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Kult-U(h)r
Rund sechseinhalb Jahrtausende Historienkulturen   
   
Zwei Arten von Zeitlichkeit haben ihre Geburtsstäte im Haus der bewohnten Uhr: die eine Art der Zeit läuft auf ein Ereignis zu, die andere Art der Zeit dient der ewigen Wiederkehr des Gleichen - im Kreis drehend!
Geschichte verläuft nicht nur linear, sondern auch zyklisch. Sie hat also auch Ähnlichkeit mit Kreisläufen oder Periodizitäten. Die Jahreszeiten und die Wiederkehr von Tag und Nacht sind kosmologisch bedingte Ereignisse. (Kultu(h)r). Und der „Faust“ des Abendlandes erfand kreisrunde Uhren, die nicht zufällig die halbierte Tageszeit anzeigen. (Mechanische Uhren). Von 0 bis 12 Uhr leben wir im winterlichen und frühjährlichen Auf, von 12 bis 24 Uhr im sommerlichen und herbstlichen Ab. (Vgl. Uhr-Konjunktuhr Konjunkturzyklen).
Zum TextZum TextMittag
Mitternacht
Sonnenwende

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Zum TextZum TextKult-UhrZum TextZum Text
Zum TextZum TextTag-und-
Nacht-Gleiche
Dämmerung
Zum TextZum Text
Entwicklung Hier geht es um das Werden und den Vergleich verschiedener Kulturen. Es gibt verwandte und nicht verwandte Kulturen. Zum Beispiel: das faustische Abendland ist kulturell verwandt mit der apollinischen Antike. Die Antike als elterlicher Teil ist zwar unser Erbe, aber nicht unsere Kultur, das Abendland.
Antike
Eine Kultur hat ihr eigenes Wesen und Leben. Auch ein Mensch führt nicht das Leben eines anderen Menschen.
Antike und Abendland sind zwei zu unterscheidende Kulturen. Eine Kultur ist wie ein Wesen der Lebenden und ein Leben der Wesentlichen.
Abendland
- Spiralbewegungen -
zweidimensional dargestelt als
Kreisbewegungen (Räderwerk).
Kult-Uhr

Kult-Uhr und Tierkreis

sind meiner Meinung nach gut geeignet, Zyklus und Linearität der Geschichte so miteinander zu verbinden, daß Kulturgeschichte als das erscheint, was sie ist: eine spiralförmige Kreisbewegung um nur scheinbar lineare Punktbewegungen. Kult-Uhr und Tierkreis stehen aber auch für zwei gute Gründe, dem Ernst der Kulturgeschichte mit einer Prise Heiterkeit zu begegnen. Weil Kulturgeschichte ohnehin „nur“ so „ernst“ wie das Leben ist, ist man gut beraten, das Bild der Geschichte ähnlich zu betrachten wie der Meteorologe die Wetterkarte. Auch das Geschichtsklima ist nämlich gar nicht nur trocken, sondern auch heiter bis wolkig, stürmisch, gewittrig, mit Schauern durchsetzt, gelegentlich sonnig, heiß oder vulkanisch. Die Hochs und Tiefs der Geschichte hatten schon Namen, als es die Klimatologie noch gar nicht gab. Die Wetterkundler haben sich bei den Geschichtskundlern erkundigt und nicht umgekehrt, denn schon jeder urkulturelle Bauer beschäftigte sich in Wahrheit mit Geschichte, wenn er das Wetter erforschte, um Säen, Saat, Ernte und Versorgung (auch: Vorsorgung) kalkulieren zu können. An Vergangenheit und Gegenwart die Zukunft ablesen zu können oder können zu wollen, ist ein uraltes Begehren der Menschen. Begriffe der Klimatologie eignen sich auch vorzüglich zur Beschreibung kultureller Lokalitäten, deren Unterschiede sich von dunkel bis hell, von schattig bis sonnig dehnen lassen. Tageszeitliche Begriffe wie Morgen, Nachmittag, Abend, Nacht sind ganz besondes gut geeignet, um zu beschreiben, wann es für eine Kultur z.B. zu dämmern beginnt oder wann bei ihr die Sonne im Zenit oder im Nadir steht. Jede Kultur erlebt ihre ganz eigenen Mittage und Mitternächte. Generell ist Kulturgeschichte wie ein Bild, das von Menschengemeinschaften im Wandel durch Raum und Zeit er»zählt«, denn Menschen sind die weltoffenen Tiere, deren Zwang zur Frühgeburt den aus reinen Innenspannungen gespeisten Drang zum Losbrechen, Durchbrechen, Aufbrausen, Umstürzen, Abstürzen, Herausfallen (Ausfallend-Werden) darstellt. Menschen müssen einen besonders dramatischen Durchbruch aus dem Mutterleib in die Weltoffenheit wagen und vollziehen. Wenn diese Urszene auf einer anderen Bühne wiederholt wird, handelt es sich dabei um eine „Revolution“, eine Reproduktion des perinatalen Dramas auf der politischen Bühne. Revolution ist eine (spiegelverkehrte Frühgeburt) erwachsene kulturelle Spätgeburt. Menschen sind Natürlich-Frühgeburtliche und Kultürlich-Spätgeburtliche, weil beide Phänomene sich gegenseitig bedingen, ja: erzwingen. Natur und Kultur sind nur scheinbar Gegensätze. In Wahrheit sind beide gar nicht zu trennen, letztendlich auch wissenschaftlich nicht: ob Beobachter Natur oder Kultur beobachten, hängt am Ende ja doch nur von der Interpretation ab; was übrig bleibt, ist die „Information“. Natur und Kultur sind Information, nämlich ein In-Form-Kommen, das zum In-Form-Sein wird, und ein Aus-der-Form-Kommen, das zum Nicht-(mehr)-in-Form-Sein wird; allerdings läßt sich letztendlich einfach nicht sagen, ob Form und Nicht-Form dann überhaupt noch unterscheidbar sind. Auch die Genetiker wissen nicht genau, was Gene wirklich sind; am Ende entscheidet nämlich der Interpret, ob er es ausnahmslos mit biochemischen Kausalmechanismen oder mit an einem stofflichen Träger gebundenen Informationen zu tun hat. Für Bio-Informatiker sind Gene nichts anderes als „Befehle“ für die Synthese von Eiweißmolekülen. Analog dazu wäre Geschichte immer schon „Befehlsinformation“ für die Synthese von Natur und Kultur, inklusive Evolution (These) und Revolution (Antithese). Die Welt, als Kosmos oder Universum verstanden, ist ein asymmetrisches Kommandosystem, bestehend aus einer Befehls- oder Schicksalsstruktur (z.B. Genetik) und verschiedenen Funktionen, zu denen auch die Möglickeit zählt, dem System auszuweichen, ohne es tatsächlich zu können. Man kann weltsüchtig oder weltflüchtig sein, aber dennoch betreffen auch Weltsucht und Weltflucht das daseinsmäßige Phänomen namens Weltoffenheit. Der Weg kann auf das Offene zu und von ihm weg führen. Menschen sind Lebewesen des Wohnens, durch das Ge-wohn-heit zum Ge- und Ver-wöhnt-Sein geworden ist. Menschen folgen dem Drang durch die Öffnung, also auch durch Wand- oder Maueröffnungen wie z.B. Tore, Türen, Fenster (Vgl. Fenster-(An)-Gelegenheiten). Der Prozeß der Weltöffnung und das Weltoffene selbst sind vergleichbar mit einer „Lichtung“.

Entwicklung

Wie alles begann,

wird man ganz genau wohl nie erfahren. Dieses Problem teilen sich Paläontologen und Humangenetiker genauso wie Historiker und Entwicklungspsychologen. Der Evolutionsstammbaum des Menschen reicht mindestens 20 Mio. Jahre, wenn nicht sogar 70 Mio. Jahre zurück. Die Entwicklung deckt sich zeitlich mit den beiden geologischen Formationen im Känozoikum: Tertiär (Paleozän, Eozän, Oligozän, Miozän, Pliozän)Quartär (Pleistozän, Holozän)

Entwicklung

Die Trennung von Pongiden (Menschenaffen) und Hominiden (Menschen) vollzog sich erst allmählich und mit partiellen Ausprägungen, z.B. mit Schädel- und Gebißveränderungen einzelner Linien. Darum wird die Hirnentwicklung in 4 Perioden eingeteilt:

Evolution/GeschichteEvolution/Geschichte
Evolution/GeschichteEvolution/Geschichte
Evolution/GeschichteEvolution/Geschichte
Evolution/GeschichteEvolution/Geschichte

1) Vor- und Urmenschen
(Prähominiden [Pithecinen/Pithecanthropen] und Urhominiden)
2) Frühmenschen
(Archanthropinen: Frühhominiden, v.a. die Art Homo erectus)
3) Altmenschen
(Paläanthropinen, z.B. der Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis)
4) Jetztmenschen
(Neanthropinen, z.B. Cromagnon-Mensch und heutiger Mensch)


I) Prähominisierung

II) Hominisierung

III) Sapientisierung

IV) Historisierung

 

Zur Menschwerdung gehört auch die Prähominisierung! Obwohl einige Fachleute sich bevorzugt an phänotypischen Merkmalen orientieren und die Menschwerdung als Hominisierung bezeichnen, begann die Menschwerdung mit der Prähominisierung, nämlich durch ein kompliziertes Geflecht von sich gegenseitig verstärkenden und abschwächenden Faktoren aus 3 Bereichen:

Entwicklung

EXOGEN*:
Umweltveränderungen mit entsprechenden Notwendigkeiten zur Anpassung.

ENDOGEN*:
Bedingungen für die Weiterentwicklung von Organen.

AUTOGEN*:
Herstellung selbstgeschaffener Bedingungsänderungen (Distanzierungsart).

Entwicklung
 
Entwicklung

Für den Menschen hat sich die Bedeutung dieser 3 Bereiche zueinander immer mehr zugunsten der autogenen Faktoren verschoben. Für dieses Beziehungssystem wird immer wieder die Bedeutung die Abwanderung in die Savanne (exogen) oder des aufrechten Ganges (endogen) oder die Bedeutung der Hand für den Kulturaufbau (autogen) hervorgehoben. Eine entscheidende Grundlage bildete aber die aus allen 3 Richtungen vernetzt ausgelöste Zerebralisation, d.h. die Größenentwicklung des Gehirns, denn das Gehirn eines frühen Hominiden im Tier-Mensch-Übergang hatte ein Volumen von ca. 500cm3 (Beispiel: Australopithecus) und wuchs auf: ca. 600-800cm3 (Homo rudolfensis und habilis), 750-1250cm3 (Homo erectus), 1200-1800cm3 (Neandertaler), bis zu 2000cm3 (Jetzt-Mensch).

Mechanismen Akkumulationstendenzen Mechanismen

Mechanismen (1-5) ZEREBRALISATION Mechanismen
ermöglichte den Überbau der zurückged
rängten Instinktprogrammierung durch die Konditionierung (Versuch und Irrtum)und die Kognitionierung (Vorstellung und Denken).

Mechanismen (1) PRÄSOZIALISATION Mechanismen
führte zu einer Ablösung der Herdenstruktur (Besamung der Weibchen nur durch das Alpha-Tier) durch die monogame Sippenstruktur sowie die Vorstufe zur (später enorm verstärkte) Entwicklungsverzögerung (Neotenie) und Institutionalisierung der Sozialbezüge mit dem Vorteil eines verlängerten „Moratoriums“ (des Aufschubs durch die Abhängigkeit des Nachwuchses von der Elterngenereation).

Mechanismen (2) TECHNISIERUNG Mechanismen
legte - mit dem Steinkeil beginnend - den Grund für die Ausweitung der rezeptiven und produktiven Bewältigung der Umwelt (um zur Welt zu kommen).

Mechanismen (3) GRAZIALISIERUNG Mechanismen
bedeutet die Verfeinerung des Körpers und seiner Organe, wodurch zwar die Naturanpassung verschlechtert, aber die Kulturgestaltung vorbereitet wurde. Hierzu gehört auch die im Zusammenhang mit der Neotenie und dem Aufschub stehende Pädomorphose.

Mechanismen (4) ENKULTURATION Mechanismen
erweiterte das Betätigungsfeld des Menschen über das bloße Überleben hinaus: mittels Sprache, Weltanschauung, Kunst und Wissenschaft schuf sich der Mensch eine geistige Welt, welche seine faktische überlagert. Durch Sprache, die eine 1. Entwicklungsstufe während der Hominisierungsperiode im Altpaläolithikum, dann eine (metasprachliche) 2. Entwicklungsstufe während der Sapientisierungsperiode im Mittel- und Jungpaläolithikum durchlief, und durch Schrift (seit ca. 6000 Jahren) wurde die erworbene Erfahrung unabhängig vom Individuum und der erfahrungserhaltenden Sippe. Der einzelne Mensch kann sich die technisch-kulturellen Errungenschaften der rund 500000 Generationen, von den subhumanen Waldbewohnern zu den aufrechtgehenden Steppenläufern, aneignen. Viele dieser Erfahrungen wurden allerdings vergessen. Der Jetzt-Mensch hat nicht nur einen großen Wissensschatz gewonnen, er ist auch partiell an Naturerfahrung verarmt.

 

Ur) KulturMenschwerdungZerebralisationSphärengeschichte
1) „Winter“ Prähomisierung Insulation/Präsozialisation Uterus (Vor-/Urkultur)
2) „Frühling“
Hominisierung
Körperdistanz/Technisierung
Kind/Familie (Frühkultur)
3) „Sommer“
Sapientisierung
Pädomorphose/Grazialisierung
Jugend/Schule (Hochkultur)
4) „Herbst“
Historisierung
Übertragung/Enkulturation
Erwachsensein (Spätkultur)

Analogien

können verdeutlichen, daß bestimmte Phänomene geradezu nach Parallelität rufen, um als das erkannt zu werden, was sie für die meisten Menschen doch nicht zu sein scheinen: Erscheinungsgleichheiten. Sie sind Fast-Gleichheiten, weil sie in einer Ähnlichkeitsbeziehung stehen, in der die Grenzen zwischen Äquivalenz und Gleichzeitigkeit einerseits sowie Äquivalenz und Gleichräumigkeit andererseits sich zwar verwischen, aber deswegen noch lange nicht völlig undurchschaubar bleiben müssen. Leicht einzusehen ist, daß die menschliche (Ur-)Kultur mit der Menschwerdung begann, daß sie als eine Geschichte der Zerebralisation und der Sphären erzählt werden kann. Sie begann in einem dem Uterus ähnlichen Raum, weil wir heute einfach nicht mehr wissen, wie unsere Vor- und Urkultur sich tatsächlich ereignet hat. Für mich ist klar, daß Menschen die einzigen Lebewesen sind, die „wohnen“ können, indem sie sich z.B. durch „Pallisaden“, „Wände“, „Mauern“ ein „Zu-Hause“ bauen und so Ge-wohn-heitliche, Ge- und Ver-wöhn-liche werden - als Wohnende sind sie Haushalter bzw. Ökonomen (oíkos, Haus; nomíã, Hüter, Verwalter; nomos, Gesetz, Recht). Man kann diese Entwicklung bereits deshalb mit der Prähominisierung beginnen lassen, weil innerhalb der Primaten-Ordnung die Menschenartigen (Hominoidea) die einzige Überfamilie sind, deren Insulation eine gesondert besondere Präsozialisation bedeutet und einen Vor(be)griff mit besonders riskanten Folgen darstellt. Eine solche Insulation oder Präsozialisation ist vom Niveau her adäquat nur zu vergleichen mit der Entwicklung des Menschen im Uterus, der Menschheit in ihrer Vor-/Urkultur oder der einzelkulturellen Sphären in ihren Phasen der Ur/-Vorkultur (). Richtig Mensch ist man seit der Geburt, heißt es oder hieß es zumindest in allen bisherigen Kulturkreisen (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Evolutionär gesehen, ist der Mensch ein richtiger Mensch, ein aufrecht-richtig-gehendes Wesen erst durch seine Technik, mit der er „zur Welt kommt“*. Da aber die Geburt vorverlegt ist, wir also Frühgeburtliche sind, ist auch der richtige Mensch ein phylogenetisch Frühgeburtlicher und deshalb die Menschheitsgeburt in Wahrheit ein Prozeß ständig vorverlegter Geburt: Hominisierung als Prozeß der Technisierung, bestehend vor allem aus Körperdistanz bzw. Körperausschaltung durch Würfe und Entwürfe (Projekte) der Jäger als Schützen (Treffer) und Sammler als Sucher (Finder). Die Hominisierung ist also als ein Weg von der Steinkultur zur Feuer-, Sprach- und Religionskultur zu beschreiben; sie ist menschliche Frühkultur und vergleichbar mit der Kindheit als ein Weg von dem Bausteinspiel zum Spiel mit Feuer, Sprache und Religion oder mit den einzelkulturellen Sphären in ihren Phasen der Frühkultur (). Die Geburtsvorverlegung ermöglichte Technik wie Distanzierung (Nicht-Anpassung), Hominisierung wie Kindheit, während der Aufschub Kunst wie Grazialisierung (Pädomorphose), Sapientisierung wie Jugend ermöglichte. Nicht zufällig hat man das griechische Wort für Jugend (neotos, neotes) zur Beschreibung der Entwicklungsverzögerung, des Aufschubs, gewählt: Neotenie. Sie ist das Gegenstück zur Vorverlegung (der Geburt), und weil die Neotenie eine Verzögerung bzw. den Aufschub des Erwachsenseins bedeutet, will und muß das Neu-Sich-Ausgedehnte (= Neotenie) gefüllt sein: Ausbildung, Lernen, Schule sind andere Wörter für Erwachsenwerden und Synonyme für die menschliche Hochkultur oder für die einzelkulturellen Sphären in ihren Phasen der Hochkultur (). Man kann behaupten, daß die gesamte Homo-Sapiens-Art wie auch der einzelne Mensch dazu tendieren, die Jugend wie auch die Hochkultur als ein ständig Neu-Sich-Ausdehnendes (= Neotenie) zu favorisieren; sie ständig zu verlängern, also im Erwachsenwerden zu verharren, was aber bedeutet, daß das Erwachsensein, zumindest scheinbar, gar nicht erwünscht ist. Dieser Schein trügt, da auch ein Ziel häufig nur deshalb interessant bleibt, weil der Weg zum Ziel so schön ist. Jeder kennt Wendungen wie z.B. „der Weg ist das Ziel“, „zu immer neuen Ufern“, „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, „ohne Arbeit kein Vergnügen“, „man lernt nie aus“, ... u.s.w.. Was die Geschichte der Menschheit angeht, so war es Homo sapiens sapiens, der als erster das menschliche Erwachsensein erreicht hat, weil er die Historisierung begründete: er machte aus der Kunst eine Kunstgeschichte (beginnend mit der Höhlenmalerei), entwickelte sich vom Nomaden zum Seßhaften, um schließlich Schrift, Historiographie, Industrialisierung, Weltraumeroberung zu betreiben, alles nur Erdenkliche zu verbildlichen und sich selbst zur künstlichen Nachbildung zu empfehlen. Homo sapiens sapiens war es also, der die Neanthropinen-Periode (die 4. Periode oder Spätperiode der anthropinen Evolutionsperiodik) begründete; innerhalb dieser Periode auch eine Neanthropinen-Neuzeit, die wir Neolithische Revolution oder Seßhaftwerdung nennen, und eine Neanthropinen-Moderne, die wir mit Begriffen wie Seßhaftsein, Metallikum, Schriftlichkeit oder Historiographik umschreiben und Historienkulturen oder Kulturkreise nennen. Neanthropinen-Periode (Menschen-Moderne) bedeutet also Historisierung, Enkulturation im Sinne einer Übertragung alter (Sphären-)Erfahrungen auf neue (Sphären-)Erfahrungen; als Spätperiode der Anthropinen-Periodik ist sie menschliche Spätkultur und die Möglichkeit zum menschlichen Erwachsensein, vergleichbar mit der Möglichkeit zur Zivilisierung der einzelkulturellen Sphären in ihren Phasen der Spätkultur (). Die Kulturgeschichte ist also immer auch Sphärengeschichte, und zwar der menschlichen Kultur überhaupt wie der darin eingebetteten Einzelkulturen. Und das alles ist Gehirn-Geschichte, ist Zerebralisation (inklusive Neokortikalisierung). Mechanismen

 

Gehirn-Konferenz:
Imperialer Kategorativ
Mein Reptilienhirn meint ES, mein Säugerhirn meint ICH, mein Menschenhirn meint ÜBER-ICH!
Entwicklung
Entwicklung
Entwicklung
0) [„Urknall/Urmobilität“] Universum: 1) Galaxis (Milchstraße) , 2) Sonne (Sonnensystem), 3) Erde mit Leben (Kryptozoikum)
4) [1.„Moderne“] Höheres Leben (Phanerozoikum): 5) Paläozoikum, 6) Mesozoikum, 7) Känozoikum
8) [2. „Moderne“] Prähominisierung (Primaten-Kultur): 9) Primatisierung, 10) Simiasierung, 11) Hominoidisierung,
12) [3. „Moderne“] Hominisierung (Homo-Kultur): 13) Homo rudolfensis, 14) Homo habilis, 15) Homo erectus,
16) [4. „Moderne“] Sapientisierung (Sapiens-Kultur): 17) H.s. anteneanderthalensis, 18) H. s. neanderthalensis, 19) H. s. s.,
20) [5. „Moderne“] Historisierung (Neanthropinen-Kultur): 21) Kunstgeschichtlichkeit, 22) Seßhaftigkeit, 23) Vieh-/Landwirtschaftlichkeit,
24) [6. „Moderne“] Historiographik (Neanthropinen-Moderne = Historien-Kultur[en]): 25) Vor-/Urkulturen, 26) Frühkulturen, 27) Hochkulturen,
28) [7. „Moderne“] Historismus (Historiographik-Moderne = Historismen als Spätkultur[en]):

Kosmos-bedingte Prähominisierung-Hominoidisierung

Entwicklung
Anteil der Hominoiden an der Geschichte des Universums:

ca. 0,05787' %

System-bedingte Prähominisierung-Hominisierung

Entwicklung
Anteil der Hominiden an der Geschichte des Sonnensystems:

ca. 0,05787' %

Struktur-bedingte Prähominisierung-Sapientisierung

Entwicklung
Anteil der Sapienten an der Geschichte des Phanerozoikums:

ca. 0,05787' %

Funktionsbedingte Prähomisierung-Historisierung

Entwicklung
Anteil der Historisierten
an der Menschwerdung:

ca. 0,05787' %

Funktionsbedingte Hominisierung-Einzelkulturation

Entwicklung
Anteil einer
Einzel- Kultur
an der Hominisierung

ca. 0,05787' %

Funktionsbedingte Sapientisierung-Kulturphasierung

Entwicklung
Anteil einer Kulturphase
an der Sapientisierung:

ca. 0,05787' %

Funktionsbedingte Historisierung-Kulturgeneration

Entwicklung
Anteil einer kurzen Generation
an der Historisierung:

ca. 0,05787' %

Entwicklung

  Diese 7 Relationen sind Ergebnisse der vielen „Weltjahre“ und dem Faktor 12³, der, wenn er multipliziert oder dividiert wird, wie eine mathematisierte „Möglichkeit zum Menschen“ wirkt. Daß, was wir als große Chance ansehen, ist in Wahrheit eine zeiträumlich kleine „Gelegenheit“. Aber sie ist qualitativ grandios, wie ich finde. Wir, die „12³-Platoniker“, waren von unten her und sind nach oben hin „offen“. Wir scheinen tatsächlich so etwas zu sein wie die Wesen der Lichtung - von ihr aus und zu ihr hin gesehen. Die Prähominisierung teilt mit der Geschichte des Universums das Problem des Anfangs (!) und die damit verbundene außerordentliche Dimension „Prä“. Deshalb kennen wir auch nur einen Teil der Geschichte von Universum und Prähominisierung: beide müssen auch eine Vorgeschichte gehabt haben - aber welche? Was war vor dem Urknall? Was war vor der „Zündung“ der Vormenschen? Außerdem wird durch den Anteil der Hominisierung an der Prähominisierung deutlich, wie sehr man auf Kenntnisse riesiger Zeiträume angewiesen ist, wenn man die Geschichte der Vormenschen dahingehend studieren will, daß auch die Geschichte der Frühmenschen verständlicher wird - und damit auch die Geschichte der Altmenschen und die der Jetztmenschen. Für jeden Jetztmenschen („Historisierungs-Homo-sapiens-sapiens“) sind vor allem die oben erwähnten Funktionsbedingungen maßgeblich gewesen, die sich in den 4 Relationen äußern: Prähominisierung verhält sich zur Historisierung wie Hominisierung zur Einzelkulturation, wie Sapientisierung zur Kulturphasierung und wie Historisierung zur Kulturgeneration. Das bedeutet u.a., daß die Historisierung als 4. Periode innerhalb der menschlichen Evolutionsperiodik gegenüber der Einzelkulturation (z.B. Seßhaftwerdung), der Kulturphasierung (z.B. Zivilisationswerdung der Einzelkulturen) und der Kulturgeneration (z.B. Prägung der Individuen einer Kultur; durchschnittlich ungefähr 15 Jahre) in hohem Maße dominant ist, wie auch die Prähominisierung gegenüber der Hominisierung, der Sapientisierung und der Historisierung in hohem Maße dominant ist. Wenn man allerdings die mindestens 40 000 000 Jahre umfassende Prähominisierung und die nicht einmal 30 000 Jahre umfassende Historisierung vergleicht, fällt auf, daß der Mensch wohl immer noch viel mehr Tier ist als er „einräumt“; deshalb muß er sich als sein eigenes Haustier weiterhin zur Verfügung stellen. Er muß seine Selbstdomestikation nicht zuletzt deswegen weiterhin betreiben, um doch noch die Menschwerdung, das aufgeschobene Menschsein, zu überwinden. Spätgeburt wegen Frühgeburt

Der Mensch in der Systematik
Domäne  Eukaryota (Eukaryonten)
Reich  Animalia (Tiere)
Unterreich  Metazoa (Vielzeller)
Überstamm Deuterostomia (Zweitmünder)
Stamm Chordata (Zellsäulentiere)
Unterstamm Vertebrata (Wirbeltiere)
Überklasse Gnathostomata (Kiefermäuler)
Klasse Mammalia (Säugetiere)
Unterklasse  Eutheria / Placentalia (Höhere Säugetiere)
Überordnung  Euarchontoglires / Supraprimates (Superherrentiere)
Ordnung Primates (Herrentiere)
Unterordnung Simiae (Affen)
Überfamilie  Hominoidea (Menschenartige)
Familie  Hominidae (Menschenaffen)
Unterfamilie ?
Übergattung ?
Gattung Homo
Untergattung ?
Überart ?
Art H. s.
Unterart H. s. s.
SystematikSystemik

Nach der biologischen Systematik ist die Unterart Homo sapiens sapiens der Art Homo sapiens das einzige noch lebende Mitglied der Gattung Homo und seiner Familie Hominidae (Menschen). Sie gehört zur Überfamilie Hominoidea (Menschenartige). Zur hominoiden Überfamilie zählen insgesamt drei Familien: Menschenaffen (Pongidae), Gibbons und Menschen. Der Mensch ist der einzige Vertreter dieser Überfamilie, der auch in der Neuen Welt (Amerika) vertreten ist. Allerdings ist Homo sapiens sapiens dorthin erst gewandert, als er den Homo sapiens neanderthalensis verdrängt hatte und die „Menschen-Moderne“ bzw. die Historisierung begann. (Text). Analog dazu erfolgte die Neubesiedlung des amerikanischen Kontinents bei gleichzeitiger Vedrängung der Urbesiedler in Zeiten der beginnenden Moderne, deren ebenfalls beginnenden Vollendungshöhepunkt wir gerade erleben dürfen. Man erkennt: es ist viel von Anfang und Beginn die Rede, aber so richtig einzäunen oder sonstwie abgrenzen kann man solche Stadien genauso wenig wie den Zeitpunkt des beginnenden Lebens. Dieses Thema ist in der heute aktuellen Phase der vollendenden Moderne (Spätmoderne) zur Ethikfrage schlechthin geworden. Da die Wissenschaft die ethische Grenzen überschritten hat - wann hat sie das nicht getan? -, werden einige ihrer Disziplinen mediokratisch nach den Spielregeln der Globalpolitik (Globalismus) in bestimmten Ländern verboten, damit sie ohne Konkurrenz in anderen bestimmten Ländern die Kapitalbasis für die großen Geschäfte schaffen können. Eine Ethik, beschworen von Vertretern derselben Wertegemeinschaft wie die, für die sie bestimmt sein soll, ist keine Ethik, jedenfalls nicht im demokratisch verstandenen Sinne. Gerade die sich teilweise selbst isolierenden Mitgliedsstaaten dieser sich Westliche Demokratie nennenden Wertegemeinschaft sind Kronzeugen für die Tatsache, daß es in Zeiten der vernetzten Welt (Globalik) keineswegs demokratisch zugeht und auch gar nicht zugehen kann. Im heutigen Abendland, das, weil erwachsen geworden, mit dem Nachnamen Europa angesprochen werden will, sind die nicht-angloamerikanischen Staaten und insbesondere deren ehemaliger Konkurrent Deutschland das beste Beispiel für diese rhetorische Verwechslung von Polittragödie und Politikomödie. Die seit 1945 bestehenden Verhältnisse sind weiterhin unantastbar geblieben und werden es auch wohl noch lange Zeit bleiben. Das war in der Antike nach den Punischen Kriegen auch so. Sowohl vertikal als auch horizontal hat man stets zwei Parallelen oder Ebenen zu betrachten, wenn man verstehen will, warum die inneren Analogien und Widersprüche in einer Gemeinschaft sich in einer äußeren Gegengemeinschaft widerspiegeln.

GENESE

- Diagenese -

Die erdgeschichtliche Diagenese, eine Umbildung lockerer Sedimente in feste Gesteine durch Druck, Temperatur, chemische Lösung ohne wesentliche Änderung des ursprünglichen Gefüges und Mineralbestands, ist nicht immer scharf zu trennen von der Metamorphose. Metamorphose bedeutet - im Sinne einer Gesteinsmetamorphose - eine nachträgliche Umbildung eines sedimentären oder magmatischen Gesteins in ein metamorphes Gestein als Folge von Temperatur- und Druckveränderungen, wobei Minerale neugebildet oder umkristallisiert werden, das Gefüge des Ausgangsgesteins verändert wird und Stoffaustausch stattfindet (Metasomatose). Es gibt mehrere Arten der Metamorphose und auch eine Pseudomorphose.

Ontogenese

 

Phylogenese

EntwicklungEntwicklung

1) Vor- und Urkultur
einer noch verborgenen bzw. insulär sich entwickelnden Kultur. Die Kultur ist noch „verhüllt“ - wie das Kind im Uterus - z.B. die abendländischen Germanenreiche
oder die antiken Mykener.

Entwicklung

Entwicklung

2) Frühkultur
Geburt einer Kultur, ihr erwachendes Bewußtsein, Selbstbewußtsein und ihre Kulturmuttersprache (Kultursymbolik) - z.B. das abendländische Mittelalter oder die antike Zeuswelt.

Entwicklung

Entwicklung

3) Hochkultur
Jugendlichkeit einer Kultur, ihre erste Reife und Ernte.
Erste Annäherung an andere Kulturen
- z.B. die abendländische Neuzeit
oder das antike Hellenentum.

EntwicklungEntwicklung
Entwicklung

4) Spätkultur (Zivilisation)
Erwachsene Kultur, ihre Reife und letzte Ernte.
Etablierung, Konsolidierung, Routine in Ehe und Beruf
- z.B. die abendländische Industrie-Elektronik-Moderne
(mit imperialer Globalisierung und Weltraumfahrt)
oder der antike Hellenismus und Rom als Imperien.

Entwicklung
EntwicklungEntwicklung

5) Vor- und Urkultur (Zivilisation)
Zivilisation, die wieder zum Prototyp ihrer Kultur geworden ist. Greise Kultur, friedvoll bis hilflos. Versteinerung, Vereisung, Zurückgezogenheit
- z.B. die der ägyptischen Fellachen
oder die der antiken Kolonen.

 Entwicklung 

 

 

Früh- und Spätgeburt“

Wenn ein 9 Monate altes Kind den Geburtsreifezustand des Primatenniveaus intrauterin erreichen will, darf es erst mit 21 Monaten das Licht der Welt erblicken. In Analogie dazu wäre der Geburtstermin für das Abendland nicht der Beginn, sondern das Ende der Karolingerzeit () bzw. der Beginn der Romanik (). Wenn der Geburtsreifezustand des Säugetierniveaus die Basis sein sollte, wäre der analoge Geburtstermin des Abendlandes sogar der Beginn der Gotik (). Junge Kulturen sind also auch an ein „Treibhaus“ gebunden; die elterlichen Kulturen müssen den externen Uterus garantieren. Seinen ganz eigenen Ausdruck fand das Abendland ja tatsächlich erst in der Gotik, der Phase des Kultursymbolerwerbs! Der kulturelle Frühling (die Frühkultur) erscheint, wie der natürliche Frühling auch, als eine ewige Geburt! Wie einfach wäre es dagegen, wenn Menschen-Kulturen funktionierten wie „Reptilien-Kulturen“, die scheinbar nur in zwei „Jahreszeiten“ leben . Für Reptilien scheint es nämlich auch nur zwei klimatische „Ge-Häuse“ zu geben: „im Ei“ oder „nicht im Ei“. Reptilien haben keine Kindheit, keine Jugend; sie sind nach der Schlüpfung aus dem Ei auf sich selbst angewiesen (und kaum zu „dressieren“!). Säugetiere dagegen sind auf das Spielen mehr oder weniger angewiesen; für sie gibt es also Kindheit und Jugend - mehr oder weniger. Diese gibt es für Säuger deshalb, weil sie der Tendenz folgen, die Geburt vorzuverlegen. Man darf annehmen, daß es seit der Zeit der Säuger nicht mehr nur zwei Ge-Häuse gibt, sondern vier: im Uterus, in der Mutter-Kind-Sphäre, in der Jugendsphäre, in der Erwachsensphäre. Diese Sphären haben sich ständig vergrößert und sind der Körperentwicklung dabei vorausgeeilt. Am Becken und am immer größer werdenden Gehirn wird die aufgezwungene Vorverlegung der menschlichen Geburt besonders deutlich. Sie erfordert einen extrauterinen Ersatz für die immer unfertiger Zur-Welt-Kommenden*. Jede Vorverlegung der Geburt bedeutet ein Risiko, nicht nur eine Verkürzung der Zeit im Uterus - für Kulturen: verkürzter Winter (), verlängerter Frühling (), verlängerter Sommer () und aufgeschobener Herbst (). Bekanntlich haben sich Menschen und ihre Kulturen für den Weg der verkürzten Zeit im Uterus entschieden. Seitdem hat der Uterus (Kultur-Winter) den Kind-Familie-Zeitraum (Kultur-Frühling) verlängert und erweitert, andererseits der begünstigte Jugend-Zeitraum (Kultur-Sommer) den Erwachsenen-Zeitraum (Kultur-Herbst) aufgeschoben. Die Zerebralisation erzwang also nicht nur eine Vorverlegung der Geburt, sondern auch den Aufschub des Erwachsenseins. Ein Vergleich mit unseren nächsten Verwandten verdeutlicht auch den Aufschub: gemäß unserer Primatenordnung müßten wir spätestens mit 7 Jahren erwachsen sein, nach den Regeln unserer Säugetierfamilie sogar schon spätestens mit 3 Jahren! Auf die Kulturgeschichte übertragen, würde das bedeuten, daß z.B. das Abendland nicht (erst) mit Beginn des Napoleonismus () bzw. mit dem Ende der Aufklärung () erwachsen geworden wäre, sondern schon mit Beginn des Absolutismus (), analog zum Säugetierniveau sogar schon mit Beginn der Reformation () bzw. dem Ende der Gotik (), der Phase des Kultursymbolerwerbs! Wieder läuft alles auf den Kultursymbolerwerb hinaus - dieses Mal auf seinen Abschluß, d.h. auf den Übergang vom kulturellen Frühling zum kulturellen Sommer. Und der kulturelle Sommer (die Hochkultur) erscheint, wie der natürliche Sommer auch, als ein nie enden wollender Aufschub! Auch der Tod ist auf diese Weise von den Menschen (Kulturen) aufgeschoben worden: Menschen und Kulturen werden immer älter und vielleicht in Zukunft sogar zu ihren eigenen Göttern! Unsterblich ! Spätestens dann wäre bewiesen, daß Intelligenz verpflichtet und daß es die Erwachsenen-Geburt, die Geist- oder Gehirn-Geburt, wirklich gibt. Voreilige Kindes-Frühgeburt und aufgeschobene Erwachsenen-Spätgeburt (das wahre Erwachsensein) schaffen Raum und Zeit für die menschliche Kultur, ja machen sie eigentlich erst möglich. Alle spezifischen Kulturen zeichnen sich hauptsächlich durch die Phasen von Frühkultur () und Hochkultur () aus, denn von derartigen symbolischen Prägungen sind Kulturen in den Phasen der Vor-/Urkultur () noch zu abhängig und in den Phasen der Spätkultur () schon zu unabhängig! Wir dürfen also festhalten, daß der weitaus größte Teil der Kultursymbolik in den früh- und hochkulturellen Phasen erworben wird und die Vorverlegung der kulturellen Geburt eine Einengung der vor-/urkulturellen Phasen bedeutet, so daß diese immer mehr zu zivilisiert-vor-/urkulturellen Phasen werden müssen, während der Aufschub des kulturellen Erwachsenseins eine Ausdehnung innerhalb der spätkulturellen Phasen bedeutet, so daß diese immer mehr zu zivilisiert-spätkulturellen Phasen werden müssen. Ein solcher Drang zur Zivilisierung ist ein Drang zur Früh- und Spätgeburt, ein Zwang zum Erwerb des weitaus größten Teils der Zivilisationssymbolik in den spät- und vor-/urkulturellen Phasen.

Daraus folgt, daß eine immer mehr Zivilisation hervorbringende Kulturgeschichte auch die Historisierung der Menschen, d.h. die 4. Periode innerhalb der menschlichen Evolutionsperiodik, beenden wird. Die zukünftigen Neu-Menschen werden ganz andere Probleme bewältigen müssen als die Jetzt-Menschen; neu-hominide Geschichte wird nur noch Welt(all)geschichte sein und, das ist jetzt schon absehbar, ansonsten immer mehr als etwas Überwundenes, Verlassenes, Vergessenes, Verlerntes gelten, so wie seit der Menschwerdung, besonders in den letzten ungefähr 26 000* Jahren Historisierung das Leben in einer naturhaften „Umwelt“ immer mehr verlernt worden ist, weil Menschen gelernt haben, das Leben als „Käfig-Dasein“ nicht-menschlicher Lebewesen zu überwinden, zu verlassen, zu vergessen, zu verlernen. Ja: Menschen haben auch gelernt zu verlernen. Nur: in Zukunft wird, das ist tendentiell jetzt schon spürbar, die Empfindung stärker werden, daß Menschen dennoch, wenn auch in astronomisch-großsphärischer Hinsicht, wie die Tiere leben, also ebenfalls zu einem Käfig- oder Umwelt-Dasein verdammt sind. Deshalb werden sie, wie früher schon, versuchen, ihre Umwelt erneut zu durchbrechen, um erneut in eine Welt zu starten - wieder einmal, um die alte Welt hinter sich zu lassen, weil sie sich von der neuen Welt mehr versprechen. Menschen verlassen jeden Uterus, jede Umwelt, weil sie zur Welt kommen* wollen. Wenn Menschen wirklich erwachsen geworden sind, stellen sie fest, daß sie auch aus einem Extrauterus ausbrechen können, sich aber auch nach einer Spätgeburt immer wieder erneut in einem solchen, wenn auch immer ausgedehnteren und zugleich imperialeren, wiederfinden und ihn frühestens in den erwachsenen Phasen - also erst nach dem glücklichen Durchlaufen der kindlichen und jugendlichen Phasen - als eine Sphäre der „Domestizierung“ entlarven können. Denn: Menschen sind nun mal bis zu einem gewissen Alter zum Aufschub des Erwachsenseins gezwungen. Aber wenn sie dann tatsächlich die Reife dafür erreicht haben, besteht noch die Gefahr, daß sie sich an den Aufschub des Erwachsenseins gewöhnt haben und im ewigen Erwachsenwerden verharren wollen oder sogar „regredieren“, d.h. auf Früheres zurückgehen und sogar das Erwachsenwerden aufschieben, um gewohnt-verwöhnt zu bleiben. Menschen bevorzugen Kindheit und Jugend, weil sie ihr immer größer werdendes Gehirn von einer immer größer werdenden Welt prägen lassen wollen - angenehm als Ge- und Verwöhnungseffekte oder Weltverhäuslichungen und unangenehm als Entwöhnungseffekte oder Risiken. Tiere bringen Junge auf die Umwelt, Menschen bringen Kinder auf die Welt. Diesem „Fall“ muß das wahre Zur-Welt-Kommen* erst noch folgen, das den Menschen erwachsen werden läßt. Erwachsensein ist Welt-Erfahrenheit, Welt-Intelligenz, Welt-Form, kurz: Weltheimat. Solange der Mensch infantil oder juvenil blieb, blieb er auch ein Erwachsenwerdender, und auch heute noch bleiben nicht wenige ältere Menschen vom Erwachsensein verschont, obwohl es für sie längst an der Zeit wäre, nicht mehr erwachsen zu werden, sondern erwachsen zu sein. Der Mensch muß seine extrauterine Sphäre verlassen und den Aufschub der Erwachsenen-Geburt überwinden wie - umgekehrt - das Kind seine intrauterine Sphäre verlassen und die Vorverlegung seiner Geburt überwinden muß. (Vgl. Pädomorphose und Neotenie). Vgl. Tafel

» Ge-wohn-heit und Ver-wöhn-ung «
» Fenster-(An)-Gelegenheiten «
Entwicklung Entwicklung Entwicklung

Wenn „oben“ nicht wie „unten“ ist, dann ist kulturelle Revolution am Werk.
Wir lassen vergangene Ziele nicht nur hinter, sondern auch „über“ uns (oben);
so versuchen wir nämlich, sie in „verkürzter“ Form im Gehirn zu speichern,
damit Raum und Zeit für diejenigen Umsetzungen entstehen können,
die wir brauchen, um zukünftig zu erreichen, was wir jetzt aufschieben.
Voreile bedeutet, daß Vergangenheit nach „oben links“ verkürzt wird,
Aufschub bedeutet, daß Zukunft nach „oben rechts“ verlagert wird.
Vorverlegung der Geburt und Aufschub des Erwachsen- und Älterseins
„verlängern“ extra-uterine Kindheit und noch-nicht-erwachsene Jugend,
deshalb auch Früh- und Hochkultur; sie sind die „unten“ Verlängerten,
die sich unterscheiden wie familiäres Innen und schulisches Außen.
Jedes Ge-Häuse und jedes Ge-Wohne ermöglicht eine Maueröffnung.

Lichtung und Technik Die Lichtung ist ohne ihre technogene Herkunft nicht zu denken. Schwankung
Sein, Macht, Technik Heidegger wußte: Sein ist verknüpft mit Macht (bzw. Ökonomie) und Technik.
Ökonomie und Technik

Der Existenzphilosoph ist nicht gegen die Technik. Ganz im Gegenteil: „Ich sehe in der Technik,
in ihrem Wesen nämlich, daß der Mensch unter einer Macht steht, die ihn herausfordert und
der gegenüber er nicht mehr frei ist; daß sich hier etwas ankündigt, nämlich ein Bezug des
Seins zum Menschen, und daß dieser Bezug, der sich im Wesen der Technik verbirgt,
eines Tages vielleicht in seiner Unverborgenheit ans Licht kommt. Ob das geschieht,
weiß ich nicht. Ich sehe aber im Wesen der Technik den ersten Vorschein eines
sehr viel tieferen Geschehnisses, was ich das Ereignis nenne.“ (Heidegger).

„Worauf es mit ankommt, ist die These, daß Menschen Geschöpfe einer Verwöhnungsgeschichte sind
und sie allein in diesem Sinne »Haustiere« genannt werden können. Man muß sich Gedanken machen über
die Art von Häuslichkeit, die bei Homo sapiens gilt. Das Wohnen in Häusern führt immer zu Verwöhnugen.
Das auf Herder und Gehlen zurückgehende Theorem vom Menschen als Mängelwesen ist eine Deckform
dieser Einsicht. In der Hauptsache ist die Menschenpark-Rede ein szenisches Zwiegespräch mit Heidegger
über den Sinn der »Lichtung« unter Mitwirkung von Nietzsche und Platon als Gästen im Studio.“ (Sloterdijk).

Weil der Mensch sich von seinen Anfängen an stets über eine gewählte „Insellage“ bzw. eine gruppenspezifisch individualisierte Dynamik weiterentwicklte und diese Voraussetzungen seit der modernen Globalisierung auf unserem Globus so nicht mehr gegeben sind, bleibt es wohl wieder der Technik überlassen, neue Wege für die menschliche Gattungsgeschichte zu finden. Beweise für diese These liefern die „Inselsucher“ der Humangenetik und der Weltraumbesiedlung. Mit dem Erreichen der abendländischen Globalphase geht offenbar - wenn es klappt! - nicht nur eine zivilisierte Kultur auf eine Zeit der Befruchtung zu, sondern auch die Periode der Neanthropinen, mehr noch: die Sapiens-Art, die Homo-Gattung und die Hominiden-Familie scheinen hier von ihrer einzig übrig gebliebenen Unterart wieder auf die Tagesordnung einer möglichen Bereicherung gebracht zu werden. Aus den ersten Steinwürfen sind mittlerweile hochtechnologische Entwürfe geworden.

 

Wer sich auf dem Weg zu einer neuen Qualität den Vorsprung von der Konkurrenz nicht nehmen
lassen will, der sichert sich diesen Weg nicht selten durch Quantität ab. Weil zur Zeit Quantität
(z.B. Mengenregulationen wie Umfrageergebnisse, Quotenregelung, McDonaldisierung u.s.w.)
vor Qualität geht und alles immer unausgewogener wird, sollte man auf eine Gegenbewegung
gut vorbereitet sein, denn auch dieses Pendel wird wieder die andere Richtung schlagen. Beispiel

 

 

Entwicklung

Die doch wohl gefährlichste Entwicklung
im heutigen „kognitiven Wettbewerb“
ist das „geo-ökonomische Wettrüsten“
zwischen den Wirtschaftsmachtblöcken
Europa Europa, Nordamerika, Ostasien Japan
Spätgeschichte

Entwicklung

Kulturgeschichte

 

Entwicklung

Die erste („Schrift“-)„Kultur“ entstand in Mesopotamien - ich nenne sie „Sumer“, wozu auch Akkad, Altassyrien, Babylon, Palästina, Mittel-, Neuassyrien und Neubabylonien als „Nachfolger“ der bedeutenden Sumerer zählen. Hethiter und Iraner (später: Perser) nehmen eine sehr bedeutende Sonderstellung ein. Ägyptische Kultur heißt: Altes, Mittleres und Neues Reich. Zu China zählen die bekannten Dynastien Hsia, Shang, Chou (westlich und östlich), die „Zeit der kämpfenden Staaten“ (Chan-kuo-Zeit), die folgenden Dynastien Ch'in, Han(westlich und östlich), Tang, Sung, Ming, Mandschu und die Zeit der Republik und des Kommunismus. Indiens Kultur bedeutet Harappa, die Zeit von den Früh- bis zu den Spätveden, die Maurya-Dynastie und das 1. Großreich, die Shatavahana-Dynastie, das Gupta-Reich, das Sultanat von Dehli, das Mogul-Reich, die Kolonialisierung und die erneute Unabhängigkeit. Arabien umfaßt alle Völker, die den später jüdisch, christlich-orthodox, islamisch genannten Monotheismus begründeten (vgl. „Magische Kultur“). CHINDARAB

Vor-/UrgeschichteFrühgeschichteHochgeschichteSpätgeschichteNeu- / Nachgeschichte

 

 

Fernhalten von Orten Es möge sich fernhalten, wer unwillig ist, die Geschichte wie eine Goldmünze zu hüten. Geschichte als Münze
Eine Braunsche Röhre ist in meinem Bruneschen Sinne ein Gleichrichtereffekt und eine Erweiterung des kleinsten Zwanges mit bahnbrechender Entwicklung auf dem Gebiet der Funktechnik.

Kult-Uhr  

WWW.HUBERT-BRUNE.DE

Anmerkungen:

 

Metamorphose bedeutet: 1) in der Geologie die Umgestaltung oder Umwandlung eines Gesteins in ein anderes Gestein (vgl. Gesteinsmetamorphose); 2) in der Botanik die Wandlung eines Organs aus einer andersartigen Anlage, zum Beispiel Dorn aus Laubblattanlage oder die Gestaltsumbildung der drei Hauptorgane höherer Pflanzen (Wurzel, Sproßachse, Blatt) infolge einer Funktionsveränderung; 3) in der Zoologie die indirekte Entwicklung vom Ei zum geschlechtsreifen oder zum erwachsenen Tier durch Einschaltung gesondert gestalteter (metamorphosierter) selbständiger Larvenstadien (zu lat. larva = Geist, Maske, Gespenst), etwa die Wandlung des jungen Tieres durch verschiedene äußere Stadien, ehe es die Form des erwachsenen Tieres annimmt, besonders auffällig bei Bandwürmern (als Larve: Blasenwürmer), Krebsen, Insekten und Lurchen (zum Beispiel: Ei, Kaulquappe, Frosch). Man unterteilt die Metamorphose (Umgestaltung, Verwandlung der Gestalt), die auch Metabolie (Umwurf, Verwurf) genannt wird, in verschiede Typen: die vollkomene Verwandlung (Holometabolie), die unvollkommene oder „halbe“ Verwandlung (Hemimetabolie) mit den Formen Heterometabolie, Paläometabolie, Neometabolie. Die Metamorphose hat besonders Goethe sehr fasziniert, später auch Spengler, der sich stark an Goethe anlehnte, den Begriff Metamorphose als Grundlage benutzte und speziell die Pseudomorphose als Theorem in seine Historiensicht einbaute:
„Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt.“ (Oswald Spengler, 1917, S. 784).
Vgl. mein Begriff der „Heirat“ („Ehe“) bzw. „Schwangerschaft“.
Pseudomorphose bedeutet Umbildung eines Minerals, bei der die äußere Kristallform erhalten bleibt, die inhaltliche Substanz aber verändert wird. Man unterscheidet: 1.) Paramorphose oder Umlagerungs-Pseudomorphose, bei der durch Änderung von Druck und Temperatur, aber bei Erhaltung der chemischen Zusammensetzung das Kristallgitter umgebaut wird; 2.) Umwandlungs-Pseudomorphose, bei der der stoffliche Bestand teilweise verändert, d.h. Stoff zu- oder/und abgeführt wird; 3.) Verdrängungs- oder Ausfüllungs-Pseudomorphose, bei der der stoffliche Bestand vollständig ausgewechselt wird; die neugebildeten Minerale werden auch als Afterkristalle bezeichnet; 4.) Umhüllungs-Pseudomorphose oder Perimorphose, bei der ein Kristall von einer anderen Substanz eingehüllt und dann völlig herausgelöst wird, so daß nur ein Hohlraum zurückbleibt (negativer Kristall).

Was bei Spengler eine Pseudomorphose heißt, nenne ich „Heirat“ („Ehe“) in der ersten Version und „Schwangerschaft“ in der zweiten Version, die den Anfang des „neuen“ Lebens bildet. (Vgl. 22-24 und 0-2). Ein Beispiel: Der Hellenismus war interkulturell eine Ehe und auch eine Schwangerschaft. Auf zwei Jahreszeiten verteilt, die herbstliche, in der die Hellenen führend waren, und die winterliche, in der die patristischen Christen führend waren, wurde aus der antik gefälschten Form der magischen Kultur eine magisch gefälschte Form der Antike, die am Ende der Schwangerschaft wie eine Plazenta entsorgt wurde, als das Abendland zur Welt kam (vgl. 6-8), nämlich als eine schon vor oder während der Wintersonnenwende (vgl. 22-24 und 0-2) mit der genetischen Information genau dieser beiden Formen ausgestattete Kultur.

Oswald Spengler (28.05.1880 - 08.05.1936), Der Untergang des Abendlandes, 1917 (Band I), 1922 (Band II).

Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. dazu auch das Germanentum).

Magische Kultur bedeutet ein dualistisches Seelenbild: Geist und Seele; ihr Ursymbol ist die Welthöhle. (Vgl. Spengler, 1922, S. 847f.). Der in Spengler den Entdecker der magischen Nationen sehende Sloterdijk meint zum magischen Prinzip: „Was die Weitergabegewalten zuletzt immer über den Geist der Freisprüche siegen läßt, ist die Positivierung der Versprechen und die Nationalisierung der Universalien. Eben dies ist das Prinzip der magischen Nationen, die Oswald Spengler entdeckt und benannt hat - und die man auch Taufnationen oder Religionsnationen nennen könnte.“ (Peter Sloterdijk, Zur Welt kommen, zur Sprache kommen, 1988, S. 172f.). Magien

Historismus ist eine Erscheinung der Spätkultur, d.h. der wie auch immer in den Einzelkulturen erscheinenden „zivilisierten“ Moderne. Die spätkulturellen Phasen () sind immer historizierend - selbst in einer Kultur wie der Antike, die im Vergleich zum Abendland doch als relativ „ahistorisch“ gelten kann. Spätkultur ist „kultureller Herbst“. (Bilder?). Dem entsprechen sind ihre erwachsenen Denker „Spätdenker“. (Vgl. „Moderne-Gliederung“).

An den 3 Bereichen EXOGEN, ENDOGEN, AUTOGEN lassen sich z.B. Analogien zur Entwicklung im Uterus ablesen: EINNISTUNG (), ORGANBILDUNG (), (ORGAN)FUNKTION (), und das gilt auch für alle späteren Sphären!

Die Prähominisierung selbst kann in dieser „12³-Relation“ bisher nur in Relation zum vierfachen Alter unseres heutigen Univerums gesehen werden, also zu der Zeit vor dem Urknall, zum „Vorknall“ sozusagen. Wir wissen nicht, was genau vor dem Urknall „knallte“; wir wissen auch nicht, wer genau als die Vorfahren der Hominoiden - der Menschenartigen (Überfamilie für die Familien Menschenaffen, Gibbons und Menschen) - anzusehen ist. Um dies herauszufinden, müßte man fast das gesamte Känozoikum „wie seine Westentasche“ kennen. Die Geschichte der Prähominisierung und die Geschichte unseres Universums lassen sich ähnlich schwer beschreiben wie die Geschichte des Ungeborenen im Uterus oder die Geschichte der Vor-/Urkultur.

Homo“ bedeutet vom Ursprung (lat. humus, „Erdboden“) her „Irdischer“. Die Gattung Homo der Familie Hominidae und sogar noch die Überfamilie Hominoidea stammt also auch sprachlich vom Erdboden ab. Die Irdischen stammen aus dem „Mutterboden“ namens Uterus oder sind auf ihn gefallen, d.h. auf die Welt gekommen. Wenn also die Menschwerdung in einer „Hülle“ begann, dann darf, wenn man es ganz genau nimmt, das Wort Menschwerdung nicht mit „Hominisierung“ oder „Hominisation“ übersetzt werden, sondern muß, weil es die „Prähominsierung“ miteinschließt und sogar noch die „Sapientisierung“ und „Historisierung“, anders (z.B. „Prähominisierung-bis-Posthominisierung“) oder gar nicht übersetzt werden. Also noch mal: Menschwerdung ist Prähominisierung, Hominisierung, Sapientisierung, Historisierung und endet mit dem Übergang zu einer eventuellen neuen Menschwerdung (Neumenschwerdung).

Revolution ist kein „progressives Voranschreiten“ (wie manche Ewiggestrige glauben mögen), sondern eine „Umdrehung“ und ein „Zurückwälzen“ (wie das lateinischen Wort revolutio verrät), um der Evolution (lat. evolutio, Entwicklung, Entfaltung) das richtige Maß zukommen zu lassen. Das Wort Revolution stammt aus der Astronomie - wie auch Präzession und Nutation. Präzession heißt Vorangehen und Nutation kurz-, aber auch langperiodische Schwankung im Vorangehen! (Vgl. Jahreszeiten).

Johann Wolfgang Goethe (28.08.1749 - 22.03.1832) Faust (Teil I), 1806, S. 27, Faust (II), 1831, S.113ff..

Auf die vorhistorischen Hominiden folgte der historische Hominide namens Homo sapiens sapiens, auf den vormodernen Humanismus folgt der moderne Hominismus. Damit schließt sich vorerst der Kreis. Schon im 13. Jahrhundert sollen Alchimisten erste Experimente unternommen haben, um einen künstlichen Menschen im Reagenzglas zu erzeugen. Goethe ließ im 2. Teil des Faust den Famulus Wagner einen Homunkulus nach Anleitung des Paracelsus erzeugen. Heute scheinen sich die Möglichkeiten zur Erschaffung des Menschen konkretisiert zu haben. (Vgl. Genetik/Gentechnologie).

Von den 10 Mio. Indianern in den USA waren nach wenigen Jahrzehnten nur noch 2 Mio. Indianer übrig. Sie wurden von den Weißen einfach ausgemerzt - nach dem Motto: Endlsösung der Indianerfrage.

Genetik bedeutet also nicht nur „Naturgenetik“, sondern auch „Kulturgenetik“. Als „Technik“ scheint sie den Menschen von Anfang an begleitet zu haben. Jedenfalls wird immer häufiger behauptet, „daß alle Technik ursprünglich - und die längste Zeit unbewußt - Treibhaustechnik und ipso facto indirekte Gentechnik gewesen ist. Unter Perspektiven der Evolutionstheorie ist die umweltdistanzierende Praxis der Vormenschen und erst recht der beginnenden Menschen immer schon eine spontane Genmanipulation - Selbstbehausungstechnik mit der Nebenwirkung Menschwerdung.“ (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 197).

Lichtung“ ist, wenn man diesen Begriff so versteht, wie Martin Heidegger (Sein und Zeit, 1927) ihn prägte, das „Sein“, das desjenigen „Seienden“ bedarf (das „Dasein“ heißt), um offenbar zu werden. Das Sein ist die „Lichtung“, die das Seiende „entbirgt“, es erfaßbar macht. In dieser entbergenden Funktion besteht nach Heidegger der „Sinn vom Sein“. Dieser Sinn kann nur erscheinen im „Da“ des menschlichen Daseins, d.h. in der Erschlossenheit des Daseins durch die „Stimmungen“. Und: „Im Dasein liegt eine wesenhafte Tendenz auf Nähe“. (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 105). Der Sinn des Daseins ist es, das Sein als Lichtung alles Seienden - als Erfolgsraum mit Fenster für Erfolgsbeobachtungen (für offensive Distanz, für Eingriffe und Zugriffe auf Dinge durch die Technik bzw. Kunst) - als Möglichkeit zu nutzen bzw. es geschehen zu lassen. In einem solchen Raum wird die Möglichkeit der „Zuhandenheit“ gewonnen. „Die Lichtung ist ... nicht ohne ihre technogene Herkunft zu denken.“ (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 224). „Man kann weder unverwandt in die Sonne blicken noch in den Tod. Nach Heidegger wäre hinzuzufügen, man kann auch nicht in den Menschen oder in die Lichtung blicken. .... Heidegger regt an, daß man nicht nur das anschaut, was im Licht liegt, sondern daß man darüber nachdenkt, wie das Licht und die Dinge zusammenkommen, anders gesagt, man soll die Lichtung als solche meditieren. Die Lichtung ist gleichsam der weltgebende Blitz. .... Aber wer direkt in ihn schaut, wird geblendet. .... Die Menschen ... sollen den Blitz bedenken und sich in seinem Licht selber als die Unheimlichen fürchten lernen. (Ist das eine „Religion der Lichtung“?). Der Mensch kennt sich selber noch gar nicht, weil er noch nie richtig nach sich selbst gefragt hat. .... Aber für Heidegger war klar, daß sich die Seinsfrage durch die Macht- und Technikfrage hindurch stellt. Und wie richtig das gesehen ist, bemerken wir erst heute daran, daß die Spitzentechnologien in den 'life sciences' sich daran machen, die Codes des Lebendigen umzuschreiben.“ (Peter Sloterdijk / Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, 2001, S. 113-114, 117-118). Technik bei Heidegger

Nach Heidegger (26.09.1889 - 26.05.1976) entspringt das Sein aus dem „Nichten“ des „Nichts“, indem das Nichts das Seiende versinken läßt und dadurch das Sein enthüllt. (Vgl. „Sein und Zeit“, 1927). „Das Nicht nichtet beständig in mir“ - dieser Satz Heideggers weißt auf die innere Tatsache hin, daß ich Sein nur erfassen kann, wenn ich gleichzeitig das Nichtsein (Nichts) denke, und dies in der dialektisch gegenseitigen Verneinung, die ich als ein anhaltendes Nichten in mir erfahre. In einem Film von Walter Rüdel und Richard Wisser (Martin Heidegger - Im Denken unterwegs, 1975) ist Heidegger mit folgenden Sätzen zu hören: „Der Grundgedanke meines Denkens ist ja gerade der, daß das Sein beziehungsweise die Offenbarkeit des Seins den Menschen braucht und daß umgekehrt der Mensch nur Mensch ist, insofern er in der Offenbarkeit des Seins steht. .... Man kann nicht nach dem Sinn fragen, ohne nach dem Wesen des Menschen zu fragen.“ Die von Heidegger begründete Existenzial-Ontologie heißt auch „Fundamentalontologie“, weil sie das Fundament - das Bedenken des Seins - an die Ontologie liefert. (Vgl. Existenzphilosophie). Heidegger machte aus diesem Fundament deshalb eine Fundamentalontologie, weil die Ontologie lediglich das Bedenken des Seienden als Seienden untersucht. Heidegger kritiserte an der abendländischen Metaphysik, daß sie im Verlauf ihrer Geschichte immer nur nach dem Seienden als Seienden gefragt habe; zwar habe sie diese Frage aus der Offenbarkeit des Seins gestellt, aber die Offenheit des Seins selbst sei nie ausdrücklich theamatisiert oder als solche bedacht worden. „Die entscheidende Erfahrung meines Denkens - und das heißt zugleich für die abendländische Philosophie: die Besinnung auf die Geschichte des abendländischen Denkens - hat mir gezeigt, daß im bisherigen Denken eine Frage niemals gestellt wurde, nämlich die Frage nach dem Sein. Und diese Frage ist deshalb von Bedeutung, weil wir im abendländischen Denken das Wesen des Menschen dadurch bestimmen, daß er im Bezug zum Sein steht und existiert, indem er dem Sein entspricht.“ (Heidegger, in: Walter Rüdel & Richard Wisser, Martin Heidegger - Im Denken unterwegs ... [* Film], 1975).

Übrigens: Voraussetzung für das SEIN als metaphysische Frage ist das Hilfsverb (Kopulativverb) SEIN in der Sprache - in etlichen Sprachen, z.B. in den slawischen, war bzw. ist dieses Hilfsverb nämlich nicht existent, also stellte bzw. stellt sich dort auch nicht die Frage, was es bedeutet, daß ein vor Augen stehendes oder ein als gewußt anwesendes Ding IST.

„Unterwegs zur Sprache. Und das ist das einzige Geheimnis Heideggers“ (), so der Heidegger-Übersetzer Jean Beaufret (in: Martin Heidegger - Im Denken unterwegs ..., ein Film von Walter Rüdel & Richard Wisser, 1975): „Übersetzen ist für Heidegger kein Transport eines Pakets aus einem Idiom zu einem anderen, sondern umgekehrt: ein Übersetzen des Denkens selber durch einen Strom an das andere Ufer, nämlich zu dem, was schon zur Sprache gekommen war.“ (Ebd.).

Zuhandenheit ist nach Heidegger (Sein und Zeit, 1927) die Seinsart der menschlichen Beziehung zum „Zeug“ (Gegenstände für das alltägliche „Besorgen“, z.B. Strick-Zeug, Näh-Zeug u.s.w.). Für die Zuhandenheit ist ihre Unauffälligkeit charakteristisch, was zur Folge hat, daß sich ihr Wesen namentlich dann enthüllt, wenn ein Werk-„Zeug“ oder dergleichen nicht zuhanden ist. Die Zuhandenheit steht im Gegensatz zur bloßen Vorhandenheit jener Dinge, die uns direkt nichts angehen. „In den Zeug-Analysen von Sein und Zeit hat sich Martin Heidegger als erster Chirotopologe hervorgetan: Wir verstehen darunter einen Interpreten des Sachverhalts, daß Menschen als Hand-Besitzer und nicht als Geister ohne Extremitäten existieren. Am Heidegger-Menschen ist Beobachtern aufgefallen, daß er kein Genital zu besitzen scheint und wenig Gesicht - um so besser ist sein Ohr ausgebildet, um den Ruf der Sorge () zu vernehmen. Am vorzüglichsten ist seine Ausstattung mit Händen, weil Heideggersche Hände von einem Ohr, dem durch die Sorge eingesagt wird, von Fall zu Fall erfahren, was zu tun ist: Von diesem Ganz-Ohr-ganz-Hand-Menschen wird zum ersten Mal in der Geschichte des Denkens expressis verbis ausgesprochen, daß ihm die dinglichen Mitbewohner der Welt, in der er lebt, zeugförmig zuhanden sind. In Heideggers sorge-erschlossener Welt bildet Zuhandenheit einen Grundzug dessen, was den Eksistierenden im Nähe-Bereich umgibt. Zeug ist, was in der Reichweite der klugen Hand, im Chirotop, vorkommt: das Wurf-Zeug (Wurf-Zeug), das Schneide-Zeug, das Schlag-Zeug, das Näh-Zeug, das Grab-Zeug, das Bohr-Zeug, das Eß-und-Koch-Zeug, das Schlaf-Zeug, das Ankleide-Zeug. Der Heideggersche Mensch ist hinsichtlich all dieser Dinge im Bilde, welche Aufgaben durch sie seiner Hand gestellt sind. Was wäre ein Kochlöffel, wenn er nicht den Befehl zum Umrühren gäbe; was ein Hammer, wenn er nicht das Handlungsmuster »wiederholt auf die Stelle schlagen« aufriefe?  Die helle Hand läßt sich das gegebenenfalls nicht zweimal sagen. Für den Ernstfall kommt das Töte-Zeug hinzu, für den Nicht-Ernstfall das Spiel-Zeug, für den Bündisfall das Schenk-Zeug, für den Unfall das Verbandszeug, für den Todesfall das Bestattungszeug, für den Bedeutungsfall das Zeig-Zeug, für den Liebesfall das Schönzeug.“ (Peter Sloterdijk, Sphären III - Schäume, 2004, S. 364-365).

„An erster Stelle ist das Wurf-Zeug zu nennen, weil es seinem stetigen Gebrauch zu verdanken ist, wenn sich die Hominiden vom akuten Umweltdruck ein Stück weit emanzipieren konnten. Indem die werdende Menschenhand, getragen von einem für die Graslandschaft umgeformten ehemaligen Baumaffenarm, es lernt, zum Werfen geeignete Objekte, in der Regel kleinere und handgroße Steine, aufzunehmen und nach Bringern unwillkommener Begegnungen oder Berührungen zu werfen - seien es größere Tiere, seien es fremde Artgenossen -, gewährt sie den Hominiden zum ersten Mal eine Alternative zur Kontaktvermeidung durch die Flucht. Als Werfer erwerben die Menschen ihre bis heute wichtigste ontologische Kompetenz - die Fähigkeit zur actio in distans. Durch das Werfen werden sie zu Tieren, die Abstand nehmen können. Aufgrund des Abstands entsteht die Perspektive, die unsere Projekte beherbergt. Die ganze Unwahrscheinlichkeit menschlicher Wirklichkeitskontrolle ist in die Gebärde des Werfens zusammengezogen. Daher bildet das Chirotop das ursprüngliche und eigentliche Handlungsfeld, in dem Akteure gewohnheitsmäßig ihre Wurfergebnisse beobachten. Hier kommt ein Verfolger-Auge ins Spiel, das prüft, was die Hände zustande bringen; Neurobiologen wollen sogar eine angeborene Fähigkeit des Gehirns nachgewiesen haben, auf fliehende Objekte zu zielen. Das Chirotop ist eigentlich ein Video-Chirotop, eine von Blicken überwachte Sphäre von Handlungserfolgen. Was Heidegger die Sorge () nannte, bezeichnet der Sache nach zuerst die aufmerksame Ungewißheit, mit der ein Werfer prüft, ob sein Wurf ins Ziel geht. Treffer und Fehlwürfe sind praktischer Wahrheitsfunktionen, die beweisen, daß eine Intention in die Ferne zu Erfolg oder Mißerfolg führen kann - mit einer unklaren Mitte für einen dritten Wert. Beim gelungenen Wurf wie beim Fehlwurf gilt, daß Wahres und Falsches, die logischen Erstgeborenen des Abstands, sich selber anzeigen.“ (Peter Sloterdijk, Sphären III - Schäume, 2004, S. 366-367).

Arnold Gehlen (1904-1976) betrachtete den Menschen als „das biologische Sonderproblem“ (Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, 1940, S. 9ff.), untersuchte „die morphologische Sonderstellung des Menschen“ (ebd., S. 86ff.) natürlich auch an der „Wahrnehmung, Bewegung, Sprache“ (ebd., S. 86ff.) und im Bezug auf „Antriebsgesetze, Charakter, Geistproblem „ (ebd., S. 327ff.). Er nennt im Kapitel „Tier und Umwelt Herder als Vorgänger“ (ebd., S. 73ff.) und sagt über Schopenhauer, den Begründer der abendländischen Lebensphilosophie: „In der oben erwähnte Abhandlug 'Die Resultate Schopenhauers' habe ich gesagt, daß Schopenhauer das allgemeine Schema der modernen Harmoniebetrachtung von tierischer Organisation und Umwelt zuerst entworfen hat. Dies geschieht in dem Kapitel 'Vergleichende Anatomie' der Schrift 'Über den Willen in der Natur' (1836). Darin zeigt er die vollkommenene Harmonie des Willens, des Charakters - also Trieb- und Instinktsystems - einer jeden Tierart, seiner organischen Spezialisierung und seiner Lebensumstände, indem er von der 'augenfälligen, bis ins Einzelne herab sich erstreckenden Angemessenheit jedes Tieres zu seiner Lebensart, zu den äußeren Mitteln seiner Erhaltung' spricht, wie 'jeder Teil des Tieres sowohl jedem anderen als einer Lebensweise auf das genaueste entspricht, z.B. die Klauen jedesmal geschickt sind, den Raub zu ergreifen, den die Zähne zu zerfleischen und zu zerbrechen taugen und den der Darmkanal zu verdauen vermag, und die Bewegungsglieder geschickt sind, dahin zu tragen, wo jener Raub sich aufhält, und kein Organ je ungenutzt bleibt' - ... - Uexküll (1864-1944) ... kam zu einer Ablehnung der naiven Vorstellung, die den Tieren unsere Welt als ihre eigene zuschreibt, während in Wirklichkeit jede Art ihre eigene artspezifische Umwelt hat, zu deren Bewältigung und Erfahrung sie ein System spezialisierter Organe besitzt. Kennen wir die Sinnesorgane eines Tieres, so können wir seine 'Umwelt' rekonstruieren.“ (Arnold Gehlen, Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, 1940, S.73f.). Gehlen geht in seiner empirisch-philosophischen Anthropologie von der menschlichen Antriebsstruktur aus, und weil die Sonderstellung des Menschen für ihn auf morphologischen Primitivismen auf dem Fehlen sicherer Instinkte beruht, bedarf ein so entstehender Antriebsüberschuß der Lenkung. Also auch einer menschenspezifischen Häuslichkeit !

Peter Sloterdijk (*1947), Die Sonne und der Tod, 2001, S. 58-59. Sloterdijks Menschenpark-Rede (1999) führte übrigens zu einer öffentlichen Debatte, die erst Ende 2000 zur Ruhe kam, aber in latenter Form noch heute andauert. Nicht die Rede, sondern die Debatte ist der Skandal! Sloterdijk ging in der Menschenpark-Rede der Frage nach, ob „in der Lichtung vielleicht doch mehr stattfindet als nur ein stilles Gewahrwerden der Welt als Welt. Nach meiner Überzeugung haben die Menschwerdung im allgemeinen und die Öffnung der Lichtung im besonderen etwas mit Domestikation zu tun, also mit Verhäuslichung von Homo sapiens. Die Menschwerdung ist als solche ein spontanes Selbstzüchtungsgeschehen gewesen. Mit dieser Theorie wird der Blick auf die biologische Konstitution der Gattung gelenkt, aber mehr noch, wie gesagt, auf deren kulturgeschichtliche Bedingtheit.“ (Ebd., S. 59).

Bekanntlich soll am Eingang zu Platons Akademie die Inschrift angebracht gewesen sein, es möge sich fernhalten von diesem Ort, wer nicht Geometer sei. Eine zweite Inschrift besagte, von diesem Ort sei ausgeschlossen, wer nicht bereit ist, sich in Liebesaffären mit anderen Besuchern des Theoriegartens zu verstricken. Peter Sloterdijk (*1947) schrieb 1998, daß sein Zeichen, falls er es am Eingang zu seiner Trilogie (Sphären) anbringen sollte, so lauten würde: „Es möge sich fernhalten, wer unwillig ist, die Übertragung zu loben und die Einsamkeit zu widerlegen.“ (Übertragung). Für Sloterdijk speist sich auch das Denken der Philosophen aus den Überschüssen der ersten Liebe. Das Denken ist für ihn vor allem ein Fall der Übertragungsliebe zum Ganzen. Leider habe man sich, so Sloterdijk, im zeitgenössischen intellektuellen Diskurs mit der Auffassung abgefunden, die Übertragungsliebe als einen neurotischen Mechanismus zu charakterisieren. Diesem Mechanismus komme die Schuld zu, daß echte Leidenschaften meist an falscher Stelle empfunden werden. „Nichts hat dem philosophischen Denken so geschadet wie diese klägliche Motivreduktion, die sich zu Recht und zu Unrecht auf psychoanalytische Muster berief. Dagegen muß man darauf bestehen, daß Übertragung die Formquelle von schöpferischen Vorgängen ist, die den Exodus der Menschen ins Offene beflügeln. Wir übertragen nicht so sehr unbelehrbare Affekte auf fremde Personen als frühe Raumerfahrungen auf neue Orte und primäre Bewegungen auf ferne Schauplätze. Die Grenzen meines Übertragungsvermögens sind die Grenzen meiner Welt.“ (Vgl. Peter Sloterdijk, Sphären I - Blasen -, S. 11-14)

Peter Sloterdijk (*1947), Sphären I (Blasen), 1998; Sphären II (Globen), 1999; Sphären III (Schäume), 2004.

„Wenn »es« den Menschen »gibt«, dann nur, weil eine Technik ihn aus der Vormenschheit hervorgebracht hat. Sie ist das eigentlich Menschen-Gebende ... Technik, hat Heidegger doziert, ist eine Weise der Entbergung. Sie holt Ergebnisse ans Licht, die von ihnen selbst her so nicht und nicht zu dieser Zeit an den Tag gekommen wären. .... Auf der Stufe des Satzes »Es gibt Information« verliert das überlieferte Bild von Technik als Heteronomie und Versklavung von Materien und Personen zunehmend seine Plausibilität. Wir werden Zeugen dessen, daß mit den intelligenten Technologien eine nicht-herrische Form von Operativität im Entstehen ist, für die wir den Namen Homöotechnik vorschlagen.“ (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 225, 227, 228). „Heidegger hat sich ohne Zweifel in die Höhenlinie der europäischen Philosophie eingetragen - vielleicht der einzige in unserem Jahrhundert, den man auf lange Sicht in einem Atemzug mit Platon, Augustinus, Thomas, Spinoza, Kant, Hegel und Nietzsche wird nennen dürfen. .... So umfassend, wie ein Religionsstifter nach einem Heilsweg fragt, fragt Heidegger nach der Wahrheit über den Menschen. Man versteht ihn besser, glaube ich, wenn man ihn mit Lehrern der zurückgezogenen Weisheit wie Lao-Tse, mit indischen Denkmeistern wie Shankara und Nagarjuna oder Religionsgründern wie Paulus, Mani oder Luther in eine Linie stellt.“ (Peter Sloterdijk / Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, 2001, S. 102, 116-117).

Sloterdijk unterscheidet zwischen „Allotechnik“ und „Homöotechnik“. Nach seiner Definition ist Allotechnik die Technik der Vergangenheit und Gegenwart und die Homöotechnik die Technik der Gegenwart und Zukunft. „Alle Technik ist bisher kontranatural gewesen, weil sie Prinzipien eingesetzt hat, die in der Natur so nicht vorkommen, ... Technik war ... Allotechnik, das heißt auf gegennatürliche Funktionen und abstrakten Geometrien aufgebaute Mechanik. ... Jetzt ist zum ersten Mal die Schwelle erreicht, wo die Technik anfängt, eine natürliche Technik zu werden - Homöotechnik statt Allotechnik.“ (Peter Sloterdijk / Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, 2001, S. 134-135). Wir haben es demnach heute mit einem Paradigmenwechsel zu tun, einem „Paradigmenwechsel in den Basisideen der Technik. .... Es scheint, daß wir zum ersten Mal an der Schwelle zu einer Form von Technologie stehen, die weit genug entwickelt sein wird, um radikal auf Naturnachahmung umstellen zu können. Das läßt sich an der Gentechnologie zeigen ....“ (Peter Sloterdijk / Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, 2001, S. 329).

Peter Sloterdijk ist sich sicher, daß die Neotenie-Hypothese und verwandte Theorien „in der aktuellen paläobiologischen Diskussion nicht so sehr deswegen auf Eis gelegt wurden, weil sie widerlegt oder überzeugend ersetzt worden wären, sondern weil man weitgehend verlernt hat, die Fragen zu stellen, auf welche die Neotenie die Antwort ist.“ (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 176). Sloterdijk ist sich ebenso sicher, daß die physische Geburt des Menschen (zur Welt kommen) das Gegenteil eines Zurweltkommens ist: „es ist das Herausfallen aus allem 'Bekannten', ein Sturz ins Unheimliche, ein Sichausgesetztfinden in einer nicht geheuren Lage.“ (Peter Sloterdijk, Eurotaoismus. Zur Kritik der politischen Kinetik, 1989, S. 174f.). Die Antike sprach haüfig von den „Sterblichen“, der abendländische Sloterdijk spricht lieber von den „Geburtlichen“. Wohlwissend, daß Kynismus ein Verismus ist, stellt er den Allsatz über die Menschen und die Geburt auf: „Alle Menschen sind geboren. Sokrates ist ein geborener Geburtshelfer. Also ist Sokrates ... ein Geburtlicher.“ Sloterdijks Syllogismus macht den „Sterblichen“ durch „eine kleine große Differenz“ (nämlich durch den Untersatz: Sokrates ist ein geborener Geburtshelfer) „zu einer Sondermenge in der Menge der geborenen Sterblichen ....“ (Peter Sloterdijk, Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen, 1988, S. 21, 98, 141). - Was den Unterschied zwischen „Zur-Welt-Kommen“ und „Zurweltkommen“ betrifft, so meine ich, daß man aus der entwickelten Spanne (Ausbau der Infantilität bzw. Juvenilität) zwischen „Frühgeburtlichkeit“ und „Erwachsenen-Spätgeburtlichkeit“ (durch den Aufschub des Erwachsenseins bedingt) auch bedeutsame Konklusionen für die Kulturgeschichte ziehen und feststellen darf, daß genau wegen dieser Zeit- und Raumspanne die menschlichen Kulturen erst geboren werden können, indem sie ihre Kultursymbolik suchen (vor dem „Zur-Welt-Kommen“) und dann finden, wenn sie zu ihrer Sprache kommen (nach dem „Zur-Welt-Kommen“). Erst nach diesem „Zur-Sprache-Kommen“ wird der (lange) Weg zum „Zurweltkommen“ für die Kulturen frei. Das Neu-Sich-Ausdehnen (= Neotenie) ist sozusagen der „Raum-Zeit-Mechanismus“ für die Menschwerdung, menschliche Kulturwerdung als Welterzeugung. „Das Metawerkzeug Kultur hat in seiner Gesamtheit die Wirkung eines Brutkastens, in dem ein Lebewesen chronisch das Privileg der Unreife genießen darf. Seit Julius Kollmann heißt die biologische Grundlage dieses Effekts Neotenie.“ Dank der Körperausschaltung (Distanz) „ist ein Lebewesen entstanden, „das es sich leisten kann, in seiner biologischen Ausstattung pluripotent, unspezialisiert, langfristig unreif und lebenslang juvenil zu bleiben - und all dies, weil die unvermeidliche Anpassung an den Umweltdruck vom Körper auf die Werkzeuge verschoben wurde.“ (Peter Sloterdijk, Sphären III - Schäume, 2004, S. 368).

Peter Sloterdijk: „Für den Eintritt in die menschenbildende Situation ist das Zusammenwirken von vier Mechanismen vonnöten, deren Ineinandergreifen früh zu bizarren Kreiskausalitäten führt.“ Nach Sloterdijk gibt es noch einen (fünften) synthetisierenden Mechanismus, und zwar (wie bereits erwähnt) „den der Zerebralisation und der Neokortikalisierung, ... weil er in gewisser Weise die Auswirkungen der ersten vier Mechanismen in einem sich eigens hierfür steigernden Organ synthetisiert.“ Die Mechanismen sind:

(1)
Vgl. Akkumulationstendenzen Mechanismus der Insulation Vgl. Akkumulationstendenzen
(2)
Vgl. Akkumulationstendenzen Mechanismus der Körperausschaltung Vgl. Akkumulationstendenzen
(3)
Vgl. Akkumulationstendenzen Mechanismus der Pädomorphose bzw. Neotenie Vgl. Akkumulationstendenzen
(4)
Vgl. Akkumulationstendenzen Mechanismus der Übertragung („unterwegs zur Sprache“) Vgl. Akkumulationstendenzen
(5)
Vgl. Akkumulationstendenzen Mechanismus der Zerebralisation und Neokortikalisierung Vgl. Akkumulationstendenzen

„Keiner von diesen könnte für sich allein genommen die Hominisation oder gar das Heraustreten in die
Lichtung motivieren, aber in ihrer Synergie wirken sie wie ein Fahrstuhl in die menschliche Ekstase.“
(Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 175-176).

Pädomorphose bedeutet, daß viele Tiergruppen ihre Merkmale nicht von den erwachsenen Exemplaren, sondern von den Larven fernerer Vorfahren herleiten. „Damit ist die Haeckelsche Rekapitulationstheorie widerlegt oder zumindest eingeschränkt; nach der Theorie der Pädomorphose werden nicht die früheren Stufen einer evolutionären Reihe embryonal wiederholt, es werden im Gegenteil die ausgewachsenen Stammformen im Lauf der Evolution ausgeschaltet, während die larvalen Formen die Autonomie erlangen.“ Der Mechanismus der Pädomorphose bzw. der Neotenie bezeichnet, so Sloterdijk, „die progressive Verkindlichung und Retardierung von Körperformen“. (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 175). Vgl. „Geburtliche“.

Allgemein bezeichnet Neotenie die Vorverlegung (Progenese) der Geschlechtsreife in Jugendstadien. Der Eintritt der Geschlechtsreife in jugendlichem bzw. larvalem Zustand erfolgt also vor Erreichen des Erwachsenenstadiums. Der Begriff Neotenie (Progenese) wurde 1885 von dem Evolutionsbiologen Julius Kollmann geprägt, um die Verlängerung und Stabilisierung von juvenilen (jugendlichen) Formen bis in die geschlechtsreifen oder erwachsenen Zustände zu bezeichnen. Der Mechanismus der Pädomorphose bzw. der Neotenie bezeichnet, so Sloterdijk, „die progressive Verkindlichung und Retardierung von Körperformen“. (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 175). 1926 sprach Louis Bolk öfter von Fetalisierung als von Neotenie; er meinte damit die phänotypische Festhaltung juveniler oder sogar fötaler Bildungen. Adolf Portmann (1897-1982) setzte den Akzent mehr auf die zeitlichen und mentalen Aspekte der menschlichen Frühgeburtlichkeit als auf die morphologischen Manifestationen der Neotenie. Er modifizierte somit das auf Bolk zurückgehende Fötalisations-Theorem. (Vgl. Peter Sloterdijk, Nicht gerettet. Versuche nach Heidegger, 2001, S. 189). Das Problem der Menschwerdung ist auch ein Problem der Kulturwerdung, v.a. der Kulturgeburt. Auch das noch: neben der riskanten Vorverlegung des Geburtenzeitpunkts geht ein sehr langer Aufschub der Erwachsenwerdung einher! Es gibt also auch eine „Erwachsenen-Spätgeburtlichkeit“ ! Kindliche Frühgeburt und erwachsene Spätgeburt - Voreile und Aufschub - schaffen Raum und Zeit für die menschliche Kultur, ja machen sie eigentlich erst möglich. Alle spezifischen Kulturen zeichnen sich hauptsächlich durch die Phasen von Frühkultur () und Hochkultur () aus, weil sie ja in den Phasen der Vor-/Urkultur () noch zu abhängig und in den Phasen der Spätkultur () schon zu unabhängig sind! Mehr zum Thema

Eines der vielen Symbole für die ökonomisch-technische Mobilität der Moderne ist die Kraftmaschine; diejenige Maschine, die eine gegebene Energieform in nutzbare Bewegungsenergie (mechanische Antriebskraft) umwandelt und die seit der „Industriellen Revolution“ aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken ist. Die allgemeine Bezeichnung für die Kraftmaschine ist der Motor („Beweger“). Dieser Beweger wurde bekanntlich bald zum „Beweger des Selbstbeweglichen“: zum Motor des Automobils. Wenn man sich einen Kulturkreis als ein Automobil vorstellt, dann fällt auf, daß es auch hier entbehrliche und unentbehrliche Autoteile, technisch notwendige Funktionsteile und künstlerische geschmacksabhängige Luxusteile gibt. Seitdem das „erwachsene“ Abendland das „Haus Europa“ bauen will, sollte die Frage erlaubt sein, ob ein solches Haus überhaupt „ökonomisch“ (oíkos, Haus; nomíã, Hüter, Verwalter) sinnvoll ist und wenn ja, wer die Rolle der „Haushütung“ oder „Hausverwaltung“ überhaupt zu leisten imstande ist. Primär geht der Weg einer (Ur) Kultur immer über die Ökonomie, Technik, Kunst bis zur Neukultur. (Vgl. Tabelle). Wenn das moderne Haus Europa ein Automobil ist, dann ist seine Leistung abhängig von seinem Motor (Deutschland). Zwischen dem Motor und dem Getriebe (Frankreich) gibt es eine kraftschlüssige Verbindung: die Kupplung (Alte EWG als Montan-Union EU). Europas Automobil hat selbstverständlich auch eine Bremse (Rest-Europa), die jedoch zunehmend blockiert („Neu-Europa“). In aller Voreile ist ihm ein Euro-Tank (Zentralbank Frankfurt) eingebaut worden, aber wenn Europas „Kraftfahrzeug“ wirklich modern sein soll, dann braucht es eine absolut funktionstüchtige Batterie (Exekutivorgan), einen neuen Kühler (Justizorgan), ein besseres Fahrgestell (Legislativorgan) mit zwei Achsen (vorn(außen), hinten(innen)) zur Aufhängung der vier Räder (Kultur, Ökonomie, Technik, Kunst), ein Ersatzrad (Neu-Kultur), eine Servo-, d.h. durch deutschen „Öldruck“ verstärkte Lenkung (Medien), eine mehr dem europäischen Klima entsprechende Karosserie (Militärwesen). Tatsächlich aber weist das europäische Fahrzeug mehrere technische Mängel auf, und die Luxusausstattung ist zu aufgemotzt, einiges ist sogar unzulässig, z.B. die unter der Ablage verstaute Anlage (Schweiz), anderes eine billige Kopie, z.B. die am Lenkrad angebrachten Sterne (USA) und das riesige Schiebedach (Vatikan).

Die Montan-Union entstand als „Ausgeburt der Résistance“ in Frankreich aus Angst vor der Weltmacht Deutschland: Robert Schuman (1886-1963), der im September 1940 nach Deutschland deportiert worden war, floh 1942 und schloß sich der Résistance an. Auf ihn geht der sogenannte Schuman-Plan zurück, der 1950 verkündet wurde und die Bildung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wesentlich förderte. Ziel des Schuman-Plans war es, durch die Bildung eines gemeinsamen Marktes für Kohle und Stahl, durch Ausweitung der Grundproduktion von Kohle und Stahl „zum Fortschritt der Werke des Friedens“ beizutragen. Dies ist lediglich eine freundschaftliche Umschreibung der eben erwähnten Angst. Deutschlands Kohle und Stahl, vor denen die Welt so lange gezittert hatte, waren von nun an auch Kohle und Stahl von Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Luxemburg. Deren Beteiligung an der Kontrolle über Wohlstand und Frieden war die Umwandlung der Angst vor der Weltmacht Deutschland in einen Wohlstand und Frieden antreibenden Wirtschaftsmotor Deutschland. (Vgl. „Automobil Europa“ und „EWG“, „EG“ „EU“, „Euro“, „Europas Untergang per Vertrag“). MehrMehrMehrDeutschlandMontan-Union, EGKS, Euratom, EWG, EG, EU

Die Montan-Union ist die seit der auf der Grundlage des von den 6 Ländern Deutschand (West), Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg am 18.04.1951 in Paris unterzeichneten Vertrages EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) heißende, seit den von denselben 6 Ländern am 25.03.1957 in Rom unterzeichneten Verträgen EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) heißende und seit dem am 07.02.1992 in Maastricht von denselben 6 Ländern und 6 weiteren, in der Zwischenzeit beigetretenen Ländern (1973 Dänemark, England, Irland; 1981 Griechenland; 1986 Spanien, Portugal) unterzeichneten Vertrag EU (Europäische Union) heißende Vereinigung europäischer Staaten. Diese EU der 12 ist seit 1995 durch den Beitritt von Österreich, Schweden und Finnland zur EU der 15, seit 2004 durch den Beitritt von Malta, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Zypern zur EU der 25, seit 2007 durch den Beitritt von Rumänien und Bulgarien zur EU der 27 angewachsen. (KarteEU). Im Grunde wurde hier das von Deutschland schon in der Wilhelminischen Ära angestrebte Europa-Projekt angestrebt - damals wurde es als Imperialismus gedeutet, was es aber gar nicht so sehr war, heute wird es nicht als Imperialismus gedeutet, was es aber um so mehr als früher ist. Das heutige Europa-Projekt ist also ein Projekt des Neo-Wilheminismus. Hier und heute wird (wenn auch erfolglos, so doch um so schlimmer) versucht, den Wilhelminismus zu überbieten - wobei sogar noch betont werden muß, daß der Wilhelminismus „humanitärer“ war als der Neo-Wilhlminismus es je sein kann. Es sind vor allem die militärischen Gründe, die z.B. den Neo-Wilhelministen Joseph Fischer (Deutschlands Außenminister von 1998 bis 2005) veranlassen, die EU-Aufnahme der Türkei, in der immer noch gefoltert wird, zu fordern. (Vgl. hierzu auch das „Trojanische Pferd“ in der EU). Das ist ganz im Sinne der USA. Und Fischer ist nur einer unter den vielen träumenden Michel-Politikern (Antideutsche PolitikAntideutsche Politik) ! (Vgl. auch: „Automobil Europa“ und „Euro“sowie „Europas Untergang per Vertrag“; im Überblik: MehrMehrMehrDeutschland). - Außerdem ist die Dringlichkeit einer EU-Reform längst erkennbar. Und bei dieser Reform muß endlich auch der Tatsache Rechnung getragen werden, daß Deutschland nicht Europa, aber Europa Deutschland braucht. Ohne Deutschland ist Europa tot, ohne Deutschland geht in Europa gar nichts, ohne sein pumpendes Herz (Herz (Motor)) ist der Organismus namens EU nicht mehr lebensfähig, nur noch ein toter Körper, und bald auch gar kein Körper mehr. Deutschland ist mit riesigem Abstand größter Nettozahler - und bekommt selbst höchstens 16% und meistens sogar weniger als 10% seiner Einzahlungen wieder zurück, das heißt: von mindestens 84% und meistens sogar mehr als 90% der Einzahlungen Deutschlands lebt der ganze Rest der EU.

Das „Getriebe“ Frankreich ist das „Gefüge von Maschinenteilen zur Übertragung oder Veränderung von (meist rotierenden) Bewegungen“. Für das „Automobil“ Europa ist das Getriebe zwar nicht so wichtig wie der Motor (Deutschland), aber als die USA 2003 den Irak-Krieg durchsetzten, wurde deutlich, wie „Sand ins Getriebe“ kommen kann: „Bestraft Frankreich, ignoriert Deutschland, ...!“, riet US-Verteidigungsminister Rumsfeld im März 2003 und meinte „Alt-Europa“, das den Irak-Krieg strikt ablehnte, während „Neu-Europa“ die Absichten der USA unterstützte. Trojanisches Pferd

Die „Kupplung“ (zu lat. copulare, „zusammenbinden“, „verbinden“) besteht aus der „Ur-EU“: Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg und Italien. Als Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl („Montan-Union“) wurde sie am 18.04.1951 gebildet und durch die E.W.G.-Verträge vom 25.03.1957 (Römische Verträge), die am 01.01.1958 in Kraft traten, zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ausgebaut. Sie entstand also aus Angst vor der Weltmacht Deutschland. Somit ist die EU im Grunde ein ganz besonders paradoxes Phänomen. Schon am Ende des 2. Weltkrieges hatte man sich deshalb auch über wirtschaftliche Maßnahmen gegen Deutschlands Wiederaufstieg zur Weltmacht gemacht. Um Deutschlands gigantische Wirtschaftskraft zu binden, d.h. sie auf andere Staaten zu übertragen, setzte sich der Gedanke einer Wirtschaftsgemeinschaft genauso durch wie zuvor schon der einer Verteidigungsgemeinschaft (NATO), um Deutschland militärisch zu binden. (Vgl. auch „Alt-Europa“).

Die „Lenkung“ ist eine Funktion der Medien, der Meinungsmacher (Funk(ak)tionäre). Meinungsmacher haben jedoch einen anderen „Lenker“ als der „durchschnittliche Autofahrer“. Eine auch für das Haus Europa gültige moderne „Servo“-Lenkung müßte anders aussehen als die noch aktuelle. Die europäische Lenkung müßte tatsächlich eine „Unterstützung“ erfahren, was bedeuten würde, daß sie nicht mehr so sehr von außen, sondern von innen, also aus Europa selbst heraus, unterstützt würde.

„Batterie“ (Exekutive), „Karosserie“ (Militärwesen) und „Bremse“ (Rest-Europa) stellen das Hauptproblem für das „Automobil“ Europa dar. Die Batterie ist „zu weit außen angebracht“ und eher als „angloamerikanische Batterie“ zu bezeichnen. Eine solche Batterie gleicht nämlich mehr der Kommandostruktur der NATO als derjenigen Europas, denn eine funktionierende EU-Batterie gibt es (noch) gar nicht, weil die EU bis heute darauf verzichtet hat; sie fährt lieber blind und ohne „Stromquelle“, d.h. ohne „elektrochemische Elemente“, obwohl sie von der Umwandlung „chemischer Energie“ in „elektrische Energie“ mittlerweile überzeugt sein müßte. Solange sie aber hierauf verzichtet bzw. sich von außen kommandieren läßt, ist ihr „Kraftfahrzeug“ auch nicht auf dem „technisch aktuellen Stand“, sondern lediglich ein Protz „ökonomischer Energie“, die sich in „politische Energie“ nicht umwandeln läßt. Die Karosserie scheint nur dazu da zu sein, daß sie die Batterie schützt, nicht aber das gesamte Automobil, denn Europas Militär „dient“ (im wahrsten Sinne des Wortes) der NATO und nicht der EU, und zwar nicht wegen der Allianz an sich - die ist in Ordnung -, wohl aber wegen der Kommandostruktur. Die europäische Batterie befindet sich also außerhalb des Fahrzeugs. Die USA besitzen bekanntlich mehrere ferngesteuerte „Kleinfahrzeuge“ - und England hätte auch gern eines (!). Und daß die Bremse blockiert, ist nun wirklich kein Wunder. (Vgl. „Neu-Europa“). Die ohnehin unzuverlässige Lenkung (Medien) wird dadurch noch mehr den Außenbedingungen ausgesetzt, d.h. unmöglich für das Innen. „Fahrlässigkeit“ ist demzufolge das angemessenste Wort für den derzeitigen politischen Zustand Europas.

Ein Zylinder ist ein Hohlkörper und u.a. dadurch gekennzeichnet, daß sein Innenraum (Zylinderbohrung) im Zusammenwirken mit dem sich hin- und herbewegenden Kolben die Energieumsetzung ermöglicht. Zylinder, Kolben und Zylinderkopf (auch: Zylinderdeckel) bilden den infolge der Kolbenbewegung veränderlichen Arbeitsraum der Kolbenmaschine (Arbeitszylinder). Die Zylinderkopfdichtung dichtet Zylinderkopf und Zylinder ab. Der Kolben, das zylindrische Maschinenteil, nimmt die treibende Kraft unmittelbar auf. Wenn also der europäische „Motor“ Deutschland sich auch weiterhin seine 16 Zylinder (Bundesländer) leisten will, aber die 16 Kolben (Bundesratsvertreter) und ihre Hin- und Herbewegungen (scheinbar unendliche Wahlkämpfe u.s.w.) aus berechtigten Gründen als „Blockaden“ empfindet, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann genau die irreversiblen Schäden auftreten: „Kolbenfresser“ politischer Form entstehen durch Übertreibungen jedweder Art, z.B. durch Hyper-Subsidiarität, Hyper-Föderalismus, Hyper-Bürokratie, Hyper-Demokratie, Hyper-Lobbyismus, Hyper-Quotenregelung und andere destabilisierende Spätmodernismen. Die den Deutschen auferlegte Überverteilung ist nicht nur für Deutschland selbst ein großes politisches Risiko - allerdings ist diese auferlegte Kleinstaaterei auch nur Deutschland vertraut: seit 1648 („Westfälischer Friede“)!

Aus dem „Weltmachtskrieg“ (1. und 2. Weltkrieg) gingen die USA als Sieger hervor und bauten ihre Position seitdem auch im „Kognitions-Krieg“ ständig aus. Hierbei handelt es sich in erster Linie um einen „geo-ökonomischen Krieg“, dessen Wettrüsten sich besonders auffällig in den Konsequenzen aus dem Willen zur Benachteiligung desjenigen Gegners äußert, der über den Weg des „kognitiven Wettbewerbs“ geo-ökonomisch vernichtet werden soll. (Vgl. oben). Mit anderen Worten: Karthago wird zerstört, ob es will oder nicht. Schon Churchill wußte, wovon er sprach, als er drohte: „Wir werden Deutschland den Krieg aufzwingen, ob es will oder nicht“. Daß jedoch am Ende England selbst seine Weltmachtrolle an die USA abgeben nußte, hat er zu spät berücksichtigt. Und heute?  Waren die Begründungen, die die USA z.B. für den Krieg gegen den Irak vorbrachte, nicht ähnlich ?  (Ich will hier nichts verurteilen, sondern Analogien feststellen!): Karthago hatte noch die Wahl, als es um den 1. und 2. Punischen Krieg ging, aber als es um den 3. Punischen Krieg ging, hatte es keine Wahl mehr, sondern war auf das Wohlwollen Roms angewiesen. Goodwill brauchen nicht nur diejenigen, die einen militärischen Konflikt zu befürchten haben, sondern immer mehr auch diejenigen, die im kognitiven Wettbewerb einem geo-ökonomischen Krieg nicht aus dem Weg gehen können. Wenn Europa nicht zum „kognitiven Karthago“ werden will, dann muß es in baldiger Zukunft seinen „Motor Deutschland“ („Herz Europas“) unterstützen und nicht, wie gewohnt, ins Kreuzfeuer nehmen - „herzzerreißend“. Man kann den Untergang des Abendlandes auch beschleunigen, und das Abendland ist, wie sein Herz, alt geworden.

Wer vom Abendland nicht reden will, soll von Europa schweigen.
Und: Knoblauch wirkt nur vorübergehend gegen Herzinsuffizienz.

Mit Europa ist Deutschland als „Motor“ gemeint, und wenn die Europäer auf Europa setzen, dann natürlich auf ALLES: Deutschland ist nicht alles, aber ohne Deutschland ist alles nichts - das müßte das Motto der Europäer sein, wenn sie den „geo-ökonomischen Weltkrieg“ nicht auch noch verlieren wollen. (Vgl. oben). Der Motor Deutschland braucht keine angeberischen 16 „Zylinder“ (Bundesländer), sondern einen (nicht-föderalen) „Zylinderkopf“, der nur 4 Zylinder (früher: Franken, Sachsen, Schwaben, Bayern) jeweils abschließen und mit den dazugehörigen (sich hin- und herbewegenden) 4 „Kolben“ den wirksamen „Arbeitsraum der Kolbenmaschine“ bilden muß, den das „Automobil“ Europa auch tatsächlich als Optimum benötigt. In ihrer Geschichte haben Europäer sich durch ihren inneren Zwist so aufgerieben, weil sie keine Führungsnation duldeten, aber dabei nicht merkten, wie eine „außenstehende“ (in Übersee aktive) Nation ihren Willen lenkte: Englands damaliges Interesse ist spätestens seit dem 2. Weltkrieg auf die USA übertragen worden. Ob die Äußerungen des US-Verteidigungsministers Rumsfeld (Januar 2003) zu „Alteuropa“ reine Rhetorik waren oder nicht; ob damit der u.s-amerikanische Angriffskrieg auf den Irak durchgesetzt, ein Kriegsverbrechen wieder einmal vertuscht werden sollte oder nicht: Rumsfeld, der „Alteuropa“ offenbar die Bündnistreue absprechen wollte, bezog sich jedenfalls hierbei auf einen geographischen Raum, der in zweifacher Hinsicht verstanden oder auch mißverstanden werden könnte:

1) Das alte Europa ist nicht das neue Europa.
2) Das alte NATO-Europa ist nicht das neue NATO-Europa.

Der Begriff „Alteuropa“ hat außerdem zwei verschiedene Bedeutungen, weil er sich einerseits auf die antike, andererseits auf die abendländische Kultur beziehen kann. Für die Antike gilt ein anderes kulturelles Zentrum als für das Abendland; die geographischen Bezüge sind zwei zu unterscheidende. Wer heutzutage von „Europa“ spricht und sich ausschließlich auf eine noch existierende Kultur bezieht, der kann nicht das antike, sondern nur das abendländische Europa meinen. So gesehen bezieht sich „Alteuropa“ (als nicht-rhetorisches Mittel!) auf die Frühzeit des Abendlandes, z.B. auf dessen „Geburt“ und damit primär auf den deutsch-französischen Raum, den das Reich Karls des Großen erstmals als Einheit umfaßte. Sicheres „Stehvermögen“ erlangte das Abendland durch Deutschlands Sachsen-Kaiser, insbesondere seit 962, als Otto I. zum Kaiser gekrönt wurde.

„Die maßgeblichen europäischen Mächte unternahmen immer neue Anläufe, ein Reich nachzuspielen, das ihrer
politischen Phantasie als unverlierbares Paradigma vorgeordnet blieb. So könnte man geradezu sagen, daß
Europäer ist, wer in eine Übertragung des Reiches verwickelt wird. Dies gilt besonders für
Deutsche, Österreicher, Spanier, Engländer und Fransosen ....

Der Ausdruck 'translatio Imperii' ist also nicht nur eine mittelalterliche fixe Idee; er bedeutet mehr als die
staatsrechtliche Konstruktion, mit der die sächsischen Kaiser nach der Krönung Ottos I. im Jahre 962 ihre
Herrschaftsprogrammatik vortrugen; es ist nicht weniger als die ideo-motorische oder mytho-motorische Zelle
aller kulturellen, politischen und psychosozialen Prozesse, aus denen die Europäisierung Europas hervorgegangen ist.

Europas traumatische Lektion lag ohne Zweifel in der Demütigung durch seine Befreier.

Erst durch die Ereignisse von 1945 ist Europa wirklich zu dem geworden, was es nach der
Entdeckung des neuen Westens durch Kolumbus in geographischer Hinsicht schon früher,
zumindest dem Namen nach, geworden schien: Alte Welt.

Daher ist 1917 das Schlüsseljahr, in dem die europäische Mythomotorik zu stocken begann.“

Peter Sloterdijk, Falls Europa erwacht, 1994, S. 34, 15, 13, 40

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© Hubert Brune, 2001 ff. (zuletzt aktualisiert: 2014).