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Oswald Arnold Gottfried Spengler
(1880-1936)

 

Lob, Kritik, Skepsis.

- Seiten -
Anmerkungen zum „Untergang des Abendlandes“ (I und II)
Aphorismen
Arbeitszimmer
Biographie
„Das Doppelantlitz Rußlands und die deutschen Ostprobleme“
„Das heutige Verhältnis zwischen Weltwirtschaft und Weltpolitik“
„Das Verhältnis von Wirtschaft und Steuerpolitik seit 1750“
„Der Mensch und die Technik“
„Der Untergang des Abendlandes“ (I und II)
„Jahre der Entscheidung“
Kulturen gemäß Spenglers Theorie
„Neubau des Deutschen Reiches“
„Neue Formen der Weltpolitik“
Nicht Veröffentlichtes
„Politische Pflichten der deutschen Jugend“
Postum Veröffentlichtes
„Preußentum und Sozialismus“
Spenglerianer
Verweise
Verweise zu den bedeutendsten Zitaten u.a.
Werke
Werke-Verzeichnis
Zur Kritik

In meinem Tagebuch 2000 ist u.a. zu lesen: „Der Kulturphilosoph Oswald Spengler wagte den »Versuch ..., Geschichte vorherzubestimmen« (**). .... Ich ... gehe ... - ganz im Sinne des Kulturphilosophen Oswald Spengler - davon aus, daß die Prozesse der Kulturen in ihrer tiefsten Logik denen der Natur ähneln. Auch Kulturen fangen »klein« an, blähen sich auf und fallen in sich zusammen, d.h. sie verschwinden scheinbar, doch in Wahrheit bleibt ein geschrumpfter Rest - ein »weißer Zwerg« oder ein »Neutronenstern« oder sogar ein »Schwarzes Loch« - zurück. Auch Kulturen sind abhängig von Bedingungen, ... haben einen »Mittelpunkt« und oft auch »Nachbarn«, die sich gelegentlich »einmischen«. Viele Kulturen - nämlich diejenigen, die sich durchsetzen können - gehorchen jahreszeitlichen Bedingungen. Sie durchlaufen Phasen des der unterirdischen Wachsens, der Blüte und Hochblüte sowie der Vollendung und des Verfalls. Nicht selten produzieren sie neue Kulturen, und das müssen oder sollten sie auch, weil auch Kulturen sterblich sind.“ **

Goethe und Nietzsche verdankte Spengler „so gut wie alles“ (**). Wenn Nietzsche einst Schopenhauer und Wagner nannte, dann kann ich vielleicht Spengler und Sloterdijk nennen (**). Meine Kulturtheorie unterscheidet sich zwar - in Teilen sogar sehr (!) - von Spenglers, aber dennoch hat Spengler mir viele Anregungen hinsichtlich der Analogien gegeben, während Sloterdijk mit seinen Schriften mir Mut machte, das reine und teilweise zu spezialisierte Feld der Wissenschaft zu verlassen, um in der Philosophie vielleicht mehr Erkenntnisse gewinnen zu können. Und hatte Spengler nicht eine ähnliche Entwicklung durchgemacht, als er, von der Mathematik und den Naturwissenschaften ausgehend, zur Kulturphilosophie gelangte, obwohl er ein ambivalentes Verhältnis zur Philosophie zu haben schien?

Gemäß Spengler beginnt die menschliche Kulturgeschichte mit der ersten der monad(olog)ischen Kulturen (die sich übrigens begrifflich nicht ganz decken mit denen, die ich „Historienkulturen“ nenne), indem die jeweilige Landschaft und der ihr entsprechende Typus von Mensch allmählich einen Adel hervorbringt, der die Geschicke dieser Kultur leitet. Dieser Adel ist ein Urstand, der erste Urstand und der erste Stand, dem ein zweiter als Gegen-Stand (der zweite Urstand und der zweite Stand) die Stirn bietet. Der dritte Stand kommt erst später ins Spiel, und der vierte, den Spengler den „Nicht-Stand“ nennt, ist derjenige, der mit dem Beginn der Zivilisation einer jeden Kultur auftaucht, zu allem „nein“ sagt und alle Stände wie die gesamte zivilisatorisch gewordenen Kultur vernichten will, so daß am Ende dieses Vernichtungsprozesses von der Kultur entweder gar nichts mehr oder nur noch ein erstarrter, vergreister und vereister Zivilisationsrest übrigbleibt: die Kultur im Winterschlaf.

Spengler bevorzugte den Menschen der Tatsachen gegenüber dem Menschen der Wahrheiten, was nicht bedeutet, daß er letzteren verachtete, denn schließlich verwirklichen sich gemäß Spengler diese beiden Menschentypen in den zwei Urständen Adel und Priestertum, wobei er allerdings den Adel als den ersten und dami entscheidenden der beiden Urstände ansah. Ein „primitiver Rangunterschied auf Grund bloßer Tatsachen des äußeren Lebens“ (**) ist es, der zu Standesunterschieden führt, also Stände erst entstehen läßt, wodurch die Bauern zum Nicht-Stand degradiert werden (vom späteren „vierten Stand“, der mit der Zivilisation zusammen auftaucht und wiederum ein Nicht-Stand ist, ist hier nicht zu reden), denn bevor es überhaupt Stände gab, gab es nur Bauern oder - in noch viel älterer Form - Jäger und Sammler. Aber nicht die „Kultur“ der Jäger und Sammler, sondern die der Bauern (Ackerbauern und Viehzüchter), also die Agrikultur ist eine entwicklungsmäßige Voraussetzung für die Entstehung jener höherwertigen Arten von Kultur, um die es Spengler ging (und die ich, wie gesagt, „Historienkulturen“ nenne), und auch deren Endziel im Sinne einer Rückkehrzur Natur.

Spengler arbeitete viel mit Begriffspaaren. Es folgen einige Beispiele:

Zeit Raum
Leben Welt
Schicksal (Logik der Zeit) Kausalität (Logik des Raumes)
Schicksalsidee Kausalitätsprinzip
Geschichte Natur
Werden Geword(e)nes
Logik des Organischen Logik des Anorganischen und Mechanischen
Pflanzenhaftigkeit Tierhaftigkeit (= Pflanzenhaftigkeit + „X“ [aus dem äußeren Keimblatt hervogehend])
Verbundenheit Freiheit (im Verhältnis zum Makrokosmos)
Richtung Ausdehnung
Urfrage: Wann? (Warum?) Urfrage: Wo? (Wie?)
Chronologie Mathematik
Gestalt Gesetz
Analogie als Mittel, lebendige Formen zu verstehen Mathematisches Gesetz als Mittel, tote Formen zu erkennen
Periodizität Polarität
Tatsachen Wahrheiten
Dasein Wachsein
Adel Priestertum
Rasse Sprache
Symbol, Bild, Gleichnis Zahl, Begriff, Formel
Weib Mann
Geschlechtsleben Sinnenleben
Blut / Herz Nerven / Gehirn
Blutkreislauf und Fortpflanzung   Sinne und Nerven
Organismus (organische Weltanschauung) Mechanismus (mechanische Weltanschauung)
Lebensgefühl Erkenntnisweise
Physiognomik Systematik
Kenner Erkenner
Täter (Handelnder) Denker (Grübelnder)
Takt Spannung
Weltliches Geistliches
Kosmos Mikrokosmos in bezug auf einen Makrokosmos
Staat Kirche
Kaisertum Papsttum
Geschlechterfolge / Genealogie Character indelebilis / Zölibat
„Gut und schlecht“ als Totembegriff „Gut und böse“ als Tabubegriff
Wirtschaft / Geld Wissenschaft / Geist
Burgen, Schlösser, Paläste Klöster, Kirchen, Dome
Geldadel (zivilisierter Adel) Geistadel (zivilisiertes Priestertum)
„Ja“ (1. Stand [1. Urstand]) „Nein“ (2. Stand [2. Urstand] als Gegen-Stand)
Sehnsucht Angst
Totem   Tabu
Politik   Religion
Alle Wesen   Freibewegliche Wesen

Diese Begriffspaare sind aber nicht immer lösgelöst von Querverbindungen zu verstehen, wie die folgende Abbildung aus Spenglers Hauptwerk zeigt:

Vgl. Oswald Spengler, „der Untergang des Abendlandes“, 1917, S. 138

Gemäß dieser Abbildung beziehen sich das Begriffspaar Dasein und Wachsein und die anderen hier erwähnten Begiffspaare nicht auf dieselbe Ebene.

 

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