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- Kulturenvergleich -
Antike und Abendland
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Ur-/Vorkultur & Zivilisation
Gotische Bibel (Ausschnitt) von Wulfila (311-381)Westgotische KönigshalleGrab des Ostgotenkönigs Theoderichs d. Gr. (453-526) in Ravenna Madonna mit Kind, 6. Jh.; Berlin, Staatliches Museum
2-4 Uhr
Embryonik oder Organbildung

Nach der Einnistung bilden sich um den Keim, jetzt Embryo genannt, schützende Fruchthüllen. Die Gebärmutterschleimhaut und die Hüllzellen entwickeln sich zum Mutterkuchen, zur Plazenta. Bekanntlich sind die Mutter und das embryonale Kind nicht nur zwei verschiedene Lebewesen, sie sind auch durch zwei verschiedene Blutgefäßsysteme voneinander getrennt, also von Anfang an zwei verschiedene Lebenssysteme in zwei verschiedenen Welten. Folgende Unterscheidung ist für jede werdende Mutter zu treffen, auch wenn viele Mütter sie häufig verwechseln oder nicht treffen wollen: mein Bauch gehört mir, aber: mein Kind gehört nicht mir. Die Wände der kindlichen Blutgefäße trennen das Blut von Mutter und Kind; sie bilden die Plazentaschranke. Sauerstoff und Nährstoffe aus dem mütterlichen Blut gelangen von der Plazenta aus durch eine Nabelschnur zum Embryo, während Stoffwechselprodukte über die Nabelschnur ins Blut der Mutter transportiert werden. Der Embryo nimmt, was er braucht, gibt ab, was er muß - ohne irgendeinen Kontakt zum System Mutter. Auf diese Weise verfahren auch embryonale Kulturen. Sie haben zunächst einmal mit den erwachsenen Kulturen, den Zivilisationen, nicht viel im Sinn. So bildeten z.B. die Germanen in den eroberten römischen Gebieten bald eine herrschende Minderheit, die die Kultur des Imperiums weder besonders schätzten noch zerstörten. Sie nahmen sich, was sie brauchten, aber sie zerstörten nicht das Kultursystem. Sie drückten dem fremden System einen germanischen Stempel und das zur ihrer eigenen Macht Notwendige auf. Derartige Übergänge müssen reformerisch, aber auch bruchlos sein. weil sich ohne eine gelungene Zweiteilung keine neue Kultur entwickeln kann. (Vgl. 22-24 und 0-2). Die Welt in Uterus und Mutterkörper verläuft während der Schwangerschaft auf genau diese Art. Zum Beispiel waren in der embryonalen Kulturphase der Antike, zwischen 1800 und 1600, aus Indogermanen und Altmediteranen diejenigen Protogriechen geworden, die man als die Organe der werdenden antiken Kultur bezeichnen kann. In der embryonalen Kulturphase des Abendlandes, von 375 bis 568, waren aus Germanen und Christrömern diejenigen Protoabendländer geworden, die über die Germanen-Reiche hinaus Organe ausbildeten, indem sie auf westliche Art anfingen, Mönche und Missionare zu werden. Die Vorbedingungen dafür waren die Entwicklung des Eremitenlebens und das Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313, das die Christenverfolgungen beendete. Antonius der Große (251-356), auch der Einsiedler genannt, ging um 300 als Eremit in die Einsamkeit, in die ägyptische Wüste, und begründete auf diese Weise das Eremitenleben. Er gilt als Patriarch der Mönche. Pachomius war seit 308 ebenfalls Eremit und gründete um 320 das erste Kloster (Koinobitentum). Das Ziel war die Erlangung der Vollkommenheit durch strengste Askese. Von Ägypten aus verbreitete sich das Mönchtum im ganzen Morgenland. Basileios der Große (330-379) begründete seit etwa 370 eine für das griechische Mönchtum verbindliche Regel. Ebenfalls seit 370 entfaltete sich das westliche Mönchtum unter Einfluß der Vita Antonii. Es bildeten sich die abendländischen Organe aus, die einhergingen mit der Auslösung der sogenannten Völkerwanderung (3. Germanische Wanderung). 376 erhoben sich die durch Ansiedlungsvertrag in das Römische Reich aufgenommenen Westgoten; sie besiegten die Römer bei Adrianopel (378). 379 gab es eine erneute Ansiedlung der Ostgoten in Pannonien und der Westgoten in Makedonien, Thrakien und Moesien. 380 wurde der Arianismus, dem die Goten anhingen, verboten und der Athanasianismus Staatsreligion. Der westgotische König Alarich begann mit seinem Volk eine Plünderung durch Balkanhalbinsel und Peloponnes und wurde zum Heermeister Illyriens, zum Magister militum per Illyricum ernannt. Von hier aus unternahm er seine Angriffe gegen Italien (401-403), wo seit 380, nach Bekanntwerden des Mönchtums, bereits westliche klosterartige Einrichtungen entstanden. 391 wurde das Christentum Staatsreligion und 395 das Römische Reich geteilt. Ost- und Westrom sollten von nun an getrennte Wege gehen. 451 lieferte die entscheidende Schlacht auf den Katalaunischen Feldern ebenfalls einen Beitrag zur Organisation des Abendlandes: Attila wurde hier besiegt vom westgotischen König Theoderich I. (418-451), der dabei fiel, und vom römischen Feldherrn Aetius. Der ostgotische König Theoderich der Große (453-526) regierte in Ravenna und war, nachdem das Römische Reich 476 aufgelöst und Italien vom germanischen König Odowaker regiert, dieser aber von den Ostgoten 489/493 besiegt worden war, auch Herrscher über ganz Italien. Die römische Verwaltung wurde mit der Militärherrschaft der Ostgoten verbunden. Was die Franken betriftt, gilt es nicht nur zu beachten, daß sie oft zeitgleich regierende Könige und Teilkönige hatten, sondern auch mindestens zwei Linien. (Vgl. unten). Die fränkischen Könige des 5. Jahrhunderts Richimer, Theudomer und Sigibert I. vertraten die rheinfränkische Linie, und die salische Linie vertraten Chlodjo, Chlodobad, Merowech, Childerich I. und Ragnachar, wobei die letzten beiden Könige in das 6. Jahrhundert hineinregierten. Im 5. / 6. Jahrhundert brachte immer bekannter werdende Könige hervor, z.B. Richar, Rignomer, Chararich, Chlodwig I. (um 466 - 511), Theuderich, Theudebert I., Theudebald, Chlodomer, Childebert I. und Chlotachar I. (= Chlothar I.). (Vgl. 0-2 und 4-6). In Gallien wurde der letzte Statthalter 486 von Chlodwig I., dem Sohn Childerichs I. und Vater Childeberts I., vertrieben. Chlodwig I., seit 482 König, sollte das Reich noch erheblich vergrößern und 496 vom Arianismus zum Katholizismus übertreten. Als er 511 starb, war ein Staatswesen begründet, das germanische Franken und Galloromanen vereint hatte. Das germanische Prinzip des Nachfolgerechts aller Königssöhne führte ab jetzt jedoch zu immer neuen Reichsteilungen und Kämpfen zwischen den Teilkönigen. Auch nach außen war dieses Reich in ständigen Folgen von Kriegen gegen die Nachbarn verwickelt, und zwar auf ganz interessante siegreiche Art: um 500 Sieg über die Burgunder mit Hilfe der Westgoten, 507 Sieg über die Westgoten mit Hilfe der Burgunder, 531 Eroberung des Thüringerreiches mit Hilfe der Sachsen. Unter Theudebert I., Childebert I. und Chlothar I. erfolgte 532 bis 534 die Unterwerfung des Burgunderreiches. Rest-Alemannien, die Provence und das Mittelmeergebiet wurden 535-537 fränkisch. Bayern wurde 539 angeschlossen. Wenn auch Alemannien und Bayern bald wieder selbständiger werden sollten, so wurden sie doch später wieder heim ins Frankenreich geholt. (Vgl.Tabelle und 4-6). Auch das waren wichtige Schritte in der Organogenese. Sie waren Organbildungen staatlicher Art in der embryonalen Geschichte des Abendlandes. Ein weiteres wichtiges Organ war die 529 erfolgte Gründung des Klosters Monte Cassino in Kampanien durch Benedikt von Nursia (480-543). Das Kloster wurde das erste abendländische Kulturzentrum. Die Benediktinerregel, z.B. die Verpflichtung zu Eigentumsverzicht, Keuschheit, Gehorsam und Ortsbeständigkeit, sollte sich wie ein roter Faden durch die weitere abendländische Geschichte ziehen. Die ersten europäischen Klosterschulen entstanden nach der Gründung des Benediktinerordens. Die abendländische Hirnentwicklung vollzog sich in den eben angegebenen Prozessen: das klösterliche Neuralrohr sollte ab jetzt das Basisorgan für das abendländische Gehirn in Gang setzen - über das 3-Bläschen-Stadium, in dem Vorder-, Mittel- und Rautenhirn angelegt wurden, bis hin zum 5-Bläschen-Stadium, das bereits das Vorderhirn in 2 Hemisphären des Großhirns gut erkennbar einteilte. Diese 2 Hemisphären waren der Ausgangspunkt, d.h. ein Unendlichkeitsraum der abendländisch-faustischen Mission und Forschung: ora et labora!

Auch die embryonale Antike war noch so klein, daß man, um Überreste aus dieser Zeit zu finden, nur von dem übermächtigen Einfluß der Kreter ausgehen kann. An der Kunst, besonders an der Wandmalerei der Kreter in Knossos fallen die erstaunlichen Übereinstimmungen mit derjenigen in Vorderasien auf. Die Beziehungen der Kreter zur mesopotamisch-sumerischen Kultur (Mesopotamien/Sumer) und zur ägyptischen Kultur (Ägypten) waren besonders zu Beginn dieser Phase immer noch stärker als die zum griechischen Festland. Am Ende dieser Phase konnten sich jedoch die auf dem griechischen Festland beheimateten Mykener immer mehr behaupten und den Versuch starten, zum Konkurrenten der Kreter zu werden. Ähnlich verhielt es sich mit den Germanen, die das Römische Reich eroberten und zum Konkurrenten der durch die Reichsteilung (395) zu „Oströmern“ gewordenen Byzantiner wurden. (Vgl. Oströmisches Reich = Byzantinisches Reich).

 

Zum Anfang des Wassermanns

ZURÜCK Die Karten zeigen die Entwicklung vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. WEITER


Schon während der 2. Germanischen Wanderung, also noch vor der sogenannten Großen Völkerwanderung, der 3. Germanischen Wanderung, hatte sich das germanische Element verstärkt und war bereits im 3. Jahrhundert tragende Säule im römischen Staat: Germanen waren zu den höchsten Befehlshaber- und Verwaltungsstellen des Römischen Reichs aufgestiegen. Die Westgoten hatten sich bereits dem arianischen Christentum verschrieben. In den Donauländern und südlich davon bildeten Goten, Heruler, Rugier, Skiren und Wandalen Reiche. Unruhen begannen erst wieder mit der Durchbrechung der Rheinbefestigungen durch die Alemannen und Franken (seit 350), weshalb Rom die Rheingrenze bald aufgab (401). Weitere Unruhen gab es durch die Donau-Überschreitungen der Quaden und Markomannen (seit 357) sowie durch den Wiederausbruch der Kämpfe mit den Westgoten (367). Die 3. Germanische Wanderung, die bekannteste unter den Völkerwanderungen, wurde 375 durch den Vorstoß der Hunnen ausgelöst, in deren Verlauf auf dem Boden des Imperiums Romanum immer mehr germanische Reiche entstanden, die im europäischen Raum den antiken Zustand der Mittelmeerwelt endgültig beendeten. Das südosteuropäische Reich der Goten, östlich der Donau und nördlich des Schwarzen Meeres gelegen, war der Sage nach in ein westgotisches und ein ostgotisches Reich geteilt worden, wobei die Namen nicht erklärbar sind; mit den Himmelsrichtungen haben sie eigentümlicherweise nichts zu tun. Die Ostgoten, möglicherweise die strahlenden Goten (= Austrogoti), hatten altes griechisches Kulturland und die von Griechen erschlossene Krim erobert, sie hatten kleinasiatische Städte geplündert und in Ephesos die berühmte Statue der Artemis zerstört. Erst der von 324 bis 337 regierende Konstantin der Große konnte ihren Ansturm beenden. Viele Goten wurden Christen, genauer: Arianer, z.B. der Westgote Wulfila (got. Wöfchen, 311 bis 381), ein Zeitgenosse des Arius (260-336). Bischof Wulfilas Missionen und seine Bibelübersetzung ins Gotische waren für den abendländischen Organismus wegweisend. Als die Goten endlich zur Ruhe gekommen waren, erstreckte sich ihre Herrschaft von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. König Ermanarich aus dem Geschlecht der Amaler, dessen Reitertruppe gefürchtet war wie heute eine gut ausgebildete Luftwaffe, pflegte sogar diplomatische Beziehungen zum römischen Weltreich. In der germanischen Heldendichtung wurde er später als mordlustiger Tyrann geschildert, der sein Weib und seinen Sohn ermorden und seine Neffen, die Harlunge, henken ließ. Auch soll er Dietrich von Bern, einen anderen Neffen, der Sage nach aus dem Land vertrieben haben, später aber von ihm besiegt worden sein. Dem Ansturm der hunnischen Horden war nichts gewachsen; sie wirkten auf die antike Welt wie Geschöpfe aus der Unterwelt (griech.: Tartaros) - daher der Name Tartaren. König Ermanarich, am Widerstand gegen die zweifüßigen Untiere verzweifelnd, gab sich selbst den Tod. Von nun an waren die Hunnen der Schrecken des Abendlandes in der noch-antiken Welt. Sie waren und sind ein gern gebrauchtes Synonym für den Unmenschen, oft verwechselt mit den Ungarn und Hussiten. Im Nibelungenlied lebten diese Hunnenbegegnungen auch unter positivem Aspekt fort. Ein Teil der Goten unterwarf sich den Hunnen, andere Gruppen wichen südwärts bis in die Krim und zum Kaukasus aus; in der Krim haben sie sich bis ins 20. Jahrhundert gehalten, im Kaukasus ebenfalls, allerdings unter dem Namen Inguschen, von den Russen als Deutsche angesehen. Ihre Sprache ist das Altgermanische gewesen; sie dürften die Wirren des 1. Weltkrieges, die Kämpfe und Umschichtungen der Oktoberrevolution, Stalins menschenverachtende Säuberungen und den 2. Weltkrieg kaum überstanden haben. Ein anderer Flüchtlingsstrom der Goten erreichte die römische Provinz Dakien, das heutige Siebenbürgen; dies war der unmittelbare Anstoß für die Gotenzüge, die bald bis vor die Tore von Konstantinopel führen sollten (Westgoten). In Dakien saßen westgotische, offenbar rivalisierende Stämme unter den Königen Athanarich und Fritigern. Als eine Hungersnot ausbrach, überschritt Fritigern mit seinen Anhängern die Donau und forderte von den Römern Land zum Siedeln. Auch die vor den Hunnen geflüchteten Goten drangen über die Donau vor, fühlten sich aber bei der Landverteilung betrogen und begannen zu plündern. Von nun an gab es keine gemeinsame Geschichte der Goten mehr. Die Austrogoti und Wisigothae, hier Ostgoten und Westgoten genannt, hatten ab jetzt getrennte Schicksale. Hinter allen Bewegungen stand wahrscheinlich Land- und Existenznot, auch ausgelöst durch wachsende Völker und Klimaschwankungen. Ausgreifende Politik der „Hochkulturen“ spielte auch eine Rolle, die durch Schaffen von Vakuum-Räumen nach der Vernichtung und Vertreibung von Stämmen andere in ihr Kräftefeld hineinsog, durch Bündnisse band und sie gegeneinander einsetzte, z.B. Rom die Goten und Hunnen in Südosteuropa, später Byzanz die Gepiden und Langobarden. Auch die westlichen Provinzen des Römischen Reiches versuchten in steigendem Maße dem germanischen Druck standzuhalten. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts erreichten die Alemannen und Sweben Oberitalien und wurden 258/259 bei Mailand geschlagen, zugleich stießen Franken über den Limes nach Gallien vor. Wenig später tauchten die Burgunder auf, die, aus dem Norden stammend, über Burgundarholm (Bornholm) ins Mündungsgebiet der Weichsel einwanderten. Man weiß, daß die Burgunder nach Westen gezogen sind, ohne Einzelheiten dieser Wanderungen zu kennen. Im Jahre 279 wurden sie von den Römern geschlagen, um 286 waren sie an einem Vorstoß der Alemannen beteiligt, der bis weit nach Gallien führte. So wurde die Rheingrenze immer wieder von Angriffen jener Germanenstämme erschüttert, die außerhalb des Imperiums, in der Germania magna (libera), lebten. Der obergermanisch-rätische Limes, die große Mauer des Römischen Reiches im Norden, hielt bis zum Jahre 254 und wurde noch im selben Jahr von den Alemannen endgültig überrannt. Die Rheingrenze aber wurde so lange verteidigt, bis die Kraft des römischen Heeres auch hier nicht mehr ausreichte, die von allen Seiten angreifenden Germanen zu bändigen. Gegen die Westgoten schlug der Reichsfeldherr Stilicho, ein Wandale, 401 bei Asti und Verona mehrere siegreiche Schlachten, und als im Jahre 405 die Ostgoten verstärkt durch die aus Persien stammenden Alanen, die Donaugrenze überrannten und plündernd über die Alpen in die Toskana vordrangen, alarmierte Stilicho die Truppen an der Rheingrenze, die in langen Märschen schließlich Oberitalien erreichten. Dem Reichsfeldherrn gelang es, die Feinde im Sommer 406 bei Fiesole zu schlagen - aber er glich einem Schuldner, der neue Schulden macht, um seine alten Schulden abzuschütteln. Die Folgen seiner verzweifelten Versuche, zugleich gegen die Goten und das östliche Rom, nämlich Konstantinopel, zu kämpfen, ließen nicht lange auf sich warten. Weil jetzt die Rheingrenze nicht mehr über ausreichende Mengen von Truppen verfügte, überschritten zu Neujahr 406/407 die seit Jahren unruhigen Germanenstämme, denen vermutlich die Hunnen im Nacken saßen, den Rhein und strömten nach Westen und Süden. Ostgoten und Heruler, Wandalen und Burgunder, schließlich auch die Sweben gerieten in Bewegung und zogen nach Italien, nach Gallien, auch über die Pyrenäen hinweg bis nach Spanien und Portugal, sogar über das Meer hinaus nach Afrika. Die Franken waren auch schon im 3. Jahrhundert mit den Römern in großen Konflikt gekommen, bevor sie im 4. Jahrhundert weite Teile Galliens übernahmen und in Vorstößen bis nach Marokko gelangten (außerdem saß von 350 bis 353 mit Flavius Magnentius, dem Sohn eines fränkischen Kriegsgefangenen, ein Germane auf dem römischen Kaiserthron Tafel). Schon unter Kaiser Aurelian (270-275) und Kaiser Probus (276-282) mußten die Römer gegen die Franken kämpfen, nahmen sie jedoch auch in römischen Dienst und siedelten fränkische Kriegsgefangene am Schwarzen Meer an. Während, wie erwähnt, die Alemannen über den Rhein und die Donau, also im Elsaß, in der heutigen Rheinpfalz, in den Alpentälern und in Südeuropa seßhaft wurden, nahmen die Franken das Gebiet der Bataver und Friesen in den heutigen Niederlanden, später das Moselgebiet in Besitz (FrankenFranken). Die Markomannen durchbrachen bereits im 2. Jahrhundert die Grenze nach Istrien. Ganz Europa, von Griechenland bis zur Atlantiküste (Europas und Nordafrikas!), wurde in jenen Jahren zum Schlachtfeld wandernder Germanen, die Land suchten und sich nahmen, was sie brauchten. Schriftliche Zeugnisse aus jener wilden Zeit des Aufruhrs sind selten. Nur die Zerstörung und Plünderung Roms durch die Westgoten unter Alarich hat im Jahre 410 weltweites Echo hervorgerufen, während die Besetzung Englands durch die Sachsen, Angeln und Jüten (Friesen), die schon im 3. Jahrhundert begann und etwa um 400 bis 450 ihren Höhepunkt erreichte, nahezu unbemerkt stattfand. Zusammen mit den Franken waren die Angelsachsen in belgisches Gebiet vorgestoßen, was diese als Sprungbrett nutzten, um Britannien zu besetzen. Die Römer hatten Britannien schon Ende des 4. Jahrhunderts aufgegeben, die Britannier brauchten die Germanen im Kampf gegen die Pikten (aus Schottland) und die Angelsachsen schlüpften direkt in die Rolle der Römer. Nicht die Angelsachsen paßten sich den Britanniern, sondern die Britannier paßten sich den Angelsachsen an. Die Britannier übernahmen Sprache, Religion und sonstige Bräuche der Germanen. Die Angelsachsen, mit ihrer Heimat in Skandinavien und Norddeutschland verbündet, empfanden mehr als alle anderen Germanen eine tiefe Abneigung gegen die christliche Religion des europäischen Kontinents. Schon damals behaupteten die Germanen in England die uns heute noch geläufige „Inselmentalität“. Sie waren die Herren und die Britannier die Knechte. Die Angelsachsen verboten den Britanniern die Ehe, so daß es schon bald in England keine Britannier mehr gab. Germanen und Britannier
Westrom und Ostrom nach der 6. Teilung (395)
6. Teilung (395) in:
West- und Ostrom
Zum Anfang des Wassermanns Im Zuge dieser Ereignisse veränderte sich die Landkarte des Römischen Reiches, das sich selbst schon 6-mal geteilt hatte (254, 293, 305, 337, 364, 395) und die Entstehung germanischer Reiche dulden mußte. Während die Großgrundbesitzer erschlagen wurden oder flohen, ganze Städte in Flammen aufgingen und das Land verwüstet wurde, siedelten sich Germanen neben den Trümmern der Städte an. Sie degradierten die bisherigen Einwohner, zumeist Gallorömer, zu Menschen zweiter Klasse, zu Untertanen, die den neuen Herren zu dienen hatten. So ungenau sind die Nachrichten, so widersprüchlich ist das Bild dieser Epoche, daß noch heute umstritten ist, ob mit der Bildung der germanischen Reiche die „Antike“ zu Ende ging oder das „Mittelalter“ begann, ob eher das germanische Element diese Reiche trug oder die aus Roms Kaiserzeiten überkommene Infrastruktur. Die Konflikte des Römischen Weltreiches waren unlösbar, und auch die der ehemaligen Barbaren, die sich auf der Suche nach Land quer durch die Provinzen des Südens kämpften. Die Lebensverhältnisse der antiken Welt sind nur in Ausnahmefällen ein Thema für den Chronisten gewesen. Wie aus barbarischen Verbündeten unentbehrliche Hilfstruppen, aus Hilfstruppen arrogante Bundesgenossen und aus germanischen Sklaven Herren wurden, ist von zeitgenössischen Chronisten selten dargestellt worden. Eine ganz andere Sache war es aber, wenn sich Herrscher dieser Barbaren, die natürlich längst keine Barbaren mehr waren, anmaßten, auf römischem Boden eigene Reiche zu errichten. In Nordafrika z. B., auf römischen Boden, hatte König Geiserich im Jahre 429 sein Wandalenreich errichtet, das über ein Jahrhundert überstand und die bestimmende Macht im westlichen Mittelmeer war, Sardinien, Korsika, die Balearen, das westliche Sizilien eroberte und 455 Rom plünderte. Der Gedanke der Staatsgründung war konsequent. Schon Alarich, der König der Westgoten, der bereits 410 Rom geplündert hatte und der Schrecken der Italiker war, muß sich mit solchen Gedanken getragen haben, bevor er in diesem Jahre 410 während eines weiteren Zuges bei Cosenza starb. Sein Nachfolger Athaulf ist diesem Ziel einen Schritt näher gekommen, als er in Narbonne die Frau, die er lange als Geisel mitgeführt hatte, die Prinzessin Galla Placida und Tochter des Kaisers Theodosius d. Gr., heiratete, um Römertum und Germanentum zu versöhnen. Für Athaulf, den Gotenkönig, war die Verbindung mit Galla Placida ein hochpolitischer Akt. Er hätte seine frühere Gattin, von der er sechs Kinder besaß, verstoßen müssen, wenn sie nicht gestorben wäre - sein Ziel schien ihm allerdings solche Korrekturen der Situation zu rechtfertigen. Die Hochzeit selbst, ein spektakuläres Ereignis, ist im Jahre 414 in Narbonne mit allen Mitteln der Epoche stilisiert worden, aber nicht etwa nach germanischen Rechtsbrauch, sondern nach römischer, noch nicht christlicher Hochzeitssitte. In einer römischen Villa fand die Hochzeit statt, der ehemalige Marionettenkaiser Attalus führte den Hochzeitsreigen an, man feierte nicht in germanischer, sondern römischer Kleidung, und der Gote nahm nicht den ersten, sondern den zweiten Platz ein: die Imperatrix saß zur Rechten. Das Ziel dieser mit viel Überredungskunst erreichten Hochzeit war klar: der Gote gehörte durch diese Ehe zum kaiserlichen Haus, die Römer hatten in ihm den rechtmäßigen Herrn zu sehen, und die Prophezeiung des Propheten Daniel schien erfüllt, die von einer Verbindung des Herrschers im Osten mit dem König aus dem Norden sprach. Die Integration der Germanen war ein Wunschtraum der Zeit, und in Narbonne schien sie durch die Hochzeit beispielhaft gegeben. Später zog Athaulf an der Spitze seiner Krieger durch Südgallien nach Spanien. Konservative Goten erhoben danach einen der ihren, den König Sigrich, auf den Schild, und der ließ, ehe er selbst nach 8 Tagen ermordet wurde, die legitimen Kinder seines Vorgängers umbringen. Sein Nachfolger Walja hielt Galla Placida immer noch als Geisel, denn sie war ein Faustpfand im Spiel um die Macht. Es kam zwischen König Walja und Byzanz zu einem Kompromiß: Placida wurde Byzanz zurückgegeben, der König erhielt eine Getreidelieferung, und die Goten wurden die von Byzanz beauftragte Schutzmacht in Spanien gegen die Alanen, Sweben und Wandalen, die bisher die Herren des Landes gewesen waren. Die Wandalen wichen nach Süden aus und setzten sich zunächst in jener Landschaft fest, die möglicherweise heute noch ihren Namen trägt: Wandalusia (= Andalusien). Die Wandalen mußten aber dann unter dem Druck der Westgoten nach Afrika ausweichen. Die Goten erhielten die Landschaft Toloso (Toulouse), die eine fruchtbare Gegend war. Im Kampf gegen Attila (445-453) erreichte der Westgoten-König Theoderich I., der 451 auf den Katalaunischen Feldern fiel, weltgeschichtliches Format, denn der Hunnen-König wurde hier ja bekanntlich zum ersten und einzigen Mal besiegt - vielleicht wegen der wütenden Goten, die sich auf dem Schlachtfeld für den Tod ihres Königs sogleich rächten. Eine Blütezeit erlebte das Westgoten-Reich unter dem König Eurich (466-484), der damals der mächtigste Mann in Westeuropa war. Er hatte ganz Spanien unterworfen bis auf einen geringen Rest, die Landschaft Galizien, in der sich Sweben festgesetzt hatten. Eurichs Reich erstreckte sich von Toledo bis nach Nizza, von der Mittelmeerküste im Süden bis zur Bretagne im Norden, und an seinem Hof drängten sich die Gesandtschaften und Bittsteller, die Kaufleute und Geistlichen aus vieler Herren Länder. Unter der Herrschaft dieses Königs wurden die Provinzialrömer nicht verfolgt, und es scheint, als habe er die kulturelle Überlegenheit der römisch-griechisch orientierten Bildung als selbstverständlich anerkannt. Mehrfach betraute er Römer mit hohen Verwaltungsfunktionen im Staat. Eurich begriff, wie einst Athaulf, die Wohltat eines geordneten Rechtswesens: auf seinen Befehl ist zum ersten Mal das westgotische Gewohnheitsrecht aufgezeichnet worden.

Zum Anfang des Wassermanns Mit den Sweben war schon Cäsar im Jahre 58 v. Chr. in Berührung gekommen, als er gegen die Helvetier und die germanischen Triboker unter Ariovist († um 54) kämpfte. 500 Jahre später herrschten die Sweben in Nordwestspanien und Portugal, über ein Land also, das die Wandalen gerade verlassen hatten (um 425/430). Zum katholischen Christentum bekannte sich der swebische König Rechiar während seiner Regierungszeit von 448 bis 456. Nach seiner Bekehrung führte er Kriege gegen die Basken. Sein Reich war offenbar so mächtig, daß Theoderich der Große es für richtig hielt, das Bündnis des swebischen Königs zu suchen und ihm eine seiner Töchter zur Frau zu geben. Die Macht schien den Sweben zu Kopf gestiegen zu sein, denn römische und westgotische Gesandtschaften konnten ihre ständigen Plünderungen nicht mäßigen und mußten am Ende gegen sie kämpfen. Der westgotische König Theoderich II. schlug 456 die Sweben so überzeugend, daß König Rechiar nur mit Mühe auf die See entkam, aber zurück an die Küste getrieben, gefangen und getötet wurde. Swebien geriet ab jetzt immer mehr unter gotische Oberhoheit. Mehrfach mißglückte der Versuch, die westgotische Herrschaft abzuschütteln, zuletzt im Jahre 585, als die Feldherrn des Westgotenkönigs Leowgild den rebellischen Sweben Molarich schlugen und in Ketten nach Toledo schickten. Damals ist das Swebenreich im spanischen Westgotenreich aufgegangen. Es gibt wahrscheinlich noch heute Verschiedenheiten zwischen Portugiesen und Spaniern, die auf jene Unterschiede zwischen den verwandten Sweben und Goten zurückgehen. Noch im 16. Jahrhundert, zur Zeit König Philipps II., des Sohnes Kaiser Karls V., beschimpften die Kastilianer die Portugiesen als los Sevosos oder los Suevosos. Für Schimpf- und Spottnamen haben Völker eben ein langes Gedächtnis.

Zum Anfang des Wassermanns Im damaligen Zeitalter der rigoros gehandhabten Glaubensfragen, der Machtkämpfe zwischen Königtum und Adel, der verjährten und neuen Besitzansprüche aus römischer Reichstradition, war Politik genauso kompliziert wie heute, und das Kräfteverhältnis der Völker änderte sich ständig. So wurden die Franken im Jahre 486 die Nachbarn der Westgoten, weil Chlodwig I. (466-511) die Römer in Gallien besiegt hatte (486). Beide germanischen Reiche strebten nach Vergrößerung, nach Abrundung ihrer Reiche (Karten). Dabei hatten die Franken unter dem schlauen und rücksichtslosen Merowinger Chlodwig I. einen gewissen Vorteil, denn seit er sich zum katholischen Christentum bekannt hatte, war er in der Sicht des mächtigen Byzanz zum Vorkämpfer des rechten Glaubens geworden, im Gegensatz zum Arianismus, dem gerade die ostgermanischen Stämme anhingen und der im Konzil von Nicaea 325 verurteilt worden war. Aber auch die katholische Unterschicht in Gallien und Spanien sympathisierte mit den Franken, während die Westgoten ihren König Alarich II. (484-507) zum Angriff drängten, obwohl dieser erst das Eintreffen von ostgotischen Hilfstruppen abwarten wollte, die Theoderich der Große (453-526), sein ostgotischer Schwiegervater, ihm zu schicken versprochen hatte. Die Schlacht im Jahre 507, nordwestlich von Poitiers am Flüßchen Clain geschlagen, endete mit der Niederlage der Westgoten und mit dem Tod Alarichs II., von den Chronisten als Strafe für seinen arianischen Ketzerglauben und als Gottesurteil aufgefaßt. In den Krieg zwischen Westgoten und Franken hatte Theoderich d. Gr. in erster Linie deshalb eingegriffen, weil eigene Interessen bedroht waren. Er konnte nicht zulassen, daß ganz Gallien den Franken zufiel. Dies war der einzige größere Krieg, den der das alte Römerreich beherrschende Ostgote Theoderich d. Gr. geführt hat, und er, der Arianer, machte einen Katholiken zu seinem Feldherrn. Die Provinzialrömer sollten sich vor dem Angriff der ostgotischen Heere nicht fürchten. Tatsächlich gelang es dem Herzog Ibbo, die Franken bei Arles und Carcasonne zu schlagem. Die Franken gaben weitere Angriffe auf. Die eroberten Gebiete blieben allerdings für die folgenden Jahre in ostgotischer Hand. Politisches Ziel Theoderichs d. Gr. war ein gegen Byzanz gerichtetes germanisches Bündnissystem, das er durch dynastische Heiraten zu stärken suchte. Auch die westgotischen Besitzungen in Spanien stellte der Ostgote Theoderich d. Gr. für seinen Enkel Amalarich unter seinen Schutz und führte die Regentschaft: der gefallene König Alarich II. hatte eine Tochter des Ostgotenkönigs zur Frau gehabt. Gallien jedenfalls war zum größten Teil für die Westgoten verloren. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Franken hätten schon damals das ganze Land in ihren Besitz gebracht. Das westgotische Reich in Spanien hat zwei Epochen erlebt, die bezeichnenderweise durch das religiöse Bekenntnis charakterisiert sind: die arianische Zeit dauerte von 419 bis 587, die katholische Zeit von 586 bis 711. (Vgl. 4-6). Es lohnt sich nicht die Folge der Westgotenkönige aufzuzählen, die meist durch Mord endeten: kein Bild könnte ungermanischer sein als dieses zähe Ringen um die Macht, das eher an Palastintrigen am Hof von Byzanz erinnert. Ursprünglich waren die Goten die unumschränkten Herrscher des Landes, und nur sie waren freie Männer; Ehen zwischen Goten und Römerinnen waren verboten. Erst König Leowgild (567-586) hob dieses Verbot formal auf, da es schon lange nicht mehr eingehalten wurde. Damit war ein wichtiger Schritt zur inneren Einigung des Reiches getan. König Leowgild ist von den fränkischen Merowingern noch einmal zum Kampf gezwungen worden, siegte aber in mehreren Gefechten und starb, während die Friedensverhandlungen im Gange waren, in hohem Alter in Toledo. Damit endete die arianische Epoche; sein schon zu Lebzeiten als Mitregent eingesetzter Sohn Rekkared I. verlor keine Zeit und bekannte sich unmittelbar nach der Krönung zum Katholizismus. Zu Lebzeiten des Vaters wäre das undenkbar gewesen. Als dieser Rom zugewandte König sich von einem rechtgläubigen Priester durch Handauflegen bekehren, bekreuzen und mit heiligem Öl salben ließ, konvertierten mit ihm alle anwesenden Bischöfe des arianischen Bekenntnisses. Im Jahre 603 fiel die Macht an den gotischen Adeligen Witterich, und im Jahre 633 wurde das alte Erbkönigtum durch ein Wahlkönigtum ersetzt: Adel und Bischöfe teilten sich fortan die Macht. (Vgl. 4-6). Im Schatten der Kämpfe zwischen den Goten und Byzanz, die alle Kräfte des Mittelmeerraumes anspannten, konnten die Franken ihre Angriffe gegen die Thüringer und Westgoten führen. Ein wichtiger geopolitischer Vorteil. Der Ostgotenkönig Theoderich der Große war in seiner Eigenschaft als Herrscher des ehemaligen Römischen Reiches ziemlich erfolgreich, nur scheiterte er mit seinem Versuch, durch Eheverbindungen seiner Familie mit Westgoten-, Burgunder-, Wandalen- und Thüringerfürsten das westeuropäische Staatengefüge zu stabilisieren, wenn auch die Idee richtig, weil richtungsweisend, war. Das Scheitern einer Heiratspolitik sollten nach ihm noch viele andere Herrscher, insbesondere deutsche Dynastien, erleben. Das fränkische Staatswesen Chlodwigs wurde immer mehr ein Konkurrent zu den ost- und westgotischen Reichen sowie zu Byzanz. Die Sorgen, die Theoderich der Große wegen der Thronfolge und der Spannungen zwischen Arianern und Katholiken den Lebensabend verdunkelten, hatte der Franke nicht. Boethius, der Ratgeber am Hof des Ostgotenkönigs Theoderich gewesen war und nun im Gefängnis den Trost der Philosophie verfaßte, wurde zusammen mit seinem Schwiegervater Symmachus wegen Hochverrats hingerichtet. Die Nachfolger im ostgotischen Reich, Witigis, Hildebad, Erarich (ein Rugier), Totila und Teja, regierten in den folgenden 30 Jahren der sich ständig wechselnden politischen Verhältnisse, nämlich im Kampf gegen den byzantinischen Kaiser Justinian (527-565) und seine Feldherrn Belisar und Narses. Theoderich dem Großen waren diese chaotischen Verhältnisse erspart geblieben. Er liegt in Ravenna begraben. Nach seinem Tod im Jahre 526 wurde Theoderich früh zur Sagengestalt: Dietrich von Bern ist die als Schicksal überlieferte tragische Umdichtung dieses Begründers der Gotenherrschaft in Italien, der den ersten germanischen Herrscher in Italien, den Skiren Odoaker bekämpfte, dann besiegte und dadurch 489/493 ganz Italien gewann. In zahlreichen Epen wurde Dietrich von Bern, Theoderich der Große, eine Idealgestalt des Rittertums.

Zum Anfang des Wassermanns Papst Damasus I. (reg. 366-384) war die erste wirklich plastische Gestalt des Papsttums, von einem schwer durchschaubaren, harten und skrupellosen Charakter, der den politischen, geistigen und kirchlichen Umwälzungen seiner Zeit, auch den immer stärker sich abzeichenden Verknüpfungen kirchlicher und staatlicher Interesen jedoch in hohem Grade gewachsen war. Auf unklare Weise Papst geworden - gegen ihn hatten die Arianer einen gewissen Ursinus als Gegenpapst aufgestellt -, erkannte er klar den Wert der Macht. Im Dienste dieser Macht gelang es ihm mit geradezu genialem Spürsinn, die bedeutsamste Grundlage aller kommenden Machtfülle für die Papst-Monarchen zu schaffen. Er veranlaßte - hierin vom heiligen Ambrosius aus Trier (339-397), Bischof von Mailand (seit 374), als der einflußreichsten Autorität der Kirche unterstützt -, Kaiser Gratian (reg. 378-383), auf den seit jeher von den Imperatoren geführten Titel eines Pontifex Maximus zu verzichten und ihn den Bischöfen von Rom (also den Päpsten) zu übertragen. Einer Zeit, der dieser Titel durchaus konkret gegenwärtig war, mußte der demonstrative Verzicht durch den ersten „rechtgläubigen“ Kaiser und die Übertragung auf den Papst von zeichenhafter religiös-kirchlicher Bedeutung sein. Der Papst wurde damit zum ersten Repräsentanten einer neuen Kaiseridee. Nachdem mit Valens (reg. 375-378) der letzte arianische Kaiser gefallen war und die römische Weltherrschaft sichtlich zu zerbröckeln begann, ließ Gratian auch die Statue der Victoria aus dem Senat in Rom entfernen (382) und dokumentierte so in symbolhafter Weise den Untergang des heidnischen Romgeistes. Unterstützt von Theodosius I. (reg. 383-395), den Kirchenlehrern Basilius d. G. (ca. 330-379), Gregor von Nazianz (330-390) und Gregor von Nyssa (ca. 335-394) gelang es Papst Damasus I., den Arianismus weiter zu schwächen. Die Lehre von der Trinität wurde endgültig gefestigt und im Drei-Kaiser-Dekret (27.02.380) niedergelegt. Auf dem 2. Konzil (Konstantinopel, 381) wurde die arianische Lehre des Macedonius, der Heilige Geist sei ein Geschöpf Christi, verurteilt und dem Credo als Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum seine gültige Form gegeben. Nachdem Papst und Gegenpapst einander an Gewalttaten nichts nachgegeben hatten, war Papst Damasus I. schwer angeschuldigt, in einen Prozeß gezogen, jedoch freigesprochen worden. Angaben einer päpstlichen Synode zehn Jahre später und ein Brief des Ambrosius ließen daraufhin die in der Kirchengeschichte erstmalig erscheinende Behauptung zirkulieren, Kaiser Valentinian I. (reg. 364-375) habe die Bestimmung erlassen, Geistliche dürften nur von Geistlichen gerichtet werden. Der Papst erreichte auf dieser Synode auch, daß die staatlichen Organe, der später so berüchtigt gewordene „weltliche Arm“ als die hörige Verlängerung der Inquisition, hinfort die Durchführung der kirchlichen Verurteilungen übernehmen mußten, wenn diese erschreckende Entwicklung auch erst langsam begann. Mit einer neuen umfassenden Definition des Primates schuf der Papst auf einer weiteren Synode schließlich eine breite und haltbare Basis für kommende Erweiterungen der Macht. Den „primus inter pares“, als welcher der Bischof von Rom gedacht war, machte er vollends illusorisch, als er den Bischofssitz von Rom „Sedes Apostolica“ nannte (es ist der noch heute übliche Titel). Er behauptete weiter, die Kirche Roms sei von den Aposteln Petrus und Paulus gegründet worden (wovon keine Rede sein konnte, denn beide hatten eine bescheidene Gemeinde vorgefunden, mehr nicht. Nie waren sie als Gründer aufgetreten). Der nunmehr behauptete Doppelapostolat jedoch vermochte die Primatsvorstellungen ganz wesentlich zu erweitern. Unerwartete Hilfe kam von Kaiser Gratian, der die päpstliche Jurisdiktionsgewalt festsetzte, deren Grenzen schließlich kaum noch fixierbar waren. Das sollte für kommende Primatsansprüche gleichfalls von unschätzbarer Bedeutung werden und zeigt das Hand-in-Hand-Gehen mit der Staatsmacht besonders instruktiv. Endlich erließ Papst Damasus I. die erste Dekrale, Zeugnis der nun erwachten Vorstellung vom Papst-Monarchen und der gesetzgebenden Gewalt des Papsttums. Damit geriet der historische Apostel Petrus langsam in geplante Vergessenheit. An seine Stelle trat die Abstraktion Petrus, so daß von nun an jeder Papst sich Petrus nennen konnte. Nachdem auf einer Synode der Kanon der Heiligen Schrift festgelegt worden war, beauftragte Papst Damasus I. seinen Sekretär, den späteren Kirchenlehrer Hieronymus (ca. 345-420), mit der Herstellung des lateinischen Bibeltextes, der „Vulgata“.

Papst Symmachus (reg. 498-514) war der Urheber der ersten päpstlichen Fälschungen. Er wurde 498 in einer Doppelwahl von der Mehrheit gewählt, während die byzantinerfreundliche Minderheit einen Gegenpapst (Laurentius) wählte. Die daraus entstandenen Wirren wurden durch die Entscheidung Theoderichs d. Gr. für Symmachus vorübergehend beigelegt. Synoden sollten künftige Papstwahlen sichern. (Am 23.10.501 erklärte die „Palmensynode“ in Rom, ein Papst könne durch niemanden gerichtet werden. Wieso das auf einmal?). In diesem Zuammenhang entstanden erfundene Papstprozesse (Symmachianische Fälschungen), um die Doktrin zu stützen, der Papst könne von niemandem gerichtet werden. Die Unruhen endeten erst, als Theoderich 506 Laurentius endgültig fallen ließ. Symmachus hatte ziemlich zweifelsfrei Kenntnis von der Entstehung dieser Fälschungen, denn sie sind aus seiner Kanzlei hervorgegangen. (Das Gleiche betrifft übrigens auch die späteren Fälschungen - z.B. die „Schenkungen“ [vgl. Stephan II. und Leo III.] oder den „Pseudo-Isidor“ [vgl. Leo IV.]). Die Symmachianischen Fälschungen als Ganzes zeigen die erschreckende Skrupellosigkeit der Kurie. Die interessierte Kirchengeschichtsschreibung hat keinen Grund, die harten Tatsachen zu bagatellisieren und zu umgehen, am wenigsten den Silvester I. (reg. 314-335) untergeschobenen Satz: „Prima sedes a nemine judicatur“ - der päpstliche Stuhl ist nicht richtbar. Eine erste deutliche Zäsur war hier also erreicht - noch keine 300 Jahre nach dem Tode Jesu. Die Symmachianischen Fälschungen sind ein Fabrikat im Dienste des Primats, der Papst-Monarchie und der „absolutistischen“ Machtentfaltung. Der Pontifikat des Papstes Symmachus zeigte erstmalig, daß das Papsttum seine Gestaltwerdung mit Hilfe dunkler Mittel förderte.

 

Franken
Franken

Zum Anfang des Wassermanns
Franken
Die Franken, die sich seit dem 3. und 4. Jahrhundert in römisches Gebiet vorgewagt hatten (0-2), leiteten um 500 durch den zum Christentum konvertierten Chlodwig I. eine Großmachtbildung des Fränkischen Reiches ein, d.h. sie wurden zum politisch wichtigsten Faktor des beginnenden „Mittelalters“. Chlodwig gliederte auch Gebiete zwischen Somme und Loire, Aquitanien und Alemannien ein. Das kleine Burgunderreich erlag 534 den Franken und wurde als politische Einheit aufgelöst. Schrittweise vergrößerte sich so das Gewicht des fränkischen Reiches. Im Gegensatz zum System des arianischen Ostgotenkönigs Theoderich in Italien, dem Nebeneinander von Goten und Romanen, gelang es Chlodwig und seinen Nachfolgern, durch die Verschmelzung von Germanen und Galloromanen ein gemeinsames Staatswesen zu begründen. Die Franken profitierten vom Zusammenbruch des Ostgotenreiches, von der Schwächung der Westgoten, den Siegen der Byzantiner, und sie überwältigten schließlich auch die Langobarden, die als Nachfolger der Ostgoten in Italien eine neue germanische Herrschaft eingerichtet hatten. (Vgl. 4-6).

Byzantinisches Kapitell Wie schon erwähnt, war die christliche Philosophie, die die Kirchenväter (Patristen) immer mehr durchsetzten, zunächst eine alexandrinische, d,h, eine mehr und mehr von spätgriechischen, jüdischen und christlichen Elementen bestehende Philosophie gewesen. In dieser Alexandrinischen Schule wurde der Versuch gemacht, aus der spätgriechischen Philosophie eine christliche zu machen. Die Patristik als Nabelschnur und die christliche Religion als Plazenta waren deshalb so bedeutend für das werdende Abendland, weil dieses ja auch mit magischen Kulturgenen ausgestattet ist. Die magische Kultur stellte die weiblichen Gene, die antike Kultur die männlichen zur Verfügung. Aus dem Gengemisch entwickelten sich kulturhistorische Faktoren, die man als kirchenväterlich bezeichnen kann. (Vgl. 22-24 und 0-2). Die Kirchenväter wirkten vom Ende des 1. bis zur ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts; von den apostolischen (70/80-120), den apologetischen wie Justinus (100-167) und Tertullian (ca, 150-220), den systematischen wie Origenes (185-254), den dogmatischen wie Eusebius von Cäsarea (260-340), den kirchenpolitischen wie Augustinus (354-430), seinem (britischen) Gegner Pelagius (ca. 380-420), den ersten Scholastikern wie Boethius (480-524) bis zum englischen Beda Venerabilis (674-735). Sie gaben dem abendländischen Keim die ersten Fruchthüllen bis hin zur Muttermilch und zur ersten postnatalen Entwöhnung, dem Abstillen. Die bereits erwähnten und für diese Phase wichtigen Fruchthüllen, die sich zu Beginn dieser Phase um den (bis da: Wulfila-Keim) Embryo des Abendlandes zu legen hatten, waren bald mit der Gebärmutterschleimhaut zur Plazenta zusammengewachsen, und am Ende dieser abendländischen Embryonalphase waren sowohl die nötigen 2 Hemisphären des Großhirns sowie alle Organe ausgebildet, die später zur vollen Funktionalität gelangen sollten. (Vgl. 4-6).

Theologie Analoge Theologien Philosophie
(2-4): 1800-1550 und 350-600
(0-2, 2-4, 4-6, 6-8, 8-10, 10-12)
9) .... (Zeus-Theologie) .... seit ca. - 1930 / - 1900
10) ..... Protohellenen ..... seit ca. - 20. Jh. / - 17. Jh.
11) .......... Mythen .......... seit ca. - 20. Jh. / - 17. Jh.
12) .............. der ............. seit ca. - 19. Jh. / - 17. Jh.
13) ......... Mykener ......... seit ca. - 19. Jh. / - 17. Jh.
14) . . . (Atriden, Perseus, Ödipus) . . . seit ca. - 18. Jh. / - 16. Jh.
15) (7 gegen Theben, Helena, Menelaos) . .  seit ca. - 18. Jh. / - 16. Jh.
9) Neu-Platonismus (Plotinos u.a.) seit 220 (250)
10) Arianismus (Arius, Wulfila u.a.) seit 3. / 4. Jh.
11) 3. Patristik Systematisierende Kirchenväter seit 3. / 4. Jh.
12) 4. Patristik Dogmatisierende Kirchenväter seit 4. Jh.
13) 5. Patristik Kirchenpolitische Kirchenväter seit 4. / 5. Jh.
14) 6. Patristik Ur-Scholastische Kirchenväter seit 5. / 6. Jh.
15) 1. Scholastik Ur-Scholastik (z.T. 6. Patristik) seit 5. / 6. Jh.


Die vor allem aus Indogermanen hervorgegangenen Protohellenen (Protogriechen) - zumeist Achaier (Aioler und Ioner) - waren auch die Träger des Mykenischen, also des Hauptanteils an der antiken Urkultur. Alle mykenischen Mythen (Atriden, Perseus, Ödipus, Sieben gegen Theben, Helena, Menelaos u.s.w.) sind durchaus als Vorläufer der späteren homerischen Epen zu verstehen. (Vgl. 10-12). Konkretere Angaben zur Religion oder gar zu einer Theologie können mangels Quellen nicht gegeben werden. Man weiß einfach zu wenig über die religiösen und theologischen Verhältnisse in der urkulturellen Antike, dennoch steht die „Helladik“ als Gemeinbegriff für deren gesamtes Kulturquartal (0-2, 2-4, 4-6). Anders sieht es für die Entsprechungen der abendländischen Ur- bzw. Vorkultur aus, weil aus dieser Zeit bereits genügend historische Quellen vorliegen. Die „Vordenker“ des Abendlandes waren die Denker der „elterlichen“ Art, wie fast alle Begriffe in der Tabelle offen verraten.

Zum Anfang des Wassermanns In der folgenden Tabelle sind die geistigen und geistig-politischen Errungenschaften (rot gefärbt) als magisch ausgerichtetes Seelenbild gut zu erkennen, nämlich als Dualismus zwischen Geist und Seele, den ich Seelengeist nenne. Die Germanenreiche, deren Daten für die Reichsgründungen und ihre jeweiligen Untergänge angegeben sind, haben sämtlich, wenn sie nach 475 noch existierten, staatsähnliche Volksrechte entwickelt. Da die Franken seit Chlodwig I. Germanen und Galloromanen vereinten, gab es im Frankenreich ein für alle Einwohner güliges Recht, während die anderen Reiche auf ehemaligen römischen Boden sowohl für die germanischen Herrenschichten als auch für die romanischen Untertanen Gesetze entwickelten. Alle Gesetze blieben bis ins „Hochmittelalter“ gültig, das Westgotenrecht in Spanien sogar bis in die „Neuzeit“.


Vgl. (0-2) um 300) Arianismus (1): Christologie des alexandrinischen Priesters Arius (Christus ist mit Gott nicht wesensgleich)
um 300) Eremitenleben: Antonius der Einsiedler (der Große) geht in die Wüste
  um 300) Patristik (3) (Systematiker): Athanasios
305) 3. Reichsteilung
313) Toleranzedikt von Mailand. Die Christenverfolgungen werden eingestellt
318) Verurteilung des Arianismus und Exkommunikation des Arius durch den Bischof von Alexandria
um 320) Patristik (4) (Dogmatiker): Eusebius von Cäsarea
um 320) 1. Kloster in Ägypten: Pachomius der Eremit
324) Konstantin I. d.Gr. ist Alleinherrscher (Totius orbis imperator)
325) (19.06. - 25.08.)  Konzil (1) von Nizäa (I) : Verurteilung des Arianismus und Glaubensbekenntnis unter
Einfluß Konstantin I. d. Gr. und Athanasios (Kirchenlehrer und Patriarch von Alexandria)
330) (11.05.) Byzanz wird nach Umbenennung in Konstantinopel christliche Reichshauptstadt (2. Rom)
im bewußten Gegensatz zum heidnischen Rom (!)
337) 4. Reichsteilung
um 350) Arianismus (2): Wulfila (ca. 311-383) betreibt Mission und übersetzt die Bibel ins Gotische (Westgotische)
(der Arianismus lebte bei Goten, Wandalen und Langobarden bis ins 6. Jh. fort,
bei den Franken bis 496)

um 350/380) Patristik (5) (Kirchenpolitiker): Hilarius von Poitiers, Ambrosius (Trier), Bischof von Mailand,
Augustinus (Gottesstaat), vom Manichäismus, Skeptizismus und Neuplatonismus hindurch
zum Christentum (deshalb wird Augustinus Gegner des Manichäismus)
364) 5. Reichsteilung
um 370) 1. Mönchsregel (Klosterregel) für das griechische Mönchtum von Basileios (Basilius) d. Gr.
um 370) Mönchtum entfaltet sich auch im Westen (Vita Antonii)

um 370) Musik: Ambrosius (aus Trier), Bischof von Mailand, führt den
hymnischen Chorgesang in der abendländischen Kirche ein

375) Beginn der 3. Germanischen Wanderung („Völkerwanderung“) - ausgelöst durch die (asiatischen) Hunnen

375) Quaden-Reich erloschen (gegründet 19 Germanen-Reiche)
375) Ostgoten-Reich in Osteuropa, Ukraine, Südrußland, Krim erloschen (gegründet 150 Germanen-Reiche)
375) Ostgoten-Reich in Pannonien (Österreich, West-Balkan); ab 493 auch in Italien (bis 555 Germanen-Reiche )

375) Gepiden-Reich (zwischen Donau, Theiß Alt und Karpaten) unter Arderich u.a. (bis 567 Germanen-Reiche )

381) (Mai - 09.07.)  Konzil (2) von Konstantinopel (I) : bestätigt das Nizäum (325); Gottheit des Hl. Geistes
391) Christentum wird Staatsreligion (Verbot aller heidnischen Kulte)
395) 6. (letzte) Reichsteilung - Römisches Reich wird endgültig geteilt: Osten (Byzanz) und Westen (Rom)
Ende der Reichseinheit

400) Westgoten-Reich in Osteuropa, Balkan, Griechenland, Kleinasien erloschen (gegründet 150 Germanen-Reiche)

- Der „Kampf um Rom“ beginnt: Eroberung Roms durch Westgoten (410), Wandalen (455) und Skyren (476)

395/430) Patristik (6) (Scholastik) Synesios von Kyrene (neuplatonisch ausgerichtet)
431) (26.06 - Sept.)  Konzil (3) von Ephesus: Gottesmutterschaft Marias; Überwindung von Nestorianismus und Pelagianismus
451) (08.10 - 31.10.)  Konzil (4) von Chalkedon: Entscheidung gegen Monophysitismus: Christus-Naturen
400) Thüringer-Reich in Mitteleuropa, zwischen Harz, Elbe und Donau (bis 531 Germanen-Reiche)
409) Wandalen- (Foederaten-) Reich in Süd-Spanien (bis 429 Germanen-Reiche); ab 429 in Afrika (bis 534 Germanen-Reiche)
413) Burgunder- (Foederaten-) Reich um Worms (bis 443 Germanen-Reiche)
418) Westgoten-Reich in Südfrankreich und Spanien (bis 711 Germanen-Reiche)
418) Sweben-Reich in Nordportugal / Nordwestspanien (bis 585 Germanen-Reiche)
429) Wandalen-Reich in Afrika und Balearen, Sizilien, Sardinien, Korsika (bis 534 Germanen-Reiche)
430) Angeln- und Sachsen-Kleinkönigreiche (vereinigt im 9. Jh.) in England (bis 1066 Germanen-Reiche)

433) Markomannen-Reich erloschen (gegründet 9 v. Chr. Germanen-Reiche )
443) Burgunder- (Foederaten-) Reich um Worms erloschen (gegründet 413 Germanen-Reiche )
443) Burgunder-Reich in Savoyen (bis 534 Germanen-Reiche )

451) Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“: Germanen (v.a. Westgoten) besiegen die Hunnen.
          Danach wird das Hunnenreich von den Germanen unter Arderich, König der Gepiden, zerstört.

476) Skiren-Reich des Odo(w)aker in Italien (476 Ende Roms; Untergang) (bis 493 Germanen-Reiche )
480) Bayern (-Reich) im ehemaligen Rätien, Noricum, Pannonien und nördlich der Donau (bis 728 Germanen-Reiche )
493) Skiren-Reich in Italien erloschen (gegründet 476 Germanen-Reiche )
493) Ostgoten-Reich in Italien (Anschluß an das Ostgoten-Reich in Pannonien; bis 555 Germanen-Reiche )

500/520) Boethius (erster westlicher Scholastiker)
510/580) Cassiodorus (westlicher historischer Scholastiker)
529) Benediktiner-Regel (Regula Benedicti) von Benedikt von Nursia, Monte Cassino
(westliche Regel des Mönchtums): erstes abendländisches Kulturzentrum
531) Thüringer-Reich erloschen (gegründet 400 Germanen-Reiche )
534) Burgunder-Reich erloschen (gegründet 433 Germanen-Reiche )
534) Wandalen-Reich erloschen (gegründet 429 Germanen-Reiche )
551) Der (West-) Gote Jordanes, Notar und Historiker, veröffentlicht seine „Gotensaga“
553) (05.05. - 02.06.)  Konzil (5) von Konstantinopel (II): Verurteilung der Nestorianer und Origenisten
555) Ostgoten-Reich in Italien erloschen (gegründet 493 Germanen-Reiche ) und in Pannonien (gegründet 375 Germanen-Reiche )
567) Gepiden-Reich erloschen (gegründet 375 Germanen-Reiche )
568) Langobarden-Reich in Italien (bis 774 Germanen-Reiche )
       Mit der Bildung des Langobardenreiches sind die Germanischen Wanderungen beendet
       Vom 6. Jh. bis etwa 750 entwickeln sich bestimmte germanische Dialekte zum Deutschen:
       Alemannisch, Bayrisch, Süd-, Ostfränkisch, Langobardisch, Burgundisch zum Oberdeutschen,
       Rhein-, Mittelfränkisch (Maas, Rhein, Mosel, Main), Thüringisch u.a. zum Mitteldeutschen,
       (Mittel- und Oberdeutsch gemeinsam zum Althochdeutschen: AHD) und
       Niederfränkisch (Nordbelgien Holland, Niederrhein), Altsächsisch u.a. zum Niederdeutschen
585) Sweben-Reich erloschen (gegründet 418 Germanen-Reiche )
um 590) Musik: Gregorianischer Gesang (Choral; 1stimmige Gregorianik), Papst Gregor I.
590/604) Papst Gregor I. d. Gr. begründet weltliche Macht des Papsttums (Patrimonium Petri).
               Abkehr von Byzanz, Hinwendung zu Germanen
um 600) Könige der Svear (Schweden) von Uppsala dehnen ihre Herrschaft über ganz Schweden aus


Letzte Tabelle
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Zum Anfang des Wassermanns Anhand der Tabelle ist deutlich zu erkennen, wie hoch die Zahl der Germanen-Reiche in dieser Phase war, und zwar sowohl bezogen auf ihre Neugründungen als auch auf ihr Erlöschen. Ein deutliches Anzeichen für die großen Bewegungen dieser Zeit. Von den 22 Beispielen wurden 3 Reiche in der Phase der Befruchtung (Cäsarismus), 5 Reiche in der Phase der Einnistung (Nidation) und 14 Reiche in dieser Embryonalphase gegründet, in der allerdings auch 14 Reiche erloschen, davon die Hälfte am Ende, d.h. mit dem Ausklang der 3. Germanische Wanderung. Und vor dieser Phase war nur 1 Reich erloschen. Am Ende dieser embryonalen bzw. organbildenden Phase waren noch 7 germanische Reiche bzw. Staatsverbände übrig, nämlich die der

Westgoten, Alemannen, Franken, Sachsen, Angelsachsen, Bayern, Langobarden.

Die Organogenese war abgeschlossen. Jetzt konnten die Funktionen folgen.

 

0 Uhr2 Uhr4 Uhr6 Uhr8 Uhr10 Uhr12 Uhr14 Uhr16 Uhr18 Uhr20 Uhr22 Uhr
2 Uhr4 Uhr6 Uhr8 Uhr10 Uhr12 Uhr14 Uhr16 Uhr18 Uhr20 Uhr22 Uhr24 Uhr
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Zum Anfang des Wassermanns Anmerkungen:


Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzlich: apollinisch und faustisch; ihre Ursymbole ebenfalls: Einzelkörper und Unendlicher Raum. Wie ein Dogma gegenüber aller Erfahrung, gelten auch Seelenbild und Ursymbol allgemein als unbeweisbar, deshalb sei hier darauf hingewiesen, daß der Unterschied zwischen Antike und Abendland sogar am Beispiel „Parallelenaxiom“ deutlich werden kann: Euklid hat in seinen „Elementen“ (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Beispiel gegeben und Gauß ca. 2112 Jahre später (um 1800) die für das abendländische. Sie stehen - wie unzählige andere Beispiele auch - für einen metaphysischen Mittelpunkt, um den eine Kultur kreist, während sie von Seelenbild und Ursymbol angetrieben und angezogen wird. (Vgl. Oswald Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390). Vgl. dazu auch das Germanentum.

Das Seelenbild der magischen Kultur ist ein dualistisches: Geist und Seele, ihr Ursymbol die Welthöhle. (Vgl. Spengler, 1922, S. 847f.).

Carl Friedrich Gauß (1777-1855) hat dreißig Jahre lang seine Entdeckungen der nichteuklidischen Geometrien verschwiegen, weil er das Geschrei der Böoter fürchtete. Der Zufall hat es gewollt, daß wenige Jahre nach Vollendung seines Hauptwerkes (1801) Gauß die erste der nichteuklidischen Geometrien entdeckte, durch deren in sich widerspruchslose Existenz bewiesen wurde, daß es mehrere streng mathematische Arten einer dreidimensionalen Ausgedehntheit gibt, die sämtlich a priori gewiß sind, ohne daß es möglich wäre, eine von ihnen als die eigentliche Form der Anschauung herauszuheben. Gauß hatte also seine nichteuklidische Geometrie ganz abendländisch-esoterisch für sich selbst entwickelt. Das denkfaule, schwerfällige Volk hätte damit offenbar nichts anfangen können, weshalb er es Böoter nannte, ein Volk in Boiotien (Hauptstadt: Theben), das den anderen antiken Griechen eben als sehr schwerfällig galt. (Vgl. 18-20).

Römisch-katholische Interpretationen attestieren dem Abendland zumeist, daß in ihm die Dominanz des Christlichen überwiege. Diese Meinung teilen vor allem kirchliche und vornehmlich christlich orientierte Vertreter. Theodor Heuss (31.01.1884 - 12.12.1963) soll einmal gesagt haben, daß Europa von 3 Hügeln ausgegangen sei: von der Akropolis, von Golgatha und vom Kapitol. Diese Sichtweise würde eher, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt, auf eine Dominanz der Antike verweisen. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß aus einem antik-apollinischen Einzelkörper und einer magisch-seelengeistigen Welthöhle ein abendländisch-faustischer Unendlichkeitsraum entstehen kann, dann muß unbedingt ein dritter Faktor hinzukommen, den ich die Kulturpersönlichkeit nenne: das Germanentum. Ohne das Germanentum versteht man die Willensdynamik eines Faust nicht, und ohne das germanische Element ist die Raumtiefe, aber auch die in jeder Hinsicht sowohl ins Mikrokosmische als auch ins Makrokosmische gehende Unendlichkeit nicht als distinktives Merkmal der abendländischen Kultur zu identifizieren. Diese Merkmale treffen auf keinen antiken Menschen zu, aber insbesondere auf die Abendländer, die germanischen Ursprungs sind. Scharfe Gegensätze, wie die zwischen Antike und Abendland, sind zwar unbedingt ein Indiz für Verwandtschaft, weil beide Kulturen so auffallend gegensätzlich sind: aktiv und reaktiv. Offenbar hat die Antike auf das Abendland aber nicht persönlichkeitsstiftend gewirkt und konnte auch erzieherisch nicht tätig werden, weil sie so früh verstarb. Die Biogenetik und Sozialisation geraten nicht selten so weit auseinander, wenn ein Elternteil früh verstirbt, d.h. nicht wirklich erlebt wird. Dem Abendland scheint es auch so ergangen zu sein. Die Auseinandersetzungen mit der magischen Mutter hat beim Kind jedoch zu einer enormen, fast schon verdächtigen Erinnerung bis hin zur Vergötterung des antiken Vaters Beitrag geleistet. Aber liegt deshalb immer auch schon ein Vaterkomplex vor?  Es bleibt zunächst festzuhalten, daß auch kulturell zwischen Genetik und Sozialisation, zwischen Anlage und Umwelt, zwischen angeboren und anerzogen ganz klar unterschieden werden muß. Dazwischen bewegt sich die Persönlichkeit. Man kann sie nicht isolieren, folglich auch nicht isoliert betrachten, aber man kann sie beschreiben, und ich beschreibe die Kulturpersönlichkeit des Abendlandes als germanisch, weil dieser Raum zwischen Anlage und Umwelt für die Kulturpersönlichkeit zwanghaft unendlich werden muß, wenn sie die verlorene Vaterkultur zurückholen will. Der unendliche Raum und Wille sind auch deshalb Ursymbol und Urwort des Abendlandes. Wenn der Mensch eine Grundlage von etwa 60 Billionen Zellen hat und einer Umwelt von praktisch unendlicher Vielfalt ausgesetzt ist, so gilt für eine Kultur, daß sie Völker, Staaten oder Nationen zur Grundlage hat und einer Umwelt von unendlichen Möglichkeiten, aber auch gähnender Leere gegenübersteht. Mit dem Germanentum fiel eine faustische Entscheidung zugunsten der unendlichen Möglichkeiten. Die Eltern des Abendlandes waren also antik-magisch, ihre gentragenden Chromosomen römisch-christlich, aber die Kontrollgene germanisch. (Vgl. 22-24).

Helladik bedeutet die antike Vor- und Urkultur des griechischen Festlandes, während Minoik die durch die ägyptische Kultur erreichte zivilisierte (fellachische)Neu-Urkultur“ Kretas und Kykladik die der Kykladen meint. Kreta und die Kykladen sollten später unter mykenische (festländische) Vorherrschaft kommen, zu einer Zeit, die bereits den Übergang darstellt zur antiken Frühkultur, zur „Helladisierung“. (Vgl. z.B. im Perioden-Quiz unter: „Aufstieg“ bzw. 0-2, 2-4, 4-6, 6-8, 8-10, 10-12).

Jesus (7 / 4 v. Chr. - 26 / 30 n. Chr.) ist Urheber und zentrale Gestalt des Christentums. Das Christentum umfaßt die Auswirkungen des Glaubens an Person und Wirken Jesu Christi, wie er von den christlichen Kirchen und Gemeinschaften in der Auseinandersetzung mit fremden Religionen, den geistigen und weltanschaulichen Strömungen der verschiedenen Zeiten sowie mit den politischen Mächten entwickelt worden ist. In Rom galt die christliche Gemeinde zunächst als jüdische Sekte. Der römische Staat entzog dieser schnell wachsenden Gemeinschaft bald die religiösen und rechtlichen Privilegien, die er dem Judentum gerade eingeräumt hatte. Die Auseinandersetzung mit dem Römischen Reich wurde intensiv seit der Mitte des 3. Jahrhunderts geführt. Auf das Toleranzedikt des Galerius und Licinius, 311, folgte die Bekehrung Konstantins und mit dem Toleranzedikt von Mailand (313) die Einstellung der Christenverfolgungen. Konstantin der Große machte das Christentum zu der mit allen zeitgenössischen Kulten gleichberechtigten und schließlich zur allein berechtigten Religion im Reich (Konzil von Nicaea, 325). Damit hatte er eine Entwicklung eingeleitet, die zur Entstehung der Reichskirche als einer vom Reich letztlich abhängigen Einrichtung führte. Durch den oströmischen Kaiser Theodosius I. wurde 380 mit dem Edikt von Thessalonike der Athanasianismus (Katholizismus) begründet, im 1. Konzil (= 2. Ökumenisches Konzil, 381) von Konstantinopel das (konstantinopolitanische) Glaubensbekenntnis formuliert und das Nizänum bestätigt, 391 das Christentum überhaupt Staatsreligion, damit alle heidnischen Kulte verboten. 395 teilte sich das Reich in West- und Ostrom, 455 eroberten die Wandalen Rom und 476 erlosch das Weströmische Reich endgültig mit der Absetzung des Romulus Augustus durch den Germanen Odowaker (Odoaker), aber die römische Kultur wurde von den Eroberern nicht zerstört, die arianische Christen waren und mit der unterworfenen Bevölkerung, die römisch-katholisch war, die erste und für die Christen-Geschichte wichtigste Verschmelzung eingingen. Für die geschichtliche Erkenntnis Jesu ist man nahezu ausschließlich auf die Evangelien des Neuen Testaments angewiesen. Derjenige, der das Christentum erst zur Weltreligion machte, war Paulus. (Vgl. 22-24 und 0-2 sowie 4-6).

In den Geschichtsbüchern wird oft von ripuarischen Franken, sogenannten Ufer- oder Rheinfranken, und von salischen Franken gesprochen (Franken). Der Name Ripuarier meint offenbar die ehemaligen Verbände aus einem römischen Miltärbezirk an der Rhône, aus der Gallia riparensis. Die Salier waren offenbar die seetüchtigen Stämme der Franken. (Vgl. 22-24). Der altfänkische Raum umfaßte wohl außer dem rheinfränkischen Kerngebiet, das am Rhein, nämlich zwischen Köln und Xanten zu finden ist, auch die Gegend um Deventer, zwischen dem Niederrhein und der Ijssel, die Mündungsgebiete von Rhein und Maas und die Gegend der fränkischen Brukterer zwischen Lippe und Ems, wo sich an der Lippe noch ein Gebiet der Bruktuarier hielt, das dann endgültig um etwa 700 zum größten Teil von den Sachsen besetzt wurde. Auch der Ruhrgau um Duisburg war wahrscheinlich ursprünglich fränkisch, ebenso der Hettergau rings um Herbede (bei Witten). Der Aufstieg der Salier mit dem Macht- und Besitzschwerpunkt im Nahe-, Speyer- und Wormsgau begann mit Konrad dem Roten, der von 944 bis 953 Herzog von Lothringen war und durch seine Ehe mit Liudgard, Tochter Ottos I. d.Gr. die Königsnähe herstellte. Mit Konrad II. gelangten die Salier zur Königsherrschaft im Deutschen Reich. 1125 erlosch ihre Dynastie mit Heinrich V.; Privaterben wurden die Staufer. (Vgl. 8-10).

Merowech (um 455) war der Sage nach der Begründer der Merowinger, des merowingischen Geschlechts (der merowingischen Dynastie?). Er war vielleicht ein salischer Gaukönig und der Vater Childerich I.. (Vgl. Salier). Die Salier, eine Stammesgruppe der Franken, siedelten im 5. Jahrhundert am Niederrhein und in Nordgallien. Das spätere fränkische Adelsgeschlecht der Salier, mit dem Macht- und Besitzschwerpunkt im Nahe-, Speyer- und Wormsgau, begann mit Konrad dem Roten, der Herzog von Lothringen war (944-953) und durch seine Ehe mit Liudgard, Tochter Otto I. (d. Gr.), die Königsnähe herstellte. Mit Konrad II. gelangten die Salier zur Königsherrschaft im Deutschen Reich. 1125 erlosch die Dynastie mit Heinrich V.; Privaterben wurden die Staufer. (Vgl. Tabelle und 8-10).

Arianismus ist die Christologie des alexandrinischen Priesters Arius (ca. 250 - 336). Nach ihr ist Christus mit Gott nicht wesensgleich, sondern nur dessen vornehmstes Geschöpf. Arius wurde von seinem Bischof Alexander exkommuniziert, seine Lehre, die der griechische Kirchenlehrer Athanasios (295-373) aufs heftigste bestritt, wurde 325 unter Einfluß des Kaisers Konstantin d. Gr. auf dem Konzil von Nizäa verurteilt. Bei Goten (vgl. Wulfila), Wandalen und Langobarden lebte sie jedoch bis zum 6. Jh. fort.

Wulfila (Ulfila, Ulfilas, Gulfilas, um 311 - um 383 in Konstantinopel), westgotischer Bischof, 341 für die Goten zum Bischof geweiht. Wulfila mußte sich 348 hinter die Reichsgrenze zurückziehen wegen der Verfolgung durch Athanarich , den damaligen Führer der Westgoten, der mehere Christenverfolgungen, z.B. in den Jahren 348, 369 aus Römerhaß (!), unternahm und durch Kaiser Valens nach mehrjährigem Krieg 369 zum Vertragsverhältnis mit Rom gezwungen und gegen Lebensende von Kaiser Theodosius ehrenvoll aufgenommen wurde. Wulfila wirkte trotzdem weiter als Missionsbischof und weltlicher Führer (Primas). Theologisch gehörte er zu den gemäßigten Arianern. Seine bedeutendste Leistung war die Bibelübersetzung ins Gotische. War er also ein Luther am Übergang Spätantike/Mittelalter oder war Luther ein Wulfila am Übergang Mittelalter/Neuzeit?

Auch genetische Untersuchungen bestätigen die Annahme, daß die Germanen in England das britannische (keltische) Element binnen kurzer Zeit absolut verdrängten: Engländer sind von den Sachsen, Angeln, Jüten bzw. Friesen auf dem europäischen Kontinent nicht zu unterscheiden, während sie große Unterschiede z.B. zu den Walisern (Kelten) aufweisen.

Übersicht über die Vor- und Frühgeschichte der abendländischen Musik (Grundlagen / Träger):
Hymnischer Chorgesang / Ambrosius (339-397), der aus Trier stammte und Bischof von Mailand war.
Gregorianischer Gesang (Gregorianischer Choral; 1stimmige Gregorianik) / Papst Gregor I. (540-604).
(Psalmodie vom Wortakzent bestimmt; Antiphonen, Respondorien, Hymnen).
Organum: früheste Form (7. Jh.) der Mehrstimmigkeit, Paraphonie zur gregorianischen Melodie.
Choralrhythmus, 40 Sequenzen / Notker der Stammler (Balbulus; 840-912), der Mönch im Kloster St. Gallen war.
Durch Klang gestützte Melodik / Gymel, Fauxbourdon (3stimmige Setzweise).
Mehrstimmigkeit / Studentenlyrik: Carmina Burana (Lieder aus Beuren; Kloster bei Bad Tölz, 11., 12., 13. Jh.).
Erwachendes rhythmisches Bewußtsein / Minnesänger, W. von der Vogelweide u. a., Kreuzritter, fahrende Sänger.
Ars antiqua (Organum wird Discantus: abgetrennte Gegenstimme / Leoninus (12.Jh.), Perotinus Magnus (13. Jh.).
Conductus (mehrstimmiges Vokalwerk der Ars antiqua) und Motetus (3 Stimmen, scharf gegenseitig abgesetzt).
Früheste Polyphonie, Mensuralmusik (gemessene Musik: festgelegte Notenwerte) / Franko von Köln (13. Jh.).
Früheste ausgereifte polyphone Satztechnik, z. B. (Sommerkanon), Rondeaus / z. B. Adam de la Halle (13. Jh.).
Meistergesang / Meistersinger (14. Jh. bis 16. Jh., z.B. Hans Sachs, 1494-1576)
Ars nova, niederländischer Kontrapunkt und niederländische Polyphonie, mehrstimmiges deutsches Lied, Choräle bis zum Aufkommen der Instrumentalmusik (Paumann, 1452).

 

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