis wie auch der Landung türkischer Truppen am 20. Juli 1974 nach einem Staatsstreich in Zypern und der Besetzung des Nord-Teils der Insel konnte sich Ecevit nicht halten und wurde im März/April 1975 wieder von Demirel abgelöst. Politisch und religiös-ethnische Kämpfe, Zustände eines Bürgerkriegs, ständige Verletzungen der Menschenrechte - trotz und wegen des mehrfachen verhängten Kriegsrechts - prägen seit den 1970er Jahren das Bild der Türkei. Wird die Türkei auch in der Zukunft ein „zerissenen Land“ (Türkei) bleiben? Türkei


Kultur

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„Die magische Kultur ist geographisch und historisch die mittelste in der Gruppe hoher Kulturen, die einzige, welche sich räumlich und zeitlich fast mit allen andern berührt. (). ... Die Pseudomorphose (Pseudomorphose) beginnt mit Actium - hier hätte Antonius siegen müssen. Es war nicht der Entscheidungskampf zwischen Römertum und Hellenismus, der zum Austrag kam; der ist bei Cannäund Zama ausgefochten worden, von Hannibal, der das tragische Geschick hatte, in Wirklichkeit nicht für sein Land, sondern für das Hellenentum zu kämpfen. Bei Actium stand die ungeborene arabische Kultur gegen die greisenhafte antike Zivilisation. .... Von der magischen Gottheit gilt das Wort Jesu: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.« Es versteht sich, daß für jeden Gläubigen nur ein Gott der wahre und gute sein kann, die Götter der andern aber falsch und böse sind. Und nicht etwa »nicht vorhanden«. Es heißt das magische Weltgefühl mißverstehen, wenn man in die Bezeichnung »der wahre Gott« eine faustisch-dynamische Bedeutung legt. Der Götzendienst, den man bekämpft, setzt die volle Wirklichkeit der Götzen und Dämonen voraus. Die israelitischen Propheten haben nicht daran gedacht, die Baale zu leugnen und ebenso sind Mithras und Isis für die frühen Christen, Jehovah für den Christen Marcion, Jesus für die Manichäer teuflische, aber höchst reale Mächte. Daß man »an sie nicht glauben« soll, ist ein Ausdruck ohne Sinn für das magische Empfinden; man soll sich nicht an sie wenden. Das ist, nach einer längst geläufigen Bezeichnung, Henotheismus, nicht Monotheismus (). Die Beziehungen zwischen diesem Gott und dem Menschen ruht nicht im Ausdruck, sondern in der geheimen Kraft, in der Magie gewisser symbolischer Handlungen: damit sie wirksam sind, muß man ihre Form und Bedeutung genau kennen und sie danach ausüben. Die Kenntnis dieser Bedeutung ist ein Besitz der Kirche - sie ist die Kirche selbst als die Gemeinschaft der Kenner - und damit liegt der Schwerpunkt jeder magischen Religion nicht im Kult, sondern in einer Lehre, im Bekenntnis. - Solange die Antike sich seelisch aufrecht hielt, bestand die Pseudomorphose darin, daß alle östlichen Kirchen zu Kulten westlichen Stils wurden. Dies ist eine wesentliche Seite des Synkretismus (Synkretismus). Die persische Religion dringt als Mithraskult ein, die chaldäisch-syrische in den Kulten der Gestirngötter und Baale (Jupiter, Dolichenus, Sabazios, Sol Invictus, Atargatis), das Judentum in Gestalt des Jahwekultes, denn die ägyptischen Gemeinden der Ptolemäerzeit lassen sich nicht anders bezeichnen, und auch das früheste Christentum, wie die Paulinischen Briefe und die römischen Katakomben deutlich erkennen lassen, als Jesuskult. Mögen alle diese Kulte, die etwa seit Hadrian (also seit etwa 117-138) die der echt antiken Stadtgötter völlig in den Hintergrund drängen, noch so laut den Anspruch erheben, eine Offenbarung des einzig wahren Glaubens zu sein - Isis nennt sich deorum dearumque facies uniformis -, so tragen sie doch sämtliche Merkmale des antiken Einzelkultes: sie vermehren deren Zahl ins Unendliche; jede Gemeinde steht für sich und ist örtlich begrenzt, alle diese Tempel, Katakomben, Mithräen, Hauskapellen sind Kultorte, an welche die Gottheit nicht ausdrücklich, aber gefühlsmäßig gebunden ist; aber trotzdem liegt magisches Empfinden in dieser Frömmigkeit. Antike Kulte übt man aus, und zwar in beliebiger Zahl, von diesen gehört man einem einzigen an. Die Mission ist dort undenkbar, hier ist sie selbstverständlich, und der Sinn religiöser Übungen verschiebt sich deutlich nach der lehrhaften Seite. Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation. Aus der sorgfältig festgelegten Form der Einzelhandlung bei Opfern und Mysterien wird eine Art Dogma über den Gesamtsinn dieser Akte. Die Kulte können sich gegenseitig vertreten; man übt sie nicht eigentlich aus, sondern »hängt ihnen an«. Und aus der Gottheit des Ortes wird, ohne daß jemand sich der Schwere dieser Wendung bewußt wäre, die am Orte gegenwärtige Gottheit. So sorgfältig der Synkretismus seit Jahrzehnten durchforscht ist, so wenig hat man doch den Grundzug seiner Entwicklung, zuerst die Verwandlung östlicher Kirchen in westliche Kulte und dann mit umgekehrter Tendenz die Entstehung der Kultkirche, erkannt. Infolgedessen erscheint er als formloser Mischmasch aller denkbaren Religionen. Nichts ist weniger richtig. Die Formenbildung geht erst von West nach Ost, dann von Ost nach West. .... Die Welt, wie sie sich vor dem magischen Wachsein ausbreitet, besitzt eine Art von Ausgedehntheit, die höhlenhaft genannt werden darf (Höhle), so schwer es dem Menschen des Abendlandes auch ist, im Vorrat seiner Begriffe auch nur ein Wort ausfindig zu machen, mit dem er den Sinn des magischen »Raumes« wenigstens andeuten könnte. Denn »Raum« bedeutet für das Empfinden beider Kulturen durchaus zweierlei. Die Welt als Höhle ist von der faustischen Welt als Weite mit ihrem leidenschaftlichen Tiefendrang ebenso verschieden wie von der antiken Welt als Inbegriff körperlicher Dinge. ....“ Laut Spengler begann etwa „seit 200 auch das Streben, die sichtbare und immer strenger gegliederte Gemeinschaft der Gläubigen mit dem Organismus des Staates gleichzusetzen. Das folgt mit Notwendigkeit aus dem Weltgefühl der magischen Menschen und führt zur Verwandlung der Herrscher in Kalifen - Beherrscher vor allem der Gläubigen, nicht eines Gebietes - und damit zur Auffassung der Rechtgläubigkeit als der Voraussetzung wirklicher Staatsangehörigkeit, zur Pflicht der Verfolgung falscher Religionen - der heilige Krieg des Islam ist so alt wie diese Kultur selbst und hat ihre ersten Jahrhunderte vollkommen erfüllt -, zur Stellung der im Staate nur geduldeten Ungläubigen unter eigenes Recht und Verwaltung - denn das göttliche Recht ist Ketzern versagt - und damit zur Wohnweise des Ghetto.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 785, 788, 799-801, 840, 868 Spengler).

Die arabische „Weltmacht“ vereinigte zunächst Völker verschiedenster Herkunft und Religion; trotz dieser Besonderheiten erwuchs schnell eine einheitliche arabische Kultur durch Religion (IslamIslam (Geschichte)) und arabische Sprache, die überall herrschend wurde, weil der Koran nicht übersetzt werden darf. (Weil aber der magischen Kultur der persische Monotheismus die Basis, der jüdische Monotheismus und der christliche Monotheismus weitere Rahmenbedingungen lieferten, sollen auch sie hier nicht unerwähnt bleiben). Die unterworfenen Völker wurden weder bekehrt noch zur Annahme des Islam gezwungen, sondern nur einer Besteuerung unterworfen! Das ist ja auch viel effektiver! Später entstand ein Gegensatz zwischen der Vorherrschaft der arabischen Kriegerkaste (nur Kriegsdienst, keine Steuer) und den Untertanen, die sich zum Islam bekehrten. Die von dem nichtarabischen Bevölkerungsteil gefordete Gleichberechtigung mußte gewährt werden.

Die Struktur der politischen Loyalität unter Arabern und generell unter Muslimen scheint stets das Gegenteil derjenigen des Abendlandes gewesen zu sein, und für das Abendland ist laut S. P. Huntington (Huntington) „der Nationalstaat höchstes Objekt politischer Loyalität .... Engere Loyalitäten sind dieser untergeordnet und gehen in der Loyalität zum Nationalstaat auf. Gruppierungen, die die Grenzen des Nationalstaats überschreiten, wie zum Beispiel Sprach- oder Religionsgemeinschaften oder Kulturen, haben weniger unbedingte Loyalität oder Bindung gefordert. Auf einem Kontinuum von engeren zu umfassenderen Einheiten haben daher im Westen die Loyalitäten ihren Höchstwert tendenziell in der Mitte, wobei die Loyalitätsintensitätskurve annähernd ein umgekehrtes U bildet. In der islamischen Welt ist die Struktur der Loyalität fast genau umgekehrt gewesen. Der Islam hat in seiner Hierarchie der Loyalitäten eine hohle Mitte. Die »zwei fundamentalen, ursprünglichen und dauerhaften Strukturen sind, wie Ira Lapidus angemerkt hat, auf der einen Seite die Familie, die Sippe, der Stamm gewesen und auf der anderen Seite »in aufsteigendem Maßstab die Einheiten Kultur, Religion und Reich«. Ein lybischer Gelehrter äußerte sich ähnlich: »Tribalismus und Religion (Islam) spielten und spielen noch immer eine bedeutende und bestimmende Rolle in der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung arabischer Gesellschaften und politischer Systeme, ja sie sind dergestalt miteinander verwoben, daß sie als die wichtigsten Faktoren und Variablen angesehen werden, die die arabische politische Kultur und die arabische politische Mentalität prägen und bestimmen.« Stämme sind zentral für die Politik arabischer Staaten gewesen, deren viele ganz einfach, wie Tahsin Bashir es ausdrückt, »Stämme mit einer Flagge« sind. Der Gründer Saudi-Arabiens hatte weithin Erfolg dank seiner Fähigkeit, durch Heirat und andere Mittel eine Stammeskoalition zu bilden, und saudische Politik ist fortan zu einem wesentlichen Teil Stammespolitik gewesen, die Sudaris gegen Shammars und andere Stämme ausspielte. .... In Zentralasien waren historisch gesehen nationale Identitäten nicht existent. »Die Loyalität galt dem Stamm, der Sippe und der erweiterten Familie, nicht dem Staat.« Am entgegengesetzten Extrem hatten die Menschen »Sprache, Religion, Kultur und Lebensstil« gemeinsam: »Die stärkste einigende Kraft unter den Menschen, stärker als die Macht des Emir, war der Islam.« (Y. Onaran). Im Islam sind die kleine Gruppe und der große Glaube, der Stamm und die Umma, Grundlage von Loyalität und Bindung gewesen, während dem Nationalstaat viel weniger Bedeutung zukommt. In der arabischen Welt haben existierende Staaten Legitimitätsprobleme, weil sie zum größten Teil das Produkt des europäischen Imperialismus sind und ihre Grenzen sich oft nicht mit denen von Ethnien wie Berbern oder Kurden decken. .... Die Umsetzung islamischen Bewußtseins in islamischen Zusammenhalt birgt ... zwei Paradoxa. Erstens zerfällt der Islam in mehrere konkurrierende Machtzentren, deren jedes den Versuch unternimmt, aus der muslimischen Identifikation mit der Umma Kapital zu schlagen, um den Zusammenhalt des Islam unter seiner Führung zu fördern. .... Zweitens: Die Idee der Umma setzt die Illegitimität des Nationalstaates voraus, und doch ist die Umma nur durch das Handeln eines oder mehrerer starker Kernstaaten zu einigen. Doch diese gibt es heute nicht. Das Konzept des Islam als einer einheitlichen religiös-politischen Gemeinschaft hat in der Vergangenheit Kernstaaten nur in Erscheinung treten lassen, wenn religiöse und politische Führung, Kalifat und Sultanat, in einer einzigen Herrschaftseinrichtung verbunden waren. (Vgl. Omaijaden, Abbasiden, Osmanen, Moguln). ... Der Aufstieg des Westens unterminierte sowohl das Osmanische als auch das Mogulreich, und das Ende des Osmanischen Reiches ließ den Islam ohne Kernstaat zurück. .... Das Fehlen eines islamischen Kernstaates ist ein ausschlaggebender Faktor in den durchgängigen inneren und äußeren Konflikten, die den Islam kennzeichnen. Islamisches Bewußtsein ohne islamischen Zusammenhalt ist eine Quelle der Schwäche für den Islam und eine Quelle der Bedrohung für andere Kulturen. Wird dieser Zustand andauern?“  (S. P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 279-285 Huntington).

Gegenwärtig erfüllt keiner der sechs Staaten, die immer wieder als mögliche Führungsmächte des Islam im Gespräch sind, die für einen effizienten Kernstaat notwendigen Voraussetzungen. „Indonesien ist das größte muslimische Land und erlebt ein rapides wirtschaftliches Wachstum. Es liegt jedoch an der Peripherie des Islam, weit ab von dessen arabischem Zentrum; sein Islam ist ein gelassener, südostasiatischer Islam; seine Menschen ... sind eine Mischung aus einheimischen, muslimischen, hinduistischen, chinesischen und christlichen Einflüssen. Ägypten ist ein arabisches Land mit einer großen Bevölkerung, einer zentralen, strategisch wichtigen Lage im Nahen Osten und der führenden Institution islamischer Gelehrsamkeit, der Al-Azhar-Universität. Es ist jedoch auch ein armes Land, wirtschaftlich abhängig von den USA, von westlich kontrollierten internationalen Organisationen und den erdölreichen arabischen Staaten. Iran, Pakistan und Saudi-Arabien haben sich alle ausdrücklich als muslimische Länder definiert und massive Versuche unternommen, Einfluß auf die Umma auszuüben und in ihr die Führung zu übernehmen. Hierbei rivalisierten sie miteinander in der Förderung von Organisationen, der Finanzierung von islamischen Gruppen, der Unterstützung der Kämpfer in Afghanistan und dem Umwerben der muslimischen Völker Zentralasiens. Iran wäre, was seine Größe, zentrale Lage, Bevölkerung, historischen Traditionen, Ölressourcen und wirtschaftliche Entwicklung auf mittlerem Niveau betrifft, für einen islamischen Kernstaat qualifiziert. Jedoch sind neunzig Prozent der Muslime Sunniten, während der Iran schiitisch ist; Persisch liegt weit hinter dem Arabischen als Sprache des Islam; und die Beziehungen zwischen Persien und Arabien waren in der Geschichte stets von Gegensätzen geprägt. Pakistan hat die notwendige Größe, Bevölkerung und militärische Fähigkeit, und seine Führer haben ziemlich konsequent versucht, eine Rolle als Wegbereiter der Kooperation unter den islamischen Staaten und als Sprecher des Islam in der übrigen Welt zu beanspruchen. Pakistan ist jedoch relativ arm und krankt an schweren inneren ethnischen und regionalen Zwistigkeiten, an seiner notorischen politischen Instabilität und an der Fixierung auf sein Sicherheitsproblem gegenüber Indien. Dies erklärt zu einem wesentlichen Teil sein Interesse an der Entwicklung enger Beziehungen zu anderen islamischen Ländern sowie zu nichtmuslimischen Mächten wie China und den USA. Saudi-Arabien war die ursprüngliche Heimat des Islam; dort liegen die größten Heiligtümer des Islam; seine Sprache ist die Sprache des Islam; es hat die größten Ölreserven der Welt und den entsprechenden finanziellen Einfluß; und seine Regierung hat die saudische Gesellschaft streng im Sinne des Islam geformt. Während der 1970er und 1980er Jahre war Saudi-Arabien der einflußreichste Einzelfaktor in der muslimischen Welt. Das Land gab Milliarden von Dollar für die Unterstützung muslimischer Anliegen in der ganzen Welt aus, von Moscheen und Lehrbüchern bis zu Parteien, islamistischen Organisationen und terroristischen Bewegungen. Auf der anderen Seite machen die relativ kleine Bevölkerung und seine geographische Verwundbarkeit das Land in Sicherheitsfragen vom Westen abhängig. Schließlich hat die Türkei die notwendige Geschichte, Bevölkerung, mittlere Wirtschaftsentwicklung, nationale Geschlossenheit und militärische Tradition und Kompetenz, um als Kernstaat des Islam zu gelten. Doch Atatürk, der die Türkei ausdrücklich als laizistische Gesellschaft definierte, hinderte die Türkische Republik daran, in dieser Rolle dem Osmanischen Reich nachzufolgen. Die Türkei konnte aufgrund ihres in der Verfassung verankerten Laizismus nicht einmal Gründungsmitglied der Organisation der Islamischen Konferenz werden. Solange die Türkei sich weiterhin als säkularer Staat definiert, bleibt ihr die Führung des Islam versagt. Wie aber, wenn die Türkei sich neu definierte?  An einem bestimmten Punkt könnte die Türkei es leid sein, die frustrierende und demütigende Rolle des Bittstellers zu spielen, der um Aufnahme in den Westen bettelt, und sich auf ihre viel eindrucksvollere und herausragende historische Rolle als wichtigster islamischer Gesprächspartner und Antagonist des Westens besinnen. Der Fundamentalismus ist in der Türkei auf dem Vormarsch; unter Özal unternahm die Türkei umfangreiche Bemühungen, sich mit der arabischen Welt zu identifizieren; sie hat aus ethnischen und sprachlichen Bindungen Kapital geschlagen, um eine bescheidene Rolle in Zentralasien zu spielen. Sie hat den bosnischen Muslimen Ermutigung und Unterstützung zuteil werden lassen. Von allen anderen muslimischen Ländern unterscheidet sich die Türkei durch ihre tiefgreifenden historischen Beziehungen zu Muslimen auf dem Balkan, im Nahen Osten, in Nordafrika und Zentralasien. So könnte die Türkei denkbarerweise »Südafrika spielen«: den Laizismus als ebenso wesensfremd verwerfen, wie Südafrika die Apartheit verwarf, und sich damit vom Pariastaat ihres Kulturkreises zum führenden Staat dieses Kulturkreises mausern. Nachdem es in Form von Christentum und Apartheit das Beste und das Schlechteste des Westens kennengelernt hat, ist Südafrika besonders qualifiziert, in Afrika eine führende Rolle zu übernehmen. Nachdem sie in Laizismus und Demokratie das Schlechteste und das Beste des Westens kennengelernt hat, mag die Türkei ebenso qualifiziert sein, den Islam zu führen. Dazu müßte sie aber das Erbe Atatürks noch gründlicher verwerfen, als Rußland das Erbe Lenins verworfen hat. Auch bedürfte es eines Führers vom Kaliber Atatürks, eines Führers, der religiöse und politische Legitimität in sich vereinigte, um aus dem zerissenen Land (Türkei) Türkei einen Kernstaat des Islam zu machen.“ (S. P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1996, S. 285-288 Huntington).

 

 

 

Blase „Welt“ AbendlandKultur

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Auf die abendländische Kultur wird auf vielen anderen Seiten auch intensiv eingegangen. Verweise:

Phasen

Einnistung
Embryonik
Fötik
Geburt
Selbst
Spracherwerb
Schrifterwerb
Wissensschulung
Aufklärung
Ehe
Krise
Befruchtung
Jahrhunderte
1. bis 4. Jahrhundert
4. bis 6. Jahrhundert
6. bis 8. Jahrhundert
8. bis 11. Jahrhundert
11. bis 13. Jahrhundert
13. bis 15. Jahrhundert
15. bis 16. Jahrhundert
17. bis 18. Jahrhundert
18. Jahrhundert
18. bis 19. Jahrhundert
19. bis 20. Jahrhundert
20. bis 23. Jahrhundert

 

Kultur
Germanentum, Römerreich, Christentum - diese drei Faktoren bildeten die Basis für die Abendland-Kultur. Der Gedanke an ein Reich spielte von Beginn an kulturgenetisch bedingte Rolle: reichshistorisch (römisch), reichsreligiös (christlich) und reichskybernetisch (germanisch). Ohne die Germanen gäbe es keine Abendland-Kultur, kein Europa. Ohne die Germanen hätte sich das Abendland nicht zu einer selbständigen Kultur entwickeln können. Die Germanen sind die Gründer Europas.

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Den Kampf der Kulturen prophezeite schon Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832Goethe). Nach ihm rissen die Beschäftigungen mit diesem Thema nicht mehr ab, auch wenn es im Schatten anderer Leitthemen stand. Vollends ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt wurde dieses Thema 1917, als Oswald Spengler im „Untergang des Abendlandes“ (Spengler) , den er bekanntlich mittels der vergleichenden Methode auch mit dem „Untergang der Antike“ (LERNEN) konfrontierte, für das Abendland die schon Ende des 18. Jahrhunderts (Industrialisierung, Bürgerliche Revolution u.s.w.) begonnene kulturelle Vollendung - den Zivilisationsprozeß - und den damit verbundenen (zunächst aber noch schleichenden) Synkretismus (siehe oben: 18-24 Uhr) diagnostizierte und dessen Bekämpfung durch das Abendland in der Phase des Cäsarismus (22-24 UhrSynkretismus) prognostizierte. Daß es einen Kampf oder Zusammenprall der Kulturen geben wird, war also schon seit Goethe klar - lange vor Huntingtons Buch „Clash of Civilizations“ (1996Huntington). Schon vor Huntingtons „Thesen über den weltweiten Kampf der Kulturen.“ war auch „der militante Aufbruch islamischer Religiosität“ erkennbar, jedenfalls „für die Eingeweihten ....“ (Peter Scholl-Latour, Weltmacht im Treibsand, 2004, S. 50). „Das Abendland ist immer noch immens reich, aber es ist schwach. Ihm fehlt die moralische Substanz zur dezidierten Selbstbehauptung. Kurzum, alle Prämissen eines fatalen »Untergangs« sind gegeben. So unrecht hatte Oswald Spengler wohl nicht.“ (Peter Scholl-Latour, Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?,  2002, S. 48). Wahrscheinlich hat Huntington auch die „Friktionen“ (Friktionen) von Carl Philipp Gottfried von Clausewitz (1780-1831Clausewitz) beachtet, denn er sieht „in den Zusammenstößen, Reibungen, Konflikten zwischen den großen Kulturkreisen auf der Basis unterschiedlicher Religionen und divergierender Weltbilder die Hauptrolle künftiger Auseinandersetzungen.“  (Hans-Ulrich Wehler, Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 2003, S. 61). „Daß die Herrschaft des Volkes nicht in den Kosmopolitismus, sondern in den Provinzialismus führt, hat auch Huntington als das demokratische Paradoxon bezeichnet.“  (Norbert Bolz, Das konsumistische Manifest, 2002, S. 30Bolz). Was, wie und wieviel Huntington aus Spenglers Werken abgeschrieben haben könnte, ist weniger entscheidend, mehr entscheidend ist, daß er von Spengler inspiriert wurde!Lange vor Huntington hatte auch Toynbee (Toynbee) an Spengler angeknüpft, und weil Spengler von Nietzsche und Goethe inspiriert worden war (Dank), gibt es eine kulturphilosophische Linie von Goethe und Schopenhauer über Nietzsche und Spengler zu Toynbee und Huntington. Goethe

„Der ... ›Kampf der Kulturen‹ (Kampf der Kulturen) ist tatsächlich entbrannt - in der westlichen Welt und an ihren Grenzen. Im Konflikt erst wird wieder deutlich, welche voraussetzungsreiche geistige Disposition das Lebensmodell der westlichen Demokratie überhaupt erst möglich macht. Es muß nämlich das Prinzip der Gewaltenteilung verinnerlicht worden sein. .... Die Gewaltenteilung regelt nicht nur das Miteinander, sondern wird darüber hinaus ins Individuum verlegt. .... Aber täuschen wir uns nicht: Das komplizierte System der Gewaltenteilung am eigenen Leibe ist eigentlich eine Zumutung für die Menschen, die gerne ein Leben aus einem Guß führen möchten ohne den Widerstreit verschiedener Wertsphären innerlich austragen zu müssen. Darum merkt man erst an den umkämpften Konflikt- und Bruchlinien die Fragilität des westlichen Lebensmodells, das vielleicht doch zu voraussetzungsreich ist, um als globales Paradigma der Vergesellschaftung gelten zu können. Gleichwohl lohnt es sich für uns, die Nutznießer, dieses Modell zu verteidigen, auch und gerade wenn man sich eingesteht, daß Demokratie mit Glaubens- und Meinungsfreiheit, mit Gewaltenteilung und Trennung von Religion und Politik ein eher seltenes Gewächs in der menschlichen Geschichte ist und wenig dafür spricht, daß es global triumphieren könnte.“ (Rüdiger Safranski, Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?,  2003, S. 59ff.). Wer sich dabei einfach nur den diffusen Thesen der Meinungsmacher anschließt, dem wird nicht nur der Verteidigungswille, sondern überhaupt der Verstand geraubt (Jupiter). Viele Nutznießer wissen ja heute schon nicht mehr, was man so außer sich noch verteidigen könnte. Ihnen fehlt der Verstand zum Urteil, zur Entscheidung für den Gemeingeist (Gemeingeist). Wofür entscheiden?  Für die Menschheit?  Ja!!! Für die Kultur?  Ja!! Für Land oder Volk als Nation?  Ja! „Der Forderung des spanischen Historikers Josep Fontana ist daher zuzustimmen, daß jedes Land nach seiner eigenen Entwicklung zu beurteilen sei; es sei verfehlt, die allgemeine Geschichte so zu deuten, als wenn alles auf das System der angloamerikanischen Regierungsform hinauszulaufen habe. Der aggressive Egoismus, das »pursuit of happiness«, der westlichen Gesellschaften habe sich festgelaufen und kulturell wenig Überlebenschancen. Es ist leider eine Tatsache, daß die waffentechnische Überlegenheit des Westens seine abnehmende kulturelle und moralische Substanz nicht auszugleichen vermag. Erst heute zum Beginn des 21. Jahrhunderts wird spürbar, wie richtig das Empfinden des 19. Jahrhunderts war, zwischen Kultur und Zivilisation zu unterscheiden.“ (Ehrhardt Bödecker, Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2004, S. 49). Mehr

 

„Überall dort, wo die Menschen zu schreiben und zu lesen
verstanden und sich Literatur entwickelte, wurde die
Vergangenheit angenommen und literarisch verarbeitet,
vielfach mit anerkennenden und pädagogischen Absichten.“
(Ehrhardt Bödecker Bödecker). Historienkulturelle Absichten.

 

 

Blase „Welt“ Historienkulturelle Kapazitäten

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Distributionsmaximum (das Vorkommen oder die Vielfalt von Kulturen) und Raummaximum waren in der 1. Teilperiode, in der Mesopotamien (Sumer) und Ägypten die beiden einzigen Historienkulturen waren, mit 7% (D) und 5% (R) zwar noch gering, aber dafür wurde die bislang größte „Kulturdichte“ erreicht: 1,4 (D/R). In der 2. Teilperiode lebten die nun schon alten Kulturen Mesopotamien (Sumer) und Ägypten zwar noch, aber die eigentlichen kulturellen Akteure dieser Zeit waren Indien, China, Antike, 7 Jahrhunderte später auch Maya/Inka, 11 Jahrhunderte später auch Persien/Arabien. In dieser 2. Teilperiode wurde mit 25% (D) ein Maximum an Distribution erreicht, das bis heute als Rekord gilt. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß Karl Jaspers (Jaspers) gerade hier die „Achsenzeit“ (Jaspers) verorten und zeitlich auf die hochkulturelle Blüte der Kulturen Indien, China, Antike fixieren konnte, denn von ca. 720 bis 360 waren diese drei gleichaltrigen Kulturen in ihrer Hochform, und vor ihnen hatte schon im 18. Jh. Ägypten seine Hochform beendet. Deshalb nenne ich Jaspers' Achsenzeit das „Kulturenbündel“. Sieben der acht Kulturen - einige mehr, andere weniger - waren die Akteure dieser Teilperiode, der Zeit vom 21. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr.. Mit 25% (R) wurde ein Raummaximum ereicht, das immerhin fünf mal größer war als in der 1. Teilperiode. Um den Faktor 1,4 niedriger als in der 1. Teilperiode, dafür aber fünfmal höher als in der 3. Teilperiode war die „Kulturdichte“ der 2. Teilperiode: 1 (D/R). Es war also wirklich viel los in dieser Zeit, der Hochzeit der Kulturenvielfalt, positiv wie negativ. In der 3. Teilperiode, die noch heute andauert, aber schon auf die Vollendung zielt, wurde bislang nur noch ein Distributionsmaximum von 20% erreicht, denn ihr waren bislang auch nur sechs Kulturen angehörig, und die Antike verstarb schon zu Beginn dieser Teilperiode, die Kultur der Mesoamerikaner (Maya/Inka) zu Beginn der Hochzeit dieser Teilperiode. Man merkt, daß die 3. Teilperiode sich zeitlich exakt mit dem Abendland deckt - so wie die 2. Teilperiode mit Indien, China, Antike und die 1. Teilperiode mit Mesopotamien (Sumer). Daß die 3. Teilperiode vom Abendland dominiert wurde und wird, ist besonders am erreichten Raummaximum erkennbar: 90% (R); über 50% davon kontrollierte das Abendland z.B. um 1920. Das Abendland ist bekanntlich die einzige Kultur, die den gesamten Globus erobert hat. Kulturell dominieren konnte sie ihn aber nicht überall und in bestimmten Räumen auch nur vorübergehend. Von den vier heute noch existierenden Kulturen behauptet das Abendland zwar immer noch den größten Anteil an Raum, doch haben die anderen viel Raum zurückgewinnen können, insbesondere die magische Kultur (Persien/Arabien). Übrigens bedeuten 90% Raummaximum auch, daß der Rest (10% ) des Globus der Raum ist, der nicht zu den von mir als Historienkulturen geltenden Kulturen zählt. Diese 10% sind ein Raum, in dem gar keine oder zumeist solche Völker leben, die noch in ur-/vorkultureller Entwicklung sind - wie z.B. die sogenannten „Naturvölker“ - oder nicht eindeutig zugeordnet werden können. In der 3. Teilperiode ist vor allem wegen des hohen Raummaximums die „Kulturdichte“ so gering: 0,2 (D/R). Das ist die bislang geringste „Kulturdichte“. Diese statistische Sichtweise und mehr noch der Blick auf die jüngste Geschichte verleiten zu der These, daß die Enwicklung auf nur eine Kultur abzielt, eine „Universalkultur“, wie die „Schwärmer“ sagen. Aber Vorsicht! Das würde nämlich auch bedeuten, daß die von mir als Historienkulturen bezeichneten Kulturen immer mehr gegen Null streben müßten und/oder ihr Raummaximum gegen oder besser ins Unendliche streben müßte. Die Menschen, die in den unendlichen Raum streben und dort zu siedeln beginnen werden, werden sehr rasch ihre alte Kultur vergessen müssen. (Absolute Inseln - absolute Isolierung?Weltraum-Nomadentum). Selbst dann, wenn sie dies nicht wollen würden, und anfangs werden sie es nicht wollen, hätten sie keine andere Wahl, als sich von dem Schicksal die neue Kulturform vorschreiben zu lassen. Die Kulturgenetik „informiert“ auf ihre Weise auch das Kontrollvolk als Steuerungssystem. Wer diese Rolle ausüben wird, wenn Menschen im Weltall zu siedeln beginnen, kann niemand exakt vorhersagen.


In meiner Theorie wird Kultur vor allem als eine  G e m e i n s c h a f t s f o r m  - in etwa so wie Kulturkreis - verwendet, und zwar vornehmlich bezogen auf zwei Erscheinungen ():
(1.) Menschenkultur (Evolution bzw. Geschichte der Menschheit) als ein bis heute relativ abstrakt gebliebener Kulturkreis, da die Kultur dieser einen Menschheit ja konkret kaum existiert.
(2.) Historienkultur als die aus bislang 8 Historienkulturen bestehende Historiographiekultur, und das heißt: die „Moderne der Moderne der Menschenkultur“ bzw. die „Historiographiekultur der Historisierung der Menschenkultur“ oder die „Zivilisation der Zivilisation der Menschenkultur“.
Man kann die Entwicklung der Menschheit evolutiv und/oder histori(ographi)sch beschreiben, aber sie blieb so lange nur evolutiv, so lange ihr die Schrift fehlte - also ist sie erst seit Beginn der Schrift zusätzlich auch historiographisch. Gemäß meiner Theorie ist die Schriftlichkeit - zusätzlich zu der ihr vorausgegangenen Seßhaftigkeit, der „Neolithischen Revolution“, den ersten Städten u.ä. - der Grund für die notwendige Aufteilung einer Erscheinung in zwei Erscheinungen: Menschenkultur (Evolution bzw. Geschichte der Menschheit) und die in ihr enthaltene Historiographiekultur (Historienkultur) mit den unterschiedlichen Historienkulturen. Die Aufteilung in diese beiden menschlichen Kulturphänome ist auch aus folgendem Grund sehr sinnvoll: Die Menschenkultur hat bis heute keine wirkliche Einheit bzw. kein wirkliches Organisationssystem werden können, aber ihre einzelnen Historienkulturen dagegen sehr wohl. Die Menschenkultur ist also bis heute sehr blaß und abstrakt geblieben - ganz im Gegenteil zu ihren Historienkulturen.
(1.) Die Menschenkultur umfaßt die Evolution bzw. die Geschichte der Menschheit, das heißt: die „Prähominisierung“ (Prähominisierung), „Hominisierung“ (Hominisierung), „Sapientisierung“ (Sapientisierung), „Historisierung“ (Historisierung). Mit ihrer Moderne als ihrer Historisierung beginnt auch ihre Zivilisation, obwohl Moderne und Zivilisation nicht dasselbe bedeuten.
Die Menschwerdung ist noch lange nicht beendet. Sie wird definitiv erst mit dem Tod des letzten Menschen beendet sein. Das letzte echte Gefühl der Zusammengehörigkeit der Menschen als eine Menschheit war vielleicht die „Mondlandung“ (1969). Aber Einrichtungen wie die UNO, die ein historienkulturelles - nämlich ein abendländisches (und innerhalb des Abendlandes ein angelsächsisches und also ein genuin sehr wikingerhaftes [Motto: „Nimm dir, was du haben willst!“], zu „individuelles“ und deshalb unbrauchbares) - Konstrukt ist, oder die WTO dienen nur der Minderheit (4%) einer Minderheit (20%20% der Menschheit) aller Menschen (100%). UNO, WTO, Weltbank und IWF sind also eher Beispiele dafür, daß ein Zusammengehörigkeitsgefühl aller Menschen gerade nicht entstehen soll. Die echten Gefühle dafür müssen aus der kulturellen Seele (Kulturseelenbild) selbst kommen.
(2.) Die Historienkultur ist die aus 8 Historienkulturen (unterschiedlich !) bestehende „Moderne der Menschenmoderne“, das heißt: „Moderne der Moderne der Menschenkultur“ bzw. „Historiographiekultur der Historisierung der Menschenkultur“ oder eben sogar „Zivilisation der Zivilisation der Menschenkultur“.
Historienkultur bedeutet somit einerseits die Moderne der Moderne der Menschenkultur und andererseits die eigenartigen und sich unterschiedlich (gemäß Spenglers Theorie zu wenig und gemäß Toynbees Theorie zu viel) beeinflussenden Historienkulturen (in der Fachliteratur oft „Hochkulturen“ oder auch einfach nur „Kulturen“ genannt), für die gilt: je näher, desto mehr Berührungen, gegenseitiger Einfluß und also Beziehungen, aber eben auch entschiedene Abgrenzung voneinander (vgl. AbbildungAbbildung).
Meine Theorie über Kulturen (einschließlich deren Zivilisationen) ist zwar nicht unerheblich von Goethe und Nietzsche und darum am meisten von Spengler beeinflußt (Dank), hebt sich aber trotzdem in gar nicht wenigen Aspekten von diesen Aspekten, von allen ab, weshalb ich sie als doch ziemlich unabhängig bezeichnen möchte. Mein Konzept von den zwei menschlichen Kulturerscheinungen (als den zwei Kulturbahnen) ist sogar bisher von niemandem sonst vorgestellt worden, also einzigartig. In meiner Theorie sind Kulturen im allgemeinen und im besonderen (z.B. die verschiedenen Historienkulturen) als den Lebewesen sehr ähnlich aufzufassen. Außerdem sind alle Historienkulturen als Abweichungen (besonders in der künstlerischen Art bzw. Form) von der Menschenkultur zu verstehen, in die sie über ihre Modernen bzw. Zivilisationen allmählich wieder einmünden - allerdings auf jeweils andere, nämlich kulturspezifische Art und Weise. Insofern und auch aufgrund anderer Hypothesen, z.B. auch der über die „vorgeburtliche“ Existenz einer jeden Kultur, unterscheidet sich meine Kulturtheorie auch sehr von Spenglers Kulturtheorie.
Die abendländische Kultur (Abendland) ist übrigens die einzige Kultur, die es tatsächlich geschafft hat, den Globus zu erobern und also ihre Globalisierung - sie ist grundsätzlich Absicht, Ziel bzw. Finalität jeder Kultur (ähnlich dem Motto: „Ausdehnung ist alles“) - in eine Wirklichkeit umzusetzen (Abendländische Kulturgeschichte bedeutet Globalisierung). Um das zu können, muß man aber zunächst noch nicht so wirtschaften wie heute, sondern zuvor (!) eine kulturelle Gemeinschaft gebildet haben. Kulturelle Gemeinschaft - vor allem als Gefühl (!) - ist die Voraussetzung dafür, nicht ihre Wirtschaft, die lediglich eine Folge davon ist, wenn auch bald so stark, daß sie gerade das historienkulturelle Gemeinschaftsgefühl fast ganz in den Schatten zu stellen vermag und als ein „Motor“ für die oben erwähnte Einmündung der Historienkulturen in die Menschenkultur fungiert, obwohl diese Einmündung bisher noch nie so richtig geklappt hat, weil die Menschenkultur ein zu sehr abstraktes und also zu wenig konkretes Gebilde ist. Die abendländische Kultur hat also wegen ihrer tatsächlich realisierten Eroberung des Planeten Erde die Möglichkeit zum Beweis, ob ihr eine solche Einmündung gelingt (dafür müßte sie alle anderen Menschen und damit alle anderen noch existierenden Kulturen integrieren [ich persönlich glaube, daß sie gerade das nicht kann]). Die Wirtschaft hat sich im Abendland bereits viel zu sehr von der Kultur als der Gemeinschaft getrennt, und die Kulturgemeinschaft selbst ist offensichtlich nicht mehr fähig, die Wirtschaft zu zähmen. Die abendländische Wirtschaft hat sich von der abendländischen Kultur so sehr „emanzipiert“, daß sie neben anderen abendländischen Erscheinungen eine ziemlich große Gefahr für den Untergang des Abendlandes bedeutet.

Was die Menschengeschichte in ihrer Singularität angeht, so kann man sagen, daß nur die Menschen-Kultur (zu der wir ja immer noch gehören, denn die Menschwerdung ist noch nicht vollendet!) und ihre Moderne - die Neanthropinen-Kultur (Historisierung oder: Homo-sapiens-sapiens-Kultur) - kultursingulär sind. (). Alle weiteren menschlichen Kulturen sind von dieser 3. Moderne abgeleitete Modernen (Schema) ! Also ist die abendländische Kultur eine Spätkultur, und als ein Teil (nämlich der dritte Teil) der Neanthropinen-Moderne ist sie die Spätmoderne der Neanthropinen-Kultur (Menschen-Moderne). Unsere Moderne ist also die Moderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne (Neanthropinen-Kultur) innerhalb der Menschen-Kultur. Und was wir heute Spätmoderne nennen, ist eine Spätmoderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne innerhalb der Menschen-Kultur. Manche Leute verstehen unsere Spätmoderne einer Spätmoderne der Menschen-Moderne nur deshalb als Postmoderne, weil das Späte im Späten für sie so schwer zu denken ist. Moderne

Singuläre Ereignisse bezeichnet man allgemein als „Wunder“! Die Menschengeschichte (oder Menschen-Kultur) ist also etwas Wunderbares. Das „Zufällige“ an ihr, was die Religiösen auf Götter, Göttlichkeiten oder den einen Gott zurückführen, können wir nicht verstehen, sondern nur beschreiben. Wunderlich und wunderbar ist ja schon die Natur, genauer: die 1. Kultur und ihre 1. Moderne als 2. Kultur (Höheres Leben). Singulär an uns Menschen ist, daß wir es „nur“ als Menschen-Kultur sind („nur“ als 3. Kultur oder „nur“ als 2. Moderne der 1. Kultur oder „nur“ als 1. Moderne der 2. Kultur) mit „nur“ einer singulären Menschen-Moderne, der 3. Moderne als der 4. Kultur (Neanthropinen-Kultur oder Homo-sapiens-sapiens-Kultur bzw. Historisierung). Für unser Verständnis von „Kultur“ sind deshalb „nur“ vier Singularitäten relevant (umgangssprachlich gesprochen): die Natur, das Leben, die Menschheit und ihr vorerst Letztes, und das ist (jetzt nicht mehr umgangssprachlich gesprochen): Homo sapiens sapiens ! (Alles weitere von Menschen Hervorgebrachte ist pluralistisch). Seit Homo sapiens sapiens die 4. Moderne als 5. Kultur (Historienkulturen oder Einzelkulturen bzw. Historiographik) entwickelte, ist die Welt der Menschen multikulturell. Entstünde also in Zukunft sogar eine menschliche „Universal-Kultur“ (deren Konzept „ein typisches Produkt des westlichen Kulturkreises“ ist; vgl. S. P. Huntington Kampf der Kulturen, 1996, S. 92Huntington), würde sie eine Singularität sein, denn sie würde nicht mehr multikulturell, sondern monokulturell sein. Interessanterweise sind es ausgerechnet die Multi-Kulti-Prediger des Westens, die das Multikulturelle abschaffen wollen! - Und das ist bekanntlich kein Wunder! Huntington

 

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Die sehr gefährlichen Auswirkungen für einen Planeten, der der Sonne zu nahe käme, sind vergleichbar mit denen für eine Kultur (n), die der Technik (Technik) zu nahe käme. Das für Menschen am nächsten gelegene Zentrum namens „Anthropotechnik“ oder „Menschheit“ (dazu gehört übrigens auch die „Humanitas“) mit ihrer Geschichte (Bahn „M“) wurde durch alle acht Historienkulturen und ganz besonders durch die des Abendlandes zwar nicht wirklich, aber doch scheinbar verändert, nämlich mehr oder weniger nur aus Sicht der jeweiligen Kultur, weil nur sie ihre Geschichte (Bahn „H“) verändert hat - als hätte ein am zweitnächsten gelegenes Zentrum namens Technik die betreffende Kultur zur Änderung ihrer Bahn veranlaßt (!): denn auf ähnliche Weise wie eine Sonne als eine übergeordnete Technik ist nur die Technik als die echte Technik auch dazu fähig, Kulturen und all ihre Untergeordneten oder Abhängigen in eine exzentrische Bahn bzw. in eine besonders außergewöhnliche Geschichte zu zwingen. Die abendländische Kultur ist die einzige Kultur, die im Verlauf ihrer Geschichte (das heißt kulturtechnisch gesprochen: im Umlauf um ihre Technik) auf angenehm warme, helle und gefährliche Weise der Technik schon sehr nahe gekommen ist und in Zukunft sogar noch näher kommen wird. Die Vor- und Nachteile sind also einleuchtend.

Jede Historienkultur dreht sich um sich selbst und um die Menschen-Kultur, die Menschen-Kultur dreht sich um sich selbst und nur um die reine Natur. Den Drehimpuls für die Eigendrehung und die Umdrehung um ein Zentrum überträgt die Technik der Natur teilweise auf die Menschen-Kultur. Den Drehimpuls für die Eigendrehung und die Umdrehung um die Natur überträgt die Technik der Menschen-Kultur teilweise auf jede Historienkultur. Den Drehimpuls für die Eigendrehung und die Umdrehung um die Menschen-Kultur überträgt jede Historienkulturtechnik jedoch (noch) nicht weiter als bis auf die Wirtschaft (n). Doch die Eigendrehung und die Umdrehung der Wirtschaft um eine Historienkultur ist mit deren Eigendrehung und deren Umdrehung um die Menschen-Kultur synchronisiert. Die Wirtschaft ähnelt also dem Mond. Eine jede Historienkultur ähnelt einem Planeten. Der Mond ist aber kein Planet, sondern als dessen Trabant nur Teil in dessen System, und die Wirtschaft ist keine Historienkultur, sondern als deren Trabant nur Teil in deren System. Jede Historienkultur verfügt zwar über eine eigene Technik, doch die kann den Drehimpuls (noch) nicht richtig übertragen. Abendland

Um zu verstehen, warum wir Menschen einerseits die Technik direkt und andererseits eine nur für Menschen typische Technik („Anthropotechnik“) und somit die Technik nur indirekt „umkreisen“ (spiralförmig), muß man die Entwicklung der Menschen begreifen als Bewegungen auf mindestens zwei Bahnen („M“ und „H“). Es gibt einerseits die Menschen-Kultur mit ihrer Evolution (+ Geschichte!) als Bahn („M“) und andererseits die zu ihr gehörenden Historienkulturen als Vertreter der schriftlichen Historiographie-Kultur, die aus der Menschen-Kultur durch deren Historisierung herausbewegt und dadurch auf eine eigene Bahn („H“) gelenkt worden ist. Und diese eigene Bahn oder selbständige Geschichte ist eine nur scheinbar selbständig gefundene oder erfundene Geschichte. Wenn z.B. die abendländische Kultur mit Hilfe ihrer Technik (Kulturtechnik des Abendlandes) aus der nur für Menschen so typischen Technik (Kulturtechnik der Menschen-Kultur) namens Anthropotechnik wieder eine nur für die Natur so typische Technik (Kulturtechnik der Natur) machen will, dann erstrebt sie die direkte Herrschaft durch die Technik, die sie von ihrer eigenen Bahn als ihrer scheinbar selbständigen Geschichte ablenkt, wodurch letztendlich sogar die „H“-Bahn verschwinden und nur noch die „M“-Bahn oder sogar keine von beiden übrig bleiben könnte. (Tabelle). Die Technik hat eben auch zwei Seiten: „Homöotechnik“ und „Allotechnik“. Technik

Noch einmal zum Verständnis:
Jede der einzelnen Historienkulturen ist sowohl eine Kultur für sich als auch ein Teil der Menschen-Kultur, die selbst eine Kultur ist. Man muß diese kulturelle Einschachtelung stets berücksichtigen, um zu verstehen, daß Kulturen in diesem Sinne nichts anderes sind als abgeleitete Modernen aus einer ursprünglichen Kultur: die Natur (Universum, Galaxien u.s.w.) als 1. Kultur ermöglicht die 1. Moderne („Höheres Leben“); das „Höhere Leben“ als 2. Kultur ermöglicht die 2. Moderne (Menschwerdung oder: Menschen-Kultur; die Menschen-Kultur als 3. Kultur ermöglicht die 3. Moderne (Historisierung oder: Neanthropinen-Kultur); die Neanthropinen-Kultur als 4. Kultur ermöglicht die 4. Moderne (Historiographik oder: Historien-Kultur); die Historien-Kultur als 5. Kultur ermöglicht die 5. Moderne  (Historismus oder: Modernismus). Vgl. meine Modernen-Theorie: 5+X (5 + X5 + X5 + X). Der Historismus ist als Moderne (5) das Ergebnis einer jeden der hier erwähnten acht Historienkulturen, die aber nur eine Historien-Kultur (Historiographik) vertreten, denn die ist als Moderne (4) das Ergebnis der Historisierung, diese als Moderne (3) das Ergebnis der Menschwerdung, diese als Moderne (2) das Ergebnis des Höheren Lebens, dieses als Moderne (1) das Ergebnis der 1. Kultur, die wir Natur nennen.

Nur abendländische Menschen konnten mit ihrem „faustischen“ Wissens- und Forschungswillen auf die Idee kommen zu behaupten, nur der „Unendliche Raum“ sei das, mit dem ein „Faust“ alles erklären könne (Seelenbild und Ursymbol): Der Unendlichkeitsraum begann unendlich klein und wird unendlich groß und unendlich alt werden. Das „anthropische Prinzip“ (Anthropisches PrinzipAnthropisches Prinzip) bestätigt diesen Glauben und verleiht ihm noch mehr Subjektivität: Es muß mindestens einen Beobachter (Menschen) geben, um mit den Mitteln der Wissenschaft zu beweisen, daß es einen Beobachter (Menschen) überhaupt geben kann. Gott ist während der abendländischen Geschichte mehr und mehr dem Subjekt namens Faust gewichen. Für Menschen der magischen Kultur mit ihrem strengen Monotheismus ist so etwas Gotteslästerung. Für sie zählt nur der eine Gott, und für sie ist es eine Sünde, Gott wissenschaftlich erforschen oder erklären zu wollen. Für Morgenländer ist nämlich das, was die Abendländer den „Unendlichen Raum“ nennen, Gottes Gesetz und nicht ein Naturgesetz, hinter dem ja doch nur wieder das Gesetz eines Menschen steht oder eine wie auch immer von ihm naturwissenschaftlich konstruierte Selbstorganisation. Aber alle Menschen scheinen einverstanden zu sein mit der These, daß es so etwas wie ein Baumeister (ob Natur, Gott, Selbst oder einfach nur ein Prinzip u.s.w.) gewesen sein muß, der als Haupt-Techniker nicht nur alle Schrauben, sondern die Technik überhaupt und alle anderen Techniken so eingestellt hat, daß es das Universum, das Leben und uns Menschen überhaupt geben kann.

    
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Blase „Welt“


Anmerkungen:


Phase ist für mich der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch technische und künstlerische Richtungen, aber auch durch ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60-80 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 200-300 Jahre, die etwa jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel etwa 180 Jahre. Ein Kulturquartal umfaßt 3 Phasen und damit durchschnittlich 500-600 Jahre, manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend (Renaissance, Barock und Rokoko). Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten (Jahreszeiten) sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben, z.B. auch vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elter[e]n) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die magische Kultur existieren als Zivilisationen („Erwachsene“) schon länger als das Abendland.

Assyrien-Babylonien weist zwar auf fast verblüffende Weise alle Merkmale einer selbständigen Kultur auf, doch das trifft auch zu auf die diversen Nachfolgereiche in der ägyptischen Kultur, der indischen Kultur, der chinesischen Kultur, der mesoamerikanischen Kultur und der magisch-arabischen Kultur - alles steinalte (bzw. höchstziviliserte) Kulturen. Auch Ägypten erreichte ein Alter von über 3 Jahrtausenden, die Mesoamerikaner von fast 3 Jahrtausenden, und Indien, China und Arabien existieren ja heute noch. Indien und China sind heute knapp über 4000 Jahre alt und die magisch-arabische Kultur immerhin schon ca. 3000 Jahre. Zum Beipiel haben die türkischen Seldschuken (seit ca. 1000) oder die türkischen Osmanen (sei 1243) die magisch-arabische Kultur weder zerstört noch erneuert, sondern nur fortgesetzt und ausgedehnt. Ihr Reich ist keine selbständige Kultur, sondern eine der jüngsten zivilisierten Formen der magisch-arabischen Kultur (Persien/Arabien). Auch gilt, daß Assyrien-Babylonien mit seinen „neuen“ Formen, dem Neuassyrischen Reich (883-612) bzw. dem Neubabylonischen Reich (625-539), bereits nach Art einer „Pseudomorphose“ (Pseudomorphose) Anteil hatte an der Formierung einer echt neuen Kultur, nämlich der gerade erwähnten magischen Kultur. So brachten z.B. die von den Persern 539 v. Chr. aus der babylonischen Gefangenschaft befreiten Israeliten die von Zarathustra entwickelte monotheistische Religion (Monotheismus) mit in ihre Heimat und integrierten sie in ihre bisherigen religiösen Vorstellungen, aus denen die n&aml;chste monotheistische Religion hervorging. (Monotheismus). Assyrien-Babylon spielte mit seinen „neuen“ Formen den Vermittler zwischen der mesopotamisch-sumerischen Kultur und der späteren magisch-arabischen Kultur; und das Reich der indogermanischen Hethiter spielte den Vermittler zwischen der mesopotamisch-sumerischen Kultur und der ägyptischen Kultur sowie zwischen der ägyptischen Kultur und der antik-apollinischen Kultur.

Japan ist Teil der chinesischen Kultur, genauer: ein kultureller Teil, der sich entwickelte, als China schon eine Zivilisation war. Die Unterscheidung zwischen Kultur und Zivilisation, die im Deutschen üblich ist und die besonders von Oswald Spengler (Spengler) ausgearbeitet worden ist, ist sinnvoller als die, die z.B. im Englischen üblich ist und die besonders Huntington () Probleme der Zuordnung beschert hat. Wer Japan als eigenständige Kultur auffaßt (vielleich z.B. deshalb, weil es für relativ kurze Zeit anders zu sein schien als der Rest Ostasiens), der kann auch Nordamerika als eigenständige Kultur auffassen. Letzteres würde aber nur vorziehen, wer der abendländischen Kultur den Tod herbeiwünscht. Selbst wenn dieser Wunsch nicht Wunsch wäre, wäre eine selbständige nordamerikanische Kultur trotzdem keine Tatsache, sondern eine vom Paradoxon abgeleitete Nonsensformulierung, denn ohne abendländische Kultur wären alle Staaten Amerikas, insbesonders aber die USA und Kanada, nicht das, was sie sind: ein Ableger der abendländischen Kultur. Ob dieser noch sehr junge Ableger später einmal eine selbständige Kultur sein wird, kann heute niemand wissen. Japan aber ist 2 Jahrtausende alt (und nicht 2 Jahrhunderte jung wie z.B. die USA), und wegen dieser doch langen Historie kann man wissen, daß Japan sich innerhalb des chinesischen Kulturkreises entwickelte und Teil der chinesischen Kultur blieb - trotz mancher Eigenarten und der Tatsache, daß es sich seit der Meiji-Reform () im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts schneller als die anderen ostasiatischen Länder modernisierte.

Mao Tse-tung (1893-1976) wollte China (so wie Stalin Rußland) mit äußerst brutalen Mitteln modernisieren. Trotzdem fällt mir hierzu eine heitere Anekdote ein, die ich bei Rüdiger Safranski (Ein Meister aus Deutschland, 1994, S. 435) gelesen habe und die indierekt auch mit Mao zu tun hat - zu einer Zeit, als Martin Heideggers Ausdruck „Gestell“ als Bezeichnung für die technische Welt in Deutschland die Runde machte (zum ersten Mal hatte Heidegger den Ausdruck „Gestell“ 1949 in Bremen verwendet): „... in dem Kurhaus »Bühlerhöhe«, hoch über Baden-Baden in den Bergen des nördlichen Schwarzwalds gelegen. ... Dort also trug Martin Heidegger vor und diskutierte mit dem afghanischen Kulturminister über abstrakte Kunst und die Bedeutung des Wortes »einräumen«. ... In den späten fünfziger Jahren wurden die »Mittwochabende« am folgenden Tag mit einer Matinee abgeschlossen. Einmal war Heidegger schon abgereist, aber sein Bruder war geblieben. Eine Dame, die Fritz wahrscheinlich für Martin hielt, stellte die Frage, was Heidegger denn von Mao Tse-tung halte. Darauf der listige Bruder: Mao tse ist das Gestell von Lao tse.“

Als Ursymbole bezeichnet Spengler folgende: „Weg“ (ägyptische Kultur), „Nirwana“ (indische Kultur), „Tao (auch als Weg) oder auch Naturlandschaft, Naturarchitektur“ (chinesische Kultur), „Einzelkörper“ (antike Kultur), „Welthöhle“ (magische Kultur), „Unendlicher Raum“ (abendländische Kultur). Neben dem Ursymbol ist auch das Seelenbild wichtig. Beispielsweise sind das Seelenbild der Antike und das Seelenbild des Abendlandes gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid (Euklid) hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß (Gauß) ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. dazu das GermanentumGermanen).

Die magische Kultur hat ein dualistischem Seelenbild: „Geist und Seele“, ihr Ursymbol ist die „Welthöhle“. (Ursymbol). Vgl. Oswald Spengler (Spengler). Vertreter der magischen Kultur berücksichtigen stets den „Consensus“ - die Übereinstimmung der Gelehrten als Grundlage für die religiöse (= „wahre“) Lehre. Das arabische Wort „Idschma“ ist auch in diesem Sinne zu verstehen, und es gilt immer noch als eines der vier Grundprinzipien der islamischen Rechtslehre. Der magischen Kultur haftet an, daß sie mit Schuldzuweisungen arbeitet, d.h. jedem Subjekt Schuld zuspricht, z.B. durch die Erbsünde. Die monotheistischen Religionen sind eine Schöpfung der magischen Kultur. (). „Die arabische Kultur bleibt problematisch, weil sie nie einen eigenen Körper ausbilden, sich nie überzeugend territorialisieren konnte und darum nur als höhere Gespenstergeschichte möglich war - Spengler nennt das vornehm eine Pseudomorphose. (Pseudomorphose). Vergessen wir nicht, daß nach ihm das Christentum in seinem ersten Zyklus nur eine Metastase der übervölkisch herumspukenden arabischen Seele gewesen sein soll.“ (Peter Sloterdijk / Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, 2001, S. 226-227).Spengler / Sloterdijk

„Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 784). Auch eine junge Kultur kann so mächtig sein, daß sie eine alte dort, wo sie zu Hause ist, überlagert. Das Beispiel zwischen der (alten) apollinischen Kultur, auch kurz „Antike“ genannt, und der (jungen) magischen Kultur, auch „Persien/Arabien“ genannt, macht es deutlich: „Solange die Antike sich seelisch aufrecht hielt, bestand die Pseudomorphose darin, daß alle östlichen Kirchen zu Kulten westlichen Stils wurden. Dies ist eine wesentliche Seite des Synkretismus. .... Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 800-801). Spengler

Nach einem Ausdruck von Leo Frobenius (1873-1938 Frobenius), Paideuma, 1920, S. 92. Frobenius

Nahua ist die Bezeichnung für eine indianische Sprachgruppe sowie für die ihr zugehörigen Stämme, die seit der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. in mehreren Schüben aus Nordamerika in ihre späteren Verbreitungsgebiete gelangten. Zu den Nahua-Sprachen zählen in heutiger Zeit noch: das Toltekische und das Aztekische (oder Nahuat) in Mexiko, ferner das Pipil in El Salvador und Guatemala sowie das Nicarao in Nicaragua. Mit Ausnahme des erloschenen Toltekischen werden die Nahua-Sprachen in diesen Gebieten heute noch von etwa 10% der indianischen Einwohner gesprochen, die jedoch meist auch Spanisch sprechen.

Huntington () hat wohl aus Spenglers Werken direkt abgeschrieben (); sicher ist jedoch, daß er von Spengler inspiriert wurde! (). Vgl. Samuel Phillips Huntington (1927-2008), The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order (deutscher Titel: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Welt im 21. Jahrhundert), 1996. Im Unterkapitel (Das Wesen von Kulturen, ebd., S. 49-62) des 2. Kapitels (Kulturen in Geschichte und Gegenwart, ebd., S. 49-75) heißt es bei Huntington u.a.: „Die menschliche Geschichte ist die Geschichte von Kulturen. Es ist unmöglich, die Entwicklung der Menschheit in anderen Begriffen zu denken. .... Zu allen Zeiten waren Kulturen für die Menschen Gegenstand ihrer umfassendsten Identifikation. Infolgedessen sind Voraussetzungen, Entstehung, Aufstieg, Wechselwirkungen, Errungenschaften, Niedergang und Verfall der Kulturen von den hervorragendsten Historikern, Soziologen und Anthropologen erforscht worden ....“ (Ebd., S. 49). Huntington nennt neben Oswald Spengler auch Max Weber, Alfred Weber, Arnold Toynbee und andere. In der Anmerkung dazu zitiert er erst einmal Spengler: „»Weltgeschichte ist die Geschichte der großen Kulturen« Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, S. 761.“ (). (Ebd., S. 536). „Sobald die globale Phase einer Kultur beginnt (wie heute für die Abendland-Kultur ), lassen ihre Menschen sich täuschen durch ... die »Fata Morgana der Unsterblichkeit« ... und sind überzeugt, daß ihre Gesellschaftsordnung die endgültige sei. So war es im Römischen Reich, im Abbasiden-Kalifat, ... Die Bürger eines solchen Weltstaates ... neigen dazu, in ihm trotz scheinbar unübersehbarer Tatsachen nicht die Zuflucht für eine Nacht zu sehen, sondern »das Gelobte Land, das Endziel menschlichen Strebens«. .... Gesellschaften, die annehmen, daß ihre Geschichte zu Ende sei, sind jedoch für gewöhnlich Gesellschaften, deren Geschichte bald im Niedergang begriffen sein wird.“ (). (Ebd., S. 495). Das klingt nach Spenglers Worten. Nur äußerte Spengler sie viel früher als Huntington. „Spengler unterscheidet acht hohe Kulturen ()“, weiß Huntington (ebd., S. 57) und verweist in der Anmerkung (ebd., S. 538) auf die entsprechende Stelle in Spenglers Untergang des Abendlandes, S. 597 und ff. (). Für die Gegenwart unterscheidet Huntington sieben bis acht Kulturen - drei bis vier davon sind aber entweder nicht eindeutig zuzuordnen oder existieren gar nicht (bzw. noch nicht). Bleiben also vier Kulturen (Zivilisationen), die noch existieren - die anderen vier sind tot (vgl. Spenglers acht Kulturen). Siehe: Karten () und Abbildung oben ().

Leo Frobenius (1873-1938Frobenius) war es, der den Begriff „Paideuma“ in die Kulturmorphologie einführte.Frobenius

Ehrhardt Bödecker (Bödecker), Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2004, S. 41. Jede Historienkultur entwickelte einen für sie ganz typischen Historismus, obwohl nur einer wirklich große Bedeutung erlangte: Der abendländische Historismus begann am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. „Anfang des 19. Jahrhunderts forderten Barthold Georg Niebuhr (1776-1831) und Leopold von Ranke (1795-1886) nachprüfbare Belege für die zu schildernden Begebenheiten. Es hat sich eingebürgert, diese Belege als Quellen zu bezeichnen. Seitdem gehört zu den Grundforderungen einer seriösen Historiographie die persönliche Distanz des Historikers zu seinem Stoff.“ (Ehrhardt Bödecker, ebd.).

„Es geht nicht allein (nicht allein!) um Wahlrecht, noch weniger um die Abhängigkeit der Regierung von einem Parlament. Das sind Erfordernisse, die mit Modernität wenig oder sogar gar nichts zu tun haben. Das parlamentarische System nutzt den Parteien und ihren Funktionären, dagegen nicht »ipso iure« der Bevölkerung und dem Staat als ganzem. Das hat Professor Dr. Friedrich Meinecke (1862-1954Meinecke), der erste Rektor der Freien Universität Berlin, schon im Jahre 1916 ziemlich klar zum Ausdruck gebracht: »Das parlamentarische System soll den Volkswillen zur alleinigen Geltung im Staate bringen. Es bringt immer und immer nur die Parteien und innerhalb dieser wieder nur ganz kleine Schichten und Gruppen ans Ruder, die dann als Drahtzieher der herrschenden Partei eine wundervolle Gelegenheit erhalten, den Staat für sich auszubeuten. Volkswille ist nicht schlechthin identisch mit Mehrheitswillen. Das parlamentarische Regime entspricht nicht den Interessen der deutschen Arbeiterschaft, denn Parteienregierungen sind eine sehr schlechte Bürgschaft für gute Sozialpolitik und gerechte Steuerverteilung. Nicht die westlichen parlamentarischen Staaten, sondern Deutschland hat die Bahn gebrochen für die moderne soziale Versicherungsgesetzgebung. Der soziale Gemeingeist (Gemeingeist), der in unserem Staate lebendig ist und unserer aller Freiheit sichert, verlangt eine andere Regierungsform als die des bürgerlichen Klassenstaats.« Einem Staat wie dem des Deutschen Kaiserreichs, der mit durchschnittlich 2% die geringste Arbeitslosigkeit in Europa aufzuweisen hatte, der in Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Rechtssicherheit eine Spitzenstellung im Weltvergleich einnahm (vgl. auch TabelleTabelle), der Vorreiter der sozialen Absicherung und des betrieblichen Arbeitsschutzes für die arbeitenden Menschen war und der im 18. und 19. Jahrhundert an weniger kriegerischen Auseinandersetzungen teilgenommen hat als die USA, England, Frankreich oder Rußland, mangelnde Modernität vorzuwerfen, zeugt nicht von Urteilsfähigkeit.“(Ehrhardt Bödecker, Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2004, S. 49-50). Deutschland war damals der modernste Staat überhaupt. Alle anderen Sichtweisen folgen nur „den ideologischen Vorgaben der Umerziehungssoziologen“ (Umerziehung), so Bödecker, der als Richter gearbeitet hat und wohl auch deswegen auf Deutschlands Staatsphilosophie und Staatsrecht eingeht. Er nennt als Beispiel das 2. Deutsche Reich, das für ihn, auf einen staatsrechtlichen Nenner gebracht, als „eine Synthese von Thomas Hobbes und Immanuel Kant aufgefaßt werden“ kann, und zwar „zugleich in der pietistisch-adligen Tradition Preußens von »Allgemeinwohl« und »Schirm« stehend. Es ist der rechtlich gebundene und fürsorgliche starke Staat, der seinen Bürgern inneren Frieden, Sicherheit und persönliche Entfaltungsmöglichkeiten gewährt. In diesem Staat wird das Aufeinanderprallen von Interessengegensätzen kanalisiert, dadurch werden Energien gespart und Raum geschaffen für die Erreichung wichtiger, anderer persönlicher Ziele. Mit Rechtsstaatlichkeit und Rationalität können Parteiegoismen begegnet und den Forderungen der modernen industriellen Welt besser entsprochen werden als mit den unfruchtbaren Auseinandersetzungen und Streitigkeiten von gesellschaftlichen Interesengruppen. .... Runde Tische, Sonderparteitage und gegenseitige Konsultationen von euphemistisch mit Sozialpartnern bezeichneten Interessenvertretern, wie sie zum Beginn des 21. Jahrhunderts Mode geworden sind, vernebeln Schwäche und Lähmung des »modernen« Staates mit katastrophalen Wirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung. Hievon hängen jedoch die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen und der innere Frieden ab. Modern ist nicht der schwächelnde, sondern der verantwortungsbewußte rechtlich eingebundene starke Staat. Hinzu kommt, daß der angeblich so moderne Staat der Gegenwart seine Bürger ständig in einem Umfang finanziell in Anspruch nimmt, wie es in der preußischen Geschichte niemals vorgekommen ist. Der politische Streit kostet Geld, viel Geld sogar, und das muß von den steuerzahenden Bürgern aufgebracht werden.“ (Ehrhardt Bödecker, ebd., 2004, S. 51-52).Gemeingeist

Weil die Technik von ihren zwei Seiten Homöotechnik und Allotechnik (Technik) her zu denken ist - wie übrigens auch Peter Sloterdijk meint (Technik) -, wird auch schneller einleuchten, warum z.B. alle bisherige menschliche Technik kontranatural bzw. allotechnisch war und nicht (oder: noch nicht) natural bzw. homöotechnisch. Prinzipien, wie Menschen sie erdachten, erfanden und auch einsetzten, kommen in der Natur so nicht vor. Die menschliche Technik (eine Kulturtechnik der Menschen-Kultur!) war und ist primär eine Allotechnik, und erst die abendländische Technik (eine Kulturtechnik einer Historienkultur namens Abendland !) ist allmählich eine Homöotechnik bzw. Naturaltechnik (also: im Sinne der Kulturtechnik der Natur!) geworden und wird es in Zukunft noch mehr werden - falls ihr kein Unglück passiert, denn auch dieses abendländische Unternehmen wird einen Preis dafür zu bezahlen haben. Ob dies das Ende der Abendland-Kultur, das Ende der Historienkulturen oder sogar das Ende der Menschen-Kultur sein wird ? Technik

Als Fazit aus den zwei Seiten der Technik bleibt also festzuhalten: Menschen konnten durch die Technik der Natur überhaupt erst möglich werden und sind kulturtechnisch durch eine Gegennatürlichkeit gekennzeichnet, weil sie mit Hilfe ihrer Allotechnik einen Umweg oder insularen Ausweg nehmen mußten, um sich später (oder: letztendlich) mit Hilfe ihrer Homöotechnik überhaupt selbst feststellen zu können. Als Menschen oder als das, was sie sind. Das scheinen wir nämlich gar nicht genau zu wissen; vgl. z.B. die Frage zum Wesen des Menschen bzw. zum Wesen der Technik (Techno-Logie), zur Technologie bzw. zur Techno-Logie (Techno-Logie) , zum Humanismus bzw. zur „Humanitas“ (Techno-Logie). Vgl. auch die Abbildungen und den Text dazu (Abbildungen und Text).

Wird das Abendland als die letzte auch die erste Historienkultur sein, die dieses Problem löst ?  Wird also die abendländische Kulturtechnik doch noch den Drehimpuls des Abendlandes für die Eigendrehung und die Umdrehung um die Menschen-Kultur übertragen können?  Falls ja, könnte danach aber auch die abendländische Kultur selbst verschwunden sein! Tabelle

Erst durch die auf den Cäsarismus (oder Befruchtung: 22-24Cäsarismus) folgende Phase, die ich Einnistung (oder Nidation: 0-2Einnistung) nenne, wird der Synkretismus unumkehrbar und durch die diesbezügliche Passivität der betreffenden Kultur zur „offenen“ Variante des Synkretismus seitens der aktiven Überfremder oder Erneuerer.

 

Blase „Welt“

© Hubert Brune, 2001 ff. (zuletzt aktualisiert: 2014).

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