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Erdgeschichte und EvolutionErdgeschichte und Evolution Erdgeschichte und EvolutionErdgeschichte und Evolution

Metallikum
Kupfermetallikum
Bronzemetallikum
Eisenmetallikum
Frühgeschichtliche Historiographik
Kelten und Germanen
Germanen
- Tafeln und Karten -
[1][2][3][4][5][6][7]

- Frühkulturelle Historiographie -
- Schriftliche Konsequenz der Neolithischen Revolution -

Vgl. Tafel
Tontäfelchen aus Uruk
(Mesopotamien) mit Zeichen der ältesten bisher nachgewiesenen Schrift
(4. Jahrtausend v. Chr.). Deren Bildzeichen (Piktogramme) wurden später zu den Zeichen der Keilschrift reduziert. Vielleicht entwickelten sich die Hieroglyphen aus ihnen.

- 4. Jahrtausend v. Chr. -
Bilderschrift und phonetisierte Schrift (Hieroglyphen)

- 3. Jahrtausend v. Chr. -
Keilschrift

- 2. Jahrtausend v. Chr. -
Alphabetisierung durch die Phöniker

- 1200 bis 1150 v. Chr. -
Vokalisierung des phönikischen Alphabets durch die Griechen.

- ca. 2. Jh. v. Chr. -
Runen-Alphabet
Germanische Runen

- 13. bis 15. Jh. n. Chr. -
Buchdruck
(China, 13. Jh.)
(
Deutschland, 1434-1448)
(Vgl. Gutenberg)

- 19., v.a. 20. Jh. n. Chr. -
Photographie, Film, Radio, Fernsehen, Computer, Internet
(Vgl.
Kinematographie)

- 22. oder 23. Jh. n. Chr. -
Schrift ist endgültig
wieder zu Bildern geworden!
Der Umkehrprozeß ist beendet

Im Umkehrprozeß der Genese vollzieht sich die Metagenese.
(Vgl. Linguistik)

Frühgeschichte ist nicht dasselbe wie Frühkultur. Jedenfalls sind beide nicht immer deckungsgleich. Nicht jede Frühkultur ist Objekt einer Frühgeschichte - nicht jedes kleine Kind dieser Welt ist Objekt einer Erinnerungsaufzeichnung. Eine Frühkultur muß keine Schrift entwickeln, aber ohne Schrift gibt es keine Frühgeschichte. Vorstufen einer Schrift sind die Bilderschriften (Piktographien). Erste Ansätze zu einer solchen Bilderschrift wurden in Höhlen entdeckt und stammen noch aus der Steinzeit, genauer: aus dem Jungpaläolithikum. Die Sumerer entwickelten im 4. Jahrtausend v. Chr. eine Bilderschrift für ihren Warenaustausch: dargestellt wurden jeweils die konkreten Gegenstände oder Symbole mit Mengenangaben. Solche „Buchungstafeln“ wurden in Uruk (Warka), aber auch bei nordamerikanischen Indianern, bei den Eskimo, bei verschiedenen Völkern Nordasiens und Afrikas gefunden. Eine Bilderschrift, die nicht mehr nur an Vorstellungen, sondern an eine bestimmte Sprache gebunden ist, entwickelt sich zur Schrift nach graphemischen Regeln. Es wird dabei in folgender Reihenfolge „graphemisiert“:


a) „Text“ (z.B die repräsentemische „Kunst“ im Jungpaläolithikum)*
b) „Satz“ (z.B. „Satzschrift“ der Ewe in Togo, Afrika)*
c) „Wort“ (bzw. graphemisiertes Wort: „Logem“)*
d) „Silbe“ (bzw. graphemisiertes „Morphem“)*
e) „Laut“ (bzw. graphemisiertes „Phonem“)*


* Sprachwissenschaftlich verläuft die Analyse (und Interpretation) übrigens in umgekehrter Reihenfolge! (Metagenese).


Auch eine Wortbildschrift kann noch unabhängig von einer bestimmten Lautform sein, wie z.B. die chinesische Schrift. Die Phonetisierung der Schrift, die Fixierung einer bestimmten Lautform, beginnt mit der gesonderten Kennzeichnung von Wortteilen, zunächst Silben, dann einzelnen Lauten. Die älteste voll phonetisierte Schrift sind die ägyptischen Hieroglyphen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr.. Auch die Keilschrift geht auf Bildzeichen zurück, denn in Mesopotamien wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. die von den Sumerern im 4. Jahrtausend v. Chr. entwickelte Bilderschrift zu einer Keilschrift weiterentwickelt, indem man sie auf winklige Formen reduzierte, um sie besser mit einem gespaltenen Rohr in feuchten Ton drücken zu können. Dies gab den Zeichen die charakteristische „Keil“-Form. Im Aufbau ähnelte die Keilschrift jedoch sehr stark den ägyptischen Hieroglyphen. Bilderschriften, Bildzeichen (wie die Hieroglyphen) und Keilschriften weisen nicht zufällig Ähnlichkeiten mit den ersten Bilderschriften, Bildzeichen und Schriftformen der Kinder auf, die auch zunächst („jungpaläolithisch“) „gemalt“, später („frühgeschichtlich“) „umgeformt“ und „geschrieben“ werden.


Paläontologie betreibt umgedrehte Evolution, Archäologie betreibt umgedrehte Geschichte .
Zuerst werden die geschichtlich jüngeren, dann die geschichtlich älteren Phänomene entdeckt.
Auch philologisch-linguistische Entzifferungen verlaufen in umgekehrter Zeitrichtung; nach dem
Gesetz der Metagenese“! (Vgl. dagegen das Gesetz der Genese“).


Der erste Mensch, der bei der Entzifferung der Keilschrift Erfolg hatte (1802), war der deutsche Philologe Georg Friedrich Grotefend (1775-1853). Im Jahre 1822 gelang dem französischen Ägyptologen Jean-François Champollion (1790-1832) die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, besonders des Steins von Rosette und eines Obelisken aus Philae (heute: Gasirat Fila). Die Hieroglyphen wurden natürlich früher entwickelt als die Keilschriften, aber wissenschaftshistorisch („metahistorisch“) wurden die Hieroglyphen später entziffert als die Keilschriften!

Man kann die Geschichte der Schrift in eine periodische Dreigliederung bringen: (1.) Bilderschrift (stark kontextuell und noch relativ schwach textuell), (2.) Alphabetschrift (stark textuell und nur noch relativ schwach kontextuell), (3.) Alphabet-und- Bilderschrift (stark textuell und stark [re-]kontextuell). Also scheint die Schriftgeschichte wohl eine Geschichte im Sinne der Hegelschen Dialektik zu sein: Die 1. Teilperiode bedeutet die Thesis der Bilderschrift und wurde von der mesopotamisch-sumerischen Kultur begründet (Meopotamisch-sumerische Kultur); die 2. Teilperiode bedeutet die alphabetische Antithesis dazu und wurde von der antik-apollinischen Kultur begründet (Antik-apollinische Kultur); die 3. Teilperiode bedeutet die Synthesis und wurde von der abendländisch-faustischen Kultur begründet (Abendländisch-faustische Kultur), wobei man noch nicht wissen kann, womit diese Synthesis tatsächlich enden wird, obwohl es nach der Theorie klar ist. Also: Die im 4. Jahrtausend v. Chr. entstandene Bilderschrift wurde im 2. Jahrtausend v. Chr. von der Alphabetschrift abgelöst, diese wiederum wurde im 1. Jahrtausend n. Chr. mit der Bilderschrift erneut verschmolzen und wird wohl im 3. Jahrtausend wieder von der Bilderschrift zurückgedrängt werden (doch das ist trotz aller heutigen Unkenrufe noch Zukunftsmusik bzw. Spekulation). Die Thesis (Bilderschrift) wurde oben bereits besprochen; kommen wir also zur Antithesis (Alphabetschrift):

Die erste Alphabetschrift - sie bestand nur aus Konsonanten - ist die der Phöniker (Phönizier), die zu deren Entwicklung wohl mehre Jahrhunderte gebraucht haben dürften, jedenfalls war sie bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr. vollendet und wurde im 13. Jahrhundert v. Chr., als auch die Dorische Wanderung begann, von den Griechen übernommen und dann erweitert, denn die Griechen führten erstmals Vokale in das Alphabet ein, weil für sie einige der phönikischen Konsonanten überflüssig waren; diese Redundanz war es also, die es den Griechen ermöglichte, das konsonantischeische Alphabet um Vokale zu erweitern, indem sie die überflüssigen Konsonanten nicht einfach eliminierten, sondern zu Vokalen erklärten und dadurch ein revoltionäres Alphabet einführten. Das griechische Alphabet ermöglichte durch die eingeführten Vokale erstmals eine lautgetreue Wiedergabe der Silben, Wörter, Sätze, also des ganzen Textes:

Die griechische Schrift hatte enorme Auswirkungen, denn „allein durch das Ereignis der griechischen Schrift konnte sich die ... Leser-Subjektivität entwickeln, deren starkes Merkmal in der Fähigkeit zum »Umgang mit Texten«, das heißt zum situationsunabhängigen Sinnverstehen, bestand. .... Dank aufgeschriebener Texte emanzipiert sich die Intelligenz vom Zwang des In-situ-Aufhalts (In-situ-Aufhalt) in mehr oder weniger verstehbaren Umständen. Das hat zur Konsequenz: Um eine Situation kognitiv zu bewältigen, muß ich nicht länger als ihr Teilnehmer in sie eintauchen und mit ihr in gewisser Weise verschmelzen, es reicht aus, ihre Beschreibung zu lesen - dabei steht es mir frei, zu bleiben, wo ich bin, und zu assoziieren, was ich will.“ (Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals, 2005, S. 395). Die Schriftgeschichte ist in etwa identisch mit der Geschichte der Historiographie und kann auch als eine Geschichte der Historienkultur beschrieben werden, doch müssen wir berücksichtigen, daß diese eine Historienkultur aus mehreren Historienkulturen (Historienkulturen) besteht, und genau mitten in dieser Geschichte finden wir die antik-apollinische Kultur (Antik-apollinische Kultur) sowie das erste Alphabet und das revolutionäre Alphabet, das wir die griechische Schrift nennen. Dieser Einschnitt in die Schriftgeschichte war so gewaltig, daß man sogar sagen kann, er war für die von ihm betroffenen Menschen sogar ein Einschnitt in deren „In-der-Welt-Sein“ (In-der-Welt-Sein), denn mit und nach diesem Einschnitt spaltete sich „das In-der-Welt-Sein explizit in erlebte und in vorgestellte Situationen - besser gesagt, es gelingt den vorgestellten Situationen dank ihrer Verschriftlichung, das Monopol des Verstehens-durch-in-der-Situation-Sein zu brechen. Mit der griechischen Schrift beginnt das Abenteuer der Dekontextuierung von Sinn.“ (Peter Sloterdijk, ebd., S. 395-396). Es geht hier also um den Aufstand des Texts gegen den Kontext, das bedeutet: die Losreißung des Sinns von den gelebten Situationen. Die griechische Schrift emanzipierte mit der Einübung des dekontextuierenden Denkens - üblicherweise Lesen genannt - den Intellekt vom Zwang zur Teilhabe an realen Konstellationen. Die griechische Schrift erzeugte erstmals den „rein theoretischen Menschen“, der später Philosoph heißen sollte.

Frühgeschichte ist diejenige Entwicklungstufe, die vor der durch schriftliche Quellen darstellbaren Geschichte liegt und vereinzelte, aber für eine historische Betrachtung nicht ausreichende Schriftzeugnisse aufweist, über die man jedoch durch Überlieferung auszugsweise Kenntnisse historischen Geschehens hat. Weil sie als Teil der Historiographie in den für mein Kernthema (Antike-Abendland) wichtigen Gebieten zu unterschiedlichen Zeiten anzusetzen ist, verweise ich auf die Tafel, die eine Übersicht für die Regionen West-, Mittel- und Südosteuropa sowie Griechenland, Anatolien und den Vorder-Orient gibt. In diesen Gebieten gab es Formen der Ur-, Früh-, Hoch- und Spätkultur, und das hing davon ab, ob die Menschen Nomaden blieben, z.B. als „Wildbeuter“ (Urform) und als „Spezialjäger“ (Frühform), oder ob sie bereits als „Seßhafte“ (Hochform) Ackerbau und Viehzucht betrieben und sogar schon „Metallverarbeiter“ (Spätform) waren, zu mehr Reichtum gelangten, d.h. „Reiche“ wurden. (Genese). Eine Schriftentwicklung darf man zumindest für Hoch- und Spätkulturen erwarten, die Besitz, Kapital und damit Macht sichern, ihre Forderungen über schriftliche Urkunden erfolgreich einklagen wollen u.s.w.; und einige taten dies auch, und zwar noch im Stadium der Frühkultur: zuerst die Sumerer, als sie begannen, die Schrift als Verwaltungshilfsmittel nutzten. So wurden die Sumerer zur Kultur der Besitz und Macht Versichernden und Verwaltenden, weil sie eine Schrift entwickelt hatten, zur Hochkultur aufstiegen und als Spätkultur eine erste Zivilisation begründeten. Die „Zurückgebliebenen“ mußten mit den „Verwaltenden“ eine eheähnliche Partnerschaft eingehen oder wurden auf eine andere Art erobert und, wenn es sich für die Eroberer lohnte, schon bald zu „Gläubigern“ gegenüber einer überlegenen Kultur. (Vgl. Kulturehe und Schriftentwicklung ab ca. 4000 v. Chr. ).

Historiographierende und Historiographierte

Beispiel: Fotos und Filme, die das Leben des Ungeborenen im Mutterleib dokumentieren, werden ja schon seit langer Zeit gemacht. Nach der Geburt des Kindes füllen sich die Fotoalben und Videoschränke. Den Unterschied, Beobachter oder Beobachteter zu sein, lernen kleine Kinder gerade erst kennen, weshalb sie oft zum Objekt der Beobachtung und historiographischen Berichterstattungen werden. Gerade in der heutigen Zeit dürfte den meisten Eltern bewußt sein, daß sie ihre Kinder gern filmten, solange sie klein waren, es aber tunlichst mieden, sobald die Kinder selbst damit bewußter umzugehen gelernt hatten und sich nicht mehr „neutral“ vor der Kamera verhielten. Ähnlich sind die Verhältnisse für Vor-/Urkulturen und Frühkulturen einerseits, Hoch- und Spätkulturen (erwachsene Zivilisationen) andererseits. (Vgl. Kult-Uhr). Für sie gibt es Historiographierende und Historiographierte. Früh-Historiographik bedeutet, daß der Historiographierende zumindest die Frühkultur und der Historiographierte die Hochkultur noch nicht erreicht hat. Geschichte dagegen bedeutet, daß Historiographierende und Historiographierte Vertreter aller Kulturstufen bzw. Kulturquartale sein können, sogar Vertreter der zivilisierten Spätkulturen. Auch Erwachsene zeichnen sich gegenseitig auf.

Frühhistoriographie (Beispiele)
Man darf annehmen, daß die Griechen bereits frühhistoriographisch tätig waren, als sie ab etwa 1200 / 1150 v. Chr. das phönikische Alphabet übernahmen und bald erweiterten, indem sie aus den für sie überflüssigen Konsonanten Vokale machten.
(1. Vokalalphabet).
Beispiel (Kultur) Stufe der Historiographie Text zur Kulturgeschichte
Mesopotamien *
Antike *
Abendland *
Frühkultur (ca. 3550 bis 2850)
Frühkultur (ca. 1400 bis 700)
Frühkultur (ca. 750 bis 1453)
Kulturphase des beginnenden Frühlings  Kulturphase des mittleren Frühlings  Kulturphase des beendenden Frühlings

 

Geschichtsstufe
Historiographische Werkzeuge
Hauptmotive
Nächste Stufe
Nächste Stufe
(1) Bildkunst
(1) + (2) Schrift
(1) Religion, Gedenkbild
(1) + (2) Ökonomie, Besitz
  

Kann man Menschen, die selbst noch keine Geschichtsschreibung betreiben, geschichtlich wirklich (besser) beschreiben?

Germanische Seefahrt ist, und zwar von Beginn an, eine wichtige Vor- und Urform der abendländischen Kultur,
also eine ihrer Voraussetzungen. Die Segelschiffahrt der Germanen reichte bereits im 2. Jahrtausend v. Chr.
von Island und der Nordsee über die iberische Westküste bis zu den Kanarischen Inseln und Westafrika.
Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vor- und Uraussetzung für alle abendländischen Entdeckungen.
Germanen (Seefahrt) Ägypter kannten Seefahrtsgermanen als Seevölker, Griechen überlieferten Seefahrtsgermanen in Antlantissagen. Germanen (Seefahrt)

- Eine Frühgeschichte ist nicht dasselbe wie eine Frühkultur - 

Es ist unerheblich, ob sich eine Kultur im Ur-, Früh-, Hoch-, Spätstadium ihrer Entwicklung befindet, wenn die Frühgeschichte beginnt.
(Die Azteken z.B. kannten trotz Hochkultur keine Schrift).
Entscheidend für den Beginn schriftlicher Geschichte ist lediglich,
daß eine Kultur von der Frühgeschichte erfaßt wird.
Die historiographierende Kultur kann nämlich sich selbst
oder auch eine andere Kultur historiographieren. Vgl. 15. Jh. - 18. Jh.

Bei den Ägyptern, Babyloniern, Assyrern u.a. wurden die Taten der Herrscher in „Tatenberichten“ von diesen Herrschern selbst oder von anderen Personen meist in Inschriften, gelegentlich auch in Annalen, festgehalten und verherrlicht. (Im oben erwähnten Beispiel wäre das eine „Kind-Kind-“ bzw. „Frühkultur-Frühkultur-Aufzeichnung“). Ansätze zu einer eigentlichen Geschichtsschreibung mit historischer Kritik und der Frage nach geschichtlicher Wahrheit gab es jedoch schon bei den Hethitern. (Im oben erwähnten Beispiel wäre das eine „Kind-Jugend-“ bzw. „Frühkultur-Hochkultur-Aufzeichnung“, weil die Hethiter bereits „Vorbilder“ hatten). Auch alle folgenden Kulturen konnten bereits auf die Erfahrungen älterer Kulturen zurückgreifen, so daß man ab jetzt nur noch für den Historiographierten annehmen darf, ein frühgeschichtliches Objekt für den nicht mehr frühgeschichtlich vorgehenden Historiographierenden zu sein. Mit anderen Worten: ab jetzt war der Geschichtsschreiber nicht mehr ebenbürtig mit seinem Objekt bzw. selbst das Objekt, sondern Vertreter einer Hochkultur, später einer zivilisierten Spätkultur. (Vgl. Kult-Uhr).

Die Israeliten verstanden ihre eigene Vergangenheit als Heilsgeschichte und entwickelten daraus ein festes Geschichtsbild, das zu einem der wichtigsten Merkmale und „Stützpfeiler“ der magischen Kultur werden sollte. (Vgl. Consensus). Übereinstimmungen als Kulturhauptmerkmal haben allerdings den Nachteil (oder Vorteil), daß sie, weil sie ihrer kulturimpliziten religiösen Wahrheit über die gesamte eigene Kulturgeschichte hinweg zu entsprechen haben, ständig neu interpretiert und deshalb häufig uminterpretiert werden müssen, was auch tatsächlich geschah bzw. geschehen mußte. Eine besonders stark an Bedingungen geknüpfte Geschichtsschreibung dient aber letzten Endes nicht der Wahrheitsfindung, sondern allenfalls dem eigenen Geschichtsbild, und in diesem Fall ist das ein Religionsbild bzw. Wunschdenken. Eher das Gegenteil beanspruchte die Antike für sich; um Erfahrung weiterzugeben, wollten die Griechen das Traditionsgut mit einem unbedingten Wahrheitsanspruch überliefern sowie Gründe und Zusammenhänge historischer Vorgänge aufzeigen (v.a. Herodot: ).

 

Metallikum

Eine neue Epoche (Teilperiode) war mit der Metallverarbeitung angebrochen, weil sie ebenfalls wesentliche sozio-ökonomische Veränderungen mit sich brachte. Die wirtschaftlichen Verhältnisse prägten auch die Sozialstruktur des Metallikums. In Asien war z.B. das Kupfermetallikum der Anfang späterer Hochkultur, in Europa war es mit den großen Völkerwanderungen der Becher-Leute () und der Streitaxt-Leute des Schnurkeramischen Kreises () verbunden, die wahrscheinlich Indogermanen waren, zumindest aber Anteil an der Indogermanisierung Europas hatten. In Mitteleuropa ging die Verarbeitung ziemlich schnell von Kupfer auf Bronze über. (Vgl. dazu die Tafel). Einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor stellte jeweils dasjenige Metall dar, das eine bestimmte Entwicklungsstufe prägte. Ein technologischer Fortschritt war v.a. der Brennofen mit großer Hitzeentwicklung für das Reduzieren der Erze. Die Verarbeitung war sehr arbeitsintensiv, weil auch viele weitere handwerkliche Tätigkeiten damit verbunden waren. Metallbau sowie Metallgewinnung und -verarbeitung erfordern bekanntlich die Zusammenarbeit einer größeren Gemeinschaft. Es war nicht mehr das autarke Dorf, sondern der Zusammenschluß mehrerer überregional organisierter Gruppen, der die Kultur prägte. Besitz und Kontrolle des Zugangs zu den erzreichen Gebieten verhalfen einigen Gemeinschaften zu besonderem Reichtum. Daraus entwickelte sich schon in der frühen Bronzezeit eine weiter differenzierte Sozialstruktur, an deren Spitze teilweise sogar herausragende Persönlichkeiten („Häuptlinge“) standen, wie die Funde der überreichen Prunkbestattungen belegen. Später konzentrierten sich Macht und Reichtum zwar nicht mehr so sehr auf Einzelpersonen, beschränkten sich aber immer noch auf eine besondere Schicht.

Mit der Metallverarbeitung entstand das spezialisierte Handwerk, d.h. es entstanden neue Berufe. Die wirtschaftliche Grundlage waren auch im Metallikum der Bodenbau und die Viehhaltung, wobei nun aber eine Mehrproduktion notwendig wurde, um auch die neu entstandenen Berufsgruppen zu versorgen und Kapital für den Tauschhandel zu gewinnen. Durch den großen Metallbedarf bedingt, wurde das Interessengebiet einer Gemeinschaft immer mehr erweitert. Neue Gebiete, besonders in erzreichen Bergen, wurden besiedelt, aber auch Machtbereiche einer gesellschaftlichen Einheit ausgedehnt. Gewisse Gruppen bauten sich dadurch wahrscheinlich eine Monopolstellung auf. Diese Entwicklung fand ihren Höhepunkt in den Machtzentren (Fürstensitze) der „Hallstatt-Kultur“, die in Europa zum Synonym für die beginnende Eisenzeit wurde. (Vgl. dazu die Tafel). Imposant befestigte Burgen mit palastartigen Gebäuden und besonderen Handwerkervierteln, in denen mittelmeerisches Handels- und Ideengut verarbeitet und Gegenstände einer verfeinerten höfischen Kultur hergestellt wurden, nahmen eine wirtschaftliche Vorrangstellung ein; sie beruhte teilweise auf dem Salzreichtum einiger Gegenden und einiger „Salzherren“. Weniger wichtige Siedlungen in der Umgebung der Burgen standen in ihrer Abhängigkeit. Herausragende, überreiche Grabhügel zeugen von der Macht eines einzelnen „Fürsten“ oder ganzer „Fürstendynastien“. Alles deutet darauf hin, daß diese Konzentration der Macht auf einem Feudalsystem basierte. Der Höhepunkt der Eisenzeit wurde etwa 450 v. Chr. durch die Latène-Kultur erreicht - beeinflußt von den Skythen über die Hallstatt-Kultur, von den Griechen über Massilia (und die Rhone aufwärts) und von den Etruskern über den „Argonautenweg“, d.h. den Po entlang über die Schweizer Pässe an Rhein und Rhone. In die kulturell zurückgebliebenen Gebiete (Böhmen, Britische Inseln und Iberische Halbinsel) brachten die Träger der Latène-Kultur (Kelten und Germanen) die städtische Kultur.

Die Indogermanen, deren Sprache rekonstruiert werden kann (Indogermanisch (Bopp)), besaßen offenbar kein Wort für „Heimat“, weshalb sie schon vor der Neolithischen Revolution existiert haben müssen - wahrscheinlich seit dem Jungpaläolithikum als nicht-seßhafte Hirten, die den Ort je nach Zustand der Weide wechselten. Im Indogermanischen findet man auch keine Wörter für „Kupfer“, „Bronze“ und „Eisen“, weshalb sich die Indogermanen bereits vor dem Metallikum in Einzelvölker aufgelöst haben dürften - möglicherweise aber auch erst im nicht überall verbreiteten Kupfermetallikum:

Kupfermetallikum

Die Grenze zwischen Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) und Kupfermetallikum ist nicht leicht zu ziehen, denn schon im reinen Neolithikum gab es Kupferverarbeitung (Quelle: Artefakte aus Kupfer, z.B. in Çatal Hüyük). Umgekehrt blieb auch in der Kupferzeit das Metall anfangs durchaus eine Seltenheit, während wiederum Legierungs-Experimente, die schließlich zur Erfindung der Bronze führten, offenbar schon recht früh stattfanden. Das gilt besonders für Mitteleuropa. (Vgl. dazu die Tafel). Allerdings gibt es in mehreren Schichtfolgen, insbesondere in südöstlichen und einigen westlichen Gebieten Europas und in Asien, tatsächlich eine Stufe, die dem Namen Kupfermetallikum vollends gerecht wird, weil sie sich gegenüber der vorhergehenden und der folgenden Stufe ganz klar abgrenzt und offenbar wie ein Bruch wirkte. So brachte in Südosteuropa die Zeit der Kupferverarbeitung die gleichen sozio-ökonomischen Veränderungen wie anderswo die Bronzezeit (Bronzemetallikum), weshalb es sich bei beiden auch nicht um Zeitabschnitte, sondern um Entwicklungsstufen (Teilperioden) handelt, die in verschiedenen Gebieten zu verschiedenen Zeiten einsetzten oder auch gar nicht einsetzten. (Vgl. dazu die Tafel). In Asien war das Kupfermetallikum der Anfang späterer Hochkultur, in Europa war es mit den großen Völkerwanderungen der Becher-Leute () und der Streitaxt-Leute des Schnurkeramischen Kreises () verbunden, die wahrscheinlich Indogermanen waren, zumindest aber Anteil an der Indogermanisierung Europas hatten.
(Siehe rechts: „Indogermanen“).

Zwischen den verschiedenen Kulturen bestanden durch lebhaften und ausgedehnten Handel enge Beziehungen (z.B. über Feuerstein sowie Bernstein, Mahlsteine u.s.w.). Der Verkehr vollzog sich auf den Flüssen mit Einbaum und Fellbooten, zu Lande auf Knüppeldämmen und Bohlenwegen mit scheibenrädigen Wagen, die von Rindern, Rentieren, später von Pferden gezogen wurden. Kupfer ist das erste Metall, das durch einen metallurgischen Prozeß - Reduktion von Malachit - gewonnen wurde. Als Ursprungsland des Prozesses wird der Iran vermutet. Seit seiner Entdeckung war das Kupfer ein wichtiges Gebrauchsmaterial. Auch in der Alchimie spielte es eine bedeutende Rolle und gehörte zu den 7 Metallen, die den damals bekannten 7 Planeten, zu denen auch die Sonne (= Gold) zählte, zugeordnet waren.

* In Vorder-Orient, in Ägypten, China und Indien begann die Früh-Historiographik bereits in der Kupferzeit.
(Vgl. Frühgeschichte und Tafel).

** Zur Geschichte der „Antike“.

 

Bronzemetallikum

Zwischen 2500 v. Chr. und 800-700 v. Chr. war Bronze in Teilen der Welt das wichtigste Rohmaterial v.a. für Schmuckgegenstände und Waffen. Im Dreiperiodensystem zwischen Steinzeit und Eisenzeit eingeschoben, kann die Bronzezeit in ihren räumlichen und zeitlichen Dimensionen mit diesen aber kaum verglichen werden, weshalb der Begriff Bronzemetallikum in diesem Zusammenhang vorzuziehen ist. Eine ausgeprägte Bronzezeit gab es eh nur im größten Teil Europas mit den Kerngebieten Deutschland, Norditalien, Ostfrankreich, Südskandinavien, Baltikum, Polen, Böhmen, Nordwestbalkan sowie in Nordafrika (Mahgrab, Nordmauretanien, Niltal Ägyptens) und in vielen Teilen Asiens (Vorder- und Zentralasien, Nordwestindien, Südsibirien, China, z.T. Hinterindien und Indonesien). Eine durchgehende Periodisierung der Bronzezeit ist nur im mitteleuropäischen Kerngebiet in großen Zügen möglich:

Früh-Bronzezeit (19. - 16. Jh.)
Mittel-Bronzezeit (16. - 13. Jh.)
Spät-Bronzezeit (13. - 8. Jh.)

Da das Ursprungsgebiet der Erzverarbeitung der Vordere Orient ist (Kupfer im 4. Jahrtausend v. Chr., Bronze ab 2500 v. Chr.), bildeten sich die ältesten Bronzekulturen in Mesopotamien. Von dort drang die Kenntnis der Bronze in Richtung Norden (Kaukasus und Anatolien), nach Ägypten, in den ägäischen Raum und nach Kreta, das für die westeuropäischen Kulturbildungen ein wichtiges Austrahlungszentrum wurde. Um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. wurde Kreta dann bekanntlich von Mykene abgelöst. Pannonien und sehr bald auch Germanien gerieten unter mykenischen Einfluß. Goldfunde in Irland weisen ebenfalls auf die enge Verbindung mit Mykene hin. Die Beeinflussung Europas erfolgt über 3 Wege:

1) über Anatolien in den Südosten Europas (Balkan). In unmittelbarer Folge entstand die mitteleuropäische Frühbronzezeit (Monochrome Keramik). Zu den wichtigsten „Bronzekulturen“ zählen die Badener Kultur in Österreich, Ungarn, Böhmen, Mähren, Schlesien und die Kultur von Laibach/Krain sowie die Kultur von Vucedol (um Vukovar). Diese frühbronzezeitlichen Donaukulturen strahlten auch auf die Apenninenhalbinsel aus und machten somit die dort ansässige Remedello- und Rinaldone-Kultur abhängig.

2) von der Iberischen Halbinsel (Almeria- und Algar-Kultur), die über einen Reichtum an Silber und Kupfer verfügte, breitete sich die Glockenbecherkultur () ssaus, deren Ausweitung in Europa zum „endgültigen“ Beginn der Bronzezeit führte.

3) über die transkarpatische Tumuluskultur, die durch ihre Abhängigkeit von der kaukasischen Kubankultur (vgl. Ockergrabkultur ();kultische Opfer beim Tod der Fürsten; Prunkäxte) Elemente der anatolischen Kultur (Çatal Hüyük) übernahm. Wahrscheinlich beeinflußten diese Kulturen die Träger der Streitaxtkultur, die dann die Kenntnis der Bronze nach Mittel- und Westeuropa brachten.

In Europa begann die Bronzezeit im 19. Jh. v. Chr., d.h. 600 bis 700 Jahre später als im Vorderen Orient. Sie führte zur Herausbildung differenzierterer Kulturen. Ausstrahlungszentren waren die Bergbaugebiete in Mitteldeutschland, im Erzgebirge, in der bayrisch-österreichischen Schieferalpenzone (Salzburg, Tirol), in Siebenbürgen Spanien, England und Irland. Die für das Metallikum typische sozio-ökonomische Entwicklung, die schon die von Mitteleuropa „übersprungene“ Kupferzeit kennzeichnete, setzte sich in einem immer größer werdenden Industrie-, Handwerks- und Handelsraum fort: Kulturgroßräume mit stärker gegliederter Gesellschaft entstanden. Mit dem in Samland (Ostpreußen) und Jütland gefundenen Bernstein wurden Tauschgeschäfte abgewickelt. Die für die Handelswege wichtigen Flüsse, z.B. Oder, Elbe, Rhein, Main, Donau und Rhone, verraten die südnördliche Expansionsrichtung. Bernstein wurde in den mykenischen Schachtgräbern entdeckt, dagegen fand man ägyptische Fayence-Perlen in England.

Handwerkliche Spezialisierung für Bronzegewinnung und -bearbeitung waren Erfordernisse, die das Bronzemetallikum genauso kennzeichnen wie die vorwiegend bäuerliche Wirtschaftsform und die soziale Hervorhebung einzelner Persönlichkeiten, die durch die reiche Ausstattung der sogenannten Fürstengräber archäologisch belegt ist. Zu den Funden gehören Schmuckstücke (Arm-, Bein-, seltener Fingerringe, Anhänger, Nadeln, in der Spät-Bronzezeit Fibeln), Waffen (Beile, Äxte, Lanzen- und Pfeilspitzen, Dolche, Dolchstäbe, später Schwerter), seltener und meist erst in der späten Bronzezeit Rüstungsteile (Helme, Panzer, Beinschienen, Schilde), figurale Kunstwerke und getriebene Bronzegefäße. Vorherrschend war eine abstrakte Ornamentik mit Zickzack-, Stern- und Spiralmotiven.

Die Toten wurden in der Früh-Bronzezeit vorwiegend in Hockergräbern - Beisetzung mit angezogenen Beinen - begraben (Hockergräber-Kultur), in der Mittel-Bronzezeit begraben und verbrannt (Hügelgräber-Kultur) und seit der Spät-Bronzezeit in Flachgräbern verbrannt (Urnenfelder-Kultur).

* In Anatolien (Kleinasien) und Griechenland samt anderen südlichen Gebieten der „apollinischen“ Antike begann die Früh-Historiographik bereits in der Bronzezeit.
(Vgl. Frühgeschichte und Tafel).

** Zur Geschichte der „Antike“.

 

Eisenmetallikum

Die Eisenzeit in Europa wird nach dem Gräberfeld bei Hallstatt im Salzkammergut auch Hallstattzeit genannt - auf der Grundlage der Urnenfelder-Kultur. Voraussetzung für die Entstehung waren die zahlreichen Eisenvorkommen, die zur Bildung von Eisenhütten und Industrien führten. Die zweite wichtige Industrie war der Salzbergbau, z.B. in Hallstatt, Dürnberg, Hallein u.a. Orten. In diesen schnell aufblühenden wirtschaftlichen Zentren vollzog sich eine immer stärker werdende soziale Gliederung der Bevölkerung: Bauern, Handwerker, Händler.

Weil, durch den großen Metallbedarf bedingt, das Interessengebiet einer Gemeinschaft immer mehr erweitert wurde und neue Gebiete, besonders in erzreichen Bergen, besiedelt, aber auch Machtbereiche einer gesellschaftlichen Einheit ausgedehnt wurden, bauten sich gewisse Gruppen dadurch wahrscheinlich eine Monopolstellung auf. Diese Entwicklung fand ihren Höhepunkt um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. in den Machtzentren (Fürstensitze)der eben erwähnten „Hallstatt-Kultur“, die in Europa zum Synonym für die beginnende Eisenzeit wurde. (Vgl. dazu die Tafel).

In der Hallstattzeit wurden die Toten zunächst noch nach dem Verbrennen bestattet - v.a. in der Spätzeit der Urnenfelder-Kultur -, dann folgte der Übergang zur Körperbestattung. Die Toten wurden unter Grabhügeln auf einem Wagen beigesetzt, in der Spät-Hallstattzeit („Hallstatt-D“) wurden die Frauen und Diener nach dem Tod des Gatten oder Herren getötet und mit ihm beerdigt. Die „Fürstengräber“ wurden immer in der Nähe der Herrensitze angelegt, zu sehen z.B. in Heuneburg oder Mont Lassoix-Vix. In Nordostdeutschland wurden die unter Gefäße gestellten Urnen (sog. „Glockengräber“) in Steinkisten bestattet. Die Urnen, zum Teil in Gestalt von Haus- oder Speicherformen, wurden mit Bildern von Jagdszenen, Reitern oder pferdebespannten Wagen verziert. Die indogermanischen Kimmerier wirkten durch die Übernahme der „Taurischen Kultur“ auf die ältere Hallstatt-Kultur und wurden dadurch Vermittler vorderasiatischer Kulturelemente; die indogermanischen Skythen wirkten auf die jüngere Hallstatt-Kultur, später auch auf die Latène-Kultur.

Eisen bot gegenüber Kupfer, Zinn und Bronze so offenkundige Vorteile, daß es sich nach Beendigung des Eisenmonopols der Hethiter rasch und unaufhaltsam verbreitete. Vielerorts endete die Eisenzeit erst zu Beginn der neuzeitlichen „Industriellen Revolution“. In einigen Teilen der Welt, z.B. in Afrika, übersprang diese kulturelle Evolution einfach die Bronzezeit, so daß auf die Steinzeit unmittelbar die Eisenzeit folgte. In Amerika wurde Eisen erst von den Europäern eingeführt. Im größten Teil Asiens waren die Zeiten bereits historisch, als die Eisenzeit begann. in Europa noch prähistorisch oder schon frühhistorisch, d.h. historisch werdend. Der entscheidende Zeitpunkt hier wie im Nahen Osten war das Ende des Hethiterreiches um 1200 v. Chr. (Seevölkersturm).

* In den meisten Gebieten Europas begann die Früh-Historiographik in der Eisenzeit, im slawischen Osteuropa allerdings erst während der Christianisierung im 9. und 10. Jh. n. Chr..
(Vgl. Frühgeschichte und Tafel).

** Zur Geschichte der „Antike“.

 

Ist die Periode der Historisierung v.a eine Sache der Indogermanen-Familie? Das Indogermanentum stammt aus dem Jungpaläolithikum.

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Die Indogermanen standen im Zusammenhang mit der Streitaxt-Kultur der Schnurkeramiker, waren aber nicht deren alleiniger Träger. Aus linguistischer, archäologischer und anthropologischer Sicht dürften Trichterbecherkultur () mit ihren Nachfolgekulturen, darunter die Schnurkeramiker (), ferner die Bandkeramiker () und die Ockergrabkultur () als Indogermanen-Kulturen angesehen werden. Damit ist aber nur eine Zeitspanne erfaßt, die das Neolithikum betrifft (für Europa etwa 4500-1800). Ungeklärt bleibt auch die Herkunft der Glockenbecherkultur (). Um 4500 v. Chr. siedelten die Indogermanen wahrscheinlich zwischen Südskandinavien, Schelde, Rhone, Alpen, Schwarzem Meer und Don, nach Abschluß ihrer Wanderungen um 1800 v. Chr. in ganz Europa, in Anatolien und anderen Teilen Vorderasiens sowie im Iran und in Indien. (Siehe Karte). Die entscheidende Aussage über die Herkunft der Indogermanen wird wohl die Linguistik zu machen haben, denn ein Volkstum bestimmt sich in erster Linie nach der Sprache. Viele Befunde sprechen jedoch für ein in Europa gelegenes Ursprungsland der indogermanischen Völker, und es gibt nicht zu unterschätzende Anzeichen dafür, daß Indogermanen kontinuierlich, d.h. vom späten Jungpaläolithikum über das Mesolithikum bis ins Neolithikum in Europa gesiedelt haben. Danach begannen ihre Wanderungen und mit ihnen die Aufsplitterung des Indogermanischen in Einzeldialekte bzw. ins

„Restindogermanische Metallikum“.

 

Bergbau:

Gewinnen, Fördern und Aufbereiten von Bodenschätzen

Grundlage
für Grundstoffindustrie, Energiewirtschaft und Industrie überhaupt

Erster Bergbau erfolgte auf Feuerstein in Jura- und Kreidekalken bereits vor ungefähr 20000 Jahren, also noch im Jungpaläolithikum. Gold wurde schon vor 6000 Jahren aus Flußseifen gewonnen; die ersten der Pharaonendynastien besaßen Goldschmuck. Die Sumerer verwendeten 3000 v. Chr. in Mesopotamien Bitumen mit Sand vermischt als Mörtel. In der Bronzezeit (seit 19. Jh. v. Chr.) wurden die Kupfer-, in der Eisenzeit (seit 11. bzw. 8. Jh. v. Chr.) die Eisenvorkommen in Abbau genommen, Tongefäße nicht selten mit Graphit behandelt. Seit der Stabilisierung der Großreiche der mittelmeerischen Kulturen finden sich Kupferbergwerke auf der Halbinsel Sinai, in Palästina, Syrien, Ägypten und insbesondere auf Zypern, das im 2. Jahrtausend v. Chr. Zentrum der Kupfergewinnung wurde. In Ägypten wurde daneben Gold- und Türkis-Bergbau betrieben. Von Zypern aus verbreiteten die Phöniker ihre Bergbautechnik über den Mittelmeerraum. Die Etrusker gewannen auf Elba und Sardinien Eisen, Kupfer, Zinn und Zink. Die Athener betrieben Siberbergwerke in Lawrion. Das nördliche Alpengebiet und Gallien waren reich an Eisenerzen; in Spanien wurden Gold, Zinn, Blei, Eisen, Kupfer, Quecksiber und insbesondere Silber abgebaut, in Britannien Zinn und Blei. In Indien gab es Kupferbergwerke und Bleigruben. In China war die Gegend um die alte Yin-Hauptstadt Anyang (9. Jh. v. Chr.) reich an Zinn- und Kupfererzen. Im vorkolonialen Amerika wurde Kupfer in Michigan, Gold, Silber, Kupfer und Zinn in Mexiko, Bolivien, Peru und Ecuador abgebaut.

Die ersten Berichte über den Bergbau im mittelalterlichen Mitteleuropa stammen u.a. aus dem böhmischen Schemnitz (745), aus Goslar (970), Freiberg (1170) und Sankt Joachimsthal. Hier wurden hauptsächlich Silber und Kupfer abgebaut, verhüttet und verarbeitet. Bergmännischer Erzabbau stand also bereits vor 1200 in Blüte. Der Bergbau wurde ursprünglich von den Grundherren durch Fronarbeiter betrieben, seit dem 13. Jh. vielfach auf der Rechtsgrundlage einer „Gewerkschaft“, deren Teilhaber (Gewerken) Miteigentümer des Bergwerks waren und persönlich hafteten, während die Bergleute als „Knappen“ und „Steiger“ im Lohnverhältnis arbeiteten. Zwischen dem 10. und 13. Jh. entstanden der Erzabbau im Harz, der Kupferschieferabbau bei Mansfeld, der Zinn-Bergbau am Südabhang des Erzgebirges, der Silber-Bergbau in Freiberg und der Erz-Bergbau in Freiburg im Breisgau. Im 15. und 16. Jh. schufen die deutschen Bergleute die technischen Möglichkeiten für den Abbau in größeren Tiefen. Durch das Einströmen von Edelmetallen aus den spanischen Kolonien verloren die mitteleuropäischen Erzgruben an Bedeutung. Statt dessen setzte, von England ausgehend, im 16. und 17. Jh. der Steinkohlen-Bergbau ein. Steinkohle wird also seit mindestens 400 Jahren abgebaut, und seitdem trat eine stürmische Entwicklung der Mechanisierung des Bergbaus ein. Feldspat und Kaolin für die Porzellanherstellung waren um 1700, später Dolomit und Fluorit für die Hüttenindustrie, im 19. Jh. Kalisalz, Erdöl und Erdgas Rohstoffe, die neue Gewinnungstechniken erforderlich machten. Ende des 18. und Anfang des 19. Jhs. wurden Dampfmaschinen als Antrieb für Wasserpumpen und Förderanlagen sowie Sicherheitslampen (1815) und Gesteinsbohrmaschinen konstruiert. Die technische Entwicklung im 20. Jh. und insbesondere nach dem 2. Weltkrieg war bei den großen Industrienationen gekennzeichnet durch größere Sicherheitsvorkehrungen und eine zunehmende Automatisierung des Abbaus und der Förderung. Seitdem überwachen und steuern immer mehr Computer die Förderung.

 

Wichtige Bronze-Kulturen in Europa

Früh-Bronzezeit (19. - 16. Jh.)
Mitteldeutschland, Bayern, Böhmen, Niederösterreich
(Hockergräber-Kultur)
(z.B.: Aunjetitzer-, Straubinger-, Leubinger-, Mönitzer Kultur)

Die Kultur der Früh-Bronzezeit hatte wegen ihrer Lage als Durchgangsgebiet vom Mittelmeer zum Norden weitreichende Handelsbeziehungen. Die Leubinger-Kultur bildete sich in der Lausitz, Mittel- und Oberschlesien und an der mittleren Warthe heraus. Die reiche Erzvorkommen ausbeutende Straubinger-Kultur in Bayern und die Adlerberg-Kultur am Mittelrhein bildeten in dieser Gruppe eine Ausnahme wegen des starken Anteils der Glockenbecherkultur (). Archäologische Funde bestätigen zum überwiegenden Teil eine Hockergräber-Kultur. Himmelskunde am Harz (Himmelsscheibe)

Mittel-Bronzezeit (16. - 13. Jh.)
Nordwestdeutschland, Maas, Seine, Alpen, Oder
(Hügelgräber-Kultur)

Die Hügelgräber-Kultur wurde nach der im mittleren Zeitabschnitt (16 .- 13. Jh.) der mitteleuropäischen Bronzezeit vorherrschenden Bestattungsform benannt: Körper oder Brandbestattung in Hügelgräbern. Sie sollten nicht mit den älteren Hügelgräbern aus dem mitteleuropäischen Mesolithikum (ca. 7. Jt.) verwechselt werden, die auf dem Pinnberg bei Ahrensburg gefunden wurden. Die Hügelgräber-Kultur ist eine Bezeichnung im engeren Sinne, d.h. sie betrifft mehrere lokale Kulturgruppen der Bronzezeit im Gebiet zwischen Ostfrankreich und dem Karpatenbecken. Die mesolithischen Hügelgräber sind Grabanlagen mit einer oder mehrerer Bestattungen unter bzw. in einem aus Erde oder Steinen angehäuften Hügel, während in den bronzezeitlichen Hügelgräber-Kulturen die Toten - und zwar wohl nur die der Oberklasse! - unter Grabhügeln mit Beigaben von Waffen und Schmuck bestattet wurden. Der Unterschied bezieht sich also sowohl auf den großen Zeitraum als insbesondere auch auf die sozio-ökonomischen und geographischen Verhältnisse, denn die wirtschaftliche Grundlage der bronzezeitlichen Hügelgräber-Kulturen war, neben der Viehzucht, der Handel von Norden nach Süden, der ihr eine wichtige Zwischenstellung im Handel sicherte.

Spät-Bronzezeit (13. - 8. Jh.)
Mitteleuropa, später auch West- und Osteuropa
(Urnenfelder-Kultur)

Urnenfelder-Kulturen (im weiteren Sinne) gab es bereits im Neolithikum, sie waren jedoch besonders typisch für die Urnenfelderzeit (13. - 8. Jh.) in der Spät-Bronzezeit in regional unterschiedlicher Ausprägung. Die Urnenfelder-Kulturgruppen bargen ihre Toten in Urnen und stellten sie zu größeren Feldern (Friedhöfen) zusammen. Sie verbreiteten sich von der mittleren Donau aus in alle Himmelsrichtungen, z.B. nach Mitteldeutschland (Lausitzer Kultur), nach Böhmen, Polen, ins Baltikum sowie nach Westfrankreich, Mittelitalien, Nordspanien, Südostengland und über Griechenland nach Anatolien (Kleinasien), Ägypten und anderen Teilen des Vorder-Orients. Die Urnenfelder-Kultur wurde grundlegend für die Hallstatt-Kultur. Hinter der weiträumigen Verbreitung von verschiedenen Keramikformen, Bronzen (wie Schwerter, Schutz- und Trutzwaffen, Kultgeräte) und Symbolgut wurde von der Forschung die Lausitz als Zentrum der Ausbreitung angenommen. Jedenfalls standen die Veneter und Illyrer in Verbindung mit ihr. Die Urnenfelder-Leute entfalteten eine starke politische Aktivität, wobei sie sich nicht immer friedlicher Mittel bedienten, sondern auch kriegerische Auseinandersetzungen nicht scheuten. Das Abhängigkeitsverhältnis vom Vorder-Orient wurde allmählich lockerer und Europa wirtschaftlich und kulturell selbständig. Gerade das Vordringen der Urnenfelder-Kultur nach Süden hatte Folgen:

a) Ende der mykenischen Zentren und der spätminoischen (mykenischen) Zeit auf Kreta. (Vgl.    ).
b) Eindringen nach Kleinasien und Ende des Hethiter-Reiches.
c) Eindringen nach Norditalien und Latium
(Italiker-Wanderung um -1000, Etrusker-Wanderung ab -900)
d) Einfall der „Seevölker“ in Ägypten
(Philister in Palästina)

 

Bronzezeit der Germanen (19. - 8. Jh.)
Norddeutschland, Skandinavien
(Nordischer Kreis: Urgermanische und Germanische Kultur)

In Skandinavien und Norddeutschland (v.a. Schleswig) lebten die Bewohner in Rechteckhäusern mit „Vorhalle“ (vgl. das griechische „Megaron“). In der Bronzekunst lassen sich Beziehungen über die Urnenfelder-Kultur zu Griechenland feststellen. Zu Beginn der Bronzezeit (ca. 19. Jh. v. Chr.) wurden die Metallgegenstände in Stein nachgebildet. (Vgl. Früh-Bronzezeit). Dann enstand eine selbständige Bronzeindustrie. Die Menschen des Nordischen Kreises kannten den mit Pferden bespannten Streitwagen und handelten natürlich auch mit Bernstein. Sie bestatteten ihre Toten unter großen Grabhügeln. (Vgl. Hügelgräber-Kultur; man hat z.B. reich ausgestattete Gräber in Uppsala und Seddin gefunden). Später wurden die Toten verbrannt. (Vgl. Urnenfelder-Kultur). Ihre Religion bestand aus einem Sonnenkult, wie u.a. der „Sonnenwagen von Trundholm“ beweist, aber auch goldene Sonnenbarken und Darstellungen auf Felsbildern wie Sonnenscheibe, Schiffe, Götterbilder, Gott mit Speer, Gott mit Axt bzw. Hammer u.s.w.. Die Germanen betrieben eine gut entwickelte Seefahrt und erkundeten bereits die Küsten. Während der Spät-Bronzezeit begann allmählich die Ausbreitung nach Süden:

- Ende der Bronzezeit -
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Kartographische Geschichte
Germanen und Kelten am Ende der Bronzezeit.

 

- Hallstatt-Kultur -
(12. - 5. Jh. v. Chr.)

- „Hallstatt I“ -
„Hallstatt A“ (12. Jh. - 11. Jh.)
„Hallstatt B“ (10. Jh. - 8. Jh.)
- „Hallstatt II“ -
„Hallstatt C“ (8. Jh. - 600)
„Hallstatt D“ (600 - 400)

Der Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit wird häufig mit „Hallstatt A“ und „Hallstatt B“, die frühe oder ältere Eisenzeit mit „Hallstatt C“ und „Hallstatt D“ umschrieben. Die Hallstatt-Kultur betrifft im ersten Fall die Urnenfelder-Kultur und damit auch noch die Bronzezeit, im zweiten Fall die eigentliche Hallstatt-Zeit und damit die frühe oder ältere Eisenzeit.

Benannt nach dem Gräberfeld oberhalb von Hallstatt (Oberösterreich), betrifft die Hallstatt-Kultur - als mitteleuropäische Kultur - die Übergangszeit zur Eisenzeit und die ältere Eisenzeit. Sie expandierte einerseits bis nach Frankreich und Nordspanien, andererseits über den Nordwestbalkan bis nach Griechenland. Aus verschieden Gruppen der Urnenfelder-Kultur erwachsen, bildeten sich in der Hallstatt-Kultur - bei wachsenden Kontakt mit dem mediteranen Raum - wirtschaftliche und soziale Verhältnisse heraus, die größere Teile Europas zur Randzone der „antiken Welt“ werden ließen. Weil die Hallstatt-Kultur aus verschiedenen eigenständigen Gruppen bestand, ist ihre Abgrenzung gegenüber den benachbarten Gruppen umstritten. Die ältere Hallstatt-Kultur war in den östlichen Gruppen durch stärkere soziale Unterschiede gekennzeichnet, die in der jüngeren Hallstatt-Kultur auch bei den westlichen Gruppen deutlich wurden. Weil die Stufen „Hallstatt A“ und „Hallstatt B“ allgemein noch zur Urnenfelderzeit gezählt werden, gelten demzufolge nur „Hallstatt C“ und „Hallstatt D“ als die eigentliche Hallstattzeit. Hauptmerkmal der Hallstatt-Kultur waren die sogenannten „Hallstatt-Schwerter“, lange Schwerter aus Bronze, später aus Eisen. Die ältere Hallstattzeit („Hallstatt C“) begann im 8. Jh. v. Chr. und ging um 600 v. Chr. in die jüngere Hallstattzeit („Hallstatt D“) über, die etwa ab 450 - 400 v. Chr. von der Latènezeit abgelöst wurde.

 

- Latène-Kultur -
(5. - 1. Jh. v. Chr.)

Die Wirtschaft der Latènezeit wurde von der landwirtschaftlichen Produktion bestimmt. Allerdings war der Ackerbau weniger bedeutungsvoll als die großen Rinderherden, die zugleich auch Macht und Reichtum des Besitzers demonstrierten. Als Fleischtiere wurden daneben v.a. Schweine gehalten, und als Wollelieferant dienten die ebenso zahlreichen Schafherden. Den wichtigsten Wirtschaftsfaktor bildete in dieser Zeit jedoch die Eisenproduktion. Obwohl die Gewinnung und Verarbeitung des Eisens schon in der Hallstattzeit bekannt war und auch praktiziert wurde, entdeckte man in der Latènezeit neue Vorkommen und neue Verfahren, die diesen Werkstoff auch weiteren Gruppen zugänglich machten. Die Wirksamkeit der ab jetzt allgemein vorhandenen Eisengeräte führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, stärkte aber auch die Schlagkraft des adeligen Kriegerstandes, was in der damaligen Zeit der Wanderungen von Bedeutung war. Kostbare Materialien wie Korallen, Bernstein, Edelmetalle für Schmuck u.s.w. zeugen für die weitreichenden Handelsbeziehungen, wobei der Tausch mit den Mittelmeerländern an erster Stelle stand. Man bezog aus dem Süden nicht nur kunsthandwerkliche Gefäße, auch Wein in großem Umfang, lieferte dagegen wohl Vieh, Salz oder auch Flußgold. Diese Kontakte mit dem Süden waren denn auch kennzeichnend für die gesamte Stufe.

Schon der Beginn der Latène-Kultur wurde durch die Kenntnis, innere Aufnahme und Verarbeitung mediteranen Ideengutes zu einer Veranlassung, die alte zu einer gänzlich neuen Kulturform umzugestalten, aber auch die spätere Stufe der stadtartigen Siedlungen beruhte letztendlich auf der Übernahme hellenistischer Stadtplanung. In der Spät-Latènezeit entwickelte man die sogenannten „Oppida“ als Zentren der keltischen Stammesorganisation. Es waren riesige, umwallte Siedlungsflächen mit Toranlagen, Handwerksbezirke mit verschiedenen Werkstätten, aber auch Weide- oder Ackerbauflächen im Innern. Auch das Münzwesen, das in dieser Zeit in Mitteleuropa eingeführt wurde, war in den „Oppida“ konzentriert, so daß man diese wohl als Verwaltungszentren bezeichnen muß, gemäß der Überlieferung auch als Sitz keltischer Könige. Jedenfalls handelte es sich um die ersten stadtartigen Siedlungen nördlich der Alpen. Sie fanden keine Fortsetzung in der Zeit der römischen Okkupation, der ein gänzlich neues Siedlungs- und Wirtschaftssystem zugrunde lag.

 

 


- Antike Historiker beschreiben Kelten und Germanen -

Griechenland hatte seine Frühgeschichte mit den letzten frühhistoriographischen Vertretern wie Homer (8. Jh. v. Chr.) und Hesiod (um 700 v. Chr.) fast abgeschlossen und begann bald, immer mehr faktische Historiographie zu betreiben. Am Beispiel der Hallstattzeit kann man die Entwicklung der griechischen Geschichtsschreibung einigermaßen nachvollziehen. Um Hallstatt A, B und C, also die Zeit vom 12. Jh. v. Chr. bis etwa 600 v. Chr., zu studieren, benötigt man neben dem (früh-)historiographischen noch eine Menge archäologisches Material, aber für Hallstatt D, also für das 6. und 5. Jh. v. Chr., kann man mit umgekehrten Verhältnissen rechnen. Anfangs berichteten die Griechen über die Hallstattzeit nur durch beschreibende Reiseschilderungen, also illustrativ und auf eine Art des Umschreibens einfacher Zustände. Historiographisch gesehen ist das noch ein relativ dürftiges Material, weil die Quellen zu wenig über Personen, Beziehungen und andere Verhältnisse in den betreffenden Gebieten aussagen. Anders sieht das schon im 5. Jh. v. Chr. aus, als die Hallstattzeit allmählich zur Latènezeit wurde und die griechische Geschichtsschreibung schon Hochkonjunktur hatte, z.B. mit Hekataios (~560-480), Herodot (~490-430), Thukydides (~460-400). Für das nicht-antike Europa gibt es deshalb erst eine Frühgeschichte, als die griechische Historiographie bereits in die ausgeprägteste Phase einer Hochkultur eingetreten war, in den kulturklimatischen Hochsommer! (Hochsommerliche Kulturphase). (Vgl. Beispiel und ).

Ein kartographischer Vergleich: die folgenden zwei Karten der „Hallstattzeit“ zeigen die Heimat der Kelten und Germanen im 8. und 7. Jh. v. Chr. und die beginnende erste Ausbreitungswelle im 7. und 6. Jh. v. Chr., während die nächsten Karten („Frühe Latènezeit“ und „Mittlere Latènezeit“) verdeutlichen, daß die Kelten im 5. Jh. v. Chr. nach Südwesten, Nordwesten und Südosten und somit auch in die Gebiete der Hallstatt-Kultur gezogen sind.

- Hallstattzeit -
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Karte und Text (Antike) Karte und Text (Antike)
Kelten und Germanen in der Hallstattzeit (Heimat im 8./7. Jh. v. Chr., Ausbreitung ab 7./6. Jh. v. Chr.)

In Mitteleuropa begann die Frühgeschichte im 5. Jh. v. Chr. - dank der griechischen Historiker. Infolge sozialer Wandlungen und einer Zeit der Unruhe und Wanderungen, in denen eine breite Adelsschicht der Hallstatt-Kultur mit ihrer Klientel die Kelten der Latènezeit führte, brach ein altes System zusammen, dessen Struktur ein neues übernahm und weiter differenzierte. (Vgl. dazu die Tafel). Die Geschichte der Latènezeit (ca. 5. bis 1. Jh. v. Chr.) kam sowohl in den Stammeserzählungen der Kelten retrospektiv zum Ausdruck als auch durch die Berichte der antiken Autoren über deren Völkerwanderungen und Königszwiste.

- Frühe Latènezeit -
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Karte und Text (Antike
Kelten und Germanen in der Früh-Latènezeit (5. und 4. Jh. v. Chr.)
Starke Kelten-Expansion im 4. Jh. v. Chr.; sie führte zur „Keltisierung“ der einheimischen Bevölkerung.

Im 4. Jh. v. Chr. begann eine starke Kelten-Expansion. (Vgl. Karte). Kelten ließen sich in Norditalien nieder; 387 v. Chr. kam es zur Schlacht bei Allia und zur Belagerung des Kapitols: („Vae victis“ = „Wehe den Besiegetn“), 369 v. Chr. gab es laut Xenophon (430-354) Kelten als Söldner auf der Peloponnes. Ein knappes Jahrhundert später (279 v. Chr.) drangen Kelten auf dem Balkan bis nach Delphi vor. Eine weitere Gruppe wurde nach 275 v. Chr. von dem Seleukidenherrscher Antiochos I. Soter in der nach ihnen benannten Landschaft Galatien angesiedelt. In Italien begann jedoch nach der Schlacht bei Sentinum (293 v. Chr.) der Rückzug der Kelten.

- Mittlere Latènezeit -
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Karte und Text (Antike
Kelten und Germanen in der Mittel-Latènezeit ( 4. und 3. Jh. v. Chr..)
Starke Kelten-Expansion im 4. Jh. v. Chr.; sie führte zur „Keltisierung“ der einheimischen Bevölkerung.

- Rückzug der Kelten (ab 3. Jh. v. Chr.) -

Die Kelten-Expansion im 4. Jh. v. Chr. wurde von den Römern im 3. Samnitenkrieg (298-290) durch die Schlacht von Sentinum (295 v. Chr.) beendet und durch die anschließenden „Keltenkriege“ (285-282) endgültig besiegelt: Roms Herrschaft in Mittelitalien war gesichert, denn von nun an ging von Etruskern, Samniten und Kelten keine Gefahr mehr aus. Gefahren kamen ab jetzt aus südlichen und östlichen Richtungen, wie die Kriege mit Tarent (bzw. Epirus), dann mit Karthago, später auch mit Makedonien und dem hellenistischen Seleukiden-Reich zeigen sollten. (Vgl. Roms Kriege mit Tarent, dann die Punischen Kriege usw.).

Durch die Auseinandersetzung Roms mit Karthago (Punische Kriege) gingen die keltischen Gebiete in Spanien und Südfrankreich an die Römer verloren. 52 v. Chr. wurde ganz Gallien von Cäsar unterworfen und okkupiert, so daß nur noch Britannien als Rückzugsgebiet in Frage kam. Doch diese Zeit währte nur knapp 100 Jahre, denn 43 n. Chr. begann unter Kaiser Claudius die römische Eroberung Britanniens, die bis 54 n. Chr. dauerte und nur noch Schottland und Irland unbesetzt ließ.

 

Die Kelten waren also ein bedeutendes frühgeschichtliches Volk, dessen Herkunft zwar nicht ganz geklärt ist, aber in etwa eingegrenzt werden kann, wenn man 3 Hypothesen berücksichtigt (vgl. dazu auch die Karten: [1][2][3][4][5]):

 

a) Mittel-Bronzezeit (16. - 13. Jh.): Mögliche Teilhabe an der Hügelgräber-Kultur
Spät-Bronzezeit (13. - 8. Jh.)
: Mögliche Teilhabe an derUrnenfelder-Kultur
b) nach Herodot (~490-430): Quellgebiet der Donau (Schweiz und Schwarzwaldgebiet). Nachbarn: Ligurer
c) unter Berücksichtigung von a) und b): West-Mitteleuropa: tendenziell wie in Karte [2]

 

Zu berücksichtigen ist allerdings, daß Kelten und Germanen zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Gebieten nicht voneinander zu trennen sind und man in diesem Zusammenhang von „Keltogermanen“ oder „Germanokelten“ sprechen sollte. Dies betrifft z.B. im 8. Jh. v. Chr. das deutsche Mittelgebirgsgebiet zwischen Rhein und Elbe sowie Nordwestdeutschland (Germanen oder Kelten?), seit dem 3. Jh. v. Chr. Nordost-, Ostfrankreich, Elsaß-Lothringen und Belgien. Deshalb kann man davon ausgehen, daß auch Germanen an der sogenannten Keltisierung vieler Gebiete Europas beteiligt waren.

 

Weil die antike Geschichtsschreibung zu dieser Zeit bereits gut entwickelt war, wissen wir heute mehr über die damaligen Völker, als wir ohne Berichterstattung der antiken Autoren über sie wüßten. Daß dadurch auch eine nicht als „neutral“ zu bewertende Information weitergegeben wurde, dürfte jeden historisch Interessierten bewußt sein. Dennoch muß man solche Informationen als Quellen ernst nehmen, insofern es die Kritik erlaubt, und berücksichtigen, daß in jeder Kultur Informationen vorab zurechtgerückt werden. Weil die damaligen Kelten und Germanen selbst keine Schrift entwickelten, sind „fremde“ Quellen einerseits unerläßlich, andererseits hinterließen Kelten und Germanen jede Menge Artefakte, so daß auch schon anhand der archäologischen Funde deutlich wird, daß beide Völker keineswegs „Barbaren“ waren, wie die antiken Autoren immer behaupteten. Überdies entpuppten sich in der Geschichte schon häufiger die kulturell überlegenen Völker gerade dann als die wahren „Barbaren“, wenn sie dabei waren, diese Rolle auf andere, meistens unterlegene Völker zu projizieren. ('Zivilbarbaren'). Projektionen gehören zu den urtümlichsten seelischen Regungen im Menschen. Ob innerhalb der Hominiden-Familie, der Primaten-Ordnung oder der gesamten Säugetiere-Klasse: je weiter man in der Evolution zurückgeht, desto „natürlicher“ treten sie zutage, und je mehr man sich der Gegenwart nähert, desto mehr müssen sie kanalisiert werden. Um dem Gruppenzwang genügen zu können, müssen solche Lebewesen ihren Erfolg immer mehr durch Tarnung, Täuschung und Lüge sichern und sich in eine immer „seelischer“ werdende Fluchtwelt retten. Projektionen haben offenbar einen stark mammalischen Zug und setzten sich seit dem „Tertiär“ auch auf kulturelle Art immer mehr durch, weil sich die Kultur insgesamt immer mehr behaupten konnte. (Tertiär (Paleozän, Eozän, Oligozän, Miozän, Pliozän)). Anpassung und Distanz

 

Daß historiographische Informationen mit Vorsicht zu genießen sind, zeigen auch die vielen Begriffe, d.h. Wörter, deren Referenz verrät, wer die Welt in wessen Namen interpretierte. Trotzdem gibt es zu ihnen keine historiographisch verwertbare Alternative, wenn die historiographierten Völker selbst keine schriftliche Sprache entwickelten: „Oppida“ (Singular: „Oppidum“) war niemals ein keltisches, sondern ursprünglich ein lateinisches Wort und bezeichnete zunächst altitalische Burgen und stadtähnliche Siedlungen, dann (nach Cäsar) große keltische Stadtanlagen des 2. und 1. Jhs. v. Chr., die von Frankreich bis zum Karpatenbecken verbreitet waren. Diese keltischen Stadtanlagen ähnelten sich in Befestigung, Innenbebauung (stadtviertelähnliche Gliederung) und Funktion, z.B. als Orte der Münzprägung und damit wohl als Sitz der Zentralgewalt eines Stammes. Bedeutende Oppida waren z.B. Alesia, Gergovia, Magdalensberg. (Vgl. Spät-Latènezeit). Mit der römischen Eroberung war die Latènezeit zu Ende; damit aber auch die Sprache, die Kunst und die weitere eigenständige Entwicklung der Kelten. Doch muß man gerade im Hinblick auf die Kelten daran erinnern, daß sie ohnehin im Schatten einer apollinischen Kultur gestanden hatten: der Antike.

 

- Germanen -

Die Germanen, zu den Indogermanen bzw. zur indogermanischen Sprachfamilie gehörend, gingen im End-Neolithikum aus Trägern der nach Westen vorstoßenden Megalithkultur, der Trichterbecherkultur () und Schnurkeramik- bzw. Streitaxtkultur () hervor. Sie bewohnten anfangs Südskandinavien und Schleswig. (Vgl. dazu die Tafel).

Kartographische Geschichte

Germanen

Germanen

Germanen (1. Jh. v.Chr.)

Römische Provinzen in (16. v.Chr. - 16 n.Chr.)

Römische Provinzen in (69 - 96)

Germanen

Germanen

Germanen

Germanen

Germanen

Um 750 v. Chr. siedelten die Germanen bereits weiter südlich, auch im deutschen Mittelgebirge, wo sie die Kelten als Nachbarn hatten.

Man weiß nicht genau, wann und wo die germanische Runenschrift entstanden ist. Sie muß aber im 2. Jahrhundert vor Christus bereits entwickelt gewesen sein, weil sie in dieser Zeit der ersten Zeugnisse - d.h. der ersten, uns bekannten germanischen Schriftquellen - bereits so fertig ausgebildet war wie im Mythos: eine Lautschrift, geordnet in einer festen Reihe, dem sogenannten Futhark.

Runen wurden auf Schildbuckeln, Schwertortbändern, Lanzenspitzen, Fibeln, Kämmen angebracht, aber hauptsächlich in Stein, Metall oder Holz geritzt (engl. „write“ ist verwandt mit dt. „ritzen“). Diese graphischen Zeichen wurden mit dem Aufkommen der christichl-mittelalterlichen Frühkultur des Abendlandes immer seltener und wichen schließlich ganz der lateinischen Schrift. Ursprünge für den Grundstock des germanischen Alphabets könnten auch in der antik-magischen Zeichenwelt liegen, während andere Zeichen rein germanischen Ursprungs bzw. germanische Neuschöpfungen sein dürften. Die Runenschrift ist auch eine Begriffsschrift, d.h. die Runen besitzen nicht nur einen Lautwert, sondern repräsentieren auch einen Begriff, der mit dem betreffenden Laut beginnt.

 

Schon das Wort „Rune“ enthält Zauberisches, denn es teilt mit dem Wort „raunen“ dieselbe Wortwurzel.

- Germanische Runenschrift -
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Germanisches „Futhark“ (Runen-Alphabet) - benannt nach den ersten 6 Zeichen. Der Zeichenvorrat umfaßt 24 Runen (mit graphischen Varianten). Sie sind in 3 sogenannte Geschlechte zu je 8 Runen eingeteilt. Neben ihren Lautwert bezeichnet jede Rune auch einen bestimmten Begriff, deer mit dem betreffenden Laut beginnt:

f = Fahrhabe, Vieh; u = Ur, Auerochse;
th = Thurse, Riese; a = Ase, Seelengottheit;
r = Ritt, Wagen; k = Krankheit, Geschwür;
g = Gabe; w = Wonne; h = Hügel; n = Not;
i = Eis; j = (gutes) Jahr; p = pertho: Fruchtbaum;
s = Sonne; t = Tyr, Gott; b = Birkenreis;
e = ehwaz: Pferd; m = Mann, Mensch;
l
= laguz: Wasser; ng = Ing, Gott der Fruchtbarkeit;
o = Odal, Erbbesitz.

Umstritten ist, inwieweit die Runen nach Anzahl und Stellung in der Reihe auch zahlensymbolischen Wert hatten. Damit hängt das Problem der Runenmagie zusammen. Der Name „Rune“ deutet auf eine Kunst, die Eigeweihten vorbehalten war (gotisch „runa“ ist die Übersetzung von griech. „mysterion“ = Geheimnis), in der literarischen Überlieferung Islands gelten die Runen als „reginkunnar“ (den Göttern entstammend), die isländischen Sagen erzählen wiederholt vom magischen Gebrauch der Runen.


Kein Mensch habe die Runen erfinden können, auch kein Held. Odin (Wotan) selbst opferte sich, er hängte sich 9 Tage lang an den sturmdurchtosten Weltenbaum, die Esche, er verwundete sich mit seinem Speer, und als er stöhnend herabsank, konnte er die Runentafeln entziffern. So wuchs ihm neues und geheimes Wissen zu. Erst durch Kenntnis der Runen wird der Gott zur Verkörperung germanischer Allweisheit. Wahrscheinlich erinnert diese Selbstpeinigung des Gottes Odin an die schamanistischen Praktiken aus einer früheren Kulturstufe, denn ohne solche Foltern und Prüfungen kam kein Schamane zu höherem Wissen; für die Kulturschicht des frühen Jägertums sind diese Züge charakteristisch. An diesem Mythos fällt aber auch auf, daß der Gott sich selbst verletzt - magische Zeichen sind ja nicht selten mit Blut geschrieben.

Tacitus (ca. 55-120) schrieb in seiner „Germania“, die Germanen brächten bestimmte Zeichen auf Holzstäben an, die „zum Wahrsagen und zu anderen magischem Gebrauch“ dienten. Wahrscheinlich handelte es sich tatsächlich um Buchenstäbe - daher vielleicht auch unser Wort für Buchstabe - sogenannte „Lose“, die, mit Runen versehen, ausgeworfen wurden, um aus ihrer Endlage Voraussagen machen zu können: eine Orakelform also. Nach Tacitus wurden die Stäbchen des Losorakels auf ein weißes Tuch ausgeworfen und davon dann auf „gut Glück“ 3 Stäbchen aufgenommen. Eventuell geschah die Deutung in einem „alliterierenden“ Spruch: im „Stabreim“, der seinen Namen nach dem senkrechten Hauptstrich der Rune, dem „Stab“, erhielt. Als Stab (altsächs. „stab“) wurde auch das lateinische Schriftzeichen der aus Holztafeln bestehenden Büchern bezeichnet. Diese lat. „tabulae“, got. „bokos“, ahd. „buoh“ genannten Tafeln aus Buchenholz trugen also Buchstaben im gegensatz zu den nichtlateinischen Runen.

Die Germanen, in Wäldern lebend, verehrten „Höhere Kräfte“ in heiligen Hainen. „Übrigens glauben die Germanen, daß es mit der Hoheit der Himmlischen unvereinbar sei, Götter in Wänden einzuschließen und sie irgendwie menschlichem Gesichtsausdruck anzunähern: sie weihen Lichtungen und Haine und geben die Namen von Göttern jener Macht, die sie allein in frommem Erschauen erleben“. (Tacitus, ca. 55-120, Germania). Diese religiöse Schlichtheit schilderte der gebildete Römer Tacitus in seiner Germania mit Erstaunen und Bewunderung, denn er selbst lebte am Vorabend des Christentums in einer Weltstadt voller Tempel und Götterstatuen, die keine wahre Frömmigkeit mehr wecken konnte. Das Pathos des Autors prägte bis auf den heutigen Tag die Vorstellungen von germanischer Religiosität, denn die Germania blieb für Jahrhunderte die einzige einigermaßen zuverlässige Quelle. Grabungsfunde und Religionsforschung der letzten Jahrzehnte haben das Bild inzwischen bestätigt und zugleich korrigiert. Tacitus berichtete nicht nur von den germanischen „Buchenstäben“ (vgl. Buchstaben und Runen), sondern auch von jenen heiligen „Rossen“, aus deren Wiehern und Schnauben die Priester die Zukunft deuteten: „Die Tiere werden auf Kosten des Stammes in den bereits erwähnten Hainen und Lichtungen gehalten, weißglänzend und durch keinerlei irdischen Dienst entweiht.“ Tatsächlich vollzogen die Germanen in heiligen Eichenhainen kultische Handlungen. Aber auch Quellen und Moore waren heilige Stätten, weshalb man Verbrecher im Moor versenkte, d.h. opferte. Unser Volksmund spricht vom Froschteich, aus dem die Kinder kommen; hier hat sich eine Ahnung aus jener Frühzeit erhalten, ebenso in den Sagen von Wasser- und Waldgeistern, Erdmännchen und Irrlichtern. Jahrtausende hat sich deren Geschichte erhalten, vor allem in Sagen und Märchen. (Vgl. auch die Rückbesinnung in der deutschen Romantik, z.B. durch die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm).

Wotan (Wodan bzw. Odin), in der späteren Sage der „unheimliche wilde Jäger“der Lüfte mit kläffender Meute, ist der Gott des Windes, des Sturmes, des Atems und damit der Seelen, der Toten und des Jenseits („Walhalla“). Daß dieser Gott kulturell der jägerischen Frühzeit angehörte, zeigen seine schamanistischen Züge: die Erinnerung an schreckliche Prüfungen, die ein Schamane, ein Jagdzauberer, vor Ausübung seiner Macht durchstehen mußte, ist in dem Bericht der „Edda“ erhalten, der erzählt, wie Odin (Wotan) ans Stammholz der Weltesche „Yggdrasil“ geschlagen, die Runen findet. Der „Wodanstag“, von den Christen zum „mittleren Tag“ der Woche erklärt, ist der Mittwoch (ahd. Mettawech, engl. Wednesday); die Namen Godesberg (bei Bonn), aus Wodansberg entstanden, Gutmannshausen (bei Weimar), einst Wodanshusen, und Wodeneswege (bei Magdeburg), das heutige Gutenswegen, sind einige der vielen Beispiele, die auf die alten Kultstätten verweisen. Odin, wie ihn die nordgermanische Edda überliefert, und Wodan (Wotan), der im südgermanischen Raum verehrt wurde, bedeuten im Grunde die gleiche Gestalt. Wodan (Wotan) war allerdings nicht zunächst Gott, sondern der Zauberer, wie ihn auch noch der zweite Merseburger Zauberspruch (10. Jh.) überliefert, in dem Wodan (Wotan) zi holza fährt, ins Holz, in den Wald. Aus diesem Bereich dürfte die Runenfindung stammen, hier bietet die Archäologie die meisten runengeritzten Lanzenspitzen, so kommt der Mythos der Runenfindung wohl von Wodan (Wotan) auf Odin.

Donar (nordisch: Thor), den Tacitus mit Herkules gelichsetzte, war der zweitwichtigste Gott der Germanen, der den Hammer schwingt und Blitze schleudert. (Donar). Begleitet von den Böcken „Zähneknirscher“ und „Zähneknisterer“ oder auf einem Ziegenwagen fahrend, deutet er auch in Richtung der Fruchtbarkeiskulte. Er wurde schon in der Jungsteinzeit verehrt, wie Felszeichnungen beweisen. Auch sein Hammer galt noch bis ins Mittelalter als Symbol der Fruchtbarkeit. Donar (Thor) bingt Regen, vertreibt den Frost, zerschmettert die Eisriesen, ist der zuverlässige Gott der Bauern. Wenn er mit seinem Wagen über den Himmel rollte, hörte man den Donar, den Donner; er schützt mit dem Hammer die heiligen Ordnungen, weiht Ehen wie der Schmied von Gretna Green, bekräftigte Verträge: noch heute kommt Versteigerungsgut „unter den Hammer“. Mit seiner gewaltigen Kraft war Donar (Thor) der Schrecken der Gegner. Diesem Gott ist die Eiche heilig. Orte wie Donnersberg, Donnern oder Donnersdorf u.s.w. erinnern am seinen Namen. Natürlich auch der Donnerstag, der Tag des Donar bzw. des Thor (engl. Thursday).

Auch einen echten Fruchtbarkeitsgott, den altorientalischen Göttern Adonis oder Dionysos vergelichbar, gab es bei den Germanen: Baldur, der lichte Frühlingsgott, dessen Sterben und Auferstehung im Mythos verklärt wurde. Die altnordischen Sagen berichten auch von Loki, dem Blutsbruder Odins (Wodans). Loki ist Gott des Feuers und der Unruhe, des Schöpferischen und der Zerstörung. Loki hütet das Herdfeuer, das er Freya, der Göttin der Liebe, Ehe und Fruchtbarkeit gestohlen hat. Er schmiedet Schwerter, sticht als Floh die hehre Freya, gebärt als Stute Wodans achtbeinigen Hengst Sleipnir - halb Kobold, halb Prometheus, häufig in Tiergestalt, ist er der witzige, eigenwillige Helfer. Freya, die Göttin der Fruchtbarkeit, und ihr Bruder Freyr (Fro), dem der Eber geweiht war und ebenso der Schimmelhengst, sind Fruchtbarkeits- und deshalb auch Liebesgötter. Freya rief man an, wenn man Liebesglück suchte (daher: freiern = werben, heiraten wollen). Und wenn zu Ehren des Freyr das Bild seiner mythischen Gattin auf dem heiligen Wagen durch das Gebiet eines Stammes rollte, feierte man diesen Kult mit sexuellen Praktiken wie in Griechenland den Dionysos: das war zwingende Sexualmagie. (Vgl. die antiken „Mysterien“). Freya und ihrem Bruder Freyr war natürlich der Freitag (engl. Fryday) gewidmet.

Die germanischen Kultgemeinschaften - z.B. die der Mannus-Stämme oder die Kulte um die Göttin Nerthus (Hertha) - sind mit den griechischen oder römischen Kultgemeinschaften durchaus vergleichbar. Bestimmte Heiligtümer durften nur Priester berühren, z.B. den geweihten Wagen, der mit einer Decke verhüllt war und sich auf einer Insel im Ozean im heiligen Hain befand. Freudig waren da die Tage, festlich geschmückt die Stätten, die der Gott oder die Göttin mit Ankunft und Besuch würdigte. Dann zog niemand in den Krieg, griff niemand zu den Waffen. Alles Eisen war eingeschlossen. Bekannt und geliebt waren jetzt nur Friede und Ruhe, bis der Priester der Gottheit des Umgangs mit den Menschen müde wurde. Den Gottesdienst verrichteten Sklaven, die danach von der See verschlungen wurden; daher auch: „Seele“ als „zur See gehörig“. Nur Todgeweihte durften hier schauen. (Todesstrafe).

 

Fortsetzung:

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Anmerkungen:

 

Becher und Keramik Indogermanen-Kulturen entstanden wahrscheinlich aus einer einzigen indogermanischen Vor-/Urkultur im Paläolithikum (wohl im Jungpaläolithikum). Die indogermanischen Sprachen sind auch nur unter Annahme einer gemeinsame Ursprache erklärbar. Das Indogermanische, der Name wurde 1823 von H. J. Klaproth für die 1812 bis 1816 von Franz Bopp entdeckte Sprachfamilie geprägt, umfaßt die äußersten Glieder der Gruppe im Südosten (Ceylon) und Nordwesten (Island). Bezogen auf das Wort „Hundert“ wurden die indogermanischen Sprachen unterschieden in eine westliche (Kentum-Sprachen; phonetisch: [k]) und eine östliche Gruppe (Satem-Sprachen; phonetisch [sch]). Weltweite Untersuchungen an Menschen aus den 1970er und 1980er Jahren haben ergeben, daß sprachliche und genetische Merkmale der Indogermanen weitgehend übereinstimmen. Aus linguistischer, archäologischer und anthropologischer Sicht dürften Trichterbecherkultur () mit ihren Nachfolgekulturen, darunter die Schnurkeramiker (), ferner die Bandkeramiker () und die Ockergrabkultur () als Kulturen der Indogermanen angesehen werden. Damit ist aber nur eine Zeitspanne erfaßt, die das Neolithikum betrifft (für Europa etwa 4500 v. Chr. bis 1800 v. Chr.). Ungeklärt bleibt auch die Herkunft der Glockenbecherkultur (). Obwohl man andere Möglichkeiten einer indogermanischen Herkunft nicht ganz ausschließen kann, darf als gesichert angenommen werden, daß die Indogermanen zum größten Teil der nordischen Rasse entstammen und deshalb nur ein europäischer Ursprung dieses Volkstums in Betracht kommt.

Die Wirtschaftsweise eines Wildbeuters gibt es natürlich auch heute noch, z.B. bei den sogenannten Buschmännern. Wildbeuter leben in kleinen Gruppen, deren Größe für die Jagd günstig ist, in temporären Lagerplätzen. Die Rohstoffe für die Herstellung der Werkzeuge werden aus der nächsten Umgebung bezogen, die Produktion derselben erfolgt innerhalb der Gruppe.

Feuerstein; ein hartes, brüchiges Kieselgestein von derartig mikrokristalliner Struktur, daß es sich leicht zu Abschlägen und damit zu Artefakten beliebiger Form verarbeiten läßt. Weit verbreitet, war es vor dem Aufkommen der Metallverarbeitung wichtigstes Rohmaterial für menschliche Werkzeuge und Waffen, zugleich eines der wichtigsten Handelsgüter der Steinzeit, d.h. seit dem Jungpaläolithikum. Nur noch Obsidian (natürliches vulkanisches Glas) und die widerstandsfähigeren Gesteine, die im Neolithikum das Rohmaterial für Reibsteine bildeten, wurden ihm für bestimmte Zwecke vorgezogen. Ihre Form erhielten Feuersteine gewöhnlich durch Abschlag (bzw. Schlagretusche oder Dengeln), in geringerem Umfang durch Druckretusche, Reiben und Schleifen.

Megalithkulturen sind die die im Mesolithikum bis Spätneolithikum (End-Neolithikum) aufgekommene, in der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum bzw. Kupfermetallikum) und Bronzezeit (Bronzemetallikum) fortgesetzte Gewohnheit einiger vor- bzw. urgeschichtlicher und frühgeschichtlicher Kulturen (siehe: Periodik), megalithische Gräber und Kultmale zu errichten; z.B. Menhire (Lange Steine), Alignments bzw. Steinkreise, bestimmte Henge-Monumente und verschiedene Typen von Kammergräbern. Megalithkulturen gab es auch im Nahen Osten, in Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika, obwohl man sie gewöhnlich nur auf Europa bezieht, wo sie tatsächlich am ausgeprägtesten waren und als Relikte heute noch mehr als anderswo zu bestaunen sind. Hier, in Europa, waren einge Megalithkulturen mit Keramik der Chaséen verbunden, andere mit Töpferware der Seine-Oise-Marne-Kultur, der Pasteur-des-Plateaux-Völkerschaften und der Glockenbecherkultur () in West-, Südwest- und Mitteleuropa, besonders in Nordwestdeutschland und ganz England sowie in Südirland. In Norddeutschland, Dänemark, Südschweden und westlichen Teilen Osteuropas waren die Megalithkulturen verbunden mit Gefäßen der Trichterbecherkultur (Vorläufer der Schnurkeramik- bzw. Streitaxtkultur). Der Transport und die Bearbeitung der Megalithe setzen eine relativ differenzierte Sozialstruktur voraus.

Bernstein (eigtl. „Brennstein“; Mittelniederdeutsch: „bernen“ = „brennen“) ist ein unterschiedlich gefärbtes (hellgelb bis orangerot, bräunlich oder gelblichweiß), undurchsichtiges bis klares (durchsichtiges), fettglänzendes, fossiles Harz; der chemischen Struktur nach ein brennbarer Polyester aus Abietinsäure und Diabietinol neben Harzsäuren und Bernsteinsäure. Die bedeutendste Bernsteinlagerstätte der Welt befindet sich in Ostpreußen, wo der Bernstein in der „blauen Erde“ auftritt. Die Gewinnung erfolgt im Tagebau, v.a. bei Palmnicken (Ostseebad an der Westküste des Samlandes, Ostpreußen). Bernstein enthält oft Einschlüsse tertiärer Tiere (v.a. Insekten) und Pflanzenteile. Die ältesten Belege von Bernstein, der v.a. ein beliebter Rohstoff für die Anfertigung von Schmuck war, stammen aus der Jungsteinzeit (Neolithikum). Seit Beginn der Bronzezeit trat Bernstein auch in anderen Gebieten Europas auf. Durch die Kartierung der Bernsteinfunde wurden hypothetische Handelswege erschlossen (Bernsteinstraßen), auf denen der Bernstein nach Süden gelangte. Bernstein wurde in den mykenischen Schachtgräbern entdeckt, dagegen fand man ägyptische Fayence-Perlen in England. Der Bernsteinhandel hatte also eine rein nordsüdliche Richtung:

1) über den Fluß- und Landweg von der Ostssee (Ostpreußen) zur Adria;
2) über den Fluß- und Landweg von der Nordsee (Nordwestdeutschland, Westjütland) zur Adria;
3) über den Fluß- und Landweg von der Nordsee (Nordwestdeutschland, Westjütland) zum Mittelmeer;
4) über den Atlantik von der Nordsee (Nordwestdeutschland, Westjütland) zum Mittelmeer.

Hethiter (vom Landesnamen „Chatti“ abgeleitet) - ein indogermanisches Volk - stießen um 2000 v. Chr. vom östlichen Kleinasien aus nach Westen vor und schufen ein sehr bedeutendes Reich. Ihre indogermanische Sprache (Hattili oder Hatti bzw. Nasili) hat viel Ähnlichkeit mit der indogermanischen Sprache der Luwier (Sprache: Luwili), mit denen die Hethiter in das Land der Protohattier vordrangen. Der Name Hethiter ist aus der Bibel entlehnt, also selbst nicht indogermanisch. Die Hethiter gründeten ein großes Reich in Anatolien, dessen Hauptstadt Kussar war, ab dem 16. Jh. v. Chr.: Hattusa (heute: Bogaskale). Das Alte Hethitereich (1640-1380) wurde von Labarna gegründet, dessen Name zum Titel der der auf ihn folgenden Hethiterkönige wurde. Labarnas Nachfolger Hattusili I. (etwa 1590-1560) verlegte das Zentrum nach Hattusa und eroberte Syrien. Er und sein Nachfolger Mursili I. konnten das Reichsgebiet beträchtlich vergrößern. Mursili I. eroberte auch Babylon (1531 v. Chr.). Nach seiner Ermordung wurde das Reich durch innere Wirren (Königsmorde) geschwächt, aber mit den Reformen von Telepinus (um 1460 v. Chr.) die Ruhe im Innern wieder hergestellt; die Nachfolger wurden per Gesetz geregelt, während die Rechte des Adels erhalten blieben. Unter Telepinus' Nachfolgern festigte sich das Reich wieder. Das Neue Hethiterreich (1380-1200) begann mit der weiteren Sicherung der Grenzen, v.a. gegen die Churriter (Hurriter; altoriental. Volk in Nordmesopotamien und Nordsyrien). Damit wurde das Hethiterreich als Großmacht - neben Ägypten und Babylon - anerkannt. Unter Muwatalli (etwa 1295-1282) brach der bisher vermiedene Konflikt mit Ägypten voll aus. Die Schlacht von Kadesch (1285 v. Chr.) brachte den Hethitern keinen klaren Sieg. Hattusili III. (etwa 1275-1250) kam im Friedensvertrag von 1270 v. Chr. mit Ramses II. von Ägypten zu einer festen Abgrenzung (etwa bei Homs) der beiderseitigen Machtsphären in Nordsyrien. Der Druck des erstarkten Assyrerreiches auf Nordmesopotamien und Nordsyrien gefährdete die hethitische Macht, die gegen 1200 v. Chr. den Ansturm der neuen Völkerbewegung aus dem Westen erlag, z.B. der „Seevölker“. Aus dem Hethiterreich gingen später die Reiche der Phryger, Meder (8. Jh. v. Chr.) und der Lyder (7. Jh. v. Chr.) hervor. Hethitische Wirtschaftsmacht

Wirtschaftliche Macht besaß das Hethiterreich besonders durch sein Eisenmonopol. (Vgl. Eisenmetallikum). Der hethitische Staat war eine Monarchie mit feudalen Zügen. Neben Rechtsprechung, Verwaltung, militärischer Führung und diplomatischer Korrespondenz hatte der König v.a. kultische Aufgaben. Die Entscheidungsrechte des Adels schwanden zunehmend zugunsten der Macht einer wachsenden Beamtenschaft. Die Hethiter besaßen mit dem Schutz der Rechte von Mann und Frau eine humane Gesetzgebung. Geld- und Freiheitsstrafen gab es natürlich auch. Geschichtsschreibung mit historischer Kritik und der Frage nach rein geschichtlicher Wahrheit war den Hethitern ein besonderes Interesse. Es verrät zusätzlich die indogermanische Herkunft dieses Volksstammes, weil es insbesondere die indogermanischen Völker waren, die einer nicht von der Religion dominierten Geschichtsschreibung zustrebten, während andere Völker, z.B. die Israeliten und der gesamte magische Kulturkreis, die Geschichte stets mit der Religion in „Übereinstimmung“ zu bringen hatten (haben).

Germanische Seefahrt ist, und zwar von Beginn an, eine wichtige Vor- und Urform der abendländischen Kultur, also eine ihrer Voraussetzungen. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vor- und Uraussetzung für alle späteren, noch grandioseren abendländischen Entdeckungen. (Karten). „Die altnordischen Stämme, in deren urmenschlicher Seele das Faustische (Faustisches Seelenbild des Abendlandes) sich bereits zu regen begann, haben in grauer Vorzeit eine Segelschiffahrt erfunden, die sich vom Festland befreite. Sie reichte im 2. Jahrtausend v. Chr. von Island und der Nordsee über Kap Finisterre (spanische Nordwestküste) nach den Kanarischen Inseln und Westafrika, wovon die Antlantissagen der Griechen eine Erinnerung bewahrten. Das Reich von Tartessos an der Mündung des Guadalquivir scheint ein Mittelpunkt gewesen zu sein. Vgl. Leo Frobenius (1873-1938), Das unbekannte Afrika, S. 139. In irgendeinem Zusammenhang damit müssen die 'Seevölker' gestanden haben. Wikingerschwärme, die nach langer Länderwanderung von Nord nach Süd im Schwarzen oder Ägäischen Meer wieder Schiffe zimmerten und seit Ramses II (1292-1225) gegen Ägypten vorbrachen.“ (Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917, S. 428). Vgl. dazu auch: Germanentum.

Himelskunde gab es z.B. im mitteldeutschen Raum wohl schon viel früher als bisher angenommen. In der Nähe von Goseck (Sachsen-Anhalt) fand man eine 7000 Jahre alte Siedlung mit Sonnenobservatorium; und die Himmelsscheibe von Nebra (bei Halle) stammt aus dem 17. Jh. v. Chr., ist also mindestens 4000 Jahre alt und damit die bisher älteste uns bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte. Diese Bronzescheibe belegt das stark ausgeprägte Interesse des Menschen am gestirnten Himmel. Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein Schlüsselfund der Archäoastronomie. Sie und die Beifunde deuten auch weiträumige Beziehungen bis in den östlichen Mittelmeerbereich an. Auch ergänzen sich Fundort und Bildinventar der Scheibe gegenseitig. Die beiden seitlichen goldenen Randbögen (einer davon nicht erhalten) können als östliche und westliche Horizontbögen aufgefaßt werden, die den Lauf der Sonnenaufgangs-und untergangspunkte über das Jahr darstellen. Deren Winkel entsprechen dem Sonnenlauf für die frühe Bronzezeit und dem Bereich der Breitengrade durch Sachsen-Anhalt. Vom Mittelberg (nahe der kleinen Unstrutgemeinde Wangen bei Nebra) aus gesehen ging für den Betrachter die Sonne zur Sommersonnenwende über dem Brocken unter, dem markantesten Berg des Harzes. Dieser ist bei klarem Wetter (und fehlenden Bäumen) trotz der Entfernung von ca. 80 km vom Mittelberg deutlich sichtbar. Mit dem im Sommer 2003 in Goseck (Sachsen-Anhalt) entdeckten Sonnenobservatorium, einer ringförmigen, etwa 2 Meter hohen Holz-Palisadenanlage mit 3 Toren, konnten die Menschen die Wintersonnenwende am 21.12. bzw. 22.12. exakt bestimmen. Dieser wichtige Termin wurde mit Sicherheit gefeiert. „Man kann sagen, das Sonnenobservatorium war der erste konkrete religiöse Raum der Welt und in der Funktion mit einer romanischen Kathedrale vergleichbar“, erläuterte der Archäologe Bertemes gegenüber dem Westfalenblatt (27./28.12.2003). 25 Kilometer entfernt vom Fundort der 4000 Jahre alten Himmelscheibe von Nebra, die die älteste genauere Sternenabbildung der Welt ist, fand man auch 7000 Jahre alte Tongefäße (Vgl. Töpferei (Keramik)), Klingen, Pfeilspitzen, Schaber und Reste eines ganzen Dorfes - wahrscheinlich von 150 Menschen, die hier dauerhaft in etwa 10 Langhäusern lebten. Hier in Mitteldeutschland gab es also bereits vor 7000 Jahren ein Sonnenobservatorium, und auch Zirkel sowie rechter Winkel waren hier im Gebrauch. (Zu diesem 7000 Jahre alten Sonnenobservatorium vgl.: „Dorf bei Goseck“; und zur 4000 Jahre alten Himmelscheibe von Nebra vgl.: „www.himmelsscheibe-von-nebra.com“).

Zum 7000 Jahre alten Dorf bei Goseck sagte der Leiter des Institutes für Prähistorische Archäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, F. Bertemes: „Anzeichen für eine Siedlung sind hunderte, etwa 7000 Jahre alte Stücke, die beim Absuchen des Feldes gefunden wurden“. Das Bielefelder Westfalenblatt berichtete am 27./28.12.2003, daß hier u.a. Tonscherben, Pfeilspitzen, Klingen und Schaber aus Stein entdeckt wurden und daß der Archäologe Bertemes erkärt habe, „Tiere seien einfach als lebende Fleischkonserven gehalten worden. Die geistige Welt dieser Bauern sei eine Fruchtbarkeitsreligion mit kultischen Menschenopfern gewesen. Darauf deuteten menschliche Knochenteile hin, die in Gräbern gefunden wurden. Dank Goseck habe die Wissenschaft einen Einblick in die Welt der Jungsteinzeit-Menschen bekommen, schwärmt der Landesarchäologe Harald Meller. Die Anlage liegt nur 25 Kilometer vom Fundort der 4000 Jahre alten „Himmelsscheibe von Nebra“ (Himmelsscheibe von Nebra) entfernt, die als älteste genauere Sternenabbildung der Welt gilt. Goseck zeigt, daß die Menschen schon seit Jahrtausenden die Himmelsphänomene kannten. Auf der Himmelsscheibe wurde dann viele Generationen später dieses Wissen bildhaft dargestellt, sagt Meller.“ (Westfalenblatt, 27./28.12.2003). Das 7000 Jahre alte Sonnenobservatorium bei Goseck ist also bei weitem das weltweit älteste.

Italiker ist eine Bezeichnung für mehrere indogermanische Stämme, die etwa 1200 bis 1000 v. Chr. aus Mitteleuropa über die Alpen nach Italien einwanderten und im Gegensatz zur mittelmeerischen Urbevölkerung ihre Toten nicht bestatteten, sondern verbrannten. (Urnenfelder-Kultur). Die eine Gruppe bezeichnet man als Latino-Falisker, die zweite, jüngere, als Osko-Umbrer oder Umbro-Sabeller. Die Italiker waren Bauern und Hirten, siedelten in Einzelhöfen und Dörfern, hattem tempellose Heiligtümer und verehrten Totemtiere (Wolf, Specht, Stier). Unter etruskischen und griechischen Einfluß gingen sie zur polisartigen Stadtkultur über. (Vgl. Polis).

Etrusker, eine nicht-indogermanische Bevölkerung mit umstrittener Herkunft, beherrschten seit etwa 900 v. Chr ihr Kernland „Etrurien“. Ihre Blütezeit war die Zeit zwischen dem 7. und 4. Jh. v. Chr.. Die Etrusker bildeteten - wie die Griechen - Stadtstaaten, die bis gegen Ende des 6. Jhs. v. Chr. unter Königen, seit dem 5. Jh. v. Chr. unter Oberbeamten standen. (Vgl. Polis). Die Stadtstaaten schlossen sich zu einem lockeren „Zwölfstädtebund“ zusammen, der seinen kultischen Mittelpunkt im Heiligtum des „Voltumna“ (lat. „Voltumnus“) in Volsinii (heute: Bolsena) hatte. Die Etrusker weiteten ihre Macht im 6. Jh. nach Norden und Süden aus; etwa 575 bis 500 (470) v. Chr. hatte das etruskische Geschlecht der „Tarquiner“ das Königtum in Rom inne und wurde zum Schöpfer des römischen Stadtstaates und der meisten seiner politischen und vieler seiner religiösen Einrichtungen. Um 500 v. Chr. wurde in Rom die etruskische Herrschaft beendet, gleichzeitig die Monarchie abgeschafft und der Republik eine Verfassung gegeben. Im 4. Jh. v. Chr. führte Roms Aufstieg zum Niedergang der etruskischen Macht. 264 v. Chr. nahmen Römer die Stadt Volsinii ein und unterwarfen dadurch die Etrusker wie ganz Etrurien endgültig. Im Jahr 264 v. Chr. begann auch Roms erster Krieg gegen Karthago: der „1. Punische Krieg“.

Philister - mit unbekannter Herkunft - zogen um 1200 v. Chr. mit den sogenannten „Seevölkern“, deren Herkunft ebenfalls unbekannt ist, zunächst in den ägäischen Raum, nach Kaphtor (=Kreta), dann nach Ägypten, wo Ramses III. sie zurückschlagen konnte, und nach Südpalästina. Ihre Städte Gasa, Ashdod, Askalon, Ekron und Gath bildeten einen Fünfstädtebund (Pentapolis). Nach dem Rückgang der ägyptischen Macht drangen die Philister nach Osten in das Bergland Palästinas gegen die dort siedelnden Stämme des Volkes Israel vor. Die Philister bewahrten ihre Selbständigkeit trotz dauernder Grenzkämpfe - v.a. gegen das Nordreich Israel -, bis sie von den Assyrern Ende des 8. Jhs. v. Chr. unterworfen wurden.

„Antike Welt“ bedeutet eben nicht das jüngere Altertum, wie allgemein angenommen wird, sondern die hier explizit behandelte „apollinische“ Antike, d.h. die in meinem Sinne verstandene antike Kultur. Sie ist charakterisiert durch ihr Ursymbol und durch ihr Seelenbild - wie alle Kulturkreise (Kulturen i.e.S.). Fälschlicherweise wird der Begriff „Antike“ häufig nur auf einen Zeitabschnitt übertragen, d.h. auf alle damaligen Kulturkreise: die „apollinisch-antike“, die sumerische, die ägyptische, die chinesische, die indische, die indoiransiche, die assyrisch-babylonische, die ältere (hamitisch-semitische) und die jüngere magische Kultur oder auch die frühe Maya-Kultur in Mexiko. Manche Kulturkreise bzw. Kulturen werden räumlich und zeitlich zu „eng“ gefaßt, andere zu sehr „gedehnt“. Aber die zeitliche Lineargliederung hilft nicht dabei, dieses Problem zu beseitigen. Eher im Gegenteil. Rein zeitliche Gliederungen führen zu „Überschneidungen“ bzw. „Schnittmengen“, die vielen Regionen nicht gerecht werden. Wenn nur zeitliche Einteilungen zählen und sich Begriffe dafür gefunden haben, wird plötzlich festgestellt, daß auch sie selbst dadurch zum Problem geworden sind. Einige Kulturen der angeblichen „antiken Welt“ existieren („greisenhaft“) heute noch, und zwar in ihren nachzivilisatorischen Phasen (wenn auch zum Teil pseudomorph), z.B. China, Indien und die arabisch-morgenländische (magische) Kultur, während die abendländische (faustische) Kultur ihre nachzivilisatorische Zeit noch vor sich hat. Man muß bei den Gliederungen, die ja letztendlich auch Klassifizierungen darstellen, nicht nur Raum und Zeit gleichermaßen berücksichtigen, sondern auch die Struktur einer Einzelkultur und die in ihr liegenden Funktionen sehr gut kennen, um es „modern“ auszudrücken. Einfach gesagt: man muß Seele und Sprache einer Kultur in ihrer Tiefe kennen. In der Tiefe liegen Seelenbild und Ursymbol einer Kultur vergraben, die man, wie ein kulturanalytischer Archäologe Schicht für Schicht ab- und durcharbeiten muß, bevor man sie beim Namen nennt. Wenn man jedoch eine nur auf Zeitabschnitte abzielende Gliederung gelten ließe, wären alle eben genannten Einzelkulturen, bis auf die abendländische, antike Kulturen. Das bezweifle ich. Deshalb ist hier mit „Antike“ das „Apollinische“ an ihr gemeint, d.h. in erster Linie das Griechische (wegen des starken Einflusses auch das Phönikische und das Etruskische) und in der Nachfolge das Römische (spätere Phasen).

Salz (eigtl. „das Schmutziggraue“) spielte schon in prähistorischen Zeiten eine überragende Rolle und galt in vielen Gegenden als heilig. Der Bedarf an Salz wurde durch Eindampfen von Meereswasser bzw. von Wasser aus Salzquellen gedeckt. Bereits in der jüngeren Bronzezeiz (vgl. Spät-Bronzezeit) und älteren Eisenzeit (vgl. Hallstatt-Kultur) war der bergmännische Abbau von Salzlagerstätten bekannt. Zahlreiche Städte erhielten ihren Namen nach dem Salzbergbau bzw. den Kochsalzquellen, u.a. Halle, Hallstatt, Reichenhall (Mittellhochdeutsch: hal = „Salzquelle“; zu griech. „háls“ = „Salz“), später auch Salzburg, die Region Salzkammergut u.s.w..; von vielen dieser Städte gingen bedeutende Handelsstraßen aus: „Salzstraßen“.

Linguistik (Sprachwissenschaft): eine besonders empfehlenswerte Einführung in diese Thematik gibt Walter Alfred Koch,“Perspektiven der Linguistik“, Band I und II, 1973, Kröner, Stuttgart.

Umstritten ist die sogenannte „Nordwestdeutsche Gruppe“: waren das Germanen oder Kelten? Es handelt sich um die Zeit des 6. Jahrhunderts v. Chr.; man wird auch hier wohl eher von einer keltogermanischen bzw. germanokeltischen Bevölkerung sprechen können, bei der sich die Züge der beiden später profilierten Völker nur vermischt nachweisen lassen. Dagegen sind die sogenannte „Jastorf-Gruppe“ an und östlich der Elbe und die Gruppen zwischen Oder und Weichsel eindeutig als Germanen zu bezeichnen. Für die nächsten Jahrhunderte kann man davon ausgehen, daß sich die Germanen immer mehr Richtung Süden, Westen und Osten ausgebreitet haben und schon im 2. Jahrhundert v. Chr. sowohl in Südosteuropa, z.B. Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, u.s.w., als auch in Südfrankreich, in Norditalien und westlich des Rheins vertreten waren. Die westlichsten und südtlichsten Gruppen der Germanen waren also im 1. Jahrhundert v. Chr. auch Einwohner des Römischen Reiches (vgl. Karte) - die Kimbern, Teutonen und Ambronen schon im 2. Jh. v. Chr. (Kimbern, Teutonen und Ambronen). Es war Cäsar, der die Kelten und Germanen mit politischen Hintergedanken aufteilte, obwohl die von ihm eroberten Gebiete in Gallien auch aus Germanen bzw. aus einer Mischung von Kelten und Germanen bestanden. Um die eroberten Gebiete westlich des Rheins zu sichern, erzeugte Cäsar ganz bewußt eine unter dem Begriff „Germanengefahr“ bekannt gewordene hysterisierende Situation. Sie ist vergleichbar mit den Situationen, die die heutigen „abendländischen Cäsaristen“ durch Schüren von Ängsten erzeugen. Keine Angst, ein solcher Cäsar steht uns erst noch bevor, denn im Abendland hat die Phase des Cäsarismus gerade erst begonnen (!).

Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. Oswald Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390). Vgl. dazu auch das Germanentum.

Vorderasien oder Morgenland: diese Begriffe sindnicht ganz zutreffend, weil zum magischen Kulturkreis (Spengler nennt ihn „arabisch“) auch der ehemalige (griechische) Osten der Antike gehört, wenn auch nur pseudomorph. Mit Vorderasien bzw. Morgenland meine ich die Kultur der späteren Religionskulturformen, z.B. des altiranisch-parsistischen (mazdaistischen) Persertums, des manichäischen Babyloniens, des Judentums, des Arabertums, des Urchristentums u.a. magischer Elemente. Das Seelenbild der magischen Kultur ist ein dualistisches: Geist und Seele, ihr Ursymbol die Welthöhle. Die Vertreter der magischen Kultur berücksichtig(t)en stets den „Consensus“ - die Übereinstimmung der Gelehrten als Grundlage für die religiöse (= „wahre“) Lehre. Das arabische Wort „Idschma“ ist auch in diesem Sinne zu verstehen, und es gilt immer noch als eines der vier Grundprinzipien der islamischen Rechtslehre.

„Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 784). Auch eine junge Kultur kann so mächtig sein, daß sie eine alte dort, wo sie zu Hause ist, überlagert. Das Beispiel zwischen der (alten) apollinischen Kultur, auch kurz „Antike“ genannt, und der (jungen) magischen Kultur, auch „Persien/Arabien“ genannt, macht es deutlich: „Solange die Antike sich seelisch aufrecht hielt, bestand die Pseudomorphose darin, daß alle östlichen Kirchen zu Kulten westlichen Stils wurden. Dies ist eine wesentliche Seite des Synkretismus. ... Mit dem Hinschwinden der apollinischen und dem Aufblühen der magischen Seele seit dem zweiten Jahrhundert kehrt sich das Verhältnis um. Das Verhängnis der Pseudomorphose bleibt, aber es sind jetzt Kulte des Westens, die zu einer neuen Kirche des Ostens werden. Aus der Summe von Einzelkulten entwickelt sich eine Gemeinschaft derer, welche an diese Gottheiten und Übungen glauben, und nach dem Vorgange des Persertums und Judentums entsteht ein neues Griechentum als magische Nation.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1917-1922, S. 800-801).

Quartal meint eine Jahreszeit (= 3 Phasen) oder ein Viertel der Uhrzeit (z. B. 0-6, 6-12, 12-18, 18-24 Uhr).

Phase ist für mich der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch technische und künstlerische Richtungen, aber auch durch ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60-80 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 200-300 Jahre, die etwa jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel etwa 180 Jahre. Ein Kulturquartal umfaßt 3 Phasen und damit durchschnittlich 500-600 Jahre, manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend (Renaissance, Barock und Rokoko). Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben, z.B. auch vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elter[e]n) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die magische Kultur existieren als Zivilisationen („Erwachsene“) schon länger als das Abendland.

 

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© Hubert Brune, 2001 ff. (zuletzt aktualisiert: 2014).