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Biologie und Sprache Zur Geschichte der Sprache Sprachlicher Code
Die Sprache, die aus der Distanzierung zur Natur hervorgegangen ist und die Kunst bis hin zur Technokratie ermöglicht hat, bietet wiederum die Schwelle an, die von der Kultur zur Natur führt; sie kann also auch als Bremse fungieren, wenn offene Rahmenbedingungen ungeheuerlich werden und Geschlossenheit erzwingen, denn ein offenes System (außerhalb des thermodynamischen Gleichgewichts) gebiert aus Chaos Ordnung. Einzelne Strukturen - wie etwa Lebewesen - bleiben in Raum und Zeit nur so lange stabil, wie sie durch Aufnahme von Energie ihr Fließgleichgewicht aufrechterhalten können. Offene Rahmenbedingungen üben einen starken selektiven Druck auf Lebewesen aus und wirken damit kreativ, während gleichzeitig das Angebot der Vielfalt im Gang ist. So sind Vielfalt und Zufall die 2 Seiten des Universums. Möglichkeit und Zwang sind 2 Varianten eines Phänomens. Sie sind wie das Ei, aus dem Klone oder Zwillinge hervorgehen. Anpassung und Distanz

Abbildung

NACH OBEN Feuer NACH OBEN

- Primäre Sprachkultur des Menschen -

Feuer besitzt ambivalenten Charakter: es ist eine zerstörende und reinigende Größe zugleich und damit evolutionär wie revolutionär enorm entwicklungsfördernd. Der Kult des Feuers - der wärmenden, erhellenden und erhaltenden Kraft (bzw. Energie) - wurde auch später, z.B. mit dem häuslichen Herd-Feuer oder mit dem Stammes- und Staats-Feuer gepflegt. Feuerkulte haben auch den Zweck, den Lauf der Sonne magisch zu beeinflussen; die Sonnenwend-Feuer gehören in diesen Zusammenhang. Ohne den Feuergebrauch wäre der Mensch dem Affendasein verhaftet geblieben. Nicht zufällig entwickelte der Mensch diese Fähigkeit während der Eiszeit. Das Feuer ist - auf progressive und konservativ-traditionelle Weise - ein Übertragungsmittel, d.h. der Projektor oder Motor für Kommunikation und deshalb die erste wirkliche Sprachkultur des Menschen. Erst seit der Mensch das Feuer gebrauchte, gebrauchte er auch eine menschliche Sprache. Feuer ist die rein natürliche (kosmische) Sprache, die menschliche Sprache das rein kulturelle Feuer. Menschliche Sprache gehört natürlich-kulturell zur Sprache aller Lebewesen, rein kulturell jedoch ist sie nat(ion)al erworbene Sprache eines Volkes, und kulturell-natürlich ist sie Metasprache: „Sprache-über-Sprache“ (Sprache höherer Ebene), mit der die Sprache (Objektsprache als Sprache niederer Ebene) beschrieben wird, z.B. auch als Sprachtheorie, im weiteren Sinne aber sogar überhaupt als Theorie (ursprüngliche Bedeutung: Gottesanschauung) oder Theologie, Philosophie, Mathematik, Weltanschauung u.ä..

Altpaläolithikum bedeutet vornehmlich eine Geröllsteinkultur (pebble tools sowie chopper, chopping tool, Faustkeile) mit ersten Nebenprodukten (Kern-Abschläge bzw. faustkeilige Kerngeräte); weiterhin bedeutet es die Entwicklung primären Sprachkulturgutes, d.h. einer Grundausstattung alljeder menschlichen Kultur, die sich in dem ersten Feuergebrauch und damit der rein kulturellen (früh-) menschlichen Sprache, manifestierte. In weiterer Konsequenz mußte eine solche Primärsprachkultur zur Religion (Tafel (Hominisierung)) führen. Religiöse Weltanschauungen setzen aber nicht nur eine rein kulturelle Sprache und eine typisch menschliche Sprachentwicklung voraus, sondern auch eine kulturell-natürliche Sprache als Metasprache. Deshalb erreichte die Sprachentwicklung die Stufe der Metasprache sehr wahrscheinlich mit dem Höhepunkt der Hominisierung, also noch im Altpaläolithikum:

Der Frühmensch Homo erectus (der Aufgerichtete) lernte, das Feuer und die Sprache zu benutzen und wurde so zum Kultursymbolträger der Hominisierung. Auch das geschah nicht ohne die verschiedenen Arten der Distanzierung. (Tafel (Hominisierung)). Homo erectus war wohl der erste aus Afrika auswandernde Mensch und nutzte bereits das Feuer. Auch der sogenannte Pekingmensch zählt zur Art Homo erectus (Homo erectus pekinensis). Das steinzeitliche Kultur-Ursymbol () konnte erst durch den erfolgreichen und „weltoffenen“ Homo erectus zu einem ersten Kultursymbol () erweitert werden. Durch den Feuergebrauch, der mit Sicherheit zum Sprachgebrauch führte, war Homo erectus der entscheidende Faktor in der sprachlichen Menschwerdung (Hominisierung). Dieser „aufrechte Mensch“ war die bisher letzte, vielleicht sogar die einzige Menschenart, die 1,86 Mio. Jahre überlebte, denn Homo erectus lebte bis vor 40 000 Jahren. ().

Perioden-Systematik (rechts) bedeutet, daß die jeweils ältere Periode jede jüngere einschließt und daß alle Perioden dennoch auch als eine chronologisch abgegrenzte Folge zu verstehen sind. So ergibt sich eine Evolutionsspirale. Das Periodensystem macht deutlich, daß Menschen ein durch und durch quartäres Wesen sind.

Ohne Eiszeit wären wir wohl auf den Bäumen geblieben. Und ohne Feuer? Ohne Wärme? Ohne Sprache? Schützend?

Die „Enkulturation“ erweiterte das Betätigungsfeld des Menschen über das bloße Überleben hinaus: mittels Sprache, Weltanschauung, Kunst und Wissenschaft schuf sich der Mensch eine geistige Welt, welche seine faktische überlagert. Durch Sprache, die eine 1. Entwicklungsstufe während der Hominisierungsperiode im Altpaläolithikum, dann eine (metasprachliche) 2. Entwicklungsstufe während der Sapientisierungsperiode im Mittel- und Jungpaläolithikum durchlief, und durch Schrift (seit ca. 6000 Jahren) wurde die erworbene Erfahrung unabhängig vom Individuum und der erfahrungserhaltenden Sippe. Der einzelne Mensch kann sich die technisch-kulturellen Errungenschaften der rund 500000 Generationen, von den subhumanen Waldbewohnern zu den aufrechtgehenden Steppenläufern aneignen. Viele dieser Erfahrungen wurden allerdings vergessen:

Der Jetzt-Mensch hat nicht nur einen großen Wissensschatz gewonnen, er ist auch partiell an Naturerfahrung verarmt!

 

Biologie-Linguistik-Vergleich gemäß Systematik
BiologieLinguistikBeispiel
IndividuumIdiolekt Sprechweise des Herrn X aus Osnabrück
GruppeSoziolektPolitische Korrektheit
UnterrasseMikrodialekt (Mikromundart) Nordwestfälisch
RasseDialekt (Mundart)Westfälisch
ÜberrasseMakrodialekt (Makromundart)Niederdeutsch
Unterart  
ArtHochspracheDeutsch (Hochdeutsch)
Überart  
UntergattungMikrosprachzweigWestgermanisch
GattungSprachzweigGermanisch
ÜbergattungMakrosprachzweigKentum
UnterfamilieMikrosprachfamilie
FamilieSprachfamilieIndogermanisch
ÜberfamilieMakrosprachfamilieNostratisch (bzw. Eurasiatisch)
UnterordnungMikrosprachordnung
Ordnung  
Überordnung  
Unterklasse  
Klasse  
Überklasse  
Unterstamm  
Stamm  
Überstamm  
Unterreich  
Reich  

 

 

Biologie und Sprache Historisch-Vergleichende Sprachwissenschaft Sprachlicher Code
NACH OBEN Indogermanen und Indogermanistik
Die Indogermanen standen im Zusammenhang mit der Streitaxt-Kultur der Schnurkeramiker, waren aber nicht deren alleiniger Träger. Aus linguistischer, aber auch aus archäologischer und anthropologischer Sicht dürften Trichterbecherkultur () mit ihren Nachfolgekulturen, darunter die Schnurkeramiker (), ferner die Bandkeramiker () und die Ockergrabkultur () als Indogermanen-Kulturen angesehen werden. Damit ist aber für Europa nur eine Zeitspanne von etwa 4500 bis etwa 1800 erfaßt. Ungeklärt bleibt auch die Herkunft der Glockenbecherkultur (). Um 4500 v. Chr. siedelten die Indogermanen wahrscheinlich zwischen Südskandinavien, Schelde, Rhone, Alpen, Schwarzem Meer und Don, nach Abschluß ihrer Wanderungen um 1800 v. Chr. in ganz Europa, in Anatolien und anderen Teilen Vorderasiens, im Iran und in Indien. (Vgl. Karte). Die entscheidende Aussage über die Herkunft der Indogermanen wird wohl die Linguistik zu geben haben, denn ein Volkstum bestimmt sich in erster Linie nach der Sprache.

Viele Befunde sprechen für ein in Europa gelegenes Ursprungsland der indogermanischen Völker, und es gibt nicht zu unterschätzende Anzeichen dafür, daß Indogermanen kontinuierlich vom späten Jungpaläolithikum über das Mesolithikum bis ins Neolithikum in Europa gesiedelt haben. Danach begannen ihre Wanderungen und mit ihnen die Aufsplitterung des Indogermanischen in Einzeldialekte. Die Indogermanen, deren Sprache rekonstruiert werden kann (Indogermanisch (Bopp)), besaßen offenbar kein Wort für „Heimat“, weshalb sie schon vor der Neolithischen Revolution existiert haben müssen - wahrscheinlich seit dem Jungpaläolithikum als nicht-seßhafte Hirten, die den Ort je nach Zustand der Weide wechselten. Im Indogermanischen findet man auch keine Wörter für „Kupfer“, „Bronze“ und „Eisen“, weshalb sich die Indogermanen bereits vor dem Metallikum in Einzelvölker aufgelöst haben dürften - möglicherweise aber auch erst im nicht überall verbreiteten Kupfermetallikum.


- Indogermanen und ihr ausgeprägtes Interesse an Grammatik -

In Indien bestand schon sehr früh eine grammatische Tradition. Auf sie konnte der indische Grammatiker Panini (6. Jh. - 5. Jh.) zurückgreifen, bevor er die Erkenntnisse seiner im einzelnen nicht genau bekannten Vorgänger zusammenfaßte und die Bildung des korrekten Sanskrit lehrte. Im antiken Griechenland, wo erstmalig Vokale in ein Alphabet eingeführt worden waren, entwickelte sich die Sprachforschung mehr im Kontext philosophischer Fragen nach dem Sprachursprung und dem Verhältnis zwischen Form und Bedeutung von Wörtern. Erste grammatische Kategorisierungen wurden von Aristoteles (383-322) im Rahmen von Poetik und Logik vorgenommen. In Alexandria entstanden die ersten griechischen Grammatiken von Apollonios Dyskolos (3. Jh. - 2. Jh.) und Dionysios Thrax (170-90), nach deren Vorbild z.B. Aelius Donatus (3. Jh. - 4. Jh.) und Priscianus (5. Jh. - 6. Jh.) ihre lateinischen Grammatiken gestalteten. Eine besondere Leistung in der Sprachforschung erbrachte die Scholastik mit ihrer Darstellung des Zusammenhangs von Sprache, Logik und Metaphysik in sogenannten „spekulativen“ Grammatiken. Seit der Reformation wuchs die Bedeutung der Volkssprachen und durch die „Entdeckungen“ auch das Interesse an amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Sprachen. Die vermehrte Kenntnis von Einzelsprachen führte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bzw. seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer weiteren typisch faustischen Leistung: zur vergleichenden und historischen Sprachwissenschaft:

Sir William Jones (1746-1794), renommierter Orientalist und Richter am Obertribunal zu Kalkutta, hatte eine Sprache erschlossen, „vollendeter als die griechische, reicher als die lateinische, feiner gebildet als beide“ und älter als alle bekannten Sprachen, das Hebräische eingeschlossen, das bis dahin dafür gegolten hatte. Es war das Sanskrit, das kultische und gelehrte Idiom der Brahmanen, in der bis zum heutigen Tage alles geschrieben wird, was Kunst und Wissenschaft betrifft, eine Sprache, die Meisterwerke hervorgebracht hat wie die beiden großen Epen Mahabharata und Ramajana und ein Kleinod wie das Drama Sakuntala. Jones übersetzte nicht nur, ihm fiel auch als erstem eine gewisse Verwandtschaft des Sanskrit mit dem Griechischen, Lateinischen, Germanischen und Keltischen auf. So wurde Jones, der Richter aus dem indischen Kalkutta, zum Mitbegründer der abendländischen Sanskrit-Forschung durch seine Übersetzungen und durch die Ausgabe des „Ritusamhara“ (1792). Indogermanen

Seit 1816, als Franz Bopp (1791-1867) sein Lebenswerk veröffentlichte () und dadurch die vergleichende Sprachwissenschaft begründete, ist klar, daß die indogermanischen Sprachen nur unter Annahme einer gemeinsame Ursprache erklärbar sind. Das Indogermanisch, der Name wurde 1823 von H. J. Klaproth für die 1812 bis 1816 von Franz Bopp entdeckte Sprachfamilie geprägt, umfaßt die äußersten Glieder der Gruppe im Südosten (Ceylon) und Nordwesten (Island). Bezogen auf das Wort „Hundert“ wurden die indogermanische Sprachen unterschieden in eine westliche (Kentum-Sprachen; phonetisch: [k]) und eine östliche Gruppe (Satem-Sprachen; phonetisch [sch]). Weltweite Untersuchungen an Menschen aus den 1970er und 1980er Jahren haben ergeben, daß sprachliche und genetische Merkmale der Indogermanen weitgehend übereinstimmen. Obwohl man andere Möglichkeiten einer indogermanischen Herkunft nicht ganz ausschließen kann, darf als gesichert angenommen werden, daß die Indogermanen zum größten Teil der nordischen Rasse entstammen und deshalb nur ein europäischer Ursprung dieses Volkstums in Betracht kommt:

- Wie man eine Sprache ausgräbt -
(Spracharchäologie/Archäolinguistik)
Im Herbst des Jahres 1812 verließ ein junger Mann namens Franz Bopp (1791-1867) die Stadt Aschaffenburg, um sich, teils mit der Postkutsche, teils zu Fuß, nach Paris zu begeben. Exoriente lux, die Ansicht, daß alles Licht, daß alle Weisheit aus dem Osten komme, lag im Zuge seiner Zeit, die in der Geistesgeschichte die Bezeichnung „Romantik“ trägt. Den göttlichen Ursprung und die wahre Bestimmung der Menschheit suchte man in der Frühzeit der Völker. Man entdeckte das Urphänomen, die Urpflanze, uralte Mythen, Märchen, sprach von Urweisheit und stellte sich ein Urvolk vor, das, in den Weiten des Ostens, die Ursprache gesprochen habe. Aus dem fernen Indien waren Berichte gekommen, die das Feuer fernöstlicher Begeisterung noch stärker aufflammen ließen. Heute weiß man zwar, daß die Indogermanen nicht im fernen Osten ihre Anfänge nahmen, sondern in Europa. (Indogermanen). Jede große Erungenschaft muß ja bekannlich erst einmal den Bogen spannen und weit ausholen, um dann zum Ziel zu gelangen.

1808 erschien in Deutschland die Schrift „Über die Sprache und Weisheit der Inder“ von Friedrich Schlegel (1772-1829). Ihm war es durch einen glücklichen Zufall gelungen, an Originalhandschriften und Übersetzungen der Sanskritliteratur heranzukommen. Was für einen Europäer unendlich schwierig war, es sei denn, man verfügte über gute Beziehungen zu den großen Sammlungen in Paris und London. Auch Schlegel schwärmte vom Sanskrit als von einer Sprache, in der Philosophie und Poesie unzertrennlich verschmolzen, die reich war an Blumenschmuck und Bilderfülle, die Frucht eines „einfachen und seligen Wandels im Lichte der Besonnenheit“. Er sah im Sanskrit ein Sesam-öffne-dich zur Weisheit und zum Wissen des Ostens und prophezeite eine Wirkung auf Europas geistesgeschichte, wie sie nachahltiger und befruchtender nur in der Renaissance bei der Wiederentdeckung antiker Autoren geschehen sei. Der Romantiker Schlegel erkannte also ebenfalls die geheimnisvolle Verwandtschaft zwischen Indien und Europa und entwickelte eine Methode, die Sprachen miteinander zu vergleichen. Doch blieb das alles im Unbestimmbaren, im Nebulosen, die Anregung aber war gegeben, die große Aufgabe gestellt, die Sprache zur Erkenntnisquelle historischer Vorgänge zu machen. Aber wer würde sie erfüllen, wer sich ihr gewachsen zeigen?

Als Franz Bopp auszog, um in Paris das Fürchten zu lernen, denn nichts anderes war das Gefühl des jungen Mannes bei der Übersiedelung aus der Kleinstadt eines Duodezfürsten in die Hauptstadt der Grande Nation, da hatte er im Sinn, seine Kenntnisse in den orientalischen Sprachen zu vertiefen und Sanskrit zu lernen. Die Voraussetzungen waren genauso ungünstig wie die Chancen, daß diese Kenntnisse einmal ihren Mann ernähren würden. Bopp war das 6. Kind eines schlechtbesoldeten Beamten des kurmainzischen Hofes, eines Futter- und Wagenschreibers, was immer das gewesen sein mag, und nur auf das Dürftigste für sein Studium ausgerüstet. Was ihn da drängte und trieb, das trieb und drängte ihn zur Arbeit. Franz Bopp bot in dieser Zeit das Bild des Gelehrten, um den die Welt herum versinken kann, ohne daß er deshalb mit seinem Studien aufhören würde. Paris wurde während seines Aufenthaltes zweimal von deutschen, englischen und russischen Truppen erobert, aber der Studiosus notierte lediglich: „... all dieser wichtigen Vorkommnisse ungeachtet, habe ich diesen Winter für mein Studium nicht verloren. Es lag mir zu sehr am Herzen, als daß ich mich durch die äußeren Vorfälle davon hätte abhalten lassen können“. Eine solche Herkulesarbeit, wie Bopp sie leistete, war auch anders kaum zu bewältigen. So steht er für den oft geschmähten Stubengelehrten, ohne dessen Fleiß aber letztlich alles Geniale sinn- und fruchtlos bleiben muß. Und in diesem besonderen Fall: auch das Geniale eines Friedrich Schlegel.

Am 16. Mai 1816, nach dreieinhalb Jahren währendem Aufenthalt in Paris, erschien von Franz Bopp ein Büchlein, das nicht nur eine Wissenschaft begründete, sondern eine der ganz großen Leistungen ds 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft darstellt. Es trägt den Titel „Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache“ () und erregte in Europas Gelehrtenwelt riesiges Aufregen. Was bei Herder Gefühl war, Phantasie, was bei Schlegel von mystischem Dunkel verhüllt, wenn auch genialisch erahnt, das wurde von Bopp durch kühle Analyse zur Erkenntnis verdichtet: aus Schein wurde Wahrheit, aus Glaube Wissenschaft. Bopp hatte durch seine methodische Arbeit Beweis für eine wissenschaftliche Sensation erbracht: daß fast alle wichtigen Kultursprachen Europas nah verwandt sind mit dem Indischen und Persischen in Asien und daß die Verwandtschaft zwischen diesen Sprachen, zu denen noch einige mehr gehören, sich nicht nur im gemeinsamen Wortschatz zeigt, sondern auch in der Grammatik. Und das ist für die Wissenschaft noch viel wichtiger. Was man beim Wortschatz noch einwenden könnte, daß nämlich die eine Sprache sich von der anderen, mangels eigener Begriffe, einige Worte geliehen habe, kann hier nicht zutreffen. Für Bopp ergab sich diese Verwandtschaft, als er darangegangen war, sie miteinander zu vergleichen. Er hatte den Weg zur Rekonstruierbarkeit des Indogermanischen vorbereitet und auch bereits damit begonnen, diese „tote Muttersprache“ vieler eurasischer „Geschwistersprachen“ spracharchäologisch auszugraben. Bopp verbrachte seine letzten Lebensjahre in Berlin und hatte es zum Professor an der Universität gebracht, war ein Freund des Neuhumanismus-Hauptvertreters im Deutschen Idealismus - Wilhelm von Humboldt (1767-1835) -, wurde von Jacob Grimm (1785-1863) verehrt, von den beiden Schlegel-Brüdern beneidet, von der wissenschaftlichen Welt gefeiert. Als er 1867 seine Feder für immer aus der Hand legte, fand man auf seinem Schreibtisch eine angefangene Arbeit, auf deren letzter Seite unter einigen Beispielen über den Schwund des auslautenden s im Gotischen gegenüber althochdeutschen Formen die Bemerkung stand „Man vergleiche ...“. Es waren seine letzten geschriebenen Worte und eine Botschaft an seine Schüler:
VERGLEICH ALS ANFANG ALLEN ERKENNENS
Das Lebenswerk, das Bopp hinterlassen hat, trägt den Titel
„Vergleichende Grammatik des Sanskrit, Zend, Griechischen, Lateinischen, Litthauischen, Gothischen und
Deutschen“
(6 Bände, 1816 bzw. 1833-55). Trotz einiger Korrekturen ist es noch heute vorbildlich. Erst später zeigten sich die Auswirkungen diese neuen Wissenschaft auf andere Disziplinen, wie z.B. Paläontologie, Anthropologie, Archäologie, Vor-/Urgeschichte und Frühgeschichte, Religionsgeschichte, Rechtsgeschichte.
PaläontologieArchäologieKult-Uhr

 

- Indogermanistik -


Die Entwicklung Indogermanisch-›Germanisch-›Deutsch


-
1. (Germanische) Lautverschiebung -

Innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie differenzierte sich das Germanische durch eine Veränderung in den grammatischen Formen aus, z.B. durch die Festlegung der zuvor freien Wortbetonung auf die Anfangssilbe und durch die phonetischen Veränderungen im Konsonantensystem. Diese „Germanische Lautverschiebung“ (auch: „1. Lautverschiebung“) wird auch „Grimmsches Gesetz“ genannt: Sie betrifft im wesentlichen die indogermanischen Verschlußlaute und 3 unabhängig voneinander ablaufende Vorgänge. Die stimmlosen Verschlußlaute p, t, k werden zu den stimmlosen Reibelauten f, th, ch und die stimmhaften Verschlußlaute b, d, g zu den stimmlosen Verschlußlauten p, t, k verschoben. Die aspirierten Verschlußlaute bh, dh, gh werden zu stimmhaften Reibelauten und bald darauf weiter zu den stimmhaften Verschlußlauten b, d, g verschoben. Die 1. Lautverschiebung muß beim intensiveren Sprachaustausch zwischen Germanen und Römern bereits abgeschlossen gewesen sein, weil kein lateinisches Lehnwort im Germanischen von ihr betroffen wurde: aus „camera“ (lat.) wurde „Kammer“ (dt.) und nicht *„chamer“. Vermutlich vollzog sich die 1. Lautverschiebung von Süden nach Norden vom 2. Jh. v. Chr. bis zum 5. / 6. Jh. n. Chr.; und mit dem Ende der „Germanischen Wanderungen“ ging die germanische Sprachentwicklung in den entsprechenden Gebieten in Richtung „Deutsch“.


- 2.
(Hochdeutsche) Lautverschiebung -

Aus dem Germanischen differenzierte sich das Althochdeutsche durch die „Hochdeutsche Lautverschiebung“ bzw. „2. Lautverschiebung“ genannt wird, heraus; im Unterschied zu den bedingungslosen Vorgängen der 1. Lautverschiebung geschah dies jedoch positionsabhängig: die stimmlosen Verschlußlaute p, t, k werden im gesamten hochdeutschen Gebiet nach Vokalen zu stimmlosen Doppelaspiranten zz, ff, hh verschoben, die aber überwiegend wieder vereinfacht werden, z.B. wird aus (altsächs.) „latan“, „skip“, „makon“ > (ahd.) „lazzan“,“ shif“ „mahhon“. Im Anlaut, im In und Auslaut nach Konsonant sowie in der Gemination (Konsonanten-Verdoppelung) werden p, t, k mit unterschiedkicher regionaler Ausbreitung nur bis zur Affrikata tz, pf, kh (=ch) verschoben: (altsächs.) „herta“, „penning“, „korn“ > (ahd.) „herza“, „pfenning“, „khorn“. Die aus der 1. Lautverschiebung hervorgegengen stimmhaften Verschlußlaute b, d, g werden mit unterschiedlicher Reichweite oberdeutsch, insbesondere bairisch, zu p, t, k: (altsächs) „beran“, „bindan“, „giban“ > (oberdt.) „peran“, „pintan“, „këpan“. Verschobene Formen sind auch in Namensüberlieferungen seit dem 5. bzw. 6. Jh. bezeugt (z.B. „Attila“ > „Etzel“). Da sich die 2. Lautverschiebung bei Baiern, Langobarden und Alemannen am konsequentesten durchgesetzt hat und sich aber nach Norden bis zur „Benrather Linie“, der hochdeutsch-niederdeutschen Grenze, immer mehr abschwächte, kann der Süden als Ursprungszentrum gelten. (Vgl. AHD).

Franz Bopp selbst wurde leider darüber allmählich vergessen. Auch gehört er zu jenen Männern, die weder zu Lebzeiten noch später einen Propagandisten fanden.
Franz Bopp ist zu verdanken, daß man der Erforschung unserer Urahnen näher kam und viele Forscher nach ihm vielleicht gar nicht oder später erst zu Ruhm gekommen wären. Bopp fand die „tote Muttersprache“ über den Weg des historischen Vergleichens ihrer „Tochtersprachen“, denn wenn Sprachen miteinander verwandt sind wie Geschwister, dann haben sie auch eine Mutter: wenn aber die Grundsprache der Tochtersprachen Griechisch, Germanisch, Keltisch, Italisch (u.a. Lateinisch, später: Romanisch), Hethitisch, Illyrisch, Indisch (u.a Sanskrit, Vedisch, Hindi, Urdu, Bengali, Maratki, Assamisch), Iranisch (u.a. Awestisch, Persich, Kurdisch, Afghanisch), Armenisch, Albanisch, Baltisch, Tocharisch, Slawisch u.a. nicht mehr existierte und sich auf keinem Pergament, keiner noch so alten Urkunde, auf keinem Grabstein, keiner Gedenktafel und anderen Relikten finden ließ, mußte die Linguistik die „tote Muttersprache“, gleichsam künstlich wie in einer Retorte, neu schaffen. Seit Bopps Zeiten, d.h. seit der Romantik sind die Linguisten dabei, das Indogermanische über diesen Weg zu rekonstruieren. So wie die Archäologen seit Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), d.h. seit Begründung der klassischen Archäologie und dem frühesten Beginn des Klassizismus, sich Schicht für Schicht in die Vergangenheit hinabgraben, „gruben“ sich die Sprachwissenschaftler zurück zu den Ursprüngen bzw. zu den ältesten Wortformen und den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Lautformen, den Phonemen. Über die Lautgesetze fanden sie ihr Troja, ihr Mykenae, ihr Knossos.


- Germanistik -

Die Wissenschaft von der geschichtlichen Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur nennt man Germanistik - meist im gleichen Sinne wie deutsche Philologie, gelegentlich auch wie germanistische Philologie gebraucht, oft auch die germanistische Altertumskunde selbst umfassend. Die Germanistik hat natürlich selbst auch eine Geschichte:

Ansätze zu einer Germanistik brachte schon der Humanismus hervor - aus Interesse an frühmittelalterlichen Textzeugnissen und Sprachformen, auch für die Grammatik der deutschen Sprache -, aber es waren insbesondere die deutschen Sprachgesellschaften, die die Sprachkunde und Textforschung förderten. (Althochdeutsche Textausgaben). Bedeutend hierfür war v.a. der Grammatiker und Schriftsteleller J. Georg Schottel (1612-1676) aus Einbeck mit seiner „Ausführlichen Arbeit von der Teutschen Haubtsprache“ (1663). Er untersuchte die Etymologie der deutschen Wörter, bekämpfte das Fremdwörterunwesen und plante zur Festigung und Reinerhaltung der deutschen Sprache eine normative Grammatik und ein allgemeines Wörterbuch.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts richtete sich das Augenmerk von der Frühzeit auf die Literatur des Hochmittelalters, deren Geschichte ebenfalls zu interessieren begann (J. G. Herder). Um Grammatik und Wortschatz bemühten sich F. G. Fulda und J. C. Adelung (1732-1806). Die Romantik griff v.a. die Ansätze Herders auf, aber auch andere Grundlagen, z.B. die W. von Humboldts. Die literarischen Zeugnisse des Mittelalters wurden als Zeugnisse des Wirkens eines Volksgeistes gesammelt (A. von Arnim und C. Brentano), übersetzt (Tieck), aufbereitet (A. W. und F. Schlegel, F. Bouterwek, L. Uhland). editiert (F. H. von der Hagen). Ihr geistiges und methodisches Fundament erhielten diese Versuche jedoch erst durch die Forscherpersönlichkeiten J. und W. Grimm und K. Lachmann, an deren Ruhm Franz Bopp nicht ganz unschuldig war. Ein Markstein in der germanischen Sprachwissenschaft ist die „Deutsche Grammatik“ (1819) von Jacob Grimm, in der er durch die Entdeckung der Ablautgesetze die deutsche Sprache in gesetzesmäßige Verbindung mit der germanischen und indogermanischen Sprachentwicklung brachte, ebenso die Konzeption für die „Geschichte der deutschen Sprache“ (1847 ff.) bzw. das „Deutsche Wörterbuch“ der Brüder Grimm (1854 ff.). Als Wilhelm Grimm 1847 seinen Plan zu einem deutschen Wörterbuch vortrug, war das also nicht die Geburtsstunde der Germanistik, aber einer ihrer Höhepunkte. Wilhelm und Jacob Grimm hatten 1847 - ein Jahr vor der Revolution - eine Arbeit aufgenommen, die erst 1960 abgeschlossen werden sollte. (Vgl. Spät-NHD). Denn in dem Maße, in dem die gründliche und geduldige Bestandsaufnahme der deutschen Wörter geleistet wurde, wuchs die Masse der Sprache selbst. Die erbrachten Grundlagen wichen immer präziseren Methoden.


Zu verstehen ist die Beschäftigung mit der Historie der deutschen Sprache, mit den „alten Teutschen“, den Germanen nur aus einer allgemeinen Geschichtsgläubigkeit, die dem heutigen Menschen nahezu völlig verlorengegangen ist; aber was heute als bizarre Ansammlung von Relikten ewig langer Zeiten erscheint, bot besonders in der Romantik eine Fülle von Material für das Selbstverständnis, und es erschien unerläßlich für das Verständnis der Gegenwart, ein Bild der Vorfahren, ihres Denkens und Fühlens, zu bekommen. Geschichte gilt heute als eine unter vielen Möglichkeiten, den Menschen zu verstehen, damals offenbarte sie einen Hauch des Weltgeistes und schien zu zeigen, wie der Geist allmählich „zum Bewußtseyn und zum Wollen der Wahrheit kommt ....“ (Hegel).

Also erforschte man die Vorfahren, und daß die Vorfahren der Deutschen eben jene Germanen gewesen seien, von denen die antiken Autoren berichtet hatten, blieb bis weit ins 19. Jh. eine von niemandem angezweifelte Tatsache. Diese Entwicklung setzte sich im Historismus fort und erfuhr erst ab 1917/18 eine Krise, in der Bewegungen veschiedener Neuorientierungen entstanden, aber eben auch sie bekämpfende Gegenbewegungen. (). Diese Krise wurde eigentlich erst seit etwa 1960 beigelegt, als die Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“, die die Brüder Grimm 113 Jahre vorher begonnen hatten, abgeschlossen werden konnte. Selbst wenn wir etwas anderes anstrebten, sind wir durch den heutigen Globalismus mehr denn je dazu veranlaßt, neben den historischen auch viele andere Methoden zu berücksichtigen, um den „wahren“ Aussagen oder den Aussagen als „Waren“ näher kommen zu können. (Vgl. Cäsaren-Mediokratie; ).

Die Historisch-Vergleichende Sprachwissenschaft, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bzw. seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts Disziplin oder Forschungsrichtung innerhalb der Sprachwissenschaft, beschäftigt sich seitdem mit der Rekonstruktion von Einzelsprachen, indem sie Ursprung, Entwicklungsgeschichte und Verwandtschaftsbeziehungen von Einzelsprachen mit der Methode des Vergleichs untersucht. Komparative Methode bedeutet, daß durch den Vergleich bestimmter Phänomene in mehreren verwandten (oder als verwandt vermuteten) Sprachen Formen früherer Sprachzustände aufgedeckt oder auch ausgeschlossen werden können und eine gemeinsame Ursprache rekonstruiert oder auch ausgeschlossen werden kann. Neben der materialbezogenen Historisch-Vergleichenden Sprachwissenschaft, die besonders durch die Entdeckung der Verwandtschaft des Sanskrit mit den indogermanischen Sprachen ausgelöst und begründet wurde und Methoden zum Nachweis „sprachgenetischer“ Verwandtschaft ausarbeitete, erzielte auch die allgemeine Sprachwissenschaft, besonders seit Wilhelm von Humboldt (1767-1835), größte Wirkung. Gerade Humboldts Unterscheidung von „Energeia“ (Sprache als „Tätigkeit“ oder „wirkende Kraft“) und „Ergon“ (Sprache als Produkt einer abgeschlossenen Tätigkeit oder „statisches Werk“) sowie von äußereren und innereren Sprachformen überhaupt und seine These von der Verknüpfung der Sprache mit Kultur, Mentalität und Weltsicht eines Volkes (Hypothese von der sprachlich vermittelten Welt[an]sicht), wurden später von vielen Sprachwissenschaftlern übernommen, wirkten sich in unterschiedliche Weise auf spätere Sprachtheorien aus.


- Die Junggrammatiker  (Leipziger Schule) -
Durch die sogenannten „Junggrammatiker“ (auch: „Leipziger Schule“) wurde die historische Betrachtung von Sprache zum primären, fast ausschließlichen Untersuchungsziel sprachwissenschaftlicher Forschung. Die Junggrammatiker waren eine in den 1870er Jahren in Leipzig entstandene Gruppe von Sprachwissenschaftlern, deren positivistische Sprachauffassung sich gegen die metaphysischen und biologistischen Sprachauffassungen der vorausgehenden Phase (Indogermanen) richtete. Vertreter dieser Richtung waren vielen z.B. Berthold Delbrück (1842-1922), Karl Verner (1846-1896), Karl Brugmann (1849-1919) und viele andere. Als Beginn der junggrammatischen Schulke gelten die Erscheinungsdaten von Verners Erklärungen scheinbarer Ausnahmen der ersten Lautverschiebung (1877: „Vernersches Gesetz“). Die Arbeiten der Junggrammatiker lassen sich (soweit sie die allgemeine Sprachwissenschaft betreffen) durch folgende Aspekte charakterisieren: (1) Untersuchungsgegenstand des Sprachwissenschaftlers ist nicht das Sprachsystem, sondern die im einzelnen Individuum lokalisierte und somit unmittelbar beobachtbare Sprache (vgl. „Idiolekt“), die als eine sowohl psychische als auch physische Tätigkeit angesehen wird. (2) Autonomie der Lautebene: Gemäß dem Postulat der Beobachtbarkeit des Materials (anstelle von Abstraktionen) gilt die Lautebene als wichtigste Beschreibungsebene, wobei zugleich eine absolute Autonomie der Lautebene gegenüber Semantik und Syntax angenommen wird. (3) Historismus; Hauptziel sprachwissenschaftlicher Untersuchung ist die Beschreibung des geschichtlichen Wandels der Sprache. Dieses fast ausschließliche Interesse an der diachronischen Entwicklung von Sprache dokumentiert sich in der großen Zahl von historisch vergleichenden Kompendien, die sich durch Faktenfülle ebenso auszeichnen wie durch die Exaktheit ihrer Rekonstruktionsmethoden. (4) Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze; Dieses am Vorbild der Naturwissenschaften orientierte, vielfach umstrittene Postulat gründet sich nicht auf empirische Befunde, sondern ist ein wissenschaftstheoretisches Apriori, das die Gleichartigkeit geisteswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden sichern soll. (5) Analogie: Wo diese Prämisse der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze scheinbar versagt, wird Analogie als Erklärungshilfe angesetzt; d.h. Ausnahmen werden als (reguläre) Anpassung an verwandte Formen verstanden.

Methoden und Ziele der junggrammatischen Sprachbetrachtung sind - trotz ihres starken Nachwirkens - kritisiert worden; diese Kritik richtete sich vor allem gegen folgende Punkte: die Reduktion des Untersuchungsgegenstandes auf Idiolekte; die Beschränkung auf Beschreibung von Oberflächenphänomenen (Lautebene); die Vernachlässigung der gegenwärtigen Sprache bzw. die Überbewertung der historischen Sprache (vgl. auch: Historismus-Kritik); die Beschreibung atomistischer Einzelvorgänge statt systemhafter Zusammenhänge.


- Der Strukturalismus (Genfer Schule) -
Der Strukturalismus entstand als Reaktion gegen die von den Junggrammatikern vertretene positivistisch-atomistische sprachwissenschaftliche Betrachtung in Bezug auf Ferdinand de Saussure (1857-1913) und seinem postum veröffentlichten „Cours de linquistique générale“ (1916). Saussure war ab 1896 in Genf Professor für vergleichende und historische indogermanische Sprachwissenschaft (inklusive Sanskrit). Seine Genfer Vorlesungen von die neue Ära der Sprachwissenschaft ein, und zwar an dem Tag, als er zeigte, daß sich die Vorgänge der Sprache nicht nur auf deren Geschichte - auf die Diachronie - zurückführen lassen, daß also z.B. die Geschichte eines Wortes nicht immer auch etwas über seine heutige Bedeutung aussagt. Der Grund dafür sei, daß es über die Geschichte hinaus das „System“ (Saussure nannte es nicht Struktur) gebe und daß ein solches System im wesentlichen aus Gleichgewichtsgesetzem bestehe, die auf seine Elemente zurückwirken und zu jeder Zeit der Geschichte von der Synchronie abhängen. Weil nämlich die Grundbeziehung in der Sprache eine Entsprechung zwischen dem Zeichen und dem Sinn sei, bilde die Gesamtheit der Bedeutungen ganz natürlich ein System auf der Grundlage von Unterscheidungen und Gegensätzen (denn diese Bedeutungen bedingen einander) und ein synchrones System (den diese Beziehungen sind interdependent). Saussure definierte den Gegenstandsbereich der Linguistik also mittels Gegensatzpaaren (Dichotomien): Sprache soll nicht mehr als Ergebnis historischer (diachroner) Entwicklung gesehen werden, sondern als Zusammenwirken gleichzeitiger (synchroner) Einheiten. Daß dieser der Historismus-Kritik entsprungenene Strukturalismus grundsätzlich synchronisch ist, also im Gegensatz zum diachronischen Standpunkt (vgl. Historisch-Vergleichende Grammatik: Bopp und Anhänger, vor allem aber die Junggrammatiker und Anhänger) und auch zur später dominant werdenden Transformationsgrammatik der „Nativisten“ (Chomsky und Anhänger) steht, hängt mit drei Gründen zusammen, u.a. mit der eben erwähnten relativen unabhängigkeit der Gleichgewichtsgesetze bezüglich der Entwicklungsgesetze, dem Willen zur Befreiung von „linguistik-feindlichen“ Elementen, mit der Willkürlichkeit (Arbitrarität) des sprachlichen Zeichens. Saussure bezog die Arbitrarität auf das Verhältnis von sprachlichen Lautbild („image acoustique“) und seiner Vorstellung („concept“) und belegte die Beliebigkeit dieser Verbindung durch die Tatsache, das dasselbe Objekt der Realität von Sprache zu Sprache verschieden benannt wird. Arbitrarität bedeutet jedoch nicht, daß der einzelen Sprecher nach freier wahl bei der Konstruktion sprachlicher Ausdrücke verfahren kann, denn: unter dem Aspekt von Spracherwerb und Kommunikation erfährt der Sprecher den Zusammenhang zwischen zeichen und Bedeutung als eine gewohnheitsmäßige, obligate Verbindung.

Folgende Grundannahmen Saussures gelten als konstitutiv für strukturalistische Sprachanalysen: (1) Sprache kann unter drei verschiedenen Aspekten betrachtet werden; (a) als „Langue“ (= im Gehirn aller Sprecher einer bestimmten Sprache gespeichertes System), (b) als „Parole“ (= aktuelle Sprechtätigkeit in konkreten Situationen) und (c) als „Faculté de langage“ (= generelle Fähigkeit zum Erwerb und Gebrauch der Sprache), wobei „langue“ und „Parole“ sich bedingen. Untersuchungsgegenstand der Sprachwissenschaft ist die „langue“, die aber ihrerseits nur über eine Analyse der Äußerunegn der „Parole“ beschrieben werden kann. (2) Sprache im Sinne von „Langue“ wird als ein System von Zeichen aufgefaßt. Jedes Zeichen besteht aus der Zuordnung von zwei (sich gegenseitig bedingenden) Aspekten, dem konkret materiellen Zeichenkörper (z. B. seiner akustischer Lautgestalt), sowie einem begrifflichen Konzept. (Vgl. hierzu: „Bezeichnendes vs. Bezeichnetes“). Die Zuordnung dieser beiden Aspekte zueinander ist „willkürlich“ (arbiträr), d. h. sie ist sprachspezifisch verschieden und beruht auf Konvention. (3) Diese sprachlichen Zeichen bilden ein System von Werten, die zueinander in Opposition stehen. Jedes Zeichen ist definiert durch seine Beziehung zu allen anderen Zeichen desselben Systems. Durch dieses Prinzip des „Kontrasts“ ist das grundlegende strukturalistische Konzept des „distinktiven Prinzips“ charakterisiert. (4) Diese Elernent-Relationen lassen sich auf zwei Ebenen analysieren; einmal auf der syntagmatischen, d. h. linearen Ebene des Miteinandervo kommens, zum anderen auf der paradigmatischen Ebene der Austauschbarkeit von Elementen in bestimmter Position. (Vgl. hierzu: „paradigmatische vs. syntagmatische“ Beziehung. (5) Da Sprache als Zeichensystem aufgefaßt wird, muß ihre Analyse unter streng synchronem Aspekt, d. h. als Beschreibung eines zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Zustandes betrieben werden. (Vgl. hierzu „Synchronie vs. Diachronie“). (6) Sprachanalyse beruht auf einem repräsentativen Corpus, dessen Regularitäten durch die beiden Analyseschritte der Segmentierung und Klassifizierung bestimmt werden, wobei die Segmentierung der syntagmatischen, die Klassifizierung dre paradigmatischen Ebene zuzuordnen ist. Hier geht es also um die „Distribution“ (die Gesamtheit der Umgebungen, in denen ein sprachliches Element im Verhältnis zu den Umgebungen aller anderen Elemente in einem übergeordneten Sprachbaustein vorkommen kann) und das Ziel, möglichst „Minimalpaare“ (zwei Ausdrücke einer Sprache mit verschiedener Bedeutung, die sich nur durch eine Form unterscheiden, z.B. deutsch: Kopf vs. Topf durch nur ein Phonem).

Während der Strukturalismus im engeren Sinne sich auf die von Sausures System-Gedanken ausgehenden sprachwissenschaftlichen Richtungen bezieht, verwendet man Strukturalismus im weiteren Sinne als Gesamtbezeichnung für anthropologische, ethnologische, sozialwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche literatur-theoretische und psychologische Forschungen, die - in Analogie zum Strukturalismus der Sprachwissenschaft - anstatt genetisch von historischen Vorausetzungen auszugehen, sich auf synchrone Zustandsanalysen konzentrieren, um den Nachweis universeller, unter der Oberfläche sozialer Beziehungen wirksamer Strukturen zu führen. (Vgl. „Linguistische Wende“).

 

- Der Nativismus (Chomsky-Schule) -
Die Ära des linguistischen Strukturalismus wechselte allmählich, ausgelöst durch die 1957 erschienenen „Syntactic Structures“ des US-Amerikaners Noam Chomsky (*07.12.1928), in eine Ära des linguistischen Nativismus (Generative Transformationsgrammatik, GTG). Wissenschaftsgeschichtleich steht Chomsky in der Tradition des Rationalismus - besonders in der Tradition der Rationalisten Gottfried Wilhem Leibniz (1646-1716) und René Descartes (1596-1650) - und des Neuhumanismus-Hauptvertreters im Deutschen Idealismus und Sprachforschers Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Chomsky war zunächst Schüler des Strukturalisten Z. S. Harris und stellte 1957 seine „Generative Grammatik“ in seinen „Syntactic Structures“ dar, die er 1965 erweiterte und revidierte mit dem Werk „Aspects of the Theory of Syntax“ (= „ST). Generative Transformationsgrammatik bedeutet die Verfolgung des Ziels, eine formalisierte Beschreibung der Sprache zu geben, in die auch Einsichten der mathematischen Logik und überhaupt des Rationalismus einfließen. Chomsky und seine Anhänger wollen erklären, auf welche Weise es dem Menschen möglich ist, mit einer endlichen Menge von Regeln eine unendliche Menge von Sätzen zu produzieren und zu verstehen. Generativ leitet sich hier also aus dem zentralen Anliegen dieser Grammatiktheorie ab, die Fähigkeit zum Erzeugen von Sätzen zu erklären. (Spracherwerb und Sprachentwicklung). Mit dem Ausbau des Konzepts der „angeborenen Ideen“ wendet sich Chomsky gegen die behavioristische Sprachauffassung (wie z.B. bei Skinner). Chomsky erweiterte seine Grammatiktheorie zu einer Theorie des Spracherwerbs, indem er die Entwicklung der Kompetenz durch einen angeborenen Spracherwerbsmechanismus auf der Basis von grammatischen Universalien erklärte. Eine endliche Menge von Kernsätzen, die durch kontextfreie Phrasenstrukturregeln erzeugt werden, bilden die Basis für die Anwendung von Transformationsregeln, die einen prinzipiell unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln gewährleisten. (Spracherwerb und Sprachentwicklung). Nach Chomsky ist die Sprachkompetenz ein dynamisches Konzept - ein Erzeugungsmechanismus - zur unendlichen Produktion von Sprache. Im Anknüpfung an die Sprachauffassung des Rationalisten Leibniz und des neuhumanistisch-idealistischen Sprachforschers Humboldt postulierte Chomsky einen spezifisch menschlichen Spracherwerbsmechanismus zur Erklärung des Phänomens, daß Kinder, obwohl die sprachlichen Äußerungen ihrer Umwelt nur einen defizitären und unvollständigen Input darstellen, die syntaktischen Regeln ihrer Muttersprache in relativ kurzer Zeit beherrschen und eine fast unbegrenzte Menge grammatischer Ausdrücke verstehen und erzeugen können. Nach der rationalistisch-idealistischen Theorie ist jedes Kind mit einem angeborenen Schema für zulässige Grammatiken ausgestattet (vgl. „Universalien“) und mit einem System an kognitiven Prozeduren zur Entwicklung und Überprüfung von Hypothesen über den Input. So formuliert das Kind Hypothesen über die grammatische Struktur der gehörten Sprache, leitet Voraussagen über sie ab und überprüft die Voraussagen an neuen Sprachbausteinen. Es elimiert diejenigen, die der Evidenz widersprechen und validiert diejenigen, die nicht durch Einfachheitskriterium eliminiert würden. Dieser Mechanismus wird mit dem ersten Input in Gang gesetzt. (Vgl. Tabelle). Das Kind leistet somit eine Theoriebildung, die derjenigen eines Linguisten vergleichbar ist, der eine deskriptiv und explanativ adäquate Theorie einer Sprache konstruiert. Der Nativismus ist also eine philosophisch-psychologische Position, die die kognitive Entwicklung des Menschen primär aus der Existenz von „angeborenen Ideen“ ableitet. Es ist tatsächlich auffallend, mit welcher Schnelligkeit ein Kind die Grammatik der Elternsprache, trotz ihrer Komplexität, beherrschen lernt. Das Mißverhältnis zwischen Input und Output und die Gleichförmigkeit der Ergebnisse in allen Sprachen lassen ebenfalls vermuten, daß hier nicht der „Drill“ (vgl. Konditionierung) am Werk war. Außerdem verläuft der Prozeß des Spracherwerbs relativ unabhängig von der individuellen Intelligenz. Grammatische Universalien sind Eigenschaften (bzw. Hypothesen über solche Eigenschaften), die allen menschlichen Sprachen gemeinsam sind. Sie existieren aus biologischer Notwendigkeit und sind das Ergebnis empirischer Generalisierungen von Beobachtungen der sogenannten „Oberflächenstruktur“ von möglichst vielen und verschiedenen Sprachen. Beispielsweise besitzt jede Sprache Vokale oder universell geltende Implikationen, die sich auf die Relation zwischen zwei Eigenschaften beziehen: wenn z.B. eine Sprache in ihrem Numerussystem über einen Dualis verfügt, dann verfügt sie mit Sicherheit auch über einen Plural (diese Regel gilt aber nicht umgekehrt!). In Chomskys Modell einer Generativen Transformationsgrammatik sind Universalien die Basis des angeborenen Spracherwerbsmechanismus, aufgrund dessen ein Kind in der Lage ist, in relativ kurzer Zeit eine komplexe Grammatik zu erlernen. (Spracherwerb und Sprachentwicklung). Chomsky unterscheidet (Aspekte der Syntaxtheorie, 1965), zwischen substantiellen Universalien, z.B. in der Phonologie das Inventar der phonetisch definierten distinktiven Merkmale, aus dem jede Sprache eine charakteristische Auswahl trifft, und formalen Universalien, d.h. Aussagen über Form und Beschränkungen von Regeln. So postuliert er für jede Grammatik Phrasenstrukturregeln und eine Transformationskomponente. Die substantiellen und formalen Universalien - beide werden auch universale Beschränkungen genannt - sind wiederum von den Universalien der Funktion zu unterscheiden, worunter Anwendungsbeschränkungen von grammatischen Regeln verstanden werden, z.B. das A-über-A-Prinzip: Wenn sich eine Transformation auf einem Knoten A bezieht, der einen Knoten A' dominiert, dann darf die Transformation nur über dem dominierenden Knoten A operieren; sie muß sich auf die maximale Phrase beziehen. Beispielsweise kann in der Phrase „Der Wunsch der Prinzessin“ keine Transformation allein über dem eingebetteten Genitivattribut („der Prinzessin“) operieren. (Vgl. auch: Strukturbaum). Die (Generative) Transformationsgrammatik ist die von Chomsky am Englischen entwickelte Theorie, deren Ziel es ist, durch ein axiomatisches System von expliziten Regeln das implizite Wissen von Sprache, das dem aktuellen Sprachgebrauch zugrunde liegt, abzubilden. Chomskys Modell bezieht sich auf vom kompetenten Sprecher bewertete Daten, auf die sprachlichen Intuitionen, die ein kompetenter Sprecher bezüglich seiner Sprache explizieren kann. Das Konzept der angeborenen Ideen steht im Gegensatz zu den behavioristischen Sprachauffassungen. Chomskys Theorie zum Spracherwerb besagt, daß die Entwicklung der Kompetenz durch einen angeborenen Spracherwerbsmechanismus auf der Basis von grammatischen Universalien erfolgt. Dabei hat die Theorie Vorrang vor der Datenanalyse; die Transformationsgrammatik geht also deduktiv vor: sie stellt nämlich Hypothesen über den sprachlichen Erzeugungsmechanismus auf, und zwar unter besonderer Berücksichtigung des „kreativen“ Aspekts des Sprachvermögens. Eine endliche Menge von Kernsätzen, die durch Phrasenstrukturregeln erzeugt werden, bilden die Basis für die Anwendung von Transformationsregeln, die einen prinzipiell unendlichen Gebrauch von endlichen Mengen gewährleisten. Die Grammatik - im Sinne einer umfassenden Sprachtheorie - besteht aus einer generativen syntaktischen Komponente sowie den interpretativen semantischen und phonologischen Komponenten. Basis der Syntax ist die durch kontextfreie Phrasenstrukturregeln und Lexikonregeln erzeugte Tiefenstruktur, die als abstrakte, zu Grunde liegende Strukturebene alle semantisch relevanten Informationen enthält und die Ausgangsebene für die semantische Interpretation von Sätzen und anderen Sprachbausteinen ist. (Vgl. Tafel). Durch bedeutungsneutrale Transformationen wie Tilgung, Umstellung u.a. werden die entsprechenden Oberflächenstrukturen erzeugt, die die Basis für die phonologisch-phonetische Repräsentation bilden.

 

 

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Anmerkungen:

„Survival of the fittest“ ist nach Darwin (1809-1882) die Anpassung in der Natur, die aber an der Schwelle zur hominoiden Kultur in eine Distanzierungsart umschlägt, weil nicht mehr allein die körperlichen („angepaßten“) Waffen entscheidend sind, sondern die außerkörperlichen, die vorgefundenen und später modifizierten Gegenstände als Waffen und Werkzeuge dienstbar gemacht werden. Innerhalb einer solchen „Distanzgruppe“ (Menschenaffen und Menschen) ist deshalb die Anpassungsart nicht verschwunden („survival of the attractives“: attraktive Gesichter, Mode u.s.w.). Anpassung und Distanz sind immer schon - latent oder offen - 2 Seiten einer Medaille (Jäger/Gejagte). Der Unterschied liegt zwischen körperlicher und außerkörperlicher Art, zwischen Natur und Kultur, zwischen Schicksal und Technik, zwischen Müssen und Können, zwischen Indikativ und Konjunktiv, zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit, zwischen Zwang und Vielfalt.

Homo sapiens hat bisher etwa 230 000 (maximal 300 000) Jahre hinter sich. Er kann den von Homo erctus aufgestellten Rekord von 1,86 Mio. Jahren nur brechen, wenn er (d.h seine Nachfolger-Unterart Homo sapiens sapiens) sich auf den Weg ins Weltall begibt. Homo erectus hatte schon die „Alte Welt“ besiedelt, Homo sapiens besiedelte auch die „Neue Welt“ (Amerika und Australien) und schließlich die ganze Erde, also auch Nord- und Südpol. Jetzt bleibt ihm nur noch die Besiedlung der Orte im Weltraum. Weltraum-Besiedlung

Panini (6. Jh. - 5. Jh.) stammte wahrscheinlich aus Nordwest-Indien; er faßte in den 3996 kurzen Regeln (Sutra) seiner „Aschthadhjaji“ (Buch in 8 Abschnitten) die Erkenntnisse seiner im einzelnen nicht genau bekannten Vorgänger zusammen und lehrte die Bildung des korrekten Sanskrit.

Dieser deutschsprachige Raum hielt sich in seinen Grenzen mehr als 1 Jahrtausend. Er umfaßt Deutschland (Deutsches Reich), Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Norditalien (Langobarden), Ostfrankreich (Burgund) und große Gebiete Osteuropas. (Vgl. Deutsch und die Karten).

Johann Joachim Winckelmann (09.12.1717 - 08.06.1768).

Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Freiherr, war Philosoph, Sprachforscher und Staatsmann und wirkte nach rechtswissenschaftlichem Studium (von 1787 bis 1790) als Privatgelehrter in Jena (von 1794 bis1797), war preußischer Ministerresident in Rom (von 1802 bis 1808) und Direktor für Kultus und Untericht im Innenministerium (von 1809 bis 1810). Humboldt reformierte das preußische Bildungswesen und gründete u. a. die Berliner Universität (1811). Seit 1810 war er Gesandter in Wien (Teilnahme am Wiener Kongreß), seit 1817 in London, 1819 wieder Minister. Im Mittelpunkt seines Denkens stand ein stets auf die Gesellschaft hin orientiertes Humanitätsideal. Als Sprachwissenschaftler befaßte sich Humboldt v. a. mit amerikanischen Sprachen, mit Sanskrit, Ägyptisch, Koptisch, Chinesisch, Japanisch. In der Einleitung zu seinem Werk „Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java“ entfaltete Humboldt die Grundthese seiner Sprachphilosophie, daß „in jeder Sprache eine eigenthümliche Weltsicht“ liege; sie sei Ausdruck der Individualität einer Sprachgemeinschaft und werde durch die „innere Sprachform“ dargestellt. Dabei wird Sprache als „Tätigkeit“ (Energeia) bestimmt, die im Sprechen und Verstehen, in der Einheit von Ich und Du im Dialog aktualisiert werde. Die späteren Bemühungen der Linguistik um eine generative Grammatik (Noam Chomsky u.a. Sprache) verstehen sich weithin als Erfüllung Humboldtscher Ideen. (Vgl. auch: „Nativismus“). Humboldt selbst dienten die sprachtheoretischen Untersuchungen zur Grundlegung einer philosophischen Anthropologie. Seine Weltanschauung zeigt drei Grundideen: Universalität, Individualität, Totalität (= Formung des Lebens zu einem Kunstwerk). Die Erforschung der Geschichte ebenso wie die der Sprache ist nach Humboldt nicht eine Sache des bloßen Intellekts, sondern hat die Mitwirkung der Gesamtheit der menschlichen Seelenkräfte zur Voraussetzung. Der Historiker muß sich in das Innere der Personen und Epochen, mit denen er zu tun hat, hineinversetzen, wenn er mehr als eine zusammenhanglose Aufzählung äußerer Ereignisse bieten will. Der Sprachforscher muß die Sprache als Äußerung und Werkzeug des Volksgeistes zur Gewährleistung der Sprachgemeinschaft begreifen. Im Sinne seines Humanitätsideals war Humboldt ideell sowie praktisch beteiligt an der Gründung der Universität Berlin (1811). Aus seiner Reform des höheren Schulwesens ging das „Humanistische Gymnasium“ in seiner heutigen Gestalt hervor. In seinen „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ bestimmte er die Aufgabe des Staates dahin, für Schutz nach außen und Rechtssicherheit nach innen zu sorgen, im übrigen aber sich möglichst zurückzuhalten und der freien individuellen und nationalen Entwicklung Raum zu lassen. Humboldts Reformen, besonders die der Bildung, wurden Vorbild für die ganze Welt!

 

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Anhang:

- „Sprachfamilien“ um 1600 -

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- „Mikosprachordnungen“ bzw.„Makrosprachfamilien“ („Supersprachfamilien“) -

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- Genetik und Sprache -

Sprachen und Gene

 

 

- Deutsch -

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© Hubert Brune, 2001 ff. (zuletzt aktualisiert: 2014).